Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon imp » Di 8. Mai 2018, 18:30

think twice hat geschrieben:(08 May 2018, 19:25)

Jack000 hat kuerzlich eine Reportage verlinkt, in der u. a. Frau Merkel bei Wahlkampfauftritten im Osten gezeigt wurde. Da kreischte doch so eine lilagestraehnte Dame ins Mikrofon: "Die Merkel muss weg, diese alte Judenhure!!"
Ist das normaler Slang in Ostdeutschland? Die Frage muss erlaubt sein, bevor man sich an St. Pauli und Linken und Arabern und Tuerken festbeisst.

Auch im Fußball werden ungeliebte Vereine und ihre Anhänger als Juden angeschrien. Dem wohnt wohl eine Beschimpfung inne.
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ThorsHamar
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon ThorsHamar » Di 8. Mai 2018, 18:34

think twice hat geschrieben:(08 May 2018, 19:25)

Jack000 hat kuerzlich eine Reportage verlinkt, in der u. a. Frau Merkel bei Wahlkampfauftritten im Osten gezeigt wurde. Da kreischte doch so eine lilagestraehnte Dame ins Mikrofon: "Die Merkel muss weg, diese alte Judenhure!!"
Ist das normaler Slang in Ostdeutschland? Die Frage muss erlaubt sein, bevor man sich an St. Pauli und Linken und Arabern und Tuerken festbeisst.


Es geht sicherlich um den zweiten Teil des Satzes, nicht?
Da Berlin in Ostdeutschland liegt, ist die Frage für die arabisch -muslimischen und die türkisch-muslimischen Stadtbezirke mit JA zu beantworten, schon incl. der muslimisch dominierten Schulhöfe. Die Kinder lernen es von ihren Eltern.
In den deutschen Stadtbezirken ist das dagegen, wenn überhaupt vorhanden, marginal.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon think twice » Di 8. Mai 2018, 18:34

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 May 2018, 19:30)

Auch im Fußball werden ungeliebte Vereine und ihre Anhänger als Juden angeschrien. Dem wohnt wohl eine Beschimpfung inne.

Habe ich noch nicht gehört und ich bin regelmäßiger Stadion-Gaenger.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon imp » Di 8. Mai 2018, 18:35

think twice hat geschrieben:(08 May 2018, 19:34)

Habe ich noch nicht gehört und ich bin regelmäßiger Stadion-Gaenger.

In Ostland?
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon think twice » Di 8. Mai 2018, 18:37

ThorsHamar hat geschrieben:(08 May 2018, 19:34)

Es geht sicherlich um den zweiten Teil des Satzes, nicht?
Da Berlin in Ostdeutschland liegt, ist die Frage für die arabisch -muslimischen und die türkisch-muslimischen Stadtbezirke mit JA zu beantworten, schon incl. der muslimisch dominierten Schulhöfe. Die Kinder lernen es von ihren Eltern.
In den deutschen Stadtbezirken ist das dagegen, wenn überhaupt vorhanden, marginal.

Der gezeigte Auftritt von Merkel fand in Thüringen statt.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon think twice » Di 8. Mai 2018, 18:40

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 May 2018, 19:35)

In Ostland?

Lass mal überlegen. Ich war schon in Rostock, Magdeburg, Jena, Erfurt, Chemnitz, Leipzig, Union Berlin. Nee, ich würde lügen, wenn ich behauptete, ich hätte da jemals was Antisemitisches gehört.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon becksham » Di 8. Mai 2018, 18:40

think twice hat geschrieben:(08 May 2018, 19:34)

Habe ich noch nicht gehört und ich bin regelmäßiger Stadion-Gaenger.

Von den rechten Fans der Ostvereine wird uns regelmäßig "Arbeit macht frei, Babelsberg 03" oder "Zecken, Zigeuner und Juden - Babelsberg 03" entgegengebrüllt.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Di 8. Mai 2018, 18:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 19:12)

Natürlich gibt es "Islam-Angst" in Deutschland, Und wie. Und ich würde ihr noch nichtmal so sehr politisch-konträr gegenübertreten sondern eher psychotherapeutisch (wenn ich denn auch nur einen Hauch von Psychotherapie verstünde ...)

