Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

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Letzter_Hippie
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Letzter_Hippie » So 30. Sep 2018, 14:32

hrkrspnd hat geschrieben:(30 Sep 2018, 12:01)
Ich frage mich seit einiger Zeit, warum so viele Leute in Deutschland so unzufrieden/ängstlich/pessimistisch sind?


Erstmal fällt mir etwas auf, und ich möchte nachfragen: sind sie das denn? Oder anders: woran ist Dir das aufgefallen, und wie hast Du es rausgefunden?
In der Philosophie heisst es, die Frage "warum?" ist ein impliziter Vorwurf, weil sie schon unterstellt dass es so wäre wie behauptet.
(Aber das nur am Rande, um der dialektischen Genauigkeit willen.)

Historisch und global betrachtet leben wir doch in einem Paradies: Medizinische Versorgung ist extrem gut, es gibt eine gute Grundsicherung, es gibt freie Wochenenden/Feiertage/Urlaub, ein riesiges Freizeitangebot. Der Staat nimmt ordentlich Steuern ein, Arbeitslosigkeit ist gering, Kriminalität geht (insgesamt!) nach unten.


Danke!! Ganz exzellenter Punkt! Historisch und global, ja.
Und da kommt dann von mir schon die erste Anmerkung: es sind nur ganz wenige, die über den Tellerrand des "hier und jetzt" hinausdenken wollen und schauen was "historisch und global" sache ist. Ich hab mit Leuten gesprochen, die sich absolut nicht vorstellen können, dass man ohne Waschmaschine leben könnte, und die sagen, das sei unmöglich (meine Eltern haben noch ohne Waschmaschine gelebt). (Ähnliches vielleicht für Fernseher und inzwischen wahrscheinlich für Internet.)
Das hat mit Gewohnheitsbildung und Denkfaulheit zu tun: man gewöhnt sich an den status-quo und hält ihn für unverzichtbar, und Denken verursacht ja bekanntlich höllische Schmerzen, weshalb man es tunlichst vermeidet. :D

1. Abstiegsangst: Die Leute haben Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg


Ist ja berechtigt. Üner jahrhunderte war es üblich, dass du einen Job (meinetwegen Müller) gelernt hast (meistens den, den schon der Vater gemacht hat), und den dann dein leben lang praktiziert hast. Im grudne hat man irgendwo zwschen 16 und 20 Lebensjahren zu lernen aufgehört, und das war okay und hat so funktioniert - und die meisten Menschen sind immer noch so gestrickt. Es ist eine Minderheit, die "neophil" ist, die also Lust dazu hat, ein Leben lang dazuzulernen.
Wenn wir jetzt eine Situation haben, wo sich alles verändert und es mehr neue Jobs gibt als alte, und keiner weiss was in zehn Jahren sein wird, dann macht das Angst. Ursache ist eine grundlegende Angst vor Veränderung, etwas, was man "neophob" nennt. Ob man daran was ändern kann - keine Ahnung - über Jahrtausende war das evolutionär nicht nötig.

Dann weiter: Renten. Es gibt kein Konzept für die Renten, das annähernd die Lebensspanne auch nur der älteren Generation abdeckt. Es gibt immer nur Konzepte, die die nächste Legislaturperiode überstrecken, weil so die Haushalte berechnet werden.
(Lustig ist, dass neuerdings alle die AfD fragen, wie das Rentenkonzept aussehen soll. Die hat natürlich keines, aber alle anderen haben auch keines - und so hat man jetzt zumindest einen Schuldigen. Is ja auch was.)

Weiter: mir fällt auf, dass der mitmenschliche Umgang immer mehr verroht. ZB: früher wäre es undenkbar gewesen, dass jemand seine dreckigen Straßenschuhe im Bus auf den gegenüberliegenden Sitzplatz pflanzt. Heute ist das selbstverständlich - und es hat ja eine Aussage: man zeigt damit, dass einem der Mitmensch (der sich dann dort hinsetzen muss) grade als Fußabtreter gut ist.
Das macht auch angst, denn man erkennt daran instinktiv, dass man in einem wie auch immer gearteten Notfall keinerlei Hilfe zu erwarten hat.


