Ist unsere Demokratie in Gefahr?

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zollagent
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon zollagent » Do 12. Jul 2018, 12:00

Die AfD scheint ohnehin ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie zu haben. Hier nur EIN Beispiel von inzwischen sehr vielen. Man könnte glauben, es gäbe eine neue Psychokrankheit namens Trumpismus.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 12. Jul 2018, 12:03

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Jul 2018, 09:04)

Gut. Ja. Auch wenn man das aus Sicht einer europäischen, von den Idealen der griechisch-römischen Antike geprägten Kultur anzweifeln mag. In dieser Kultur werden Dispute öffentlich geführt. Die Schlüssigkeit der Argmente ist entscheidend. Hass ist verpönt.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Kritikaster » Do 12. Jul 2018, 12:04

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:47)

1. Die Kernaufgabe des Parlamentes ist es, über Gesetze zu entscheiden, da kann und darf es mMn. keine wichtigeren Termine und Verpflichtungen geben.

2. Das ist aber nichts, was durch die Geschäftsordnung geregelt werden sollte. Minderheitsregierungen müssen für ihre Vorhaben sowieso um Mehrheiten werben.

3. Hast du eine Quelle, dass Katastrophenfälle vom Parlament festgestellt werden? MW. ist das eine Aufgabe von hochrangigen Beamten.

1. Wie gesagt, ich hätte nichts gegen eine solche Regelung. Wenn sie umsetzbar ist, hat sie "meinen Segen".

2. Richtig. Mein Hinweis stellt ja auch lediglich klar, dass Deine Annahme, "So etwas kann die Regierungsfraktion ja durch Anwesenheit unterbinden", nicht in jedem Fall zutreffend ist.

3. Hier ist festzuhalten, dass die Frage der Beschlussfähigkeit des Parlaments - auch bei Ausbruch einer von mir genannten Epidemie, von der ja nicht klar ist, in welchem Umfang die Abgeordneten direkt betroffen sind - nicht an Beamte quasi outgesourced werden sollte. Auch in einem solch hypothetischen Fall sollte m.A.n. diese Feststellung durch die - unabhängigen - Abgeordneten selbst erfolgen.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Skeptiker » Do 12. Jul 2018, 12:31

zollagent hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:49)
Ebensowenig. Allenfalls eine neue Ausfertigung der Zusammenschlüsse der antidemokratischen Gruppen. Gab ja schon früher derartige Versuche, NPD, DVU, Republikaner.... Alter Wein in neuem Schlauch. Und mit Demokratie haben diese Damen und Herren nur insoweit zu tun, daß sie Wege suchen, wie sie das demokratische Instrumentarium nutzen können, die Demokratie abzuschaffen.

Es geht nicht darum ob Dir diese Reaktion des demokratischen Systems gefällt, es ist de facto trotzdem die Reaktion des demokratischen Systems.

Eine Demokratie erzeugt umso breitere Ränder, je homogener sich ihre Mitte darstellt. Ob es dir gefällt oder nicht, diese Parteien sind die LOGISCHE Konsequenz. Was wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 12. Jul 2018, 12:36

Kritikaster hat geschrieben:(12 Jul 2018, 10:58)

Ich finde es angesichts der geringen Zahl an Anwesenden bei der Abstimmung umso erstaunlicher, dass sich nicht mehr Gegner dieses Gesetzes zur Stimmabgabe einfanden. Die hätten doch entweder die Beschlussunfähigkeit herbeiführen können oder aber bei der Abstimmung das Gesetzesvorhaben scheitern lassen können. Selten war die einzelne Stimme so wertvoll wie an dem Tag!


