Iran 2016 - Perspektiven

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King Kong 2006
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 7. Mär 2016, 15:27

Alte und neue Konflikte werden jetzt im Iran hinter den Kulissen ausgetragen. Reformer vs. Hardliner?

Durch die Sanktionen konnte im Iran ein unglaublicher Filz entstehen. So soll der iranische Milliadär Babak Sandschani sich, durch die Sanktionen begünstigten, illegalen Geschäfte bereichert haben. Sicher für die Person in Folge tragisch, was jetzt in der Konsequenz droht. Das andere brisante ist, daß dies unter der Regierungszeit von Ahmadinejad geschah. Der als Vertreter der Revolutionsgarden gilt. Der riesigen Krake (auch wirtschaftlich) im Iran, die gerade durch die Sanktionen wachsen konnte.

Die Rouhani-Administration hat sich u.a. zur Aufgabe gemacht die Korruption zu bekämpfen. Das ist nicht nur ein Angriff auf den Milliardär, der Korruption an sich, sondern auch auf die Hardliner im Iran.

Wegen Unterschlagung

Iranischer Milliardär zum Tode verurteilt

All sein Geld nützte ihm am Ende nichts: Ein iranisches Gericht hat Multimilliardär Babak Sandschani zum Tode verurteilt. Er soll sich jahrelang an Erdölgeschäften bereichert und Sanktionen umgangen haben.

Der iranische Multimilliardär Babak Sandschani und zwei seiner Mitarbeiter sind wegen Unterschlagung zum Tode verurteilt worden. Das gab der iranische Generalstaatsanwalt Gholamhussein Mohseni Edzehi am Sonntag bekannt.

Sandschani soll als Führer einer Korruptions-Bande während der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadinedschad (2005-2013) heimlich iranisches Erdöl verkauft und die Milliarden-Erlöse veruntreut haben.Nach der Übernahme des Präsidentenamtes durch Hassan Ruhani 2013 hatten intensive Ermittlungen gegen diverse Korruptions-Banden begonnen. Dabei wurde unter anderem Sandschani festgenommen. Der Geschäftsmann stand auch auf der schwarzen Liste der USA. Er hatte mit seinen Ölverkäufen auch die damaligen internationalen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran umgangen.

http://www.stern.de/panorama/iran-verha ... 33874.html


Auch wird von Rouhani das Auftrittsverbot des ehemaligen, als Reformpräsidenten bezeichneten Khatami angegangen. Dieser beliebte Ex-Präsident kritisierte ehedem Ahmadinejad und warf ihm Wahlmanipulationen vor.

Rohani: Medienverbot gegen Ex-Präsident Khatami "Witz"

Aktueller Präsident sieht keine rechtliche Grundlage für Verbannung seines Vorgängers aus den Medien Teheran

Der iranische Präsident Hassan Rohani hat die seit Jahren geltende Anordnung der Justiz an die Medien der Islamischen Republik gerügt, keine Nachrichten und Bilder des ehemaligen Reform-Präsidenten Mohammad Khatami zu veröffentlichen. Das Verbot sei ein "Witz", sagte Rouhani auf einer Pressekonferenz am Sonntag in Teheran.

Keine gesetzliche Grundlage

Weder bei der Justiz noch beim Nationalen Sicherheitsrat gebe es dafür eine gesetzliche Grundlage. Hintergrund der Meinungsverschiedenheit zwischen dem reformorientierten Rohani und der Justiz ist eine Anordnung der Staatsanwaltschaft. Khatami, Präsident zwischen 1997 und 2005, hatte der Regierung seines Nachfolgers Mahmoud Ahmadinejad bei der Präsidentschaftswahl 2009 Manipulation vorgeworfen. Seitdem steht der wohl beliebteste Präsident der iranischen Geschichte auf einer schwarzen Liste.

Das Medienverbot gegen Khatami gilt zwar schon seit Jahren, aber eine gesetzliche Grundlage dafür konnte die Justiz bis jetzt nicht vorweisen. Sie behauptet, das Verbot sei auf der Basis einer Anordnung des Nationalen Sicherheitsrats. Aber auch diese soll es laut Rohani, der als Präsident auch Chef des Sicherheitsrats ist, nicht geben. Aus Angst vor juristischen Konsequenzen halten sich aber fast alle Medien im Land an das "Verbot".

derstandard.at/2000032393008/Rouhani-Medienverbot-gegen-Ex-Praesident-Khatami-Witz


Durch die Wahlen im Iran wurden die Reformkräfte gestärkt. Das war durch die erfolgreichen Atomgespräche möglich. Mit diesem Ergebnis im Rücken wird offenbar gegen Hardliner vorgegangen. Diese sind allerdings nicht zu unterschätzen.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Sanngetall » Di 15. Mär 2016, 19:19

King Kong 2006 hat geschrieben:(29 Feb 2016, 18:59)Jenseits von Lagerzuschreibungen wie Reformer und Konservative o.ä. werden aber weiterhin Konfliktfelder auftreten, da der Iran seine Sicherheitsinteressen selbstbewußter, als unter dem Schah verfolgen wird. Auch unter der Prämisse nicht mehr den Schutzschirm der USA zu genießen. Dennoch eine erfreuliche Entwicklung im Gegensatz zur Situation Bush & Ahmadinejad bei dem "gefühlt" ständig Clausewitz´s Fortsetzung mit anderen Mitteln latent herumschwirrte.

Mal abgesehen davon, dass mit "Reformer" in diesem Zusammenhang der gemäßigte Flügel der Hardliner gemeint ist.... Was hat das mit Clausewitz zu tun?
Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will. Jean-Jacques Rousseau
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 20. Mär 2016, 15:03

Die Lager im Iran sind sich uneins. Rouhani will eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Westen. Khameini setzt eher auf stärkere Unabhängigkeit.

