How to: Entwicklungshilfe

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odiug
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon odiug » Fr 24. Mär 2017, 09:07

Brainiac hat geschrieben:(24 Mar 2017, 01:52)

Falls du mit den "Handelshemmnissen" die Importzölle meinst, wie siehst du die existierenden bzw geplanten Freihandelsabkommen der EU mit Afrika? Bestandteil davon wäre ja der Entfall der EU-Importzölle, andererseits müssten auch die afrikanischen Länder ihre Märkte öffnen (bis auf definierte Ausnahmen). Bislang sind m.w. die Handelshemmnisse für europäische Firmen und Produkte in Afrika höher als umgekehrt, so dass Kritiker befürchten, das Ganze sei eher zum Nachteil als zum Vorteil Afrikas.

Ich meine damit vor allem, dass man damit aufhoeren muss, Afrika mit unsren Abfaellen zuzuscheissen.
Kein Bauer in Ghana kann gegen Schlachtabfaelle aus Niedersachsen konkurrieren, kein Textilunternehmen in Ghana gegen Altkleidersammlungen aus Baden Wuertenberg.
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon ThorsHamar » Fr 24. Mär 2017, 09:22

odiug hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:05)

Also du tust ja so, als ob Afrika nur aus Hungergebieten besteht.
Und Ruanda ist auch kein so tolles Beispiel, die heizen die Buergerkriege in ihren Nachbarlaendern fleissig mit an.
Gluecklich jenes Land, von dem man in den Nachrichten nichts hoert.
Ich denke, ein Fehler der Entwicklungspolitik ist es, Europa oder die industrialisierte Welt als Vorbild zu nehmen.
Aber wie gesagt ... alles ist fuer die Katz, wenn es nicht gelingt, den Kontinent zu befrieden.
Dir nutzt ein Zentralklinikum mit gut ausgebildeten Personal rein gar nichts, wenn ein paar Boko Haran oder sonstwas dir mit Macheten und Kalaschnikows alles kurz und klein schlagen.


Völlig korrekt soweit.
Aber wessen Pflicht ist es denn zuerst mal, "den Kontinent zu befrieden"?
Ich meine, dass es Eltern sind, welche ihren Kindern eine Zukunft in Frieden wünschen.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon relativ » Fr 24. Mär 2017, 09:49

Brainiac hat geschrieben:(24 Mar 2017, 01:52)

Falls du mit den "Handelshemmnissen" die Importzölle meinst, wie siehst du die existierenden bzw geplanten Freihandelsabkommen der EU mit Afrika? Bestandteil davon wäre ja der Entfall der EU-Importzölle, andererseits müssten auch die afrikanischen Länder ihre Märkte öffnen (bis auf definierte Ausnahmen). Bislang sind m.w. die Handelshemmnisse für europäische Firmen und Produkte in Afrika höher als umgekehrt, so dass Kritiker befürchten, das Ganze sei eher zum Nachteil als zum Vorteil Afrikas.

Nunja, daß wäre dann ungefähr so, als wenn du ein Schwergewichtsboxer gegen ein Fliegengewichtsboxer antreten lässt.
Entscheidender für mich wäre es zuerst in den afrikanischen Ländern den Binnenmarkt und die staatliche Fürsorge zu stärken. D.h. bekämpfung der Korruption, Stärkung der demokratische Kräfte, Stärkung der nationalen Einheit in den Ländern wo vielerorts der Clan noch vor dem Staat kommt.

Zur Entwicklungshilfe und wie sie gestaltet werden sollte.
Zuerst sollte man Entwicklungshilfe natürlich differenziert betrachten, da sie sich natürlich sehr veilschichtig gestaltet.
Da hätten wir die reine Nothilfe, die im eigentlich Sinne keine Entwicklungshilfe ist. Da ist die staatliche Entwickliungshilfe um zu Wissen wie sie arbeitet sollte man erstmal wissen auf welchen Säulen diese steht.
Da sind die technischen, die finanziellen und die personellen Säulen, die aus GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), die KfW die als Kridit und Geldgeber fingiert und die DED, die spezielles Personal und Freiwillige stellt.
Dies sind schon mal 3 ziemliche Bürokratiemonster, die natürlich hier Geld binden, aber eben auch Arbeitsplätze hier schaffen. Dazu kommt noch, daß sie bei größeren projekten wie z.B. in Afghanistan eine riesige Logistik und Personaldecke aufbauen.
Ich hab das Hauptquartier in Afghanistan gesehen. Wichtig ist zu wissen, daß vorwiegend natürlich die örttliche Bauindustrie temporär von zig Baumaßnahmen profitiert hat, aber ich wenig erkennen konnte, wo dies Nachhaltig eine Industrie aufbauen kann, mit der sich Afghanistan selber hätte wieder erneuern können.
Für mich wäre die Landwirtschaft ein erster und relativ einfacher Schritt gewesen, nur hat dies unter anderem die FAO mit ihren billigen Nahrungsmittelverteilung nahezu für jeden Bauer unmöglich gemacht. Was macht der bauer also um seine Familie zu ernähren? Er baut weiter Drogen für die Warlords an.

