Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
unity in diversity
Beiträge: 6755
Registriert: So 21. Dez 2014, 09:18
Benutzertitel: Nachtfalter
Wohnort: Falena

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon unity in diversity » Di 4. Sep 2018, 00:31

Selina hat geschrieben:(03 Sep 2018, 19:09)

Was ist denn das für eine Frage? Demokratie und Fremdenfeindlichkeit schließen sich selbstverständlich aus. Daher auch gerade die vielen berechtigten Proteste von Demokraten gegen diese fremdenfeindlichen und rassistischen Typen in Nadelstreifen, die da gerade durch Chemnitz und ganz Sachsen poltern.

In Frankfurt/Oder kam es nach dem Überfall auf eine Disco zu keinen Trauermärschen und Beruhigungskonzerten, obwohl die Terroristen „Allah ist gross“ gerufen haben. Ursache kann sein, dass kein gesellschaftliches Interesse vorhanden war, den Vorfall auszuwerten.
In Chemnitz war der Hauptbahnhof nach dem Konzert überfüllt, es gibt also nicht nur Randaletouris. Alles ziemlich merkwürdig.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
Benutzeravatar
omegaunion
Beiträge: 269
Registriert: Mi 21. Okt 2015, 19:00
Kontaktdaten:

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon omegaunion » Di 4. Sep 2018, 04:54

dren hat geschrieben:(04 Sep 2018, 00:42)

Fremdenfeindlichkeit war übrigens die Wortwahl der Tagesschau. Ich bin überfordert und kann kein besseres Wort finden. "Fremden-Neutralität" ist aus meiner Sicht ein Ideal.


Vielleicht kann ich hier mit "Fremdengleichgültigkeit" aushelfen.
Nicht allem was man nicht mag ist man feindlich gegenüber eingestellt und nicht alles was man rigoros ablehnt muss man hassen.
Benutzeravatar
unity in diversity
Beiträge: 6755
Registriert: So 21. Dez 2014, 09:18
Benutzertitel: Nachtfalter
Wohnort: Falena

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon unity in diversity » Di 4. Sep 2018, 05:17

Man darf sich nicht der Illusion hingeben, nur Eingeborene könnten xenophobisch sein. Zugewanderte haben diese Eigenschaft auch, siehe Frankfurt/Oder.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
Benutzeravatar
Jekyll
Beiträge: 10065
Registriert: Di 31. Aug 2010, 16:35
Benutzertitel: Je suis Jekyll

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Jekyll » Di 4. Sep 2018, 06:02

Neandertaler hat geschrieben:(03 Sep 2018, 20:01)

richtig der Vorteile der Demokratie liegen auf anderen Gebieten, die moralisch ethnischen Vorteile sind wenn eher indirekter Natur.


Die Vorstellung das Menschen in indirekter Demokratie völlig anders abstimmen als in direkter ist absurd aber sowohl bei Gegenern als auch bei enthusiastischen Befürwortern weit verbreitet.
Nicht, wenn an der Behauptung, gewisse unappetitliche Sichtweisen seien mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen, etwas Wahres dran ist. In Anbetracht der großen Menschenmassen, die rechtslastige Bewegungen mittlerweile zu mobilisieren in der Lage sind, und auch in Anbetracht der Tatsache, dass im Osten vor allem eine demokratische Kultur im Bewusstsein der Bevölkerung nicht sonderlich fest verankert ist und man generell ein zwiespältiges Verhältnis zum Staat hat (resultierend aus eher positiven Erfahrungen in der jüngeren ostdeutschen Vergangenheit), halte ich die Vorstellung, eine direkte Demokratie würde ganz andere Ergebnisse zeitigen, für gar nicht so absurd. In einer Sellvertreterdemokratie, in der an Schaltstellen der Macht nur Profis am Werken sind, die moralisch-ethisch ganz anderes aufgestellt sind als der eher Instinkt geleitete Mob auf der Straße, ist die Wahrscheinlich eher groß, dass in einer direkt(er)en Demokratie die Resultate sich doch recht deutlich unterscheiden würden.

