Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

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conscience
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon conscience » Mi 12. Sep 2018, 19:33

DerExperte hat geschrieben:(10 Sep 2018, 22:50)

[...]Die AfD ist keine Partei, deren Programmatik unvereinbar mit einer Tätigkeit als Beamter ist. Sie hat einige Freaks und auch Rechtsextreme dabei, ihre Ausrichtung ist allerdings in ihrer Gesamtheit nationalkonservativ. Hinzu kommt, dass gerade im Sicherheitsapparat nun mal oft nationalkonservative Personen arbeiten. Das war immer so, denn dieser Bereich verlangt schon vom Prinzip her eine starke Identifikation mit diesem Staat. [...] Bei Anwälten wiederum sehe ich nun gar keinen Anlass für eine Pflicht zu irgendeiner Neutralität. Das ist ein freier Beruf, diese Personen sind nicht Angestellte des Staates. Was du dir vorstellst, käme dann z. B. für studierte Juristen, die AfD-Mitglieder sind, einem Berufsverbot gleich. Das würde vor dem EGMR aber sowas von gekippt werden...


Also was deine Ausführungen zur neo-faschistischen AfD angeht, muss man meiner Meinung nach anderer Meinung sein. :D

Solche Begriffe wie nationalkonservativ oder Konservative Revolution haben ihre Unschärfen und sind den rechtsextremistischen Ideologien benachbart, teilweise sind die Übergänge fließend und wenn deine Ausführungen zu diesem Punkt richtig sind, dann schreit das förmlich nach einer Säuberung von der Demokratie feindlich gesinnten Elementen im bundesdeutschen Sicherheitsappart. Sie identifizieren sich dann eindeutig m.E. mit dem falschen Staat!! Wenn ein Anwalt nicht verfassungtreu ist, sollte er kein Anwalt sein. Und zum möglichen Einspruch beim EGMR würde ich sagen, sofern es nach mir ginge, wer seit ihr, wer bezahlt euch mit seinen Steuern — dann singt entweder mein Lied oder schert euch zum Teufel.
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon conscience » Mi 12. Sep 2018, 19:38

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(12 Sep 2018, 12:19)

Die bisherigen Gesetze reichen völlig aus, um am Einzelfall begründet Lehrer, Polizisten, usw rauszufischen.



Erstmal sind das m.E. keine Einzelfälle (da kann man auch anderer Meinung zu sein) und was sich in dem 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bewährt hat, wird sich auch heute bewähren.

Meine Meinung ist, wir gehen zu lasch mit der neo faschistischen AfD und deren Gesinnungsgenossen im Beamtenapparat sowie anderen rechtsextremen Vereinen und Gruppierungen bzw. deren Mitglieder um.
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 12. Sep 2018, 19:55

conscience hat geschrieben:(12 Sep 2018, 20:38)

Erstmal sind das m.E. keine Einzelfälle (da kann man auch anderer Meinung zu sein) und was sich in dem 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bewährt hat, wird sich auch heute bewähren.

Meine Meinung ist, wir gehen zu lasch mit der neo faschistischen AfD und deren Gesinnungsgenossen im Beamtenapparat sowie anderen rechtsextremen Vereinen und Gruppierungen bzw. deren Mitglieder um.

Ich bin da anderer Meinung. Die Mitgliedschaft in einer Partei stellt für sich genommen keine Handlung dar, die ein Problem wäre. Es ist die individuelle Äußerung oder Tätigkeit, die problematisch ist.
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon DerExperte » Mi 12. Sep 2018, 20:07

conscience hat geschrieben:(12 Sep 2018, 20:33)

Also was deine Ausführungen zur neo-faschistischen AfD angeht, muss man meiner Meinung nach anderer Meinung sein. :D

Solche Begriffe wie nationalkonservativ oder Konservative Revolution haben ihre Unschärfen und sind den rechtsextremistischen Ideologien benachbart, teilweise sind die Übergänge fließend und wenn deine Ausführungen zu diesem Punkt richtig sind, dann schreit das förmlich nach einer Säuberung von der Demokratie feindlich gesinnten Elementen im bundesdeutschen Sicherheitsappart. Sie identifizieren sich dann eindeutig m.E. mit dem falschen Staat!! Wenn ein Anwalt nicht verfassungtreu ist, sollte er kein Anwalt sein. Und zum möglichen Einspruch beim EGMR würde ich sagen, sofern es nach mir ginge, wer seit ihr, wer bezahlt euch mit seinen Steuern — dann singt entweder mein Lied oder schert euch zum Teufel.


