Ist unsere Demokratie in Gefahr?

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Tom Bombadil
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Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 2. Jun 2018, 14:31

In letzter Zeit häufen sich die Meldungen, dass die Bürger mal wieder das Vertrauen in eine Institution verloren haben.

Beispiel Politik: https://de.statista.com/statistik/daten ... -parteien/ Nur noch 33% vertrauen den politischen Parteien. Noch eine weitere Quelle: https://www.fes-mup.de/files/mup/pdf/Pr ... e_2016.pdf

Beispiel Rechtsstaat: https://www.t-online.de/nachrichten/deu ... assiv.html Hier vertrauen aber immerhin noch 55% den rechtsstaatlichen Institutionen, trotzdem ist das mMn. ein besorgniserregender Wert.

Beispiel "4. Gewalt": http://www.spiegel.de/spiegel/journalis ... 95175.html 71% haben nur noch (stark) eingeschränktes Vertrauen in die Medien.

Ich halte diese Entwicklung für sehr gefährlich, weil sie Extremisten Vorschub leistet, was die Demokratie weiter schwächt. Dazu kommen ja auch noch äußere Einflüsse, Autokraten allerorten, die sich - so hat es den Anschein - aller Fesseln entledigt haben und ohne große Probleme tun und lassen, was sie wollen (zB. Putin, Erdogan, Trump, Orban).

Was kann man gegen das schwindende Vertrauen der Bürger tun? Und wann ist ein "point of no return" erreicht, an dem die ganze Sache endgültig kippt? Oder ist das alles halb so wild, Wahlerfolge wie der der AfD nur temporär zu sehen?
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Polibu » Sa 2. Jun 2018, 15:00

Transparenz wäre wichtig. Volksentscheide wären wichtig. Es kann nicht sein, dass wir einmal alle 4 Jahre antanzen dürfen und dann die nächsten 4 Jahre ignoriert werden. Es werden zig Wahlversprechen gemacht und kaum welche gehalten. Und die Regierung kommt mit diesen Lügen durch. Ist doch klar, dass das Vertrauen in die Politik bei immer mehr Menschen verloren geht. "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht."

Aber ich gebe mich da keinen Illusionen mehr hin. Der Zug ist für mich abgefahren. Es wird sich nichts ändern.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon PeterK » Sa 2. Jun 2018, 15:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Jun 2018, 15:31)
Oder ist das alles halb so wild, Wahlerfolge wie der der AfD nur temporär zu sehen?

Ich halte das eher für hysterisches Gequassel. Wer hat denn in den letzten Jahrzehnten "den Medien" oder "den Parteien" in ihrer jeweiligen Gesamtheit "vertraut"? Sinnvollerweise hat das wohl kaum jemand getan; alles andere wäre ja auch dumm Tüch.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon BingoBurner » Sa 2. Jun 2018, 15:27

Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Ja.........
Wenn man mit Lügen und Halbwahrheiten siegen kann........dann ja........siehe Brexit, siehe Trump, siehe Erdogan, siehe Putin, siehe Orban....such dir was aus.....
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Polibu » Sa 2. Jun 2018, 15:28

PeterK hat geschrieben:(02 Jun 2018, 16:26)

Ich halte das eher für hysterisches Gequassel. Wer hat denn in den letzten Jahrzehnten "den Medien" oder "den Parteien" in ihrer jeweiligen Gesamtheit "vertraut"? Sinnvollerweise hat das wohl kaum jemand getan; alles andere wäre ja auch dumm Tüch.


Es geht ja auch darum, dass das Vertrauen noch mehr verloren gegangen.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon PeterK » Sa 2. Jun 2018, 15:37

Polibu hat geschrieben:(02 Jun 2018, 16:28)
Es geht ja auch darum, dass das Vertrauen noch mehr verloren gegangen.

Das sehe ich nicht so. Die "Ich-glaub-Euch-gar nichts"-Aluhut-Träger gab es IMO schon immer. Sie können sich heutzutage lediglich auf bequemere Weise äußern.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Europa2050 » Sa 2. Jun 2018, 15:39

BingoBurner hat geschrieben:(02 Jun 2018, 16:27)

Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Ja.........
Wenn man mit Lügen und Halbwahrheiten siegen kann........dann ja........siehe Brexit, siehe Trump, siehe Erdogan, siehe Putin, siehe Orban....such dir was aus.....