Und dann kommt noch etwas dazu, aber das ist nicht neu, sondern bildet den Hintergrund, der schon immer gilt: ängstliche Menschen sind gewollt, denn sie lassen sich am leichtesten kontrollieren und beherrschen.
Wer keine Angst hat, steht auf und tritt frei und selbstbestimmt für seine Anliegen ein.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Schnitter » So 30. Sep 2018, 14:32

DarkLightbringer hat geschrieben:(30 Sep 2018, 15:14)

Danke. Dann sind wir uns ja einig und können zuversichtlich in die nächste Diskussion gehen.
;)


Auch sehr erhellend sind Einstufungstest für Schüler der 4. Klasse um die Eignung für die weiterführende Schule abzuschätzen.

Da bricht fast der Krieg aus wenn das Kind keine gymnasiale Reife bescheinigt bekommt, da ist alles und jeder Schuld, bis zur Landesregierung (in Sachsen wahrscheinlich bis zur Bundeskanzlerin), nur nicht die Genetik und das außerschulische Engagement der Eltern. Da geht es richtig ab. ;)
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon DarkLightbringer » So 30. Sep 2018, 14:43

Schnitter hat geschrieben:(30 Sep 2018, 15:32)

Auch sehr erhellend sind Einstufungstest für Schüler der 4. Klasse um die Eignung für die weiterführende Schule abzuschätzen.

Da bricht fast der Krieg aus wenn das Kind keine gymnasiale Reife bescheinigt bekommt, da ist alles und jeder Schuld, bis zur Landesregierung (in Sachsen wahrscheinlich bis zur Bundeskanzlerin), nur nicht die Genetik und das außerschulische Engagement der Eltern. Da geht es richtig ab. ;)

Da man Gott nicht verantwortlich machen kann, nimmt man natürlich die zweite Instanz. Und das ist die Bundeskanzlerin, wer sonst.
;)
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon hrkrspnd » So 30. Sep 2018, 15:20

Hallo Letzter_Hippie
Letzter_Hippie hat geschrieben:(30 Sep 2018, 15:32)
Erstmal fällt mir etwas auf, und ich möchte nachfragen: sind sie das denn? Oder anders: woran ist Dir das aufgefallen, und wie hast Du es rausgefunden?
In der Philosophie heisst es, die Frage "warum?" ist ein impliziter Vorwurf, weil sie schon unterstellt dass es so wäre wie behauptet.
(Aber das nur am Rande, um der dialektischen Genauigkeit willen.)

Ja, das ist eine Behauptung. Sie beruht auf einem Beobachtungskonglomerat. Woran ich es festmache: 1. Gespräche auf der Arbeit, 2. Leser-Kommentare bei Webauftritten von Zeitungen, 3. Aufstieg der afd ;), 4. Empirische Untersuchungen zum Sicherheitsempfinden der Menschen

Deine anderen Punkte:
1. Denkfaulheit /Gewohnheitsbildung: Leute vergleichen ihre Situation nicht global/historisch.
2. Neophobie: Angst vor Veränderungen / schnellen Entwicklungen / Wegbruch von Gewissheiten

da kann ich so mitgehen. ;) Nehme ich mal vorne in die Sammlung auf.

Punkt 3 (Renten): Würde mich tatsächlich mal interessieren, wie viele Leute sich sorgen um ihre Existenz im Alter machen und wie sich das auf die Weltsicht insgesamt auswirkt. Natürlich stellt sich auch hier - angesichts der positiven Entwicklung - wieder die Frage: warum eigentlich? Selbst wenn (!) das Rentenniveau noch um ein paar Prozentpunkte sind und ein paar mehr Leute aufstocken müssten: Erklärt das das gegenwärtige Ausmaß an Unsicherheit?

Punkt 4 (Verrohung des Umgangs) + 5 (Angst = Mittel zur Kontrolle): Sind ein bisschen spekulativ
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Letzter_Hippie » So 30. Sep 2018, 15:44

hrkrspnd hat geschrieben:(30 Sep 2018, 16:20)
Ja, das ist eine Behauptung. Sie beruht auf einem Beobachtungskonglomerat. Woran ich es festmache: 1. Gespräche auf der Arbeit, 2. Leser-Kommentare bei Webauftritten von Zeitungen, 3. Aufstieg der afd ;), 4. Empirische Untersuchungen zum Sicherheitsempfinden der Menschen


Sehr schön, danke! :)

Deine anderen Punkte:
1. Denkfaulheit /Gewohnheitsbildung: Leute vergleichen ihre Situation nicht global/historisch.
2. Neophobie: Angst vor Veränderungen / schnellen Entwicklungen / Wegbruch von Gewissheiten

da kann ich so mitgehen. ;) Nehme ich mal vorne in die Sammlung auf.