die Sache ist ja eigentlich noch viel einfacher. Der Abstimmung gehen ja in der Regel zahlreiche Debatten voraus in denen jeder die Möglichkeit hat seine Meinung zum Gesetzesentwurf kundzutun. Genauso folgen auf diese Debatten auch Anpassungen im Gesetzentwurf. Zu dem Zeitpunkt an dem der Gesetzesentwurf zur Abstimmung ist in der Regel auch klar, wie die Fraktionen dazu abstimmen. Ohne jetzt das Wort Fraktionszwang zu gebrauchen, wird üblicherweise innerhalb der Fraktionen gleich abgestimmt, also der Gesetzentwurf abgelehnt oder angenommen. Was nun die Beschlussfähigkeit des Bundestages angeht, ist der laut Geschäftsordnung nur beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte der Bundestagsabgeordneten anwesend ist. Und das wird nun mal angenommen, selbst wenn es offensichtlich ist, dass die Hälfte nicht anwesend ist. Insofern müsste hier eine Fraktion oder eine Mindestzahl der Anwesenden (ich glaube 5%) die Beschlussfähigkeit anzweifeln. Und dann ist es auch ganz einfach. Dann wird offiziell nachgezählt, dann ist die Hälfte nicht erreicht und es wird festgestellt dass der Bundestag nicht beschlussfähig ist.
Das passiert allerdings selten und ergibt letztendlich auch nur dann Sinn, wenn man davon ausgehen kann, dass das Abstimmungsergebnis anders wäre, wenn mehr als 50% der Bundestagsabgeordneten anwesend wäre. Und genau das ist zumindest dann nicht der Fall, wenn Mehrheitsverhältnisse der anwesenden Mitglieder zumindest ansatzweise der des Gesamtbundestages entsprechen.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Kritikaster » Do 12. Jul 2018, 12:49

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(12 Jul 2018, 13:36)

die Sache ist ja eigentlich noch viel einfacher. Der Abstimmung gehen ja in der Regel zahlreiche Debatten voraus in denen jeder die Möglichkeit hat seine Meinung zum Gesetzesentwurf kundzutun. Genauso folgen auf diese Debatten auch Anpassungen im Gesetzentwurf. Zu dem Zeitpunkt an dem der Gesetzesentwurf zur Abstimmung ist in der Regel auch klar, wie die Fraktionen dazu abstimmen. Ohne jetzt das Wort Fraktionszwang zu gebrauchen, wird üblicherweise innerhalb der Fraktionen gleich abgestimmt, also der Gesetzentwurf abgelehnt oder angenommen. Was nun die Beschlussfähigkeit des Bundestages angeht, ist der laut Geschäftsordnung nur beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte der Bundestagsabgeordneten anwesend ist. Und das wird nun mal angenommen, selbst wenn es offensichtlich ist, dass die Hälfte nicht anwesend ist. Insofern müsste hier eine Fraktion oder eine Mindestzahl der Anwesenden (ich glaube 5%) die Beschlussfähigkeit anzweifeln. Und dann ist es auch ganz einfach. Dann wird offiziell nachgezählt, dann ist die Hälfte nicht erreicht und es wird festgestellt dass der Bundestag nicht beschlussfähig ist.
Das passiert allerdings selten und ergibt letztendlich auch nur dann Sinn, wenn man davon ausgehen kann, dass das Abstimmungsergebnis anders wäre, wenn mehr als 50% der Bundestagsabgeordneten anwesend wäre. Und genau das ist zumindest dann nicht der Fall, wenn Mehrheitsverhältnisse der anwesenden Mitglieder zumindest ansatzweise der des Gesamtbundestages entsprechen.

Du sagst es.

Analog dazu ist es unter den staatstragenden Demokraten im Parlament Usus, dass im Falle knapper Mehrheiten bei Verhinderung von Stimmberechtigten einer Seite (z.B. aufgrund von Krankheit) - sei es bei der Regierung oder der Opposition - eine entsprechende Zahl von Abgeordneten der jeweils anderen Seite auf ihre Teilnahme an einer Abstimmung verzichtet, um keinen Vorteil aus dem persönlichen Schicksal der Betroffenen zu ziehen.

Ob so etwas mit der Afd möglich ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Dark Angel » Do 12. Jul 2018, 13:28

Kritikaster hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:41)

Um das gleich zu setzen, muss man aber mal so überhaupt keine Ahnung von den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen haben. :rolleyes:

Meinst du?
Auch in der DDR gab es mehrere Parteien und diese Parteien schickten ihre Kandidaten ins Parlament.
Ja - das gab es auch in der DDR - nannte sich Volkskammer.
Die Kandidaten der Parteien wurden in Sammellisten zusammen gefasst und theoretisch - aber eben nur theoretisch - hatte jeder Wähler die Möglichkeit, einzelne Kandidaten zu streichen.
Die Regierungsbildung erfolgte unter Berücksichtigung von Abgeordneten aller Parteien, der Staatsrat setzte sich ebenfalls aus Abgeordneten aller Parteien zusammen.
Was ist das anderes als eine Allparteienkoalition?

