How to: Entwicklungshilfe

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
Brainiac
Moderator
Beiträge: 4771
Registriert: Do 30. Jun 2011, 10:41

How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Mi 22. Mär 2017, 20:51

Angeregt durch einige Posts im Sammelstrang Flüchtlinge möchte ich das Thema mal grundsätzlich aufgreifen. Es ist ja Fakt, dass eine Menge Mrd. Dollar, Euro etc. in Entwicklungshilfe investiert wurden und werden, jedoch mit begrenztem Erfolg, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Im Sammelstrang Flüchtlinge wurde auch die Meinung geäußert, der Misserfolg sei u.a. darin begründet, dass die Entwicklungshilfe gar nicht ehrlich gemeint sei, sondern vor allem zur Auftragsbeschaffung westlicher (u.a. deutscher) Firmen diene. Ich kenne mich im Thema theoretisch wie praktisch (vor Ort) ein wenig aus und halte diese Ansicht in dieser Pauschalität für falsch. M.E. besteht das Problem eher darin, dass alles, was innerhalb eines Entwicklungsprojekts investiert wird, nicht organisch aus dem dortigen Land heraus gewachsen und somit nicht nachhaltig ist. Ich selbst habe z.B. Mitarbeiter einer lokalen NGO in Excel trainiert. Ich habe natürlich auch versucht, Projekte aufzusetzen, in denen dieses Wissen nutzbringend eingesetzt werden könnte, auch über meine Anwesenheit hinaus. Was davon noch existiert und lebt, weiss ich leider nicht.

Mein persönliches Fazit besteht derzeit darin, so weit wie möglich Hilfsaktivitäten nicht selbst zu konzipieren, sondern vor allem auf Wünsche der Einheimischen (Regierende, Verwaltung, Unternehmer, Bürger) einzugehen. Dies kann man von Dingen wie Good Governance abhängig machen. Dafür muss man natürlich etwas zurückstecken und kann keine grossartigen Ziele formulieren.

Welche Wege der Entwicklungshilfe hält die Userschaft für nutzbringend?

(Beim Kollegen jack000 weiss ich es bereits: Investitionen in die Infrastruktur. http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=6&t=27354&p=1324963 Die ist aber nicht alles, und kann auch den Bach runter gehen, wenn sie nicht vernünftig erhalten wird.)
this is planet earth
Benutzeravatar
Brainiac
Moderator
Beiträge: 4771
Registriert: Do 30. Jun 2011, 10:41

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Do 23. Mär 2017, 17:47

Die Frage ist wohl doch nicht so einfach zu beantworten. Na ja, war nur ein Versuch.
this is planet earth
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 12597
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Billie Holiday » Do 23. Mär 2017, 17:49

Brainiac hat geschrieben:(23 Mar 2017, 17:47)

Die Frage ist wohl doch nicht so einfach zu beantworten. Na ja, war nur ein Versuch.


Ich finde das Thema sehr interessant, ohne selbst Lösungsvorschläge zu haben. Hatte auf viele Beiträge gehofft.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 7016
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Bayern
Kontaktdaten:

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Moses » Do 23. Mär 2017, 17:50

Billie Holiday hat geschrieben:(23 Mar 2017, 17:49)

Ich finde das Thema sehr interessant, ohne selbst Lösungsvorschläge zu haben. Hatte auf viele Beiträge gehofft.

Da schließe ich mich an, ein Themenkomplex, in dem ich gar nicht drin stecke . . . vielleicht kommt ja noch was
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 13583
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Lower Bavaria

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 23. Mär 2017, 18:03

Brainiac hat geschrieben:(23 Mar 2017, 17:47)

Die Frage ist wohl doch nicht so einfach zu beantworten. Na ja, war nur ein Versuch.


Aber durchaus interessant und auch diskussionswürdig. Ich hab hier leider auch keinen Plan, da ich mich damit noch nicht näher beschäftigt habe.
Vielleicht hilft es mal einen Blick ehemalige Entwicklungsländer zu werfen. Südkorea z.B. Das war in den 60ern eines der ärmsten Länder. Bis 1990 galt es als Entwicklungsland, dann als Schwellenland. Mittlerweile spricht man teilweise schon von einer Industrienation. In meinen Augen ein sehr schneller Wandel und auch ein erfolgreicher.
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Brainiac
Moderator
Beiträge: 4771
Registriert: Do 30. Jun 2011, 10:41

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Do 23. Mär 2017, 18:21

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:03)

Aber durchaus interessant und auch diskussionswürdig. Ich hab hier leider auch keinen Plan, da ich mich damit noch nicht näher beschäftigt habe.
Vielleicht hilft es mal einen Blick ehemalige Entwicklungsländer zu werfen. Südkorea z.B. Das war in den 60ern eines der ärmsten Länder. Bis 1990 galt es als Entwicklungsland, dann als Schwellenland. Mittlerweile spricht man teilweise schon von einer Industrienation. In meinen Augen ein sehr schneller Wandel und auch ein erfolgreicher.

