Iran & USA - Ende der Feindschaft?

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King Kong 2006
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Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 21. Sep 2015, 07:01

Seit 1979 befinden sich der Iran und die USA in einem Zustand des Kalten Krieges. Vor 1979 waren beide Staaten enge Verbündete. Der Abfall und die Abwendung Irans im Rahmen der Islamischen Republik von den USA haben in der für die USA, für die Weltwirtschaft als vital definierten Region zu großen Konflikten geführt.

Ab dem Jahre 2000 mit dem damaligen US-Präsidenten G.W.Bush im Weissen Haus eskalierte die Situation fast. Der damalige iranische Präsident Ahmdinejad, der den "Reformpräsidenten" Khatami ablöste war praktisch das Spiegelbild zu Bush in dieser Hinsicht. Politische Entwicklungen in der Region trugen dazu bei, daß beide Länder ihr Verhältnis zueinander definieren mussten und konnten.

Rouhani hielt nun eine Rede.

Irans Präsident Rohani sieht „erste Schritte" getan, um die "Feindschaft" mit den USA abzubauen. Das mit den Vetomächten des Uno-Sicherheitsrates und Deutschland unterzeichnete Atomabkommen werde von der Mehrheit der iranischen Bevölkerung als positiv betrachtet. Das sagte Ruhani in einem Interview mit dem US-Sender CBS. Allerdings werde es dauern, die seit Jahrzehnten zwischen den USA und dem Iran bestehende "Feindschaft", die "Distanz, die Meinungsverschiedenheiten und das Misstrauen" zu überwinden.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 53384.html


Rohani on '60 Minutes': Iran, U.S. 'Have Taken First Steps' Toward Decreasing Enmity

Iranian president, who was interviewed in Tehran, expressed confidence that Iran's parliament and Supreme National Security Council would likewise approve the accord.
read more: http://www.haaretz.com/news/world/1.676910


Auch, wenn das keine Partnerschaft oder gar Freundschaft bedeutet, ist die mögliche Abkehr von einer Feindschaft der erste Schritt. Dies war schon länger zu beobachten im Rahmen der Kooperationen auf dem syrisch/irakischen Schlachtfeld zwischen Washington und Teheran. Einst galt der Iran für die USA als "Golfpolizist". Dieser Status wird nicht mehr erreicht und wird von Teheran auch nicht mehr gewünscht. Das ist eher verhasst. Es gilt eine eigenständigere Rolle. Wie die aussieht, wird die große Kunst, die große Unbekannte für die zukünftigen Beziehungen zwischen der Weltmacht und dem Iran sein.
Zuletzt geändert von King Kong 2006 am Mo 21. Sep 2015, 07:02, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 21. Sep 2015, 07:16

King Kong 2006 » Mo 21. Sep 2015, 06:01 hat geschrieben:Seit 1979 befinden sich der Iran und die USA in einem Zustand des Kalten Krieges. Vor 1979 waren beide Staaten enge Verbündete. Der Abfall und die Abwendung Irans im Rahmen der Islamischen Republik von den USA haben in der für die USA, für die Weltwirtschaft als vital definierten Region zu großen Konflikten geführt.

Ab dem Jahre 2000 mit dem damaligen US-Präsidenten G.W.Bush im Weissen Haus eskalierte die Situation fast. Der damalige iranische Präsident Ahmdinejad, der den "Reformpräsidenten" Khatami ablöste war praktisch das Spiegelbild zu Bush in dieser Hinsicht. Politische Entwicklungen in der Region trugen dazu bei, daß beide Länder ihr Verhältnis zueinander definieren mussten und konnten.

Rouhani hielt nun eine Rede.





Auch, wenn das keine Partnerschaft oder gar Freundschaft bedeutet, ist die mögliche Abkehr von einer Feindschaft der erste Schritt. Dies war schon länger zu beobachten im Rahmen der Kooperationen auf dem syrisch/irakischen Schlachtfeld zwischen Washington und Teheran. Einst galt der Iran für die USA als "Golfpolizist". Dieser Status wird nicht mehr erreicht und wird von Teheran auch nicht mehr gewünscht. Das ist eher verhasst. Es gilt eine eigenständigere Rolle. Wie die aussieht, wird die große Kunst, die große Unbekannte für die zukünftigen Beziehungen zwischen der Weltmacht und dem Iran sein.