Neben der staatlichen Entwicklungshilfe gibt es noch unzählige NGO, die aber auch zum großen Teil von öffentlchen Geldern leben die z.B. die KfW verteilt. Das ist eine ganze Industrie und nicht nur in Deutschland.
In Kabul kamen zum Aufbau der Krankenhäuser ganze Containerladungen von Teils modernen, Teils gebrauchten deutschen Knwo how an. Da kann man natürlich nicht pauschal sagen dies wäre alles unsinnig, aber unbestritten ist, daß der große Teil dieser Gelder natürlich in die deutschen Industrie zurückfließen.
Wirklich nachhaltige Entwicklungshilfe zu späteren Selbsthilfe habe ich nicht erkennen können. Brückenbau, Schulbau, also Aufbau der Infrastruktur gehört zwar auch zur Hilfe, aber eben nicht zu einer wirtschaftlichen Hilfe zur Selbsthilfe. Da habe ich manchmal den Eindruck, daß dies gar nicht so gewollt ist, bzw. in letzter Konsequenz nicht durchgezogen wird.

Für Afrika ist es erst mal ganz wichtig, daß die Staaten dort stabilisert werden, so daß dort auch von Ausland investiert werden kann. Erst dann kann auch ein know how Austausch gewährleistet werden und die Bevölkerung kann sich entwickeln.
Da sollte m.M., neben der Nothilfe, der entwicklungstechnische Schwerpunkt liegen.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon H2O » Fr 24. Mär 2017, 09:54

odiug hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:05)

Also du tust ja so, als ob Afrika nur aus Hungergebieten besteht.
Und Ruanda ist auch kein so tolles Beispiel, die heizen die Buergerkriege in ihren Nachbarlaendern fleissig mit an.
Gluecklich jenes Land, von dem man in den Nachrichten nichts hoert.
Ich denke, ein Fehler der Entwicklungspolitik ist es, Europa oder die industrialisierte Welt als Vorbild zu nehmen.
Aber wie gesagt ... alles ist fuer die Katz, wenn es nicht gelingt, den Kontinent zu befrieden.
Dir nutzt ein Zentralklinikum mit gut ausgebildeten Personal rein gar nichts, wenn ein paar Boko Haran oder sonstwas dir mit Macheten und Kalaschnikows alles kurz und klein schlagen.


Selbstverständlich lohnt es nicht, in einem Kriegsgebiet Aufbauarbeit zu leisten... das tun nur Leute, die für das verdampfende Geld nicht arbeiten müssen. Ich vermute, daß Sie Burundi mit Ruanda verwechseln... ist aber nicht so wichtig, weil ich beide nicht aus eigener Anschauung kenne. So weit ich das verstanden habe, sind Hutubanden in Zentralafrika als Räuberbanden tätig, nachdem sie in Ruanda am Ende ihrer Mordbrennereien von den Tutsis vertrieben wurden. Ruanda hat eine funktionierende Regierung... sagte Rupert Neudeck. Der kann sich auch irren.

Sie könnten mich wieder aufbauen: Wo in Afrika ist kein Chaos und kein Krieg oder Bürgerkrieg? Wo gibt es die unbestechliche und der Gemeinschaft dienende Regierung? Da könnte man denn ja unbedenklich Aufbauhilfe leisten.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon relativ » Fr 24. Mär 2017, 10:22

ThorsHamar hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:22)

Völlig korrekt soweit.
Aber wessen Pflicht ist es denn zuerst mal, "den Kontinent zu befrieden"?
Ich meine, dass es Eltern sind, welche ihren Kindern eine Zukunft in Frieden wünschen.