Eine parlamentarische Opposition existierte in der DDR nicht.

Gleiches käme bei einer Allparteienkoalition in der Bundesrepublik zustande.
Eine parlamentarische Opposition wäre dann nicht mehr existent.

Allerdings hat die parlamentarische Opposition wichtige Aufgaben in einer Demokratie wahrzunehmen:

"Die Rolle der Opposition ist es, als programmatische und personelle Alternative zur bestehenden Regierungsmehrheit am politischen Prozess zu partizipieren, konkurrierende Gemeinwohlentwürfe anzubieten und einem möglichen Machtmissbrauch durch die Regierung entgegenzuwirken. Die Funktionsfähigkeit der parlamentarischen Demokratie beruht darauf, dass Regierungsfraktion(en) und Oppositionsfraktion(en) einander organisiert gegenüberstehen und die parlamentarische Willensbildung in ihren Gremien vorbereiten. Dieses System kann jedoch nur dann funktionieren, wenn die Minderheit
ihrerseits die Chance sieht, zur Mehrheit zu werden." [...]
Quelle


Ich bestreite nicht, dass es Situationen geben kann, die eine Allparteienkoalition erforderlich machen. Das sind bzw sollen sein Krisen- oder Notstandssituationen, die eine Zusammenarbeit aller, im Parlament vertretenen - Parteien notwendig machen.
Als Mittel zur Regierungsbildung in "normalen Zeiten" ist eine Allparteienkoalition ungeeignet.
In der Bundesrepublik gab es Allparteienkoalitionen bisher auch nur auf Länderebene, in den frühen Jahren.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Dark Angel » Do 12. Jul 2018, 13:33

Kritikaster hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:47)

Achte auf die Feinheiten: Vor Ort lässt sich zumindest feststellen, ob es auch der Abgeordnete ist, der seine Stimme abgibt.

Rein vom technischen Standpunkt her, ließe es sich durchaus sicherstellen, dass nur der Abgeordnete seine Stimme abgeben kann.
Ob das allerdings sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage

Kritikaster hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:47)
Nein, ich halte nichts von einem virtuellen Parlament.

Ich auch nicht.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Kritikaster » Do 12. Jul 2018, 13:42

Dark Angel hat geschrieben:(12 Jul 2018, 14:28)

Meinst du?
Auch in der DDR gab es mehrere Parteien und diese Parteien schickten ihre Kandidaten ins Parlament.
Ja - das gab es auch in der DDR - nannte sich Volkskammer.
Die Kandidaten der Parteien wurden in Sammellisten zusammen gefasst und theoretisch - aber eben nur theoretisch - hatte jeder Wähler die Möglichkeit, einzelne Kandidaten zu streichen.
Die Regierungsbildung erfolgte unter Berücksichtigung von Abgeordneten aller Parteien, der Staatsrat setzte sich ebenfalls aus Abgeordneten aller Parteien zusammen.
Was ist das anderes als eine Allparteienkoalition?

Eine parlamentarische Opposition existierte in der DDR nicht.

Gleiches käme bei einer Allparteienkoalition in der Bundesrepublik zustande.
Eine parlamentarische Opposition wäre dann nicht mehr existent.

Allerdings hat die parlamentarische Opposition wichtige Aufgaben in einer Demokratie wahrzunehmen:

"Die Rolle der Opposition ist es, als programmatische und personelle Alternative zur bestehenden Regierungsmehrheit am politischen Prozess zu partizipieren, konkurrierende Gemeinwohlentwürfe anzubieten und einem möglichen Machtmissbrauch durch die Regierung entgegenzuwirken. Die Funktionsfähigkeit der parlamentarischen Demokratie beruht darauf, dass Regierungsfraktion(en) und Oppositionsfraktion(en) einander organisiert gegenüberstehen und die parlamentarische Willensbildung in ihren Gremien vorbereiten. Dieses System kann jedoch nur dann funktionieren, wenn die Minderheit
ihrerseits die Chance sieht, zur Mehrheit zu werden." [...]
Quelle


Ich bestreite nicht, dass es Situationen geben kann, die eine Allparteienkoalition erforderlich machen. Das sind bzw sollen sein Krisen- oder Notstandssituationen, die eine Zusammenarbeit aller, im Parlament vertretenen - Parteien notwendig machen.
Als Mittel zur Regierungsbildung in "normalen Zeiten" ist eine Allparteienkoalition ungeeignet.
In der Bundesrepublik gab es Allparteienkoalitionen bisher auch nur auf Länderebene, in den frühen Jahren.

Jetzt redest Du im Konjunktiv. Klang für mich vorher anders.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 12. Jul 2018, 14:04

Im Gesetzgebungsverfahren der Bundesrepublik steht, dass dieses für die Demokratie äußerst wichtige Gesetzesinitiativrecht nicht nur der Regierung und der Länderkammer sondern ausdrücklich auch, wie es wörtlich aber eben nur "drittens" heißt, der "Mitte des Bundestags". Der Bundestag sollte also nicht einfach nur en Durchwinkungsverein sondern ganz ausdrücklich auch eine Lenkungsinstanz sein. Realiter kommen rund 80 Prozent der Gesetze von der Exekutive. Das ist demokratiemäßig kontraproduktiv. Die Exekutive soll nur exekutieren. Die Legislative soll den generellen Kurs bestimmen,

Ich bin ganz entschieden sowohl gegen eine regierungsamtliche Anmaßungspolitik a la Schröder oder Merkel als auch gegen eine direkte Volkswillensausübung ohne Verantwortungsübernahme. Bundestag und vor allem EU-Parlament müssen gestärkt werden. Und überhaupt erst mal wieder als Verantwortungsinstanzen ins Bewusstsein gerückt werden.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon SirToby » Do 12. Jul 2018, 14:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Jul 2018, 08:50)

Unsinn. Niemand auf einem evangelischen Kirchentag wird das als "Mut" oder "Zivilcourage" empfinden. Es ist einfach Konsens. Genauso wie es Konsens auf einer Herrentagsparty ist, gegen Links und Grün zu wettern oder wie es Konsens unter Neurechten Intellektuellen ist, einer "Deutugungshoheit" ausgesetzt zu sein. Argumentiert einfach!


Die Herren und Damen vom rot-grünen Spektrum empfinden das genau so: Scheunentore einrennen und sich für seinen "Mut" feiern lassen. Der Mensch will halt ein Held sein, das steckt in uns allem drin.

Bei den Herrentagspartys heisst es: "Endlich sagt's mal einer!"

Bei den Linken heisst es Zivilcourage.

Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist, dass letztere wesentlich mehr Sympathisanten im Bereich der Medien haben. Und das macht den Zeitgeist dann aus. Was sie aber trotzdem nicht daran hindert, sich als "gegen den Strom schwimmend" zu empfinden. Das ist so ein Beispiel:

https://www.zeit.de/politik/deutschland ... -interview

P.S.: es gab in der Welt vor einigen Jahren mal einen hervorragenden Artikel zum Thema; Wie alle stets glauben gegen den Mainstream zu schwimmen, leider finde ich ihn nicht mehr...
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon firlefanz11 » Do 12. Jul 2018, 15:44

Schnitter hat geschrieben:(11 Jul 2018, 18:33)

Hast du Probleme mit weiblichen Führungskräften?

Wenn sie kompetent sind nicht... :p :cool:
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon firlefanz11 » Do 12. Jul 2018, 15:46

Selina hat geschrieben:(11 Jul 2018, 19:57)

Das ist ebenso wenig in Ordnung. Selbstverständlich nicht. Wobei die Genannten auch keine Waisenknaben sind, was bestimmte Äußerungen anbelangt. Dennoch: Selbst in Fällen, wo diese Politiker unsägliche geschichtsrevisionistische und fremdenfeindliche Äußerungen von sich geben, sollte sich die andere Seite trotzdem zurückhalten und nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Seine Abscheu kann man auch sehr sachlich und ohne Hass-Vokabular äußern.