Nein, die gibt es nicht! Nochmal für dich ganz langsam - der Begriff "Islamophobie" hat nix mit der wörtlichen Übersetzung zu tun und auch nichts mit Angst.
Ich wiederhole extra für dich:
"Auf internationaler Ebene ist die einflussreiche Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), ein Zusammenschluss sämtlicher islamischer Länder, die stärkste Verfechterin des Begriffs Islamophobie. Im Rahmen einer Kampagne gegen „Diffamierung von Religionen“ ist die Verabschiedung einer internationalen „Resolution gegen Islamophobie“ eines der erklärten Ziele der Organisation. Alle Staaten der Welt werden darin aufgefordert, Gesetze zu erlassen, die Islamophobie mit abschreckenden Strafen ahnden. Zur Untermauerung dieser Forderung setzte die OIC 2007 eine eigene Beobachtungsstelle ein, die „alle Formen der Islamophobie“ weltweit dokumentieren und jährlich einen Bericht veröffentlichen soll.[3] Unter Islamophobie versteht die OIC nach eigener Aussage „die Diffamierung des Islam sowie von Persönlichkeiten und Symbolen, die den Muslimen heilig sind.“[4] Es liegt auf der Hand, dass hier jede nicht genehme Äußerung über den Islam als Diffamierung und damit als islamophob klassifiziert werden soll."
Quelle


Nur so viel zu dem Schwachsinn, den du hier von dir gibst, vonwegen "Islamophobie" müsse wörtlich verstanden werden und hätte etwas mit diffusen Angszuständen zu tun.

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 19:12)Kommt doch bitte alle mal auf das eigentliche Problem zurück: Wie verhindern wir hier und jetzt und unter den Bedingungen, die nun einmal gegeben sind, antisemitische Straftaten? Und zwar vornehmlich solche, die auf tatsächliche reale Gewalt an Personen, und dann, in zweiter Linie auf Sachbeschädigungen oder sichtbare Hetze hinauslaufen

WIR sind beim Thema! Nur du bist derjenige, der Ablenkungsmanöver startet, Nebelkerzen zuündet und einen Teil des gesamtgesellschaftlichen Problems - nämlich den eingewanderten/mitgebrachten islamischen Judenhass/Antisemitismus relativiert, verharmlost und marginalisiert.

Was getan werden kann? Da sind in erster Linie Politik und Regierung gefordert, statt leere geheuchelte Worthülsen zu produzieren, endlich Taten folgen zu lassen. Dazu müsste ma allerdings in den eigenen Reihen beginnen - keine Finanzierung von "Märtyrer-Renten" mit EU-Geldern, keine Gelder mehr für die UNRWA, keine propalästinensischen Huldigungen mehr etc UND saubere Einordnung antsemitischer Straftaten sowie Einsatz aller Mittel des Rechtsstaates gegen antisemitische Straftaten - egal aus welcher politischen Ecke und gleichgültig ob "Einheimischer" oder zugewanderter Muslim.
Wäre zumindest ein Anfang!
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon think twice » Di 8. Mai 2018, 18:44

becksham hat geschrieben:(08 May 2018, 19:40)

Von den rechten Fans der Ostvereine wird uns regelmäßig "Arbeit macht frei, Babelsberg 03" oder "Zecken, Zigeuner und Juden - Babelsberg 03" entgegengebrüllt.

Echt? Naja, ich war ja immer als Wessi im Gästeblock. Da ging es mehr um Nettigkeiten zwischen Ossis und Wessis.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Di 8. Mai 2018, 19:09

Dark Angel hat geschrieben:(08 May 2018, 19:17)

Aber sicher fällt das auch unter Islamophobie, schließlich zählt Kritik am islamischen Antisemitismus ja unter Kritik am Islam, genauso wie Kritik an christlichem Antisemitismus zur Kritik am Christentum zählt.
Gibt da nur einen entscheidenden Unterschied: Kritik am Christentum, am religiös motivierten Antisemitismus des Christentums ist erlaubt und Christen können auch mit Kritik umgehen, der Islam hingegen ist sakrosankt, der darf nicht kritisiert werden und Muslime können auch nicht mit Kritik an ihrer Religion umgehen.