Zwar erklärten sowohl Ajatollah Ali Khamenei als auch Hassan Rohani bei ihren Reden zum iranischen Neujahrsfest Nowruz am Sonntag die Wirtschaft zu einem Schwerpunkt für das neue Jahr. Für den reformorientierten Rohani ist dabei die Zusammenarbeit mit anderen Ländern der Schlüssel für Wachstum.

Khamenei setzt auf Selbstständigkeit

Dagegen setzt der oberste geistliche Führer der Islamischen Republik, Khamenei, auf eine Wirtschaft, die auf Selbstständigkeit beruht. Das Land solle sich vor seinen Feinden schützen, sagte er. Damit bezieht er sich auf die USA und ihre Verbündeten.


Dabei geht es vermeintlich über die weitere Schwächung der Hardliner im Iran.

Präsident: "Was wir außenpolitisch geschafft haben, wollen wir nun auch innenpolitisch erreichen"


Nach der Niederlage bei den Wahlen zum Parlament und zum Expertenrat fürchten sie Beobachtern zufolge um eine weitere Erosion ihrer Macht. Innenpolitische Wende Rohani hingegen drängt nach der Annäherung im Atomstreit auch innenpolitisch auf eine Wende. "Was wir außenpolitisch letztes Jahr mit dem Atomabkommen geschafft haben, wollen wir dieses Jahr nun auch innenpolitisch erreichen". Das Abkommen sorgte Rohani zufolge dafür, dass das Land von der internationalen Gemeinschaft nicht mehr als Bedrohung, sondern als zuverlässiger Partner angesehen wird. Dieser Trend soll demnach im neuen persischen Jahr fortgesetzt werden. - derstandard.at/2000033258849/Iran-Rouhani-will-nach-Atompakt-auch-Wende-im-Land
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Türkiye2023 » So 20. Mär 2016, 15:34

Der Aussenminister war gestern in Ankara. Ich finde es köstlich, wie die beiden Aussenminister versuchen ihre fundamentalen Differenzen in Syrien zu übertünchen. Die kleinste gemeinsame Nenner sei es, Syrien als Ganzes zu erhalten. Was für ein frommer Wunsch.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 20. Mär 2016, 20:10

Türkiye2023 hat geschrieben:(20 Mar 2016, 15:34)

Der Aussenminister war gestern in Ankara. Ich finde es köstlich, wie die beiden Aussenminister versuchen ihre fundamentalen Differenzen in Syrien zu übertünchen. Die kleinste gemeinsame Nenner sei es, Syrien als Ganzes zu erhalten. Was für ein frommer Wunsch.


Wenigstens auf einen Gaspreis konnte man sich einigen. Ansonsten werden sie sich zumindest beim Thema Syrien wenig zu sagen haben. Ankara und Teheran wissen jedoch aber, daß sie wirtschaftlich für einander mehr rausholen können. Politisch sucht man noch die Gemeinsamkeiten. Deshalb der Ausdruck einer gemeinsame Perspektive zu entwickeln. Da darf man aber nicht auf den Sykes-Picot Raum schauen. Ansonsten ist da sicher viel drin.

Der Artikel ist vom Springerverlag. Man gibt sich hoffnungsvoll. Sonst ist eher Armageddon von diesem Verlagshaus zum Thema zu lesen.

Ein Hauch von Gandhi liegt über Teheran

Vor dem "arabischen Frühling" gingen 2009 die Iraner auf die Straße. Ihre Revolution ist unvollendet. Aber das Land hat enormes Potenzial durch seine gebildete Jugend. Ist das der bessere Weg?


In Anbetracht der Komplexität der iranischen Gesellschaft und Politik ist es wichtig zu unterstreichen, dass der persische Frühling, besonders die ihn tragenden demokratischen Überzeugungen und liberalen Haltungen, nicht erst nach dem damaligen Wahlbetrug gewissermaßen aus heiterem Himmel ausbrach. Er entwickelte sich vielmehr aus der Reformbewegung im Iran in den 1990er-Jahren.

Starke iranische Zivilgesellschaft

Damals erlebte die iranische politische Kultur vor allem dank der iranischen Frauenrechtlerinnen, Intellektuellen und Künstler eine Transformation. Die Prinzipien der Gewaltlosigkeit schlugen tiefe Wurzeln in der iranischen Zivilgesellschaft.

Zwar kann das historische Ringen des Iran um eine verantwortlich rechenschaftspflichtige, moderne Regierung eigentlich sogar bis zur Verfassungsrevolution von 1906 zurückverfolgt werden. Aber seit den letzten 25 Jahren ist der Iran auf dem Weg zu einer wichtigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, weil die zunehmend junge Bevölkerung gebildeter, säkularer und liberaler geworden ist.

Mehr als die Hälfte der Iraner im Alter von 18 bis 25 besuchen eine höhere Schule, und mehr als 60 Prozent der Studierenden sind Frauen. Auch sind iranische Jugendliche im Nahen Osten bei Weitem die aktivsten Nutzer des Internets.

Dieses Vierteljahrhundert hat neue gesellschaftliche Akteure hervorgebracht, die im Wesentlichen jung und gebildet sind, aber ohne politische, wirtschaftliche oder soziale Zukunft.


Die Wahlen drängten Hardliner an die Wand

Eine explosive Mischung aus hohem Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, einem strukturell bedingten Wachstum ohne Arbeitsplätze und der raschen Expansion der Hochschulbildung hat dafür gesorgt, dass die iranische Gesellschaft eine Generationslücke aufweist – hier die reichen, mächtigen Konservativen, dort junge Rebellen ohne ein klares Ziel. Der Iran wurde in Donald Trumps und James Deans geteilt.


Es ist klar, dass die Wahlen nicht sofort alles ändern werden. Aber die iranische Zivilgesellschaft ist durch die Schaffung einer konkurrierenden politischen Parallelkultur auf gutem Wege, sich selber Einfluss zu verschaffen.