Schön, dass Du das so siehts. Sind ja nicht alle Foristen so gemäßigt eingestellt...
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Selina » Do 12. Jul 2018, 16:05

SirToby hat geschrieben:(12 Jul 2018, 15:55)

Die Herren und Damen vom rot-grünen Spektrum empfinden das genau so: Scheunentore einrennen und sich für seinen "Mut" feiern lassen. Der Mensch will halt ein Held sein, das steckt in uns allem drin.

Bei den Herrentagspartys heisst es: "Endlich sagt's mal einer!"

Bei den Linken heisst es Zivilcourage.

Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist, dass letztere wesentlich mehr Sympathisanten im Bereich der Medien haben. Und das macht den Zeitgeist dann aus. Was sie aber trotzdem nicht daran hindert, sich als "gegen den Strom schwimmend" zu empfinden. Das ist so ein Beispiel:

https://www.zeit.de/politik/deutschland ... -interview

P.S.: es gab in der Welt vor einigen Jahren mal einen hervorragenden Artikel zum Thema; Wie alle stets glauben gegen den Mainstream zu schwimmen, leider finde ich ihn nicht mehr...


Auf den Herrentagsparties wird einfach zu viel Nazijargon gepflegt. Das hat nix mit "Schwimmen gegen den Mainstream" zu tun. Einfach nur rassistisches, fremdenfeindliches Zeuchs. Und dann noch besoffen. Igitt.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Billie Holiday » Do 12. Jul 2018, 16:07

Selina hat geschrieben:(12 Jul 2018, 17:05)

Auf den Herrentagsparties wird einfach zu viel Nazijargon gepflegt. Das hat nix mit "Schwimmen gegen den Mainstream" zu tun. Einfach nur rassistisches, fremdenfeindliches Zeuchs. Und dann noch besoffen. Igitt.


Du bist dabei?
Ich kann dazu nichts sagen, weil ich nicht teilnehme, weiß daher nicht, was die so reden. Gut, dass du uns aufklärst als Insider.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Selina » Do 12. Jul 2018, 16:21

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Jul 2018, 09:04)

Gut. Ja. Auch wenn man das aus Sicht einer europäischen, von den Idealen der griechisch-römischen Antike geprägten Kultur anzweifeln mag. In dieser Kultur werden Dispute öffentlich geführt. Die Schlüssigkeit der Argmente ist entscheident. Hass ist verpönt.


Genau. Ich weiß auch nicht genau, wieso man nicht sehr rigide mit solchen Sätzen, wie zum Beispiel "die haben vergessen, dich zu vergasen", "warte nur, was wir mit dir anstellen, wen wir an der Macht sind" und dergleichen mehr, umgehen sollte. Und ob das nun über den normalen polizeilich-juristischen Weg (Anzeige, Ermittlungsverfahren, Anklage, Urteil) geht oder per zusätzlichem Netz-Gesetz aufgespürt und geahndet wird, ist doch wurscht. Hauptsache, es wird geahndet. Wüsste nicht, was diese Menschenverachtung mit Meinungsfreiheit zu tun haben sollte. Komisch: Über solche übelsten inhumanen Kommentare wird sich nicht aufgeregt, nur über ein Gesetz, das gegen so einen Dreck entwickelt worden ist. Klar steht die Meinungsfreiheit ganz oben auf der Prioritäten-Liste der bürgerlichen Freiheiten. Logisch. Trotzdem darf Menschenverachtung nicht Tür und Tor geöffnet werden. Und das passiert doch ständig.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon SirToby » Do 12. Jul 2018, 16:22

relativ hat geschrieben:(12 Jul 2018, 10:30)