Danke. Das sind auch die wichtigsten, an denen ich mich schon ein Leben lang abarbeite. ;)

Punkt 3 (Renten): Würde mich tatsächlich mal interessieren, wie viele Leute sich sorgen um ihre Existenz im Alter machen und wie sich das auf die Weltsicht insgesamt auswirkt.


Ich habs schon von vielen gehört. Und ich denke, das kommt mit einem gewissen Lebensalter, wo man merkt, dass der Körper schneller ausser Atem kommt (oder man die Nächte nicht mehr schadlos durchfeiern kann ;) ), dass man anfängt drüber nachzudenken wie das weitergehen wird.
Insofern ist es auch ein bischen widersinnig, weil die, die sich Sorgen machen, ziemlich sicher noch was kriegen werden.

Natürlich stellt sich auch hier - angesichts der positiven Entwicklung - wieder die Frage: warum eigentlich?
Selbst wenn (!) das Rentenniveau noch um ein paar Prozentpunkte sind und ein paar mehr Leute aufstocken müssten: Erklärt das das gegenwärtige Ausmaß an Unsicherheit?


Als einzelner Grund für sich genommen nicht.

Punkt 4 (Verrohung des Umgangs) + 5 (Angst = Mittel zur Kontrolle): Sind ein bisschen spekulativ


Der Punkt 4 ist eine Sache, die jedenfalls mir wirklich Angst macht. Da kommen viele Facetten zusammen: Gaffer bei Unfällen, Leute die einfach durch die Notfallgassen fahren, Leute die sich nicht drum kümmern wenn neben ihnen einer zusammenbricht - alles zusammen gibt ein Bild, wo viel Egoismus herrscht und wenig Nächstenliebe/Mitgefühl - nicht wirklich eine Welt in der ich gern lebe. Aber ob das auf Deine Fragestellung passt, musst Du wissen.
Und Punkt 5 ist natürlich eine klassische Verschwörungstheorie. ;)
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Quatschki » So 30. Sep 2018, 16:13

Wie kann man zufrieden sein, wenn sogar auf den Gräbern der Friedhöfe die Hecken absterben?
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Jo33 » So 30. Sep 2018, 17:39

Vieles wurde ja bereits angesprochen, im Grunde gibt es eigentlich wenig Gründe umzufrieden zu sein, dennoch sind viele Menschen in Deutschland es, insbesondere mit der Politik.

Es ist nun eben mal einfach wirklich das Deutschland traditionel sehr ängstlich, konservativ und immer am jammern ist, daran lässt sich die nächsten Hundert Jahre auch nichts ändern, an dieser Grundhaltung.

