Iran 2016 - Perspektiven

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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 25. Sep 2016, 08:26

Seit längerer Zeit fährt mal wieder ein westliches Kriegsschiff in einen iranischen Hafen ein.

Italian warship docks at Iranian port

Frigate’s visit to Bandar Abbas in Persian Gulf is first by a Western navy in years

The Italian navy said the frigate Euro — named for a wind that blows across the Mediterranean from North Africa — was part of an EU anti-piracy mission and would remain docked in Iran for three days before returning to Italy.

http://www.timesofisrael.com/italian-wa ... nian-port/


Offiziell im Rahmen der Piratenbekämpfung. Dafür war aber bis dato ein iranischer Hafen offenbar nicht notwendig. Von daher ist dies durchaus als eine Entwicklung zu sehen.

Von iranischer Seite ließ man es sich die Tage nicht nehmen noch einmal auf den Einsatz gegen die Piraten hinzuweisen. Seit Jahren ist die iranische Marine dahingehend aktiv. Koordiniert mit den anderen Seestreitkräften.

Iran escorted 3,200 vessels in Gulf of Aden: Navy chief

Iran’s Navy chief says its forces have in the past few years escorted 3,200 commercial ships to ensure their safe passage in the Gulf of Aden, where pirates are active.

Rear Admiral Habibollah Sayyari made the remarks at the second national forum of new naval technologies in the northern Iranian city of Nowshahr on Wednesday.


Iran has almost 5,000 kilometers of maritime boundary directly linking it to the high seas, a strategic geographical position which has turned the country into a center of attention for hegemonic powers, Sayyari said.


Iran’s Navy has managed to foil several attacks on both Iranian and foreign tankers during its missions in international waters.

http://www.presstv.com/Detail/2016/09/0 ... ah-Sayyari



PS: Offenbar gibt es eine Gegeneinladung nach Italien, die bei einem Treffen zwischen Marinespitzen vereinbart wurde.

Iran, Italy to Boost Naval Cooperation with Reciprocal Visits

A ranking Italian military official unveiled plans for the dispatch of the European country’s warships to Iran’s southern coasts as part of naval cooperation, inviting the Iranian fleets to berth at Italian ports as well.

Heading a 5-strong military delegation from the Italian Army, Rear Admiral Roberto Chia Marcella held a meeting with Iranian Navy Commander Rear Admiral Habibollah Sayyari in Tehran on Monday.

The ranking Italian official, whose team has visited different units of the Iranian Armed Forces over the past days, said Italy’s warships will soon visit Iran’s southern ports, and invited Iran’s Navy to send fleets to Italy as well.

http://www.tasnimnews.com/en/news/1395/ ... cal-visits


DEBKA verortet Größeres.

Iran gains Mediterranean bases in Italy and Syria

As part of Iran’s drive to rule the strategic waves of regional waters, Tehran has negotiated a naval exchange deal with Rome for its warships to be berthed in Italian ports, DEBKAfile’s military sources reveal.
In this context, the US Pentagon and Navy chiefs once again urged Israel to update and enlarge its war fleet, which they said was “full of holes” to catch up with the rapidly changing conditions opposite its shores, where Russia, Iran and Egypt are building up armadas of warships that are bigger and more advanced than ever before.


Hence the approach to Rome to extend the Iranian navy’s capacity and range of operations.

The two admirals’ talks in Tehran ended in a vague agreement “to strengthen bilateral ties.”

Iran, however, has the money and the will to invest in new warships, while Italy has the will to build such ships for the Iranian fleet. The Italians are, moreover, not averse to allowing the Iranian fleet to use their Mediterranean bases.

http://debka.com/article/25684/Iran-gai ... -and-Syria
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 26. Sep 2016, 22:40

Die Konservativen im Iran haben offenbar Schwierigkeiten einen passenden Herausforderer gegen Rouhani ins Rennen zu schicken. Ahmadinejad, der mit dem Gedanken spielt hat keine Unterstützung von Khamenei in dieser Frage. Auch General Souleimani, der sich in Nachrichtenkreisen und Spezialeinsätzen in der Region und darüberhinaus einen Namen gemacht hat und irgendwie ins Spiel gebracht wurde, hat gleich abgewunken. Er versteht sich als Soldat und nicht als Politiker.

Iran: Suche nach einem Gegner für Hassan Rohani

Expräsident Mahmud Ahmadi-Nejad wird offenbar nicht bei Wahlen 2017 antreten.

Die Konservativen suchen Ersatz

Mahmud Ahmadi-Nejad muss die Hoffnung auf eine neue Amtszeit als Präsident begraben. Wie die Nachrichtenagentur Fars berichtet, wurde er nach mehrmaligem Ersuchen vom religiösen Führer, Ayatollah Ali Khamenei, zwar empfangen. Doch dabei sei Ahmadi-Nejad erklärt worden, dass Khamenei strikt gegen eine erneute Kandidatur sei. Fars, die der Revolutionsgarde nahesteht, gibt üblicherweise die Meinung konservativer Kreise wieder.

Bereits in der Woche zuvor hat General Ghassem Soleimani, der sich bei Einsätzen in Syrien und dem Irak einen Namen gemacht hat, abgewunken. Er hatte sich in einem Interview als "Soldat der Revolution" bezeichnet und Einmischungen in die Politik zurückgewiesen. In letzter Zeit wurde in konservativen Kreisen immer wieder der Wunsch ge äußert, Soleimani zu einer Kandidatur zu ermuntern. Er wäre nach Meinung der Konservativen in der Lage, Hassan Rohani bei der kommenden Präsidentenwahl im Mai 2017 Paroli zu bieten.

derstandard.at/2000044855911/Iran-Suche-nach-einem-Gegner-fuer-Hassan-Rohani


Wie wichtig charismatische Persönlichkeiten sind, auch wenn sie Schrott erzählen, sieht man an Trump. Wo ist der iranische Trump der dortigen Konservativen? Ahmadinejad wird es wohl nicht mehr werden. Angeblich ging seinerzeit der iranische Trump sogar den Militärs des IRGC (zu denen auch Soleimani gehört) so auf die Nerven mit seinen verbalen Eskapaden, daß es mächtig hinter den Kulissen geknallt haben soll.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 31. Okt 2016, 20:18

Rise of an empire?

Tausende IranerInnen haben im Südiran an dem bescheidenen Grab von Kyros demonstriert und es umrundet wie die Kaaba. Lt. Regierungsseite nationalistische, monarchistische IranerInnen. Arabische Stimmen verorten eine bewußte Abgrenzung zur arabischen Welt.

Iran's authorities have arrested several organisers of a demonstration at the tomb of pre-Islamic King Cyrus the Great, local media report.


Kyros der Große hat im Iran und darüberhinaus einen guten Ruf. Dies gilt vor allen Dingen wegen seinem Kyros-Zylinder, auf dem eine Art erste Menschenrechtsdeklaration zu lesen ist. Die Juden haben ihn in der Torah einen Platz eingeräumt, der denen der Propheten nahe kommt.