Sorry , aber das sehe ich nicht so.
Je nachdem wie lange eine Regierung wirkt und was sie aus ihrer regierungsarbeit rausholt, kann sich ne Menge ändern. Natürlich nicht von heute auf morgen. Aber wir haben mom. etliche "demokratische" Staaten wo genau dieses Wirkungshandel praktiziert wird.
Gewisses Wirkungshandel und auch kommuniziertes Wunschhandel, sollte jeden Freiheitsliebenden (nein, nicht nur für sich) Menschen sofort in Alarmstellung Rot bringen.
Erdogan ist quasi schon so weit, daß sich sein "Wirkungshandel" für ihn auszahlt, bei Putin ist es ja schon da.
Überall um uns herrum wird versucht freiheitliche demokratische Errungenschaften der Nachkriegsjahre zu pulverisieren und das wirklich schlimme daran ist m.M., daß es nicht etwa demokratische Politiker versuchen einen "kleinen" Systemwandel zu erzeugen, sondern eben welche, die ganz andere Intentionen haben.


Sie haben keinen Grund sich zu entschuldigen. Es ihr Grundrecht und unterschiedliche Meinungen sind das Fundament des Pluralismus. :thumbup:

Sie haben sicherlich Recht mit ihrer Einschätzung der Türkei und Russlands. Nur muss ich dagegen einwenden, dass diese Länder niemals eine starke Rechtsstaatkultur hatten und im Vergleich zu uns eher schwache Institutionen.

Es ist in der Tat so, dass die Systeme solcher Schwellenländer sehr anfällig sind für die o.g. Beeinflussung. Da werden ein paar unliebsame Journalisten tatsächlich mal schnell "entsorgt" oder einfach auf offener Strasse erschossen.

Auf Deutschland und andere entwickelte Länder trifft dies jedoch nicht zu. Beispiel: Berlusconi mag nicht dem Prototyp des aufgeklärten europäischen Demokraten entsprochen haben, aber es nicht so, dass während seiner Amtszeit Journalisten und Gegner seiner Regierung mit dem Leben bedroht wurden.

Im Falle der AfD könnte sie auch nur mit einem Partner koalieren, was bedeutet, dass ihre radikalsten Forderungen in einem Koalitionsvertrag abgemildert würden oder zumindest geschleift werden.

Auf der anderen Seite würde es die Debatte normalisieren. Die AfD könnte sich nicht mehr auf ihren Opferstatus berufen, und ihre Gegner würden sich mit ihren Nazi-Vorwürfen halt offiziell gegen eine Regelung stellen.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Selina » Do 12. Jul 2018, 16:26

Billie Holiday hat geschrieben:(12 Jul 2018, 17:07)

Du bist dabei?
Ich kann dazu nichts sagen, weil ich nicht teilnehme, weiß daher nicht, was die so reden. Gut, dass du uns aufklärst als Insider.


Wer nicht blind durchs Leben läuft, sieht die "Herren" in diversen Kneipen sitzen und auf diversen Straßen grölen. Schließlich passiert es schon mal, dass man mal ein Ausflugslokal aufsucht oder die Straße entlangläuft. Kommt halt vor. Bei dir nicht? :D
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon SirToby » Do 12. Jul 2018, 16:27

Selina hat geschrieben:(12 Jul 2018, 17:05)

Auf den Herrentagsparties wird einfach zu viel Nazijargon gepflegt. Das hat nix mit "Schwimmen gegen den Mainstream" zu tun. Einfach nur rassistisches, fremdenfeindliches Zeuchs. Und dann noch besoffen. Igitt.


Sie beweisen ein ums andere Mal, dass Ihnen an einem freien Austausch von Meinungen nichts liegt. Am Beleidigen von Menschen mit Nazi-Vorwürfen umso mehr. Für mich sind Sie eine unverbesserliche Hasspredigerin und ein Grund dafür warum das politische Klima so vergiftet ist.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Selina » Do 12. Jul 2018, 16:28

SirToby hat geschrieben:(12 Jul 2018, 17:27)

Sie beweisen ein ums andere Mal, dass Ihnen an einem freien Austausch von Meinungen nichts liegt. Am Beleidigen von Menschen mit Nazi-Vorwürfen umso mehr. Für mich sind Sie eine unverbesserliche Hasspredigerin und ein Grund dafür warum das politische Klima so vergiftet ist.


Danke. Es leben die Herrentagsparties, sie leben hoch! :D
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