Aber an manchen Baustellen hat sich doch in den letzten 2 Jahrzehnten viel getan:
- Steuersytem, wie kann es sein, dass das Steuersystem zu Zeiten Kohls wesentlich gerechter und sozialer, als heutzutage war, obwohl damals CDU/CSU und FDP regiert haben. Da stimmt irgendetwas nicht.
- Zeit, wir leben in einer sich immer schneller drehenden Welt, Dinge ändern sich schneller als einem manchmal lieb ist, aber gerade in der Politik, drehen die Mühlen immer langsamer, bzw. der Mensch vergleicht, gerade auch mit anderen Ländern, anderen Staaten, wie lange braucht ein Gesetz von Entwurf bis zur Geltung bei uns mittlerweile im Schnitt 3-5 Jahre, eine Legislaturperiode, anderswo 2 Wochen.
So etwas begreift keiner mehr, wieso man zur Umsetzung hier zu Lande mittlerweile solange braucht.
Bsp. Dieselgate, Affäre usw.: Man braucht 15 Jahre bis man die Grenzwerte einhält, man fährt quasie mit 100 km/h 15 Jahre gegen die Wand und denkt nicht mal 1 Jahr vorher nach, dass man vielleicht bremsen sollte. Dann ist man aufgeprallt es gibt Schwerverletzte, aber bis der Unfall aufgeklärt ist, selbst bis der Retttungswagen kommt, dauert es wiederum über 3 Jahre und noch immer kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar. So etwas stiftet Unzufriedenheit, dieses Machtfakuum. Anstatt mit einfachen, schnellen pragmatischen Lösungen daher zu kommen, die innerhalb 2 Monate umgesetzt werden. Statt einfach: Kann man die Hersteller rechtlich nichts anhaben, da sie nur den gesetzlichen Rahmen voll ausgeschöpft haben, muss man eben im Gegenzug genauso verfahren, einfach eine Sonderumweltabgabe einführen, für jedes Auto dass ab nächsten 1. verkauft wird, welches über 130g/km CO2 ausstößt, werden einmalig von Hersteller 2000 € fällig, für Autos über 100g/km CO2 werden einmalig 1000 € einkassiert. Mit diesem Geld wird die Hardwarenachrüstung gezahlt und gleichzeitig etwas für die Umwelt getan, also WinWin Situation, fertig Fall erledigt, nächstes Thema.
Solche einfachen pragmatischen Lösungen braucht es, damit die Menschen zufriedenen werden gepaart mit Schnelligkeit. Die Politik muss sich der Zeit anpassen, einfach, pragmatischen Lösungen mit schnellen Umsätzen.
Bsp. Söder wie man es nicht machen sollte, Wahlkampf kürzlich er prüft ob man das Wienermodell auch in den Großstädten Bayerns die 365 € Jahreskarte einführen kann, ab, kein Witz, 2030, dass in der Zwischenzeit schon min. zweimal neugewählt wird, wird ignoriert, ganz so dumm sind die Bürger dann doch nicht mehr.
- Macht Verlust, der einzige Mensch hat nicht mehr soviel Macht über sein Leben wie zu früheren Zeiten, er kann vieles nicht mehr selbstbestimmen da vieles gesetzlich überreguliert ist, seitens Bund, aber auch EU. Außerdem sieht er, dass auch die Politiker nicht mehr so mächtig sind wie früher, nicht die Politiker formen das Land, sondern Industriekonzerne bestimmen in der Mehrzahl wie es geht, bestes Bsp. wiederum Dieselgate, die Politik scheint Machtlos zu sein, sie kann sich nicht mal gegen ein paar Firmen zu wehr setzen, wie soll da ein Mensch glauben, dass er an seiner Situation etwas ändern kann, wenn nicht mal die Politiker dazu in der Lage sind.
- Soziale Medien: Stichpunkt ebenso Filterblase Fratzenbuch: Gemeinsam Jammert es sich am besten, früher eben am Stammtisch in der Wirtschaft, heute über soziale Medien Länderübergreifend, dazu eben werden gezielt Jammerer mit dem gleichen Thema zueinander geführt, nennt sich Glücksalgorithmus, man bekommt für das gegenseitige Jammern, stets positives Feedback und nie Kritik geäußert, ein Hinterfragen findet überhaupt nicht mehr statt heutzutage in der Filterblase. Da wäre auch die Politik gefragt, gegen diesen Algorythmus vor zu gehen.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Laertes » So 30. Sep 2018, 17:43

hrkrspnd hat geschrieben:(30 Sep 2018, 12:01)

Hallo zusammen!
Ich frage mich seit einiger Zeit, warum so viele Leute in Deutschland so unzufrieden/ängstlich/pessimistisch sind?


