Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

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Großer Adler
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Großer Adler » So 23. Sep 2018, 18:23

JJazzGold hat geschrieben:(23 Sep 2018, 14:57)

Mir ist durchaus bekannt, dass die Entscheidungsfreiheit eingeschränkt war. Eine meine späteren Freundinnen hat bewusst auf Abi und Studium verzichtet, weil sie danach nicht frei hätte wählen können. Statt dessen hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau angefangen, das stand gerade zur Verfügung, und sich ab 1990 entsprechend ihrer persönlichen Neigung qualifiziert. In meinen Seminaren in Berlin sassen etliche Personen mit solchen Biographien. Es handelt sich ergo nicht um Arroganz, sondern um Mitgefühl, das hätte sie und die Anderen auch ein paar Jahre früher haben können, und Bewunderung für den Mut, noch ein mal neu anzufangen.

Heutzutage nur die Wahl zwischen Montage oder Hartz IV zu haben, scheint mir diesbezüglich eine äusserst eingeschränkte Wahrnehmung zu sein.

Nur ist es eben auch schwierig, von Menschen, die nie gelernt haben, für sich selbst zu sorgen, von heute auf morgen selbiges zu verlangen. Das gab und gibt es auch in den sog. alten Bundesländern, wobei es sich hier um ein Versagen der Eltern und nicht des Staates handelt. Deshalb wundert es mich nicht, dass immer noch ein Anteil zu finden ist, der darauf wartet, dass der Staat ihnen sagt, was sie tun sollen. Aber der wird im Laufe der Jahrzehnte immer weiter abnehmen und mit einem überschaubaren Restbestand kann der Sozialstaat leben.


Um dich aufzuklären, ich bin gelernter Maler/ Lackierer, habe nach 17 Jahren mein Abi nachgeholt und studiert. Ich war nie arbeitslos. Das Versagen, wie du es beschreibst ist nicht allein den Eltern vorzuwerfen, auch der Staat trägt Mitverantwortung. Ebenso fällt es manchen nicht so leicht, dem gesellschtlichen Druck standzuhalten oder den gestellten Anforderungen gerecht zu werden.

Ich selbst bin nun in der sozialen Branche tätig und mein Klientel gehört zu den "Restbeständen" des Staates. Ich wage vorsichtig zu urteilen, über den deiner Meinung nach abnehmenden Restbestand. Ein von massiv ansteigenden Problemen, Krisen, Katastrophen und Risiken bedrohtes System, sorgt eher dafür, dass ein Versagen eine Masse an Menschen treffen kann, die es nie vorher glaubte.
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Gilmoregirl
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Gilmoregirl » So 23. Sep 2018, 19:26

JJazzGold hat geschrieben:(23 Sep 2018, 14:57)

Mir ist durchaus bekannt, dass die Entscheidungsfreiheit eingeschränkt war. Eine meine späteren Freundinnen hat bewusst auf Abi und Studium verzichtet, weil sie danach nicht frei hätte wählen können. Statt dessen hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau angefangen, das stand gerade zur Verfügung, und sich ab 1990 entsprechend ihrer persönlichen Neigung qualifiziert. In meinen Seminaren in Berlin sassen etliche Personen mit solchen Biographien. Es handelt sich ergo nicht um Arroganz, sondern um Mitgefühl, das hätte sie und die Anderen auch ein paar Jahre früher haben können, und Bewunderung für den Mut, noch ein mal neu anzufangen.

Heutzutage nur die Wahl zwischen Montage oder Hartz IV zu haben, scheint mir diesbezüglich eine äusserst eingeschränkte Wahrnehmung zu sein.

Nur ist es eben auch schwierig, von Menschen, die nie gelernt haben, für sich selbst zu sorgen, von heute auf morgen selbiges zu verlangen. Das gab und gibt es auch in den sog. alten Bundesländern, wobei es sich hier um ein Versagen der Eltern und nicht des Staates handelt. Deshalb wundert es mich nicht, dass immer noch ein Anteil zu finden ist, der darauf wartet, dass der Staat ihnen sagt, was sie tun sollen. Aber der wird im Laufe der Jahrzehnte immer weiter abnehmen und mit einem überschaubaren Restbestand kann der Sozialstaat leben.


