Iran 2016 - Perspektiven

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King Kong 2006
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 17. Jan 2016, 00:29

Wolverine hat geschrieben:(17 Jan 2016, 00:24)

Mmh, diese gespielte Naivität kaufe ich dir nicht ab. Die Industrie setzt die Regierungen unter Druck, weil die Mächtigen und Reichen Geld verdienen wollen. Jetzt habe ich es so einfach erklärt, dass sogar du es kapieren müsstest. :D
Die geplante Vernichtung Israels durch den Iran ist da wohl eher so ein nervender Klingelton. :rolleyes:


Also sind die Mächtigen und Reichen (wer wäre das z.B.?) daran interessiert gezielt Israel über den Jordan gehen zu lassen, um Geld zu verdienen?
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schokoschendrezki
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon schokoschendrezki » So 17. Jan 2016, 06:52

Wolverine hat geschrieben:(16 Jan 2016, 23:56)

Für mich wird der Iran immer der Staat innerhalb der UN sein, der vollkommen sanktionslos die Vernichtung eines Staates und seiner Einwohner fordern darf und dafür auch noch mit der Aufhebung von Sanktionen belohnt wird. Und das 71 nach der Befreiung von Auschwitz. Ich kann irgendwie nicht ganz nachvollziehen wie man über ein solch extremistisches Gebilde fabulieren kann, welches eine ganze Bevölkerung in Geiselhaft hält. Die offene Unterstützung des weltweiten Terrorismus wollte ich eigentlich unerwähnt lassen, aber jetzt ist es doch rausgerutscht.

Es ist mir schon mehrfach aufgefallen, dass kaum irgendwo eine solche (und solch unangebrachte weil rein subjektive) Häufung von Ewigkeitsattibuten wie "immer" oder "nie" fällt, wie im Zusammenhang mit Problemen im Nahen Osten.

Zur Erinnerung: Iran gehörte zu den allerersten Staaten nach 45, die Israel anerkannt haben. Noch bedeutsamer: Sowohl die "diffus linke" Regierung Mossadegh als auch das offen prowestliche Schah-Regime unterhielten ausgezeichnete Beziehungen zu Israel. Was ja wohl die Annahme einer irgendwie gearteten inneren, "ewiglichen" Feindschaft widerlegt.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Jekyll » So 17. Jan 2016, 07:38

Wolverine hat geschrieben:(17 Jan 2016, 00:24)Die geplante Vernichtung Israels durch den Iran ist da wohl eher so ein nervender Klingelton. :rolleyes:
Die "geplante Vernichtung" existiert nur in deiner Phantasie. Niemand hat die Absicht, Israel zu vernichten.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Wolverine » So 17. Jan 2016, 09:41

Jekyll hat geschrieben:(17 Jan 2016, 07:38)

Die "geplante Vernichtung" existiert nur in deiner Phantasie. Niemand hat die Absicht, Israel zu vernichten.


Mmh, was machst du denn, wenn ich Zitate führender Militärs einstelle, die doch tatsächlich behaupten, dass die Vernichtung Israels die Nummer 1 der Agenda ist? Wenn ich dann noch die geistlichen verlinke, die das ebenfalls behaupten, was machst du dann? Meldest du dich dann vom Forum ab? :cool:
Der Iran, respektive die militärische und geistliche Führung haben definitiv die Absicht Israel zu vernichten und machen noch nicht mal einen Hehl daraus. Nicht meine Fantasie. Realität nennt man das. Wäre nett, würdest du irgendwann mal dort ankommen. :rolleyes:
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 17. Jan 2016, 15:53

Die Aufhebung Sanktionen geht nicht nur mit ökonomischen Veränderungen einher, wie auch politischen im Kontext von Kooperationen mit dem Westen in der Region, sondern stellt wie gesagt auch Herausforderungen an die Hardliner im Iran. Die Öffnung birgt für diese Gefahren. Umso abgeschotteter ein System ist, desto geschützter. Die Reformer, nicht unwesentlicher Teile der iranischen Bevölkerung und auch der Westen baut darauf.

Analysis: Lifting of sanctions a blessing for Iran, but could endanger the Islamic regime

Iranian hardliners fear that economic change and openness will bring ideas such as democracy, human rights and sexual permissiveness, which will weaken their hold on the country.

http://www.jpost.com/Middle-East/Iran/A ... ime-441769
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Di 19. Jan 2016, 16:01

Stimmen aus dem Iran:

Iraner über Ende der Sanktionen: "Als würde neues Blut in unseren Körpern fließen"

Jahre der Abschottung sind vorbei - nun beginnt für Iran eine neue Epoche. Oder? Viele hoffen mit dem Ende der Sanktionen auf ein besseres Leben. Doch es gibt auch Skepsis. Wir haben Stimmen im Land gesammelt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/i ... 72758.html
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 22. Jan 2016, 21:04

Wieder einmal wurden die meisten Kandidaten, die dem Reformlager zuzuordnen sind für die Wahl des Parlamentes ausgeschlossen. Rouhani bringt Stimmung mit seiner Meinung dazu in den Laden. Zumal er damit auch Khamenei widerspricht.

Wahl im Iran: Heftige Debatten um Ausschluss für viele Reformer

Mehr als 80 Prozent der liberalen Kandidaten von Parlamentswahl ausgeschlossen

Irans Präsident Hassan Rohani griff zu einem gewagten Vergleich: "Juden, Christen, Anhänger von Zarathustra und sonstige Minderheiten im Iran – sie haben im Parlament ihre Abgeordneten. Wieso also verweigert man sieben bis 20 Millionen anderen Menschen, ihre Favoriten zu wählen?", fragte der Regierungschef in einer Rede im Parlament. Ziel der scharfen Kritik: das Vorgehen des Wächterrats, der zuvor mehr als 80 Prozent der liberalen Kandidaten von der für Februar geplanten Parlamentswahl ausgeschlossen hatte.

Rohani reagierte damit direkt auf eine Rede des religiösen Führers Ayatollah Ali Khamenei. Dieser hatte zwar alle Iraner aufgefordert, an der Wahl teilzunehmen, aber indirekt auch das Vorgehen des Wächterrats begrüßt. Zudem hatte er vorausgesagt, das kommende Parlament werde sehr ähnlich wie das aktuelle aussehen, in dem es kaum Reformer gibt. "Wie will man Leute ermuntern, an Wahlen teilzunehmen, wenn man ihnen nicht ermöglicht, ihre Favoriten ins Parlament zu schicken?", fragte nun Rohani bei einem Zusammentreffen der Direktoren des Innenministeriums. - derstandard.at/2000029563163/Wahl-im-Iran-Heftige-Debatten-um-Ausschluss-fuer-viele-Reformer
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Kohlmeise » Fr 22. Jan 2016, 22:29

King Kong 2006 hat geschrieben:(22 Jan 2016, 21:04)

Wieder einmal wurden die meisten Kandidaten, die dem Reformlager zuzuordnen sind für die Wahl des Parlamentes ausgeschlossen. Rouhani bringt Stimmung mit seiner Meinung dazu in den Laden. Zumal er damit auch Khamenei widerspricht.

Es gibt im Iran diverse Machtzentren und es ist sehr schwer, von aussen zu beurteilen, wer wem untersteht. Den schwächsten Stand scheint der gewählte Präsident zu haben, obwohl er die grösste Legitimation und ein hohes Ansehen hat. Es wäre im Interesse des Irans und auch des Westens, dass Rohani mehr Macht bekommt und so mehr Berechenbarkeit in die iranische Politik einbringt.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 22. Jan 2016, 23:00

Kohlmeise hat geschrieben:(22 Jan 2016, 22:29)

Es gibt im Iran diverse Machtzentren und es ist sehr schwer, von aussen zu beurteilen, wer wem untersteht. Den schwächsten Stand scheint der gewählte Präsident zu haben, obwohl er die grösste Legitimation und ein hohes Ansehen hat. Es wäre im Interesse des Irans und auch des Westens, dass Rohani mehr Macht bekommt und so mehr Berechenbarkeit in die iranische Politik einbringt.


Dazu ein Art der Betrachtung:

Das iranische Regime wird allerdings nicht nur durch den Faktor „Äußere Bedrohung“ stabilisiert, wodurch man in der Lage ist, das Volk um sich zu scharen, sondern vor allem auch aufgrund seiner systemrelevanten Beschaffenheit und des ideologischen Überbaus.

Der größte ordnungspolitische Stabilitätsfaktor in der Islamischen Republik ist die Verfassung selbst. Iran ist nicht monolithisch, das heißt., dass es gleich mehrere zueinander konkurrierende Machtzentren gibt, wie die Exekutive, Legislative und Judikative, die institutionell unabhängig voneinander sind. Hinzu kommen das „überparteiische“ Amt des religiösen Staatsoberhauptes (Wilayat al-Faqih) und einige weitere Machtzentren, wie die des Schlichtungrates. Das heißt buchstäblich das, was in der westlichen Rezeption als „Systemfehler“, „Machtkampf“ und „Risse im Regime“ empfunden wird, ist in Wirklichkeit eine der Grundsäulen der iranischen Stabilität.

Zur Gegenüberstellung: In Tunesien gab nur ein einziges Machtzentrum, nämlich das des Präsidenten. Alles war auf eine Person zugeschnitten, die seit mehr als 20 Jahren regiert. Sein Sturz kam daher dem Sturz des gesamten Regimes gleich, in Iran ist dies dagegen nur eine Frage der Personalentscheidung. Das heißt, dass die Islamische Republik im Falle von Unruhen fähig ist, durch den Austausch eines einzelnen oder mehrerer Verantwortungsträger oder einer politischen Strömung die Schuld von Miseren und Krisen auf einer einzelne Person bzw. einer politischen Strömung zu delegieren, wodurch neue glaubwürdige Versprechen möglich sind und neue Hoffnungen verbreitet werden können und der Volkszorn damit stark gedämpft wird.

http://irananders.de/nachricht/detail/410.html
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Kohlmeise » Sa 23. Jan 2016, 00:35

Saudi Arabien, also unser "Verbündeter und guter Freund" hat ja nicht einmal eine Verfassung :D .
Wie kann ein solcher Staat unser Verbündeter sein?
Bei allen Problemen und religiösem Getöse im Iran, ist das Land mit Saudi Arabien nicht zu vergleichen. Es sind Welten dazwischen.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Kohlmeise » So 24. Jan 2016, 08:35

Über Ruhani:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016 ... -hardliner

Ruhani kämpft gegen Irans Hardliner.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » So 24. Jan 2016, 22:49

ja, der war sauer
aber hilft wahrscheinlich nix
Kohlmeise

Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Kohlmeise » So 24. Jan 2016, 22:54

Platon hat geschrieben:(24 Jan 2016, 22:49)

ja, der war sauer
aber hilft wahrscheinlich nix

Er ist ambitioniert. Vielleicht will er in den Chefsessel?
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » So 24. Jan 2016, 23:24

Kohlmeise hat geschrieben:(24 Jan 2016, 22:54)

Er ist ambitioniert. Vielleicht will er in den Chefsessel?

Wenn er das wollen würde, würde er sich nicht so verhalten. Der nächste Revolutionsführer wird jemand auf den sich alle Fraktionen einigen können, bestimmt ein Konservativer mit der Bereitschaft zum Kompromiss, der nach Möglichkeit nicht allzu viel angeeckt ist. Dazu würde es dem Amt des Revolutionsführers nicht schaden, wenn es wieder ein echter Ayatollah wird.

Ich denke es geht bei seinen Aussagen um den innenpolitischen Machtkampf und natürlich seine eigene Glaubwürdigkeit vor denjenigen die ihn gewählt haben.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Kohlmeise » Mo 25. Jan 2016, 00:10

Platon hat geschrieben:(24 Jan 2016, 23:24)

Wenn er das wollen würde, würde er sich nicht so verhalten. Der nächste Revolutionsführer wird jemand auf den sich alle Fraktionen einigen können, bestimmt ein Konservativer mit der Bereitschaft zum Kompromiss, der nach Möglichkeit nicht allzu viel angeeckt ist. Dazu würde es dem Amt des Revolutionsführers nicht schaden, wenn es wieder ein echter Ayatollah wird.

Ich denke es geht bei seinen Aussagen um den innenpolitischen Machtkampf und natürlich seine eigene Glaubwürdigkeit vor denjenigen die ihn gewählt haben.

Wie man im Atomstreit sehen konnte, ist das Regime gar nicht so starr, wie man die ganze Zeit gedacht hatte. Vielleicht erkennen die Geistlichen irgendwann, dass sie ihren Erzfeind in Saudi Arabien mit dessen eigenen Waffen schlagen können, nämlich mit der Annäherung an die USA. Am Ende geht es den Mullahs ja auch nur um ihre irdische Macht. Diese könnten sie mit einem klugen und relativ liberalen Ruhani an der Spitze länger behalten und nebenbei dem Westen klarmachen, dass der Iran für ihn mittelfristig die bessere Wahl ist als die Saudis.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » Mo 25. Jan 2016, 00:28

Kohlmeise hat geschrieben:(25 Jan 2016, 00:10)

Wie man im Atomstreit sehen konnte, ist das Regime gar nicht so starr, wie man die ganze Zeit gedacht hatte.

Eigentlich war das vorher auch bekannt. Es gibt in der Islamischen Republik immer ein Hin- und Herpendeln zwischen verschiedenen Teilen des Establishments, die miteinander um Posten und Einfluss ringen. In Bezug auf die USA haben die Iraner unter Revolutionsführer Khamenei immer gesagt, dass man sich unter gewissen Umständen eine Annäherung an die USA vorstellen könnte.
Vielleicht erkennen die Geistlichen irgendwann, dass sie ihren Erzfeind in Saudi Arabien mit dessen eigenen Waffen schlagen können, nämlich mit der Annäherung an die USA. Am Ende geht es den Mullahs ja auch nur um ihre irdische Macht. Diese könnten sie mit einem klugen und relativ liberalen Ruhani an der Spitze länger behalten und nebenbei dem Westen klarmachen, dass der Iran für ihn mittelfristig die bessere Wahl ist als die Saudis.

Die Macht der Islamischen Republik basiert auf der militärischen Stärke der Revolutionsgarden, der ökonomischen Macht des Staates und der Fähigkeit seine Verbündeten loyal zu halten und eng an sich zu binden. Die USA können da gar nicht so viel gegen machen, als sich damit zu arrangieren. Genau das machen sie ja jetzt. Umgekehrt müssen die Iraner sich damit abfinden, dass die USA in ihrer Region die dominante Weltmacht sind und es sich lohnt mit ihnen zusammen zu arbeiten, wenn man gemeinsame Interessen hat. Rohani ist übrigens auch nicht wirklich liberal, außenpolitisch hat sich in erster Linie der Ton geändert, nicht aber der Inhalt.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Kohlmeise » Mo 25. Jan 2016, 12:48

Platon hat geschrieben:(25 Jan 2016, 00:28)

Eigentlich war das vorher auch bekannt. Es gibt in der Islamischen Republik immer ein Hin- und Herpendeln zwischen verschiedenen Teilen des Establishments, die miteinander um Posten und Einfluss ringen. In Bezug auf die USA haben die Iraner unter Revolutionsführer Khamenei immer gesagt, dass man sich unter gewissen Umständen eine Annäherung an die USA vorstellen könnte.

Die Macht der Islamischen Republik basiert auf der militärischen Stärke der Revolutionsgarden, der ökonomischen Macht des Staates und der Fähigkeit seine Verbündeten loyal zu halten und eng an sich zu binden. Die USA können da gar nicht so viel gegen machen, als sich damit zu arrangieren. Genau das machen sie ja jetzt. Umgekehrt müssen die Iraner sich damit abfinden, dass die USA in ihrer Region die dominante Weltmacht sind und es sich lohnt mit ihnen zusammen zu arbeiten, wenn man gemeinsame Interessen hat. Rohani ist übrigens auch nicht wirklich liberal, außenpolitisch hat sich in erster Linie der Ton geändert, nicht aber der Inhalt.

Ich hatte eigentlich auf was anderes abgehoben. Ich meine, es würde die Position Irans in der Region besonders gegenüber dem Erzfeind Saudi Arabien erheblich stärken, wenn man zu echter Kooperation mit den USA übergehen würde, wobei Koopertion natürlich keine Unterwerfung zur Folge haben muss. Ein selbstbewusster Iran kann auf seine Interessen achten und diese wahren und trotzdem ein verlässlicher Partner für den Westen sein. Ruhani traue ich den Mut dazu absolut zu. Er ist nach meinem Eindruck der liberalste Politiker nicht nur im Iran, sondern in der gesamten islamischen Welt.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » Mo 25. Jan 2016, 13:42

Kohlmeise hat geschrieben:(25 Jan 2016, 12:48)

Ich hatte eigentlich auf was anderes abgehoben. Ich meine, es würde die Position Irans in der Region besonders gegenüber dem Erzfeind Saudi Arabien erheblich stärken, wenn man zu echter Kooperation mit den USA übergehen würde, wobei Koopertion natürlich keine Unterwerfung zur Folge haben muss. Ein selbstbewusster Iran kann auf seine Interessen achten und diese wahren und trotzdem ein verlässlicher Partner für den Westen sein. Ruhani traue ich den Mut dazu absolut zu. Er ist nach meinem Eindruck der liberalste Politiker nicht nur im Iran, sondern in der gesamten islamischen Welt.