Im übrigen haben wir in vielen Bundesländern teilweise direkte Demokratie.
Was ist hier "teilweise"? Entweder hat man eine uneingeschränkte, direkte Volldemokratie, oder eine bedingte Teildemokratie mit Abstrichen. Halb schwanger geht eigentlich nicht, wenn man im ursprünglichen Sinne des Wortes verbleiben will.
Say NO to racism and antisemitism!
Benutzeravatar
MäckIntaier
Beiträge: 1079
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 10:21
Wohnort: Auch

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon MäckIntaier » Di 4. Sep 2018, 07:35

Selina hat geschrieben:(03 Sep 2018, 19:09)

Demokratie und Fremdenfeindlichkeit schließen sich selbstverständlich aus.


Da Stränge immer sehr schnell laufen und vieles untergeht, wiederholfe ich noch einmal meine Gedanken hierzu, denn eine Antwort darauf wäre sicher ein hilfreicher Beitrag zur Klärung.

Zunächst bedeutet Demokratie nichts als Herrschaft des Volkes. Wenn man nun davon ausgeht, dass diese Definition etwas knapp ist und es ferner unterschiedliche Vortellungen von Demokratie gibt, kann Ihr Gedanke so nur stimmen, wenn Ihre Vorstellung von Demokratie die richtige Vorstellung von Demokratie ist und andere, abweichende Vorstellungen falsch. Weshalb eine Vorstellung richtig oder falsch ist, lässt sich überprüfen, wenn Gründe genannt werden, warum eine Vorstellung richtig und eine andere falsch ist. Warum also schließen sich Demokratie und Fremdenfeindlichkeit selbstverständlich aus?
If voting made any difference they wouldn't let us do it. (Mark Twain)
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3804
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Europa2050 » Di 4. Sep 2018, 07:45

MäckIntaier hat geschrieben:(04 Sep 2018, 08:35)

Da Stränge immer sehr schnell laufen und vieles untergeht, wiederholfe ich noch einmal meine Gedanken hierzu, denn eine Antwort darauf wäre sicher ein hilfreicher Beitrag zur Klärung.

Zunächst bedeutet Demokratie nichts als Herrschaft des Volkes. Wenn man nun davon ausgeht, dass diese Definition etwas knapp ist und es ferner unterschiedliche Vortellungen von Demokratie gibt, kann Ihr Gedanke so nur stimmen, wenn Ihre Vorstellung von Demokratie die richtige Vorstellung von Demokratie ist und andere, abweichende Vorstellungen falsch. Weshalb eine Vorstellung richtig oder falsch ist, lässt sich überprüfen, wenn Gründe genannt werden, warum eine Vorstellung richtig und eine andere falsch ist. Warum also schließen sich Demokratie und Fremdenfeindlichkeit selbstverständlich aus?


Natürlich kann Demokratie auch Fremdenfeindlichkeit.

Historisch fällt mir dazu die generelle Verdächtigung und Internierung von Menschen japanischer Abstammung in den USA im WK2 ein.
Man wird kaum leugnen, dass es sich bei den USA um eine funktionierende Demokratie gehandelt hat, alle Mechanismen waren intakt.
Und doch wurden diese Japaner, unabhängig von deren individueller Einstellung zum Kriegsgegner Japan als Feinde betrachtet und behandelt.

Demokratie ist - wenn sie funktioniert - ein Werkzeug gegen Machtanmasung einzelner und damit auch Fremdenfeindlichkeit, die von einzelnen Proklamiert wird, wenn aber die Fremdenfeindlichkeit allgemein anerkannt ist, wird sie auch in einer Demokratie ihre Wirkung entfalten.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
MäckIntaier
Beiträge: 1079
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 10:21
Wohnort: Auch

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon MäckIntaier » Di 4. Sep 2018, 07:59

Europa2050 hat geschrieben:(04 Sep 2018, 08:45)

Natürlich kann Demokratie auch Fremdenfeindlichkeit.

