Ein tragischer Suizid wird zum politischem Dampfhammer

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Sybilla
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Ein tragischer Suizid wird zum politischem Dampfhammer

Beitragvon Sybilla » Do 12. Jul 2018, 23:25

Es gibt des öfteren Pressemeldungen und deren Informationsgehalt Inhalt ich nicht ohne weiteres einordnen kann.

So lese ich heute (12 Juli 2018) im Tagesspiegel die Schlagzeile
Asylpolitik Seehofer bedauert Suizid von abgeschobenem Afghanen

Wer tut etwas?
Der Herr Bundesinnenminister Horst Seehofer bedauert,
das ein abgeschobener Afghane in Afghanistan einen Suizid vollzogen hat.

Was ist geschehen?
Es wurde ein 23-Jähriger lediger kinderloser und rechtskräftig verurteilter Afghane der nach den Gesetzen des Rechtsstaates in D nicht Aufenthaltsberechtigt ist abgeschoben.

Warum wurde der Afghane verurteilt?
wegen Diebstahls, Besitzes von Betäubungsmitteln, Widerstands gegen Vollzugsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung.

Warum kam es dazu?
Weil zum einem die Gesetze des Rechtsstaates für alle Geltung haben.
Über das warum der 23-Jähriger ledige kinderlose Afghane in Afghanistan einen Suizid vollzogen hat kann ich und andere nur Spekulieren,persönliche Gründe könnten verantwortlich sein oder wirtschaftliche oder …....

Aber warum wird dieser Suizid zum Thema der Presse und warum bedauert Herr Bundesinnenminister Horst Seehofer diesen einen Suizid in Afghanistan, nicht aber die alljährlich rund 10.000 Suizide in Deutschland? Warum berichten die „Qualitätsmedien“ von diesen einen Suizid in Afghanistan, nicht aber über die meisten der rund 10.000 Suizide die alljährlich in Deutschland vollzogen werden?

Wird in diesem Fall ein tragischer Suizidtod eines abgeschobenen dazu missbraucht Politik zumachen? Für eine Politik der offenen Grenzen für jedermann?

Aber von den Suiziden die von Menschen in Hartz IV vollzogen wurden/werden –ich kenne alleine drei Personen – höre und lese ich nichts in den„Qualitätsmedien“ (das sind trotz „Fast-Vollbeschäftigung“im Juli 2018 immer noch rund 6,5 Millionen Personen) Kein Minister bedauert diese Suizide, ich kenne keine Helfer-kreise die sich sich um Personen und Familien „kümmern“ die durch 30/60 oder 100 %Sanktionen (Strafen) in ihrer Grundsicherung beschnitten werden.Keine protestierende“Hartz IV Helfer“ werden in den„Qualitätsmedien“ gezeigt, wie sie die humane Verantwortung für Hartz IV Empfänger einfordern. Ich kenne keinen kirchlichen Vertreter der aufgrund dessen Protestbriefe an Politiker an die politisch Verantwortlichen absendet. Kaum ein Priester „kümmert sich in seinen Tun und Predigen“ um Menschen am Rand der Gesellschaft um Menschen in Hartz IV oder um Menschen die in Armut arbeiten.

Also Suizid ist nicht gleich Suizid, es gibt bei der humanitären Verantwortung offensichtlich zweierlei Maß, das Personen unterscheidet die einen Suizid vollziehen. Bei dem einem Menschen ist es für die„Qualitätsmedien“ ein Ereignis für die Schlagzeilen, für einen Minister ein Grund des Bedauerns. Bei anderen Menschen sind es eben tragische Einzelfälle die nicht von allgemeinen Interesse sind –wie ich von der lokalen Presse – auf Nachfrage hören musste und von keinen politisch Verantwortlichen (ich habe noch kein Wort des Bedauerns gehört) bedauert werden.

Die „Qualitätsmedien“ sollten überdenken, ob sie ihren Auftrag einer umfassenden und neutralen Berichterstattung noch erfüllen können oder wollen.
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Selina
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Re: Ein tragischer Suizid wird zum politischem Dampfhammer

Beitragvon Selina » Fr 13. Jul 2018, 06:34

Das ist das Mindeste, dass Seehofer sein "Bedauern" ausdrückt. Zuvor hat er zynisch verkündet, er habe direkt an seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen abgeschoben, wozu er vielsagend grinste. Schlimm. Und kurz danach kam die Nachricht vom Suizid eines dieser abgeschobenen Afghanen. Die Tragik und das Makabere des gesamten Geschehens liegen ja nun wirklich auf der Hand. Dass Seehofer danach nochmal was sagen musste, ist doch klar. Obwohl der gesamte Vorgang mit dieser Geburtstagsäußerung eigentlich zeigt, wie wenig befähigt er ist für das Amt des Innenministers. Ein Rücktritt ist überfällig.

Allerdings gebe ich dir recht: Leid und Tragik von den Leuten, die in Deutschland aufs soziale Abstellgleis geschoben werden, interessieren kein Schwein. Aber das war doch schon immer so. Das in den Kontext zum üblen Seehofer-Verhalten gegenüber den 69 Abgeschobenen zu stellen, ist falsch.
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Re: Ein tragischer Suizid wird zum politischem Dampfhammer

Beitragvon MoOderSo » Fr 13. Jul 2018, 07:03

Die Abschiebung des Selbstmörders wurde vom rot-grünen Hamburg veranlasst. Wenn man der CSU unbedingt ans Bein pissen möchte, dann sollte man doch lieber einen Fall nehmen, wo die Aufregung angebrachter wäre.
https://www.br.de/nachrichten/schwaben/ ... r-100.html
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Re: Ein tragischer Suizid wird zum politischem Dampfhammer

Beitragvon Moses » Fr 13. Jul 2018, 07:21

Ein weiter Flüchtlingsstrang ist in diesem Forum nicht notwendig.

Moses
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