Ja, auch ich bin eine mit so einer Biographie.
Ich wollte nicht lienientreu und parteiabhängig meinen beruflichen Weg gehen, wobei mich mein eigentlicher Job ( Kindergärtnerin) schon sehr im Gleis hielt.
Die Wende kam, da war ich 23, nun stand so viel für mich offen...was mache ich... gerade in Zeiten, als der Osten die Kitas eher schloss als neue benötigte.
Da, wo ich heute beruflich bin, hab ich z.T. meiner Entschlossenheit zu verdanken. Aber ich habe auch immer noch mit Mitarbeitern zu tun, die darauf warten: Sag mir, was ich machen soll...
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Emin » So 23. Sep 2018, 19:29

Liegestuhl hat geschrieben:(16 Sep 2018, 11:20)

Ich glaube übrigens nicht, dass sich die Mehrheit der Ossis eine Abschaffung der Demokratie wünschen.


Demokratie ist ein weiter Begriff. Manche denken Demokratie bedeutet, dass man abstimmt, und die Mehrheit kriegt ihren Willen. Hier im Westen bedeutet Demokratie eher, geteilte Staatsgewalt und Menschen-/Bürgerrechte, die konsequenterweise auch für Zuwanderer gelten. Kenne z.B. einen Ostdeutschen, der sagte mal, es sollte einfach ein Referendum geben, ob man die ganzen Ausländer abschiebt, und wenn da die Mehrheit Ja sagt dann müssen die Ausländer gehen. Der hat die Demokratie - nach westlicher Auffassung - eben nicht verstanden.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 23. Sep 2018, 19:34

Gilmoregirl hat geschrieben:(23 Sep 2018, 20:26)

Ja, auch ich bin eine mit so einer Biographie.
Ich wollte nicht lienientreu und parteiabhängig meinen beruflichen Weg gehen, wobei mich mein eigentlicher Job ( Kindergärtnerin) schon sehr im Gleis hielt.
Die Wende kam, da war ich 23, nun stand so viel für mich offen...was mache ich... gerade in Zeiten, als der Osten die Kitas eher schloss als neue benötigte.
Da, wo ich heute beruflich bin, hab ich z.T. meiner Entschlossenheit zu verdanken. Aber ich habe auch immer noch mit Mitarbeitern zu tun, die darauf warten: Sag mir, was ich machen soll...

Es ist das gute Recht eines Mitarbeiters, klare Arbeitsaufträge zu erfragen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Emin » So 23. Sep 2018, 19:38

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Sep 2018, 14:11)

Schön wärs ja. In Schweden ist bei den aktuellen Parlamentswahlen nun das nachvollzogen worden, was in den anderen Skandinavienstaaten sowieso und seit längerem schon der Fall ist: 15 bis 25 Prozent Wähler für rechtspopulistische Parteien. In Benelux siehts nicht viel anders aus.

Erstaunlicherweise fällt Südeuropa da irgendwie raus. Oder der Rechtspopulismus äußert sich dort eben irgendwie anders. (Wie in der aktuellen italienischen regierungskoalition). Eine der möglichen Erklärungen dafür könnten die Erfahrungen mit faschistischen Regimes auch nach dem 2. WK sein (Portugal, Griechenland, SPanien).


Also Griechenland ist das einzige Land, in dem nicht nur rechtspopulistische, sondern eine wirklich nazistische Partei im Parlament sitzt (Morgenröte), und in Italien regiert die Lega Nord. Die einzigen Ausnahmen sind tatsächlich Portugal und Spanien.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Ammianus » So 23. Sep 2018, 19:38

Gilmoregirl hat geschrieben:(23 Sep 2018, 20:26)

Ja, auch ich bin eine mit so einer Biographie.
Ich wollte nicht lienientreu und parteiabhängig meinen beruflichen Weg gehen, wobei mich mein eigentlicher Job ( Kindergärtnerin) schon sehr im Gleis hielt.
Die Wende kam, da war ich 23, nun stand so viel für mich offen...was mache ich... gerade in Zeiten, als der Osten die Kitas eher schloss als neue benötigte.
Da, wo ich heute beruflich bin, hab ich z.T. meiner Entschlossenheit zu verdanken. Aber ich habe auch immer noch mit Mitarbeitern zu tun, die darauf warten: Sag mir, was ich machen soll...


