Neue, linke "Sammlungsbewegung".

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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon schokoschendrezki » Do 16. Aug 2018, 14:54

Unabhängig von der politischen Ausrichtung: Diese sogenannte "Bewegung" wird durchgängig von absoluten, hartgesottenen Politprofis organisiert. Merkt man das denn nicht? Das ist doch falsch und eine durchsichtige PR-Kampagne bis zum geht-nicht-mehr. Oskar Lafontaine gründet eine "Bewegung". Ein Graswurzelgefühl soll aufkommen. Ich fasse es nicht!

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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Misterfritz » Do 16. Aug 2018, 15:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Aug 2018, 15:54)

Unabhängig von der politischen Ausrichtung: Diese sogenannte "Bewegung" wird durchgängig von absoluten, hartgesottenen Politprofis organisiert. Merkt man das denn nicht? Das ist doch falsch und eine durchsichtige PR-Kampagne bis zum geht-nicht-mehr. Oskar Lafontaine gründet eine "Bewegung". Ein Graswurzelgefühl soll aufkommen. Ich fasse es nicht!
Da kommt auch nix mehr (auf) - oder sind die Massen schon aufgestanden?
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Selina » Fr 17. Aug 2018, 06:01

Falls es jemanden interessiert: Ich finde es immer recht spannend und auch fair, den Verursacher einer Kontroverse selbst zu fragen, wie er dieses oder jenes meint, seine Positionen zu hinterfragen, statt ihn sofort in Acht und Bann zu schlagen. Daher ist das Interview recht aufschlussreich, finde ich:

https://www.neues-deutschland.de/artike ... etzen.html
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon imp » Fr 17. Aug 2018, 06:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Aug 2018, 15:54)

Unabhängig von der politischen Ausrichtung: Diese sogenannte "Bewegung" wird durchgängig von absoluten, hartgesottenen Politprofis organisiert. Merkt man das denn nicht? Das ist doch falsch und eine durchsichtige PR-Kampagne bis zum geht-nicht-mehr. Oskar Lafontaine gründet eine "Bewegung". Ein Graswurzelgefühl soll aufkommen. Ich fasse es nicht!

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Es ist nicht verkehrt, dass sich erfahrene Politiker an der Spitze einer Bewegung finden. Die können reden, die wissen auch, was man nicht sagt. Jedoch gefällt diese Bewegungen vielen nicht und das ist auch verständlich.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 17. Aug 2018, 07:45

Selina hat geschrieben:(17 Aug 2018, 07:01)

Falls es jemanden interessiert: Ich finde es immer recht spannend und auch fair, den Verursacher einer Kontroverse selbst zu fragen, wie er dieses oder jenes meint, seine Positionen zu hinterfragen, statt ihn sofort in Acht und Bann zu schlagen. Daher ist das Interview recht aufschlussreich, finde ich:

https://www.neues-deutschland.de/artike ... etzen.html

Das ist allerdings von März und enthält halt bekannte Positionen bezüglich Sozialabbau, Waffenexporte usw. und Bezugnahmen auf politische Bewegungen wie die gegenwärtig in Frankreich oder Italien.

Das was auf aufstehen.de zu sehen ist ... das sind professionell gemachte Videos, null Inhalte, eine Ankündigungsinszenierung als ginge es um ein neues Apple-Produkt ... und das soll nun eine "Bewegung", also etwas von untern gewachsenes sein? Entschuldigung, aber das ist eine Inszenierung komplett "von oben".
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon DarkLightbringer » Fr 17. Aug 2018, 07:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Aug 2018, 15:16)

"Wagontaine" ... kannte ich noch gar nicht. Was in dem verwiesenen FAZ-Artikel aus meiner Sich schon richtig dargestellt wird: Der Angriff auf die repräsentative Demokratie. Nach dem Motto "Das Volk sammelt sich, steht auf und weist den Regierenden selbst den weg." Parlament? Brauchen wir nicht.