Aus deinem Link:

"Es ist ja noch nichts wirklich Schlimmes passiert. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn hier Menschen angegriffen würden. Darüber will ich nicht nachdenken. Ich habe das Gefühl, was hier passiert, ist erst der Anfang."

Dieses Gefühls kann ich mich auch nicht erwehren. Es wird noch schlimmer werden und seitens der Politik/der Regierung wird nichts unternommen, nichts außer leeren Sprechblasen und Heuchelei.
Da labert ausgerechnet der Mann, der sich nicht entblödete, einen Kranz am Grab des "Chefterroristen" Arafat niederzulegen, dass man "... nicht hinnehmen könne" und auch der neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung ist gefangen in seinem "Kampf gegen rechts", sieht nur rechten Antisemitismus, den linken blendet er aus, muslimischer ist nicht vorhanden.
Er spricht in der "Braunschweiger Zeitung" von:
"Nein, „(d)ie polizeiliche Kriminalstatistik sagt etwas anderes. Denn sie besagt, dass 90 Prozent der erfassten Straftaten vom rechtsradikalen Milieu ausgehen. Es gäbe da allerdings die gefühlte Bedrohungslage unter den Juden in Deutschland, die etwas anderes sage."
Quelle


Soso - die Bedrohungslage, die etwas anderes aussagt, ist nur gefühlt. Von dem Mann ist also außer Phrasen dreschen auch nix zu erwarten.


Solange Merkel den Kampf gegen Antisemitismus nicht zur Chefsache macht und den "Beauftragten" mit Mitteln und weitreichenden Kompetenzen ausstattet, wird das wieder eine totale Nullnummer.
Und bis jetzt erscheint mir Felix Klein als ziemlich große Null. Er will Campino das Bundesverdienstkreuz verleihen für das bisschen Zivilcourage bei der Echo-Gala, so wird der Antisemitismus bestimmt bekämpft. :rolleyes:
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon imp » Di 8. Mai 2018, 19:13

Vongole hat geschrieben:(08 May 2018, 20:09)

Solange Merkel den Kampf gegen Antisemitismus nicht zur Chefsache macht und den "Beauftragten" mit Mitteln und weitreichenden Kompetenzen ausstattet, wird das wieder eine totale Nullnummer.
Und bis jetzt erscheint mir Felix Klein als ziemlich große Null. Er will Campino das Bundesverdienstkreuz verleihen für das bisschen Zivilcourage bei der Echo-Gala, so wird der Antisemitismus bestimmt bekämpft. :rolleyes:

Wenn ein Thema einmal einen Beauftragten hat, ist es politisch halb durch. Gleichstellungsbeauftragte, Integrationsbeauftragte, Datenschutzbeauftragte, Ostbeauftragte, ...
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » Di 8. Mai 2018, 23:21

think twice hat geschrieben:(08 May 2018, 19:25)

Jack000 hat kuerzlich eine Reportage verlinkt, in der u. a. Frau Merkel bei Wahlkampfauftritten im Osten gezeigt wurde. Da kreischte doch so eine lilagestraehnte Dame ins Mikrofon: "Die Merkel muss weg, diese alte Judenhure!!"