Scheint ja von unserer Sorte im weitesten Sinn einige hier zu geben. Wenn du wirklich was werden wolltest und das auch bleiben, dann musstest du deine Ergebenheit gegenüber dem Regime zeigen. Mit Eintritt ins Teeny-Alter fing ich an, rot aufgewachsen, vom wahren Glauben abzufallen. Damit blieb mir dann nur noch die Wahl zu heucheln und zu lügen oder mich wie so viele andere in eine Nische mit Gleichgesinnten zurück zu ziehen. Trotzdem sind mir noch immer die beiden Male in unangenehmer Erinnerung als ich, um meine Ruhe zu haben ins Wahllokal ging, brav den Zettel faltete und in die Urne steckte. Schon das mag für die im Westen aufgewachsenen unverständlich sein. Die Vorstellung, dass die SED einen regelrechten stillen Terror ausübte um Wahlbeteiligungen von 98-99 % zu erreichen muss da - was verständlich ist - sehr fremd erscheinen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Großer Adler » So 23. Sep 2018, 20:33

Gilmoregirl hat geschrieben:(23 Sep 2018, 20:26)

Ja, auch ich bin eine mit so einer Biographie.
Ich wollte nicht lienientreu und parteiabhängig meinen beruflichen Weg gehen, wobei mich mein eigentlicher Job ( Kindergärtnerin) schon sehr im Gleis hielt.
Die Wende kam, da war ich 23, nun stand so viel für mich offen...was mache ich... gerade in Zeiten, als der Osten die Kitas eher schloss als neue benötigte.
Da, wo ich heute beruflich bin, hab ich z.T. meiner Entschlossenheit zu verdanken. Aber ich habe auch immer noch mit Mitarbeitern zu tun, die darauf warten: Sag mir, was ich machen soll...


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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Großer Adler » So 23. Sep 2018, 21:06

Ammianus hat geschrieben:(23 Sep 2018, 20:38)

Scheint ja von unserer Sorte im weitesten Sinn einige hier zu geben. Wenn du wirklich was werden wolltest und das auch bleiben, dann musstest du deine Ergebenheit gegenüber dem Regime zeigen. Mit Eintritt ins Teeny-Alter fing ich an, rot aufgewachsen, vom wahren Glauben abzufallen. Damit blieb mir dann nur noch die Wahl zu heucheln und zu lügen oder mich wie so viele andere in eine Nische mit Gleichgesinnten zurück zu ziehen. Trotzdem sind mir noch immer die beiden Male in unangenehmer Erinnerung als ich, um meine Ruhe zu haben ins Wahllokal ging, brav den Zettel faltete und in die Urne steckte. Schon das mag für die im Westen aufgewachsenen unverständlich sein. Die Vorstellung, dass die SED einen regelrechten stillen Terror ausübte um Wahlbeteiligungen von 98-99 % zu erreichen muss da - was verständlich ist - sehr fremd erscheinen.


Die Frage ist nur, warum wählen im Osten heute noch so viele "Linke" oder ganz neu "AfD". Ja, beide Wählergruppierungen, haben ihre Erfahrungen gemacht. Zumindest z.T.

Ich für meinen Teil habe nur die Kindheit im Osten erlebt. Natürlich galten sie als besonderer Schutz im Osten. Im Westen aber heute auch, nur viel zu materiell orientiert. Ich hatte zu Ostzeiten eine tolle Kindheit. Eine tolle Kita mit großem Außengelände, gut erzogenen Kindern und liebevolle PädagogInnenn (was kurz nach der Wende abgerissen und durch Miethäuser aus dem Discount ersetzt wurde) sowie eine tolle Schule mit Früh- und Späthort. Eine Klassenlehrerin plus Stellvertreterin, die sich mit Kopf, Herz und Hand um uns sorgte. Mal abgesehen vom Honeckerportrait im Klassenzimmer und dem morgentlichen Klassenappell. Heute bin ich am Zweifeln, ob mein Kind, wenn es in die Schule geht, eine ebenso schöne Schulzeit erleben wird wie ich. Wohl eher nicht. Das Gefühl mein Kind jemanden oder einer Bildungseinrichtung zu überlassen, wo es an der Vermittlung von Sozialkompetenzen mitunter aus Kostengründen mangelt, ist traurig. Das, heute ist einfach nur noch Qualitätsabfall. Dennoch würde ich wohl nie LINKE wählen, mittlerweile gibt es ja Alternativen.
Zuletzt geändert von Großer Adler am So 23. Sep 2018, 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Ammianus » So 23. Sep 2018, 21:22

Damals träumte ich vom Demokratischen Sozialismus wie ihn Dubcek anstrebte, der Biermann der 70er oder auch die Eurokommunisten. Und dann brach alles weg, auch die DDR, die ich als meine Heimat sah. Schließlich war ich da geboren, bin dort aufgewachsen. Auf der Landkarte sah sie so schön harmonisch aus. 1990 war ich kurz davor in die SED/PDS einzutreten. Der Besuch einer Mitgliederversammlung belehrte mich eines Besseren. Langsam erkannte ich dass, was Biermann schon in den 80er begriffen hatte: Die Mutter Erde ging so lange schwanger mit dem Kind Kommunismus und sie merkte nicht, dass das Balg längst tot war und vor sich hinfaulte.