Mit Südkorea habe ich mich noch nicht näher beschäftigt, aber meines Wissens gelang dort der Aufschwung vor allem aus eigener Kraft.
Auch bei den Ländern in Afrika, bei denen es signifikant aufwärts ging (zB Botswana und Ruanda), fällt auf, dass diese jedenfalls nicht überproportional von Entwicklungshilfe profitiert haben. Sie haben auch keinen Meerzugang, und bei den Bodenschätzen sieht auch eher mau aus. Es muss etwas anderes sein, eine positive Eigendynamik, die aus sich selbst heraus entstehen muss. Und wie man die am besten herauskitzelt und unterstützt, ist das grosse Geheimnis.

Es gibt afrikanische Ökonomen, die dafür plädieren, Entwicklungshilfe vollständig abzuschaffen, um die Freisetzung der eigenen Energien zu erzwingen.

Eines der wichtigsten Positivbeispiele sind natürlich wir selbst, Deutschland nach WK II, und der Marshallplan. Das ist wohl das historische Paradebeispiel erfolgreicher Entwicklungshilfe. Aber eben mit dem entscheidenden Unterschied, dass Know-How und Bildung, teilweise auch Maschinen und Infrastruktur, vorhanden waren und sozusagen nur reaktiviert werden mussten. Diese Voraussetzung ist in Afrika nicht gegeben.

PS Schön, dass du wieder da bist. :)
this is planet earth
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 2329
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Europa2050 » Do 23. Mär 2017, 18:36

Moses hat geschrieben:(23 Mar 2017, 17:50)

Da schließe ich mich an, ein Themenkomplex, in dem ich gar nicht drin stecke . . . vielleicht kommt ja noch was


Versuch ich mal einen Ansatz (für den mich sicher einige lieben werden :D)

Eigentlich machen wir meines Erachtens schon das Richtige, nur nicht konsequent in der Durchführung:

Agile Leute zu uns lassen, ausbilden, Fach-, soziale- und Methodenkompetenzen vermitteln, zudem noch Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Toleranz und Ablehnung von Korruption. Und hier noch einen Kapitalstock aufbauen lassen für später.

Und wenn dann 50% - ( evtl. Auch erst in zweiter Generation) zurückgehen, können die bei passendem Umfeld viel aufbauen.
Hat ab 1990 in Ostmitteleuropa mit den Rückkehrern aus Westeuropa und den USA ja auch ganz gut geklappt und in der Türkei auch (wenn der Irre jetzt nicht alles kaputt macht).

Ist halt auch nur so eine Idee...
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:

Mist, hab ich einige Leute doch tatsächlich überfordert. :s
Benutzeravatar
Brainiac
Moderator
Beiträge: 4771
Registriert: Do 30. Jun 2011, 10:41

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Brainiac » Do 23. Mär 2017, 18:41

Europa2050 hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:36)

Versuch ich mal einen Ansatz (für den mich sicher einige lieben werden :D)

Eigentlich machen wir meines Erachtens schon das Richtige, nur nicht konsequent in der Durchführung:

Agile Leute zu uns lassen, ausbilden, Fach-, soziale- und Methodenkompetenzen vermitteln, zudem noch Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Toleranz und Ablehnung von Korruption. Und hier noch einen Kapitalstock aufbauen lassen für später.

Und wenn dann 50% - ( evtl. Auch erst in zweiter Generation) zurückgehen, können die bei passendem Umfeld viel aufbauen.
Hat ab 1990 in Ostmitteleuropa mit den Rückkehrern aus Westeuropa und den USA ja auch ganz gut geklappt und in der Türkei auch (wenn der Irre jetzt nicht alles kaputt macht).

Ist halt auch nur so eine Idee...