In dem gleichen Film sagte das auch ein Mann, total aggro , ich dachte, dr haut gleich den Kameramann um. Man kann ja mit Merkels Politik nicht zufrieden sein, aber diese Sprüche und die Galgen sind einfach nur abartig, das hat mit Protest und Kritik rein gar nichts mehr zu tun.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Di 8. Mai 2018, 23:46

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 09:10)

Was Du mit "Tatsachen" bezeichnest ist in Wahrheit Gegenstand eines sehr widersprüchlichen Diskurses, der bis heute anhält und häufig unter dem Schlagwort "Von Luther zu Hitler" zusammengefasst wird. Der Bestseller "Hitlers willige Vollstrecker" löste Ende der 90er Jahren eine nach seinem Autor benannte "Goldhagen-Debatte" aus. Darin ging es ganz zentral auch um die Frage, ob der "eliminatorische Antisemitismus" in Deutschland mit den Thesen Luthers begann. Und zwar ganz deutlich nicht mit seinen persönlichen Ansichten zu dieser Frage sondern mit den explizit religiös begründeten. Stelle bitte nicht etwas als bereits kanonisiertes und unhinterfragbares Wissen dar, was tatsächlich Gegenstand bis heute geführter Kontroversen ist.

Ich habe nicht vom "eliminatorischen Antisemitismus" geschrieben, sondern vom "exterminatorischen".
Falls du einen auch nur halbwegs seriösen Historiker findest, der bestreitet, daß die Legitimation für die Ausrottung der Juden aus dem Rassenantisemitismus kommt, laß' es mich bitte wissen - das würde mich dann doch interessieren.

"Letztlich wollte die Kirche die Juden, die ja zu erlösen waren, nicht umbringen, sondern zur Konversion veranlassen: Dies hätte die Überlegenheit des Christentums bestätigt und entsprach der Logik des vorneuzeitlichen christlichen Antisemitismus."
Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Berlin 1996, s. 76

Den Anspruch, die Juden zum einzig wahren Glauben zu bekehren, hatte die katholische Kirche, hatte Luther und auch Mohammed hatte ihn.
Die Nazis wollten keine Juden bekehren.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Mi 9. Mai 2018, 00:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2018, 09:10)

Was Du mit "Tatsachen" bezeichnest ist in Wahrheit Gegenstand eines sehr widersprüchlichen Diskurses, der bis heute anhält und häufig unter dem Schlagwort "Von Luther zu Hitler" zusammengefasst wird. Der Bestseller "Hitlers willige Vollstrecker" löste Ende der 90er Jahren eine nach seinem Autor benannte "Goldhagen-Debatte" aus. Darin ging es ganz zentral auch um die Frage, ob der "eliminatorische Antisemitismus" in Deutschland mit den Thesen Luthers begann. Und zwar ganz deutlich nicht mit seinen persönlichen Ansichten zu dieser Frage sondern mit den explizit religiös begründeten. Stelle bitte nicht etwas als bereits kanonisiertes und unhinterfragbares Wissen dar, was tatsächlich Gegenstand bis heute geführter Kontroversen ist.


So richtig verstanden hast du Goldhagen aber nicht, oder?
In seinen Thesen erwähnt er zwar Luther, aber er hat nie behauptet, dass der deutsche Antisemitismus mit Luther begann.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 9. Mai 2018, 08:14

Zunder hat geschrieben:(09 May 2018, 00:46)

Ich habe nicht vom "eliminatorischen Antisemitismus" geschrieben, sondern vom "exterminatorischen".
Falls du einen auch nur halbwegs seriösen Historiker findest, der bestreitet, daß die Legitimation für die Ausrottung der Juden aus dem Rassenantisemitismus kommt, laß' es mich bitte wissen - das würde mich dann doch interessieren.

"Letztlich wollte die Kirche die Juden, die ja zu erlösen waren, nicht umbringen, sondern zur Konversion veranlassen: Dies hätte die Überlegenheit des Christentums bestätigt und entsprach der Logik des vorneuzeitlichen christlichen Antisemitismus."
Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Berlin 1996, s. 76