Natürlich muessen dies Grundsätzlich die Menschen vor Ort selber hinkriegen, wir können bzw. sollten eigentlich nur helfend zur Hand gehen , dort wo wir dies Verantworten, oder für Angemessen ansehen. Die Frage inwieweit Konflikte von aussen angeheizt werden spielt auch eine Rolle, genauso wie Waffenlieferungen ect.pp. Alles Dinge die die Menschen vor Ort nur bedingt oder gar nicht beeinflussen können.
Die generelle Frage , ob wir Bürgerkriegen und Menschenrechtsverletzungen tatenlos zusehen, wird dadurch auch nicht obsolet.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon ThorsHamar » Fr 24. Mär 2017, 11:47

relativ hat geschrieben:(24 Mar 2017, 10:22)

Natürlich muessen dies Grundsätzlich die Menschen vor Ort selber hinkriegen, wir können bzw. sollten eigentlich nur helfend zur Hand gehen , dort wo wir dies Verantworten, oder für Angemessen ansehen. Die Frage inwieweit Konflikte von aussen angeheizt werden spielt auch eine Rolle, genauso wie Waffenlieferungen ect.pp. Alles Dinge die die Menschen vor Ort nur bedingt oder gar nicht beeinflussen können.
Die generelle Frage , ob wir Bürgerkriegen und Menschenrechtsverletzungen tatenlos zusehen, wird dadurch auch nicht obsolet.


Die generelle Antwort ist, endlich mal zu realisieren, dass Bürgerkriege von Bürgern gemacht werden, dass die sog. "Menschenrechte" keine universelle Vorgabe eines Gottes sind, sondern eine, im zivilisatorischem Sinne, humanistische Errungenschaft, welche letztlich unverbindlich ist.
Und für Menschen, deren Gesellschaft um 200 bis 20 000 Jahre hinter der Moderne zurückliegt, haben "Menschenrechte" KEINE Bedeutung!
Ja, für den guten Humanisten gelten die Menschenrechte natürlich für ALLE, aber für Gesellschaften aus ( für uns ) vergangenen Zeiten gibt es diese Menschenrechte nicht für uns!
WIR können nicht einfach helfen, WIR wissen nichtmal, WEM!! Und wie oft die Falschen unterstützt wurden, ist ja bittere Erfahrung ...
btw:
Wir haben doch in Deutschland gemerkt, wie gravierend schon nur winzige 40 Jahre unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklung das Zusammengehen beeinflusst, und das bei vorhergehend gemeinsamer Kultur.
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon relativ » Fr 24. Mär 2017, 12:16

ThorsHamar hat geschrieben:(24 Mar 2017, 11:47)

Die generelle Antwort ist, endlich mal zu realisieren, dass Bürgerkriege von Bürgern gemacht werden, dass die sog. "Menschenrechte" keine universelle Vorgabe eines Gottes sind, sondern eine, im zivilisatorischem Sinne, humanistische Errungenschaft, welche letztlich unverbindlich ist.
Und für Menschen, deren Gesellschaft um 200 bis 20 000 Jahre hinter der Moderne zurückliegt, haben "Menschenrechte" KEINE Bedeutung!
Ja, für den guten Humanisten gelten die Menschenrechte natürlich für ALLE, aber für Gesellschaften aus ( für uns ) vergangenen Zeiten gibt es diese Menschenrechte nicht für uns!
WIR können nicht einfach helfen, WIR wissen nichtmal, WEM!! Und wie oft die Falschen unterstützt wurden, ist ja bittere Erfahrung ...
btw:
Wir haben doch in Deutschland gemerkt, wie gravierend schon nur winzige 40 Jahre unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklung das Zusammengehen beeinflusst, und das bei vorhergehend gemeinsamer Kultur.

Du vergisst dabei wieder völlig, daß unsere Kultur extrem in deren Entwicklung eingegriffen hat und es immer noch tut. Du kannst sowas nicht einfach aus der Gleichung schmeißen.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Marmelada » Fr 24. Mär 2017, 13:00

Brainiac hat geschrieben:(22 Mar 2017, 20:51)

...

Welche Wege der Entwicklungshilfe hält die Userschaft für nutzbringend?

