Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

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Dr.House
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Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Dr.House » Do 21. Jun 2018, 22:24

Wenn ich mir die Debatten anschaue, dann geht es immer erst einmal darum, wer gerade redet und welcher Partei die Person angehört. Je näher Redner und Zuhörer auf der politischen Karte von links nach rechts zusammen liegen, desto wahrscheinlicher wird, dass der Zuhörer die Rede überhaupt offen wahrnimmt und persönlich für sich hinterfragt. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass man, entgegen seiner Meinung, der eigenen Partei oder dem Koalitionspartner widersprechen würde, um nicht dem Gegner in die Karten zu spielen.

Ich frage mich, ob man nicht ein demokratisches System schaffen könnte, das keine Parteien enthält, um die Themen wieder in den Vordergrund zu stellen und nicht die parteipolitischen Scharmützel.
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Teeernte
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Teeernte » Do 21. Jun 2018, 23:45

Es kommt auf das System an. In D .....ein paar wenige Parteimitglieder machen hinter verschlossenen Türen Politik .

Ganze 15.000 - zB (Alle Parteimitglieder aller Parteien in Sachsen-Anhalt)....Weniger als die guten Beamtenposten (Chef)

In anderen Ländern werden alle "Interessenten" //Wähler ihrer Partei zum mit gestalten/mit diskutieren der Politik in die Veranstaltungen eingeladen - Breitenwirksam.... DAS kann man dann Volkspartei nennen.

In D schicken Parteien Abgeordnete in den Bundestag....mit grade mal ganzen 1000 Mitgliedern in den (meisten) Bundesländern...
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
Uffzach
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Uffzach » Do 21. Jun 2018, 23:54

Dr.House hat geschrieben:(21 Jun 2018, 23:24)
Ich frage mich, ob man nicht ein demokratisches System schaffen könnte, das keine Parteien enthält, um die Themen wieder in den Vordergrund zu stellen und nicht die parteipolitischen Scharmützel.


Natürlich. Jeder ist nur so konditioniert wie er erzogen und geschult wurde. Da bei uns "Demokratie = Parteiendemokratie" gelehrt wird, können sich die meisten nix anderes vorstelllen, wenn sie "Demokratie" lesen oder hören. :cool:
Für die Freiheit des sprachlichen Ausdrucks !
Macht ist Macht über die Sprache der anderen. Fürchtet euch nicht, denn Bezeichner sind a priori bedeutungsleere Zeichenfolgen. :cool:
Maikel
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Maikel » Fr 22. Jun 2018, 06:54

Dr.House hat geschrieben:(21 Jun 2018, 23:24)

Wenn ich mir die Debatten anschaue, dann geht es immer erst einmal darum, wer gerade redet und welcher Partei die Person angehört. Je näher Redner und Zuhörer auf der politischen Karte von links nach rechts zusammen liegen, desto wahrscheinlicher wird, dass der Zuhörer die Rede überhaupt offen wahrnimmt und persönlich für sich hinterfragt. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass man, entgegen seiner Meinung, der eigenen Partei oder dem Koalitionspartner widersprechen würde, um nicht dem Gegner in die Karten zu spielen.

Ich frage mich, ob man nicht ein demokratisches System schaffen könnte, das keine Parteien enthält, um die Themen wieder in den Vordergrund zu stellen und nicht die parteipolitischen Scharmützel.

Bestimmte Themen persönlich zu hinterfragen ist gut, aber nicht für jeden bei jedem Thema möglich.
Nicht mal für Bundestagsabgeordnete; auch da gibt es in jeder Partei Spezialisten, die sich mit Einzelthemen näher beschäftigen, und ihre Erkenntnisse den anderen Parteimitgliedern mitteilen (so zumindest das ideale Vorgehen).

Selbst in der Schweiz mit den Volksabstimmungen richten sich viele Wähler nach der Meinung der Partei "des geringsten Mißtrauens". Andere haben sich mit Einzelthemen intensiver beschäftigt und sich eine eigene Meinung gebildet.

Mir geht das ähnlich: Ich habe eine Partei "des geringsten Mißtrauens", bin in Einzelthemen anderer Meinung; wenn ich aber zu einem Thema keine (ausreichende) Meinung gebildet habe, richte ich mich ggf. nach der Meinung dieser Partei. Weil ich das Vetrauen habe, daß die das Thema unter für mich wesentlichen Aspekten beurteilt und bewertet hat.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Xexes » Fr 22. Jun 2018, 09:46

Dr.House hat geschrieben:(21 Jun 2018, 23:24)

Wenn ich mir die Debatten anschaue, dann geht es immer erst einmal darum, wer gerade redet und welcher Partei die Person angehört. Je näher Redner und Zuhörer auf der politischen Karte von links nach rechts zusammen liegen, desto wahrscheinlicher wird, dass der Zuhörer die Rede überhaupt offen wahrnimmt und persönlich für sich hinterfragt. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass man, entgegen seiner Meinung, der eigenen Partei oder dem Koalitionspartner widersprechen würde, um nicht dem Gegner in die Karten zu spielen.