Das Gegenargument ist natürlich, dass in der Zwischenzeit - wo die Leute bei uns sind - dies einen Brain Drain für die Herkunftsländer bedeutet und auch nicht sicher ist, dass sie wirklich zurückgehen. (Das war übrigens während der Flüchtlingskrise immer ein gern genutztes Argument der Flüchtlingsgegner. ;) )

Andererseits ist ein Brain Drain bei Ländern wie Nigeria wohl kaum möglich, die haben ja fast unendlich viele junge Menschen.

Passend zu diesem Thema: http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=68&t=56912&p=3830123#p3830123
this is planet earth
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 13583
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Lower Bavaria

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 23. Mär 2017, 18:47

Brainiac hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:21)

Es gibt afrikanische Ökonomen, die dafür plädieren, Entwicklungshilfe vollständig abzuschaffen, um die Freisetzung der eigenen Energien zu erzwingen.




Nun, vielleicht gar nicht so falsch. Vielleicht liegt's aber auch daran (und damit wären wir beim Threadthema) die Entwicklungshilfe, wie sie im Augenblick einfach falsch läuft. Letztendlich kann sich eine gut funktionierende Entwicklungshilfe nur mit einem Beschäftigen. Die Voraussetzungen für eine funktionierende Wirtschaft zu schaffen. Das ist letztendlich die Basis für steigenden Wohlstand.
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 7016
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Bayern
Kontaktdaten:

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Moses » Do 23. Mär 2017, 18:49

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:47)

Nun, vielleicht gar nicht so falsch. Vielleicht liegt's aber auch daran (und damit wären wir beim Threadthema) die Entwicklungshilfe, wie sie im Augenblick einfach falsch läuft. Letztendlich kann sich eine gut funktionierende Entwicklungshilfe nur mit einem Beschäftigen. Die Voraussetzungen für eine funktionierende Wirtschaft zu schaffen. Das ist letztendlich die Basis für steigenden Wohlstand.


Du meinst, nicht in die Wirtschaft als solche sondern in die Infrastruktur, Energie- und Wasserversorgung investieren?
Klingt vernünftig.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
H2O
Beiträge: 13141
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon H2O » Do 23. Mär 2017, 18:54

Brainiac hat geschrieben:(23 Mar 2017, 17:47)

Die Frage ist wohl doch nicht so einfach zu beantworten. Na ja, war nur ein Versuch.


Sie selbst haben doch ganz offensichtlich weitaus mehr Einblick und Durchblick auf diesem Gebiet als die allermeisten unserer Forenkollegen!

Aus meiner etwas tiefer gehenden Beschäftigung mit dem Thema "Polen" ziehe ich folgende Erkenntnis: Der Vorwurf, daß die Geberländer von Entwicklungshilfe doch nur selbst davon Vorteile haben, ist doch gar nicht so aufregend neu. In Polen gibt es öffentlich geäußerte Meinungen, daß die Regionalen Entwicklungshilfen im wesentlichen der EU und insbesondere Deutschland nützen. Aber gottlob ist die Meinung der Mehrheit ganz anders und überaus anerkennend. Über die abwertende Meinung ärgere ich mich hier aber mehr als ich mich über die anerkennende freue...

Hier in Polen kann man die erstaunliche Aufbauleistung bewundern, die mit Hilfe des Regionalfonds vollbracht wurden. Überall findet man diese Hinweistafeln... "Tue Gutes und rede darüber!"

Wie weit vergleichbare Maßnahmen auch in der Entwicklungshilfe zu Anerkennung führen, das kann ich nicht sagen. Böse Gerüchte in Europa und den USA sagen aber, daß die Mittel zu oft in völlig undurchsichtigen Kanälen verschwinden, und daß zu viele mit großer Anstrengung hergerichtete Einrichtungen nicht gepflegt und schlicht verbraucht werden. Etliche Jahre später sei das Zeug im Sand verweht oder als Altmetall entsorgt. Aus meiner Sicht nicht verwunderlich, wenn in korrupten Staatswesen oder Staatswesen ohne geordnete Verwaltung solche Einrichtungen hingestellt werden.

Ich glaube deshalb, daß Ihr eigenes Empfinden Sie nicht trügt, und daß man Entwicklungshilfe nur dort leisten sollte, wo Gute Regierungsführung auch langfristig dafür sorgt, daß öffentliche Einrichtungen gepflegt und erhalten werden.