...
Fairen Handel
„Afrika ist nicht arm, sondern wir haben Afrika arm gemacht“, so Müller. Der Minister setzte sich für Direktverträge der Erzeuger mit den Weiterverarbeitern oder Vermarktern in Europa unter Umgehung der Rohstoffbörsen ein, bei denen ein großer Teil der Wertschöpfung hängen bleibe. In dieser Richtung habe sich schon einiges getan: „In zehn Jahren ist ,fair’ so weit wie heute bio“, zeigte sich Müller überzeugt.
So optimistisch wie Müller sehe ich das aber nicht. Die Zwischenhändler lassen sich nicht so einfach ausschalten. Bei einigen Projekten, wo das lokal versucht wurde, gab es dann auch Tote.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas gebe es für Europa keine Alternative. 20 Prozent der Menschen in den Industrieländern verbrauchten derzeit 80 Prozent der Ressourcen, die zum erheblichen Teil aus Afrika kämen. Wenn sich dies nicht ändere, setze eine „neue Völkerwanderung“ ein.
Das ist ein Punkt, über den sich viele nicht klar sind. Alle denkbaren Produkte zu möglichst günstigen Schnäppchenpreisen geht einher mit Verarmung der Erzeuger, was Fluchtbewegungen verursacht.

odiug hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:07)

Ich meine damit vor allem, dass man damit aufhoeren muss, Afrika mit unsren Abfaellen zuzuscheissen.
Kein Bauer in Ghana kann gegen Schlachtabfaelle aus Niedersachsen konkurrieren, kein Textilunternehmen in Ghana gegen Altkleidersammlungen aus Baden Wuertenberg.
Ja, das ist auch ein Problem, an dem man etwas tun müsste.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon ThorsHamar » Fr 24. Mär 2017, 14:12

relativ hat geschrieben:(24 Mar 2017, 12:16)

Du vergisst dabei wieder völlig, daß unsere Kultur extrem in deren Entwicklung eingegriffen hat und es immer noch tut. Du kannst sowas nicht einfach aus der Gleichung schmeißen.


Gerade WEIL ich nicht vergesse, dass wir die Kolonialzeit an der Backe haben, sehe ich die Realität !!
Ich frage mich, wem Du wie helfen willst, wenn Du Kindersoldaten gegenüberstehst, kleinen Jungs .... Ich habe das erlebt ...
Ich frage mich, wo Deine helfende Hand bleibt, wenn Du in Ruanda ein paar Frauen, Männer und ihre Kinder erlebst, die gerade eben 3 Tutsis, also schwarzen Nachbarn, mit einem Küchenmesser den Kopf abgeschnitten haben und dabei stolz und lächelnd fotografiert werden wollen ....
Ja, Afrika ist gross .... wie der Hass unter den Stämmen der Steinzeit .... mit Kalaschnikow und Brotmesser .... :mad:
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon relativ » Fr 24. Mär 2017, 14:23

ThorsHamar hat geschrieben:(24 Mar 2017, 14:12)

Gerade WEIL ich nicht vergesse, dass wir die Kolonialzeit an der Backe haben, sehe ich die Realität !!
Ich frage mich, wem Du wie helfen willst, wenn Du Kindersoldaten gegenüberstehst, kleinen Jungs .... Ich habe das erlebt ...
Ich frage mich, wo Deine helfende Hand bleibt, wenn Du in Ruanda ein paar Frauen, Männer und ihre Kinder erlebst, die gerade eben 3 Tutsis, also schwarzen Nachbarn, mit einem Küchenmesser den Kopf abgeschnitten haben und dabei stolz und lächelnd fotografiert werden wollen ....
Ja, Afrika ist gross .... wie der Hass unter den Stämmen der Steinzeit .... mit Kalaschnikow und Brotmesser .... :mad:

Eben, Afrika ist groß und deshalb beschreibst du eben nicht Afrika und 2 denkst du Aufgrund dieser "erlebten Vorkommnisse" lohnt es sich nicht zu helfen. Ich sehe dies nicht so, schon aus Eigeninteresse (Flüchtlingsbewegung) nicht.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon ThorsHamar » Fr 24. Mär 2017, 14:57

relativ hat geschrieben:(24 Mar 2017, 14:23)

Eben, Afrika ist groß und deshalb beschreibst du eben nicht Afrika und 2 denkst du Aufgrund dieser "erlebten Vorkommnisse" lohnt es sich nicht zu helfen. Ich sehe dies nicht so, schon aus Eigeninteresse (Flüchtlingsbewegung) nicht.