Es ist vor allem ein weiterer Vorstoß gegen die SPD. Vielleicht ist ja kein Zufall, dass nun just Politiker der Union öffentlich über Gespräche nachdenken - vor allem im Hinblick auf die kommenden Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen. Dort sind AfD und Linke besonders stark.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Selina » Fr 17. Aug 2018, 09:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Aug 2018, 08:45)

Das ist allerdings von März und enthält halt bekannte Positionen bezüglich Sozialabbau, Waffenexporte usw. und Bezugnahmen auf politische Bewegungen wie die gegenwärtig in Frankreich oder Italien.

Das was auf aufstehen.de zu sehen ist ... das sind professionell gemachte Videos, null Inhalte, eine Ankündigungsinszenierung als ginge es um ein neues Apple-Produkt ... und das soll nun eine "Bewegung", also etwas von untern gewachsenes sein? Entschuldigung, aber das ist eine Inszenierung komplett "von oben".


Das Vorbild, die französische Bewegung La France insoumise, wurde auch von einem einzelnen Politiker, von Jean-Luc Mélenchon, gegründet. Aber selbstverständlich müsste die deutsche Initiative dann ebenfalls mal an Fahrt gewinnen und Bewegungscharakter annehmen. Daher sagen Wagenknecht und Lafontaine ja auch, dass man nur wenige Eckpunkte zur Diskussion gestellt habe, die eigentliche Programmatik dann aber erst ab dem 4. September (offizielles Gründungsdatum) von den aktiven Mitstreitern erarbeitet werden könnte/sollte. Da wird dann erst mal inhaltlich gestritten. Wobei logischerweise noch völlig offen ist, was dabei rauskommt. Das gilts halt abzuwarten.

Außerdem - falls ich das richtig verstanden habe - gehörst du doch zu denjenigen, die sich sowieso nie einer Bewegung anschließen würden, ob nun von unten oder von oben initiiert. Und so denken halt viele. Ich selbst hätte auch ein paar Einwände gegen den Ansatz von Wagenknecht, wie ich weiter oben schon mehrfach schrieb. Dennoch halte ich eine linke oder linksliberale (liberal hier im Sinne von aufgeklärt, freidenkerisch, freigeistig, tolerant, vorurteilsfrei) temporäre Bewegung in Deutschland, die der Neuen Rechten und auch dem Neoliberalismus etwas Deutliches entgegensetzt, und das parteienübergreifend, für enorm wichtig. Da es im Moment in Deutschland als Bewegungs-Initiative nur dieses "aufstehen" gibt, hat man halt keine Alternativen. Und auch, wenn man politisch nicht hundertprozentig mit bestimmten Inhalten übereinstimmt, bleibt die Aktion selbst immer noch äußerst wichtig. Mir ist die abwartende Beobachterposition angesichts eines möglichen neuen Faschismus zu passiv. Auch dazu gibt es bekanntlich Parallelen in der Geschichte.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 17. Aug 2018, 10:09

Selina hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:40)

Das Vorbild, die französische Bewegung La France insoumise, wurde auch von einem einzelnen Politiker, von Jean-Luc Mélenchon, gegründet. Aber selbstverständlich müsste die deutsche Initiative dann ebenfalls mal an Fahrt gewinnen und Bewegungscharakter annehmen. Daher sagen Wagenknecht und Lafontaine ja auch, dass man nur wenige Eckpunkte zur Diskussion gestellt habe, die eigentliche Programmatik dann aber erst ab dem 4. September (offizielles Gründungsdatum) von den aktiven Mitstreitern erarbeitet werden könnte/sollte. Da wird dann erst mal inhaltlich gestritten. Wobei logischerweise noch völlig offen ist, was dabei rauskommt. Das gilts halt abzuwarten.

Außerdem - falls ich das richtig verstanden habe - gehörst du doch zu denjenigen, die sich sowieso nie einer Bewegung anschließen würden, ob nun von unten oder von oben initiiert.

:p Da muss ich - wie vielleicht andere auch - vor allem sofort an einen bestimmten deutschen Popklassiker der "Hamburger Schule" aus den 90ern denken.