Cyrus, who ruled in the 6th Century BC, reputedly established the first universal declaration of human rights.

Activists believe that 30 October marks the day Cyrus conquered Babylon in modern-day Iraq and declared all peoples equal in his Achaemenid Empire.

He is said to have freed slaves, including thousands of Jews.

On Sunday, thousands of people reportedly gathered around the ancient tomb in the desert - despite attempts by the police to block the roads and divert traffic in the area.
Iranian nationalists have marked the "Day of Cyrus" for the past several years - but not in such large numbers.

http://www.bbc.com/news/world-middle-east-37824350


Für das heutige Teheran ist das eine Art Anachronismus. Weil in letzter Folge der gestürzte Schah zu sehen ist. Die Monarchie gilt somit als überholt. Dennoch sind die IranerInnen sehr Geschichtsbewußt. Unter Kyros erhielt das antike Persien zwar nicht seine maximale Grösse, aber er gilt für viele als als der größte Herrscher.

EINE KURZE ZUSAMMENFASSUNG DER GESCHICHTE DER MENSCHENRECHTE

Der Kyros-Zylinder (539 v. Chr.)

Kyros ließ seine Erlasse über Menschenrechte auf akkadisch in einen gebrannten Tonzylinder eingravieren.

539 v. Chr. eroberten die Armeen von Kyros dem Großen, dem ersten König von Altpersien, die Stadt Babylon. Aber es waren seine darauf folgenden Maßnahmen, die einen großen Fortschritt für die Menschheit darstellten. Er befreite die Sklaven, erklärte, dass alle Menschen das Recht haben, ihre eigene Religion zu wählen, und stellte Rassengleichheit her. Diese und andere Erlasse wurden auf einem gebrannten Tonzylinder in akkadischer Sprache mit Keilschrift aufgezeichnet.

Heute ist diese antike Aufzeichnung als Kyros-Zylinder bekannt. Jetzt ist sie als weltweit erste Charta der Menschenrechte anerkannt. Sie ist in alle sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen übersetzt worden und ihre Bestimmungen entsprechen den ersten vier Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Die Ausbreitung der Menschenrechte

Von Babylon aus verbreitete sich der Gedanke der Menschenrechte schnell nach Indien, Griechenland und schließlich auch nach Rom. Dort kam die Vorstellung des „Naturgesetzes“ auf, und zwar durch die Beobachtung der Tatsache, dass die Menschen dazu neigten, im Laufe des Lebens bestimmte ungeschriebene Gesetze zu befolgen.

Dokumente, die einzelne Rechte festschreiben, sind die schriftlichen Wegbereiter vieler Menschenrechtsdokumente von heute, zum Beispiel die Magna Carta (1215), die Petition of Right (1628), die Verfassung der USA (1787), die Französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789) und die US Bill of Rights (die ersten zehn Zusatzartikel der Verfassung der USA) (1791).

http://de.humanrights.com/what-are-huma ... f-history/


Teheran sieht es als gefährlich an wenn man die alten Könige Persiens feiert. Es ist auch eine gute Möglichkeit Protest zu äußern dies zu tun.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 7. Nov 2016, 19:44

Diskreditierter Islam im Iran und das Paradoxum, daß gerade die Bevölkerung der Islamischen Republik in Untersuchungen stets als besonders unreligiös dasteht.

Wie einmal ein Geistlicher in einem Interview sagte, Religion als politische Macht korrumpiert und beschmutzt sich automatisch. Das Heilige wird in der profanen Politik schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und in den Ränkeschmieden der Politik durchgewolft. Vielleicht ist gerade deshalb die Bevölkerung Irans so desinteressiert und desillusioniert an Religion. Hier etwas über die Zoroastrier Irans. Einst sprach Zarathustra, wie schon Nietzsche schrieb. Der Zoroastrismus hatte nicht unerheblichen Einfluß auf das Judentum und somit auf die weiteren monotheistischen Religionen. Er ist in Vergessenheit geraten. Nicht aber seine Feste und sein Einfluß in andere religiöse Systeme lebt weiter.

Zoroastrier im Iran

Ein Tempel, in dem das Feuer seit Jahrhunderten brennt, ist die wichtigste zoroastrische Pilgerstätte im Iran. Manche sehen in der uralten Religion eine Alternative zum diskreditiertem Islam.


Doch trotz ihrer geringen Zahl haben sie eine besondere Stellung in Iran. Denn auch wenn sie der islamischen Geistlichkeit als Heiden gelten, geniessen sie in der Bevölkerung grossen Respekt. «Zoroastrier sind ehrliche Leute», sagt der Taxifahrer Omid auf der Fahrt von Chak Chak in die 60 Kilometer entfernte Oasenstadt Yazd, wo nach Teheran die grösste zoroastrische Gemeinde in Iran lebt. «Sie sagen immer die Wahrheit.»


Bei der Wertschätzung für die Zoroastrier spielt der ausgeprägte iranische Nationalismus ebenso eine Rolle wie der Überdruss vieler Iraner mit dem Islam, der durch den politischen Missbrauch durch das Regime beschädigt ist. Viele Nationalisten betrachten den Zoroastrismus als die ursprüngliche und eigentliche Religion Irans, während ihnen der Islam als arabisch und fremd gilt. Das geflügelte Emblem der Zoroastrier ist zu einer Art Nationalsymbol geworden und wird als Schmuckanhänger auch von Muslimen getragen.

Weit brisanter als die symbolische Identifikation ist, dass manche Muslime im Zoroastrismus eine Alternative zum Islam sehen. «Das Regime ist sich bewusst, dass es einen grossen Anteil der Bevölkerung gibt, der reges Interesse am Zoroastrismus hat und der islamischen Religion müde ist», sagt der Ethnologe Just Boedeker. «Das Regime fürchtet, dass viele Muslime den Zoroastrismus als die bessere Religion sehen und konvertieren würden, wenn das System nicht bestünde.»

Wächter des Feuers

Das Heiligtum von Chak Chak ist die wichtigste zoroastrische Pilgerstätte in Iran. Im Juni pilgern jeweils Tausende von Anhängern des Propheten Zarathustra aus aller Welt hierher, um an die Verfolgung ihrer Vorfahren durch die arabischen Eroberer zu erinnern. Sonst kommen nur vereinzelt Besucher in die Wüste.


Alleine Nouruz ist praktisch untrennbar mit dem Iran verbunden. Islam hin oder her. Es ist wie auch in der christlichen Welt etwas vorislamisches, wie es auch vorchristliche Feste und Riten gibt, die überdauert haben. Auch das vermutlich aus grauer vorchristlicher Zeit herrührenden (verpopte und kommerzialisierte) Halloween ist von christlicher Seite nicht der Garaus zu machen.