Auf welche empirischen Ergebnisse beziehst du dich hier? Wessen und welche Daten und Zahlen belegen denn, dass die Menschen hierzulande unzufrieden/ängstlich/pessimistisch sind? Haben heute mehr Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit als 1997 oder 2005? Ist die Fremdenfeindlichkeit höher als 1992? Oder geht es um deine subjektive Wahrnehmung?
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Letzter_Hippie » So 30. Sep 2018, 18:09

Hallo Jo33, ich kann Dir in den meisten Kritikpunkten nur zustimmen, bis auf einen Punkt:

Jo33 hat geschrieben:(30 Sep 2018, 18:39)
Statt einfach: Kann man die Hersteller rechtlich nichts anhaben, da sie nur den gesetzlichen Rahmen voll ausgeschöpft haben, muss man eben im Gegenzug genauso verfahren, einfach eine Sonderumweltabgabe einführen, für jedes Auto dass ab nächsten 1. verkauft wird, welches über 130g/km CO2 ausstößt, werden einmalig von Hersteller 2000 € fällig, für Autos über 100g/km CO2 werden einmalig 1000 € einkassiert. Mit diesem Geld wird die Hardwarenachrüstung gezahlt und gleichzeitig etwas für die Umwelt getan, also WinWin Situation, fertig Fall erledigt, nächstes Thema.


Die CO2-Panik geht konsequent an den Tatsachen vorbei. CO2 ist eben kein gefährliches Nebenprodukt eines Automobils, sondern ist das natürliche Endprodukt, wenn immer man Holz (also Kohlenstoff) verbrennt - oder Kohle oder Öl oder Benzin, was im Grunde auch mal Holz war: C + O2 -> CO2.
Es ist also gar keine Frage, ob irgendwelche 100 oder 120 oder sonstwieviel CO2 erzeugt werden, sondern viel einfacher: mit jedem Liter Sprit, den man tankt, wird eine ganz bestimmte Menge CO2 erzeugt.
Man kann also das ganze Thema runterbrechen auf: weniger Öl/Benzin/whatever verbrennen.

Das freilich wäre nichts neues - über sparsamere Autos hat man schon bei der Ölkrise 197x diskutiert und sie für grundsätzlich machbar gehalten. Passiert ist nichts. Warum? Ich weiss es nicht.

Weiter: ich habe als nicht-Autofahrer mit einem katastrophalen öffentlichen Nahverkehr zu kämpfen - der vielleicht fährt, vielleicht aber auch nicht. Mal ist der Bus kaputt, mal streikt man, mal sind die Fahrer krank, Verspätungen ohne Ende sowieso. Jeder der pünktlich ankommen muss, muss also sein eigenes Auto haben und damit fahren. Ich habe deswegen versucht, Grünen-Politiker anzusprechen. Interesse: NULL. Tenor: Ich soll halt ihre Publikationen lesen und sie wählen; das ist alles.
Ich hätte mir einen mittelfristigen und umfassenden Plan gewünscht, der es den Bürgern ermöglicht, eben kein CO2 zu erzeugen, indem sie schlicht nicht Auto fahren, anstatt Grenzwerte für Autos.

Soviel nur mal zu diesem Punkt.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Wolverine » Mo 1. Okt 2018, 12:27

Ich kann diese Frage nicht beantworten, da es mir, grob gesagt, gut geht.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon zollagent » Mo 1. Okt 2018, 13:01

Wolverine hat geschrieben:(01 Oct 2018, 13:27)

Ich kann diese Frage nicht beantworten, da es mir, grob gesagt, gut geht.

Du stellst dich in deinen Beiträgen aber als der da, der weiß, warum Extremisten gewählt werden. Das paßt offensichtlich nicht zusammen.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Billie Holiday » Mo 1. Okt 2018, 13:07

zollagent hat geschrieben:(01 Oct 2018, 14:01)

Du stellst dich in deinen Beiträgen aber als der da, der weiß, warum Extremisten gewählt werden. Das paßt offensichtlich nicht zusammen.


Das eine schließt doch das andere nicht aus.
Du weißt doch auch, wer warum AfD wählt, oder nicht?
Auch wenn es einem gut geht, kann man das Vorstellungsvermögen haben, abzuschätzen, warum Leute extrem links oder rechts wählen, und zwar ohne selbst betroffen zu sein.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon zollagent » Mo 1. Okt 2018, 14:13

Billie Holiday hat geschrieben:(01 Oct 2018, 14:07)

Das eine schließt doch das andere nicht aus.
Du weißt doch auch, wer warum AfD wählt, oder nicht?
Auch wenn es einem gut geht, kann man das Vorstellungsvermögen haben, abzuschätzen, warum Leute extrem links oder rechts wählen, und zwar ohne selbst betroffen zu sein.