An anderer Stelle hatte ich schon einmal von Rupert Neudeck und seiner Freundschaft zum Präsidenten von Ruanda berichtet. Als Herr Neudeck noch lebte, berichtete er mit höchstem Lob von der Aufbauleistung in diesem von schrecklichstem Völkermord verwüsteten Land... dank der unbestechlichen Strenge des Staatspräsidenten Paul Kagame. Vielleicht ist dort nach unserem Geschmack weniger Demokratie am Werk, aber offensichtlich ein selbstloser Staatschef in aller Strenge, damit sein Volk sich bildet und etwas schafft. Rupert Neudeck hatte sich dort für die handwerkliche Berufsausbildung als Entwicklungshilfe eingesetzt und Jahre später den Erfolg dieser Maßnahme besichtigt.

Vielleicht ist dieses Vorgehen im Kleinen klüger als über "Internationale Entwicklungsbanken" Großprojekte zu installieren, an denen Weltkonzerne tüchtig verdienen und die danach schlicht verbraucht werden. Im Grunde haben Sie das ja auch so getan mit Ihrer Excel-Schulung. Vor dem Hintergrund muß man sich die Rechnerausstattung vor Ort vorstellen, und daß diese Schmuckstücke auch nur eine endliche Lebensdauer haben. Ersatz planen diese Empfänger möglicherweise gar nicht, sondern warten auf den nächsten hochherzigen Spender. Und dann war Ihre mit viel Herzblut betriebene Ausbildung für die Katz!
Zuletzt geändert von H2O am Do 23. Mär 2017, 18:57, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 13583
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Lower Bavaria

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 23. Mär 2017, 18:57

Moses hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:49)

Du meinst, nicht in die Wirtschaft als solche sondern in die Infrastruktur, Energie- und Wasserversorgung investieren?
Klingt vernünftig.


Bildung gehört letztendlich auch dazu. Wobei man sich letztendlich die Frage stellen muss, warum es in Afrika einfach nicht klappt, während in Asien und Südamerika in den letzten 50 Jahren enorme Fortschritte erzielt wurden.
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 7016
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Bayern
Kontaktdaten:

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon Moses » Do 23. Mär 2017, 19:00

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:57)

Bildung gehört letztendlich auch dazu. Wobei man sich letztendlich die Frage stellen muss, warum es in Afrika einfach nicht klappt, während in Asien und Südamerika in den letzten 50 Jahren enorme Fortschritte erzielt wurden.

Ich habe einen kleinen Einblick in Kenya bekommen, dort werden die besten Schüler der Dorfschule, finanziert vom ganzen Dorf auf weiterbildende Schule geschickt um eventuell dann auch zu studieren . . . im Grunde ein sehr guter und löblicher Ansatz, aber die benötigte Menge an gut ausgebildeten kommt so nicht zu stande. So lange die Kinder in der Dorfgemeinschaft arbeiten müssen um das Überleben sicher stellen zu können, bleiben immer nur wenige übrig, in deren Bildung investiert werden kann.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
odiug
Moderator
Beiträge: 8638
Registriert: Di 25. Sep 2012, 06:44

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon odiug » Do 23. Mär 2017, 19:02

Natuerlich ist meine Kritik an der Entwicklungshilfe als Subvention der deutschen Industrie, die ich im Fluechtlingsstrang geaeussert habe, zu pauschal.
Es gab mal bei einer Doku ueber Liberia ein huebsches Beispiel:
Da hat Norwegen im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklungshilfe eine Fischdosenfabrik aufgebaut ... einfach ... nix was jetzt eine ueberkomplizierte Infrastruktur benoetigt.
Die ist inzwischen, nach nur wenigen Jahren komplett zerfallen ... nur noch eine Ruine.
Warum ?
Zwei Gruende:
erstens die Handelshemmnisse der EU und zweitens die EU Fischtrawler vor der Kueste, die im Rahmen eines Lizenzabkommens mit der dortigen Regierung die Gewaesser industriell befischen und den Fisch gleich an Bord auch aufarbeiten.
wir haben also eine bankrotte Zentralregierung, die die Ressourcen der lokalen Bevoelkerung verschaerbeln muss, um das vom Buergerkrieg geschundene Land wieder aufzubauen um dann an der Konkurrenz der hochentickelten Industriestaaten zu scheitern.
Das Problem ist wirklich der lokale Markt, die fehlende Mittelschicht, die eine lokale Wirtschaft aufbauen, und deren Produkte auch abnehmen kann.
So tragisch das auch sein mag, aber irgendwelche Nomadenhirten mit Kunstduenger und einen Brunnen zu produktiveren Bauern zu machen, bringt eigentlich gar nix und wird die Probleme Afrikas auch nicht loesen..
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
Benutzeravatar
odiug
Moderator
Beiträge: 8638
Registriert: Di 25. Sep 2012, 06:44

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon odiug » Do 23. Mär 2017, 19:06

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:57)

Bildung gehört letztendlich auch dazu. Wobei man sich letztendlich die Frage stellen muss, warum es in Afrika einfach nicht klappt, während in Asien und Südamerika in den letzten 50 Jahren enorme Fortschritte erzielt wurden.