Sieben symbolträchtige Sachen

Studien zeigen, dass die Iraner das am wenigsten religiöse Volk der Region sind. Während die Türkei, Ägypten und Pakistan eine Reislamisierung erleben, verliert der Islam in Iran auf individueller Ebene an Bedeutung. Zugleich bleibt aber bei vielen Iranern ein Bedürfnis nach Spiritualität. Dies bezeugen die vielen muslimischen Besucher, die täglich zum Feuertempel in Yazd strömen, einem einstöckigen Backsteingebäude, dessen Säulenportal vom geflügelten Symbol der Zoroastrier gekrönt wird. Obwohl es ausser der heiligen Flamme im Innern des 1940 neu gebauten Tempels nicht viel zu sehen gibt, kommen Familien, Schulklassen und Touristengruppen in grosser Zahl.

In einem Nebengebäude führt eine kleine Ausstellung in den Zoroastrismus ein. Die simplen Erklärungen zeigen, wie gering das Wissen der meisten Besucher ist. «Die Neigung zum Zoroastrismus basiert nicht auf tiefer Kenntnis der Religion», sagt Boedeker. Doch gebe es eine starke Identifikation mit den zoroastrischen Ritualen und Festen wie Nouruz, dem iranischen Neujahr, das am 20. März von allen Iranern gefeiert wird. Bei dem Fest richten auch die Muslime auf einem Tisch die sogenannten Haft Sin an, sieben symbolträchtige Dinge, die jeweils für eine Eigenschaft und für eines der sieben unsterblichen Wesen des Zoroastrismus stehen. Dem Regime sind die Feiern wegen ihres nichtislamischen Ursprungs ein Dorn im Auge, doch alle Versuche, sie einzuschränken, sind gescheitert. Zu tief ist der Brauch in der iranischen Kultur verwurzelt.

«Viele Muslime empfinden es als positiv, dass der Zoroastrismus nicht wie der Islam auf Regeln und Vorschriften setzt, sondern zu gutem Denken, gutem Sprechen, gutem Handeln anhält», sagt Boedeker. Anders als der schiitische Islam mit seinem Märtyrerkult ist der Zoroastrismus auch eine freudige Religion, in der Feste eine wichtige Rolle spielen. Zudem sind die Zoroastrier, besonders was das Verhältnis von Männern und Frauen angeht, relativ liberal.

http://www.nzz.ch/international/zoroast ... -ld.126558


Die Hüter des Feuers

Monotheistische Urreligion?

Kaum eine Religion ist bis heute so unbekannt und unterschätzt, gleichzeitig aber so geheimnisvoll wie der Zoroastrismus. Das zeigt sich auch in den vielen Namen, die seinen Anhängern gegeben wurden: «Feueranbeter» oder im Persischen «die Magier». Die Anhängerschaft der Zoroastrier ist mittlerweile klein, weltweit gibt es noch rund 130 000 von ihnen. Dabei gehört die zoroastrische Religion zu den ältesten monotheistischen Religionen: Ihre Ursprünge reichen bis ins altpersische Reich 1800 Jahre vor Christus zurück. Das Judentum, das Christentum und der Islam sollen viele ihrer Prinzipien aus den Lehren des Propheten Zarathustra hergeleitet haben.

http://www.nzz.ch/die-hueter-des-feuers-1.3887108


Nouruz ist der Name des Neujahrs- und Frühlingsfestes, das am 20. oder 21. März vor allem im iranischen Kulturraum gefeiert wird.

Seit dem 10. Mai 2010 ist Nouruz auf Beschluss der 64. Generalversammlung der Vereinten Nationen als internationaler Nouruz-Tag[1] anerkannt. Die Generalversammlung stellte in ihrer Erklärung fest, dass „Nouruz ein Frühlingsfest ist, das von mehr als 300 Mio. Menschen seit mehr als 3000 Jahren auf der Balkanhalbinsel, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten gefeiert wird“. Am 30. September 2009 hatte die UNESCO den Nouruz-Tag in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.[2]

https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz


Die Entwicklung der schiitischen Glaubensrichtung im Iran ist gut dokumentiert. Ich finde einen Aspekt, den ich irgendwo einmal las allerdings ganz interessant. Der Klerus in der Schia, der auf den ersten Blick auch gerne mit dem Klerus im Katholizismus "verglichen" wird, könnte aber durchaus kulturell tiefer im Iran gehen. Die Priester im Zoroastrismus, die Magoi, von denen vermutlich auch das Wort Magie abstammt, oder Matthäus für die Drei Heiligen Könige in seinem Evangelium nutzte, wären der klerikalen Struktur z.B. der 12-Schia "ähnlich". Also, prädestiniert für die Ablöse durch letztere. Wie auch immer. Tatsächlich wie anfangs erwähnt, erwähnten Berichte und Studien immer wieder wie wenig religiös das Individuum im Iran im Vergleich zu seinen Nachbarn in der Region ist. Die Realität im Iran könnte ein Moment sein. Dennoch sind weite Teile sicher als spirituell zu bezeichnen.

Turning away from Shia in Iran

''A Tsunami of Atheism''

Iran's moral guardians are concerned: while Islam is increasing in political importance throughout the Arab world, people in the Islamic Republic of Iran are leaving the mosques in droves. As Ali Sadrzadeh found out, young people seem especially susceptible to the attractions of sects or Christianity


Empty mosques

Elements in the Iranian opposition find this "phenomenon", which "Baztab" describes as "shameful", easy to explain. And the debate reveals a notable discrepancy between Iran and other Muslim countries. In the Arab world, Islam is becoming more important, both privately and politically, but in Iran, the people are leaving the mosques in droves.

https://en.qantara.de/content/turning-a ... of-atheism


The irreligious Iranian youth are banked on to eventually moderate Iran.,[5] and the Iranian youth are among the most politically active among the 57 nations of the Islamic world.[6] As the most restive segment of Iranian society, the young also represent one of the greatest long-term threats to the current form of theocratic rule.[6] After the 2009 presidential election, youth was the biggest bloc involved in the region’s first sustained “people power” movement for democratic change, creating a new political dynamic in the Middle East.[6] Iran is one of the most tech-savvy societies in the developing world, with an estimated 28 million Internet users, led by youth.[6] Most young Iranians are believed to want to be part of the international community and globalization.[6]

https://en.wikipedia.org/wiki/Irreligion_in_Iran
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Di 15. Nov 2016, 14:50

An Teherans Sicherheitspolitik wird sich so schnell nichts ändern. D.h. überregional weiterhin intensive Zusammenarbeit mit Russland und China. Den drei klassischen Verdächtigen aus Sicht der USA. Wobei man (der Westen) den Iran gerne zurückgewinnen würde.

Der Iran kauft seit sehr langer Zeit mal wieder ein größeres Rüstungspaket ein. Auch, wenn er damit weit hinter den Ausgaben anderer Nachbarstaaten in der Region zurückliegt. Es geht um Großwaffensysteme, wie Panzer, Flugzeuge, Hubschrauber u.a.