Historisch fällt mir dazu die generelle Verdächtigung und Internierung von Menschen japanischer Abstammung in den USA im WK2 ein.
Man wird kaum leugnen, dass es sich bei den USA um eine funktionierende Demokratie gehandelt hat, alle Mechanismen waren intakt.
Und doch wurden diese Japaner, unabhängig von deren individueller Einstellung zum Kriegsgegner Japan als Feinde betrachtet und behandelt.

Demokratie ist - wenn sie funktioniert - ein Werkzeug gegen Machtanmasung einzelner und damit auch Fremdenfeindlichkeit, die von einzelnen Proklamiert wird, wenn aber die Fremdenfeindlichkeit allgemein anerkannt ist, wird sie auch in einer Demokratie ihre Wirkung entfalten.


Danke für die Klarstellung. Würde sich diese Erkenntnis durchsetzen, gäbe es sicher auch vernünftige Ansätze, mit Fremdenfeindlichkeit dort, wo sie ein Problem ist, vernünftig umzugehen. Und um Ihre Liste zu ergänzen, auch Japan ist extrem fremdenfeindlich* und lässt praktisch keine Einwanderung zu, und ein Land wie Bhutan ist so fremdenfeindlich*, dass sich das sogar auf den Tourismus auswirkt.

*Mein indischer Nachbar und ich sind uns einig, dass die amerikanischen Mitarbeiter, die im Unternehmen seiner Frau im oberen Management arbeiten und ihre Arbeitskultur durchdrücken, einfach nach Hause geschickt gehören. Sie verstehen nicht, wie der Arbeitsalltag hier organisiert ist, und wenn das sich durchsetzt, ist wieder ein Stück deutscher Arbeitskultur zerstört. Da sind wir uns ganz und gar einig, wenn wir hin und wieder ein Fläschchen leeren, wir Fremdenfeinde.
If voting made any difference they wouldn't let us do it. (Mark Twain)
Benutzeravatar
Großer Adler
Beiträge: 215
Registriert: Fr 24. Aug 2018, 10:29

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Großer Adler » Di 4. Sep 2018, 08:23

Fremdenfeindlichkeit ist fester Bestandteil in der Demokratie. Übergeordnet ausgedrückt "dem Feind oder alles Feindliche" von Außen und Innen, versucht die Demokratie dem entgegenzuwirken, mit dem Ziel der Vollkommenheit.

Ich würde Fremdenfeindlichkeit als bestrebendes "Druckmittel" zurück zur Normalität und Reaktion zum politischen Linksruck beschreiben. Dieses Phänomen macht sich besonders durch die Flüchtlingskrise sehr stark bemerkbar.

Vertrauensverlust, Identitätsverlust, Existenzängste führen zu Fremdenfeindlichkeit. Sie ist politisch geschaffen und trägt zum demokratischen Wandel bei.

Leider ist es menschlich und einfältig, den Frust und die Reaktion auf andere Teile der Gesellschaft zu projizieren. Es wäre aber richtiger, national zu wählen und der Fremdenfeindlichkeit in unserer Demokratie den gar auszumachen, denn ohne Fremde keine Feindlichkeit. ;-)
Benutzeravatar
Hyde
Beiträge: 1226
Registriert: Di 14. Jun 2016, 17:15

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Hyde » Di 4. Sep 2018, 15:20

unity in diversity hat geschrieben:(04 Sep 2018, 06:17)

Man darf sich nicht der Illusion hingeben, nur Eingeborene könnten xenophobisch sein. Zugewanderte haben diese Eigenschaft auch, siehe Frankfurt/Oder.