Bildung ... nett ... nur in Tunesien hast du eine hohe Akademikerrate und die sitzen alle arbeitslos in den Kafes und trinken Tee ... wenn sie nicht gerade eine Revolution anzetteln.
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1530
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Mär 2017, 19:06

Brainiac hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:21)
Mit Südkorea habe ich mich noch nicht näher beschäftigt, aber meines Wissens gelang dort der Aufschwung vor allem aus eigener Kraft.

Aber das spannende ist ja wie sie es geschafft haben, im Gegensatz zu den afrikanischen edit Mod Ländern:
Massive staatliche Subventionen in schlüsseltechnologie (elektronik) und dann haben die Firmen mit dem erworbenen spezialisierten know how den Weltmarkt aufgemischt..
So macht es China ja aktuell auch.
Die Afrikaner könnten es theoretisch jederzeit genauso machen, edit Mod

Abwertende Pauschalisierungen entfernt

Moses
Mod
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 13583
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Lower Bavaria

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 23. Mär 2017, 19:16

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Mar 2017, 19:06)

Aber das spannende ist ja wie sie es geschafft haben, im Gegensatz zu den afrikanischen edit Mod Ländern:
Massive staatliche Subventionen in schlüsseltechnologie (elektronik) und dann haben die Firmen mit dem erworbenen spezialisierten know how den Weltmarkt aufgemischt..
So macht es China ja aktuell auch.
Die Afrikaner könnten es theoretisch jederzeit genauso machen, edit Mod.


Naja. Südkorea hat in den 60ern wohl kaum Schlüsseltechnologien subventioniert. War ja kein Geld da. Um etwas subventionieren zu können muss man primär erstmal Geld haben. Auch in Südkorea kam das erst, als es schon ein Schwellenland war und kein Entwicklungsland. Interessanter ist also was vorher passiert ist.
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1530
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Mär 2017, 19:21

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(23 Mar 2017, 18:03)
Südkorea z.B. Das war in den 60ern eines der ärmsten Länder. Bis 1990 galt es als Entwicklungsland, dann als Schwellenland. Mittlerweile spricht man teilweise schon von einer Industrienation.

Bei über 30.000 usd bip/Einwohner ist es selbstverständlich ein "erste Welt Land" und nicht nur "teilweise" eine industrienation.
Es ist etwa auf dem selben Niveau wie Spanien und deutlich über Ländern wie Polen (die auch nicht schlecht da stehen).
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1530
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Mär 2017, 19:26

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Mar 2017, 19:06)
Die Afrikaner könnten es theoretisch jederzeit genauso machen, edit Mod

Abwertende Pauschalisierungen entfernt

Moses
Mod

Darf man fragen was denn sonst die Afrikaner (in Summe betrachtet, nicht einzelne Afrikaner, wie z.b. Elon Musk) davon abhält, es Südkorea und China gleichzutun, wenn nicht Dummheit?
Meinst du es ist eher Faulheit?
Keine Lust an Wohlstand?

Ich meine:

Lass Deine abwertenden Verallgemeinerungen und Deine Provokation,
eine Diskussion darüber findet nicht statt.

Moses
Mod
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1530
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: How to: Entwicklungshilfe

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Mär 2017, 19:35

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(23 Mar 2017, 19:16)
Naja. Südkorea hat in den 60ern wohl kaum Schlüsseltechnologien subventioniert. War ja kein Geld da. Um etwas subventionieren zu können muss man primär erstmal Geld haben. Auch in Südkorea kam das erst, als es schon ein Schwellenland war und kein Entwicklungsland. Interessanter ist also was vorher passiert ist.

Ok was ist da passiert?
Und wie kann man dieses (im Gegensatz zur Entwicklungshilfe) erfolgreiche Konzept in Afrika anwenden?

Zurück zu „3. Außenpolitik - Aus aller Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast