Iran & USA - Ende der Feindschaft?

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Vongole
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Vongole » Sa 2. Jun 2018, 16:15

Cobra9 hat geschrieben:(02 Jun 2018, 17:02)

Israel ist nicht Teil der NATO.
Israel ist unser Partner, aber kein Nato-Mitglied. Die Sicherheitsgarantie des Artikels 5 gilt nicht für Israel. Entschuldige aber was ist daran neu ?


Nichts.
Peter Altmaier machte es neulich auch in einer Talkshow deutlich, als er gefragt wurde, wie es denn in Deutschland mit dem Bündnisfall aussehe, wenn Israel ernsthaft angegriffen würde.
Widerlich blebt es trotzdem, gerade in einer Zeit, wo der Iran ganz offen Richtung Israel droht.
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Tom Bombadil
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 2. Jun 2018, 16:18

Nichts. Trotzdem wäre es im höchstem Maße geboten, Israel gegen einen iranischen Vernichtungskrieg zu verteidigen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » So 3. Jun 2018, 09:35

Cobra9 hat geschrieben:(02 Jun 2018, 17:02)

Israel ist nicht Teil der NATO.
Israel ist unser Partner, aber kein Nato-Mitglied. Die Sicherheitsgarantie des Artikels 5 gilt nicht für Israel. Entschuldige aber was ist daran neu ?


Offensichtlich fühlt man sich genötigt klare Kante zu zeigen.

Ex-Mossad Chief Says He Questioned Legality of Netanyahu's Order to Prepare Iran Strike

https://www.haaretz.com/israel-news/ex- ... -1.6135972


Former Mossad chief Tamir Pardo revealed Wednesday evening on Channel 12 news that he considered to resign during his term, following Prime Minister Benjamin Netanyahu's 2011 decision to order the army to prepare for a possible attack on Iran with only a 15-day notice.

https://www.jpost.com/Israel-News/Forme ... lan-558833


Sogar Bush, der ja als Kriegspräsident nicht unter Verdacht fällt ein "Weichei" zu sein war Israels Ambitionen da nicht geheuer. Das führte dazu, daß keine besonderen Waffensysteme für den Angriff auf den Iran geliefert wurden. Die USA wollen keinen (militärischen) Ärger mit dem Iran. Wenn Israel da aber zuschlägt, dann wird ein Automatismus in Gang gesetzt, bei dem höchste US-Militärs und Diplomaten (nicht Europäer) massiven Druck ausüben, das sein zu lassen.

Glaubt man diversen Quellen, auch israelischen, hatte man in Israel vor, einer Atommacht und ausgerüstet mit modernsten Arsenal an Waffentechnik (wir sprechen hier von Israel nicht vom Iran) z.B. den Iran anzugreifen. Das führte zu einer bestimmten Haltung in Washington.

US denied Israeli bid for bunker-buster bombs

Had wanted to strike Iran nuclear facility

New York Times / January 11, 2009

WASHINGTON - President Bush deflected a secret request by Israel last year for specialized bunker-busting bombs it wanted for an attack on Iran's main nuclear complex


The Bush administration was particularly alarmed by an Israeli request to fly over Iraq to reach Iran's major nuclear complex at Natanz, where the country's only known uranium enrichment plant is located.

http://archive.boston.com/news/world/mi ... ter_bombs/


Und heutzutage:

Netanyahu: Conflict with Iran better now than later

https://www.timesofisrael.com/netanyahu ... han-later/


Die Aussage von Stoltenberg ist natürlich die Antwort auf die Frage eines Journalisten, die sollen unangenehme Fragen stellen, aber sie ist noch einmal ein Zeichen, daß es kein "grünes Licht" oder Unterstützung gibt, wenn in diesem Falle Bibi eine Situation herbeiführt, an der es am Ende knallt in der Erwartung, daß dann die Kavallerie kommt. Das war damals so und scheint heute ebenso zu sein. Egal, ob USA oder Europa. Wobei hier gehts ja um die NATO.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » So 10. Jun 2018, 14:27

Im Iran rückt man zusammen. Der Ärger wächst. Auf Trump. Während dieser Amokpräsident locker das Klima- und das Atomabkommen (mit dem Iran) gekündigt hat, will er ausgerechnet ein Abkommen mit Nordkorea schliessen. Verrückt? Nein Trump. Auf der Straße im Iran wächst der Zorn auf den US-Präsidenten.

Iran, spurned by US, angrily watches Trump-North Korea talks

For those in Tehran, whether hard-liners, reformists or people simply trying to get by in Iran's worsening economy, it's head-spinning, especially after seeing Trump pull America out of the nuclear deal with world powers.

"I am buying my insulin shots at double the price only because of Trump's decision," fumed Najmeh Songhori, a 35-year-old diabetic mother of two standing in front of a pharmacy in central Tehran


Mohammad Rajabi, a 22-year-old engineering student at Tehran Azad University, offered another idea.

"I wish we were in negotiations with the U.S. instead of Kim," he said. "In a smart way, Kim turned the threat of war to talks. We could do that too."

http://www.foxnews.com/us/2018/06/10/ir ... talks.html


Heißt, der Iran muß mehr Druck aufbauen? Dann wird man schon für Verhandlungen zurückkommen? Tja, Trump führt uns alle dahin zurück, zu Zeiten von G.W.Bush, von denen man glaubte, sie überwunden zu haben. Auch mit dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran. Wenn die Idee des Ingenieurstudenten umgesetzt wird, heißt das, daß der Iran das Atomprogramm hochfahren wird. Dann wird die Achse Donald-Bibi-Prince Charming wieder rotieren, aber am Ende wird man... wieder ein Abkommen schliessen... :x :rolleyes:

Was für verschwendete Zeit. Trump at work.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 26. Jun 2018, 21:05

Trump setzt der Welt ein Ultimatum. Sonst gibts Ärger.

USA verlangen weltweiten Import-Stopp für iranisches Öl

Die USA fordern von allen Ländern einen Importstopp von iranischem Öl. Gegen Länder, die dem nicht Folge leisten, würden Sanktionen verhängt, drohte ein Vertreter des US-Außenministeriums.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/u ... 15180.html


Das wird bei den IranerInnen keine Begeisterung hervorrufen. Trump wird als Gegner, der knallharte Interessenspolitik wie eh und je in der Region betreibt gesehen, nicht als Menschenrechtler oder Befreier.

What Trump doesn’t get about ideology in Iran. It’s about nationalism, not theocracy.

My research on education and nationalism suggests that threats by Iran’s leadership to resume enrichment are not the actions of a totalitarian state lumbering toward war but instead reflect the demands of an Iranian public determined to assert their country’s sovereign rights, even at the cost of supporting an otherwise unpopular government.


Pushed against the wall, Iranians across the ideological spectrum appear to be rallying around their flag, if not the banner of political Islam.


Away from the headlines, there is a robust consensus among scholars that politics in Iran begins with the idea of Iran as an “immemorial nation.” This understanding of nationalism is more than a single narrowly defined belief, but rather a broad arena in which more particular ideologies compete for power and authority.

It is the nation, not theocracy or democracy, that provides the ultimate reference point in Iran. Whether leftist, liberal or Khomeinist, leaders and opposition alike must bind their agendas to the logic that Iran is primordial, organic and continuous. Any group’s legitimacy is measured by its commitment to the notion that Iran was once, and will once again be, great.

Patriotic defense of the country isn’t a passing phase but the default position, the big idea that holds Iran together.


Images of exiles and diaspora communities gathering to support Iran’s beloved Team Melli in the World Cup under the slogan “80 Million People, One Nation, One Heartbeat” illustrate this unity. After Iran’s defeat of Morocco on Thursday, social media blew up as everyone from President Rouhani to former heir apparent Reza Pahlavi celebrated, the two stripped of turban and crown and pictured at home, emphasizing their membership in a shared, national family. These same communities came together again after a gut-wrenching loss to Spain.