Obwohl die Idee einer neuen Revolution nach 36 Jahren Mullah-Politik, die sich immer "revolutionär" nannte, keineswegs einen romantischen Sog entfaltet, ist es Tatsache, dass die Mehrheit der jungen Iraner sich von fundamentalistischer Politikund Utopien abwendet. Sie richtet stattdessen den Blick auf den Wertepluralismus, den Dialog mit dem Westen und das Verständnis moderner Kultur.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/a ... heran.html
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 27. Mär 2016, 18:24

Prince Charles möchte gerne dem Iran einen offiziellen Besuch abstatten. Das Thema GB und Iran ist ähnlich wie USA und Iran, wenn nicht noch heftiger, eine Haßliebe. Sollte es zu einem offiziellen Besuch kommen, dann wäre dies sehr bemerkenswert. Der Iran war nie Kolonie, allerdings war das Verhältnis zu GB dem zeitweise durch Knebelverträge und Kanonenbootpolitik ähnlich. Auch die Rolle bei dem Zugriff auf iranisches Öl und der Einmischung in demokratische Entwicklungen Irans. Siehe Mossadegh.

Prince Charles considering official Iran visit

The UK's Sunday Times reported Sunday that Prince Charles, the heir to the British throne, is considering the possibility of an official state visit to Iran.

The British royal family have not made an official visit to the Islamic Republic in 40 years, before the revolution which overthrew the Shah in 1979.

Clarence House, which is attached to St James's Palace and acts as Prince Charles's private office, was said to be liaising with the Foreign Office in order to explore the possibility further.

No member of the British monarchy has visited Israel on an official visit since the state's founding. Last year Prime Minister Benjamin Netanyahu invited Prince Charles to make an official visit to the Jewish state while the two spoke at the Paris conference on climate change

http://www.jpost.com/Breaking-News/Prin ... sit-449315
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 15. Apr 2016, 09:34

Italien steigt wieder groß im Iran ein.

Iran and Italy ink $20 billion in trade deals

Deals during visit by Italian premier include plans for energy cooperation, scheme to renovate Tehran airport

http://www.timesofisrael.com/iran-and-i ... ade-deals/


Neben Hochgeschwindigkeitszügen, modernen Stahlwerken, Telekommunikation und Kraftwerken (500 MW) durch erneuerbare Energie geht es nachtürlich auch um Öl und Gas. LNG, also Flüssiggas ist wieder ein Thema.

The planned projects would be completed in the coming five years by the Italian investing companies, Da'emi was quoted as saying by Tehran Times daily.

The meeting also touched on a series of regional crises and the ways to settle them as well as the refugee crisis concerning the European countries.

Heading a high ranking delegation of 250 commercial and economic officials, Renzi arrived in capital Tehran on Tuesday for a two-day visit.

http://news.xinhuanet.com/english/2016- ... 275845.htm


In einigen Hauptstädten der Welt ist man über die Problematik von Gas-Pipelines immer mehr hin zu dem Gebrauch von Flüssiggas gekommen. Durch die Sanktionen ist das im Iran nicht recht vorangekommen. Das wird jetzt wieder angefahren.

Norway to launch Iran’s first FLNG plan

ran says it is working on a plan with a Norwegian company to build a floating facility to liquefy natural gas in the Persian Gulf.

Iran previously pursued three key LNG projects – Iran LNG, Pars LNG and Persian LNG. However, they were abandoned over the past few years as technicalities emerged – mostly those pertaining to US-led sanctions against investments in Iran’s energy projects.

NIOC chief Rokneddin Javadi said last October that LNG has returned to Iran’s energy agenda, stressing that the country has devised serious plans to launch its first liquefaction project by April 2018.


Zunächst wird Erdgas unterirdisch durch den Persischen Golf nach Oman gepumpt, dort wird es verflüssigt.

The country is already working on a plan to pipe natural gas to Oman and use the liquefaction facilities of the Persian Gulf sultanate to export LNG to overseas markets.

Based on an early agreement that Iran signed with Oman in 2013, Iran will pipe a daily of 28 million cubic meters (mcm) of gas to Oman through a sub-sea pipeline. Some of the gas thus transferred will be turned into LNG in the country’s Qalhat LNG plant for Iran to use as per its export plans.

http://www.presstv.ir/Detail/2016/04/07 ... FLNG-plan/


Since the international nuke-related sanctions imposed against Iran were lifted, the oil and gas companies of Europe have been showing great desire to regain their previous places in the Islamic Republic's energy market.

French Total Head Patrick Pouyanne has announced that his company is interested in the projects in the gas and petrochemical industries in Iran.

"Today all [sanctions] are removed, and we go back to Iran. Gas is a priority for us. Petrochemical [industry] is a way to monetize the gas," Pouyanne said at a press briefing on the sidelines of the LNG conference in Australia.

http://www.azernews.az/region/95121.html


Diese Querelen über die Routen von Pipelines sind immens problematisch. Es war auch eine Pipeline vom Iran durch den Irak und Syrien geplant. Um am Mittelmeer Gas weiterführen zu können. Blöd nur, daß der Bürgerkrieg irgendwie dazwischen kam... Wenn man LNG direkt vom Iran zum Kunden, wie z.B. angedacht nach Wilhelmshaven in Norddeutschland schicken kann, dann spart man sich diese ganze Geopolitik und das Geschachere, wo welche Pipeline, durch welche Länder, mit welchen Risiken, Kriegen und Preisen führen darf, muß und wird. Durch Russland? Pakistan? Iran? Deutschland? Balkan? Syrien? Irak? Umv.



Syria: Ultimate Pipelineistan War

Syria is an energy war. With the heart of the matter featuring a vicious geopolitical competition between two proposed gas pipelines, it is the ultimate Pipelinestan war, the term I coined long ago for the 21st century imperial energy battlefields.

