Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

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Kamikaze
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Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Kamikaze » Di 24. Jul 2018, 08:55

Eine neue Studie zeigt, dass sich viele Mitbürger mit türkischen Wurzeln (untersucht wurde bis zur 3. Generation) sich mehr zur Türkei zugehörig fühlen, als zu Deutschland.

Tagesschau-Artikel
Veröffentlichung des ZFTI

Demnach steigt in Nordrhein-Westfalen - wie deutschlandweit auch - die Verbundenheit mit dem Herkunftsland. "Stark oder sehr stark zugehörig" zur Türkei fühlen sich bundesweit etwa 89 Prozent der Befragten, zu Deutschland immerhin etwa 81 Prozent. Nimmt man allerdings nur die Wertung "fühle mich sehr stark zugehörig", wird der Unterschied noch viel deutlicher: 61 Prozent der Türkischstämmigen bejahen dies für die Türkei, nur 37,5 Prozent für Deutschland. Im Vergleich dieser Zahlen mit den nur für Nordrhein-Westfalen erhobenen aus vergangenen Jahren ist ein klarer Trend erkennbar: Die Verbundenheit mit der Türkei nimmt seit 2010 stark zu.


Warum fühlen sich Menschen, die ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht haben, einem anderen Land eher zugehörig?
Was kann dagegen getan werden?
Warum leben Menschen in einem anderen Land, als dem, dem sie sich zugehörig fühlen?
Wie korrelliert das Zugehörigkeitsgefühl mit politischen Entwicklungen? (In diesem Zusammenhang: Warum wählen Deutsche mit türkischen Wurzeln Erdogan? >Quelle<)
Was sagt das Zugehörigkeitsgefühl über den Integrationswillen aus? (Und wie verhält sich Integration zu Assimilation, und was funktioniert wie in D?)
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think twice
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon think twice » Di 24. Jul 2018, 09:01

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2018, 09:55)

Eine neue Studie zeigt, dass sich viele Mitbürger mit türkischen Wurzeln (untersucht wurde bis zur 3. Generation) sich mehr zur Türkei zugehörig fühlen, als zu Deutschland.

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Warum fühlen sich Menschen, die ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht haben, einem anderen Land eher zugehörig?
Was kann dagegen getan werden?
Warum leben Menschen in einem anderen Land, als dem, dem sie sich zugehörig fühlen?
Wie korrelliert das Zugehörigkeitsgefühl mit politischen Entwicklungen? (In diesem Zusammenhang: Warum wählen Deutsche mit türkischen Wurzeln Erdogan? >Quelle<)
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 24. Jul 2018, 09:07

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2018, 09:55)

Eine neue Studie zeigt, dass sich viele Mitbürger mit türkischen Wurzeln (untersucht wurde bis zur 3. Generation) sich mehr zur Türkei zugehörig fühlen, als zu Deutschland.

Tagesschau-Artikel
Veröffentlichung des ZFTI



Warum fühlen sich Menschen, die ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht haben, einem anderen Land eher zugehörig?
Was kann dagegen getan werden?
Warum leben Menschen in einem anderen Land, als dem, dem sie sich zugehörig fühlen?


Wenn ich nach Österreich auswandern würde, werde ich trotzdem wahrscheinlich immer Deutscher sein. Auch wenn ich die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen würde. Ich glaube, dass ist eher die Normalität als die Ausnahme.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon rain353 » Di 24. Jul 2018, 09:08

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:07)

Wenn ich nach Österreich auswandern würde, werde ich trotzdem wahrscheinlich immer Deutscher sein. Auch wenn ich die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen würde. Ich glaube, dass ist eher die Normalität als die Ausnahme.


Österreich steht ja von der Kultur her, Deutschland am nächsten....
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 24. Jul 2018, 09:11

rain353 hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:08)

Österreich steht ja von der Kultur her, Deutschland am nächsten....


um so schlimmer .... :D
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Keoma
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Keoma » Di 24. Jul 2018, 09:15

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:07)

Wenn ich nach Österreich auswandern würde, werde ich trotzdem wahrscheinlich immer Deutscher sein. Auch wenn ich die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen würde. Ich glaube, dass ist eher die Normalität als die Ausnahme.