Leider muss ich Dir zustimmen :(

Jeden Tag 1000 neue Lügen über unseren Staat, seine Organe, die Medien und die EU. Ob sie aufgedeckt werden oder nicht - irgend etwas bleibt beim Bürger immer hängen. Und irgendwann wird nach dem starken Mann geschrien, der für Ordnungin dem Saustall sorgt...

Hätte 1989 - in den Momenten des Glückes - mir jemand gesagt, dass faschistisches Gedankengut knapp dreißig Jahre später unser politisches Problem wird, und „starke Männer“ ein Comeback erhalten - hätte ich ihn ausgelacht.

Zu unrecht.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Der Neandertaler » Sa 2. Jun 2018, 15:49

Hallo Tom.
Tom Bombadil hat geschrieben:In letzter Zeit häufen sich die Meldungen, dass die Bürger mal wieder das Vertrauen in eine Institution verloren haben.
[...]
Ich halte diese Entwicklung für sehr gefährlich, ... was die Demokratie weiter schwächt.
Warum versuchst Du nicht mal zu unterscheiden? "Nur noch 33% vertrauen den politischen Parteien" - "aber immerhin noch 55% den rechtsstaatlichen Institutionen" Klar, besorgniserregend ... vielleicht! ... aber was hat das mit Demokratie zu tun? Es ist Vertrauensverlust. Verlust in etwa rechtsstaatliche Institutionen - mehr nicht.
Allenfalls: "71% haben nur noch (stark) eingeschränktes Vertrauen in die Medien" ... dies könnte der Demokratie schaden ... vielleicht?!? Allerdings halte ich das alles für übertrieben. Die Demokratie ... unser Staat als solches hat viel überstanden - etwa die RAF, eine, meiner Meinung nach, viel schwerwiegendere Situation, ... da wird sie wohl auch noch das durchsichtige und dumpfe Geschrei von dumpfen Teilen der Gesellschaft, in Sachen Demokratieverlust, überstehen.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 2. Jun 2018, 15:57

PeterK hat geschrieben:(02 Jun 2018, 16:26)

Ich halte das eher für hysterisches Gequassel.

Naja, über den Vertrauensverlust werden sich viele Gedanken gemacht, weitab "hysterischen Gequassels". ZB. in diesem Aufsatz von Ute Kumpf (SPD), ab S. 20: http://library.fes.de/pdf-files/dialog/10117.pdf
Wem schenkt der Bürger denn sein Vertrauen, wenn er den etablierten Institutionen nicht mehr vertraut? Warum feiern Radikale Wahlerfolge, warum werden Fake News ernst genommen?
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Der Neandertaler » Sa 2. Jun 2018, 16:05

Europa2050 hat geschrieben:Hätte 1989 - in den Momenten des Glückes - mir jemand gesagt, dass faschistisches Gedankengut knapp dreißig Jahre später unser politisches Problem wird, und „starke Männer“ ein Comeback erhalten - hätte ich ihn ausgelacht.
Da muß ich Dir leider leicht widersprechen! Es gibt und gab Expertisen, die belegen, daß schon immer - je nach lesart - etwa 15 bis 20 Prozent rechtes Gedankengut vertreten. Da sich aber niemand gerne freiwillig dazu bekennt (wer läßt sich schon gerne in die Naziecke stellen?), ... deshalb hat man lieber eine der demokratischen Parteien gewählt. Parteien, die dessen Überzeugungen eher gerecht werden ... näher kommt. Was nun die ganze Sache so bedrohlich aussehen läßt, ist die Tatsache, daß sich die Sprache verändert hat ... daß rechtes und "faschistisches Gedankengut" auszusprechen, ... daß dies Einzug in unsere Parlamente gezogen hat. Daß somit der Eindruck entstanden ist, es wäre normal und gesellschaftlich akzeptiert, daß derartige Ansichten und Äußerungen zu vertreten, in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind. Ich halte es aber nicht für eine Bedrohung unsere Demokratie!
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 2. Jun 2018, 16:08

Der Neandertaler hat geschrieben:(02 Jun 2018, 16:49)

aber was hat das mit Demokratie zu tun?

Gewaltenteilung. Alle drei Säulen der Staatsgewalt haben an Vertrauen verloren und auch die sog. "4. Gewalt", die Medien, steckt in einer Glaubwürdigkeitskrise.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Der Neandertaler » Sa 2. Jun 2018, 16:09

... eben: Glaubwürdigkeitskrise!
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Kritikaster » Sa 2. Jun 2018, 16:10

Der Neandertaler hat geschrieben:(02 Jun 2018, 17:05)

Da sich aber niemand gerne freiwillig dazu bekennt (wer läßt sich schon gerne in die Naziecke stellen?), ... deshalb hat man lieber eine der demokratischen Parteien gewählt.

Die Expertisen sind bekannt, und dennoch: So wirklich schlüssig scheint mir das nicht zu sein, denn in der Wahlkabine bekommt schließlich niemand mit, wo jemand sein Kreuz macht. Warum also sollte man da gegen die eigene Überzeugung votieren?
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Quatschki » Sa 2. Jun 2018, 16:33

Was ist eigentlich Demokratie?
Eine Regierungsform, in der Bürger, die unterschiedliche Interessen haben, ihre Vertreter wählen, die dann in den Parlamenten mit den Vertretern der Anderen Kompromisse aushandeln.
Nicht mehr und nicht weniger.
Je heterogener eine Gesellschaft wird, desto unterschiedlicher und gegenläufiger die Interessen und desto kleiner die Schnittmenge für Kompromisse. Und desto größer die Anzahl derer, die mit den ausgehandelten Entscheidungen nicht mehr zufrieden zu stellen sind.
Es ist Deutscvhland hier!
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Polibu » Sa 2. Jun 2018, 16:35

Quatschki hat geschrieben:(02 Jun 2018, 17:33)

Was ist eigentlich Demokratie?


Guck in die Schweiz. Dann weisst du was Demokratie ist.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon think twice » Sa 2. Jun 2018, 16:38

Polibu hat geschrieben:(02 Jun 2018, 17:35)

Guck in die Schweiz. Dann weisst du was Demokratie ist.

Ja, die Schweiz ist schön....schön teuer. :)
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon think twice » Sa 2. Jun 2018, 16:43

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Jun 2018, 16:57)


Wem schenkt der Bürger denn sein Vertrauen, wenn er den etablierten Institutionen nicht mehr vertraut? Warum feiern Radikale Wahlerfolge, warum werden Fake News ernst genommen?

Und? Sollen sich die Etablierten jetzt auf Angsthasen-, Radikalen- und Fake-News-Niveau begeben, damit der Buerger wieder Vertrauen fasst?
#ausgehetzt - Danke München!
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 2. Jun 2018, 16:48

think twice hat geschrieben:(02 Jun 2018, 17:43)

...

Wenn du meinst, dass das eine sinnvolle Gegenstrategie wäre, dann sei das so, ich glaube jedoch nicht, dass das funktionieren würde.
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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon BingoBurner » Sa 2. Jun 2018, 16:59

Quatschki hat geschrieben:(02 Jun 2018, 17:33)

Was ist eigentlich Demokratie?


DEMOKRATIE BEDEUTET

Dir gehört der ganze Laden ! (EinTeil)
Die Knarre die ein Polzist trägt ?
Deine !

Ich bin zur Uni gegangen !
Danke, du hast mir diese Möglichkeit bezahlt !

Die Lebenserwartung steigt ?
Danke, du hast dazu beigetragen !

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Re: Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Beitragvon jack000 » Sa 2. Jun 2018, 17:03

Es ist alles "im Arsch" hier:
Mutmaßlich kriminelle Machenschaften im Flüchtlingsamt, eine frustrierte Polizei, die Justiz im Dauerstress: Der Staat funktioniert immer weniger. Und die Bürger verlieren das Vertrauen.
Rund 50 Meter von der Landesgrenze nach Niedersachsen entfernt steht in Bremen-Nord ein kleines, unscheinbares älteres Einfamilienhaus. Wer hier vorbeifährt, käme nicht darauf, dass sich hinter den zugezogenen Vorhängen eine der Schlüsselfiguren des größten Asylskandals der deutschen Geschichte versteckt.