Genauso, wie der demokratische Sozialismus der Linken in Linksextremismus und Kommunismus übergeht, und wie viele von uns hatten deswegen schon schlaflose Nächte, seitdem die Linke oder die PDS im Bundestag sitzen ;) . Im Übrigen war eine große Mehrheit der Attentäter vom 20. Juli 1944 zuvor Mitglieder in der DNVP (Deutschnationale Volkspartei) gewesen, welche DIE Partei des Nationalkonservatismus in Weimar war. Diese Leute, die als einzige Wehrmachtssoldaten traditionswürdig für die Bundeswehr sind, hier somit gleichsam als unmoralisch darzustellen, wirkt doch etwas übertrieben. Die DP (Deutsche Partei) war in der Nachkriegszeit als nationalkonservative Partei von 1949 bis in die 60er an allen Bundesregierungen beteiligt. "Säuberungen" zu fordern, ist letztlich einfach nur noch Rhetorik aus totalitären Systemen und wer sowas fordert, outet sich selbst als Feind der Demokratie und des Rechtsstaats. Du wirfst mit dem Begriff Verfassungstreue um dich, erkennst aber selbst nicht, dass Nationalkonservatismus verfassungstreu ist und im Gegenteil deiner Forderung nach Säuberungen ein verschrobenes Verständnis unserer Verfassung zugrunde liegt. Da du aber auch die Unabhängigkeit der dritten Gewalt in deinem Verfolgungswahn in Zweifel ziehst und eine Rückbesinnung zum "gesundem Volksempfinden" wie im Nationalsozialismus forderst, dürfte meine Einschätzung, dass eher deine Ansicht verfassungsfeindlich ist, so falsch nicht liegen ;) .
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon conscience » Mi 12. Sep 2018, 21:06

Man kann die Rolle der DNVP auch beschönigen, man kann diese Partei aber auch (und das nicht nur polemisch sondern auch wissenschaftlich) zu den Vorläufern des Faschismus zählen. Ob die große Mehrheit der Attentäter des 20.07.1944 zur DNVP zu zählen ist, kann ich nicht sagen, aber der Kreis der Verschwörer war weit gesteckt — von ganz Rechts (inklusive NSDAP Mitglieder) bis weit nach Links (in die Randbereiche der KPD). Aber wenn dem so ist, dann sind die Leute der DNVP mit ihrer Verantwortung um 1932/3 sehr leichtfertig umgegangen und haben eine Menge Schuld auf sich genommen und sie und ihre politischen Nachfolger von heute haben sich nicht für eine Regierungsverantwortung qualifiziert und die Geschichte offenbart, dass es eben jene rechts-national-konservativen politischen Bewegungen sind, die ihre Verfassungstreue nur allzugleich vergessen.

Übrigens es gelingt Ihnen nicht, mir Verfolgungswahn zu attestieren, also unterlassen Sie bitte persönliche Einschätzungen meiner Petson und Ihre Auslassung, dass ich eine Rückbesinnung auf das gesunde Volksempfinden fordere und damit eine Nähe zum historischen Nationalsozialismus zeige, hilft Ihnen doch auch nicht weiter, jeder kann das nämlich hier nachlesen und das belegt doch nur, dass Sie mit ihrer Verteidigung und Rechtfertigung des national-konservativen Lagers nicht so Recht weiterkommen.

