ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon H2O » Mi 25. Apr 2018, 10:36

Selina hat geschrieben:(25 Apr 2018, 11:30)

Naja, trotzdem sollte man schon genau hinschauen, wer hinter den jeweiligen antisemitischen Äußerungen und Handlungen steht. Nach wie vor geht der stärkste Antisemitismus immer noch von Rechtsradikalen und der Neuen Rechten aus. Das kann mir hier auch keiner überzeugend widerlegen. Selbstverständlich gibt es auch einzelne muslimische Fälle von Antisemitismus und auch welche aus dem "linken Lager". Dennoch hilft es nichts, da einen allgemeinen ideologischen Mischmasch daraus zu machen. Da muss schon jede einzelne Tat und jedes einzelne Geschmiere und Gebrülle genau hinterfragt werden, woher es kommt, welche Motive dahinter stecken. Während man die Quellen von Antisemitismus unter Muslimen und unter Linken recht gerne, recht gründlich und recht ausführlich bespricht und "analysiert", kommt es mir andererseits so vor, als sei es unbequem, sich selbst und andere genau zu befragen, warum es immer noch oder schon wieder so starken rechtsradikalen und neurechten Antisemitismus gibt. Mit der üblichen Gleichsetzung von Rechts und Links kommt man hier nicht weiter.

Spannend finde ich in dem Zusammenhang die Frage: Gibt es eine neurechte Ideologie ohne Antisemitismus? Oder ist das nur eine besondere Taktik der Neuen Rechten, um sich vom Lieblingsfeind, dem Islam und den Muslimen, deutlicher abzugrenzen?


Wundert Sie das? Kennen Sie nicht den Satz: "Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?" Die Menschheit ändert sich nicht.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Selina » Mi 25. Apr 2018, 10:49

H2O hat geschrieben:(25 Apr 2018, 11:36)

Wundert Sie das? Kennen Sie nicht den Satz: "Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?" Die Menschheit ändert sich nicht.


Das wäre sehr traurig, wenn sich "die Menschheit" nicht ändern würde/könnte. Wenn man sich erinnert, was im Dritten Reich geschehen ist und wie fest dort der Antisemitismus zur "nationalsozialistischen" Ideologie gehörte (mit den bekannten schrecklichen Folgen), dann muss die Frage schon gestattet sein: Was tun die Demokraten und Humanisten unter uns, um so etwas nicht wieder großwerden zu lassen? Das sattsam bekannte Argument, man gehöre selbst zur "Mitte" und habe weder was mit Links noch mit Rechts am Hut und demzufolge auch nichts mit dem Antisemitismus beider Seiten, bringt uns da nicht weiter. Zumal es auch Antisemitismus in der so genannten bürgerlichen Mitte gibt.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon H2O » Mi 25. Apr 2018, 10:56

Selina hat geschrieben:(25 Apr 2018, 11:49)

Das wäre sehr traurig, wenn sich "die Menschheit" nicht ändern würde/könnte. Wenn man sich erinnert, was im Dritten Reich geschehen ist und wie fest dort der Antisemitismus zur "nationalsozialistischen" Ideologie gehörte (mit den bekannten schrecklichen Folgen), dann muss die Frage schon gestattet sein: Was tun die Demokraten und Humanisten unter uns, um so etwas nicht wieder großwerden zu lassen? Das sattsam bekannte Argument, man gehöre selbst zur "Mitte" und habe weder was mit Links noch mit Rechts am Hut und demzufolge auch nichts mit dem Antisemitismus beider Seiten, bringt uns da nicht weiter. Zumal es auch Antisemitismus in der so genannten bürgerlichen Mitte gibt.


Aber liebe Selina, nun drücken Sie bitte nicht auf meine Tränendrüse! Der Matthäus 7.3 "Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?"
ist jetzt mindestens 1.800 Jahre alt, oder, wenn es Christus tatsächlich gab, dann eben mindestens 2.000 Jahre alt. In der Zeit gab es so manches vergleichbare Ereignis, das die Menschheit zum Besseren hätte bekehren können. Und nun?
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 25. Apr 2018, 11:09

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und deshalb auch wenig zur Parteipolitik geeignet.

Zur Abhilfe ist die Prävention wichtig, ebenso die Anwendung des zur Verfügung stehenden Instrumentenkastens. Sollte das nicht ausreichen, muss der Instrumentenkasten erweitert werden.

Es ist schon bezeichnend, wenn praktisch alle jüdischen Einrichtungen polizeilich geschützt werden oder wenn 14-Jährige die Schule ihres Glaubens wegen wechseln müssen.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Dieter Winter » Mi 25. Apr 2018, 11:13

Selina hat geschrieben:(25 Apr 2018, 11:30)

Spannend finde ich in dem Zusammenhang die Frage: Gibt es eine neurechte Ideologie ohne Antisemitismus? Oder ist das nur eine besondere Taktik der Neuen Rechten, um sich vom Lieblingsfeind, dem Islam und den Muslimen, deutlicher abzugrenzen?


Benny Wilders scheint zumindest keine antisemitischen/antizionistischen Thesen zu vertreten. Le Pen hat sich auch von ihrem Vater deshalb distanziert.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Julian » Mi 25. Apr 2018, 11:27

Dieter Winter hat geschrieben:(25 Apr 2018, 08:55)
Natürlich kommt mit arabischen Flüchtlinge auch arabischer Antisemitismus in's Land. Und genau hier muss imho angesetzt werden. Diesen Leuten muss von der ersten Minute an klar gemacht werden, dass das hier nicht so läuft. Das erfordert sicher einigen Aufwand, ist aber unumgänglich.


Für solch eine Aussage wäre man vor kurzem noch gesteinigt worden. Kannst du mir nun noch verraten, warum nun alle plötzlich so überrascht und empört sind, wenn ein vorhersehbares Ereignis eingetreten ist?

Was macht dich so optimistisch, dass man Migranten mit antisemitischen Einstellungen innerhalb kürzester Zeit umprogrammieren kann?

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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Selina » Mi 25. Apr 2018, 11:29

DarkLightbringer hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:09)

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und deshalb auch wenig zur Parteipolitik geeignet.

Zur Abhilfe ist die Prävention wichtig, ebenso die Anwendung des zur Verfügung stehenden Instrumentenkastens. Sollte das nicht ausreichen, muss der Instrumentenkasten erweitert werden.

Es ist schon bezeichnend, wenn praktisch alle jüdischen Einrichtungen polizeilich geschützt werden oder wenn 14-Jährige die Schule ihres Glaubens wegen wechseln müssen.


Dazu zitiere ich mal meinen gestrigen Beitrag aus dem Parallel-Strang zum Thema:

Antisemitismus hat es schon lange vor der Ankunft der Flüchtlinge in Deutschland gegeben. Deutlicher, als es dieser Autor in seinem klugen offenen Brief an die AfD schrieb (von Marmelada oben verlinkt), kann man es nicht sagen:

Zitat:

Noch 70 Jahre nach dem Holocaust kann in Deutschland keine einzige (!) jüdische Einrichtung, keine Synagoge, keine Schule, keine Kita eröffnen, ohne dass sie 24 Stunden am Tag durch die Polizei geschützt werden muss. Lange bevor 2015 die Geflüchteten nach Deutschland kamen, musste die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, Berichte veröffentlichen und sich Jahr für Jahr erklären, warum noch immer jüdische Gräber geschändet und Hakenkreuze an Wände geschmiert werden.

Und bei alledem reden Sie tatsächlich vom jüdisch-christlichen Abendland?

Politiker in Ihrer Partei stehen im Verdacht, fleißig antisemitische Karrikaturen geteilt, den Holocaust geleugnet, den Nahost-Konflikt als genauso schlimm, wie die Shoa bezeichnet, antisemitische Verschwörungstheorien veröffentlicht und sich geweigert zu haben, ein offen antisemitisches Parteimitglied wie Wolfgang Gedeon auszuschließen. Stattdessen beschäftigen Sie sich wahrhaftig mit der Frage, wie man schnellstmöglich den Straftatbestand der Volksverhetzung abschaffen könne (bezeichnenderweise fühlen Sie sich in dieser Sache wieder einmal missverstanden, wobei sich mir nicht so recht erschließen will, wie man die Worte: „meines Erachtens müsste dieser Paragraph komplett gestrichen werden“ falsch verstehen kann).

Sie sind mitnichten Freunde, sondern Feinde des Judentums. Sie verhöhnen die Opfer und Überlebenden des Nazi-Regimes, Sie missachten die deutsche Verantwortung gegenüber dem Staat Israel und Sie beherbergen offen antisemitische Feinde unserer Demokratie in Ihrer Partei. Wie können Sie es wagen, sich bei alledem als „überhaupt irgendetwas“ gegen Antisemitismus zu bezeichnen – geschweige denn als „Bollwerk“?


http://www.migazin.de/2018/04/05/liebe- ... emitismus/

Und nochmal: Der Verweis, dass Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, was ja stimmt, darf nicht zu Passivität verführen. Da gilt es schon genau hinzuschauen, genau zu analysieren, was den rechten, linken und muslimischen Antisemitismus ausmacht, wer dahinter steht, was genau die einzelnen Fälle sind. Gerade bei der Geschichte ist das sehr wichtig. Und auch das nochmal: Linker und muslimischer Antisemitismus wird hier lang und breit erörtert, der rechte jedoch nicht. Oder höchst selten. Warum?
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Julian » Mi 25. Apr 2018, 11:35

Selina hat geschrieben:(25 Apr 2018, 11:30)

Naja, trotzdem sollte man schon genau hinschauen, wer hinter den jeweiligen antisemitischen Äußerungen und Handlungen steht. Nach wie vor geht der stärkste Antisemitismus immer noch von Rechtsradikalen und der Neuen Rechten aus. Das kann mir hier auch keiner überzeugend widerlegen. Selbstverständlich gibt es auch muslimische Fälle von Antisemitismus und auch welche aus dem "linken Lager".


Antisemitismus gibt es in vielen Schattierungen, rechts, links, christlich, muslimisch. Die eine geht aber nicht weg, weil man einer anderen erlaubt sich auszubreiten. Und verlässliche Zahlen gibt es lei:der nicht; ich vermute aber, dass inzwischen der muslimische Antisemitismus den rechtsextremen in einigen Aspekten überholt hat. Dazu passt eine Umfrage unter Opfern, die bei Gewalttaten in ca. 80% der Fälle von einem muslimischen Hintergrund ausgeht, wenn ich die Daten noch recht im Kopf habe.

Ohne Frage ist rechtsextremer Antisemitismus nach wie vor ein großes Problem, und ja: auch innerhalb der AfD. Dennoch halte ich die AfD insgesamt keineswegs für eine antisemitische Partei und auch nicht für ein Problem für die hier lebenden Juden.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Dieter Winter » Mi 25. Apr 2018, 11:36

Julian hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:27)

Für solch eine Aussage wäre man vor kurzem noch gesteinigt worden. Kannst du mir nun noch verraten, warum nun alle plötzlich so überrascht und empört sind, wenn ein vorhersehbares Ereignis eingetreten ist?

Was macht dich so optimistisch, dass man Migranten mit antisemitischen Einstellungen innerhalb kürzester Zeit umprogrammieren kann?

Die geben ihr Gehirn nicht an der Grenze ab.


Ich gehe nicht davon aus, dass sie den Antisemitismus löschen. Es geht erst mal darum, dass sie ihn hier nicht ausleben. Du kannst die Menschen aus dem Nahem Osten hierher bringen, aber nicht den Nahem Osten aus diesen Menschen.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 25. Apr 2018, 11:42

Julian hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:27)

Für solch eine Aussage wäre man vor kurzem noch gesteinigt worden. Kannst du mir nun noch verraten, warum nun alle plötzlich so überrascht und empört sind, wenn ein vorhersehbares Ereignis eingetreten ist?

Was macht dich so optimistisch, dass man Migranten mit antisemitischen Einstellungen innerhalb kürzester Zeit umprogrammieren kann?

Die geben ihr Gehirn nicht an der Grenze ab.

Eine Kreuzigung wäre fraglos etwas anderes als eine Steinigung. ;)

Man wird weder Residente noch Migranten mit problematischer Einstellung einfach so umprogrammieren können. Deshalb ist Prävention wichtig und die konsequente Anwendung bestehender Rechtslagen. Eine Steinigung oder Kreuzigung sieht unsere Verfassung jedoch nicht vor.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Dark Angel » Mi 25. Apr 2018, 11:51

Selina hat geschrieben:(25 Apr 2018, 11:30)

Naja, trotzdem sollte man schon genau hinschauen, wer hinter den jeweiligen antisemitischen Äußerungen und Handlungen steht. Nach wie vor geht der stärkste Antisemitismus immer noch von Rechtsradikalen und der Neuen Rechten aus. Das kann mir hier auch keiner überzeugend widerlegen. Selbstverständlich gibt es auch muslimische Fälle von Antisemitismus und auch welche aus dem "linken Lager". Dennoch hilft es nichts, da einen allgemeinen ideologischen Mischmasch daraus zu machen. Da muss schon jede einzelne Tat und jedes einzelne Geschmiere und Gebrülle genau hinterfragt werden, woher es kommt, welche Motive dahinter stecken. Während man die Quellen von Antisemitismus unter Muslimen und unter Linken recht gerne, recht gründlich und recht ausführlich bespricht und "analysiert", kommt es mir andererseits so vor, als sei es unbequem, sich selbst und andere genau zu befragen, warum es immer noch oder schon wieder so starken rechtsradikalen und neurechten Antisemitismus gibt. Mit der üblichen Gleichsetzung von Rechts und Links kommt man hier nicht weiter.

Spannend finde ich in dem Zusammenhang die Frage: Gibt es eine neurechte Ideologie ohne Antisemitismus? Oder ist das nur eine besondere Taktik der Neuen Rechten, um sich vom Lieblingsfeind, dem Islam und den Muslimen, deutlicher abzugrenzen?

Na dann fang mal an, dich selbst zu hinterfragen! Oder ist dir das zu unbequem?
Mit dem Finger auf andere zeigen, aber den eigenen latenten Antizionismus leugnen, ist nicht gerade die feine Art!
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Julian » Mi 25. Apr 2018, 11:52

Vongole hat geschrieben:(24 Apr 2018, 23:57)

Dieser Beitrag ist zwischen vielen miesen Posts zum Thema Antisemitismus so ziemlich der widerlichste.


Ich finde, dass eine Kritik am ZdJ nicht notwendigerweise Antisemitismus darstellt. Es handelt sich um eine Institution, die politische Aussagen tätigt und die auch unter Juden keinesfalls unumstritten ist.

Anzumerken wären allerdings zwei Dinge: Erstens hatte sich Schuster, der Vorsitzende, durchaus auch besorgt über die Zuwanderung geäußert. Zweitens verstehe ich die prekäre Lage des Zentralrats, der ja nicht als gegen Muslime hetzend wahrgenommen werden möchte als Vertreter einer Minderheit, die selbst Gegenstand von Hetze ist.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon becksham » Mi 25. Apr 2018, 11:52

Julian hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:35)

Antisemitismus gibt es in vielen Schattierungen, rechts, links, christlich, muslimisch. Die eine geht aber nicht weg, weil man einer anderen erlaubt sich auszubreiten. Und verlässliche Zahlen gibt es lei:der nicht; ich vermute aber, dass inzwischen der muslimische Antisemitismus den rechtsextremen in einigen Aspekten überholt hat. Dazu passt eine Umfrage unter Opfern, die bei Gewalttaten in ca. 80% der Fälle von einem muslimischen Hintergrund ausgeht, wenn ich die Daten noch recht im Kopf habe.

Ohne Frage ist rechtsextremer Antisemitismus nach wie vor ein großes Problem, und ja: auch innerhalb der AfD. Dennoch halte ich die AfD insgesamt keineswegs für eine antisemitische Partei und auch nicht für ein Problem für die hier lebenden Juden.

Ich verstehe es nicht. Niemand hat in der Frage so eine dermaßen große Verantwortung wie wir. Und wir kriegen es nicht mal bei "unseren eigenen Leuten" in den Griff, sind aber ganz groß mit dem Fingerzeig auf andere. Antisemitismus ist ein Problem, egal woher er kommt. Ich denke aber, wir sollten die letzten sein, die mit dem Finger auf andere zeigen, sondern uns zuerst fragen, warum wir ihn auch schon bislang nicht bekämpft bekommen haben.

Bei 1377 Delikten geht die Polizei von rechts motivierten Tätern aus. 33 Straftaten werden ausländischen Judenfeinden – ohne Islamisten – zugeschrieben, weitere 25 Delikte "religiös motivierten" Antisemiten, also meist muslimischen Fanatikern ausländischer sowie deutscher Herkunft. Bei 17 Taten war es der Polizei trotz erkennbarem Judenhass nicht möglich, ein politisches Milieu zu ermitteln. Nur ein Delikt, eine Volksverhetzung, war nach Erkenntnissen der Polizei links motiviert.


Auch er geht davon aus, dass es "vermutlich eine hohe Dunkelziffer" gebe. Wenngleich der Schwerpunkt antisemitischer Straftaten unverändert im rechtsradikalen Bereich liege, müsse auch der Antisemitismus unter Zuwanderern genau im Blick behalten werden, sagte Harbarth. "Wer in Deutschland Schutz vor Verfolgung sucht, darf dies nicht zur Verfolgung Andersgläubiger missbrauchen."

https://www.morgenpost.de/politik/artic ... -2017.html
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon ThorsHamar » Mi 25. Apr 2018, 11:56

DarkLightbringer hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:09)

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und deshalb auch wenig zur Parteipolitik geeignet.

Zur Abhilfe ist die Prävention wichtig, ebenso die Anwendung des zur Verfügung stehenden Instrumentenkastens. Sollte das nicht ausreichen, muss der Instrumentenkasten erweitert werden.

Es ist schon bezeichnend, wenn praktisch alle jüdischen Einrichtungen polizeilich geschützt werden oder wenn 14-Jährige die Schule ihres Glaubens wegen wechseln müssen.


Jüdische Einrichtungen werden deshalb geschützt, weil es einen Staatsvertrag zwischen dem ZdJ und der Bundesrepublik Deutschland gibt.
Diese Auskunft erhältst Du an der Polizeihütte in der Brunnenstrasse, wenn Du fragst, warum dort immer mindestens 2 Polizisten und israelische Zivilsten herumstehen.
Ginge es um Überfälle, sollten eher Tankstellen und deren Mitarbeiter geschützt werden.
Im Übrigen gibt es hier nun seit ein paar Tagen jetzt sogar Wachschutz im OBI ...

Und Schulwechsel trifft mittlerweile in immer mehr islamisch dominierten Schulen alle nichtmuslimischen Schüler, die etwas lernen wollen und die von Moslems gemobbt und verprügelt werden.
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Selina » Mi 25. Apr 2018, 11:57

Julian hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:35)

Antisemitismus gibt es in vielen Schattierungen, rechts, links, christlich, muslimisch. Die eine geht aber nicht weg, weil man einer anderen erlaubt sich auszubreiten. Und verlässliche Zahlen gibt es lei:der nicht; ich vermute aber, dass inzwischen der muslimische Antisemitismus den rechtsextremen in einigen Aspekten überholt hat. Dazu passt eine Umfrage unter Opfern, die bei Gewalttaten in ca. 80% der Fälle von einem muslimischen Hintergrund ausgeht, wenn ich die Daten noch recht im Kopf habe.

Ohne Frage ist rechtsextremer Antisemitismus nach wie vor ein großes Problem, und ja: auch innerhalb der AfD. Dennoch halte ich die AfD insgesamt keineswegs für eine antisemitische Partei und auch nicht für ein Problem für die hier lebenden Juden.


Dennoch hat man sich bis jetzt nicht vom schlimmen Geschichtsrevisionisten mit deutlich braunem Einschlag, Höcke, getrennt. Im Gegenteil, er wird hofiert und stets willkommen geheißen unter seinesgleichen. Das heißt doch wohl, dass die anderen solche Einstellungen billigen bzw. sogar gutheißen. Außerdem halte ich die AfD insgesamt für eine Gefahr für die Demokratie. Wenn man alleine bedenkt, welche umfangreichen Kontakte die Bundestagsfraktion und ihre Mitarbeiter ins rechtsextreme Lager haben und welches Vokabular Bundestagsabgeordnete zum Teil benutzen, da kanns einem nur schlecht werden. Sorry für OT, aber den entsprechenden Strang (AfD) hat man ja geschlossen.

http://www.taz.de/!5497370/
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Selina » Mi 25. Apr 2018, 12:08

becksham hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:52)

Ich verstehe es nicht. Niemand hat in der Frage so eine dermaßen große Verantwortung wie wir. Und wir kriegen es nicht mal bei "unseren eigenen Leuten" in den Griff, sind aber ganz groß mit dem Fingerzeig auf andere. Antisemitismus ist ein Problem, egal woher er kommt. Ich denke aber, wir sollten die letzten sein, die mit dem Finger auf andere zeigen, sondern uns zuerst fragen, warum wir ihn auch schon bislang nicht bekämpft bekommen haben.


Danke für die klaren Worte. Sehe ich auch so. Ich frage mich nur: Wieso wird ständig sehr ausführlich über linken und muslimischen Antisemitismus diskutiert, aber (fast) nie über rechten? Warum ist das so?
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Dieter Winter » Mi 25. Apr 2018, 12:12

ThorsHamar hat geschrieben:(25 Apr 2018, 12:56)

Jüdische Einrichtungen werden deshalb geschützt, weil es einen Staatsvertrag zwischen dem ZdJ und der Bundesrepublik Deutschland gibt.