Against this backdrop, the unintended consequences of U.S. pressure for regime change are illuminated. The more Iranians are faced with external threats to the nation, the more they are likely to rally around key marks of cultural identity.

https://www.washingtonpost.com/news/mon ... 0ae70b8a36
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon JohnnyWeissmüller » Di 26. Jun 2018, 21:24

Es ist relativ unsinnig Israel Entwicklungshilfe zu bezahlen und gleichzeitig iranisches Öl zu kaufen.
Da ist Trump nur konsequent.
Der Unterschied zu den Nordkoreanern ist, dass die Koreaner keinen Terror unterstützen, von vereinzelten Ausfällen, Familienfehden und Internet-Hacks abgesehen.
Außerdem sind die Koreaner sehr fleißig. Die schaffen Wertschöffung aus dem Nichts. Mit deren zur Verfügung stehenden Mitteln, könnte vermutlich kein anderer Staat Interkontinentalraketen und Wasserstoffbomben bauen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 26. Jun 2018, 21:38

JohnnyWeissmüller hat geschrieben:(26 Jun 2018, 22:24)

Außerdem sind die Koreaner sehr fleißig. Die schaffen Wertschöffung aus dem Nichts. Mit deren zur Verfügung stehenden Mitteln, könnte vermutlich kein anderer Staat Interkontinentalraketen und Wasserstoffbomben bauen.


Deshalb soll also die Welt der Person Donald T. folgen. :D

Naja, Luft/Raumfahrt- und Nukleartechnologie soll Nordkorea "bekommen haben". Der Schuldige ist klar, Iran. Dafür wird Kim von Donald neuerdings gelobt. Der Iran nicht. Der Grund ist die strategisch wichtige Region in der Iran liegt. Und keine "Wertschöpfungskunst" Nordkoreas.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon JohnnyWeissmüller » Di 26. Jun 2018, 22:05

King Kong 2006 hat geschrieben:(26 Jun 2018, 22:38)

Deshalb soll also die Welt der Person Donald T. folgen. :D

Naja, Luft/Raumfahrt- und Nukleartechnologie soll Nordkorea "bekommen haben". Der Schuldige ist klar, Iran. Dafür wird Kim von Donald neuerdings gelobt. Der Iran nicht. Der Grund ist die strategisch wichtige Region in der Iran liegt. Und keine "Wertschöpfungskunst" Nordkoreas.

Die Nordkoreaner haben diese Hightechwaffen nicht irgendwie "bekommen", weil die irgendwo zufällig rumlagen und keiner sie zurückgefordert hat.
Nicht mal China oder Russland, die einzigen Symphatisanten, würden Nordkorea helfen bei der nuklearen Proliferation. Nordkorea hat sich die Technologie schon selbst besorgt, ob durch Forschung oder Spionage, sei dahingestellt.
Irgend ein chinesischer Penner hat ja mal die Pläne des modernsten US-amerikanischen Gefechtskopfes ins Internet zum Download bereitgestellt. https://de.wikipedia.org/wiki/W88
Nordkorea selbst hat den Iran unterstützt bei der Entwicklung von Raketentechnik, was auf wenig fruchtbaren Boden fiel. Dafür haben sie wahrscheinlich hochangereichertes Uran und Plutonium bekommen.
Nordkorea ist strategisch eminent wichtig für die Weltpolitik, wenn man nicht gerade einen strategischen thermonuklearen Gefechtskopf in den Vorgarten platziert bekommen mag innerhalb von 15 min Vorwarnzeit.
Der Iran ist nur deshalb wichtig, weil er versucht ein arabisches (als Perser )Bündnis gegen Israel zu konstruieren und das aus dem einzigen Grund damit eine Führungsrolle in der Region einnehmen zu können.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 26. Jun 2018, 22:42

JohnnyWeissmüller hat geschrieben:(26 Jun 2018, 23:05)

Die Nordkoreaner haben diese Hightechwaffen nicht irgendwie "bekommen", weil die irgendwo zufällig rumlagen und keiner sie zurückgefordert hat.
Nicht mal China oder Russland, die einzigen Symphatisanten, würden Nordkorea helfen bei der nuklearen Proliferation. Nordkorea hat sich die Technologie schon selbst besorgt, ob durch Forschung oder Spionage, sei dahingestellt.
Irgend ein chinesischer Penner hat ja mal die Pläne des modernsten US-amerikanischen Gefechtskopfes ins Internet zum Download bereitgestellt. https://de.wikipedia.org/wiki/W88
Nordkorea selbst hat den Iran unterstützt bei der Entwicklung von Raketentechnik, was auf wenig fruchtbaren Boden fiel. Dafür haben sie wahrscheinlich hochangereichertes Uran und Plutonium bekommen.
Nordkorea ist strategisch eminent wichtig für die Weltpolitik, wenn man nicht gerade einen strategischen thermonuklearen Gefechtskopf in den Vorgarten platziert bekommen mag innerhalb von 15 min Vorwarnzeit.
Der Iran ist nur deshalb wichtig, weil er versucht ein arabisches (als Perser )Bündnis gegen Israel zu konstruieren und das aus dem einzigen Grund damit eine Führungsrolle in der Region einnehmen zu können.