Ich frage mich, ob man nicht ein demokratisches System schaffen könnte, das keine Parteien enthält, um die Themen wieder in den Vordergrund zu stellen und nicht die parteipolitischen Scharmützel.


Die optimale Form der Demokratie wäre wohl, alle Meinungen einer jeder wahlberechtigten Person zusammenzutragen, und daraus ein Regierungsprogramm zu erarbeiten, dass in jedem Punkt die Meinung der Mehrheit vertritt. In der Praxis ist dies bei größerenn Grppen und Themen Menegen nicht möglich, deshalb haben wir Parteien und Abgeordnete. Aus demokratischer Sicht wäre es aber wohl gerechter, wenn jeder Abgeordneter eine Art "Stimmgewichtung" gemäß der Anzahl der vertretenen Personen hätte, und die Themen vertritt, die der Mehrheit seiner Wähler entspricht.
Trotzdem wirst du nicht ohne Parteien oder partei-ähnliche Strukturen auskommen.

Zum ersten Punkt, den Diskussionspartner ernst zu nehmen und auf seine Argumente einzugehen, würde ich eher als eine From der Erziehung sehen, die auch bei unterschiedlichen Parteien möglich ist.
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Niklas
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Niklas » Mi 27. Jun 2018, 11:56

Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Das Parteiensystem ist die beste Form der Ablenkung von der Demokratie.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon relativ » Mi 27. Jun 2018, 13:18

Uffzach hat geschrieben:(22 Jun 2018, 00:54)

Natürlich. Jeder ist nur so konditioniert wie er erzogen und geschult wurde. Da bei uns "Demokratie = Parteiendemokratie" gelehrt wird, können sich die meisten nix anderes vorstelllen, wenn sie "Demokratie" lesen oder hören. :cool:

Die Erfahrung sagt uns einfach , das Einparteiensysteme dazu neigen ihr Macht undemokratisch zu zementieren. Da gibt es dann auch nix mehr zu romantisieren
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Alexyessin » Mi 27. Jun 2018, 13:22

Niklas hat geschrieben:(27 Jun 2018, 12:56)

Das Parteiensystem ist die beste Form der Ablenkung von der Demokratie.


Der Gedanke wäre ein wenig auszuführen um dazu etwas mehr als totale Ablehnung zu zeigen.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Jenny S. » Mi 27. Jun 2018, 19:29

Ich bin für Volksabstimmungen wie in der Schweiz. Ich brauche keine Volksvertreter...
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Uffzach » Mi 27. Jun 2018, 19:53

relativ hat geschrieben:(27 Jun 2018, 14:18)

Die Erfahrung sagt uns einfach , das Einparteiensysteme dazu neigen ihr Macht undemokratisch zu zementieren. Da gibt es dann auch nix mehr zu romantisieren

Deshalb müssen alle Parteien weg, weil auch eine noch eine zuviel ist. "Einparteiensystem" ist übrigens ein Widerspruch in sich -> 'Partei' von lateinisch pars, partis = Teil -> Ein Einziges kann aber schwerlich ein Teil sein. :cool:
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Humelix33 » Mi 27. Jun 2018, 20:18

Man stelle sich 598 Einzelkämpfer im Bundestag vor, wie soll da vernünftig gearbeitet werden?

Die Gedankenspiele sind nicht neu, hat auch etwas nahbares, jede Region schickt einen Vertreter, der sich über mehrere Abstimmungen durchgesetzt hat, in den Bundestag, es könnte auch DEIN Nachbar sein, oder auch du selber. Es gibt kein Parteibuch, aber jeder will die Welt verbessern, oder nur Deutschland, und weiß, wie es am besten funktionieren würde. Der Wahlkampf, bzw. die unzähligen persönlichen Wahlprogramme wären noch unverbindlicher, als sie es jetzt schon bei Parteien sind, die man aber in die Verantwortung nehmen kann, wenn sie Vieles nicht umsetzen, indem, man sie nicht mehr wählen wird. Außerdem könnten sich Einzelkämpfer untereinander absprechen, Strategien entwickeln, was man sagen wird, um gewählt zu werden, und letztendlich genau das Gegenteil bewirken.

Aus dem Grund sind Parteien "eigentlich" besser, weil man da weiß, welche Richtung man "eigentlich" wählt. Wie gesagt, "eigentlich", wenn da nicht einige Parteien das Vertrauen, in den letzten Jahren, verspielt hätten.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Niklas » Mi 27. Jun 2018, 21:27

Alexyessin hat geschrieben:(27 Jun 2018, 14:22)

Der Gedanke wäre ein wenig auszuführen um dazu etwas mehr als totale Ablehnung zu zeigen.