[...]
Das Vertrauen ins Bamf und in die Justiz bröckelt
Die Deutschen kennen ihren Staat als penibel und regelwütig, der Mülltrennung anordnet und Rasenmähzeiten vorschreibt. Dort, wo er am wichtigsten wäre, diesen Eindruck haben immer mehr Bürger, gleiten ihm allerdings die Dinge aus den Händen.

Und viele Deutsche reagieren, indem sie ihrem Staat Vertrauen entziehen. Nach Bekanntwerden des Bamf-Skandals setzen nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey nur noch neun Prozent großes oder sehr großes Vertrauen in die korrekte Arbeit der Asylbehörde. Auch das Zutrauen in die Justiz zerbröselt. Nach den Zahlen des „Roland Rechtsreports 2017“ nehmen 73 Prozent der Deutschen eine Überlastung der Gerichte wahr. Und nur noch 31 Prozent geben an, großen Respekt vor Richtern zu haben.

[...]
Es gibt viel zu wenig Personal
Das Kriminalgericht in der Turmstraße 91 wirkt eigentlich nicht wie ein Behördenbau. Eher wie eine Trutzburg in wilhelminischer Pracht. Das größte Strafgericht Europas. Wer die imposante Treppe zu den Räumen der Berliner Staatsanwaltschaft hinaufgeht, muss einfach daran glauben, dass der Rechtsstaat bombenfest dasteht.

„Das sieht hier alles zwar hübsch aus“, sagt Oberstaatsanwalt Ralph Knispel, 57. „Aber in Wirklichkeit machen wir hier nur noch fröhlich Musik wie die Kapelle auf der ,Titanic‘.“ Normalerweise klagen Knispel und sein Kollege Rudolf Hausmann, 56, Straftäter an. Nebenbei leiten sie die Vereinigung Berliner Staatsanwälte als Vorsitzender und Stellvertreter. Und in dieser Eigenschaft tragen sie eine Anklage gegen ihren Arbeitgeber vor: das Land Berlin.

[...]
Mal in München statt in Berlin klauen? "Bist du wahnsinnig? Wenn die dich schnappen, fährst du dort sofort ein"
Das spricht sich unter Straftätern herum. Zu Staatsanwalt Hausmanns Gebiet gehören auch die Ermittlungen zu reisenden Diebesbanden. In einem Abhörprotokoll konnte er exemplarisch nachlesen, warum die Justiz in der Hauptstadt kaum noch funktioniert. „Der eine aus der Bande hatte den anderen am Telefon gefragt, ob er nicht einmal versuchen sollte, in München ein paar Diebstähle zu begehen. Der andere hatte gesagt: ‚Bist du wahnsinnig? Wenn die dich schnappen, fährst du dort sofort ein.‘“ Die Chance, schon bei der ersten Tat eine Freiheitsstrafe für Diebstahl abzufassen, liege in Berlin ziemlich genau bei null.

[...]
Selbst wenn jemand eine Freiheitsstrafe bekommt, dann muss das hier nicht viel bedeuten. Im vergangenen Jahr schockte der Fall des verurteilten pädosexuellen Doppelmörders Oliver A. die Öffentlichkeit: Der Insasse der Justizvollzugsanstalt Tegel durfte im Jahr 2017 insgesamt 215-mal Gefängnisausgang genießen – er war also mehr draußen als drinnen. Kein Wunder also, dass Kriminelle gezielt dorthin gehen, wo Polizei und Justiz ohnehin schon schwach sind. Der Staat organisiert sich die Gründe für seine Überforderung auch selbst. Da erscheint es logisch, dass sich kriminelle Großclans in Berlin, Bremen und NRW niederlassen, aber nicht in Bayern.

[...]
Justizpolitiker machen den Beamten Hoffnung, dass alles leichter und schneller ginge, wenn irgendwann wenigstens die IT auf Vordermann gebracht ist. „Ja, die elektronische Akte“, sagt Ralph Knispel und macht ein Nussknackergesicht. „Die soll 2021 kommen. Aber wissen Sie was? Hier in der Behörde werden jeden zweiten Mittwoch um 17 Uhr alle Rechner zur Wartung heruntergefahren. Mit elektronischen Unterlagen könnten wir dann gar nicht mehr arbeiten.“

Natürlich könnten die Rechner auch nachts oder an den Wochenenden gewartet werden. Das würde allerdings ein bisschen mehr Geld kosten. Das Land Berlin erzielt zwar Haushaltsüberschüsse, wenn es aber um die Justiz geht, ist das Billigste gerade schlecht genug.

[...]
Die Erosion des Hauses symbolisiert für Gnisa den Rechtsstaat: „Er bröckelt.“ Der Chef des Deutschen Richterbunds (DRB) stellte schon in seinem 2017 veröffentlichten Buch „Das Ende der Gerechtigkeit“ fest, die Politik habe die Justiz „auf beunruhigend vielen Ebenen geschwächt“. Unsere Volksvertreter seien dabei, „eine der wichtigsten Säulen der Demokratie, die unabhängige Rechtsprechung“ einstürzen zu lassen.

[...]
"Was wir erleben, ist ein Rückzug des Staates auf breiter Front"
„Was wir hier sehen“, sagt Rainer Wendt*, „sind die Folgen eines flächendeckenden Rückzugs des Staates, von den Jugendämtern über Polizei und Justiz bis zum Strafvollzug.“ Wendt ist Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft – und einer der härtesten Kritiker des schwachen Staates. „Seit anderthalb Jahrzehnten ist fast überall mit der Parole vom ‚schlanken Staat‘ immer nur gespart worden. Das Ergebnis sind so ausgedünnte Strukturen, dass sie schon bei der kleinsten Mehrbelastung in den roten Bereich kommen.“

[...]
„Wir schaffen es eben nicht“
Das Fazit des Beamten, der seit 43 Jahren in der CDU ist: „Wenn Frau Merkel sagt ,Wir schaffen das‘, dann müssen wir leider feststellen: Wir schaffen es eben nicht.“

Dass Polizisten seit der Föderalismusreform 2006 regional sehr ungleich entlohnt werden, trägt seiner Ansicht nach dazu bei, dass es völlig unterschiedliche Polizeiwelten in Deutschland gibt. Wer als Polizist von Berlin nach München wechsle, verdiene mehr, auch in niedrigerer Rangstufe.

Berlins rot-rot-grüner Senat beschwichtigt, bis 2021 solle die Hauptstadtpolizei in der Bezahlung auf Bundesdurchschnitt gehievt werden. „Warum erst 2021? Warum nicht gleich?“, fragt Wendt. „Die Steuerkassen laufen doch über.“ Auch hier gilt: In Berlin mag es schlimmer sein als anderswo – aber die Polizei wirtschaftet insgesamt am Ende ihrer Leistungsfähigkeit. Bundesweit haben die Beamten 22 Millionen Überstunden angesammelt.

[...]
Allein die Fälle sogenannter Inobhutnahme von Minderjährigen durch Jugendämter verdoppelte sich in den vergangenen Jahren von 42123 Fällen 2013 auf 84230 Fälle 2016. Zum größten Zuwachs von 48059 auf 77645 Fälle kam es während der Flüchtlingswelle. Beckmann fordert: „Mehr Aufgaben müssen auch mit mehr personellen Ressourcen verknüpft werden.“ Nach ihren Berechnungen fehlen bundesweit 16000 ASD-Stellen in Jugendämtern. Die Zahl der zuständigen Fachkräfte müsste verdoppelt werden.