Heute definiere ich mich als Antikommunisten und wähle trotzdem Die Linke. Einfach als Bollwerk gegen unsoziale Tendenzen bei der SPD. Da muss Druck von Links sein. Allerdings habe ich auch schon Grüne, oder Merkel gewählt. CDU damals weil mir das sinnentleerte Gehabe Schröders nur noch auf den Senkel ging.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Sep 2018, 11:24

Großer Adler hat geschrieben:(23 Sep 2018, 22:06)

Die Frage ist nur, warum wählen im Osten heute noch so viele "Linke" oder ganz neu "AfD". Ja, beide Wählergruppierungen, haben ihre Erfahrungen gemacht. Zumindest z.T.

Ich für meinen Teil habe nur die Kindheit im Osten erlebt. Natürlich galten sie als besonderer Schutz im Osten. Im Westen aber heute auch, nur viel zu materiell orientiert. Ich hatte zu Ostzeiten eine tolle Kindheit. Eine tolle Kita mit großem Außengelände, gut erzogenen Kindern und liebevolle PädagogInnenn (was kurz nach der Wende abgerissen und durch Miethäuser aus dem Discount ersetzt wurde) sowie eine tolle Schule mit Früh- und Späthort. Eine Klassenlehrerin plus Stellvertreterin, die sich mit Kopf, Herz und Hand um uns sorgte. Mal abgesehen vom Honeckerportrait im Klassenzimmer und dem morgentlichen Klassenappell. Heute bin ich am Zweifeln, ob mein Kind, wenn es in die Schule geht, eine ebenso schöne Schulzeit erleben wird wie ich. Wohl eher nicht. Das Gefühl mein Kind jemanden oder einer Bildungseinrichtung zu überlassen, wo es an der Vermittlung von Sozialkompetenzen mitunter aus Kostengründen mangelt, ist traurig. Das, heute ist einfach nur noch Qualitätsabfall. Dennoch würde ich wohl nie LINKE wählen, mittlerweile gibt es ja Alternativen.

Vielleicht solltest du die Kinder, wenn sie mal so alt sind, fragen. Kann ja sein, dass sie Demokratie und Freiheit anders erleben, positiver.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 24. Sep 2018, 13:19

Emin hat geschrieben:(23 Sep 2018, 20:38)

Also Griechenland ist das einzige Land, in dem nicht nur rechtspopulistische, sondern eine wirklich nazistische Partei im Parlament sitzt (Morgenröte), und in Italien regiert die Lega Nord. Die einzigen Ausnahmen sind tatsächlich Portugal und Spanien.


Jobbik in Ungarn (Parlamentswahlen 2018: 19 Prozent, zweitstärkste Fraktion) ist ebenfalls eine so klar nazistische, neofaschistische Partei, dass sich Rechtspopulisten wie etwa FPÖ zumindest offiziell distanzieren. (Inoffiziell bei einigen "Freunden" übrigens nicht). Und weiter zur Einordnung: Einer Gruppe von Ex-Jobbik-Mitgliedern war 2013 auch diese Partei noch nicht rechts genug und man gründete die "Ungarische Morgenröte", ausdrücklich in Ahnlehnung zur Griechischen Morgenröte.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Sep 2018, 13:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Sep 2018, 14:19)

Jobbik in Ungarn (Parlamentswahlen 2018: 19 Prozent, zweitstärkste Fraktion) ist ebenfalls eine so klar nazistische, neofaschistische Partei, dass sich Rechtspopulisten wie etwa FPÖ zumindest offiziell distanzieren. (Inoffiziell bei einigen "Freunden" übrigens nicht). Und weiter zur Einordnung: Einer Gruppe von Ex-Jobbik-Mitgliedern war 2013 auch diese Partei noch nicht rechts genug und man gründete die "Ungarische Morgenröte", ausdrücklich in Ahnlehnung zur Griechischen Morgenröte.

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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Großer Adler » Mo 24. Sep 2018, 14:11

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Sep 2018, 12:24)

Vielleicht solltest du die Kinder, wenn sie mal so alt sind, fragen. Kann ja sein, dass sie Demokratie und Freiheit anders erleben, positiver.


In eine realitätsferne Welt eintauchen? Das geht nur mit Drogen. Davon gibt´s schon genug Spinner.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Sep 2018, 14:17

Großer Adler hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:11)

In eine realitätsferne Welt eintauchen? Das geht nur mit Drogen. Davon gibt´s schon genug Spinner.