Mich - wie auch jeden anderen Bürger - interessieren bestimmte politische Themen, bestimmte politische Fragen und nicht irgendwelche Parteien - SPD, PDS, SDP, DPS, DSP, PSD oder wie immer sie auch heißen mögen.

Der Sinn des Parteiensystems ist es, die echte Demokratie zu verhindern, die Mehrheit bei bestimmten politischen Fragen zu verhindern bzw. zu umgehen. So kann z.B. die Regierung bzw. das Parlament das durchsetzen, was die Mehrheit des Volkes gar nicht unterstützt.

Missversteht mich nicht falsch, es geht nicht um direkt/indirekt, sondern um demokratisch/undemokratisch.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Uffzach » Mi 27. Jun 2018, 21:32

Niklas hat geschrieben:(27 Jun 2018, 22:27)

Mich - wie auch jeden anderen Bürger - interessieren bestimmte politische Themen, bestimmte politische Fragen und nicht irgendwelche Parteien - SPD, PDS, SDP, DPS, DSP, PSD oder wie immer sie auch heißen mögen.

Der Sinn des Parteiensystems ist es, die echte Demokratie zu verhindern, die Mehrheit bei bestimmten politischen Fragen zu verhindern bzw. zu umgehen. So kann z.B. die Regierung bzw. das Parlament das durchsetzen, was die Mehrheit des Volkes gar nicht unterstützt.


Der Zweck der Parteien-Demokratie ist die Spaltung. Die Spaltung in Partikularinteressen, das Verhindern von echten Problemlösungen durch Partikularinteressen. Was gespalten ist, kann dann auch leichter beherrscht werden. :cool:
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Alexyessin » Do 28. Jun 2018, 07:49

Niklas hat geschrieben:(27 Jun 2018, 22:27)
Der Sinn des Parteiensystems ist es, die echte Demokratie zu verhindern, die Mehrheit bei bestimmten politischen Fragen zu verhindern bzw. zu umgehen. So kann z.B. die Regierung bzw. das Parlament das durchsetzen, was die Mehrheit des Volkes gar nicht unterstützt.


Was unterstützt denn die Mehrheit des Volkes und wer kann dies sagen?
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Tomaner » Do 28. Jun 2018, 10:31

Dr.House hat geschrieben:(21 Jun 2018, 23:24)

Wenn ich mir die Debatten anschaue, dann geht es immer erst einmal darum, wer gerade redet und welcher Partei die Person angehört. Je näher Redner und Zuhörer auf der politischen Karte von links nach rechts zusammen liegen, desto wahrscheinlicher wird, dass der Zuhörer die Rede überhaupt offen wahrnimmt und persönlich für sich hinterfragt. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass man, entgegen seiner Meinung, der eigenen Partei oder dem Koalitionspartner widersprechen würde, um nicht dem Gegner in die Karten zu spielen.

Ich frage mich, ob man nicht ein demokratisches System schaffen könnte, das keine Parteien enthält, um die Themen wieder in den Vordergrund zu stellen und nicht die parteipolitischen Scharmützel.


Das halte ich für unrealistischen Schwachsinn. Nimmt man alleine einmal wirtschaftlich Mächtige, als Millionäre und Milliardäre, was könnte man denen alleine überhaupt entgegen setzen? Es liegt einfach in der Natur einer Sache, dass sich Leute mit ähnlichen Interessen zusammen schließen. Du kannst dich auf den Kopf stellen und mit deinem Hinterteil wackeln, es werden sich Reiche schon mal zusammenschließen, die kennen ihre Interessen, um ihr Kapital zu sichern und zu vermehren. Würden sich alle anderen Interessensgruppen auflösen und als Einzelkämpfer auftreten müssen, hätte man jenseits von wirtschaftlich Mächtigen ein Vakuum.

Erfahrungen aus der Weimarer Republick war auch, dass Kleinstparteien die nur bestimmte kleine Interessensgruppen vertraten, das Parlament weitgehend handlungsunfähig machten. Genau aus diesem Grund gibt es heute eine 5 Prozent Hürde. Wie soll ein Parlament mit 500 Einzelpersonen, die alle lediglich nur eigene Interessen vertreten, da etwas zu Stande bringen?
Wer da auf Volksabstimmungen setzen will, muß sich erst einmal fragen lassen, wer bestimmt dann überhaupt was gefragt wird und welche Antworten möglich sind? Willst du einen König oder Kaiser oder stimmen wir dann über einen Block mit hunderten Fragen ab, wo es auf jeder Frage dann 500 Antwortvorschläge gibt,von jeden Abgeordneten eine? Wer als Wähler wäre überhaupt in der Lage, sich für alles zu interessieren um über alles objektiv abstimmen zu können?