Amerika tut sich immer noch schwer. Tatsächlich hätte sich ohne deutsche Diplomatie nicht viel getan. Amerika tut sich in der Außenpolitik schwer mit Pragmatismus. Ist in Syrien auch so. Steinmeier weiß schon daß es ohne Russland und Assad keine Lösung gibt. Die heimliche Weltmacht Deutschland wird allerlei diplomatische Klimmzüge machen müßen um die Amis dazu zu bewegen mit Russland und Assad zusammen gegen den IS vorzugehen. Es wird darauf ankommen gemeinsam Assad an die Kette zu legen. Wäre schön wenn der Iran da mit im selben Boot wäre.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 21. Sep 2015, 14:25

Vor 1979 gab es keinen Iran, sondern Persien. Die unnötigen und oft verbrecherischen Übergriffe der USA haben den Iran teilweise dazu verleitet, selbst eine ungute Politik zu unterstützen und Nachbarländer zu einer uneuphorischen Haltung gegen Israel und USA anzuhalten. Das sollte sich ändern. Frieden, wie ihn nur der Islam garantieren kann, ist aber in großen Teilen für den Iran auch mit USA möglich.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 21. Sep 2015, 19:45

@Alter Stubentiger

Kissinger war es wohl der sagte, daß die USA immer zuerst alle falschen Lösungsansätze versuchen. Bis sie dann am Ende das Richtige tun.

@SoleSurvivor

Den Iran gab es offiziell (wieder) ab 1936, aber vor 1979 war es für viele natürlich das verklärte Persien. Mit toller Monarchie, Geschichte und Kultur. Und natürlich ein westlicher Verbündeter. In der Tat meine ich, daß zumindest mit der Regentschaft des Sohnes in der Busch-Dynastie, der G.W.Bush, die Entwicklung in der Region Hurricanartige, Achterbahnartige Entwicklungen annahm.

Präsident Khatami sprach in Weimar vom west-östlichen Dialog, in Anlehnung an Goethe. Er gab einem israelischen Reporter Antworten, was zumindest symbolhaft einer Annerkennung, zumindest Wahrnehmung des Staates Israel gleichkam. Ein Novum bis dato in der Islamischen Republik. Er hat dem israelischen Präsidenten Katzav die Hand geschüttelt (wurde auch von Assad - dem heutigen Superschurken bestätigt). Bei der Beerdigung von Papst Johannes Paul II.

Dann kam Bush.

Und wollte von dieser Entwicklung nichts wissen. Der Kampfmodus wurde aktiviert. Der Iran ging mit dem Feuerfresser Ahmadinejad in Verteidigungsposition. Was dann in der Region - gerade auch zwischen den USA und Iran losging ist bekannt. Ein völlig verlorenes Jahrzehnt, Kriege, zertrümmerte Staaten, Kriegsdrohungen, Tote, Vertriebene, Flüchtlingsströme uvm. Jetzt fangen sie da an, wo sie Anfang 2000 schon einmal waren... Das muß man sich einmal vorstellen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 21. Sep 2015, 20:27

King Kong 2006 » Mo 21. Sep 2015, 19:45 hat geschrieben:Der Kampfmodus wurde aktiviert. Der Iran ging mit dem Feuerfresser Ahmadinejad in Verteidigungsposition. Was dann in der Region - gerade auch zwischen den USA und Iran losging ist bekannt. Ein völlig verlorenes Jahrzehnt, Kriege, zertrümmerte Staaten, Kriegsdrohungen, Tote, Vertriebene, Flüchtlingsströme uvm. Jetzt fangen sie da an, wo sie Anfang 2000 schon einmal waren... Das muß man sich einmal vorstellen.


Immerhin fangen sie nicht da an, wo sie vor der Kultur mal waren. Bei der Rüstungsbemühung von USA und Iran wäre das nicht ausgeschlossen. Man kann der Region nur mehr Frieden wünschen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 25. Sep 2015, 21:25

Die USA sind bereit mit dem Iran über Syrien zu reden.

US negotiator says Obama administration ready to discuss Syria with Iran

WASHINGTON (AP) — The Obama administration is ready to open a dialogue with Iran about the situation in Syria, the top U.S. negotiator for the Iranian nuclear deal said on Friday.

Under Secretary of State for Political Affairs Wendy Sherman said she expected the topic would be on the agenda when Secretary of State John Kerry meets on Saturday with Iranian Foreign Minister Mohammad Javad Zarif at the United Nations.

http://www.usnews.com/news/politics/art ... -with-iran


Bis dato wurde offiziell immer von beiden Seiten geäußert, daß es keine Art von Koordination im Irak und Syrien gäbe. Beobachter gingen vom Gegenteil aus. Wenn auch eher auf bescheidener taktischer Ebene, weniger strategisch. Einfach, um Mißverständnisse zu vermeiden. So, wie es im Persischen Golf zwischen den Streitkräften der USA und Iran seit Jahren gehandhabt wird. Oder jetzt mit Russland in Syrien. Oder zwischen Israel und Russland betreffs Syrien. Es ging eher darum Eskalationen zu vermeiden, wenn man zufällig aufeinandertrifft. Jetzt will man eher konstruktiv miteinander umgehen. Das ist stets der modus vivendi, zwischen den Beiden, um den es den USA in der Region immer primär ging. Maskiert von der iranischen Atombombe.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 30. Sep 2015, 07:43

Der iranische Außenminister Zarif wird von Hardlinern kritisiert, weil er mutmaßlich die Hand von US-Präsident Obama geschüttelt hat.