"In manchen Anstalten herrschen Zustände, die sehr grenzwertig sind"
Wir schaffen das nicht (mehr), das ist auch René Müllers Botschaft. Er arbeitet als Justizvollzugsbediensteter in Hamburg, ehrenamtlich leitet er den Bund Deutscher Strafvollzugsbediensteter. 2000 JVA-Beamte bräuchte der Strafvollzug in Deutschland eigentlich sofort, um wenigstens die vakanten Stellen zu besetzen. Gerade jetzt wären zusätzliche Kräfte dringend nötig. Gefängnisse wie die U-Haft in Berlin Moabit oder die JVA Chemnitz sind zu über 100 Prozent belegt. Als voll gilt ein Knast schon ab 90 Prozent. „In manchen Anstalten“, sagt Müller, „herrschen Zustände, die sehr grenzwertig sind.“

[...]
Die zweite Schlüsselfigur der Affäre ist laut Schmids Bericht der Hildesheimer Anwalt Irfan C. Er soll allein 503 Asylverfahren seiner Mandanten nach Bremen gebracht haben, obwohl nur 18 in die Zuständigkeit des Stadtstaates gefallen seien. Gerüchte, die ehemalige Bamf-Leiterin Ulrike B. sei in C. verliebt gewesen und habe deshalb Identitätsfeststellungen von Flüchtlingen gezielt verhindert, Datenbankabfragen unterbunden und Unterlagen nicht prüfen lassen, bezeichnet deren Anwalt Erich Joester gegenüber FOCUS als „Unsinn“.

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 83142.html

Aber der Staat hat ja noch ein anderes Gesicht:
Der Staat kann auch penibel
Es gibt noch einen anderen Staat: den Apparat, der seine Bürger systematisch überfordert. Während er seine Kernaufgaben nicht mehr geregelt bekommt, vertieft er sich liebevoll in Fußnoten und Spezialfälle. Etwa bei der Energiesparverordnung für Bauherren. Die führt zwar dazu, dass Shoppingcenter etwa ein Viertel weniger Heizenergie benötigen, Einkaufszentren werden allerdings nur an ganz wenigen Tagen im Jahr überhaupt geheizt. Den Großteil der Energie verbrauchen sie für die Kühlung. „Dieser Kühlaufwand ist durch die Dämmauflagen sogar noch gestiegen“, berichtet Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses, des Spitzenverbands der deutschen Immobilienwirtschaft. Der Öko-Eifer des Staates führt also dazu, dass mehr Energie verpulvert wird.

Das ist aber nur ein kleiner unerwünschter Nebeneffekt der Energieeinsparverordnung. Der andere wiegt schwerer: Die Verordnung macht Bauen auch teurer – wegen aufwendiger Dämmung oder hoher Anforderungen für technische Anlagen. Allein diese jüngste Verschärfung 2016 habe die Baukosten um rund sieben Prozent steigen lassen, sagt Mattner.

Trotzdem kontrollieren Beamte penibel, ob die Regeln eingehalten werden. Bundesweit schaffen es die Bauämter im Regelungswust nicht, die eigentlich nötigen Baugenehmigungen zu erteilen. Laut Statistischem Bundesamt sank die Zahl der Baugenehmigungen für Mehr- und Einfamilienhäuser im vergangenen Jahr um jeweils rund fünf Prozent. Insgesamt wurden 348100 Wohnungen genehmigt. Der Markt bräuchte eigentlich 400000 Einheiten.

Ein geradezu überbordendes Maß an staatlicher Aufmerksamkeit erfahren auch Zauneidechsen in Stuttgart. Die Bahn muss im Zusammenhang mit Stuttgart 21 Tausende der geschützten Tierchen umsiedeln. Jedes Exemplar der Lacerta agilis soll mit einer Art Minilasso eingefangen werden, damit es seinen Schwanz auf der Flucht nicht abwirft. 2000 bis 4000 Euro kostet das den Staatskonzern. Pro Tier.

Die meisten Deutschen sind zwar tierlieb, einen Staat, der weiß, was lebenswichtig ist und was Luxus – den hätten sie vermutlich aber noch lieber.

=> So werden in Deutschland die Prioritäten gesetzt! :thumbup:
Es wird sogar nicht mehr im PF geleugnet: "Ja die Gewalt gegen Frauen hat bedingt durch Zuwanderung zugenommen, und jetzt?"

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