Es geht nicht um Drogen, es geht um Offenheit, ob die kommende Generation deine Sorgen überhaupt teilt. So, wie du vieles anders erlebt hast als ältere damals.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon zollagent » Mo 24. Sep 2018, 14:28

Großer Adler hat geschrieben:(23 Sep 2018, 10:06)

Der Westen hatte eine Verantwortung zu übernehmen. Und zwar weiterhin für Kinder, Familien und Alte zu sorgen. Stattdessen werden sie allgemein vernachlässigt und dem Individualismus überlassen. Dass dies nicht funktioniert, lässt sich nicht verschweigen. Sichtbar vor allem an den entstandenen Brennpunkten im Osten, wie Kitas, Schulen, Wohnen, Tafeln etc. Im Westen hatte dies schon vor der Wende Bestand. Kein wunder, dass ihr das so hinnehmt. Ihr Wessis kennt es ja nicht anders.

Klar doch, bei uns ist das Elend in allen Straßen präsent. Ständig stolpert man über die Leichen Verhungerter und Ausgesetzter. Man kann seine Ansprüche auch übertreiben. Jeder Staat ist so stark, wie seine Bürger ihn machen. Darauf zu warten, daß "andere machen" ist einfach nur Warten auf Godot. Sprich, nichts weiter als staatsbürgerliches Versagen. Komm in die Puschen und zeige, was du forderst. Dann kann man dich ernst nehmen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Großer Adler » Mo 24. Sep 2018, 14:29

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:17)

Es geht nicht um Drogen, es geht um Offenheit, ob die kommende Generation deine Sorgen überhaupt teilt. So, wie du vieles anders erlebt hast als ältere damals.


Die kommende Generation wird noch viel größere Sorgen haben.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon zollagent » Mo 24. Sep 2018, 14:30

Ammianus hat geschrieben:(23 Sep 2018, 12:36)

Ihr konntet euch entscheiden. Das ist der große Unterschied jedenfalls für mich. Ihr konntet euch entscheiden ob und was ihr studieren wollt. Ich leg jetzt hier mal den Schwerpunkt auf diese Linie. Aber auch die Entscheidung, Selbstständiger zu werden oder nicht, hing nicht nur vom Einzelnen ab sondern hauptsächlich von der durch ihre Bonzen und Bürokraten und deren aus den verschiedensten Gründen willfährigen Helfern. Das ist der gewaltige Unterschied, der vielleicht richtig nur für den zu verstehen ist, der das selbst erlebt hat.

Der Mangel an Eigenverantwortung ist eine Folge der DDR-Sozialisation aber kein Grund arrogant auf uns herabzusehen. Man sollte sich vielleicht doch ein bischen mit dem beschäftigen, was und wie Probleme erzeugt wurden. Und sich dann sagen: Ja, wir hatten es gut, wir lernten uns zu entscheiden welchen Beruf wir erlernen wollten um dann vielleicht ein eigenes Cafe zu eröffnen, Ingenieur in einer großen Firma zu werden, Archäologe der in der Türkei arbeitet oder Rockmusikant bei dem nur zählt, ob das Publikum seine Songs schätzt und in die Konzerte strömt.

Mit Selbstmitleid verbessert niemand was.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Sep 2018, 14:31

Großer Adler hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:29)

Die kommende Generation wird noch viel größere Sorgen haben.

Das kann man schon denken. Ich würde den Einzelnen aber zu gegebener Zeit fragen wollen statt nur zu vermuten.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon zollagent » Mo 24. Sep 2018, 14:33

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Sep 2018, 20:34)

Es ist das gute Recht eines Mitarbeiters, klare Arbeitsaufträge zu erfragen.

Im Bereich des Staatsbürgerlichen brauchen wir mündige Bürger, keine untätigen Befehlempfänger. Und daran muß jeder selbst arbeiten. Entschuldigt sind da nur Menschen, wie wegen Krankheit oder Behinderung den Anforderungen nicht gewachsen sein können.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Großer Adler » Mo 24. Sep 2018, 14:49

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:31)

Das kann man schon denken. Ich würde den Einzelnen aber zu gegebener Zeit fragen wollen statt nur zu vermuten.


Nachdem der Osten ja in den nächsten Landtagswahlen "vermutlich" die AfD an der Spitze in allen Landtagen haben wird, sind meine Sorgen weniger geworden. Zu gegebener Zeit könnte es sein, dass ich wieder optimistischer voraus blicke.

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