Er schrieb:
Ich kann diese Frage nicht beantworten
Und da er glaubt, zu wissen, warum die Leute das tun, beantwortet er sie doch.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Wolverine » Mo 1. Okt 2018, 14:19

Billie Holiday hat geschrieben:(01 Oct 2018, 14:07)

Das eine schließt doch das andere nicht aus.
Du weißt doch auch, wer warum AfD wählt, oder nicht?
Auch wenn es einem gut geht, kann man das Vorstellungsvermögen haben, abzuschätzen, warum Leute extrem links oder rechts wählen, und zwar ohne selbst betroffen zu sein.


Nun, ich weiß, warum bestimmte Menschen AfD wählen. Es ist nicht so, wie es von Heinzi Besserweiß und seinen Kameraden behauptet wird. Es ist das Gefühl der Ohnmacht gegenüber Entscheidungen einer Regierung, die schon lange vergessen hat, dass sie vom Volk gewählt wurden und in deren Auftrag handeln sollten. Dazu gehört z.B. nicht die Aussetzung von Grenzkontrollen bei der Einreise, um nur ein Beispiel zu nennen.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon hrkrspnd » Mo 1. Okt 2018, 18:22

Hallo Laertes,
Laertes hat geschrieben:(30 Sep 2018, 18:43)

Auf welche empirischen Ergebnisse beziehst du dich hier? Wessen und welche Daten und Zahlen belegen denn, dass die Menschen hierzulande unzufrieden/ängstlich/pessimistisch sind? Haben heute mehr Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit als 1997 oder 2005? Ist die Fremdenfeindlichkeit höher als 1992? Oder geht es um deine subjektive Wahrnehmung?

das ist ein Konglomerat aus unterschiedlichen Beobachtungen: 1. Die steigende Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Bedrohung ist empirisch belegt, 2. Gespräche im Beruf, 3. Der Aufstieg der AFD, den ich - vll. zu Unrecht - auch damit erkläre, 4. Leserkommentare bei Webauftritten von Zeitungen.

Tlw also subjektive Wahrnehmung, teilweise subjektive Bewertung von empirischen Phänomenen, teilweise empirische Belge
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Realist2014 » Mo 1. Okt 2018, 18:27

Jo33 hat geschrieben:(30 Sep 2018, 18:39)

V
Aber an manchen Baustellen hat sich doch in den letzten 2 Jahrzehnten viel getan:
- Steuersytem, wie kann es sein, dass das Steuersystem zu Zeiten Kohls wesentlich gerechter und sozialer, als heutzutage war, obwohl damals CDU/CSU und FDP regiert haben. Da stimmt irgendetwas nicht.
-



was nicht stimmt, ist DEINE obige Behauptung...

aber wer natürlich NUR auf den "Spitzensteuersatz" schielt ...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon hrkrspnd » Mo 1. Okt 2018, 18:28

Hallo Fuerst_48
Fuerst_48 hat geschrieben:(30 Sep 2018, 14:04)

Danke für die zumindest indirekte Unterstützung.
Man muß ein System und dessen itglieder nicht krankjammern oder schlecht reden. Auch die Medien mit ihrem Hang zur Übertreibung sollten sich da zurücknehmen. Alles gut ist auch nicht zutreffend, aber ein realistischer Blick auf das, was ist, reicht völlig.

die Medien spielen für mich dabei auch eine Hauptrolle. Mir hat jemand mal die Unzufriedenheit im Osten damit zu erklären versucht, dass die Medien in der DDR natürlich immer sehr positiv berichtet haben, während heute der Fokus eher auf dem Schlechten / nicht-Erreichten liegt.
Dazu kommen natürlich noch die ganze Filterblasen-Thematik.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon zollagent » Mo 1. Okt 2018, 18:30

Wolverine hat geschrieben:(01 Oct 2018, 15:19)

Nun, ich weiß, warum bestimmte Menschen AfD wählen. Es ist nicht so, wie es von Heinzi Besserweiß und seinen Kameraden behauptet wird. Es ist das Gefühl der Ohnmacht gegenüber Entscheidungen einer Regierung, die schon lange vergessen hat, dass sie vom Volk gewählt wurden und in deren Auftrag handeln sollten. Dazu gehört z.B. nicht die Aussetzung von Grenzkontrollen bei der Einreise, um nur ein Beispiel zu nennen.