Naja, es ist schon richtig, als Saddam u.a. anfing den Iran mit ballistischen Raketen zu beschiessen konnte der Iran damit nicht kontern. Es gab zwar Projekte mit Israel dahinsichtlich, die waren natürlich aber nicht mehr. Dann hat man sich Raketen kaufen müssen. Aus Libyen und Nordkorea. Man hatte mit solchen Waffen und dieser Technik keine Erfahrung. Das hat sich aber ab den Neunzigern gedreht. Der Iran hat einfach mehr "Humankapital" und somit Technologie. So sagt man. Warum NK plötzlich die Technik für Raketen und Nukes hatte "rätselt" man bis heute.

North Korea nukes came with help from Iran or Russia – report

“It is not credible that North Korean scientists alone brought about the technological advances,” government sources told the UK’s Sunday Telegraph.

https://www.timesofisrael.com/north-kor ... ia-report/


Nachdem der Iran Satelliten in die Umlaufbahn schoß tumelten sie sich angeblich auch in NK. Wenn auch nicht immer mit Erfolg. NK tat sich trotzdem schwerer als der Iran mit der Luft- und Raumfahrt.

The former CIA analyst added, "The Iranians have been more successful in building space-launch vehicles. They actually further developed some of the designs that they received from North Korea — and they further designed other missiles they got from North Korea. And their improvements have gone back to North Korea."

https://www.cnbc.com/2017/05/15/former- ... gyang.html


"Iran in most respects is a larger, more sophisticated country," observes Greg Thielmann, formerly with the State Department and now senior fellow at the Arms Control Association in Washington. "They have a lot more resources. The Iranians have conducted a lot of missile tests. North Korean testing is much less frequent."

http://www.businessinsider.com/heres-wh ... 012-4?IR=T


The Iran Secret: Explaining North Korea's Rocket Success

Further technical analysis is likely to show that North Korea’s recent success was rooted in Iran’s orbital launch of its Omid satellite atop the Safir satellite carrier in February 2009

https://thediplomat.com/2013/10/the-ira ... t-success/


Das Paradoxe daran ist, das zwar immer irgendwie mit potentiellen iranischen Atomraketen argumentiert wird, um Interessensorientiert in der Region Middle East mit Sanktionen agieren zu können, aber nie klar gesagt wird, daß der Iran deutlich mehr Potential dafür hat als Nordkorea. Denn das wiederum könnte zwar zunächst eine Schrecksekunde bedeuten, aber dann die Frage aufwerfen, warum dann nicht überall Atompilze (vom Iran erzeugt) aufsteigen. Sprich, das befürchtete Drohszenario in der Praxis nicht geschieht. Warum also das Theater. Das will man nicht aufgeben. Deshalb wird nie klar formuliert, der Iran kann und zwar viel mehr als NK, macht es aber nicht. Sondern er könnte und wäre immer kurz davor, wenn nicht...

Das was Trump macht, hat man unter Bush exerziert. Und noch viel heftiger. Die Ergebnisse sind bekannt. Dann haben alle sich zusammengesetzt (USA, Iran u.a.) und alle sind Kompromisse eingegangen. Das was Trump macht ist nichts neues. Nur alles wieder über den Haufen zu schmeissen. Was man nach Jahren erarbeitet hat. Wenn der Iran irgendwo in Zentralafrika liegen würde, gäbe es diesen ganzen Ärger nicht. Aber im Kontext Eurasiens und strategischer Pläne Chinas usw. war, ist und bleibt der Iran Chefsache für das Weisse Haus. Trump hat offenbar nicht nur Konzentrationsschwierigkeiten bei Briefings, er weiß offenbar nicht, daß jahrelang unter G.W.Bush alles mögliche probiert wurde und das Iran-Abkommen kein "Schnellschuß" war, sondern die Folge jahrelangen Herumgeeierens bis dicht an den heißen Krieg ist. Was glaubt Trump eigentlich was passiert? Das der Iran sich technisch zurückentwickelt? Oder in bälde US-Allierter wird? Das wird sich nur wieder verhärten. Und dann wenn er raus aus dem Weissen Haus ist, kann man wieder alles von vorne beginnen...?