Iran’s foreign minister under fire over Obama handshake claim

There has been no official confirmation that the handshake between Mohammad Javad Zarif and Barack Obama took place but domestic media have quoted “informed” sources as saying it happened by accident on the sidelines of the UN General Assembly this week.


Mansour Haghighatpour, another political conservative and member of the parliament’s national security and foreign policy committee, said parliament would not remain indifferent should it be confirmed that Mr Zarif had ignored the regime’s red lines.
In depth

“There should not be talk of any handshakes with US officials as long as the US supports terrorists and does not respect our nation’s rights,” Mr Haghighatpour told Tasnim, a news agency close to the Revolutionary Guards.

http://www.ft.com/intl/cms/s/0/60ef18d0 ... z3nCYLNIrn


Solche Momente bieten immer Situationen die innenpolitischen Auseinandersetzungen voranzutreiben.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 7. Okt 2015, 19:43

Khamenie hat sich gegen weitere Gespräche mit den USA ausgesprochen. Entweder geht es den Hardlinern zu schnell oder was ich eher vermute, man hält während der Operationen in Syrien eine Sendepause.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon HugoBettauer » Mi 7. Okt 2015, 21:55

King Kong 2006 » Mi 7. Okt 2015, 19:43 hat geschrieben:Khamenie hat sich gegen weitere Gespräche mit den USA ausgesprochen. Entweder geht es den Hardlinern zu schnell oder was ich eher vermute, man hält während der Operationen in Syrien eine Sendepause.

Man darf die einfachen Menschen nur behutsam überfordern.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 16. Okt 2015, 11:22

Der Atomdeal geht jetzt in die Zielgeraden.

Atomdeal geht in die Zielgerade zur Umsetzung

Der im Atomdeal mit dem Iran vorgesehene Fahrplan erreicht am Sonntag den "Adoption Day". An diesem Tag tritt der "Aktionsplan" – so heißt der Atomdeal – in Kraft, es beginnen die konkreten Vorbereitungen für die Umsetzung der komplizierten Vereinbarung.


Obama wie Rouhani mußten auch mit den Parlamenten manövrieren. Wobei Obama klar machte sowieso per Veto alles obsolet zu machen, was da beschlossen werden könnte. In Teheran hätte Khameini dasselbe gemacht. Dennoch war der Umgang mit diesen beiden lästigen Parlamenten notwendig. Das muß ja alles seine Ordnung haben. ;)

Schwierige Parlamente

Der JCPOA wurde zwischen dem Iran und der EU, den EU-Mitgliedstaaten Großbritannien, Frankreich (beide auch im Uno-Sicherheitsrat) plus Deutschland sowie den drei restlichen Sicherheitsrats-Mitgliedsstaaten USA, Russland und China geschlossen. Ein Grund für das seltsame Konstrukt eines in eine Sicherheitsratsresolution gegossenen "Aktionsplans" war, dass man damit die nationalen Parlamente etwa in der EU eben nicht befassen muss, wie es bei einem internationalen Abkommen der Fall gewesen wäre.

Die USA und der Iran haben sich diesen Schritt aber selbst auferlegt. Im iranischen Parlament in Teheran, wo der Deal am Dienstag beschlossen und am Mittwoch vom Wächterrat abgesegnet wurde, passiert zwar ohnehin nichts, was der religiöse Führer Ali Khamenei nicht will. Dennoch war die Parlamentsdebatte für die Regierung von Hassan Rohani und seinen Chefverhandler Mohammed Javad Zarif kein Spaziergang. Rohani hätte sich das gerne erspart, wurde aber von Khamenei zur Ordnung gerufen, als er das Anfang September öffentlich sagte.

Auch US-Präsident Barack Obama involvierte den Kongress: wobei klar war, dass er notfalls sein Veto gegen eine negative Entscheidung einlegen würde. Das bedeutete für die Gegner des Deals – Republikaner, aber auch einige Demokraten –, dass sie eine Zweidrittelmehrheit gebraucht hätten, um ihn zu kippen. Es kam nicht einmal eine Mehrheit für eine Missfallensresolution zustande – aber auch keine für eine unterstützende Resolution.

http://derstandard.at/2000023942322/Ato ... -Umsetzung


Schwieriger Punkt ist/war der Umgang mit Raketensystemen. Offiziell hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Natürlich würde aber Washington es gerne sehen, wenn Teheran bis auf Raketenböller alles verschrotten würde. Das ist natürlich illusorisch. Mangels einer vernünftigen Luftwaffe, einem Land von der Gewichtung Irans angepasst, hat Teheran versucht dies mit Raketensystemen zu kompensieren. Das ist seine militärische Lebensversicherung, neben der soft power. Deshalb gab es jüngst noch den Raketentest mit der Mittelstreckenraketen "Emad" und jüngst ein paar Pics mit unterirdischen Anlagen, die Raketensysteme beherbergen. Zu tief für jeden bunkerbuster. Damit wollte Teheran nochmal vor der Zielgeraden zeigen, daß man seine Prothese nicht weggeworfen hat, wenn auch aus dem Mund genommen. Man kann immer noch zubeißen.

Iranian underground missile bases enable ‘surprise launches’

Iran may be able to fire its missiles from underground through surface vents.

An underground Iranian missile launch base unveiled in recent days enables the Islamic Republic to store and covertly fire surface-to-surface missiles, a senior Israeli defense expert said.

Tal Inbar, head of the Space Research Center at the Fisher Institute for Air and Space Strategic Studies in Herzliya, spoke on Wednesday after Iranian state television released images of large caves storing long-range missiles on-board mobile launches. He described the underground facility, whose location is unknown, as a “complex system of enormous tunnels.”

These allow Iran to fire its missiles from underground, through surface vents.

“The cave system enables the Iranians to prepare their missiles for firing secretly, and to carry out a surprise missile barrage attack,” he warned.

http://www.jpost.com/Middle-East/Iran/I ... hes-426141


Das Gebirgsland Iran soll mit solchen Anlagen kreuz und quer be- und durchbohrt sein. Sehr tief und sehr komplex. Mit Klimaanlagen, Explosionsschutzsystemen usw. Das ist jetzt nicht das Ergebnis des "Weicheies" Obama, wie es manchmal heißt. Sondern das ist das Ergebnis des Masterminds Bush. Dank seiner Haltung und militärischen "Andeutungen" gegenüber Iran hielt man es schon seinerzeit für sinnvoll vorzubauen. Sprichwörtlich. Daran ist nichts neu. Schon zu Zeiten von Bush konnte man davon lesen.

Auch das ist alles schon in den Verhandlungen eingepreist. Jetzt geht es auf die Zielgerade.

Interessant wird es, wie sich die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA im Kontext Russlands und Chinas entwickeln (können). Zunächst einmal ist wohl die Feindschaft abgekühlt worden. Ob daraus eine Partnerschaft entstehen kann, bleibt abzuwarten. Auf niedriger technischer Ebene sah man dies bereits im Persischen Golf, Afghanistan und im Irak.
Zuletzt geändert von King Kong 2006 am Fr 16. Okt 2015, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon HugoBettauer » Di 20. Okt 2015, 20:35

Es muss alles demokratisch aussehen. Ich freue mich, wenn die Weltpolitik sich Schritt für Schritt aus dieser Sackgasse rausmanövriert und im Iran mehr Wachstum stattfindet.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 23. Okt 2015, 15:45

“One word in one speech changed history.” :?:

Ende der Neunziger machte Khatami wie gesagt von sich reden. Auch Clinton war nicht nur ein Schwernöter wie Kennedy, sondern wurde ähnlich dynamisch für Neues wahrgenommen. Allerdings können im Iran, wie auch in den USA die Präsidenten nur zwei Legislaturperioden regieren, anders als in Deutschland theoretisch bis zum Tod, wie im Vatikan. Nach Clinton kam Bush. Soweit, so gut. Warum nicht? Dann kam der Anschlag auf das WTC. In Krisensituationen sieht man oft, was jemand drauf hat. Bei Bush brachte es seine Unfähigkeit zum Vorschein, gepaart mit Hardcore-Ratgebern aus der Neoconszene.

Die Administrationen von Clinton und Khatami hatten sich über Kooperationen im Jugoslawienkrieg soweit angenähert, daß sogar unter dem US-Nachfolger Bush militärischen Kooperationen möglich waren. In Afghanistan gegen die Taliban.

2001 uprising in Herat

The plan, organized by General Franks and General Safavi, was for Iranian Special Forces to discreetly enter the city and form an insurrection against the Taliban. This sudden event was to coincide with the entrance of Ismail Khan’s band of Northern Alliance militia members into the city. Meanwhile, a team of U.S. Special Forces and CIA agents would oversee the operation in Tehran alongside Iranian military intelligence.[4]

https://en.wikipedia.org/wiki/2001_uprising_in_Herat


Beobachter, wie auch Verantwortliche in den USA und im Iran waren froher Erwartung, ob das Steigerungsfähig war. Jedenfalls die "Reformorientieren", darunter offenbar sogar Generäle der Revolutionsgarden. Es wurde Zeit, die USA und der Iran waren im Kalten Krieg Modus, seit mehr als 20 Jahren.