Iran inks China military pact while mulling $10 billion Russian arms deal

http://www.jpost.com/Middle-East/Iran-N ... eal-472574


Iran is also interested in Russia’s Bastion mobile coastal defense missile system, equipped with supersonic Yakhont anti-ship missiles, Russia's latest S-400 Triumph anti-aircraft missile system, developed by Almaz-Antey, Russian fighter jets and other arms and equipment.

https://www.rt.com/news/366871-russia-i ... -delivery/


Die Rüstungsdeals sind - zumindest für die Öffentlichkeit - wieder unklar. So, wurde zunächst angekündigt, man wolle den russischen T-90MS in Lizenz bauen. Den modernsten russischen Standardpanzer. Dann hieß es man wolle lieber einen eigenen Prototypen bauen, nach dem Zulfiqar I-III, Namens Karrar, der lt. Teheran ähnliche Leistungsmerkmale wie der T-90MS aufweisen würde. Als die ersten Bilder des Karrar MBT auftauchten sah er praktisch genauso aus, wie der T-90MS. Bloß in Schwarz lackiert. Vermutlich basiert er auf diesem.

T-90MS
http://precise3dmodeling.com/models/gro ... _Large.jpg

Karrar
https://abload.de/img/14055094_129799896024vkuqd.jpg

Zulfiqar 3
http://media.moddb.com/images/groups/1/ ... 46525e.jpg

Mit Peking wird die Zusammenarbeit ausgebaut.

The West vs the REST? Iran and China sign MILITARY DEAL as Tehran prepares Putin agreement

The latest military agreement adds to mounting fears the three nations are bulking up their military might in the face of Donald Trump’s election.

Tehran and Beijing officials announced that an agreement had been signed on Monday to conduct joint military exercises – just the latest step towards deepening military cooperation between the two nations.

The military deal, signed by Chinese defence minister Chang Wanquan and his Iranian counterpart General Hossein Dehghan, was agreed to help “create a collective movement” against terrorism and is an “upgrade in long-term military and defence cooperation with China”, Iranian media announced.

http://www.express.co.uk/news/world/732 ... -terrorism


Diese Ankündigungen können auch als Statement bezüglich der Wahl von Donald T. betrachtet werden. Natürlich nur die zeitgleichen Ankündigungen. Die Entwicklungen sind unabhängig davon seit Jahren im Gange. Besonders forciert seit der Bush-Familie.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » So 4. Dez 2016, 19:23

Der Nachfolgekampf um den Posten von Khamenei. Im besonderen Fokus ist das Gerangel zwischen Exekutive und Legeslative. Und den möglichen Kandidaten darin für den Posten. Es gilt gute Startpositionen gewinnen und den Gegner im Vorfeld anzuschwärzen.

Vorwürfe gegen Irans Justizchef

Konkurrenzkampf um Khamenei-Nachfolge im Gange

Der Konflikt zwischen Judikative und Legislative im Iran begann mit einer Anfrage im Parlament: Der Parlamentarier Mahmoud Sadeghi verlangte Informationen, nachdem festgestellt worden war, dass alle Konten der Judikative auf den Justizchef Sadegh Larijani laufen und unter anderem auch Haftkautionen direkt dorthin überwiesen werden. Wirtschaftsminister Ali Tayebnia bestätigte die Vorwürfe.

Als Justizbeamte daraufhin Larijani verhaften wollten, verweigerte er sich unter Berufung auf seine parlamentarische Immunität. Der Staatsanwalt lud ihn wegen anderer Delikte trotzdem vor – in einer offiziellen Mitteilung wurde festgehalten, dass der Haftbefehl weiterhin gültig sei.

Ein weiterer Parlamentsabgeordneter, Ali Motahari, kritisierte die Art und Weise, wie die Justiz gegenüber der Legislative agiert. Erst eine Woche zuvor hatte die Justiz Motahari verboten, in der heiligen Stadt Maschhad eine Rede zu halten, was Konflikte zwischen Exekutive und Judikative zur Folge hatte. Präsident Hassan Rohani stellte sich auf die Seite der Legislative.

Kritik vonseiten der Medien

Selbst der Parlamentspräsident Ali Larijani, Bruder des Justizchefs Sadegh Larijani, kritisierte das Vorgehen. Weniger als sechs Monate vor der Präsidentenwahl warfen die iranischen Medien Justizchef Larijani vor, seine Unabhängigkeit aufgegeben und sich auf die Seite der Konservativen gestellt zu haben.

Brisant: Justizchef Larijani wird auch als Anwärter für die Nachfolge des religiösen Führers Ali Khamenei gehandelt. Die Angriffe auf die Justiz könnten nun zur Minderung seiner Chancen führen. Obwohl die Medien über die Nachfolgespekulationen Khameneis schweigen, ist der Konkurrenzkampf im Hintergrund voll im Gange: Jeder infrage kommende Kandidat wird sofort mit Vorwürfen der Gegenseite konfrontiert

derstandard.at/2000048765117/Vorwuerfe-gegen-Irans-Justizchef
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 7. Jan 2017, 20:33

In Bezugnahme zwei Posts vorher. Kyros und der heutige Iran.

"Wir sind Arier und beten keinen Araber an". :|

Islamkritik im Iran

Kyros der Große kehrt zurück

In der Islamischen Republik Iran sind viele Menschen enttäuscht vom Staatsislam. Aber Kritik daran kann schnell zu Problemen führen. Eine Möglichkeit ist jedoch die Rückbesinnung auf die iranische Geschichte – zum Beispiel auf Kyros den Großen, der zu einem anti-islamischen Symbol junger Iraner wird.


"Kyros ist unser Vater, der Iran ist unser Land", ruft die Menschenmenge. Zehntausende Menschen haben sich in Pāsārgād im südlichen Zagros-Gebirge versammelt. Am Grabmal von Kyros dem Gro­ßen huldigen sie dem König des altpersischen Achämenidenreiches. Es ist mehr als eine Huldigung.

"Freiheit des Denkens ist mit Bart und Wolle nicht möglich", rufen die Menschen unter Anspielung auf die Herrschaft der Geistlichen in ihrem Land. Die Versammlung am Grab von Ky­ros habe viele im Herrschaftsapparat ins Grübeln ge­bracht, erklärt Sadegh Zibakalam. Der Politikwissenschaftler von der Uni Teheran ist einer der führenden liberalen Intellektuellen Irans.
"Kyros ist unser Vater"

"Die Herrschaft konnte sich nicht vorstellen, dass sich bis zu 50.000 Menschen dort versammeln", erklärt Zibakalam. "Sie kann auch keine ausländische Macht wie die USA oder die ‚Zio­ni­s­ten‘ dafür verantwortlich machen."