It all started in 2009, when Qatar proposed to Damascus the construction of a pipeline from its own North Field – contiguous with the South Pars field, which belongs to Iran – traversing Saudi Arabia, Jordan and Syria all the way to Turkey, to supply the EU.

http://www.counterpunch.org/2015/12/08/ ... istan-war/


Why Syria? An Examination Of The Iran-Iraq-Syria Pipeline
http://ftmdaily.com/what-jerry-thinks/whysyria/




LNG wird die Gaspipeline nicht ersetzen, aber der Anteil wird steigen. Kunden wie Lieferanten sind über die diversen geplanten, angedachten, z.T. angefangenen Pipelinenetze quer über den vorderasiatischen, eurasischen Raum, Kaspiregion etwas angenervt. Wenn ein LNG-Tanker von einem Verladehafen am Persischen Golf direkt z.B. nach Wilhelmshaven, Spanien oder Griechenland fährt, dann kann man sich das alles sparen. Wie auch Erpressungsversuche den Gashahn in irgendeinem dieser Transferstaaten zuzudrehen oder von Terroristen und Bürgerkriegslern in die Luft sprengen zu lassen.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 16. Apr 2016, 20:20

Die EU ist mit einer hochkarätigen Delegation im Iran angetroffen. Es gibt sehr viel Arbeit. Neben der Verbesserung der Modalitäten im Finanz-und Bankenwesens im Kontext des Wirtschaftens mit dem Iran, das Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit fördert, sind auch Menschenrechtsfragen im Diskussionspaket.

EU will engere Kooperation mit Iran

EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und sechs EU-Kommissare sind im Iran eingetroffen - die Spitzendelegation will ausloten, auf welchen Politikfeldern Teheran und Brüssel in Zukunft enger zusammenarbeiten könnten.

Es ist die bisher größte und hochrangigste EU-Delegation seit Abschluss des Atom-Abkommens, die jetzt Teheran besucht. Thema: Wie lassen sich die Beziehungen zwischen Europäischer Union und dem Iran weiter normalisieren? Als mögliche Kooperationsfelder gelten Handel, Energie, Umwelt, Bildung und Wissenschaft.

Dazu wird nicht nur die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini Gespräche führen, sondern auch sechs EU-Kommissare - unter ihnen auch Energiekommissar Miguel Arias Cañete. Berichten zufolge soll er den Start gleich mehrerer gemeinsamer europäisch-iranischer Projekte im Energiesektor bekanntgeben.


Ein neuer Menschenrechtsdialog?

Ein dritter umstrittener Punkt ist die Menschenrechtssituation.

Der Iran war nach der Eskalation im Atomstreit 2005, in deren Folge auch UN und EU internationale Sanktionen gegen den Iran verhängten, nicht mehr an einer Fortführung interessiert. Mittlerweile kommen aus Teheran jedoch versöhnlichere Töne. Irans Außenminister Zarif hatte bereits im März die grundsätzliche Bereitschaft Teherans erklärt, den Gesprächsfaden auch beim Thema Menschenrechte wieder aufzunehmen.

http://www.dw.com/de/eu-will-engere-koo ... a-19190337


EU und Iran setzen auf Neuanfang bei Zusammenarbeit

Außenminister Zarif sieht nach Atomabkommen neue Ära der Beziehungen Teheran

Die Europäische Union und der Iran wollen nach dem Atomabkommen ein neues Kapitel in ihren Beziehungen aufschlagen. "Die EU will im Rahmen eines kritischen, aber zugleich konstruktiven Dialogs einen umfassenden Neuanfang der Zusammenarbeit mit dem Iran", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Samstag in Teheran.

http://derstandard.at/2000035013924/Mog ... ngetroffen


Davor haben sich die Hardliner im Iran, wie auch Saudis und Co. immer gefürchtet.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Di 3. Mai 2016, 18:00

Die Hardliner müssen zurückstecken.

Hardliner-Schwund im iranischen Parlament

Teheran/Wien – Was vor zwei Monaten im Iran mit der Wahl von 30 Reformern und ihnen nahestehenden gemäßigten Konservativen ins Parlament auf Anhieb zustande kam und in Teheran als ein politisches Erdbeben bezeichnet wurde, setzte sich nach der zweiten Runde fort. Die Zahlen sprechen für sich: 217 der 290 bisherigen Abgeordneten wurden nicht wiedergewählt, allesamt konservative Regierungsgegner.


Zum ersten Mal sitzen im iranischen Parlament insgesamt 17 Frauen – der bisherige Rekord lag bei 14. Ein weiterer (Negativ-)Rekord: Nur 16 Geistliche sind im Parlament vertreten, bisher waren es 27. Von 80 Gegnern des Atomabkommens sind nur zwölf übriggeblieben. Von jenen Abgeordneten, die dem ehemaligen Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad nahestehen, schaffte keiner den Wiedereinzug ins Parlament.

derstandard.at/2000036093772/Hardliner-Schwund-im-iranischen-Parlament


Das Atomabkommen und die erwartete Entwicklung im Kontext der Sanktionen zeigt Wirkung. Die Hardliner in einigen Staaten, wie auch dem Iran beissen wohl in die Tischkante.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Fadamo » Di 3. Mai 2016, 18:25

King Kong 2006 hat geschrieben:(07 Mar 2016, 15:27)

Alte und neue Konflikte werden jetzt im Iran hinter den Kulissen ausgetragen. Reformer vs. Hardliner?

Durch die Sanktionen konnte im Iran ein unglaublicher Filz entstehen. So soll der iranische Milliadär Babak Sandschani sich, durch die Sanktionen begünstigten, illegalen Geschäfte bereichert haben. Sicher für die Person in Folge tragisch, was jetzt in der Konsequenz droht. Das andere brisante ist, daß dies unter der Regierungszeit von Ahmadinejad geschah. Der als Vertreter der Revolutionsgarden gilt. Der riesigen Krake (auch wirtschaftlich) im Iran, die gerade durch die Sanktionen wachsen konnte.

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Auch wird von Rouhani das Auftrittsverbot des ehemaligen, als Reformpräsidenten bezeichneten Khatami angegangen. Dieser beliebte Ex-Präsident kritisierte ehedem Ahmadinejad und warf ihm Wahlmanipulationen vor.



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Wir sollten gegen das Urteil Todesstrafe protestieren.
Wegen einer Bereicherung,dass geht gar nicht.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Di 3. Mai 2016, 18:34

Fadamo hat geschrieben:(03 May 2016, 19:25)

Wir sollten gegen das Urteil Todesstrafe protestieren.
Wegen einer Bereicherung,dass geht gar nicht.


Das ist nicht das erste Mal, daß wegen "Bereicherung" ein Todesurteil gefällt wurde. Vermutlich steckt dahinter irgendein Machtkampf. Allerdings ist nicht anzunehmen, daß es sich um oppositionelle Personen handelt. Wie auch in diesem Falle. Bereichern bedeutet im Iran vermutlich, daß dies nur mit Seilschaften innerhalb des Establishments funktioniert.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 8. Jun 2016, 21:22

Teheran überlegt, ob man nicht die freien Tage statt von Donnerstag+Freitag, auf Freitag+Samstag verlegen kann. Das haben bereits einige arabische Staaten aus wirtschaftlichen Gründen getan, inklusive Saudi-Arabien. Geld stinkt eben nicht. Das wäre eine weitere Synchronisation mit dem Westen.

Iran verlegt Wochenende

Der Iran ordnet die Arbeitswoche neu. Bislang sind Donnerstag und Freitag frei, künftig soll das Wochenende auf Freitag und Samstag fallen. So ergeben sich mehr gemeinsame Arbeitstage mit der westlichen Welt. Die iranische Handelskammer hatte den Wechsel vorgeschlagen. Wirtschaftswissenschaftler schätzen dass der Iran pro Jahr 20 Milliarden Euro jährlich durch den Wechsel erarbeiten kann.

http://de.euronews.com/2016/06/07/iran- ... ochenende/
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 15. Jul 2016, 19:09

Der Energiesektor Irans benötigt nach den Jahren des Krieges und der Sanktionen frischen Wind, sprichwörtlich. Bei der Planung zur Erzeugung von Energie geht es nicht nur um Öl- und Gas, sowie Atomkraft, sondern auch um erneuerbare Energie. Das lief im Iran zwar schon seit einigen Jahren, jedoch aufgrund der Umstände weit hinter den Entwicklungen.

Iran Plans First Tender to Draw $12 Billion Green Investment

The nation wants to install 5 gigawatts of renewable energy in the next five years and an additional 2.5 gigawatts by 2030, Iran’s energy minister Hamid Chitchian said Thursday in an interview in London. The Persian Gulf nation, re-opened to investors following last year’s nuclear deal, has been courted by international green power investors at the same time it boosts oil production for export.
“We’re not going to use the money from oil in that sector at all,” Chitchian said. “All the investment will be done by the private sector, including local and foreign companies.”


The energy ministry is already in talks with some of the world’s largest renewable-energy players including Vestas Wind Systems A/S and Siemens Wind Power Ltd., Chitchian said.


Automaker Iran Khodro Co. is negotiating with South Korea’s LG International Corp. to jointly develop electric vehicles.


Most of Iran’s power plants are over 40 years old and need to be renovated and repowered, he said. The government is planning to invest a total of $50 billion in its electricity system in the next seven years.


Iran will tender 1 gigawatt of wind and as many as 3 gigawatts of solar, likely in several stages, Chitchian said. It is also seeking to build biomass and geothermal plants and swap natural gas for electricity with Armenia.

http://www.bloomberg.com/news/articles/ ... investment


Man sieht hier, wie gering z.Z. der Anteil der erneuerbaren Energien im Iran ist:



Renewable Energy Organisation of Iran

http://www.suna.org.ir/en/home


Was sich davon tatsächlich umsetzen lässt, bleibt abzuwarten. Äußere, wie innere Faktoren stellen ernstzunehmende Hindernisse dar.

Iran Wants to Develop Its Solar Market With Foreign Help. But Trade Restrictions Are Still a Problem

http://www.greentechmedia.com/articles/ ... lar-market


If, however, bureaucracy and systemic corruption slow development, major logistical challenges such as grid integration and infrastructure modernization will be left unresolved, and outside interest in the economy will quickly wane. If this occurs, it is unlikely that Iran will transition from a low-medium income economy into a medium-rich one.

Due to its status as a tenant of the country’s economic growth strategy, the government is likely to maintain political support for R.E. development. According to one Iran analyst interviewed for research on this matter, “renewable infrastructure development is a crucial part of the economic program. The government views it as part of the infrastructure that will allow the country to grow. As such, support for it is unlikely to waver irrespective of who wins the [presidential] election in 2017.”

http://www.mei.edu/content/article/iran’s-renewable-energy-potential
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Hatikva

Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Hatikva » Di 19. Jul 2016, 19:29

"Iranischer Atomchef droht mit Ausstieg aus Atomabkommen"
http://www.handelsblatt.com/politik/int ... 90310.html

Da will sich Iran in die Steinzeit zürückfordern.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Di 19. Jul 2016, 21:23

Hatikva hat geschrieben:(19 Jul 2016, 20:29)

"Iranischer Atomchef droht mit Ausstieg aus Atomabkommen"
http://www.handelsblatt.com/politik/int ... 90310.html

Da will sich Iran in die Steinzeit zürückfordern.


Das wäre ungünstig. In Kürze soll eine Delegation aus Frankreich in den Iran reisen, um Einzelheiten an der Partizipation beim Fusionsreaktor ITER zu besprechen. Steinzeittechnologie ist dafür ungeeignet. Ich wüßte auch nicht, wie das passieren sollte. Von daher keine Panik.

French Team Due in Iran for Talks on Nuclear Fusion Project: MP
http://www.tasnimnews.com/en/news/2016/ ... project-mp
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 7. Aug 2016, 08:10

Wurde das Kleingedruckte in Teheran wirklich gelesen bzw. verstanden? Khameini findet das Atomabkommen immer weniger superb. Paris ärgert sich ebenfalls zum wiederholten Male.

Iran’s Top Leader Distances Himself from Nuclear Pact, Which He Once Supported

Iran’s top leader distanced himself on Monday from the nuclear agreement reached with major powers a year ago, accusing the United States of failing to honor pledges in the accord and citing “the futility of negotiations with the Americans.”

http://www.nytimes.com/2016/08/02/world ... .html?_r=0


Was ist passiert?

Der Iran hält seine Verpflichtungen im Rahmen des Atomabkommens ein. Zu was verpflichtet sich die Gegenseite? Zur sukzessiven Aufhebung der Sanktionen, die im Rahmen der Atomkrise verhängt wurden. Das Problem ist, daß im Vertrag nicht steht, daß die USA dazu verpflichtet sind ihr ureigensten Sanktionen und Strafmaßnahmen gegenüber dem Iran aufzuheben. Es stellte sich schon vor geraumer Zeit im Rahmen einer globalisierten Welt heraus, daß das im Falle der Wirtschaftsmacht USA ein enormes Problem ist. In vielen Bereichen, gerade im Bankenbereich, die große Handelsabkommen mit dem Iran mitfinanzieren, aber auch gegenüber Konzernen, wie mittelständischen Betrieben, fürchtet man den Zorn der Strafmaßnahmen der USA, wenn man mit dem Iran Geschäfte macht.

Was nutzt also dies letztendlich dem Iran? Offizielle in Teheran lassen deshalb öfters mal Kommentare fallen, daß man notfalls die Anlagen binnen eines Monats wieder auf Volllast fahren könnte und darüber hinaus. Wenn die Sache nicht endlich richtig anläuft, mit den Handelsbeziehungen. Gerade die Reformer kommen dadurch gewaltig ins Rotieren gegenüber den Hardlinern. US-Kerry fühlte sich deshalb schon verantwortlich "die Welt" daraufhinzuweisen bitte mit dem Iran Handel zu treiben. Nur nützt dies nichts, wenn die Handelspartner (vor allen Dingen die EU) Irans Angst haben wegen bestehenden Gesetzen dann mit den USA und in den USA Schwierigkeiten zu bekommen. Nehmen wir den schnell erregten Franzosen. Schon unter Lionel Jospin in den Neunzigern schimpfte man über die USA. Man wolle sich nicht in Washington bestimmen lassen, wie man zu wirtschaften hätte. Jetzt verortet man auch die Instrumente der USA in diesem Disput. Natürlich geht es auch um US-Interessen.

Iran: Wirtschaftskrieg zwischen den USA und Frankreich

Der Think Tank United Against Nuclear Iran soll dabei als "Geheimwaffe" fungieren

Iran sei ein enormer Markt, drei Mal so groß wie Frankreich, 80 Millionen Einwohner, "mit einer sehr gut ausgebildeten städtischen Mittelklasse, einem enormen Appetit auf eine westliche Lebensweise, einem Fahrzeugpark, der dringend erneuert werden muss", Frankreich habe alles zu gewinnen, freute sich der Ökonom Thierry Coville, Anfang 2014, in der Zeitung Le Parisien.

Das war kurz nach dem Aufbruch einer großen französischen Wirtschaftsdelegation nach Teheran. Eine ganze Hundertschaft französischer Unternehmer, 116 Top-Spitzen von Total, Peugot, Citroën, Airbus, Lafarge, GDF Suez, Alstom, Safran, Alcatel, L'Oréal (Iran ist ein sehr lukrativer Kosmetikmarkt) und sogar ein Vertreter des Fußballclubs AJ Auxerre weilten drei Tage lang, vom 2. bis zum 5. Februar 2014 in Teheran. Das war zwei Jahre vor der Wiener Übereinkunft zum zivilen Atomprogramm Irans und der Aufhebung der Sanktion.


Hohe Strafen und der Konkurrenzkampf

Wie schmerzhaft von den USA nicht erlaubte Geschäfte in Iran bestraft werden können, erfuhr die Großbank BNP Paribas im April 2014. Sie sollte Milliarden bezahlen, weil sie im Jahr 2010 gegen Sanktionsbestimmungen u.a. beim Handel mit Iran verstoßen habe (Iranpolitik: USA statuieren Exempel an französischer Großbank). Das Interesse Frankreichs an Geschäften mit Iran blieb davon freilich unberührt.

Die Wirtschaft steckte lange in einer Rezession, Präsident Hollande kümmerte sich persönlich um die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Iran. Nur wenige Tage nach der Wiener Übereinkunft zum Atomprogramm und der Erleichterung der Sanktionen (JCPOA) Anfang dieses Jahres stattete der iranische Präsident Rouhani ein Besuch in Paris ab. Es wurden Verträge im Wert von 15 Milliarden unterzeichnet - Deals mit Airbus, Peugeot Citroen, Total, der Baugesellschaft Bouygues , dem Schifffahrts- und Logistikunternehmen CMA CGM, der französischen Bahn SNCF u.a. ("Der Iran kann auf Frankreich zählen").

Hinter den Kulissen tobte der Konkurrenzkampf zwischen US-Unternehmern und französischen weiter. Er entwickelte sich zu einem wahren Wirtschaftskrieg, wie der Parisien heute behauptet. Bemerkenswert sei die Rolle, die ein US-Think Tank dabei spiele. An der Arbeitsmethode von United Against Nuclear Iran (UANI) veranschaulicht die Zeitung, wie im Hintergrund vorgegangen wird.


"Wirtschaftliche Zusammenarbeit = Hilfe zum Erlangen von Atomwaffen"

In der Selbstbeschreibung des Think Tanks geht die Ausrichtung unmissverständlich hervor, er wendet sich gegen Geschäfte mit Iran, weil eine wirtschaftliche Unterstützung Irans gleichgesetzt wird mit einer Hilfe zum Erlangen von Atomwaffen. Besetzt ist UNANI mit ehemaligen Hochkarätern aus der Politik und Geheimdiensten.

Gründungsmitglied ist der 2010 verstorbene Richard Holbrooke, der sich als US-Sondergesandter für den Balkan einen Namen machte (nicht unbedingt allerseits einen guten, da er mit kroatischen Faschisten, "Unsere Kettenhunde", zusammenarbeitete). Zum aktuellen Führungsteam gehört der frühere CIA-Chef Jim Woolsey, der sich in seiner Amtszeit als Spezialist für einen "moralischen Auftrag" der Geheimdienste einsetzte (Warum wir unsere Alliierten ausspionieren).

Mit an Bord sind Mark D. Wallace, unter George W. Bush amerikanischer UN-Botschafter und Dennis Ross, ein Nahost-Spezialist, der von mehreren US-Regierungen eingesetzt wurde. Palästinenser sagten von ihm, dass er mehr pro-Israel sei als die israelischen Politiker, mit denen sie verhandelten. Kurz: Der Think Tank verfügt über exzellente Beziehungen zu Regierungen und Funktionsträger.



Amerikanische Geschäfte

Zur Veranschaulichung der Methode präsentiert Le Parisien ein Schreiben des UNANI an die Geschäftsführer des international tätigen Baukonzerns Vinci Group (185.000 Mitarbeiter weltweit, notiert Wikipedia). In dem Schreiben vom März 2016 wird angemahnt, dass ein Tochterunternehmen des Konzerns nun nach dem JCPOA wieder in den iranischen Markt einsteige. Dies habe man aus Berichten erfahren und habe einiges dagegen einzuwenden. Dem folgt eine mehrseitige Auflistung der Risiken und Beschränkungen von Geschäften mit iranischen Partnern.

Der Markt in Iran sei eben nicht so offen, ökonomische Sanktionen blieben bestehen, macht UNANI im Schreiben klar und in seiner Auflistung der zu beachtenden Formalitäten und der Risiken finden sich auch einige, die vor empfindlichen Konsequenzen in den USA warnen. Solche Briefe, so berichtet die französische Zeitung, seien mehr oder weniger alle großen französischen CAC 40-Unternehmen gegangen, die Geschäfte in Iran anbahnen oder bereits abgeschlossen haben.

Die Führung von Airbus habe ein solches Schreiben bekommen, Air France, Renault, Total, Engie,CMA-CGM, BNP Paribas, la Société générale, sämtliche "Schwergewichte", wird berichtet. Die Botschaft sei jedes Mal die gleiche: Entweder die Projekte in Iran werden aufgegeben oder die Unternehmen hätten mit ökonomischen und juristischen Repressaillen zu rechnen.

Auffallend sei, wie sehr moralisch UNANI in den Schreiben argumentiere. Allerdings etwas einseitig. Beim Boeing-Deal mit Iran oder beim Export von Autos in Iran, den General Motors von Aserbaidschan aus betreibt, würden offensichtlich andere Maßstäbe angelegt. Da sei von dem Eifer des UNANI "deutlich weniger" zu spüren.

http://www.heise.de/tp/artikel/49/49036/1.html
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 12. Aug 2016, 15:31

Alte Geschäfte zwischen Israel und dem Iran. Es geht um einen Streitwert von über 1 Milliarde US-Dollar. Durchaus bis zu 7 Milliarden. Israel soll nun 1,2 Milliarden zahlen. Theoretisch.

Gerichtsentscheid in der Schweiz

Heikle iranisch-israelische Liaison

Ende der sechziger Jahre fanden sich Iran und Israel zu gedeihlicher energiepolitischer Zusammenarbeit. Ziel war es, Erdöl unter Umgehung des Suezkanals durch Israel nach Europa zu bringen. 1968 wurde die Eilat–Ashkelon Pipeline Company (EAPC) ins Leben gerufen, ein Joint Venture der Israeli mit der Nationalen Iranischen Ölgesellschaft (NIOC). Die Trans-Asiatic Oil Ltd. (TAO), registriert in Panama und niedergelassen in Tel Aviv, unterhielt eine Tankerflotte, die iranisches Erdöl um die Arabische Halbinsel herum nach Eilat brachte, worauf es durch eine in grösster Eile erstellte Pipeline zur Hafenstadt Ashkelon am Mittelmeer gebracht und an europäische Kunden verkauft wurde.


So initiierte man in der Schweiz drei Schiedsverfahren mit dem Ziel, Israel zur Bezahlung des annektierten, aber nicht bezahlten Erdöls zu zwingen und den Gegenwert der iranischen Joint-Venture-Hälfte sicherzustellen. Seit 37 Jahren schon wird prozessiert. Juristische Details dieser «grossen Schlichtung» sind kaum an die Öffentlichkeit gedrungen. Doch die Fachzeitschrift «Global Arbitration Review» vermutet, der Streitwert betrage rund 7 Mrd. $. Teheran war gesamthaft recht erfolgreich. Bis heute hat Iran zwei von drei Schiedsverfahren zur Bezahlung von Öl, das von Israel verkauft wurde, gewonnen. Bereits 1989 hatte das Bundesgericht Trans-Asiatic Oil zu einer Kompensationszahlung von 500 Mio. $ verurteilt. Israel reagierte nicht, Iran hielt an der Klage fest, und so häuften sich über die Jahre hinweg Verzugszinsen und Anwaltskosten auf die Gesamtsumme von 1,2 Mrd. $. Im vergangenen Jahr sah sich TAO als Konsequenz davon mit der Auflage konfrontiert, Iran mit 1,2 Mrd. zu entschädigen, zuzüglich 362 Mio. $ an Zinsen.

Gegen diesen Entscheid hatte Jerusalem Berufung eingelegt. Moniert wurden Formfehler im Prozess, zudem sei die Mehrheitsmeinung widersprüchlich formuliert gewesen. Das Bundesgericht in Lausanne hat dieses Begehren nun, wie «Global Arbitration Review» meldet, abgewiesen. Israel muss zahlen – genauer: müsste zahlen, denn die Chancen, dass die Regierung in Jerusalem die Schulden tatsächlich berappt, tendieren gegen null.


Drang nach Diskretion

Was Israel und Iran noch heute verbindet, ist der Widerwille, die Sache an die grosse Glocke zu hängen. Den Mullahs in Teheran ist es peinlich, dass Iraner einst mit Israeli handelten, und sie fürchten mit gutem Grund, dass im Zuge dieser Arbitration noch mehr ans Tageslicht kommen könnte: der damalige Botschafteraustausch, die enge geheimdienstliche Zusammenarbeit, die El-Al-Flüge nach Teheran.

Der Regierung in Israel war die Sache schon damals peinlich, und sie ist es heute noch.
Beim Bau der Pipeline Ende der sechziger Jahre galt eine strikte Pressezensur. Die Arbitration in der Schweiz ist strikt geheim, genauso wie die Aktivität der Eilat–Ashkelon Pipeline Company. Im März hat das Kabinett diese Richtlinie verlängert. Viele vermuten, dass es weniger um Sicherheit geht als um das nationale Prestige. Dass man mit den permanent an den Pranger gestellten Iranern um Milliarden feilscht, passt nicht gut ins Bild sorgsam gepflegter Befehdung.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaft ... -ld.110252


Für beide Seiten in der Tat unangenehm. Was so hinter den Kulissen läuft. Das passt nicht so ganz ins öffentliche Bild.

Israel soll eine milliardenschwere Entschädigung an den Iran zahlen

"Die Iraner haben diesen Rechtstreit in mehreren Instanzen gewonnen. Das Urteil ist zwar nicht verbindlich, kann aber auf internationaler Ebene dem Image Israels schaden", analysiert Yari.

Für Meir Javedanfar hat der Rechtstreit immerhin ein Gutes. Er zeige, dass beide Länder ihre Probleme auf zivilisierte Art behandeln können. "

http://www.dw.com/de/israel-soll-eine-m ... a-19463224
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 13. Aug 2016, 13:19

Wird an der Figur Khomeini gerüttelt?

Ayatollah Montazeri bezeichnete die Hinrichtungen nach der Revolution als Schande – sie wurden mit dem direkten Befehl Ayatollah Khomeinis durchgeführt

Die Vergangenheitsbewältigung im Iran hat neue Nahrung bekommen. Eine 27 Jahre alte Tonaufnahme von Ayatollah Hossein Ali Montazeri, dem ehemaligen Stellvertreter des Revolutionsführers, der später – von Ayatollah Khomeini abgesetzt – zu einem prominenten Regimekritiker wurde und 2009 verstarb, bringt neues Licht in ein dunkles Kapitel der Geschichte der Islamischen Republik und die Hinrichtungen fast zehn Jahre nach der Revolution von 1979. Damals wurde eine unbestimmte Zahl sogenannter Revolutionsgegner nach einem missglückten Überfall der Volksmujahedin auf den Iran kurz vor dem Ende des Iran-Irak-Kriegs hingerichtet.

In der nun auf der Website von Montazeris Sohn veröffentlichten Aufnahme bezeichnet Ayatollah Montazeri die Hinrichtungen, die mit dem direkten Befehl Ayatollah Khomeinis durchgeführt worden waren, als eine Schande in der neuen Geschichte der Islamischen Republik, die bis in alle Ewigkeit den Namen Ayatollah Khomeini belasten würde. Revolutionsführer Ayatollah Khomeini wird direkt angegriffen: Sein Name werde dadurch in die Geschichte als ein blutrünstiger Diktator eingehen.


Obwohl die Medien im Iran sich nicht erlauben können, Kommentare zu diesen Tonaufzeichnungen zu bringen oder einen Teil davon zu veröffentlichen, versuchen konservative Nachrichtenagenturen, die Reaktionen in der Bevölkerung zu neutralisieren – bis jetzt aber ohne Erfolg. Die heilige Statue Ayatollah Khomeinis hat enorme Risse bekommen, die nicht mehr zu reparieren sind. Ayatollah Montazeri hat sieben Jahre nach seinem Tod Licht in einen Teil der dunkelsten Geschichte im Iran gebracht. (Amir Loghmany aus Teheran, 13.8.2016)

derstandard.at/2000042786935/Tonaufnahme-belastet-Irans-Revolutionsfuehrer-Khomeini
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 5. Sep 2016, 19:25

London und Teheran tauschen wieder Botschafter aus.

Großbritannien und Iran tauschen Botschafter aus

Johnson hofft auf "produktivere Zusammenarbeit"

"Ich hoffe, das wird zum Start einer produktiveren Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern beitragen", sagte der britische Außenminister Boris Johnson einer Pressemitteilung zufolge.

derstandard.at/2000043897813/Grossbritannien-und-Iran-tauschen-Botschafter-aus
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 9. Sep 2016, 06:47

Bis dato gibt es keine Verstösse Irans im Rahmen des geschlossenen Atomabkommens.

IRAN IS HONORING THE NUCLEAR DEAL, U.N. AGENCY SAYS

The confidential report by the International Atomic Energy Agency (IAEA) did not point to any violations in Tehran's observance of the deal.

http://europe.newsweek.com/iran-nuclear ... 6785?rm=eu


Israelischer Minister: Iran hält Atomabkommen ein

http://kurier.at/politik/ausland/israel ... 14.164.686
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