Wie stellst du dir diese echte Kooperation denn vor? Also was sollten die Iraner und die USA denn noch mehr machen? Weil sie kämpfen doch bereits gegen einen gemeinsamen Feind und sie knüpfen immer engere politische und bald auch ökonomische Beziehungen. Vielleicht eröffnen die USA ja mal wieder eine Botschaft in Teheran. Die größten Unterschiede zwischen den USA und den Iraner ist Israel und Assad. Bei Israel wird es zwischen den USA und Iran nie eine Annäherung der Standpunkte geben, beim Thema Assad wird man sehen was passiert.

Das die USA irgendwann einen Militärstützpunkt im Iran eröffnen ist nebenbei gesagt völlig undenkbar, wenn die Iraner das akzeptieren, ist die Islamische Republik am Ende.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Kohlmeise » Mo 25. Jan 2016, 14:12

Platon hat geschrieben:(25 Jan 2016, 13:42)

Wie stellst du dir diese echte Kooperation denn vor? Also was sollten die Iraner und die USA denn noch mehr machen? Weil sie kämpfen doch bereits gegen einen gemeinsamen Feind und sie knüpfen immer engere politische und bald auch ökonomische Beziehungen. Vielleicht eröffnen die USA ja mal wieder eine Botschaft in Teheran. Die größten Unterschiede zwischen den USA und den Iraner ist Israel und Assad. Bei Israel wird es zwischen den USA und Iran nie eine Annäherung der Standpunkte geben, beim Thema Assad wird man sehen was passiert.

Das die USA irgendwann einen Militärstützpunkt im Iran eröffnen ist nebenbei gesagt völlig undenkbar, wenn die Iraner das akzeptieren, ist die Islamische Republik am Ende.

Der Feindschaft mit Israel würde spätestens dann die Grundlage entzogen werden, wenn der Staat Palästina gegründet wird, der Israel und dessen Grenzen ja anerkennen wird.
Danach sieht es z. Z. zwar nicht aus, aber der Staat Palästina wird schon irgendwann kommen.

Wenn der Iran und die USA wieder volle diplomatische Beziehungen aufnehmen würden, könnten sie in wichtigen politischen Fragen immer noch völlig unterschiedlicher Auffassung sein und trotzdem blühenden Handel miteinander treiben. Der schiitische Iran hat ja auch hervorragende wirtschaftliche Beziehungen zur sunnitischen Türkei, obwohl beide Staaten gerade in Syrien erbitterte Stellvertreterkriege gegeneinander führen. In Bezug auf Syrien sind die Amis viel näher bei Iran als bei der Türkei, die Assad stürzen will, koste, was es wolle.

Man sollte ausserdem die Fexibilität der Islamischen Republik nicht unterschätzen, die treuen Anhänger des Regimes nehmen nämlich alles als angezeigt und angemessen hin, was der geistliche Führer gerade sagt und entscheidet. Eine Rebellion gegen die oberste religiöse Führung ist absolut verpönt. Das Ende der islamischen Republik wird ja zwar schon länger von ein paar Auslandspersern dauernd vorausgesagt, bislang ist es aber nur bei Ankündigung und Kaffeesatzleserei geblieben.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » Mo 25. Jan 2016, 14:40

Kohlmeise hat geschrieben:(25 Jan 2016, 14:12)

Der Feindschaft mit Israel würde spätestens dann die Grundlage entzogen werden, wenn der Staat Palästina gegründet wird, der Israel und dessen Grenzen ja anerkennen wird.
Danach sieht es z. Z. zwar nicht aus, aber der Staat Palästina wird schon irgendwann kommen.

Das ist schwer vorauszusagen. Nach der offiziellen iranischen Ideologie ist Israel ein Produkt der kolonialen/imperialen Aggression gegen den Islam. Auch im Falle einer 2-Staaten-Lösung würde sich daran nichts ändern, weswegen die Islamische Republik den Friedensprozess auch ablehnt und bewaffnete Gruppen unterstützt, welche die Vernichtung Israels anstreben.