Und so denken halt viele. Ich selbst hätte auch ein paar Einwände gegen den Ansatz von Wagenknecht, wie ich weiter oben schon mehrfach schrieb. Dennoch halte ich eine linke oder linksliberale (liberal hier im Sinne von aufgeklärt, freidenkerisch, freigeistig, tolerant, vorurteilsfrei) temporäre Bewegung in Deutschland, die der Neuen Rechten und auch dem Neoliberalismus etwas Deutliches entgegensetzt, und das parteienübergreifend, für enorm wichtig. Da es im Moment in Deutschland als Bewegungs-Initiative nur dieses "aufstehen" gibt, hat man halt keine Alternativen. Und auch, wenn man politisch nicht hundertprozentig mit bestimmten Inhalten übereinstimmt, bleibt die Aktion selbst immer noch äußerst wichtig. Mir ist die abwartende Beobachterposition angesichts eines möglichen neuen Faschismus zu passiv. Auch dazu gibt es bekanntlich Parallelen in der Geschichte.


Es hat sich beginnend mit den 70ern ein grundlegender Wandel in dem Phänomen vollzogen, das mit "Neue Soziale Bewegungen" bezeichnet wird. Es gibt eine ganze Reihe von Artikeln dazu. Tea Party und Pegida gehören auch zu den NSBs. Ich sehe einfach das Problem, dass der "Bewegungs"-Gedanke selbst und unabhängig von der ausformulierten politischen Botschaft systemisch und unvermeidbar identitäre und damit rechte oder zumindest antiliberale Züge trägt.

Und die Liste der im Laufe der letzten Dekaden zusammengekommenen Missbräuche und Enttäuschungen - vor allem im Zusammenhang mit diesen sogenannten Nationalen Befreiungsbewegungen - ist so lang und schwerwiegend, dass da Ablehnung nicht weiter verwundern sollte.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Selina » Fr 17. Aug 2018, 10:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Aug 2018, 11:09)

:p Da muss ich - wie vielleicht andere auch - vor allem sofort an einen bestimmten deutschen Popklassiker der "Hamburger Schule" aus den 90ern denken.



Es hat sich beginnend mit den 70ern ein grundlegender Wandel in dem Phänomen vollzogen, das mit "Neue Soziale Bewegungen" bezeichnet wird. Es gibt eine ganze Reihe von Artikeln dazu. Tea Party und Pegida gehören auch zu den NSBs. Ich sehe einfach das Problem, dass der "Bewegungs"-Gedanke selbst und unabhängig von der ausformulierten politischen Botschaft systemisch und unvermeidbar identitäre und damit rechte oder zumindest antiliberale Züge trägt.

Und die Liste der im Laufe der letzten Dekaden zusammengekommenen Missbräuche und Enttäuschungen - vor allem im Zusammenhang mit diesen sogenannten Nationalen Befreiungsbewegungen - ist so lang und schwerwiegend, dass da Ablehnung nicht weiter verwundern sollte.


Mit dieser Einschätzung bist du ja nicht alleine, siehe Wolfssohn und Tichys Einblick und dergleichen mehr. Mir sind diese Leute aber selbst ziemlich suspekt, was ihre Nähe zum Rechtspopulismus anbelangt. Deshalb bin ich da sehr vorsichtig mit solchen Vergleichen wie "identitär" und "antiliberal". Denn auch, wenn das hier gelegentlich stark moniert wird, gehöre ich zu denjenigen, die sehr genau darauf schauen, wer wann und warum etwas sagt und schreibt ;) Was allerdings den Begriff "Bewegung" selbst anbelangt, ja, der hat schon ein gewisses Gschmäckle. Bei den Franzosen sicher nicht, aber in Deutschland...
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon MäckIntaier » Fr 17. Aug 2018, 11:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Aug 2018, 11:09)

Es hat sich beginnend mit den 70ern ein grundlegender Wandel in dem Phänomen vollzogen, das mit "Neue Soziale Bewegungen" bezeichnet wird. Es gibt eine ganze Reihe von Artikeln dazu. Tea Party und Pegida gehören auch zu den NSBs. Ich sehe einfach das Problem, dass der "Bewegungs"-Gedanke selbst und unabhängig von der ausformulierten politischen Botschaft systemisch und unvermeidbar identitäre und damit rechte oder zumindest antiliberale Züge trägt.