Wer sagt das denn?
Viele Zuwanderer kommen ja aus xenophoben Ländern (etwa aus Polen oder Russland) oder aus extrem nationalistischen Ländern (Türkei), daher gibt es natürlich viele Ausländer, die ablehnend gegenüber anderen Herkünften eingestellt sind.
Benutzeravatar
Großer Adler
Beiträge: 215
Registriert: Fr 24. Aug 2018, 10:29

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Großer Adler » Di 4. Sep 2018, 15:35

Hyde hat geschrieben:(04 Sep 2018, 16:20)

Wer sagt das denn?
Viele Zuwanderer kommen ja aus xenophoben Ländern (etwa aus Polen oder Russland) oder aus extrem nationalistischen Ländern (Türkei), daher gibt es natürlich viele Ausländer, die ablehnend gegenüber anderen Herkünften eingestellt sind.


Türkey nationalistisch? Nein, eher liberaler, demokratischer und souveräner, und zwar zu Putin und Assad.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 7956
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Selina » Di 4. Sep 2018, 16:55

MäckIntaier hat geschrieben:(04 Sep 2018, 08:35)

Da Stränge immer sehr schnell laufen und vieles untergeht, wiederholfe ich noch einmal meine Gedanken hierzu, denn eine Antwort darauf wäre sicher ein hilfreicher Beitrag zur Klärung.

Zunächst bedeutet Demokratie nichts als Herrschaft des Volkes. Wenn man nun davon ausgeht, dass diese Definition etwas knapp ist und es ferner unterschiedliche Vortellungen von Demokratie gibt, kann Ihr Gedanke so nur stimmen, wenn Ihre Vorstellung von Demokratie die richtige Vorstellung von Demokratie ist und andere, abweichende Vorstellungen falsch. Weshalb eine Vorstellung richtig oder falsch ist, lässt sich überprüfen, wenn Gründe genannt werden, warum eine Vorstellung richtig und eine andere falsch ist. Warum also schließen sich Demokratie und Fremdenfeindlichkeit selbstverständlich aus?


"Richtig" oder "falsch" gibt es in einer politischen Diskussion nicht. Es geht immer um das Koordinatensystem und das Weltbild, von dem man selbst ausgeht. Und meine Vorstellung von Demokratie (nicht nur meine) ist eben, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht vereinbar sind mit den demokratischen und ethischen Grundsätzen des Staates. Jeder kann sehen, dass etwa der biologistische Rassismus wieder zunimmt, wonach Menschen verschiedener Herkunft angeblich mehr oder weniger wert sind. Viele Jahrzehnte lang gab es zuvor eine Art "gesamtgesellschaftliches Bewusstsein" dafür, dass man Nationalitäten und Religionen nicht gegeneinander ausspielt, dass man Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht als unterschiedlich "wertvoll" betrachtet. Diese stille Übereinkunft scheint jetzt aufgekündigt worden zu sein durch einen Teil der Menschen. So gibt es wieder einen offenen Rassismus und eine offene Fremdenfeindlichkeit, Erscheinungen, die es über das Demokratie-Ticket sogar bis in den Bundestag geschafft haben. Da aber gelebte Demokratie nicht mit Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit zusammenpasst, ist die Anwesenheit der - wenn auch demokratisch gewählten - rechtspopulistischen AfD in den Parlamenten und in der Gesellschaft eigentlich ein Anachronismus.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Stuttgarter

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Stuttgarter » Di 4. Sep 2018, 17:05

Angenommen es gäbe Volksabstimmungen, wie in der Schweiz, und eine entsprechende Mehrheit würde sich dafür aussprechen alle Muslime nichtdeutscher Herkunft aus Deutschland auszuweisen, wäre das nach meinem Demokratieverständnis eine demokratische Entscheidung. Unser heutiger Rechtsstaat bliebe dabei natürlich außen vor.