Ob der Iran nur deshalb wichtig ist, weil er ein "arabisches Bündnis" gegen Israel konstruieren will halte ich für sehr fraglich. Die USA haben ihre Interessen in der Region mehrfach in Doktrinen definiert. Da spielt Israel keine Rolle. Dazugekommen ist nach dem Wegfall der Sowjetunion und dem Aufstieg Chinas (z.B. Seidenstraße und der Iran als wesentlicher geografischer Faktor dabei) noch mehr Herausforderungen in der Wirtschaftspolitik und geostrategischen Interessen. In diesem Kontext ist der Iran für die USA eine "no go area". Das geht in Zentralafrika, eine US no go area, nicht in dieser Ecke Euroasiens.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 28. Jun 2018, 21:54

Eine Anlage zur Produktion von UF6, das in die Gasultrazentrifugen zur Urananreicherung eingespeist wird, ist wieder angefahren. Sie war 9 Jahre inaktiv.

Iran Reopens Uranium Feedstock Plant In Preparation To Boost Enrichment

Iran has reopened a nuclear plant idle for nine years, its atomic energy agency (AEOI) said on Wednesday, as Tehran prepares to increase uranium enrichment capacity if a nuclear deal with world powers falls apart after the U.S. withdrawal.

U.S.-Iranian tensions have resurged since President Donald Trump pulled Washington out of the 2015 nuclear accord, calling it deeply flawed. Under the deal, Iran restricted its enrichment programme to ease concerns it could not be put to developing nuclear weapons and in return won relief from sanctions.

https://en.radiofarda.com/a/iran-reopen ... 24116.html


Es geht wieder rückwärts. In die Zeit zwischen G.W.Bush und Ahmadinejad.

Intelligence Chief Tours Fordow Nuclear Facility

They will see that [Iranian scientists] will go miles beyond where we were before the JCPOA in a short period of time and will help the country's nuclear industry reach a significant point," he said, using the abbreviation for the deal's official name, the Joint Comprehensive Plan of Action.

https://financialtribune.com/articles/n ... r-facility


Wird ein zukünftiger US-Präsident dann den Weg nach Teheran machen. Mit schönen Fotos und wieder verkünden, wo man unter Obama schon einmal war...? So, wie Trump versucht etwas zu verkaufen im Falle Nordkoreas, wo man unter Clinton schon viel weiter war?
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » So 1. Jul 2018, 09:27

Trumps persönlicher Anwalt nahm an einer Veranstaltung der iranischen MEK teil. Die von der iranischen Bevölkerung durch ihre Unterstützung von Saddam als Landesverräter wahrgenommen wird und als Terrorgruppe gilt.

Rudy Giuliani calls for Iran regime change at rally linked to extreme group

Trump lawyer speaks at Paris event staged by MeK, once listed as terrorist organisation and widely seen as a personality cult

Giuliani spoke to the National Council of Resistance of Iran (NCRI), an umbrella coalition largely controlled by the Mujahedin-e-Khalq (MeK), which was once listed as a terrorist organisation in the US and Europe and is still widely viewed as a Marxist-Islamist cult built around the personality of its leader, Maryam Rajavi.

https://www.theguardian.com/us-news/201 ... aris-rally


Offenbar ist es der Trump-Truppe nicht klar, daß MEK im Iran soviel Sympathie erzeugt, wie Stichwörter wie Saddam. Für IranerInnen ist das ein rotes Tuch. Da kann man sich manchmal fragen, was die Taktik dahinter ist. Wenn die Trump-Truppe sich an solche Gruppen wendet, schwant es dort schlimmes. Damit assoziert man Bürgerkrieg, Saddam, Giftgas, ballistische Raktenangriffe.
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