Natürlich.
Aber wie sieht es mit den Enkeln aus?
Moralische Entrüstung ist Eifersucht mit einem Heiligenschein.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon watisdatdenn? » Di 24. Jul 2018, 09:17

Ich finde das nicht so schlimm.
Ich fühle mich auch eher als Bayer, denn als Deutscher.

Als Bayer mit bairischer Kultur bin ich auch Deutscher.

Als Deutschtürke mit deutschtürkischer Kultur ist man auch Deutscher.


Es ist aber klar, dass man in Städten wie Berlin, welches keine Kultur hat, es äußerst schwer hat, überhaupt eine Kultur zu erkennen, derer man sich zugehörig fühlen kann.
Das hat die in Berlin ansässige Integrationsministerin Aydan Özoguz, gut auf den Punkt gebracht:
"Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, (in Berlin) schlicht nicht identifizierbar."

Da kann man es den Türken in Berlin nicht verübeln, dass sie sich mit Orten identifizieren, welche Kultur bieten, wie eben der Türkei, da es in Berlin eben keine (deutsche) Kultur gibt, mit der man sich identifizieren könnte.


Ich denke in Bayern fühlen sich deutlich mehr Deutschtürken der bairischen und der deutschen Kultur verbunden, da es hier eben auch deutlich mehr Kultur als Angebot gibt.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Welfenprinz » Di 24. Jul 2018, 09:23

Da Migration immer seltener eine endgültige Entscheidung ist,solltewir unsere Vorstellungen gewaltig ändern.
Generationen und familienübergreifend werden mit manchen Herkunftsländern(Türkei,Italien,Russland) “zweiwurzelige“(besserer Ausdruck fällt mir nicht ein) Biographien Teil unserer Gesellschaft und Normalität werden.

Es liegt an uns,ob wir daraus Klammer oder Keil machen.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 24. Jul 2018, 09:28

Keoma hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:15)

Natürlich.
Aber wie sieht es mit den Enkeln aus?


Da muss ich noch ein bisschen warten ;)
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Keoma » Di 24. Jul 2018, 09:31

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:28)

Da muss ich noch ein bisschen warten ;)


Ok.
Ich warte auch.
Moralische Entrüstung ist Eifersucht mit einem Heiligenschein.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Orbiter1 » Di 24. Jul 2018, 09:35

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2018, 09:55)

Eine neue Studie zeigt, dass sich viele Mitbürger mit türkischen Wurzeln (untersucht wurde bis zur 3. Generation) sich mehr zur Türkei zugehörig fühlen, als zu Deutschland.

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Warum fühlen sich Menschen, die ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht haben, einem anderen Land eher zugehörig?
Das steht doch in dem verlinkten Artikel und der Studie. In Kurzform, weil sie einerseits von der Mehrheit der Deutschen nicht als gleichwertig anerkannt und andererseits von Erdogan hofiert werden.
Was kann dagegen getan werden?
Nach meiner Überzeugung braucht es das klare Bekenntnis der Politik das Deutschland ein Einwanderungsland ist, verbunden mit Einwanderungsgesetzen, die dann die Integration erheblich erleichtern.
Warum leben Menschen in einem anderen Land, als dem, dem sie sich zugehörig fühlen?
Vor allem weil es dort bessere Arbeitsbedingungen gibt. Das gilt ja z. B. auch für die 4 Mio EU-Ausländer die in Deutschland leben.
Wie korrelliert das Zugehörigkeitsgefühl mit politischen Entwicklungen?
So wie das beim Auftauchen von Parteien die Deutschland gegen die Islamisierung Europas schützen wollen und bei zunehmender Ausgrenzung zu erwarten ist.
(In diesem Zusammenhang: Warum wählen Deutsche mit türkischen Wurzeln Erdogan? >Quelle<)
Deutsche mit türkischen Wurzeln haben gar kein Wahlrecht in der Türkei.
Was sagt das Zugehörigkeitsgefühl über den Integrationswillen aus? (Und wie verhält sich Integration zu Assimilation, und was funktioniert wie in D?)
Gar nichts.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon JJazzGold » Di 24. Jul 2018, 09:43

Keoma hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:15)

Natürlich.
Aber wie sieht es mit den Enkeln aus?


Z.B. so:

Großeltern ausgewandert von Österreich nach RSA, beide mit doppelter Staatsbürgerschaft versehen.

1)Eltern, Mutter geboren in RSA, doppelte Staatbürgerschaft Österreich, Vater geboren im Iran, british heritage, doppelte Staatsbürgerschaft Südafrika-GB, beidd aufgewachsen, wohnend und arbeitend in RSA.

Enkel geboren in RSA, doppelte Staatsbürgerschaft Österreich-RSA, aufgewachsen in RSA, heute studierend in Österreich, wo er nach meiner Einschätzung seinen ständigen Wohnsitz nehmen wird, auch wenn er nach dem Studium interessante Jobangebote im Ausland annehmen wird. Es sei denn, die FPÖ uberwiegt, dann bekommt er einen Wohnsitz von mir in Deutschland.

2) Großeltern geboren und aufgewachsen in der Türkei.
Eltern geboren und aufgewachsen in der Türkei, beide ausgewandert nach Deutschland.
Enkel geboren und aufgewachsen in Deutschland. Mädchen in Deutschland verheiratet mit einem Polizisten mit türkischen Wurzeln.
Junge nach Schulabschluß kurzfristig in der Türkei arbeitend, zurückgekommen, nicht gerade begeistert von den Zuständen in der Türkei, ins Geschäft seiner Eltern eingestiegen, verheiratet mit einer Lehrerin mit türkischen Wurzeln.

Es gibt etliche solcher Biografien und es werden immer mehr werden, weil die Enkel in einer Welt aufwachsen, die international alle Möglichkeiten bietet. Die müssen sich ihren Platz suchen und die Einen schaffen es und die Anderen eben nicht eigenständig. Weshalb es immer eine Menge x geben wird, die versucht über Nationalität ihre Wurzeln zu schaffen, eine Dead End Gasse. Ein Spagat, den die wenigsten schaffen. Entweder leistet man Hilfestellung, oder vertraut darauf, wie es die deutschen Regierungen der letzten Jahrzehnte taten, das es sich schon rütteln wird, mit den jetzt ersichtlichen Folgen.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon H2O » Di 24. Jul 2018, 09:50

Wenn man in einem anderen Land Verantwortung für eine Familie trägt, die nicht mit eingewandert ist, dann dürfte die Geschichte nach 20 oder 30 Jahren doch ganz anders aussehen. Ich stelle mir vor, daß ich eine polnische Frau und mit ihr gemeinsame Kinder hätte, dabei in Polen eine Aufgabe übernommen hätte, die ich gern erfülle. Natürlich würde ich mich immer meiner deutschen Familie verbunden fühlen, aber doch auch meiner angeheirateten polnischen Familie. Und meinem Betrieb wäre ich doch auch in Treue verbunden, etwa im Wettbewerb mit deutschen Unternehmen. Tja, und warum sollten sich meine Kinder als Deutsche fühlen, wenn sie doch den ganzen lieben langen Tag in ihrer polnischen Umgebung zu Hause sind... und nur dem Papa zuliebe Deutsch als Fremdsprache lernen und gelegentlich auch die Großeltern in Deutschland besuchen... wenn die Chemie stimmt?

Da müßte doch ein unangenehmes Mobbing gegen die gemischte Familie geben, das wirklich unter die Haut geht. Gemeint sind nicht die üblichen Lästereien, die man mit einem Witz wegsteckt, sondern ausgesprochene und andauernde Bösartigkeiten wie Sachbeschädigungen oder Tätlichkeiten. Dann wäre ich aber auch ratzfatz mit Familie außer Landes.

Vermutlich wäre die Sache wieder ganz anders, wenn man als deutsche Familie auswandert. Dann sind die meisten persönlichen Verbindungen doch in Richtung der alten Heimat geknüpft. Die verblassen sicher auch mit der Zeit, aber richtig belastbare neue Verbindungen werden sich vor Ort auch nicht bilden. Ok, nette Kollegen, nette Nachbarn, aber doch nichts, was zum inneren Treueverhältnis in der neuen Gesellschaft führt. Das dürfte sich erst bei zwischenmenschlichen Beziehungen der jungen Leute vor Ort ändern, in der 2. Generation.