Das stimmt nur im Hinblick auf antiliberal, im Bezug auf identitär nur bedingt. Der Schlüsselbegriff der Bewegungen der 60 oder 70er war "Avantgarde". So lautete das Selbstverständnis der unterschiedlichen Bewegungen. Die außerparlamentarische Opposition war kein rechtes Kind. Ein spürbarer Pendelausschlag nach rechts ist ein neueres Phänomen, trotz Tea Party oder Haider, die beide auf parlamentarische Mehrheiten setzten.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Misterfritz » Fr 17. Aug 2018, 12:58

Selina hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:40) Aber selbstverständlich müsste die deutsche Initiative dann ebenfalls mal an Fahrt gewinnen und Bewegungscharakter annehmen.

Naja, es scheint sich aber nichts in Bewegung zu setzen oder gar Fahrt aufzunehmen.
Und der Vergleich zu Frankreich hinkt in vielerlei Hinsicht:
1. Geht es Deutschland wirtschaftlich erheblich besser als Frankreich.
2. Haben die Franzosen einen Präsidenten gewählt, der ziemlich viele Kompetenzen hat. Wir wählen ja im Prinzip nicht mal den/die Kanzler/in.
3. Sind Proteste oder auch Streiks in Frankreich ungleich gewalttätiger.
Und so weiter ....
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 18. Aug 2018, 11:07

MäckIntaier hat geschrieben:(17 Aug 2018, 12:35)

Das stimmt nur im Hinblick auf antiliberal, im Bezug auf identitär nur bedingt. Der Schlüsselbegriff der Bewegungen der 60 oder 70er war "Avantgarde". So lautete das Selbstverständnis der unterschiedlichen Bewegungen. Die außerparlamentarische Opposition war kein rechtes Kind. Ein spürbarer Pendelausschlag nach rechts ist ein neueres Phänomen, trotz Tea Party oder Haider, die beide auf parlamentarische Mehrheiten setzten.


Dieser Pendelausschlag nach rechts bei neueren "Bewegungen" - davon lese ich interessiert, meist angewidert aber eher persönlich unbeteiligt in verschiedenen Zeitungsartikeln. Was in irgendeiner Art linke - oder eigentlich besser - sich "links" mal irgendwann gebende - Bewegungen anbelangt ... die Desillusionierung könnte kaum umfassender sein.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 18. Aug 2018, 11:32

Und wo ist Mélenchon jetzt ?

In Frankreich hat sich ein Teil der Sozialisten Emmanuel Macrons Bewegung En Marche angeschlossen, um den fremdenfeindlichen Untertönen von Jean-Luc Mélenchon und seiner Bewegung La France insoumise (Unbeugsames Frankreich) zu entgehen, die Wagenknecht als ihr Vorbild bezeichnet.
https://www.zeit.de/2018/34/sahra-wagen ... -aufstehen

Inhaltlich ist Mélenchon EU-Gegner, sympathisiert mit illiberalen Führungspersönlichkeiten und mit der Besatzungsmacht auf der Krim.
Vergleichbares "leistet" sich auch unsere AfD.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon MäckIntaier » Sa 18. Aug 2018, 11:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Aug 2018, 12:07)

Dieser Pendelausschlag nach rechts bei neueren "Bewegungen" - davon lese ich interessiert, meist angewidert aber eher persönlich unbeteiligt in verschiedenen Zeitungsartikeln. Was in irgendeiner Art linke - oder eigentlich besser - sich "links" mal irgendwann gebende - Bewegungen anbelangt ... die Desillusionierung könnte kaum umfassender sein.