Ich tue mich sehr schwer damit, wenn Medienvertreter und Politiker, die Altparteien angehören, einerseits von demokratischen Parteien (also Altparteien) sprechen, um andererseits unliebsame, neue Parteienkonkurrenz somit gleichzeitig als undemokratisch zu stigmatisieren. Das ist für mich unlauter! Eine Partei für sich genommen ist ja noch gar nichts. Erst die Wähler, die in freier Wahl dieser Partei ihre Stimme geben, legitimieren diese Partei. Und zwar demokratisch.
Benutzeravatar
odiug
Moderator
Beiträge: 10196
Registriert: Di 25. Sep 2012, 06:44

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon odiug » Di 4. Sep 2018, 17:23

MäckIntaier hat geschrieben:(04 Sep 2018, 08:35)

Da Stränge immer sehr schnell laufen und vieles untergeht, wiederholfe ich noch einmal meine Gedanken hierzu, denn eine Antwort darauf wäre sicher ein hilfreicher Beitrag zur Klärung.

Zunächst bedeutet Demokratie nichts als Herrschaft des Volkes. Wenn man nun davon ausgeht, dass diese Definition etwas knapp ist und es ferner unterschiedliche Vortellungen von Demokratie gibt, kann Ihr Gedanke so nur stimmen, wenn Ihre Vorstellung von Demokratie die richtige Vorstellung von Demokratie ist und andere, abweichende Vorstellungen falsch. Weshalb eine Vorstellung richtig oder falsch ist, lässt sich überprüfen, wenn Gründe genannt werden, warum eine Vorstellung richtig und eine andere falsch ist. Warum also schließen sich Demokratie und Fremdenfeindlichkeit selbstverständlich aus?

Schon die erste These ist falsch.
δημοκρατία, kommt aus dem griechischen und bedeutet zu deutsch ‚Herrschaft des Staatsvolkes' .
Demokratie hingegen ist ein deutsches Wort, das zwar abgeleitet aus dem alt-griechischen,aber dennoch was anderes bedeutet, als in Athen.
Wenn es dich interessiert was es wirklich bedeutet, dann lies hier nach :
https://www.gesetze-im-internet.de/gg/B ... 10949.html
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
Benutzeravatar
Neandertaler
Beiträge: 702
Registriert: Mi 25. Mär 2009, 09:28
Benutzertitel: neoliberalerSteinzeitkommunist

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Neandertaler » Di 4. Sep 2018, 17:54

Jekyll hat geschrieben:(04 Sep 2018, 07:02)
Nicht, wenn an der Behauptung, gewisse unappetitliche Sichtweisen seien mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen, etwas Wahres dran ist.
doch auch dann! Denn warum sollten sich die unapetilichen Sichtweisen dann nur in Abstimmungen nicht aber in Wahlen zeigen?


auch in Anbetracht der Tatsache, dass im Osten vor allem eine demokratische Kultur im Bewusstsein der Bevölkerung nicht sonderlich fest verankert

Wir haben fast dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung. War die demokratische Kultur um Westen in den siebzigern auch noch nicht fest Verankert? Wie kommst du darauf das die demokratische Kultur im Osten weniger verankert ist?


halte ich die Vorstellung, eine direkte Demokratie würde ganz andere Ergebnisse zeitigen, für gar nicht so absurd. In einer Sellvertreterdemokratie, in der an Schaltstellen der Macht nur Profis am Werken sind, die moralisch-ethisch ganz anderes aufgestellt sind als der eher Instinkt geleitete Mob auf der Straße,

Warum sollte der "Mob" sich Vertreter wählen die ganz andere moralisch ethnische Vorstellungen haben als er selber? Wieder warum sollte der "Mob" sich in Wahlen ganz anders Verhalten als in Abstimmungen?
(Im übrigen finde ich die Kategoriesierung des Wahlvolkes als Instinkt getrieben Mob in Gegensatz zu den Politikern als moralisch ethnische Profis ziemlich unglücklich)

Was ist hier "teilweise"? Entweder hat man eine uneingeschränkte, direkte Volldemokratie, oder eine bedingte Teildemokratie mit Abstrichen. Halb schwanger geht eigentlich nicht, wenn man im ursprünglichen Sinne des Wortes verbleiben will.