Den Anspruch, die Juden zum einzig wahren Glauben zu bekehren, hatte die katholische Kirche, hatte Luther und auch Mohammed hatte ihn.
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Nein. Die Nazis nicht. Erst gestern hörte ich eine hochinteressante Analyse zum Wirken Dietrich Bonhoeffers als Ausnahmeerscheinung. Große Teile der evangelischen Kirche um 1933 überboten sich geradezu in Anbiederungsversuchen den Nazis gegenüber. Das war relevant und nicht nur eine Ausnahmeerscheinung. Und es wurde ausdrücklich aus einem eigenen Verständnis des Christentums, mit christlicher Metaphorik und direkt in Richtung Rassismus wie auch Antisemitismus vorgetragen. Dafür lassen sich zahlreiche Zitate anführen. Dass dieses "Freundschaftsangebot" von den Nazis anfänglich begrüßt oder zumindest toleriert, später aber abgelehnt wurde, ist nochmal eine andere interessante Geschichte.

Was Luther anbetrifft, so lassen sich deutlich zwei Phasen unterscheiden. Die der "Judenmission" und (ab etwa Mitte der 1530er Jahre) die der "Judenfeindschaft". Die durchaus auch in Richtung exterminatorischem Antisemitismus gingen ("mit Feuer, Schwefel und Pech"). http://www.judentum-projekt.de/geschichte/neuzeit/luther/. Insbesondere seine Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" wurde in Auszügen zur Nazizeit auch in Schul-Lesebüchern gewissermaßen in den Kanon deutscher Kulturtradition aufgenommen.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 9. Mai 2018, 08:27

Vongole hat geschrieben:(09 May 2018, 01:04)

So richtig verstanden hast du Goldhagen aber nicht, oder?
In seinen Thesen erwähnt er zwar Luther, aber er hat nie behauptet, dass der deutsche Antisemitismus mit Luther begann.

Ich habe auch nicht behauptet, dass er dies behauptet hat, sondern dass in der Goldhagen-Debatte vielfach eine solche Position vertreten wurde. Dass diese Position nicht kanonisiertes Wissen sondern bis heute Gegenstand von kontroversen Diskussionen und der berühmten "Historikerstreits" ist. Insbesonder FAZ-Herausgeber Schirrmacher spitzte diese Debatte zur These "Es führt eine direkte Linie von Luther zu Hitler" zu. (http://www.diss-duisburg.de/Internetbib ... dhagen.htm).
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 9. Mai 2018, 08:45

Dark Angel hat geschrieben:(08 May 2018, 19:41)

Nein, die gibt es nicht! Nochmal für dich ganz langsam - der Begriff "Islamophobie" hat nix mit der wörtlichen Übersetzung zu tun und auch nichts mit Angst.
Ich wiederhole extra für dich:
"Auf internationaler Ebene ist die einflussreiche Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), ein Zusammenschluss sämtlicher islamischer Länder, die stärkste Verfechterin des Begriffs Islamophobie. Im Rahmen einer Kampagne gegen „Diffamierung von Religionen“ ist die Verabschiedung einer internationalen „Resolution gegen Islamophobie“ eines der erklärten Ziele der Organisation. Alle Staaten der Welt werden darin aufgefordert, Gesetze zu erlassen, die Islamophobie mit abschreckenden Strafen ahnden. Zur Untermauerung dieser Forderung setzte die OIC 2007 eine eigene Beobachtungsstelle ein, die „alle Formen der Islamophobie“ weltweit dokumentieren und jährlich einen Bericht veröffentlichen soll.[3] Unter Islamophobie versteht die OIC nach eigener Aussage „die Diffamierung des Islam sowie von Persönlichkeiten und Symbolen, die den Muslimen heilig sind.“[4] Es liegt auf der Hand, dass hier jede nicht genehme Äußerung über den Islam als Diffamierung und damit als islamophob klassifiziert werden soll."
Quelle


Nur so viel zu dem Schwachsinn, den du hier von dir gibst, vonwegen "Islamophobie" müsse wörtlich verstanden werden und hätte etwas mit diffusen Angszuständen zu tun.



Es gilt grundsätzlich für jeden Begriff, dass er für politische Ziele instrumentalisiert und missbräuchlich verwendet werden kann. Der Punkt ist: Hält man diese Instrumentalisierung - wie die der OIC - für die tatsächliche und korrekte Deutung, macht man sich in gewisser Weise zum Mittäter dieser Instrumentalisierung.