Der Auftrag kommt halt von der Mehrheit und schließt keineswegs ein, eine Minderheit zu pampern, zu hätscheln und sie in einer Haltung zu bestärken, die schlichtweg als asozial anzusehen ist.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Laertes » Mo 1. Okt 2018, 18:56

hrkrspnd hat geschrieben:(01 Oct 2018, 19:22)

Hallo Laertes,
das ist ein Konglomerat aus unterschiedlichen Beobachtungen: 1. Die steigende Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Bedrohung ist empirisch belegt, 2. Gespräche im Beruf, 3. Der Aufstieg der AFD, den ich - vll. zu Unrecht - auch damit erkläre, 4. Leserkommentare bei Webauftritten von Zeitungen.

Tlw also subjektive Wahrnehmung, teilweise subjektive Bewertung von empirischen Phänomenen, teilweise empirische Belge



1. könnte daran liegen, dass a) die werbefinanzierten Internetmedien wesentlich häufiger über als bedrohlich empfundene Geschehnisse berichten, um 'Klicks' zu generieren oder b) derartige Sachverhalte über soziale Medien in einem viel größeren Kreis bekannt gemacht werden als früher nur im privaten Bekanntenkreis ("hast du schon gehört, dass...").

2. anekdotisch

3. irgendwelche empirischen Belege dafür, dass die AfD primär aus dem Motiv 'Unzufriedenheit' gewählt oder in Umfragen genannt wird? Und womit sind die AfD Sympathisanten unzufrieden? Mit ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage oder mit den Zukunftsaussichten, die sie für sich oder ihre Kinder in 20 Jahren hierzulande ausmalen?

4. Die Stichprobe der Kommentarschreiber ist vermutlich alles andere als repräsentativ.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon hrkrspnd » Mo 1. Okt 2018, 19:09

Hallo Laertes
Laertes hat geschrieben:(01 Oct 2018, 19:56)

1. könnte daran liegen, dass a) die werbefinanzierten Internetmedien wesentlich häufiger über als bedrohlich empfundene Geschehnisse berichten, um 'Klicks' zu generieren oder b) derartige Sachverhalte über soziale Medien in einem viel größeren Kreis bekannt gemacht werden als früher nur im privaten Bekanntenkreis ("hast du schon gehört, dass...").

2. anekdotisch

3. irgendwelche empirischen Belege dafür, dass die AfD primär aus dem Motiv 'Unzufriedenheit' gewählt oder in Umfragen genannt wird? Und womit sind die AfD Sympathisanten unzufrieden? Mit ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage oder mit den Zukunftsaussichten, die sie für sich oder ihre Kinder in 20 Jahren hierzulande ausmalen?

4. Die Stichprobe der Kommentarschreiber ist vermutlich alles andere als repräsentativ.

es geht gar nicht unbedingt um Repräsentativität. Wenn mir in meinem alltäglichen Leben (sei es auf der Arbeit, oder im Internet) viele Menschen begegnen, die mit Deutschland warum auch immer unzufrieden sind, dann ist es doch eine interessante Frage warum das jetzt so ist. Egal ob das 1%, 5%, 10% oder 15% der Bevölkerung betrifft.
Zu 3. Das ist eine weit verbreitete Hypothese, die sich empirisch natürlich nur tlw belegen lässt. Hier eine Studie: https://www.boeckler.de/106575_110284.htm Daraus: "Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenslage ist der wesentliche Treiber, die derzeit stärkste rechtspopulistische Partei – die AfD – zu wählen. Dabei kommt es weniger auf die objektive soziale Lage an, sondern vor allem auf die subjektive Wahrnehmung der eigenen Lebenslage. Menschen, die AfD wählen oder es in Erwägung ziehen, befinden sich überwiegend nicht in einer finanziell prekären Situation, aber sie fühlen sich vor möglichen Krisen in der Zukunft nicht ausreichend geschützt, zeigt die Analyse: 67 Prozent der AfD-Wähler geben an, dass sie sich Sorgen um ihre persönliche Zukunft machen; in der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil bei 46 Prozent."

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