So einfach ist das nicht in der Praxis und der Teufel steht im Detail. Im Prinzip meine ich haben alle Bundesländer direkt demokratische Instrumente. Teilweise sind die aber thematisch eingeschränkt, oder das Qurom ist so hoch, oder die Möglichkeit der Unterschriftensammlung so eingeschränkt das diese Instrumente faktisch nicht nutzbar sind. Das ist dann wirklich von Bundesland zu Bundesland verschiedenen.
Ich bin linksliberal, ich habe mich testen lassen.
Benutzeravatar
Neandertaler
Beiträge: 702
Registriert: Mi 25. Mär 2009, 09:28
Benutzertitel: neoliberalerSteinzeitkommunist

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Neandertaler » Di 4. Sep 2018, 18:06

Selina hat geschrieben:(04 Sep 2018, 17:55) Da aber gelebte Demokratie nicht mit Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit zusammenpasst, ist die Anwesenheit der - wenn auch demokratisch gewählten - rechtspopulistischen AfD in den Parlamenten und in der Gesellschaft eigentlich ein Anachronismus.

Demokratie lebt von unterschiedlichen Vorstellungen auch ethischer Natur. Unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen auch solche die denn eigenen Wiedersprechen sind darum keine Anachronismus sondern eine Selbstverständlichkeit in einer Demokratie.

Nur in einer sehr homogene Gesellschaft oder eine undemoktratisch und unfreien Gesellschaft wäre ohne diese Wiedersprüche denkbar.

Und ja natürlich kann mann autokratisch fremdenfreundlich sein, wie auch demokratisch fremdenfeindlich und umgekehrt natürlich.
Ich bin linksliberal, ich habe mich testen lassen.
Uffzach
Beiträge: 1553
Registriert: Mo 28. Aug 2017, 21:21

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Uffzach » Di 4. Sep 2018, 19:08

Da wo ich in Bayern aufgewachsen bin, bekommt man die Fremdenfeindlichkeit mit der Muttermilch verabreicht. Das Leben war karg und ärmlich und jeder Fremde stellt potentiell jemand dar, der dir von dem, was eh hinten und vorn nicht reicht, noch was streitig machen könnte. Naja, vielleicht wäre "Fremdenskepsis" besser, aber da man eh die Zeit nicht hatte, sich mit Fremden auseinanderzusetzen, hat man sie einfach abgelehnt, weil das Zeit gespart hat. Ich seh gar nicht ein, warum ich das, was mein Stamm mir auf jahrhundertelange Erfahrung beruhend überliefert hat, ablehnen sollte.
Also Fremdenfeindlichkeit hat mit dem Überlebenskampf zu tun, die Frage, ob die nun demokratisch ist oder nicht, ist wohl so ein abgehobener Hirnfurz.
Benutzeravatar
MäckIntaier
Beiträge: 1079
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 10:21
Wohnort: Auch

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon MäckIntaier » Di 4. Sep 2018, 19:36

odiug hat geschrieben:(04 Sep 2018, 18:23)

Schon die erste These ist falsch.
δημοκρατία, kommt aus dem griechischen und bedeutet zu deutsch ‚Herrschaft des Staatsvolkes' .
Demokratie hingegen ist ein deutsches Wort, das zwar abgeleitet aus dem alt-griechischen,aber dennoch was anderes bedeutet, als in Athen.
Wenn es dich interessiert was es wirklich bedeutet, dann lies hier nach :
https://www.gesetze-im-internet.de/gg/B ... 10949.html


Sind Sie sicher, dass man in Athen von einem Staatsvolk gesprochen bzw. ein solches gemeint hatte? Der Begriff Staat scheint ja doch jüngeren Datums als die Athener Demokratie. Wiki hat seine Grenzen, was die Verdienste der Plattform nicht schmälern soll.