Das Eigeninteresses muss sein, die Ursachen für die gesellschaftliche Rückständigkeit mal ehrlich und politisch unabhängig zu benennen. Wenn das nicht endlich mal passiert, sind alle anderen Aktionen Blödsinn ....
Es gibt fast keine Staatsgebilde in Afrika, welche als Partner überhaupt relevant sein können!!
Die eigenen Ansprüche von Menschenrechten und Gleichberechtigung können bei einem so gigantischen Gefälle an Zivilisation niemals eingehalten werden, weder dort noch hier.
Das Einzige, was wir als Hilfe machen könnten, ist, dass jeder Bedürftige in Afrika ein Konto von der Deutschen Bank bekommt und sich dort jeden Monat Geld abholt und damit machen kann, was er will, Hauptsache, er bleibt zu Hause.
Das hätte den gleichen Effekt wie hierherzukommen und nichts zu tun, wäre aber ungefährlicher.
Alles Andere ist Neo-Kolonialismus ....
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Quatschki » Fr 24. Mär 2017, 15:08

odiug hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:07)

Ich meine damit vor allem, dass man damit aufhoeren muss, Afrika mit unsren Abfaellen zuzuscheissen.
Kein Bauer in Ghana kann gegen Schlachtabfaelle aus Niedersachsen konkurrieren, kein Textilunternehmen in Ghana gegen Altkleidersammlungen aus Baden Wuertenberg.

Afrika hat 1 Milliarde Einwohner
Glaubst du wirklich, dass die paar Kleiderspenden oder ein paar tausend Tonnen Geflügelfleisch da allein schon von der Größenordnung her relevant sein können?
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Boraiel » Fr 24. Mär 2017, 15:48

Vielleicht am besten gar nicht.
Zeit für mehr Kompetenz.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Fr 24. Mär 2017, 18:16

H2O hat geschrieben:(24 Mar 2017, 07:52)

Wenn die Leute vor Ort solche Sorgen umtreiben, dann benötigen sie ja gar keine Hilfe. Andere Bedürftige suchen, die die Hilfe zu schätzen wissen.

Da haben nun Sie mich missverstanden. Diese Kritik habe ich vor Ort in den "Nehmerländern" auch noch nicht gehört, sie kommt von hier. Es sei ein unzulässiger Eingriff in die Souveränität der Entwicklungsstaaten. Habe ich sogar hier im Forum schon gelesen.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Fr 24. Mär 2017, 18:32

odiug hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:07)

Ich meine damit vor allem, dass man damit aufhoeren muss, Afrika mit unsren Abfaellen zuzuscheissen.
Kein Bauer in Ghana kann gegen Schlachtabfaelle aus Niedersachsen konkurrieren, kein Textilunternehmen in Ghana gegen Altkleidersammlungen aus Baden Wuertenberg.


relativ hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:49)

Nunja, daß wäre dann ungefähr so, als wenn du ein Schwergewichtsboxer gegen ein Fliegengewichtsboxer antreten lässt.
Entscheidender für mich wäre es zuerst in den afrikanischen Ländern den Binnenmarkt und die staatliche Fürsorge zu stärken. D.h. bekämpfung der Korruption, Stärkung der demokratische Kräfte, Stärkung der nationalen Einheit in den Ländern wo vielerorts der Clan noch vor dem Staat kommt.


Marmelada hat geschrieben:(24 Mar 2017, 13:00)

Fairen Handel
So optimistisch wie Müller sehe ich das aber nicht. Die Zwischenhändler lassen sich nicht so einfach ausschalten. Bei einigen Projekten, wo das lokal versucht wurde, gab es dann auch Tote.

Das ist ein Punkt, über den sich viele nicht klar sind. Alle denkbaren Produkte zu möglichst günstigen Schnäppchenpreisen geht einher mit Verarmung der Erzeuger, was Fluchtbewegungen verursacht.

Es geht also darum, die afrikanischen Binnenmärkte zu schützen vor Dumping-Produkten aus Europa und anderswo. Das bedeutet höhere Importzölle, sonstige Barrieren oder freiwillige Selbstbeschränkung der EU und anderer.