Ich vermute einmal, daß diese Entwicklung bei Türken gar nicht so viel anders verliefe. Wenn man dann immer unter Türken heiratet und Familien bildet, dann ist die neue Heimat ein Platz zu Geldverdienen, den man auch aufgeben würde, wenn sich "zu Hause" ein gutes Angebot ergäbe. Entscheidend ist dabei auch die Einbettung der Kinder in die Schulklassen. Das dürfte ein Tauziehen um die Seelen sein...

Ich glaube, daß wir in Deutschland mit dem zeitweise überbordenden "Familiennachzug" eine Möglichkeit verspielt haben, die Generation der Gastarbeiter ganz tief in unsere Gesellschaft ein zu binden. Jetzt haben wir eine türkische Parallelgesellschaft, die sich nur in ganz anderen Zeiträumen auflösen wird... oder sogar "heim ins Reich" zieht. Über diese Dinge hat sich vor 1995 in unserem Lande niemand Gedanken gemacht; da wurde nichts gestaltet, und nun leben wir mit dem Wildwuchs.
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Julian
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Julian » Di 24. Jul 2018, 09:59

Welfenprinz hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:23)

Da Migration immer seltener eine endgültige Entscheidung ist,solltewir unsere Vorstellungen gewaltig ändern.
Generationen und familienübergreifend werden mit manchen Herkunftsländern(Türkei,Italien,Russland) “zweiwurzelige“(besserer Ausdruck fällt mir nicht ein) Biographien Teil unserer Gesellschaft und Normalität werden.

Es liegt an uns,ob wir daraus Klammer oder Keil machen.


Na Prost Mahlzeit. Also eine Abkehr von der Französischen Revolution und eine Rückkehr zur Minderheitenproblematik, die uns Jahrhunderte voller blutiger Auseinandersetzungen beschert hat.

Hat man nichts gelernt aus dem Untergang Österreichs oder Jugoslawiens? Warum war der Krieg in Slowenien kurz, lang aber in Bosnien?
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Gluck » Di 24. Jul 2018, 10:10

watisdatdenn? hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:17)

Ich finde das nicht so schlimm.
Ich fühle mich auch eher als Bayer, denn als Deutscher.

Als Bayer mit bairischer Kultur bin ich auch Deutscher.

Als Deutschtürke mit deutschtürkischer Kultur ist man auch Deutscher.

Bayern sind seit mehr als 10 Jahrhunderten Deutsche - so wie Schwaben, Hessen, Thüringer usw. Dass heißt, es ist seit einer sehr langen Zeit ein gemeinsamer Weg gegangen worden, was im Vergleich zu den Deutschtürken natürlich nicht der Fall ist. Die ersten Begegnungen zwischen Deutschen und anatolischen Türken waren ja auch alles andere als friedlich. Aber klar .... für viele ist Geschichte kaum mehr als das, was so in den letzten 200 Jahren passiert ist, daher auch der Unsinn von wegen "Deutsche und Türken waren schon immer Freunde".
Zuletzt geändert von Gluck am Di 24. Jul 2018, 10:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon firlefanz11 » Di 24. Jul 2018, 10:13

Es ist ganz normal, das Menschen, die aus einem Land mit einer sehr präsenten Kultur kommen, in dem Nationalstolz normal und nicht negativ konnotiert ist, sich auch nach der Auswanderung in ein anderes Land, der ursprünglichen Kultur angehörig, und dem Heimatland verbunden fühlen. Das hat aber NULL Relevanz für den Integrationsprozess, und gilt auch nicht nur für Türken sondern genauso für Polen, Russen u. Iren.
Wär ja auch Blödsinn zu erwarten, dass jeder Migrant, sobald er hier ne Wohnung und nen Job hat, plötzlich nur noch Volksmusik hört, Samstags die Strasse kehrt, grillt u. Bier säuft.
Wobei die letzten beiden Punkte von Einigen - gerade der letzten drei genannten Nationalitäten - schon gern übernommen werden... ;) :D
Wie die migrierten Türken dann trotz aller Annehmlichkeiten des freien Europa trotzdem auf die Idee kommen einen Erdolf zu wählen, der ganz offensichtlich vor hat sich zum Gottkönig vom Bosporus aufzuschwingen, ist mir allerdings auch ne Brezel...

