Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

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schokoschendrezki
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Mai 2018, 08:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 May 2018, 13:37)

Weil für die meisten linken und linksliberalen Medien Israel schuldig am Konflikt ist, die Palis sind unterlegen und damit automatisch Opfer, die beschützt werden müssen.

Sie verbreiten damit allerdings ein weiteres antisemitisches Stereotyp: Das der grundsätzlichen "Kriegslüsternheit". Ich hörte vor kurzem eine Rundfunkreportage anlässlich "70 Jahre Israel". Am Schluss wurden etliche Personen aus ganz unterschiedlichen sozialen Millieus befragt, was ihr dringlichster Wunsch für die Zukunft sei: Und alle, ohne Ausnahme, antworteten: Frieden, Peace, Shalom. Der Grundsatz, nicht mehr, nie mehr Opfer sein zu wollen, ist etwas völlig anderes.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon ThorsHamar » Mi 23. Mai 2018, 09:07

JJazzGold hat geschrieben:(23 May 2018, 07:51)

Streng praktizierte Religion kann im beruflichen Bereich durchaus behindernd wirken. Weshalb ich Thor nach der Differenzierung fragte.

Leite ich z.B. ein Unternehmen, dass auf 7/7, erforderliche Arbeitsleistung an sieben Tagen der Woche, ggfls. noch 24 stündige Abdeckung fusst, sprich Schichtdienst rund um die Uhr, dann ist es schlichtweg nicht möglich mit AN zu operieren, die aus religiösen Gründen darauf beharren grundsätzlich an festgelegten Tagen der Woche frei zu haben.



Ja, danke Jazz. Genau das meinte ich, habe ich geschrieben und jeder User, der hier wirklich diskutieren möchte, hätte das genau so lesen und verstehen können. Stattdessen kommt dann "Judentum ist Behinderung" ....
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon ThorsHamar » Mi 23. Mai 2018, 09:09

Adam Smith hat geschrieben:(23 May 2018, 06:20)

Inwiefern? Fasten, oft beten oder was meinst du?


Denken ...
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schokoschendrezki
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Mai 2018, 09:31

Und ein weiteres wichtiges und verbreitetes Merkmal von Antisemitismus ist die ausgeprägte Intellektuellenfeindlichkeit. Die ist sogar eines der Bindeglieder zwischen rechtem, linkem, christlich und islamisch geprägtem Antisemitismus.

Interessant ist zunächst einmal, dass der Begriff "Intellektueller" überhaupt erst im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre gebräuchlich wurde. Im Verlaufe der Debatte darüber verschmolzen die Begriffe "intellektuell, antinational, jüdisch" zu einer gemeinsamen negativen Konnotation. Mit der Bücherverbrennung 1933 wurde die Verwandtschaft von Antisemitismus und Intellektuellenfeindlichkeit überdeutlich. In der DDR wie auch in anderen Ländern des Realen Sozialismus war Intellektuellenfeindlichkeit mehr oder weniger direkt das Austauschprodukt für den offiziell nicht zugelassenen Antisemitismus. (Siehe den sogenannten "Formalismusstreit" der 50er jahre). Eine gar nicht so unähnlich antisemitisch gefärbte Intellektuellenfeindlichkeit findet sich in islamistischen Kreisen:
Dieselbe Intellektuellenfeindlichkeit, die den Dreyfus-Prozess begleitete und in Deutschland das Wort ‚Intellektueller’ sowohl zu einem Schimpfwort als auch zu einem Synonym für ‚Jude’ werden ließ, charakterisiert auch den modernen Islamismus: „Der ‚westliche Imperialismus’ wird (...) in erster Linie als ‚intellektuelle Invasion’ in die Welt des Islam wahrgenommen. (...) Das vorrangige Ziel des akademischen Islamismus besteht darin, die Wissenschaften zu ‚entwestlichen’, das heißt, sie vom Prinzip des Zweifels und der Vermutung zu lösen.“ Im christlichen Antijudaismus wie im säkularen Antisemitismus ist ‚der Jude’ die paradigmatische Figur des Zweifels und bedeutet seine ‚Austilgung’ auch die Austilgung der eigenen Ambivalenz und Glaubenszweifel.

http://www.christinavonbraun.de/_pdf/BeweglicheVorurteilEinleitung.pdf (Das verwiesene Buch "Das bewegliche Vorurteil. Aspekte des Internationalen Antisemitismus" widmet sich ausführlich dem ganzen Komplex).

Auch in der sogenannten "Deutschen (oder arischen) Physik" äußerte sich dieser intellektuellenfeindliche Antisemitismus: Die Physik Einsteins und die Quantenphysik seien jüdisch-unverständliche, abstrakte, ambivalente, unvölkische und "nebulöse" Theorien, in denen Philosophie unzulässig mit experimentell basierter Naturwissenschaft vermengt sei und man setzte wieder auf "Kraft und Energie" als fundamentale Größen.

Und ich bin mir nicht sicher, ob in der westlichen Welt diese Assoziation einer Denunzierung des "Komplizierten", "Uneindeutigen", "Zweifelnden" zusammen mit seinem antisemitischen Hintergrund tatsächlich verschwunden ist.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Mi 23. Mai 2018, 13:04

ThorsHamar hat geschrieben:(23 May 2018, 10:07)

Ja, danke Jazz. Genau das meinte ich, habe ich geschrieben und jeder User, der hier wirklich diskutieren möchte, hätte das genau so lesen und verstehen können. Stattdessen kommt dann "Judentum ist Behinderung" ....


Eine kaum verwunderliche Reaktion im Hinblick auf deine - mittlerweile gelöschten - und sonstigen Posts zu diesem Thema.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon relativ » Mi 23. Mai 2018, 13:19

Vongole hat geschrieben:(23 May 2018, 14:04)

Eine kaum verwunderliche Reaktion im Hinblick auf deine - mittlerweile gelöschten - und sonstigen Posts zu diesem Thema.

Du solltest dir auf den wohl themspezifischen Narrenfreiheitsbonus nicht so viel einbilden, schon gar nicht wenn deine Art zu diskutieren schnell persönlich wird, oder zu bösartigen Behauptung neigt.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 23. Mai 2018, 13:42

relativ hat geschrieben:(23 May 2018, 14:19)

Du solltest dir auf den wohl themspezifischen Narrenfreiheitsbonus nicht so viel einbilden, schon gar nicht wenn deine Art zu diskutieren schnell persönlich wird, oder zu bösartigen Behauptung neigt.

Das sagst ausgerechnet du :D :D :D
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson

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