Gleichzeitig, das ist auch eine Aussage von Müller aus dem Link zum "Fairen Handel", sollen "die afrikanischen Länder ohne Zölle und sonstige Handelsbarrieren Zugang zum europäischen Markt erhalten". Das ist sicher genauso wichtig, um deren Exporte zu fördern.

Daraus folgt aber, das möchte ich gerne mal auf den Punkt bringen, die Forderung einer asymmetrischen Bevorzugung der afrikanischen Länder. Sie sollen frei zu uns exportieren können, aber wir nicht dorthin. Ist das gemeint, wenn im Kontext der Dritten Welt von "Fairem Handel" gesprochen wird?

Es kann sein, dass das richtig und wichtig und notwendig ist, weil die Drittweltstaaten anders nicht vom Fleck kommen. Man kann dies auch als insofern fair ansehen, als es das ökonomische Ungleichgewicht sozusagen ausgleicht - die EU und andere sollen mit Handicap spielen. Ich habe trotzdem Störgefühle bei solchen Forderungen.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon odiug » Fr 24. Mär 2017, 19:09

Brainiac hat geschrieben:(24 Mar 2017, 18:32)

Es geht also darum, die afrikanischen Binnenmärkte zu schützen vor Dumping-Produkten aus Europa und anderswo. Das bedeutet höhere Importzölle, sonstige Barrieren oder freiwillige Selbstbeschränkung der EU und anderer.

Gleichzeitig, das ist auch eine Aussage von Müller aus dem Link zum "Fairen Handel", sollen "die afrikanischen Länder ohne Zölle und sonstige Handelsbarrieren Zugang zum europäischen Markt erhalten". Das ist sicher genauso wichtig, um deren Exporte zu fördern.

Daraus folgt aber, das möchte ich gerne mal auf den Punkt bringen, die Forderung einer asymmetrischen Bevorzugung der afrikanischen Länder. Sie sollen frei zu uns exportieren können, aber wir nicht dorthin. Ist das gemeint, wenn im Kontext der Dritten Welt von "Fairem Handel" gesprochen wird?

Es kann sein, dass das richtig und wichtig und notwendig ist, weil die Drittweltstaaten anders nicht vom Fleck kommen. Man kann dies auch als insofern fair ansehen, als es das ökonomische Ungleichgewicht sozusagen ausgleicht - die EU und andere sollen mit Handicap spielen. Ich habe trotzdem Störgefühle bei solchen Forderungen.

Stoergefuehle hat wohl jeder.
Ist auch nicht einfach ... die Entwicklungshelfer sind ja nicht bloed.
Auch die wollen was bewirken und auch sie sind an Nachhaltigkeit interessiert.
Keiner will, dass seine Arbeit wieder den Bach herunter geht ... auch Entwicklungshelfer nicht.
Ich weiss ... persoenliche Erfahrungen sind immer fragwuerdige Zeugen, weil es geht ja um das Grosse und Ganze, aber mein Opa arbeitete mal fuer die deutsche Botschaft in Ghana.
Er bekam da einen Auftrag die Gebaeude betreffend.
Er stellte sich ein paar Ghanaer ein und lernte sie an.
Mit deutscher Gruendlichkeit und Puenklichkeit.
Ab 12 Uhr Mittags waren die Arbeiter weg und kamen nicht mehr vor 5 Uhr Abends, was meinen Opa, alte Schule was Zuverlaessigkeit betrifft, auf die Palme brachte ... standen auch genug herum da.
Das ging eine Woche so, bis er selbst fast Zusammen brach auf der Arbeit, er erlitt einen Hitzschlag.
Er merkte, es hat einen Grund, warum Ghanaer nicht am Nachmittag in der Hitze arbeiten ...
Das gesagt, gibt es viele Beispiele, wo man einfach mal schauen sollte, was gibt es denn in Afrika was funktioniert.
ZB. Bei einem Bericht ueber afrikanische Landwirtschaft kam ein einheimischer Experte zu Wort, der witziger weise in Weihnstephan studierte und berichtete ueber einheimische Gemuesesorten, die mit einem Bruchteil des Wassers auskommen, aber heute nahezu vergessen sind, weil natuerlich wir Europaeer immer alles besser wissen wie was ao zu funktionieren hat.
Sei es nun als Kolonialist auf der Plantage, oder als Entwicklungshelfer mit schlechtem Gewissen wegen des Kolonialismus.
Aehnliche Projekte, einheimische Sorten, die von der kolonialen oder industriellen Landwirtschaft verdraengt wurden, auf ihren spezifischen Nutzen zu untersuchen, gibt es auch in Indien und das auch erfolgreich.
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Fr 24. Mär 2017, 19:13

relativ hat geschrieben:(24 Mar 2017, 09:49)