Den Deutschen wird ja im Gegensatz dazu von allen Seiten versucht sowas wie eine eigene Kultur abzusprechen. Mal ganz abgesehen von Nationalstolz. Da kommen dann linke Berufsempörte u. verlangen, dass deutsche Flaggen an Balkons u. Autos zur EM o. WM verboten gehören weil das ja VOLL Nazi wäre... (gell, tt?) :rolleyes:
Von daher ist es nicht verwunderlich, dass wir die Heimatverbundenheit u. den Nationalstolz der Türken nicht verstehen.

Mir persönlich geht die deutsche Nationalelf (Au weia! Ich hab "National" geschrieben...! :eek: :rolleyes: ) u. Ä. am Arsch vorbei, und wenn ich doch noch auswandern sollte würde ich mich sicherlich auch nicht mit der alten Heimat verbunden fühlen. Heck! Ich fühl mich ja nach der Emigration aus Berlin i. die hessische Provinz nicht mal meiner HeimatSTADT verbunden!
Zuletzt geändert von firlefanz11 am Di 24. Jul 2018, 10:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Alexyessin » Di 24. Jul 2018, 10:13

Julian hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:59)

Na Prost Mahlzeit. Also eine Abkehr von der Französischen Revolution und eine Rückkehr zur Minderheitenproblematik, die uns Jahrhunderte voller blutiger Auseinandersetzungen beschert hat.

Hat man nichts gelernt aus dem Untergang Österreichs oder Jugoslawiens? Warum war der Krieg in Slowenien kurz, lang aber in Bosnien?


1. Warum eine Abkehr von den Ergebnissen der fanzösischen Revolution?
2. KuKanien ist nicht an einer gescheiterten Minderheitspolitik auseinandergefallen, sondern weil sie keine Minderheitspolitik gemacht haben. Aber das ist ein Abendfüllendes Thema, wenn du also genug Zeit aufbringst können wir dies gerne mal im Geschichtsforum durchquatschen.
3. Warum war der Krieg in Slowenien kürzer als der in Bosnien?
a) Weil Kroatien dazwischen lag
b) Weil Kroatien dazwischen lag
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Alexyessin » Di 24. Jul 2018, 10:14

Gluck hat geschrieben:(24 Jul 2018, 11:10)

Bayern sind seit mehr als 10 Jahrhunderten Deutsche -


Oder Österreicher, eigentlich sind mehr Baiern Österreicher als Deutsche........
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon Gluck » Di 24. Jul 2018, 10:21

Alexyessin hat geschrieben:(24 Jul 2018, 11:14)

Oder Österreicher, eigentlich sind mehr Baiern Österreicher als Deutsche........

Umgekehrt wird ein Schuh draus (wenn man vom Vorarlberg und dem Westen Tirols einmal absieht).
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Re: Deutsch-Türken, Türkisch-Deutsche, Türken, oder doch Deutsche?

Beitragvon H2O » Di 24. Jul 2018, 10:23

Julian hat geschrieben:(24 Jul 2018, 10:59)

Na Prost Mahlzeit. Also eine Abkehr von der Französischen Revolution und eine Rückkehr zur Minderheitenproblematik, die uns Jahrhunderte voller blutiger Auseinandersetzungen beschert hat.

Hat man nichts gelernt aus dem Untergang Österreichs oder Jugoslawiens? Warum war der Krieg in Slowenien kurz, lang aber in Bosnien?


Diese Frage können Sie am besten mit wiki aufklären. Solche Verhältnisse herrschen in Deutschland nicht, und sie sind auch nicht zu erwarten. Da wäre schon eher eine Umgangsweise mit Minderheiten wie in den schrecklichen 13 Jahren denkbar, wenn man bestimmten Haltungen freien Lauf ließe.

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