Was vielen nicht klar ist, politische Entscheidungen haben einen Rattenschwanz von sowohl negativen und positiven Einflüssen, die ein einzelner überhaupt nicht mehr überblicken kann. Es sind ja nur die Rechtspopulisten, die einfache Antwoten geben. Wer wirklich glaubt seine Interessen alleine durchsetzen könne, der soll es versuchen, wird aber scheitern. Wer in der Geschichte nachschaut, wird jedenfalls fündig, was es alleine für ein Kampf war, dass beispielsweise Arbeitnehmer überhaupt sich organisieren durften um gemeinsame Interessen überhaup formulieren zu dürfen. Viele heutige Vereine im Sport tragen heute noch Namen aus dieser Entwicklung. In einer Zeit als es noch keine Parteien gab, will ich jedenfalls nicht zurück.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Tomaner » Do 28. Jun 2018, 10:45

Uffzach hat geschrieben:(27 Jun 2018, 22:32)

Der Zweck der Parteien-Demokratie ist die Spaltung. Die Spaltung in Partikularinteressen, das Verhindern von echten Problemlösungen durch Partikularinteressen. Was gespalten ist, kann dann auch leichter beherrscht werden. :cool:

Genau das Gegenteil dürfte der Fall sein. Der Zusammenschluß von Menschen mit gemeinsamen und ähnlichen Interessen diese gemeinsam durchzusetzen, setzt totaler Spaltung etwas entgegen. Wenn besser wäre das jeder alleine nur für sich kämpfen sollte, wäre dies auch ein Eingeständnis, dass beispielsweise Gewerkschaften unsinnig wären. Wer wäre überhaupt in der Lage, dem Kapitalbesitzern überhaupt Regeln aufzuerlegen?
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Maikel » Do 28. Jun 2018, 13:12

Jenny S. hat geschrieben:(27 Jun 2018, 20:29)

Ich bin für Volksabstimmungen wie in der Schweiz. Ich brauche keine Volksvertreter...

In der Schweiz gibt es übrigens auch Volksvertreter... und Parteien.

Sollen wir etwa wg. jedem Kleinkram, aktuell z.B. das Baukindergeld, an die Urnen gehen?
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon relativ » Do 28. Jun 2018, 14:20

Maikel hat geschrieben:(28 Jun 2018, 14:12)

In der Schweiz gibt es übrigens auch Volksvertreter... und Parteien.

Sollen wir etwa wg. jedem Kleinkram, aktuell z.B. das Baukindergeld, an die Urnen gehen?

und vorallem soll ich den Bürgern trauen, daß sie bei jedweder Entscheidung soviel durchblick haben, daß sie hier nicht nur ihren Bauch entscheiden lassen. Die reinste Horrorvorstellung schaue ich mir unsere mom. gesellschaftliche Lage an.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon jorikke » Do 28. Jun 2018, 17:25

Niklas hat geschrieben:(27 Jun 2018, 22:27)

Mich - wie auch jeden anderen Bürger - interessieren bestimmte politische Themen, bestimmte politische Fragen und nicht irgendwelche Parteien - SPD, PDS, SDP, DPS, DSP, PSD oder wie immer sie auch heißen mögen.

Der Sinn des Parteiensystems ist es, die echte Demokratie zu verhindern, die Mehrheit bei bestimmten politischen Fragen zu verhindern bzw. zu umgehen. So kann z.B. die Regierung bzw. das Parlament das durchsetzen, was die Mehrheit des Volkes gar nicht unterstützt.

Missversteht mich nicht falsch, es geht nicht um direkt/indirekt, sondern um demokratisch/undemokratisch.



Du hast es nicht verstanden.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 28. Jun 2018, 17:43

Wahlprogramme und Koalitionsverträge haben zwei Haken:
1. Sie sind unverbindlich und können jederzeit ignoriert werden.
2. Sie können nicht in die Zukunft sehen und unvorhergesehene Ereignisse antizipieren.

Die Bundesregierungen der letzten 20 Jahre haben diese Haken für jedermann offen gelegt, das trägt imho auch zur Politverdrossenheit bei, nach dem Motto "die da oben machen ja doch was sie wollen". Kann man es den Menschen denn wirklich verdenken? Ich meine nicht und solange die Politiker der demokratischen Parteien weiterhin ein großes Problem mit der Glaubwürdigkeit haben (das Seehofer-Theater ist ja auch nur so eine Posse im bayr. Wahlkampf), solange werden radikale Parteien wie die Linke und die AfD Zulauf erhalten. Ich hatte es letztens schon geschrieben, diese radikalen Parteien sind schon jetzt stärker als bei den Reichstagswahlen 1928.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson

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