Dem Desillusionierungsgedanken stimme ich zu. Selbst die beste Idee verkommt in der Praxis der Machtausübung an irgendeinem Punkt ihrer Wirkungsgeschichte zum reinen Symbol. Einen Ausweg gibt es jedoch nicht, der Mensch mag für dieses und jenes geschaffen sein, Stillstand gehört nicht dazu. Eine Ausnahme waren und sind allenfalls die geschlossenen Gesellschaften mit animistischen Weltbildern, aber die halten dem externen Druck nicht stand.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 18. Aug 2018, 11:44

Der Erfolg von Macrons "En Marche" - was ja auch eine Art Bewegung ist - lag u. a. daran, die klassischen Linksrechtsmuster zu durchbrechen. Alle wirklich wichtigen Grundthemen, so hatte mal Macron dargelegt, sind in den demokratischen Parteien selbst umstritten. Ausnahmslos.

Der moderne Unterschied besteht vielleicht eher in den Kategorien liberalprogressiv und populistisch.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Selina » Sa 18. Aug 2018, 11:55

Sehr interessante Betrachtung zur linken Sammlungsbewegung, in der es um die wichtige Aufgabe in der Demokratie geht, das Primat der Politik zurückzuerobern. Denn was seit Jahrzehnten die Politik bestimmt, sind das Kapital, die Wirtschaft und die Finanzwelt, kurz: Es herrscht das Primat der Ökonomie. Und das mit all den Folgen, die jeder täglich sehen kann (Anwachsen des Prekariats, des Niedriglohnbereichs, wachsende Kluft Arm-Reich, Leben der einen Hälfte auf Kosten der anderen sowie schleichende Zerfallsprozesse in den demokratischen Institutionen, wie hier schon oft moniert worden ist... etcpp):

https://www.neues-deutschland.de/artike ... obern.html
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon KarlRanseier » Sa 18. Aug 2018, 12:05

Selina hat geschrieben:(18 Aug 2018, 12:55)

Sehr interessante Betrachtung zur linken Sammlungsbewegung, in der es um die wichtige Aufgabe in der Demokratie geht, das Primat der Politik zurückzuerobern. Denn was seit Jahrzehnten die Politik bestimmt, sind das Kapital, die Wirtschaft und die Finanzwelt, kurz: Es herrscht das Primat der Ökonomie. Und das mit all den Folgen, die jeder täglich sehen kann (Anwachsen des Prekariats, des Niedriglohnbereichs, wachsende Kluft Arm-Reich, Lebens der einen Hälfte auf Kosten der anderen sowie schleichende Zerfallsprozesse in den demokratischen Institutionen, wie hier schon oft moniert worden ist... etcpp):

https://www.neues-deutschland.de/artike ... obern.html



Kapitalismus bedeutet, dass Menschen durch den Besitz an Produktionsmitteln in die Lage kommen, auf Kosten Anderer zu leben, also andere Menschen für sich arbeiten zu lassen und daraus satte Gewinne zu ziehen.

Die Mehrheit profitiert also viel weniger oder gar nicht von der Steigerung der Produktivität, oft genug leidet sie sogar darunter. Gäbe es ein Primat der Politik, so wäre ein solches System keinen einzigen Tag überlebensfähig, weil sich niemals eine Mehrheit freiwillig von einer kleinen Minderheit tyrannisieren lassen würde.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon MäckIntaier » Sa 18. Aug 2018, 12:15

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Aug 2018, 12:44)

Der Erfolg von Macrons "En Marche" - was ja auch eine Art Bewegung ist - lag u. a. daran, die klassischen Linksrechtsmuster zu durchbrechen. Alle wirklich wichtigen Grundthemen, so hatte mal Macron dargelegt, sind in den demokratischen Parteien selbst umstritten. Ausnahmslos.

Der moderne Unterschied besteht vielleicht eher in den Kategorien liberalprogressiv und populistisch.


Das sollte man eher als zwei unterschiedliche Kategorien betrachten. DIe Ideologien sind ihrer theoretischen Grundgedanken wegen sicher in unterschiedlichem Maße anfällig für Populismus, aber gerade Macron zeigt, dass Populismus als Methode der Machteroberung von allen eingesetzt werden kann. Wer Bewegung sagt, sagt immer auch Populismus, und der ist auch nicht per se schlecht, sondern das richtet sich nach dem, wofür er eingesetzt wird.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Selina » Sa 18. Aug 2018, 12:17

KarlRanseier hat geschrieben:(18 Aug 2018, 13:05)

Kapitalismus bedeutet, dass Menschen durch den Besitz an Produktionsmitteln in die Lage kommen, auf Kosten Anderer zu leben, also andere Menschen für sich arbeiten zu lassen und daraus satte Gewinne zu ziehen.