Allerdings war diese "falsche" Anfangsbemerkung, an der Sie sich stören, nicht die Hauptsache. Wichtiger wäre, was am Rest zu beanstanden wäre, der da stand.
If voting made any difference they wouldn't let us do it. (Mark Twain)
Benutzeravatar
MäckIntaier
Beiträge: 1079
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 10:21
Wohnort: Auch

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon MäckIntaier » Mi 5. Sep 2018, 09:37

Stuttgarter hat geschrieben:(04 Sep 2018, 18:05)

Angenommen es gäbe Volksabstimmungen, wie in der Schweiz, und eine entsprechende Mehrheit würde sich dafür aussprechen alle Muslime nichtdeutscher Herkunft aus Deutschland auszuweisen, wäre das nach meinem Demokratieverständnis eine demokratische Entscheidung. Unser heutiger Rechtsstaat bliebe dabei natürlich außen vor.


Wenn Sie dem reinen Mehrheitsprinzip wie inder klassischen griechischen Demokratie folgen, dann stimmt das. Diese Befragung würde natürlich schon im Vorfeld aus verfassungsrechtlichen Gründen scheitern.

Stuttgarter hat geschrieben:(04 Sep 2018, 18:05)
Ich tue mich sehr schwer damit, wenn Medienvertreter und Politiker, die Altparteien angehören, einerseits von demokratischen Parteien (also Altparteien) sprechen, um andererseits unliebsame, neue Parteienkonkurrenz somit gleichzeitig als undemokratisch zu stigmatisieren. Das ist für mich unlauter! Eine Partei für sich genommen ist ja noch gar nichts. Erst die Wähler, die in freier Wahl dieser Partei ihre Stimme geben, legitimieren diese Partei. Und zwar demokratisch.


"Undemokratisch" in diesem Zusammenhang ist nicht als politische Kategorie zu verstehen, sondern als moralische. Überall dort, wo die inhaltliche Auseinandersetzung nicht geführt wird, braucht es ein Surrogat. Das ist der Kern fast aller Auseinandersetzungen moderner Politik. Nur deshalb klappt auch die Facebookisierung aller Politik.
If voting made any difference they wouldn't let us do it. (Mark Twain)
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11872
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 5. Sep 2018, 09:48

Uffzach hat geschrieben:(04 Sep 2018, 20:08)
Da wo ich in Bayern aufgewachsen bin, bekommt man die Fremdenfeindlichkeit mit der Muttermilch verabreicht. Das Leben war karg und ärmlich und jeder Fremde stellt potentiell jemand dar, der dir von dem, was eh hinten und vorn nicht reicht, noch was streitig machen könnte.

Ja, nun ist aber das Leben in Bayern nicht mehr karg und ärmlich. Ebensowenig wie in Sachsen. Es gibt keine unüberschreitbaren Gegebenheiten. Weder für eine Gruppe von Menschen wie "Bayern" oder "Sachsen" (oder "Muslime") noch für irgendeinen einzelnen Menschen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Stuttgarter

Re: Gibt es demokratische Fremdenfeindlichkeit nicht?

Beitragvon Stuttgarter » Mi 5. Sep 2018, 09:55

MäckIntaier hat geschrieben:(05 Sep 2018, 10:37)

Überall dort, wo die inhaltliche Auseinandersetzung nicht geführt wird, braucht es ein Surrogat. Das ist der Kern fast aller Auseinandersetzungen moderner Politik. Nur deshalb klappt auch die Facebookisierung aller Politik..


Wie lange mag es noch gutgehen sich einer inhaltlichen Auseinandersetzung zu verweigern? Es ist doch offensichtlich, dass sich etwas gegen viele Widerstände weiter etabliert. Wir haben es aber nicht nur mit Chemnitz oder Deutschland zu tun, es ist eine europaweite Entwicklung. Am Sonntag sind in Schweden Wahlen und die Umfragewerte sind sehr eindeutig. Es wird etwas salonfähig, was wir eigentlich für ausgestorben hielten.

Zurück zu „2. Innenpolitik - Verfassung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste