Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

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Vongole
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Fr 11. Mai 2018, 23:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2018, 23:36)
(..)
So gesehen ist die dauernde Behauptung, dass muslimische Flüchtlinge in Europa das zentrale Problem jüdischer Menschen hierzulande sei, eine völlig verlogene und vorgeschobene Schutzbehauptung. Man möchte einfach die bequemen und gemütlichen Zustände der 60er, 70er Jahre wiederhaben. Das steckt dahinter und nicht die vorgeschobene Besorgnis um das Wohlergehen jüdischer Menschen. Wie schon weiter oben zitiert: Israelische Bürger, die in Berlin leben, wollen damit nix zu tun haben. Sie durchschauen das Betreiben ihrer selbsternannten Beschützer als politische Strategie. http://www.deutschlandfunkkultur.de/antisemitismus-debatte-der-mythos-vom-no-go-neukoelln.1005.de.html?dram:article_id=417399


Zitat gekürzt, weil erster Teil a) falscher Strang und b) Unsinn.
Diese "Schutzbehauptung" gibt die Erfahrung jüdischer Bürger in Deutschland und anderen euopäischen Staaten wieder, und in den sogenannten bequemen und gemütlichen Jahren gab es auch jede Menge Antisemitismus, und zwar vorherrschend deutschen. Der ist immer noch da, wird aber gesteigert durch den muslimischen.
Yossi Bartal, den du hier als Kronzeugen einer eingebildeten Bedrohung zitierst, ist einer der Anführer der antizionistischen BDS-Bewegung und läuft damit kaum Gefahr, von Antisemiten auch nur belästigt zu werden.
Ehe hier jemand argumentiert, dass es schließlich ein Jude sei, der das alles von sich gibt, nun, Nestbeschmutzer gibt's überall, auch unter Juden.
Und gerade diese sind in Deutschland außerordentlich beliebt, transportieren sie doch wunderbar die eigenen (Vor)urteile.

Nachtrag @ think twice:
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Re: "

Beitragvon Zunder » Sa 12. Mai 2018, 02:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2018, 23:07)

Die "exterminatorische Politik" Hitlers war lange vor der Reichstagsrede beschlossen und vor allem von einer Mehrheit der Deutschen erwartet und begrüßt... au watte.

Weiß das außer dir noch jemand?
Die Historiker suchen seit Jahrzehnten nach einem Beleg für diesen Beschluß. Melde dich doch mal beim Institut für Zeitgeschichte. Die wären dir bestimmt dankbar, wenn du mehr zu bieten hättest als wichtigtuerisches Geschwätz.
Alternativ ginge natürlich auch der "Stern". Helmut Dietl wird diesen Klamauk aber nicht verfilmen. Der ist leider tot.

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2018, 23:07)
Ich habe regelrecht ein schlechtes Gewissen, dich mit meinen Äußerungen (möglicherweise) zu Gegenäußerungen provoziert zu haben, die du nach einigem Überdenken vielleicht noch mal bereuen könntest. Ich selbst habe klargestellt, dass die Behauptung etwa Schirrmachers in der FAZ (im Rahmen der Goldberg-Debatte), es führe eine direkte Linie von Luther zu Hitler, ungerechtfertigt und übertrieben ist. Aber "Mit Luther hatte alles nichts zu tun"? ... Nicht doch! Wie kann man derlei behaupten, wenn doch die evangelische Kirche selbst und unaufgefordert im Lutherjahr 2017 eine rückhaltlos selbstkritische Aufarbeitung ihrer antisemitischen Traditionslinien mit ganz anderen Aussagen an den Tag legte.

Der Satz "Mit Luther hatte alles nichts zu tun" ergibt überhaupt keinen Sinn. Das ist offensichtlich. Es muß natürlich heißen "Mit Luther hatte das alles nichts zu tun" und bezieht sich, wie unschwer zu erkennen ist, auf die exterminatorische Politik der Nazis. Du darfst diesen Fehler gerne benutzen, um dich als Held aufzuspielen. An der Tatsache, daß Luther nicht für die Ausrottungspolitik der Nazis mitverantwortlich gemacht werden kann, ändert das allerdings nichts.

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2018, 23:07)
Dieser ganze Aspekt des Problems ist übrigens unser Problem.Die Aufarbeitung ist dringend und notwendig ... aber sie betrifft nur und ausschließlich uns. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Juden in Deutschland genervt die Augen verdrehen, wenn sie für diese Aufarbeitung als Vorwand herhalten sollen.

Ja - wenn mit "uns" die Gesellschaft gemeint ist. Das Problem geht über die eigene Nationalgeschichte jedenfalls weit hinaus.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Sa 12. Mai 2018, 12:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2018, 22:18)

Nach meinen Informationen hat sich FDP-Chef Lindner demonstrativ zusammen mit 50 weiteren Miitgliedern der Hayek-Gesellschaft (darunter die bisherige Chefin Horn) von Scharfmachern wie Roland Tichy oder auch Vera Lengsfeld, begleitet von einem offenen Brief (http://www.erklaerung-leipzig.de/) getrennt.

Bastelst du dir wieder mal deine Welt zusammen, wie es dir grade passt und vergleichst Äppel mit Kartoffeln?
1. die Erklärung betrifft die Hayek-Gesellschaft und nicht das Medium "Tichys Einblick".

2. datiert die Erklärung vom Mai 2015, also lange [uvor][/u] Beginn der Flüchtlingskrise und unkontrollierten Zuwanderung nach Deutschland. Seitdem hat sich einiges in Deutschland verändert.

3. werden keine Mitglieder der Gesellschaft namentlich genannt, das Medium "Tichys Einblick" wird mit keinem Wort erwähnt und auch von einer Distanzierung von Roland Tichy u.a. steht kein Wort in dieser Erklärung.

Du darfst dir also deine diffamierenden Unterstellungen gerne dahin schieben, wo die Sonne nicht hinscheint. :mad:

Das Medium "Tichys Einblick" ist immer noch, ein der FDP nahe stehendes Medium, mit liberalen bis rechtsliberalen Ansichten.

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2018, 22:18)
Die FDP ist damit nun keinesfalls "links" und auch nicht "linksliberal" ... aber sie hat sich bergüßenswerterweise von einem "politisches Millieu ... das mit den Zielen einer wissenschaftlichen Gesellschaft, die den Namen des Nobelpreisträgers Friedrich August von Hayek zu tragen beansprucht, nicht mehr vereinbar ist" getrennt.

Das hat 1. niemand behauptet und hat 2. auch nicht das Geringste mit dem Medium "Tichys Einblick" zu tun, sondern einzig mit der "Hayek-Gesellschaft". "Tichys Einblick" ist kein "Organ"/Medium dieser Gesellschaft, sondern unabhängig!

Also nochmal: verschwurble nicht immer Dinge miteinander, die nichts miteinander zu tun haben!



schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2018, 22:18) Da eine behauptete Dominanz linken Gutmenschentums ein Phantomschmerz ist, wird sich die Hass-Tiradik von Tichy & Co. auch - unabhängig von der Realität - nicht ändern und mehr oder weniger zwangsläufig in Richtung AfD und "dahinter" laufen. Es ist gut, dass sich Liberalismus in Form FDP von dieser unguten Tendenz definitiv verabschiedet hat. Diese neue Lindner-FDP ist (fast) oben in der Wahl meiner Partei-Wahlentscheidungen.

In "Tichys Einblick" gibt es keine "Hass-Tiradik", sondern unabhängige Berichterstattung, die nicht dem links-grünen Mainstream entspricht.
In Deutschland gibt es immer noch eine Meinungs- und Pressefreiheit!

Schon, das von dir verwendete Vokabular zeigt eindeutig, dass es Zeitgenossen (gewisse Kreise) in Deutschland gibt, denen diese Meinungs- und Pressefreiheit ein Dorn im Auge ist, die Andersdenkende gerne vom (politischen) Diskurs ausschließen möchten.
Es zeigt aber auch, dass eine "Dominanz linken Gutmenschentums" in Deutschland tatsächlich Realität ist.
Und falls es dir immer noch nicht aufgefallen sein sollte - auch bei der FDP und deren politichen Einsichten hat sich seit 2015 einiges geändert, was sich u.a. auch in deren Wahlergebis bei der letzten BTW niedergeschlagen hat.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon think twice » Sa 12. Mai 2018, 12:54

Vongole hat geschrieben:(12 May 2018, 00:30)

Zitat gekürzt, weil erster Teil a) falscher Strang und b) Unsinn.
Diese "Schutzbehauptung" gibt die Erfahrung jüdischer Bürger in Deutschland und anderen euopäischen Staaten wieder, und in den sogenannten bequemen und gemütlichen Jahren gab es auch jede Menge Antisemitismus, und zwar vorherrschend deutschen. Der ist immer noch da, wird aber gesteigert durch den muslimischen.
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Immer, wenn du mich angreifst, weiß ich, dass ich mit etwas richtig lag.

Wenn man mal "Israelis in Berlin" googelt, kann man lesen, dass es seit mehreren Jahren viele tausend junge Israelis nach Berlin zieht. Sie haben genug von Netanjahus Herrschermentalitaet, von Opferhaltung und Ausnahmezustaenden. Sie lassen sich auch nicht beirren, wenn sie von israelischen Hardlinern als Verräter beschimpft werden.
Viele kommen als unreligioese Menschen und setzen sich erst in der geschichtsträchtigen Stadt Berlin mit ihrer Vergangenheit auseinander und finden für sich einen Weg zur eigenen Identität.
Ich finde, das ist eine sehr gute Moeglichkeit für Berlin und Deutschland, jüdischem Leben wieder einen Platz zu geben und die Menschen willkommen zu heißen.
Es bringt ueberhaupt nichts, Berlin und Deutschland als No go Area darstellen zu wollen, in dem sich jeder Jude in potentielle Lebensgefahr begibt, wenn er auf die Strasse tritt.

Unseren israelfeindlichen, arabischen Mitbürgern muss man klar mitteilen, dass sie hier die Fresse zu halten haben und ihnen deutlich de Sanktionen aufzeigen. Verständnis für Israel wird man ihnen auch in Integrationskursen nicht beibringen koennen.

Aber vielleicht treffen ja auf neutralem Neuköllner Boden vermehrt junge Juden und Araber aufeinander, die mit Hass und Feindschaft nichts zu tun haben wollen und aufeinander zugehen.

Auf welchem Fleckchen Erde wären solche Annäherungen besser geeignet als in Berlin?
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Mai 2018, 06:47

Vongole hat geschrieben:(12 May 2018, 00:30)

Zitat gekürzt, weil erster Teil a) falscher Strang und b) Unsinn.
Diese "Schutzbehauptung" gibt die Erfahrung jüdischer Bürger in Deutschland und anderen euopäischen Staaten wieder, und in den sogenannten bequemen und gemütlichen Jahren gab es auch jede Menge Antisemitismus, und zwar vorherrschend deutschen. Der ist immer noch da, wird aber gesteigert durch den muslimischen.
Yossi Bartal, den du hier als Kronzeugen einer eingebildeten Bedrohung zitierst, ist einer der Anführer der antizionistischen BDS-Bewegung und läuft damit kaum Gefahr, von Antisemiten auch nur belästigt zu werden.
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Ja. Das ist schon richtig. Bartal, einerseits (u.a.) TAZ-Autor, andererseits BDS-Aktivist. Das hatte ich nicht auf dem Schirm. Danke für den Hinweis. Ich sehe die Israel-Boykott-Befürwortung sehr kritisch. Die Szene junger Israelis in Berlin ist vielleicht auch nochmal ein Thema für sich, Auch wenn Hexenjagden (wie gegen die gleichfalls Pro-BDS auftretende Evelyn Hecht-Galinski) ganz allgemein ebenso verurteilenswert sind. Wir leben zum Glück nicht mehr in der McCarthy-Ära.

Und dennoch scheint die Anwesenheit zahlreicher Muslime in Berlin nicht das Problem Nummer Eins der geschätzt zehn- bis dreißigtausend Israelis in Berlin zu sein. Und Bartal leugnet in dem zitierten Artikel das Problem antisemitischer Vorfälle aus Richtung Islam auch gar nicht.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Mai 2018, 07:12

Dark Angel hat geschrieben:(12 May 2018, 13:04)

Das hat 1. niemand behauptet und hat 2. auch nicht das Geringste mit dem Medium "Tichys Einblick" zu tun, sondern einzig mit der "Hayek-Gesellschaft". "Tichys Einblick" ist kein "Organ"/Medium dieser Gesellschaft, sondern unabhängig!

Nein. Aber die Person Roland Tichy ist zumindest Kuratoriums-Mitglied der Hayek-Stiftunng. Und in der "Leipziger Erklärung" taucht sein Name explizit auf.

Die Differenzen betreffen daneben vor allem den ehemaligen Weggefährten Lindners Gerhard Papke und entzündeten sich ursprünglich an einem "Thesenpapier zur islamistischen Bedrohung“ von Papke und einem jungen FDP-Politiker iranischer Abstammung. (Deshalb ist dieser Punkt auch nicht ganz off topic). FDP-Politiker wie Gerhart Baum sehen Aktionen wie die "Leipziger Erklärung" - richtig aus meiner Sicht - als erfreuliche Distanzierung vom rechten Rand. Tichy und Papke sehen sich selbst (natürlich) nicht als "rechten Rand" sondern in dieser bekannten Pose des "Hier stehe ich und kann nicht anders", als aufrechte und standhafte Einsame gegenüber einem links dominierten Mainstream. In diesem Einblick-Artikel werden die ganzen persönlichen Querelen ausführlich erläutert: https://www.tichyseinblick.de/feuilleto ... n-lindner/
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » So 13. Mai 2018, 10:37

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 May 2018, 07:47)

Und Bartal leugnet in dem zitierten Artikel das Problem antisemitischer Vorfälle aus Richtung Islam auch gar nicht.

Worum geht es dir überhaupt? Dass es in der islamischen Welt nur aus Europa importierten Antisemitismus gäbe, ist schlichtweg falsch, diverse Koransuren und Hadithen belegen das. Dadurch ist selbstverständlich nicht sofort jeder Moslem ein Antisemit.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » So 13. Mai 2018, 12:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 May 2018, 08:12)

Nein. Aber die Person Roland Tichy ist zumindest Kuratoriums-Mitglied der Hayek-Stiftunng. Und in der "Leipziger Erklärung" taucht sein Name explizit auf.

Die Differenzen betreffen daneben vor allem den ehemaligen Weggefährten Lindners Gerhard Papke und entzündeten sich ursprünglich an einem "Thesenpapier zur islamistischen Bedrohung“ von Papke und einem jungen FDP-Politiker iranischer Abstammung. (Deshalb ist dieser Punkt auch nicht ganz off topic). FDP-Politiker wie Gerhart Baum sehen Aktionen wie die "Leipziger Erklärung" - richtig aus meiner Sicht - als erfreuliche Distanzierung vom rechten Rand. Tichy und Papke sehen sich selbst (natürlich) nicht als "rechten Rand" sondern in dieser bekannten Pose des "Hier stehe ich und kann nicht anders", als aufrechte und standhafte Einsame gegenüber einem links dominierten Mainstream. In diesem Einblick-Artikel werden die ganzen persönlichen Querelen ausführlich erläutert: https://www.tichyseinblick.de/feuilleto ... n-lindner/

Das ändert aber immer noch nichts an der politischen Ausrichtung von "Tichys Einblick" als liberales bis rechtsliberales Medium.
Die 50 Personen, die im Mai 2015(!) die Erklärung abgaben, sind immer noch nicht die gesamte FDP UND auch die FDP hat ihre Schlussfolgerungen aus der Flüchtlingskrise 2015/2016 gezogen. Diese veränderten Einsichten finden u.a. ihren Niederschlag im Wahlprogramm der FDP zur BTW 2017.
Auch der FDP ist zwischen Mai 2015 und heute klar geworden, dass eine islamistische Bedrohung auch in Deutschland real existent ist.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » So 13. Mai 2018, 12:13

Vongole hat geschrieben:(12 May 2018, 00:30)

Zitat gekürzt, weil erster Teil a) falscher Strang und b) Unsinn.
Diese "Schutzbehauptung" gibt die Erfahrung jüdischer Bürger in Deutschland und anderen euopäischen Staaten wieder, und in den sogenannten bequemen und gemütlichen Jahren gab es auch jede Menge Antisemitismus, und zwar vorherrschend deutschen. Der ist immer noch da, wird aber gesteigert durch den muslimischen.
Yossi Bartal, den du hier als Kronzeugen einer eingebildeten Bedrohung zitierst, ist einer der Anführer der antizionistischen BDS-Bewegung und läuft damit kaum Gefahr, von Antisemiten auch nur belästigt zu werden.
Ehe hier jemand argumentiert, dass es schließlich ein Jude sei, der das alles von sich gibt, nun, Nestbeschmutzer gibt's überall, auch unter Juden.
Und gerade diese sind in Deutschland außerordentlich beliebt, transportieren sie doch wunderbar die eigenen (Vor)urteile.

Nachtrag @ think twice:
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Antisemitismus in Deutschland nicht hinnehmen - Taten statt leere Phrasen, wie das geht bzw gehen kann zeigt Sachsen-Anhalt:

"Am Montag, wenn die USA ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen, fährt Haseloff zunächst jedoch in der Hafenstadt Haifa. Er will dem Rektor der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Prof. Jens Strackeljan, politisch zur Seite stehen, wenn dieser am Technion, der Technischen Universität Israels, eine wichtige Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die beiden Universitäten wollen gemeinsam Roboterarme entwickeln, mit deren Hilfe minimalinvasive Tumoroperationen möglich werden sollen, und zwar an Patienten, die während der OP in einem Kernspintomographen liegen."
Quelle


Das ist zumindest ein Anfang. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel hilft m.M.n. Vourteile abbauen. Sie sollte vertieft werden. Dazu muss aber noch bei Regierungs- und EU-Politikern ankommen, dass die Ar***kriecherei bei Palästinenservertretern und Kranzniederlegungen an Gräbern von Terroristen äußerst kontraproduktiv ist.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 16. Mai 2018, 08:36

Noch einmal, und möglichst genau und präzise, worum es - gemäß Threadtitel - eigentlich geht. Der damalige Bundespräsident Gauck äußerte 2014 sich mit "Wir wollen das nicht länger hinnehmen" als Reaktion auf massitve antiisraelische Demonstrationen in Deutschland, die den militärischen Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen im Juli folgten. (Ich schreibe bewussst: "folgten" und nicht "von ihnen verursacht wurden"). Die (eigentliche) Motivlage der Hamas für die Intensivierung des Raketenbeschusses und die nachfolgende Verteidigungsaktion Israels war folgende: Nach einem Strategiewechsel im syrischen Bürgerkrieg zuungunsten des Iran fielen Zahlungen von 20 Millionen Dollar monatlich aus Teheran weg. Zusätzlich fiel wegen der politischen Vorgänge in Ägypten die Unterstützung der Hamas durch die Muslimbrüder weg. Es war für die Hamas schlicht und einfach finanziell lohnenswerter, wenn im Gaza-Streifen Krieg herrscht. Auch die Entführung dreier israelischer Teenager wurde - wie sich später herausstellte - von der Hamas durch Geldzahlungen in Auftrag gegeben. Die letztendlichen Gründe für die Operation Protective Edge ebenso wie die nachfolgenden antisemitischen Ausschrietungen in Berlin sind in verdeckten Finanztransaktionen sowie in der Überfinanzierung arabischer gebiete (seis durch Erdöleinnahmen, seis durch Zahlungen) und nicht im Koran zu suchen. Und die Bereitschaft der bevölkerung in Gaza/Westjordanland, Gewaltaufrufen zu folgen hat vorrangig etwas mit der "Missgunst der Abgehängten" zu tun. Es ist genau so, wie ich schrieb.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 16. Mai 2018, 09:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 May 2018, 08:25)

Falsch ist nur die Umkehrung: Der gegenwärtige Antisemitismus in Europa sei nur oder auch vorrangig importiert.

Wer hat diese Umkehrung denn aufgestellt? Hat irgendwer bestritten, es gäbe keinen "genuinen" Antisemitismus bei Europäern und Christen? Ich glaube nicht und falls doch, muss derjenige sehr verblendet sein.

So komplex und verschränkt sind politische Phänomene nun mal.

Ich weiß nicht, ob Rassismus so komplex ist. Wie schon mehrfach geschrieben: auch Antisemiten sind international vernetzt und befruchten sich gegenseitig mit immer neuen (und gleichzeitig alten) Abscheulichkeiten, die sie den Juden anhängen können, die Protokolle fielen ja auch nicht vom Himmel sondern sind eine Sammlung antisemitischer Vorurteile.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 16. Mai 2018, 09:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 May 2018, 09:14)

Die Wurzeln des muslimischen Antisemitismus sind in solchen politischen Entwicklungen zu suchen und nicht im Koran. Der wird nur machtstrategisch genutzt.

Das ist eine sehr steile These, die sich nicht mit den entsprechenden Passagen des Korans und der Hadithen und auch dem Leben des Propheten, deckt. Richtig ist allerdings, dass diese Dinge von muslimischen Machthaber genutzt werden, um den Antisemitismus unter Muslimen zu befeuern. Mit Erfolg.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 16. Mai 2018, 09:41

Tom Bombadil hat geschrieben:(16 May 2018, 10:28)

Wer hat diese Umkehrung denn aufgestellt? Hat irgendwer bestritten, es gäbe keinen "genuinen" Antisemitismus bei Europäern und Christen? Ich glaube nicht und falls doch, muss derjenige sehr verblendet sein.


Ich weiß nicht, ob Rassismus so komplex ist. Wie schon mehrfach geschrieben: auch Antisemiten sind international vernetzt und befruchten sich gegenseitig mit immer neuen (und gleichzeitig alten) Abscheulichkeiten, die sie den Juden anhängen können, die Protokolle fielen ja auch nicht vom Himmel sondern sind eine Sammlung antisemitischer Vorurteile.

Rassismus selbst ist nicht komplex sondern dumpf. Ebenso wie Kulturalismus in Form von Zuschreibungen an Gruppen von Menschen als modernes funktionales Äquivalent zu Rassismus. Dumpf ist: Formen von Rassismus mit kulturailistischen Zuschreibungen der Form "Die sind so" erklären zu wollen. Komplex sind die Versuche der genauen Ursachenklärung. Es ging um das aktuelle und in dradio besprochene Buch "Muslimischer Antisemitismus" von David Ranan. Der übrigens zum einen selbst aus Israel kommt und zum anderen - ebenso wie Wolfgang Benz - für das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin arbeitet. Es gibt zwei Welten: Eine intellektuelle Debatte - sehr kontrovers aber auf einigem Niveau - u.a. zu diesem Buch in J.A., Faz, FR, TAZ usw. und es gibt dumpfe Zuschreibungen zum Beispiel in diesem Thread.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 16. Mai 2018, 09:46

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 May 2018, 10:41)

Dumpf ist: Formen von Rassismus mit kulturailistischen Zuschreibungen der Form "Die sind so" erklären zu wollen.

Selbstverständlich ist es das, auch wenn zB gegen Sachsen oder Ossis gehetzt wird. Aber ich glaube, du bekämpft hier Windmühlen, weil ich nicht sehen kann, wo jemand geschrieben haben soll, dass alle Muslime so (also antisemitisch) sind.

Komplex sind die Versuche der genauen Ursachenklärung.

Mag sein. Aber im Grunde auch wieder nicht, du hast einen Punkt schon angesprochen: Neid. Was die akademische Debatte angeht: auch diese Leute sind nur Menschen und können sich irren, Benz scheint mir so ein Fall zu sein.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Mi 16. Mai 2018, 13:58

Dieter Hanitzsch, Karikaturist bei der Süddeutschen Zeitung, konnte es wohl nicht ertragen, dass Israel den ESC gewann,
und veröffentlichte eine widerliche antisemitische Karikatur.
Die SZ hat sich mittlerweile dafür entschuldigt, allerdings wohl erst nach massiven Protesten, der Zeichner nicht.
Natürlich herrscht in Deutschland Kunst- und Pressefreiheit, aber hier hört es meiner Meinung nach auf.

http://meedia.de/2018/05/16/haette-aus- ... karikatur/
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 16. Mai 2018, 14:20

Das Geschmiere hätte sich auch super im Stürmer gemacht :dead: Das Bundesverdienstkreuz nimmt man ihm hoffentlich wieder ab.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Do 17. Mai 2018, 07:16

Dark Angel hat geschrieben:(16 May 2018, 13:01)

Dass Antisemitismus und Islamophibie/Islamfeindlichkeit qualitativ und auch quantitativ NICHT miteinander vergleichbar sein, hatten wir bereits über mehrere Seiten und jetzt fängst du wieder damit an.

Man muss beide Phänomene sogar vergleichen, um die qualtitativen und quantitativen Unterschiede überhaupt feststellen zu können. Selbst die (selbstverständlich richtige) Feststellung, dass die Shoah ein unvergleichliches Phänomen ist, basiert auf Vergleichen. Was sich (vielleicht) erstmal paradox anhört, ist logisch völlig klar und kann gar nicht anders sein.

Das Problem ist, dass der seriös geführte Diskurs zum Themenbereich einfach bereits ein Stück weiter gekommen ist. Aus der Einleitung zu dem verwiesenen Vortrag:

Seit einigen Jahren diskutieren Wissenschaftler*innen die These, ob sich die Rolle des Antisemitismus bei der Herausbildung von Nationalstaaten im 19. Jahrhundert mit der Funktion vergleichen lässt, die der Rassismus gegenüber Muslim*innen im Zuge der europäischen Integration einnimmt.

Der britische Historiker David Feldman fragt in seinem Vortrag nach historischen und gegenwärtigen Parallelen zwischen Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus. Ist es vor dem Hintergrund des derzeitigen Rechtsrucks in Europa sinnvoll, beide Phänomene politisch gemeinsam zu adressieren? Welche Chancen für künftige jüdisch-muslimische Allianzen ergeben sich daraus.


Selbst in diesem kurzen Text ist eine solche Fülle von konstruktiven Ansätzen, von differenzierter Betrachtung und vor allem Genauigkeit feststellbar, die weit über diese pauschalen Thesen von wegen "Der Islam ist mit 'unserer' Lebensweise grundsätzlich inkompatibel" hinausgehen.

Dass weder die Vortragenden noch das Publikum irgendetwas von Gleichsetzung oder auch nur von Angenähertheit reden, ist so selbstverständlich, dass das gar nicht erst thematisiert werden muss. Und du wirst hoffentlich nicht glauben, dass sich ausgerechnet eine Einrichtung wie das Jüdische Museum in Berlin in der Hand von islamistischen Kulturvergiftern befindet.

Es nützt nix: Will man über konkrete und praktisch-wirksame Maßnahmen nachdenken, sollte man sich nicht der Frage von Genuität oder Bibel- oder Korantexten widmen. Sondern vor allem politischer Analyse: Das heißt: Abläufen, Wahlergebnissen, Protestereignissen, Vertragsgegenständen, Militäraktionen, Börsenkursen, Wirtschaftsentwicklungen, Machtstrukturen usw. usf. Das ist mühevoller als Zuschreibungen vorzunehmen. Ich gehe jede Wette ein: Niemand, der mit auch heute judenfeindlich interpretierbaren Koranzitaten kommt, hat jemals irgendwelche Originaltexte gelesen. Es handelt sich stets um einfach nur weitergereichte Narrative. Politische Zeitereignisse dagegen muss man persönlich und aktuell verfolgen und aus der Fülle der Informationsströme herausdestilieren.

Das andere Problem ist die Form und Art und Weise, wie hier politische Diskussionen geführt werden. Dazu mal ein Gegenbeispiel: In einem Replik-Artikel in der Frankfurter Rundschau wird auf die These des einen Islamwissenschaftlers (Abdel-Hakim Ourghi)
Der Koran bilde die „Tiefenschicht des Antisemitismus islamischer Prägung“ und folglich würden Muslime dazu erzogen, „die Juden zu hassen, nicht nur Israel, sondern alle Juden der Welt“ (FR vom 15.12.).

durch den anderen Islamwissenschaftler (Michael Kiefer) folgendermaßen geantwortet:
Die islamischen Traditionsquellen sind in Bezug auf Juden und Christen widersprüchlich und begründen keine allgemeine und permanente Judenfeindschaft. Anders als im Christentum mit seiner Anklage des Gottesmordes, hat es im Islam keinen Vorwurf des Prophetenmordes an die Juden gegeben. Auch hat sich der Islam nie als Erfüllung und Ersetzung des Judentums verstanden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es in der 1400 Jahre andauernden islamischen Geschichte vielerorts ein weitgehend konfliktarmes Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen gab. Unvergessen ist der Zuzug sephardischer Juden in die Städte des Osmanischen Reiches nach dem Alhambra-Edikt 1492, welche die christliche Reconquista zum Abschluss brachte.

http://www.fr.de/kultur/islam-und-antisemitismus-der-islam-ist-nicht-pauschal-antisemitisch-a-1411961,2
(und im nachfolgenden Text werden noch zahlreiche in muslimischen Kreisen zirkulierende antijüdische Erzählungen als christlichen Ursprungs nachgewisen).

Es handelt sich also um sehr sehr weit auseinanderliegende Positionen und um Auseinandersetzungen wie sie zumindest ungefähr und teilweise auch hier geführt wurden. Und dennoch werden die in ein- und derselben Zeitung gedruckt und es wird ein politischer Diskurs anstelle einer Diffamierungsanreihung geführt. (Ich will mich selbst dabei nicht einmal ausnehmen).
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BlueMonday
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon BlueMonday » Do 17. Mai 2018, 12:18

Ja nun, wenn etwas tatsächlich eine Singularität wäre, dann könnte man nicht einmal darüber sinnvoll sprechen. Alle Begriffe, mit denen man etwas begreifen will, verweisen prinzipbedingt auf etwas außerhalb dieses zu begreifenden Dings: auf etwas Gleiches, Ähnliches, Wesentlichen, sich Wiederholendes. Wenn man bspw. von Mord spricht, dann verweist man auf ein unterstelltes Wesen, das alle Morde bei all ihrer Einzigartigkeit, Unterschiedlichkeit und Besonderheit gemein haben. Der harte Schnitt der Abstraktion. Das Absehen vom Eigentlichen und Besonderen. Behauptung des Wesentlichen.

Und vor allem, wenn man denn darauf bestünde, dass etwas singulär wäre, dann könnte es sich ja unter keinen Umständen und Begebenheiten wiederholen. Man müsste nicht warnen und wachen und nicht bekämpfen und aufhalten usw.
Man müsste nur entspannt geschehen lassen, und das Singuläre könnte sich nie wiederholen.

Nun geht es aber offenbar beim "Holocaust" aber genau darum, nichts Vergleichbares sich wiederholen zu lassen, nicht mal im Ansatz.
Man sucht doch fiebernd überall nach neuen Anzeichen von "Antisemitismus" (dieser grobe Unfug um Kollegah bspw vor einiger Zeit). In diesem Forum ist man ja auch gern voller kurzatmiger Hysterie.

Ein anderer und vielversprechenderer Weg kommt dann aus entgegengesetzer Richtung: Sich epistomologisch einzugestehen, dass strenggenommen alle Ergeignisse im Fluss der Zeit "singulär" sind, panta rhei, und dadurch ihre Besonderheit verlieren, die aus ihrer Singularität stammen soll. Denn das Singuläre ist dann das Nichtbesondere, denn darin ist sich dann alles gleich.
Und vor allem würde damit das hysterische Geschnatter aufhören.
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Chajm » Do 17. Mai 2018, 13:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2018, 08:30)

(...)

Und ob es damit zu tun hat. Die nahestliegende und potenziell wirksamste Maßnahme in Europa, um (auch hier in Deutschland) Antisemitismus einzudämmern, wäre der Ausschluss der Fidesz-Partei aus der EVP-Fraktion. Und warum der Boom Pseudo-Philosemitischer Bücher in China nix mit dem Antisemitismus in Deutschland zu tun hat? Ich weiß nicht: Wollen wir hier Phrasen, Allgemeinplätze und bekannte Standpunkte herunterbeten oder interessante Beobachtungen austauschen und einen kontroversen Dialog führen. Beides ist Teil des unterschiedlichen Verhältnisses der Menschen zu einem (in der Regel selbst fabrizierten) Bild von jüdischen Menschen und kann, selbst wenn es nicht kausal verknüpft ist, Symptom für ein- und dieselbe globale Tendenz sein. Gerade in der kausalen Nichtverknüpftheit besteht das Interessante.


Das Gefettete muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - man daemmt also den (auch deutschen) Antisemitismus ein, indem man die ungarische Fidesz-Partei aus dem EU-Parlament ausschliesst? :rolleyes:
Und bei naechster Gelegenheit gibt genau jenes Parlament dann Herrn Abbas wieder die Chance, seinen Hass auf Juden und Israel ins EU-Parlament zu ejakulieren und findet dessen Rede inspirierend und spendet ihm stehend Beifall!
Aber die Fidesz ist ja dann raus - zumindest wenn man den Eizes des Users Gehoer schenkt und somit hat das EU-Parlament das Seinige getan im K(r)ampf gegen (den auch in Deutschland) vorhandenen Antisemitismus!
"Where no counsel is, the people fall, but in the multitude of counselors there is safety."
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Re: Wir wollen das nicht hinnehmen - Gauck zum Antisemitismus

Beitragvon Keoma » Do 17. Mai 2018, 14:01

Chajm hat geschrieben:(17 May 2018, 14:51)

Das Gefettete muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - man daemmt also den (auch deutschen) Antisemitismus ein, indem man die ungarische Fidesz-Partei aus dem EU-Parlament ausschliesst? :rolleyes:
Und bei naechster Gelegenheit gibt genau jenes Parlament dann Herrn Abbas wieder die Chance, seinen Hass auf Juden und Israel ins EU-Parlament zu ejakulieren und findet dessen Rede inspirierend und spendet ihm stehend Beifall!
Aber die Fidesz ist ja dann raus - zumindest wenn man den Eizes des Users Gehoer schenkt und somit hat das EU-Parlament das Seinige getan im K(r)ampf gegen (den auch in Deutschland) vorhandenen Antisemitismus!


Ist mir unter dem ganzen Geschwurbel gar nicht aufgefallen.
Na ja, kein Wunder.
Moralische Entrüstung ist Eifersucht mit einem Heiligenschein.

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