"Kyros ist unser Vater, alle Völker Irans sind seine Soldaten", deklariert ein Kyros-Ver­ehrer auf Arabisch. Dann fährt er auf Persisch fort: "Kurden aus Sanandaj und Kermanshah, Aseri aus der Provinz Azerbaidschan, Araber aus Khuzistan - sie alle verehren Kyros den Großen."


"Wer hat denn für Ky­ros geworben?", fragt Zibakalam. "Es sind keine Bücher über ihn veröffentlicht und gelesen worden. Ky­ros ist zu ei­nem Sym­bol der Ablehnung des Regimes geworden."

Was am Grab des Achämenidenkönigs aus dem 6. Jahrhundert vor Christus zu hören war, lässt die Alarmgloc­ken bei den Herrschenden der Islamischen Republik laut läuten. "Wir sind Arier und beten keine Araber an", rufen die Menschen am Grab von Kyros dem Großen.

"Ky­ros und Islam haben keine Gemeinsamkeiten"


Die Erinnerung an alte Größe kommt nun in Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Krise zurück.


In der Tat. Aber Ähnlichkeiten sind allerdings, die zur Revolution 1979 mündeten schon vorhanden... Immer sehnt man sich in Krisenzeiten zur "festen Größen" zurück.

"Vom Islam enttäuscht"

"Die zweite und dritte Generation nach der Islamischen Revolution – sie sind vom Islam enttäuscht", sagt Zibakalam. "Sie suchen nach Ersatz. Für meine Generation war der Islam die Ant­wort. Die jungen Menschen von heute werden wegen ihrer Islam-Enttäuschung so lange su­chen, bis sie etwas Anderes gefunden haben."


"Alles ist Gottes Wille, aber alles Unheil kommt von den Arabern", skandiert die Menschenmenge. Worte, die im Land der Velayat-e Faqih – der Herrschaft des Rechtsgelehrten – wie reinste Blas­phe­mie klingen. Eine Minderheit äußere sie, räumt Sadegh Zibakalam ein. Aber diese Minder­heit bringe Gefühle vieler vor allem junger Menschen zum Ausdruck:

"Die Generationen nach der islamischen Revolution glauben nicht mehr an die Poli­tik der Führung. Wenn die Herrschenden hier von Hizbollah-Chef Hassan Nasral­lah sprechen, dann sagen sie, wer ist das überhaupt? Die Herrscher spre­chen von Hamas und die anderen sagen: Hamas, was bitteschön ist das. Die Füh­rung sagt, die USA sind unser Feind. Die andere Seite sagt, nein, das sehen wir nicht so."

http://www.deutschlandfunk.de/islamkrit ... _id=374606


Für Teheran ist Kyros ein Schreckgespenst. Auch, wenn sicherlich viele aus der Führung insgeheim so manchen persischen König bewundern. Es ist wie immer Ansichtssache. Ein gutes Beispiel ist Xerxes I. Aus "abendländischer Sicht", da vom antiken Griechenland geprägt, muß er als aggressiver Tyrann zu sehen sein. Das Achämenidenreich dehnte sich in Europa bis in den Balkan hinein. Griechenland im Süden winkte als fette Beute. Er tat das, was alle Herrscher taten. Er führte Krieg. Und da die Griechen fleissige Chronisten waren, schrieben sie mit. Der größte griechische Recke, König Leonidas (Achill und Co. lassen wir mal weg) wurde von Xerxes I. niedergemacht. Danach wurde Athen verwüstet. Der "Perserschutt" dort kann noch immer bewundert werden. Als die Stadt erobert wurde. Spartas Leonidas massakriert und Athen demoliert. Das gab eine megaschlechte Presse für Xerxes I. von den Griechen. Folgen sieht man kulturell bis heute. In diversen Filmen ist er eine perverse, tyrannische, psychopathische Dragqueen. Siehe "300". Ein Sklaventreiber gegen die Demokratie. Das teilweise in Athen mehr Sklaven als Freie anzutreffen waren, Freidenker wie Sokrates für Gotteslästerung mit dem Tode bestraft wurden und die Spartaner (und Athener) Euthanasie bei Behinderung und brutalste Pädagogik und Emanzipation betrieben, fällt dagegen in den Schatten des Vergessens. Asiatische Barbarei gegen europäische Rechtsstaatlichkeit. Für das Alte Testament, für die Juden, ein Typ, der eigentlich OK ist. Eine Jüdin geheiratet hat und Juden gerettet hat. Wird noch heute als Purimfest von Juden gefeiert. Sieht man sich diese Darstellung in Filmen an, sieht man einen Bollywood-smarten Typen und Lover. Einen aufrechten menschenfreundlichen König, der sich um seine Untertanen sorgt. Vermutlich sind beide Darstellungen falsch.

Der König Kyros wird von vielen IranerInnen vereehrt und zugleich von vielen IranerInnen gefürchtet. Weil er in der heutigen Zeit zu einem Synomym mutiert. Für die einen eine große Führungsfigur, Menschenrechtler (Kyros-Zylinder) und Strahlemann, für die anderen ein Tyrann, Gottgleich, sprich Allah-Gleich. Unmöglich.

Ich habe mir in einigen Ländern so manche letzten Ruhestätten von Herrschern angeschaut, noch nie so eine schlichte Stätte gesehen, wie von Kyros. Man kann es nicht glauben. Die Nachfolger hätten da doch mehr draus machen können. Siehe Persepolis. Interessant, wenn man dort die Treppen benutzt, die schon Alexander der Große betrat.

Die altpersische Dynastien haben keine so feste Verankerung wie der Volksglauben, die Schia, im Iran. Das Andenken daran kann kein so umfassendes Glaubenssystem ersetzen, wie eine Religion. Es bleibt sicherlich eher ein Randphänomen. Allerdings ist der Patriotismus oder auch Nationalismus auch eine ungeheuer starke Macht. Das ist nicht zu unterschätzen. Und dafür taugt Kyros der Große allemal.
Zuletzt geändert von King Kong 2006 am Sa 7. Jan 2017, 20:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Adam Smith » Sa 7. Jan 2017, 20:39

Die Iraner wenden sich vom Islam ab. Das ist doch mal eine gute Nachricht.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 7. Jan 2017, 22:10

Adam Smith hat geschrieben:(07 Jan 2017, 20:39)

Die Iraner wenden sich vom Islam ab. Das ist doch mal eine gute Nachricht.


Sicher gibt es atheistische IranerInnen, aber viele sagen auch, daß sie das System im Iran ablehnen. Aber nicht den Islam. Von daher wäre es passender, wenn man schreiben würde, daß das Staatssystem im Iran von vielen abgelehnt wird. Jedenfalls in dieser Form.