Alle warnen davor, dass die AfD islamfeindlich sei. Doch Islamophobie hat sich über viele Debatten und Zerrbilder schon lange in der gesellschaftlichen Mitte verankert.

schreibt die Journalistin Andrea Backhaus in der ZEIT in einem Artikel überschrieben mit "Islamophobie: Der falsche Feind." (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-10/islamophobie-mitte-afd-medien-islam-3-02. Und im Gegensatz zu vielen Berufsempörten kennt sie die islamische Welt. Es wäre absurd, die von islamistischen Organisationen in die Welt gesetzten Thesen über die Deutung von "Islamophobie" auch noch aufzugreifen und zu verbreiten. Was das Verhältnis von "Islamophobie" und "Antisemitismus" anbetrifft, so glaube ich, die meisten, die sich in dieser Hinsicht aufregen, haben schlicht und einfach den Unterschied zwischen "Vergleich" und "Gleichsetzung" nicht verstanden.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 9. Mai 2018, 09:04

Dark Angel hat geschrieben:(08 May 2018, 19:41)
WIR sind beim Thema! Nur du bist derjenige, der Ablenkungsmanöver startet, Nebelkerzen zuündet und einen Teil des gesamtgesellschaftlichen Problems - nämlich den eingewanderten/mitgebrachten islamischen Judenhass/Antisemitismus relativiert, verharmlost und marginalisiert.

Welche meiner Äußerungen läuft bitte auf eine Verharmlosung von Judenhass/Antisemitismus durch Muslime hinaus?

Diese?
Der sekundäre, davon abgeleitete islamisierte Antisemitismus, mit dem wir es hier und heute zu tun haben, ist aktuell tatsächlich bedrohlicher und akuter als der primäre.


Der letzte akute und zumindest auf Tötung angelegte Fall von Antisemitismus in Deutschland ereignete sich 2016 in Nürnberg. Als ein Passant jemanden vor die U-Bahn schubste, den er für einen Juden hielt.
Ich hab’ das gemacht, weil er ein Jude ist, das nächste Mal mache ich es richtig. Ich wusste gleich, dass er ein Jude ist, da ich es gerochen habe (...). Ich hasse alle Juden. Es kam nur kein Zug. Scheiße.

waren seine Worte gegenüber den Beamten bei einer Vernehmung. Wie die "Jüdische Allgemeine" berichtet, spielte das offen antisemitische Motiv des Täters bei der Gerichtsverhandlung und auch später bei der Berichterstattung in der Medien keine Rolle mehr. Das ganze wurde als "Tat im Suff" dargestellt. Die Anklage wegen Volksverhetzung wurde fallen gelassen. Liege ich falsch mit der Vermutung, dass das ein Musterexempel für Relativierung, Verharmlosung und Marginialisierung ist? Dass es wirre Antisemiten überall gibt, ist nix neues. Das eigentlich skandalöse ist das Verhalten der deutschen Justiz.

[url]http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26716
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Mi 9. Mai 2018, 09:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 May 2018, 09:45)

Es gilt grundsätzlich für jeden Begriff, dass er für politische Ziele instrumentalisiert und missbräuchlich verwendet werden kann. Der Punkt ist: Hält man diese Instrumentalisierung - wie die der OIC - für die tatsächliche und korrekte Deutung, macht man sich in gewisser Weise zum Mittäter dieser Instrumentalisierung.

Nein, das ist NICHT der Punkt, weil der Begriff "Islamophibie" ein politischer Begriff IST! Der Begriff "Islamophobie" war und ist ein politischer Begriff, welcher jegliche Kritik am Islam pathologisieren soll.