Die Mehrheit profitiert also viel weniger oder gar nicht von der Steigerung der Produktivität, oft genug leidet sie sogar darunter. Gäbe es ein Primat der Politik, so wäre ein solches System keinen einzigen Tag überlebensfähig, weil sich niemals eine Mehrheit freiwillig von einer kleinen Minderheit tyrannisieren lassen würde.


Ich stimme dir zu 90 Prozent zu. Bis auf den Punkt "Primat der Politik". Damit ist ja keine Revolution oder dergleichen gemeint, sondern einfach "nur" ein Grundprinzip, wozu es eine repräsentative Demokratie eigentlich gibt: Die gewählten Repräsentanten stehen dafür ein, den Willen ihrer Wähler umzusetzen und nicht pauschal den Willen der Wirtschaft. Die Politik insgesamt wieder mehr in eine wirklich demokratische Richtung zu entwickeln, halte ich für eine ehrenwerte und sehr liberale Aufgabe. Und das vollzieht sich nicht unbedingt so radikal, wie von dir angedeutet. Allerdings wird das ohne linke Mehrheiten nicht funktionieren, das ist schon klar. Daher ja auch eine solche Sammlungsbewegung, die das Klima wieder ein wenig in eine andere Richtung lenken könnte. Und darüber hinaus zeigt mir der Beitrag von Daniela Dahn (siehe Link), dass die Programmatik von "aufstehen" noch sehr offen ist und sicher noch längere Zeit im Disput erarbeitet werden muss.
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Re: Neue, linke "Sammlungsbewegung".

Beitragvon Polibu » Sa 18. Aug 2018, 12:19

Diese neue linke Sammelbewegung eignet sich gut dafür, um SPD, Grüne und Linke zu spalten. Und deshalb finde ich sie gut. :)

Ich finde sowohl Wagenknecht als auch Lafontaine ganz gut. Das sind mir die liebsten Linken. :)

Nichtsdestotrotz kann ich Umverteilungsideen, die dem Leistungsprinzip völlig widersprechen, nicht gutheißen. Es wird Zeit, dass unser Sozailsystem umgekrempelt wird. Wir können uns das auf Dauer auf diese Art und Weise nicht mehr leisten. Irgendwann ist auch die Mittelschicht am Ende. Die kann man nicht unendlich schröpfen. Das Sozialsystem kollabiert bald. Unsere neuen Mitbürger machen die ganze Geschichte nicht besser. Das haben Wagenknecht und Lafontaine immerhin erkannt. Ein Sozialstaat ist nicht finanzierbar, wenn nur Menschen dazu gekommen, die nichts leisten und nur nehmen.

Das kapieren die Flüchtlingsbefürworter halt nicht. Die glauben das Geld wächst auf Bäumen. Aber wenn die Sozialleistungen für alle Sozialleistungsempfänger gekürzt werden müssen, dann plärren die wieder rum. Bla bla alleinerziehende Mütter, bla bla Rente Grundsicherung, bla bla Hartz 4. So geht das doch in einer Tour.

Ich kann dieses Geplärre echt nicht mehr hören. Die Besserverdienden finanzieren den ganzen Kram und die sollen aber geschröpft werden. Die Linken kapieren nicht, dass sie das Sozialsystem selbst kastrieren.

Wenn das so weiter geht, dann gibt es in Deutschland noch einen großen Knall. Wäre die Arbeitsmarktsituation nicht so gut , dann würde es den jetzt schon geben. Aber das kommt noch früh genug. Und dann brauchen die Linken niemanden beschuldigen, denn sie sind die Schuldigen an der ganzen Sache. Zusammen mit ihrer willigen Gehilfin Angela Merkel, die wohl im Westen noch nicht gut genug sozialisiert ist. Die ist in der DDR hängen geblieben. Gelernt hat sie daraus nichts.

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