Ich halte Kyros den Großen in der Form auch eher für ein Symbol. Mit ihm wird auch die enge Verbindung zum Westen assoziert. Etwas was vielen im heutigen Iran den Blutdruck hochjagt. Man möge sich nur die who is who der damaligen Gäste bei der 2500-Jahr-Feier Irans anschauen. Das war ein Haufen Ziele von Revolutionären jeder Coleur. Denken die Mächtigen im Iran an Kyros, sind sie um den Schlaf gebracht. Denn d.h. engste Kontakte zu den Herrschern im Westen. Sie alle kamen um einen der ihren zu feiern.

2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie

Die 2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie vom 12. bis zum 16. Oktober 1971 bestand aus einer Reihe von Feierlichkeiten, um an das Todesjahr des Gründers des Altpersischen Reichs Kyros II. vor 2500 Jahren zu erinnern. Ziel der Propagandaveranstaltung war es, durch Rückbeziehung auf den ersten „Schah“ und die Geschichte des Iran sowie eine Leistungsschau der „Erfolge“ des amtierenden Schahs Mohammad Reza Pahlavi und seines Vaters Reza Schah Pahlavi das internationale Ansehen und Legitimation als persische Herrscher zu stärken.[1] Die Veranstaltung geriet später in die Kritik, wegen der angeblich enormen Kosten,[2] aber auch wegen des autoritären persischen Regimes. Stimmen in der amerikanischen Presse[3] und des späteren Revolutionsführers Ajatollah Chomeini[4] sahen gerade darin die Kontinuität der iranischen Monarchien.

Die Staatsgäste

Elisabeth II. sagte aus Sicherheitsgründen ab, an ihrer Stelle nahmen Prinz Philip und Prinzessin Anne teil. Andere westliche Staatsoberhäupter, die ebenfalls ihre Teilnahme abgesagt hatten, waren Richard Nixon, Georges Pompidou und Gustav Heinemann. Nixon wollte ursprünglich in den Iran reisen, sandte dann aber Vizepräsident Spiro Agnew. Bundespräsident Heinemann hatte anfänglich zugesagt, musste dann aber aus gesundheitlichen Gründen absagen.[13] Die Teilnahme Heinemanns hatte zu Diskussionen in der westdeutschen Öffentlichkeit geführt[13].

Folgende Staatsgäste nahmen an den Feierlichkeiten teil:

Monarchen bzw. deren Stellvertreter

Kaiser Haile Selassie von Äthiopien, König Friedrich IX. von Dänemark mit seiner Frau Ingrid von Schweden, Baudouin I. König der Belgier mit seiner Ehefrau Königin Fabiola de Mora y Aragón, König Hussein von Jordanien mit seiner Ehefrau Prinzessin Muna von Jordanien, König Mahendra von Nepal und die Königinmutter Ratna, König Olav V. von Norwegen, Emir von Bahrain Isa ibn Salman Al Chalifa, König Konstantin II. von Griechenland mit seiner Ehefrau Prinzessin Anne-Marie von Dänemark, Sultan Qabus ibn Said von Oman, Kronprinz Ahmad Schah Khan und seine Schwester Prinzessin Bilqis Begum von Afghanistan, König Moshoeshoe II. von Lesotho, Yang di-Pertuan Agong Tuanku Abdul Halim von Malaysia, Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan (Vereinigte Arabische Emirate), Fürst Franz Josef II. von Liechtenstein mit seiner Ehefrau Georgina von Wilczek, Fürst Rainier III. von Monaco und seine Ehefrau Fürstin Gracia Patricia, Großherzog Jean von Luxemburg mit seiner Ehefrau Joséphine Charlotte von Belgien, Prinz der Niederlande Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, Prinz Philip, Duke of Edinburgh, und Prinzessin Anne (Vereinigtes Königreich), Begum Salimah Aga Khan, Ehefrau von Karim Aga Khan IV., Kronprinz Karl Gustav von Schweden, Prinz Juan Carlos von Spanien mit seiner Ehefrau Prinzessin Sophia von Griechenland, Prinz Mikasa Takahito und seine Ehefrau Prinzessin Yurika aus Japan, der ehemalige Premierminister Moulay Abdallah Ibrahim mit seiner Ehefrau Lamia als Repräsentant von Hassan II. von Marokko, Premierminister Prinz Makhosini Dlamini von Swasiland, Generalgouverneur von Kanada Roland Michener, Generalgouverneur von Australien Sir Paul Hasluck.

Präsidenten, Premierminister und Kanzler bzw. deren Stellvertreter

Präsident von Jugoslawien Josip Broz Tito, Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der Sowjetunion Nikolai Podgorny, Bundespräsident von Österreich Franz Jonas, Staatschef von Bulgarien Todor Schiwkow, Präsident von Brasilien Emílio Garrastazu Médici, Ministerpräsident von Finnland Urho Kekkonen, Staatspräsident der Türkei Cevdet Sunay, Staatspräsident von Ungarn Pál Losonczi, Präsident der Tschechoslowakei Ludvík Svoboda, Staatspräsident von Pakistan Yahya Khan, Präsident des Libanon Suleiman Frangieh, Staatspräsident von Südafrika Jacobus Johannes Fouché, Präsident des Senegal Léopold Sédar Senghor, Staatspräsident von Indien V. V. Giri, Präsident von Mauretanien Moktar Ould Daddah, Präsident von Dahomey Hubert Maga, Staatspräsident von Rumänien Nicolae Ceaușescu und seine Ehefrau Elena Ceaușescu, Präsident von Zaire Mobutu Sese Seko, Vizepräsident der Volksrepublik Polen Mieczysław Klimaszewski, Bundestagspräsident der Bundesrepublik Deutschland Kai-Uwe von Hassel, Premierminister von Frankreich Jacques Chaban-Delmas, Ministerpräsident der Republik Korea Kim Jong-pil, Ministerpräsident von Italien Emilio Colombo, Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika Spiro Agnew, Außenminister von Portugal Rui Patrício, Bundespräsident der Schweiz Rudolf Gnägi, First Lady der Philippinen Imelda Marcos, Vizepräsident der Volksrepublik China Guo Moruo, Sondergesandter des Papstes Kardinal Maximilien de Fürstenberg.

https://de.wikipedia.org/wiki/2500-Jahr ... g.C3.A4ste
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Do 30. Mär 2017, 16:27

Möglicher Nachfolger von Khamenei?

Ebrahim Raisi: the Iranian cleric emerging as a frontrunner for supreme leader

Many believe the custodian of the Islamic Republic’s holiest shrine is being groomed by Ayatollah Ali Khamenei’s inner circle

https://www.theguardian.com/world/2017/ ... r-khamenei


Zumindest nimmt er das notwendige Vitamin B mit. Er arbeitet für die Verwaltungsorganisation Astana Quds Rezavi, die als womöglich reichste muslimische Wolfahrtsorganisation innerhalb der islamischen Welt gilt. Und zahlreiche Wirtschaftszweige umfasst.



Auch obliegt ihr die Organisation des Wahlfahrtsortes des Imam-Reza-Schreines in Maschad. Neben Qom der bedeutendste im Iran und nach Kerbala und Nadjaf im Irak. Für die Schiiten.