Zur Entwicklungshilfe und wie sie gestaltet werden sollte.
Zuerst sollte man Entwicklungshilfe natürlich differenziert betrachten, da sie sich natürlich sehr veilschichtig gestaltet.
Da hätten wir die reine Nothilfe, die im eigentlich Sinne keine Entwicklungshilfe ist. Da ist die staatliche Entwickliungshilfe um zu Wissen wie sie arbeitet sollte man erstmal wissen auf welchen Säulen diese steht.
Da sind die technischen, die finanziellen und die personellen Säulen, die aus GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), die KfW die als Kridit und Geldgeber fingiert und die DED, die spezielles Personal und Freiwillige stellt.
Dies sind schon mal 3 ziemliche Bürokratiemonster, die natürlich hier Geld binden, aber eben auch Arbeitsplätze hier schaffen. Dazu kommt noch, daß sie bei größeren projekten wie z.B. in Afghanistan eine riesige Logistik und Personaldecke aufbauen.
Ich hab das Hauptquartier in Afghanistan gesehen. Wichtig ist zu wissen, daß vorwiegend natürlich die örttliche Bauindustrie temporär von zig Baumaßnahmen profitiert hat, aber ich wenig erkennen konnte, wo dies Nachhaltig eine Industrie aufbauen kann, mit der sich Afghanistan selber hätte wieder erneuern können.
Für mich wäre die Landwirtschaft ein erster und relativ einfacher Schritt gewesen, nur hat dies unter anderem die FAO mit ihren billigen Nahrungsmittelverteilung nahezu für jeden Bauer unmöglich gemacht. Was macht der bauer also um seine Familie zu ernähren? Er baut weiter Drogen für die Warlords an.

Neben der staatlichen Entwicklungshilfe gibt es noch unzählige NGO, die aber auch zum großen Teil von öffentlchen Geldern leben die z.B. die KfW verteilt. Das ist eine ganze Industrie und nicht nur in Deutschland.
In Kabul kamen zum Aufbau der Krankenhäuser ganze Containerladungen von Teils modernen, Teils gebrauchten deutschen Knwo how an. Da kann man natürlich nicht pauschal sagen dies wäre alles unsinnig, aber unbestritten ist, daß der große Teil dieser Gelder natürlich in die deutschen Industrie zurückfließen.
Wirklich nachhaltige Entwicklungshilfe zu späteren Selbsthilfe habe ich nicht erkennen können. Brückenbau, Schulbau, also Aufbau der Infrastruktur gehört zwar auch zur Hilfe, aber eben nicht zu einer wirtschaftlichen Hilfe zur Selbsthilfe. Da habe ich manchmal den Eindruck, daß dies gar nicht so gewollt ist, bzw. in letzter Konsequenz nicht durchgezogen wird.

Danke für die konkreten Details. Das kling für mich aber alles eher wie eine Beschreibung, wie man es besser nicht machen sollte.

Für Afrika ist es erst mal ganz wichtig, daß die Staaten dort stabilisert werden, so daß dort auch von Ausland investiert werden kann. Erst dann kann auch ein know how Austausch gewährleistet werden und die Bevölkerung kann sich entwickeln.
Da sollte m.M., neben der Nothilfe, der entwicklungstechnische Schwerpunkt liegen.