"Wer den Begriff Islamophobie verwendet, macht das in kritischer Absicht - um etwas Negatives zu bezeichnen. Er wird mehr oder weniger synonym mit Rassismus verwendet. Und hier beginnt das Problem: Anstatt dass es um den Schutz einzelner Menschen vor Diskriminierung ginge, wird mit dem Begriff Islamophobie so getan, als wäre der Islam ein Individuum, dem Menschenrechte und Schutz zustünden, obwohl Menschenrechte doch Individualrechte sind. Gegenüber Menschen, die aus guten Gründen buchstäblich "islamophob" sind, d.h. weil sie zum Beispiel aus Angst vor dem Islam aus der islamischen Republik Iran geflohen sind, findet mit diesem Begriff eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Der Islam ist in vielen Ländern eine Herrschaftsideologie, die ein Kollektiv herstellt und Menschen unterdrückt. Anstatt aber die Individuen gegen Unrecht zu schützen, wird mit dem Konzept der Islamophobie der Islam zum schützenswerten Subjekt erklärt und Kritik am Islam gilt auf einmal als Rassismus."
Quelle


Auch in diesem Text wird noch einmal die eigentliche Bedeutung des Begriffes "Islamophobie" deutlich und zu welchem Zweck dieser Begriff überhaupt geprägt wurde.

Da ist nichts mit "Angst, die politisch instrumentalisiert wird" und "missbräuchlich verwenden" - ganz im Gegenteil!

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 May 2018, 09:45)schreibt die Journalistin Andrea Backhaus in der ZEIT in einem Artikel überschrieben mit "Islamophobie: Der falsche Feind." (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-10/islamophobie-mitte-afd-medien-islam-3-02. Und im Gegensatz zu vielen Berufsempörten kennt sie die islamische Welt. Es wäre absurd, die von islamistischen Organisationen in die Welt gesetzten Thesen über die Deutung von "Islamophobie" auch noch aufzugreifen und zu verbreiten. Was das Verhältnis von "Islamophobie" und "Antisemitismus" anbetrifft, so glaube ich, die meisten, die sich in dieser Hinsicht aufregen, haben schlicht und einfach den Unterschied zwischen "Vergleich" und "Gleichsetzung" nicht verstanden.

Hier geht es weder um die AfD noch um das Nichtverstehen des Unterschieds zwischen Vergleich und Gleichsetzung!
Man kann den real existierenden Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Problem gegenüber real existierenden Menschen NICHT mit einem politischen Begriff, der einzig der Diffamierung von Kritik und Kritikern gegenüber einer Sache, einer Weltanschauung vergleichen.
Da könnte man auch gleich Äppel mit Kartoffeln vergleichen!
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Mi 9. Mai 2018, 09:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 May 2018, 10:04)

Welche meiner Äußerungen läuft bitte auf eine Verharmlosung von Judenhass/Antisemitismus durch Muslime hinaus?

Diese?


Der letzte akute und zumindest auf Tötung angelegte Fall von Antisemitismus in Deutschland ereignete sich 2016 in Nürnberg. Als ein Passant jemanden vor die U-Bahn schubste, den er für einen Juden hielt.

waren seine Worte gegenüber den Beamten bei einer Vernehmung. Wie die "Jüdische Allgemeine" berichtet, spielte das offen antisemitische Motiv des Täters bei der Gerichtsverhandlung und auch später bei der Berichterstattung in der Medien keine Rolle mehr. Das ganze wurde als "Tat im Suff" dargestellt. Die Anklage wegen Volksverhetzung wurde fallen gelassen. Liege ich falsch mit der Vermutung, dass das ein Musterexempel für Relativierung, Verharmlosung und Marginialisierung ist? Dass es wirre Antisemiten überall gibt, ist nix neues. Das eigentlich skandalöse ist das Verhalten der deutschen Justiz.

[url]http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26716

Deine ganzen Nebelkerzen und Ausweichmanöver - Vergleich Antisemitismus Islamophobie, dein Gelaber um angeblichen "sekundären Antisemitismus", dein "... haben christliche Stereotype übernommen, ... haben aus Europa übernommen" - sind solche Relativierungsversuche, sind Verharmlosung, nämlich durch Zuschreibung eines Opferstatus der Muslime.
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