Imam-Reza-Schrein

Dieser Komplex bildet das Zentrum des Tourismus im Iran und wird jährlich von 15 bis 20 Millionen Pilgern besucht.[2] Der Schrein selbst umfasst eine Fläche 267.079 m²; die sieben Innenhöfe, die den Schrein umgeben, haben zusätzlich eine Fläche von 331.578 m² - insgesamt also 598.657 m².[3]

https://de.wikipedia.org/wiki/Imam-Reza-Schrein


Sicherlich kann es da trotzdem ziemliche Überraschungen geben. Auch könnte überlegt werden das Amt des Obersten geistlichen Führers zeitlich zu beschränken. Auf jeden Fall gilt Raisi als ein Favorit.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » Do 30. Mär 2017, 18:02

Man weiß es nicht. Wenn Khamenei selbst niemanden als Nachfolger einsetzt, wird man es sich an den Tagen nach seinem Tod überlegen. Da kann dann fast alles passieren, je nachdem wer zufälligerweise im richtigen Gremium den Ton angibt.
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Ära der Populisten

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 12. Apr 2017, 09:38

Er will wieder kandidieren. Obwohl Khamenei davon nicht begeistert ist.

Irans Ex-Präsident Ahmadi-Nejad kandidiert wieder

Überraschende Entscheidung entgegen Rat Khameneis

Ahmadinejad: Kandidatur nur zur Unterstützung seines ehemaligen Stellvertreters Teheran – Der iranische Ex-Staatschef Mahmoud Ahmadi-Nejad hat sich überraschend als Kandidat für die Präsidentschaftswahl registrieren lassen. Das berichteten iranische Staatsmedien am Mittwoch. Ahmadi-Nejad hatte eigentlich zuvor erklärt, nicht zu kandidieren, nachdem das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, ihm davon abgeraten hatte.

derstandard.at/2000055816171/Ex-Praesident-Ahmadi-Nejad-kandidiert-bei-Wahl-im-Iran


Ob er Chancen hat, sei dahingestellt. Rouhani hatte zuletzt immer versucht gegen die US-Sanktionen anzukommen. Er muß etwas liefern. Das hält ihn und seine Vertreter am Leben. Wenn durch das Atomabkommen nicht massive, signifikante wirtschaftliche Entwicklungen im Iran spürbar sind (siehe US-Sanktionen), dann bekommen die Hardliner wieder Überhand.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » Mi 12. Apr 2017, 14:48

Ich glaube das wird für Achmadinejad nicht gut enden.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon King Kong 2006 » Do 13. Apr 2017, 14:48

Platon hat geschrieben:(12 Apr 2017, 15:48)

Ich glaube das wird für Achmadinejad nicht gut enden.


Vorstellen kann ich mir einen erneuten Präsidenten Ahmadinejad nicht wirklich. Aber einen Trump konnte ich mir auch nicht vorstellen.
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Re: Iran 2016 - Perspektiven

Beitragvon Platon » Do 13. Apr 2017, 14:50

Nur das es im Iran keine ausländischen Geheimdienste braucht um Wahlen zu manipulieren. ;)

Eine Wahl Achmadinejads wäre einfach nur Trolling der Bevölkerung, weil Khamenei gesagt hat er soll nicht antreten. Ich glaube ohnehin, dass er sich angemeldet hat damit er dann wieder aussteigt und dafür ein anderer Kandidat von ihm antreten darf.
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Hanebüchene Wahlversprechen

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 28. Apr 2017, 20:11

Wahlversprechen:

Iran: Kandidaten versprechen die Sterne vom Himmel

AMIR LOGHMANY AUS TEHERAN

Sechs Millionen Arbeitsplätze, Vervierfachung der Nettoeinkommen und mehr Geld für Familien: Drei Wochen vor der Wahl überschlagen sich die Kandidaten mit Wahlversprechen


Der eine will sechs Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, der andere verspricht hohe Familienbeihilfen, der nächste stellt völlig neue Perspektiven für die iranische Gesellschaft innerhalb von hundert Tagen in Aussicht. Am Freitagabend sollten die Kandidaten erstmals in einer Fernsehdebatte aufeinandertreffen.


Der durchaus nicht unbeliebte z.T. kurdischstämmige Teheraner Bürgermeister und General der Reserve, Ghalibaf:

Der Oberbürgermeister von Teheran, Mohammad Bagher Ghalibaf, steht, was großartige Ankündigungen anbelangt, an erster Stelle. Ohne einen konkreten Plan vorzulegen, behauptet er, innerhalb von vier Jahren das Nettoeinkommen aller Arbeitnehmer vervierfachen zu wollen. In Zahlen würde das bedeuten, dass der Iran auf einer Stufe mit den meisten mitteleuropäischen Staaten steht. Die meisten Medien sehen das als reine Utopie und werfen ihm Unwissenheit vor. Außerdem will er sechs Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Dazu ist zu bemerken, dass der Iran höchstens 2,5 Millionen Arbeitslose hat. Was Ghalibaf mit den 3,5 Millionen Arbeitsplätzen, die unbesetzt bleiben würden, vorhat, steht in den Sternen.


Ebrahim Raisi, der Favorit der Konservativen, bleibt aber nicht weit hinter den Versprechungen Ghalibafs zurück. Er wird in kürzester Zeit die Wirtschaft in Schwung bringen und allen Familien monatlich dreimal so viel Bargeld überweisen, wie es dereinst Mahmud Ahmadi-Nejad als Präsidentschaftskandidat versprochen hat. Woher das Geld kommen soll, sagt Raisi nicht. Er will außerdem die Arbeitslosigkeit innerhalb kürzester Zeit überwinden.


Von Seiten der Presse im Iran wird den Kandidaten nicht gerade Fachwissen in Sachen Ökonomie bescheinigt.

"Keine Ahnung von Wirtschaft"

Mit Blick auf die vielen Versprechungen der Kandidaten kommentiert die reformorientierte Tageszeitung Aftab-e Yazd, die in der Amtszeit von Präsident Mohammed Khatami (1997–2005) gegründet wurde, dass "die Herrschaften entweder keine Ahnung von Wirtschaft haben oder glauben, dass leere Versprechungen im Iran eine lange Tradition haben angesichts der acht Jahre der Präsidentschaft Ahmadi-Nejad: Auch er hat nicht an leeren Versprechungen gespart – und das Land ruiniert."


Präsident Hassan Rohani, der von seinen Gegnern erbittert dafür kritisiert wird, dass die Früchte des Atomabkommens angeblich ausbleiben, setzt einfach darauf, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen: dass es aufwärts geht und sein Kurs richtig ist. Wenn man informellen Umfragen glauben darf, wird Rohani die Präsidentenwahl gewinnen. Ihm würde eine hohe Wahlbeteiligung zugutekommen, mit der zu rechnen ist, denn gleichzeitig finden Gemeindewahlen statt.

derstandard.at/2000056735923/Iran-Kandidaten-versprechen-die-Sterne-vom-Himmel


Ahmadinejad übrigens befürchtet eine Rufschädigung durch Wahlkampfdebatten.

Er warnte außerdem die Kandidaten davor, ihn in den Fernsehdebatten anzugreifen: In dem Fall werde er sie klagen.
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Rouhani wiedergewählt - Gegen Protektionismus

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 20. Mai 2017, 14:55

Iran wählt die Vernunft

Die Iraner haben ein deutliches Votum abgegeben: Hassan Rohani bleibt Präsident. Damit entscheidet sich das Land gegen den Populismus - und für einen prowestlichen Kurs.


Die Hardliner argumentieren damit, daß der Iran stark genug ist sehr protektionistisch zu sein. Und auch keine ausgeprägten Beziehungen zum Westen unterhalten zu müssen. Darüber kann man trefflich streiten.

Wunsch nach einer besseren, friedlichen Zukunft

Ebenso ließen sie sich nicht von den anti-iranischen Tönen von US-Präsident Donald Trump beeindrucken und von seinem Einreiseverbot für Muslime aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern, darunter Iran. Auch dass Trump jetzt den sunnitischen Erzrivalen des schiitischen Iran besucht, Saudi-Arabien, bekümmerte sie nicht. Die Iraner wollen wieder Teil der Weltgemeinschaft sein, anerkannt und respektiert. Sie hören sehr wohl, dass Hardliner ihnen versprechen, Iran sei groß und rohstoffreich genug, um alleine, unabhängig vom Rest der Welt, zu überleben - doch sie spüren, dass solch eine Existenz in einer globalisierten Welt keine Zukunft hat.


Natürlich sind bessere Beziehungen zum Westen auch daran geknüpft, wie man sich versteht. Das ist für die Hardliner schwer zu schlucken. Will der Iran allerdings sein Potential an Humankapital und Ressourcen stärker entfalten, dann scheint das ohne den Westen ohne weiteres möglich. Der Iran hat mit großer Mehrheit gegen stärkeren Protektionismus gestimmt.

Man mag meinen, daß aufgrund der Auswahl an Kandidaten das nicht so spektakulär wäre. Alles Leute des Systems. Aber es gibt erhebliche Unterschiede. Wenn ein Hardliner gewählt worden wäre, dann wäre das schnell spürbar geworden.

Rohani, 68, ist ein Geistlicher und Jurist, der in Glasgow über islamische Gesetzgebung in Iran promoviert hat. Westliche Kritiker, die ihn als "Mullah" abtun, verkennen, dass Kleriker in Iran ein breites Meinungsspektrum vertreten, von linksliberal bis ultrakonservativ. Dass sie sich äußerlich oft gleichen - langer grauer Bart, dunkles Gewand, Turban -, täuscht über die großen inhaltlichen Unterschiede hinweg.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/h ... 48612.html


Die EU und Russland gratulieren Rouhani.

Russia, EU congratulate Iran’s Rouhani on re-election

http://www.timesofisrael.com/russia-eu- ... -election/
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Fluchtbewegung aus oder auch in den Iran - Zweiter Weltkrieg

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 3. Jun 2017, 21:27

Mehrere Millionen IranerInnen haben seit der Revolution 1979 den Iran verlassen. Auch unter dem Schah kehrten einige dem Land den Rücken. Allerdings marginal, meist politische Dissidenten, oder wegen Auslandsstudium und anschließenden Verbleib dort. Zugleich sind mehrere Millionen Afghanen und Iraker in den Iran geflohen. Vor Kriegen und wirtschaftlichen Gründen.

Während des Zweiten Weltkrieges kamen mehrere tausend Juden aus Frankreich in den Iran. Durch engagiertes Handeln eines iranischen Diplomaten. Was nicht so bekannt ist, war die Fluchtbewegung vieler Polen in den Iran. Sicher nicht, weil es ein gelobtes Ziel war, einige gingen nach Palästina weiter, sondern weil es sicherer als die Sowjetunion war. Nach der Invasion der Sowjets nach Ostpolen 1939 kam es zu Umsiedlungsaktionen und Deportationen in Polen. Rund 116 000 Polen sind über die Kaspiregion in den Iran gelangt.

1943

Polish refugees in Iran

Desperate refugees find solace in Persian hospitality

In September 1939, Nazi Germany invaded Poland, marking the beginning of World War II. As part of Germany’s nonaggression pact with the Soviet Union, eastern Poland was occupied and annexed by the USSR.

Approximately 1.25 million Poles were deported to various parts of the Soviet Union, including half a million “socially dangerous” Poles who were packed into trains and shipped to labor camps in Kazakhstan and Siberia. Thousands died of exhaustion, disease and malnutrition.


Crossing the Caspian Sea in crowded boats, over 116,000 Poles made it to Iran. Most landed in the port city of Pahlevi, where they were fed and quarantined — malaria, typhus and starvation-related ailments were widespread. Many died and were buried there.

Those who survived were transported to Tehran, where they were warmly welcomed by the Iranian government. Buildings were repurposed to house them, and Polish schools, businesses, and cultural organizations were established. People who had spent years in freezing and disease-ridden conditions now had clean beds and plenty of food.

http://mashable.com/2016/05/21/polish-r ... z5tuiic5qF


Eine Leistung eines Einzelnen, von Abdol-Hossein Sardari, war die im Auswärtigen Dienst im besetzten Frankreich. Er organisierte die Rückführung iranischer Juden aus Frankreich. Irgendwann begann er iranische Blankopässe auszustellen. Was die iranischen Staatsbürger jüdischen Glaubens betraf konnte Sardari mit halbseidenen Erklärungen in pseudorassischer Art die Verantwortlichen überzeugen sie gehen zu lassen. Bei den späteren von ihm selbst vorgenommenen Einbürgerungen wurde es einfacher, da die Religionszugehörigkeit nicht dokumentiert wurde. Zumal ein arischer Pass für die Nazis sowieso eine Freifahrtkarte ist.

Abdol-Hossein Sardari (* 1895; † 1981 in Nottingham) war ein iranischer Diplomat, der während des Holocausts vielen Juden das Leben rettete; er wird oft als „Irans Schindler“ bezeichnet. Sardari war der Onkel von Fereydoun Hoveyda.


In diesen Pässen waren keine Angabe zur Religionszugehörigkeit einzutragen, so dass die Passinhaber als Iraner und damit als Arier galten. Da ein Pass auch für ganze Familien ausgestellt werden konnte, geht man heute davon aus, dass Sardari damit 2000 bis 3000 Juden das Leben rettete.

https://de.wikipedia.org/wiki/Abdol-Hossein_Sardari


Wie wechselhaft es sein kann, wann, warum es viele Bewegungen in oder aus einem Land gibt.
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