Ach so. Den Vertrag hat man mal so grundlos geschlossen, weil es den Beteiligten gerade fad war. :rolleyes:
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon hafenwirt » Mi 25. Apr 2018, 12:14

JJazzGold hat geschrieben:(25 Apr 2018, 09:05)

Dass konnte man doch bisher weder den “Biodeutschen“ Links- und Rechtsaussen, sowie deren biodeutschen Fans eindrücklich und nachhaltig vermitteln. Also fängt man am besten ganz unten an, im Kindergarten und der Schule, flankiert von einprägsamen Maßnahmen Erwachsenen aller Couleur gegenüber, egal welcher Herkunft und antisemitisch getränkter Parteien, wie die Die Linke und die AfD/NPD.



Das kann man unterschreiben, wobei ich hinzufüge, dass auch in der bürgerlich-liberalen Mitte und Parteien der Mitte angesetzt werden muss. Gabriel, Koch, ...auch in der Mitte gibt es antisemitische Legendenbildung, Codes und Äußerungen.

Immer wieder nur zu sagen "Das Problem besteht an den politischen Rändern" verkennt den Antisemitismus der Mitte. Klammert man diesen aus, besteht dieser immer wieder schwelend fort und tritt irgendwann wieder neu auf. Wenn dann ein Gabriel vor tritt, sich zu Israel äußert und sich andere diesen Äußerungen anschließen.

Ich finde es hier ziemlich gut beschrieben:

Deutschland hat den Antisemitismus nie überwunden. Es gab die Nazi-Rentner, die vom Führer schwadronierten, und nur Optimisten dachten, wenn die Alten stürben, wäre es vorbei. Es gab jenen Antisemitismus, der sich aus Scham und Schuldgefühlen gespeist haben mag. Antisemitische Anwandlungen waberten auch durch wichtige, an sich gute Debatten, etwa des Antiimperialismus oder der Kapitalismuskritik. Und die Kameradschaften der NPD gönnen sich bis heute den Antisemitismus als Teil ihrer Nazifolklore.

Aber es gibt eben immer auch jenen verdrucksten Antisemitismus der Mitte: Augenzwinkernd verliert er nur mal einen Satz, begleitet vom keckernden „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“. Es gibt mitgebrachten Antisemitismus aus dem Nahen Osten und aus der Türkei. Und da sind die Rapper, die sich mit Provokationsfanalen inszenieren. Der Judenhass in Deutschland hat viele Gesichter, er ist mal leutselig, mal theoretisierend, mal grob. Und mal so brutal wie vergangene Woche.

Dem Antisemitismus insgesamt, aber auch diesem einen Angriff muss begegnet werden.


http://www.taz.de/!5497496/
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon ThorsHamar » Mi 25. Apr 2018, 12:27

Dieter Winter hat geschrieben:(25 Apr 2018, 13:12)

Ach so. Den Vertrag hat man mal so grundlos geschlossen, weil es den Beteiligten gerade fad war. :rolleyes:


Nein. http://www.judentum.net/deutschland/staatsvertrag-0.htm
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Re: ZDJ warnt vor Tragen der Kippa

Beitragvon Selina » Mi 25. Apr 2018, 12:31

Polibu hat geschrieben:(25 Apr 2018, 13:23)

Hier geht es nicht um die AfD.

Hier geht es um die Warnung des Zentralrates der Juden öffentlich eine Kippa zu tragen wegen des ausufernden Antisemitismusses .

Und ich muss sagen da stehen einem schon die Haare zu Berge, wenn man das so liest. Lange wird es nicht mehr dauernd bis Juden das Land verlassen, weil sie Angst haben, wenn das hier in Deutschland so weiter geht.

Spätestens, wenn das passiert, dann ist Deutschland nicht mehr meine Heimat.


Genau. Meine auch nicht. Ein Blick in die Geschichte zeigt, das sich die Bilder ähneln, alles geht genauso los wie schon einmal. Nur dass die Rechte ein wenig durcheinanderkommt, wen sie nun zum Hauptfeind erklären will. Vielleicht hat sie ja auch eine Rangfolge: Zuerst sind die Muslime dran, danach die Linken. Und dann wieder die Juden? Die Ängste darf man nicht kleinreden.
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