Die AfD bekommt jetzt staatlicherseit ein wenig Druck und das ist auch gut so :thumbup:

Ich wünsche Ihnen noch was und Grüße Sie
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 12. Sep 2018, 21:17

conscience hat geschrieben:(12 Sep 2018, 22:06)

Man kann die Rolle der DNVP auch beschönigen, man kann diese Partei aber auch (und das nicht nur polemisch sondern auch wissenschaftlich) zu den Vorläufern des Faschismus zählen.

Ich denke, das ist so nicht richtig. Die DNVP war ein Konkurrent der NSDAP mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Beide gehörten dem rechten Lager an, beide waren ausgesprochen antisemitische Parteien. Die DNVP war nicht durchgehend republikfeindlich, obwohl sie auch starke Parteigänger der Monarchie in ihren Reihen hatte. Diese Partei war immerhin bis weit in die 20er hinein lokal mehrheitsfähig.
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon conscience » Mi 12. Sep 2018, 21:45

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(12 Sep 2018, 22:17)

Ich denke, das ist so nicht richtig. Die DNVP war ein Konkurrent der NSDAP mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Beide gehörten dem rechten Lager an, beide waren ausgesprochen antisemitische Parteien. Die DNVP war nicht durchgehend republikfeindlich, obwohl sie auch starke Parteigänger der Monarchie in ihren Reihen hatte. Diese Partei war immerhin bis weit in die 20er hinein lokal mehrheitsfähig.


Sie bestätigen mich doch gerade mit ihren Argumenten. Siehe meine Hervorhebungen.

Konkurrenz im politischen Leben bedeutet doch gar nichts, zumal die DNVP die NSDAP groß und stark gemacht hat.
Mehrheitsfähig heißt nicht unbedingt demokratisch, siehe die AfD.
Nicht durchgängig republikfeindlich heißt: das kostenlose Reichsbahnticket hat man gerne mitgenommen.
Und die Abgeordneten der AfD dürfen auch kostenlos Bahn fahren.

Und da gab es noch so was wie den Stahlhelm, die Harzburger Front, einen Herren Hugenberg usw. usf.
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Re: Jetzt hat Deutschland auch seine McCarthy-Ära

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 12. Sep 2018, 21:56

conscience hat geschrieben:(12 Sep 2018, 22:45)

Sie bestätigen mich doch gerade mit ihren Argumenten. Siehe meine Hervorhebungen.

Konkurrenz im politischen Leben bedeutet doch gar nichts, zumal die DNVP die NSDAP groß und stark gemacht hat.

Das ist eine Interpretation. Sicher hat die Kooperation der DNVP mit der NSDAP in der späteren Phase sehr geholfen, die NSDAP schließlich an die Regierung zu bringen. Die Hauptverantwortung sehe ich aber vor allem in den frühen Jahren und bei der SPD, die in den meisten Regierungen eingebunden war und sich nicht zu einem konsequenten Verbot von bewaffneten Straßenkampfverbänden, Freikorps, der NSDAP usw durchringen konnte.

Mehrheitsfähig heißt nicht unbedingt demokratisch, siehe die AfD.

Das ist richtig, jedoch war die NSDAP zu dieser Zeit bis weit in die 20er praktisch eine Splitterpartei - es stellt einen Unterschied dar. Die DNVP vertrat sowohl Kreise, die sehr anschlußfähig an die NSDAP waren als auch solche, die sich mit ihr nie arrangieren wollten - bis zur Selbstauflösung und darüber hinaus.

Nicht durchgängig republikfeindlich heißt: das kostenlose Reichsbahnticket hat man gerne mitgenommen.

Nein, während die DNVP ganz am Anfang und am Ende ihrer Zeit republikfeindlich auftrat, war sie dazwischen über weite Strecken eine weit rechte Partei, die koalitionsfähig blieb und die Republik als solche nicht aktiv in Frage stellte.

Und da gab es noch so was wie den Stahlhelm, die Harzburger Front, einen Herren Hugenberg usw. usf.

Alles richtig, jedoch kein Alleinstellungsmerkmal. Die Sozialisten, Zentrum, Kommunisten, NSDAP, alle hatten ihre Kampfverbände. Keine Reichsregierung hat damit wirklich aufgeräumt. Das war ein Problem.
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