Im Rahmen von wikeleaks gibt es u.a. dazu Dokumente. Was war schief gelaufen? US- und iranische Spezialkommandos kämpfen Seite an Seite? Und kurz danach machte es den Anschein, als das diese beiden Staaten quartalsmäßig an einen Krieg vorbeischrammten. Bush in seiner unendlichen Weisheit - gut beraten von Chaney, Rumsfeld, Wolfowitz, dem Enterprise-Institute - kappte das schlagartig und setzte den Iran auf die sogenannte "Achse des Bösen". In den folgenden Dokumenten wird klar, wie kalt die US-Diplomaten und auch die iranische Seite davon in Afghanistan erwischt wurden. Von Kooperationspartner im Kampf wurden von heute auf morgen Feinde. Durch ein Wort. In den folgenden 15 Jahren hatte dies massive Folgen für das Verhältnis der USA zum Iran und für die Region. Interessant ist, daß seinerzeit der Iran eine ähnliche Rolle hatte, wie jetzt zusammen mit Russland in Syrien.

CIA Director Says US Screwed Up On Iran After 9/11

(...)The interesting thing about this is that Iran was prepared to play a similar role in Iraq and Afghanistan in the wake of 9/11 only instead of aiding Russia, Tehran was prepared to support the US in the battle against the Taliban and subsequently against Saddam. Predictably, American incompetence screwed the pooch when George Bush, presumably unaware of the realities on the ground, named Iran as a member of his infamous “Axis Of Evil.” Consider the following account from The New Yorker:

In the chaotic days after the attacks of September 11th, Ryan Crocker, then a senior State Department official, flew discreetly to Geneva to meet a group of Iranian diplomats. “I’d fly out on a Friday and then back on Sunday, so nobody in the office knew where I’d been,” Crocker told me. “We’d stay up all night in those meetings.” It seemed clear to Crocker that the Iranians were answering to Suleimani, whom they referred to as “Haji Qassem,” and that they were eager to help the United States destroy their mutual enemy, the Taliban.

Before the bombing began, Crocker sensed that the Iranians were growing impatient with the Bush Administration, thinking that it was taking too long to attack the Taliban. At a meeting in early October, 2001, the lead Iranian negotiator stood up and slammed a sheaf of papers on the table. “If you guys don’t stop building these fairy-tale governments in the sky, and actually start doing some shooting on the ground, none of this is ever going to happen!” he shouted. “When you’re ready to talk about serious fighting, you know where to find me.”

The coöperation between the two countries lasted through the initial phase of the war. At one point, the lead negotiator handed Crocker a map detailing the disposition of Taliban forces. “Here’s our advice: hit them here first, and then hit them over here. And here’s the logic.” Stunned, Crocker asked, “Can I take notes?” The negotiator replied, “You can keep the map.”

The good will didn’t last. In January, 2002, Crocker, who was by then the deputy chief of the American Embassy in Kabul, was awakened one night by aides, who told him that President George W. Bush, in his State of the Union Address, had named Iran as part of an “Axis of Evil.” Like many senior diplomats, Crocker was caught off guard. He saw the negotiator the next day at the U.N. compound in Kabul, and he was furious. “You completely damaged me,” Crocker recalled him saying. “Suleimani is in a tearing rage. He feels compromised.” The negotiator told Crocker that, at great political risk, Suleimani had been contemplating a complete reëvaluation of the United States, saying, “Maybe it’s time to rethink our relationship with the Americans.” The Axis of Evil speech brought the meetings to an end. Reformers inside the government, who had advocated a rapprochement with the United States, were put on the defensive. Recalling that time, Crocker shook his head. “We were just that close,” he said. “One word in one speech changed history.


(...)According to James Dobbins, the Bush Administration’s first U.S. envoy to Afghanistan, Iranian diplomats made important contributions to the success of U.N. sponsored negotiations that resulted in the inauguration of the Karzai Government in Kabul. But unlike the foreign ministers of other nations involved in those negotiations, Iran’s foreign minister did not receive a personal note of thanks from his U.S. counterpart, despite, according to Dobbins, the fact that he “may have been the most helpful.”

In other words, Iran played a major role in helping the US fight the Taliban and al-Qaeda and was probably more than willing to engage with Washington in Iraq as well, but the US couldn't even be bothered to send Tehran a thank you note and on top of that, The White House branded the Iranians "evil" even as they were providing the Pentagon with critical intelligence in Afghanistan.

http://www.zerohedge.com/news/2015-10-2 ... -after-911


Was wäre geschehen, wenn die USA und der Iran beginnend mit ihrer Zusammenarbeit, der zum Sturz der Taliban führte in der Region weiter gemacht hätten? Jetzt fängt man praktisch bei Null wieder an. Nur, jetzt sind nicht die USA an der Seite Irans (geringfügig im Irak), sondern jetzt sind die Russen dort.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Fadamo » Fr 23. Okt 2015, 16:40

Wenn das so ist,wäre das ein Sieg für den Teheran.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Adam Smith » Fr 23. Okt 2015, 16:50

King Kong 2006 » Fr 23. Okt 2015, 16:45 hat geschrieben:Was wäre geschehen, wenn die USA und der Iran beginnend mit ihrer Zusammenarbeit, der zum Sturz der Taliban führte in der Region weiter gemacht hätten? Jetzt fängt man praktisch bei Null wieder an. Nur, jetzt sind nicht die USA an der Seite Irans (geringfügig im Irak), sondern jetzt sind die Russen dort.


Um die Russen geht es den USA vermutlich nicht. Denen geht es höchstwahrscheinlich um die Chinesen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Adam Smith » Fr 23. Okt 2015, 16:51

HugoBettauer » Di 20. Okt 2015, 21:35 hat geschrieben:Es muss alles demokratisch aussehen. Ich freue mich, wenn die Weltpolitik sich Schritt für Schritt aus dieser Sackgasse rausmanövriert und im Iran mehr Wachstum stattfindet.


Es reicht aus, wenn es dort den Kapitalismus gibt.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Platon » Fr 23. Okt 2015, 17:56

King Kong 2006 » Fr 23. Okt 2015, 16:45 hat geschrieben:[...]
Was wäre geschehen, wenn die USA und der Iran beginnend mit ihrer Zusammenarbeit, der zum Sturz der Taliban führte in der Region weiter gemacht hätten? Jetzt fängt man praktisch bei Null wieder an. Nur, jetzt sind nicht die USA an der Seite Irans (geringfügig im Irak), sondern jetzt sind die Russen dort.

Bei Khatami war halt auch das Problem, dass keineswegs klar war, dass er überhaupt in der Lage gewesen wäre einen anderen Kurs gegenüber den USA innenpolitisch durchzusetzen. Die Lage im Iran war damals sehr polarisiert, wenn man sich mal überlegt, dass die Reformer nichts Anderes versuchten als das politische System zu ändern und die Macht der klerikalen Institutionen gegenüber den demokratisch Gewählten einzuschränken war das auch kein Wunder. Und da hat der Wächterrat oder der Revolutionsführer, eben jene klerikalen Institutionen auch mal ihr Veto eingelegt.

Es war damals also keineswegs klar ob eine Annäherung an die USA nicht genauso scheitert wie die innenpolitischen Reformen und es Khatami am Ende nur darum gehen konnte durch außenpolitische Zugeständnisse der USA die Reformer innenpolitisch zu stärken. Wirkliche Veränderung aber am Veto der klerikalen Institutionen scheitert, ohne die es eben nicht geht. Man musste also davon ausgehen, dass Khatami in erster Linie für seine Regierung spricht und nicht für das politische System der Islamischen Republik Iran.

Das war ja jetzt völlig Anders. Rohani und Zarif hatten immer die Rückendeckung des Revolutionsführers und die Elite des politischen Systems stand hinter ihm, das Volk sowieso. Lediglich einige Revolutionsgardisten waren dagegen, die konnten aber nicht viel mehr machen, als ein paar warnende Worte von sich zu geben, dass man sich nur vorsehen und nichts machen sollte, was wie ein Ausverkauf der nationalen Rechte Irans aussieht. Das ist aufgrund der Geschichte Irans auch nur verständlich und da wurden dann die iranischen roten Linie gezogen, denen sich der Revolutionsführer dann auch angeschlossen hat. Und die ja auch weitgehend eingehalten wurden. Rohani hatte auch ganz klar nicht versucht, durch allzu weitreichende Reformen die Konservativen gegen sich aufzubringen und wenn er jemand wäre der ernsthaft das politische System verändern will, wäre er ja nie Präsident geworden. Vielmehr war er bemüht die Polarisierung innerhalb des Systems zu bekämpfen, indem er versucht die Extreme an beiden Seiten des politischen Spektrums des Systems der Islamischen Republik auszugrenzen. Es ist ganz klar, dass man sich bemüht hat Fehler von 2001 nicht zu wiederholen.
Und genau darum wurden sie von ihren westlichen Verhandlungspartnern auch ernst genommen, weil man wusste wie groß die Rückendeckung im System für sie ist und das Rohani und Zarif immer auch für den Revolutionsführer sprachen und nicht nur für sich selbst. Denn dadurch konnten/können sie sich sicher sein, dass ein Abkommen einmal geschlossen, auch wirklich umgesetzt wird.

Aus diesem Grunde war das Scheitern der Annäherung zwischen Iran und USA während der Präsidentschaft von Bush nicht nur dessen Schuld, es lag auch einfach daran, dass Khatami innenpolitisch zu sehr polarisierte und daher doch erhebliche Zweifel angebracht waren, ob er eine außenpolitische Reform dieser Größenordnung auch wirklich im System hätte durchsetzen können.
Zuletzt geändert von Platon am Fr 23. Okt 2015, 18:01, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 23. Okt 2015, 20:09

Adam Smith » Fr 23. Okt 2015, 17:50 hat geschrieben:
Um die Russen geht es den USA vermutlich nicht. Denen geht es höchstwahrscheinlich um die Chinesen.


In Zentralasien geht es sicher auch um China. Allerdings ist Peking anders als Russland nicht in der Lage in Übersee militärisch agieren zu können. Das wollen sie vermutlich - zur Zeit- auch gar nicht. Russland verfügt aber nicht wie die USA über die Möglichkeit sich notfalls ohne Verbündete durch schiere Gewalt Wege in der Region zu eröffnen. Sie brauchen z.B. den Iran in Syrien. Das Gespann USA-Iran wäre in der Region vermutlich "unwiderstehlich". Das ist aber nicht zu erwarten. Zur Erleichterung viele Anrainer.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 23. Okt 2015, 20:17

Platon » Fr 23. Okt 2015, 18:56 hat geschrieben:Bei Khatami war halt auch das Problem, dass keineswegs klar war, dass er überhaupt in der Lage gewesen wäre einen anderen Kurs gegenüber den USA innenpolitisch durchzusetzen. Die Lage im Iran war damals sehr polarisiert, wenn man sich mal überlegt, dass die Reformer nichts Anderes versuchten als das politische System zu ändern und die Macht der klerikalen Institutionen gegenüber den demokratisch Gewählten einzuschränken war das auch kein Wunder. Und da hat der Wächterrat oder der Revolutionsführer, eben jene klerikalen Institutionen auch mal ihr Veto eingelegt.

Es war damals also keineswegs klar ob eine Annäherung an die USA nicht genauso scheitert wie die innenpolitischen Reformen und es Khatami am Ende nur darum gehen konnte durch außenpolitische Zugeständnisse der USA die Reformer innenpolitisch zu stärken. Wirkliche Veränderung aber am Veto der klerikalen Institutionen scheitert, ohne die es eben nicht geht. Man musste also davon ausgehen, dass Khatami in erster Linie für seine Regierung spricht und nicht für das politische System der Islamischen Republik Iran.

Das war ja jetzt völlig Anders. Rohani und Zarif hatten immer die Rückendeckung des Revolutionsführers und die Elite des politischen Systems stand hinter ihm, das Volk sowieso. Lediglich einige Revolutionsgardisten waren dagegen, die konnten aber nicht viel mehr machen, als ein paar warnende Worte von sich zu geben, dass man sich nur vorsehen und nichts machen sollte, was wie ein Ausverkauf der nationalen Rechte Irans aussieht. Das ist aufgrund der Geschichte Irans auch nur verständlich und da wurden dann die iranischen roten Linie gezogen, denen sich der Revolutionsführer dann auch angeschlossen hat. Und die ja auch weitgehend eingehalten wurden. Rohani hatte auch ganz klar nicht versucht, durch allzu weitreichende Reformen die Konservativen gegen sich aufzubringen und wenn er jemand wäre der ernsthaft das politische System verändern will, wäre er ja nie Präsident geworden. Vielmehr war er bemüht die Polarisierung innerhalb des Systems zu bekämpfen, indem er versucht die Extreme an beiden Seiten des politischen Spektrums des Systems der Islamischen Republik auszugrenzen. Es ist ganz klar, dass man sich bemüht hat Fehler von 2001 nicht zu wiederholen.
Und genau darum wurden sie von ihren westlichen Verhandlungspartnern auch ernst genommen, weil man wusste wie groß die Rückendeckung im System für sie ist und das Rohani und Zarif immer auch für den Revolutionsführer sprachen und nicht nur für sich selbst. Denn dadurch konnten/können sie sich sicher sein, dass ein Abkommen einmal geschlossen, auch wirklich umgesetzt wird.

Aus diesem Grunde war das Scheitern der Annäherung zwischen Iran und USA während der Präsidentschaft von Bush nicht nur dessen Schuld, es lag auch einfach daran, dass Khatami innenpolitisch zu sehr polarisierte und daher doch erhebliche Zweifel angebracht waren, ob er eine außenpolitische Reform dieser Größenordnung auch wirklich im System hätte durchsetzen können.


Es ist richtig, daß mit Khatami nicht "der Iran", als politisches Gebilde als Ansprechpartner zu sehen war. Allerdings war die indirekte Kooperation Teherans mit Washington im Jugoslawienkrieg, sowie die direkte Kooperation in Afghanistan natürlich nur mit dem grünen Licht Khameinis, dem Wächterrat und der militärischen Führung möglich. Darauf hätte man weiterhin aufbauen können. Was geschah war, daß es nicht nur abgebrochen wurde, sondern, daß man in eine harten Gegnerschaft ging, als der Iran zur "Achse des Bösen" gesetzt wurde. Also nach einer beginnenden vorsichtigen Kooperation ging es massiv rückwärts. Es wurde nachträglich aus Washington auch argumentiert, daß man nicht wußte, mit wem man im Iran verhandeln sollte. Allerdings klang dies im nachhinein eher als maue Entschuldigung für verpasste Gelegenheiten. Siehe das "Schweizer-Memorandum" von 2003.

2003 Memo Says Iranian Leaders Backed Talks
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/co ... 01363.html


Das Schweizer Memorandum enthält einen Bericht über Guldimanns Gespräche mit Sadeq Charrazi, dem iranischen Botschafter in Paris und einen als Roadmap bezeichneten detaillierten Verhandlungsvorschlag der iranischen Führung um die diplomatische „Mauer des Schweigens“ zwischen dem Iran und den USA aufzubrechen. Seit der Islamischen Revolution 1979 sind die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und den USA abgebrochen und werden durch die Schweizer Vertretung kommissarisch verwaltet. Guldimann übermittelte das Gesprächsangebot der iranischen Führung an das US-Außenministerium, das dieses ignorierte.[1] Außenminister Colin Powell , dem das Fax vorgelegt wurde, konnte oder wollte sich bei Präsident George W. Bush nicht durchsetzen. „Ich konnte das Dokument im Weißen Haus nicht verkaufen“, soll er gesagt haben.[2]

https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Memorandum
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 27. Okt 2015, 20:29

Erste "offizielle Einladung" der USA an den Iran.

John Kerry Says Iran Is In on Syria Talks

Officials: For first time, Iran invited to participate in international talks on Syria's future.

http://www.usnews.com/news/politics/art ... yria-talks


D.h. jenseits von Absprachen hinter Kulissen sitzt man jetzt erstmals offiziell zusammen an einem Tisch, um zukünftiges zu besprechen. Wenn Teheran die Einladung annimmt. Die Antwort steht noch aus. Das ist sicher nicht die Form, die man sich von beiden Seiten wünscht, aber ein Anfang. Letztendlich ging und geht es darum, um den modus vivendi der beiden Staaten in der Region. Neben der gelungenen Abwendung eines Atomkrieges zwischen mehreren Staaten. ;)
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 11. Nov 2015, 14:59

Offenbar bekommt Teheran nicht nur von China, sondern auch von den USA Unterstützung bei der Modernisierung es IR-40 Reaktors bei Arak.

U.S. to Help Iran Rebuild Nuclear Reactor

Will provide ‘advanced equipment,’ Iran says


Jetzt können natürlich die Kritiker des Atom-Deals sich fragen, ob Obama nun ganz verrückt geworden ist, auch noch bei der Modernisierung der iranischen Nuklearindustrie mitzuwirken. Zum Einen liegt die Tücke im Detail. Das ist nicht nur eine Modernisierung, das ist eine Neukonfiguration des Reaktors. Er kann auch als Nebenprodukt, wie der TTR-Reaktor in Teheran im Betrieb Polutonium abwerfen. Auch ein Bombenmaterial. Allerdings in signifikanter Menge. Er ist sehr viel leistungsstärker als der alte US-Reaktor in Teheran. Er soll ihn auch quasi ersetzen. Wenn der IR-40 nun modifiziert wird, auch in diesem Sinne, daß er keine "größeren" Mengen Plutonium abwirft, dann muß die USA kein schlechtes Gewissen an der Mitwirkung haben.

The United States and other global powers are helping Iran to update and reconstruct a nuclear reactor that has been suspected of helping the Islamic Republic produce enough material for a potential nuclear weapon, according to regional reports and statements from the State Department.

http://freebeacon.com/national-security ... r-reactor/


Zum Anderen gibt die Mitgliedschaft im NPT nicht nur Pflichten her, sondern auch Rechte. Davon hat man im Iran bis dato wenig gesehen. Auch das soll sich normalisieren. Jetzt gibts auch Hilfe, neue Technologien. Das ist auch in Punkto Sicherheit wichtig.
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