Wie erreicht man das am besten, "die Stabilisierung von Staaten"?
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Fr 24. Mär 2017, 19:52

ThorsHamar hat geschrieben:(24 Mar 2017, 14:12)

Gerade WEIL ich nicht vergesse, dass wir die Kolonialzeit an der Backe haben, sehe ich die Realität !!
Ich frage mich, wem Du wie helfen willst, wenn Du Kindersoldaten gegenüberstehst, kleinen Jungs .... Ich habe das erlebt ...
Ich frage mich, wo Deine helfende Hand bleibt, wenn Du in Ruanda ein paar Frauen, Männer und ihre Kinder erlebst, die gerade eben 3 Tutsis, also schwarzen Nachbarn, mit einem Küchenmesser den Kopf abgeschnitten haben und dabei stolz und lächelnd fotografiert werden wollen ....
Ja, Afrika ist gross .... wie der Hass unter den Stämmen der Steinzeit .... mit Kalaschnikow und Brotmesser .... :mad:

Darf ich mal fragen, hast du eigentlich nur desillusionierende und furchtbare Erlebnisse dort unten gehabt?
Oder gab es auch Situationen, die positiv waren, wo etwas funktioniert hat, wo etwas voran ging, wo du dachtest: "Hey! so müsste es doch eigentlich laufen..."?
Und wenn ja, wie war das?
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon ThorsHamar » Fr 24. Mär 2017, 20:24

Brainiac hat geschrieben:(24 Mar 2017, 19:52)

Darf ich mal fragen, hast du eigentlich nur desillusionierende und furchtbare Erlebnisse dort unten gehabt?
Oder gab es auch Situationen, die positiv waren, wo etwas funktioniert hat, wo etwas voran ging, wo du dachtest: "Hey! so müsste es doch eigentlich laufen..."?
Und wenn ja, wie war das?


Nein, der grösste Teil waren positive Ereignisse, Gastfreundschaft, Herzlichkeit, gute Zusammenarbeit, gemeinsame Erfolgserlebnisse.
Das zählt aber letztlich nicht, wenn diese positive Stimmung fast unmittelbar nach Abreise und Übergabe der Verantwortung stirbt.
Und das ist es doch, worüber wir hier sprechen, oder?
Was ich fast überall bemerkt habe, ist das Unverständnis für ein gemeinsames, grösseres Staatswesen als Notwendigkeit für Zukunftsplanung.
Es waren erstaunlich wenige Menschen, welche diesen Part begreifen wollten. Es gab aber ein paar ....
Und die sind nach relativ kurzer Zeit ausgewandert, ich habe immerhin in den US zwei der Kollegen getroffen.
Sie hatten die Nase voll von der Unfähigkeit von Regierungen, von der Korruption, von der Dummheit mit Macht gepaart, auch von der Beschränktheit ihrer Landsleute und somit der Unmöglichkeit, als Inländer vernünftige Bedingungen zur Arbeit zu erhalten.
Deshalb gehen viele Projekte eben den sprichwörtlichen Bach runter ...
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
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Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Fr 24. Mär 2017, 20:42

ThorsHamar hat geschrieben:(24 Mar 2017, 20:24)

Nein, der grösste Teil waren positive Ereignisse, Gastfreundschaft, Herzlichkeit, gute Zusammenarbeit, gemeinsame Erfolgserlebnisse.
Das zählt aber letztlich nicht, wenn diese positive Stimmung fast unmittelbar nach Abreise und Übergabe der Verantwortung stirbt.
Und das ist es doch, worüber wir hier sprechen, oder?

Richtig.

Das heißt also, alles was gut lief, lief nicht mehr gut, wenn die Helfer weg waren? Wie kann man überhaupt darüber einen vollständigen Überblick behalten?

Was ich fast überall bemerkt habe, ist das Unverständnis für ein gemeinsames, grösseres Staatswesen als Notwendigkeit für Zukunftsplanung.
Es waren erstaunlich wenige Menschen, welche diesen Part begreifen wollten. [...]

Mir ist nicht ganz klar, was du mit "gemeinsames, grösseres Staatswesen" meinst. Dieses gibt es ja vielfach schon, oftmals in Form überbordernder Bürokratie.

Du meinst vielleicht ein "effizientes und gut funktionierendes, nicht korruptes Staatswesen" . Demnach wäre das dein Hauptansatzpunkt. Und dein Kritikpunkt wäre, dass die Bedeutung dessen zu wenigen bewusst ist.

Das kann ich aber nicht bestätigen. Nach meinen Erfahrungen (die sicher geringer sind als deine) ist sehr vielen Menschen dieses Manko durchaus bewusst. Sie wissen nur nicht so recht, was sie dagegen, gegen schlechte Regierungsführung und Korruption, tun können. Ausser Politiker oder Parteien zu wählen, die dagegen vorgehen wollen (falls es die gibt *).

*) Nachtrag; Wie z.B. EllenJohnson Sirleaf in Liberia.
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