Es gab aber mal die Aussage von Rafsanjani, dass man nicht palästinensischer als die Palästinenser sein müsse, d.h. wenn diese einer Friedenslösung per Volksabstimmung zustimmen, könnte man über diese Art zu einer gemäßigteren Position kommen, die nicht die totale Vernichtung Israels fordert.
Wenn der Iran und die USA wieder volle diplomatische Beziehungen aufnehmen würden, könnten sie in wichtigen politischen Fragen immer noch völlig unterschiedlicher Auffassung sein und trotzdem blühenden Handel miteinander treiben.

Volle diplomatische Beziehungen, d.h. die Eröffnung einer Botschaft sehe ich skeptisch. Die Ereignisse der Botschaftsbesetzung sind noch sehr frisch, dazu hat das Regime jetzt bald 30 Jahre lang erzählt die US-Botschaft sei eine Spionage-Hochburg und die Besetzung daher gerechtfertigt gewesen. Da kann man nicht mal eben die Botschaft neu eröffnen bzw. die USA wollen natürlich Garantien für die Sicherheit des eigenen Personals, nur US-Marines auf iranischen Straßen sind für die Iraner kaum zu akzeptieren. Das ist alles nicht so einfach.

Davon mal abgesehen eröffnet die Lösung des Atomkonflikts ja die Möglichkeit politisch und ökonomisch zu kooperieren. Visums kann man sich ja auch austellen lassen, ich glaube über die Schweizer Botschaft. Das geht alles schon.
Man sollte ausserdem die Fexibilität der Islamischen Republik nicht unterschätzen, die treuen Anhänger des Regimes nehmen nämlich alles als angezeigt und angemessen hin, was der geistliche Führer gerade sagt und entscheidet. Eine Rebellion gegen die oberste religiöse Führung ist absolut verpönt. Das Ende der islamischen Republik wird ja zwar schon länger von ein paar Auslandspersern dauernd vorausgesagt, bislang ist es aber nur bei Ankündigung und Kaffeesatzleserei geblieben.

Also zunächst mal ist die Stellung bzw. Rolle des Revolutionsführers nicht derart, wie du es hier darstellst. Khamenei bzw. sein Büro treffen alle wichtigen Entscheidungen, allerdings tut er das nicht einfach so, sondern er formuliert was er bzw. seine Mitarbeiter für einen Elitenkonsens halten. Das heißt im Normalfall gibt es zu bestimmten Sachen bei den Eliten, zumeist hinter verschlossenen Türen manchmal auch öffentlich, heftige Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten und Khamenei formuliert dann einen Kompromis bzw. das Ergebnis dieser Diskussionen. Und dabei spielen die Revolutionsgarden, neben der Clique von Veteranen der Revolution 79 und des Golfkrieges die Hauptrolle. Es ist ja die große Stärke der Islamischen Republik, dass eben nicht ein Mann, ein Diktator, alles entscheidet, sondern, dass die Politik von den politischen (eine Clique von Leuten die sich seit langem kennen) und militärischen (d.h. die Revolutionsgarden) Eliten gemacht wird. Und da geht es ja derzeit mal wieder hoch her, weil die Reformer unter Rohani zurück in die Institutionen drängen.

Zum Anderen ist es so, dass Khamenei alt ist. Er war auch schon mehrfach krank. Sein Nachfolger bzw. seine Nachfolger (die Möglichkeit ein 3er Gremium zu ernennen gibt es ja auch) müsste erst einmal beginnen, sich einen Status aufzubauen, welche ihn in die Position versetzt dieselbe Rolle zu spielen wie aktuell Khamenei. Dieser hat ja auch einige Jahre gebraucht bis man ihn als die herausragende Figur wahr genommen hat bzw. sein eigener Status ist nach wie vor nicht mit dem von Khomeini zu vergleichen. Das heißt grundlegende Veränderungen müssten noch von Khamenei selbst ausgehen und der wird nichts entscheiden, welches den Revolutionsgarden massiv gegen den Strich geht.

Von daher mag die Islamische Republik flexibel sein, diese Flexibilität hat aber auch Grenzen, weil man muss die Konservativen immer mitnehmen, man kann nichts entscheiden was von diesen krass abgelehnt wird.

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