Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Moderator: Moderatoren Forum 2

pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 12:14

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:07)

Gerade die Grünen wollen eine geschlossene Gesellschaft, gerade die Grünen sind für (massive) staatliche Eingriffe, Reglementierungen, Vorschriften und Bevormundung. Stichworte "Energiewende", Dieselverbot etc pp.
Genau das sind Merkmale einer geschlossenen Gesellschaft. Eine 8%-Partei will bestimmen, will vorgeben, in welche Richtung sich Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln - das sind Merkmale eines totalitären Systems!
Grüne wollen keine ökonomische, soziale, politische und individuelle Freiheit (Liberalismus) - Merkmale einer offenen Gesellschaft.


das ist Ihre Ansicht, die ich auch nicht um Ansatz teile und darf Sie auch darauf hinweisen,dass die Gruenen bei der letzten BTW 8.9% erhalten haben und da wuerde ich schon von einer 9% Partei sprechen - da ist man naeher an der Wahrheit dran.
Finde es uebrigens vollkommen normal, dass man als Partei umsetzen und damit bestimmen will und die Merkmale eines totalitaeren Systemes sehe ich in Deutschland ueberhaupt nicht und auch nicht als die Gruenen in der Bundesregierung waren und Agenda2010 beschlossen, die sie ja hier so hoch loben und fuer den Wirtschaftsaufschwung verantwortlich machen :).

Gruene wollen okonomische, soziale, politische und individuelle Freiheit - Merkmale einer offenen Gesellschaft - klar
ich wuerde aber noch oekologisch und indivduelle Freiheit unter bestimmten Rahmenbedingungen ersetzen, denn Freiheit hoert dort auf, wo die Freiheit des Anderen gefaehrdet wird.
Zuletzt geändert von pikant am Do 8. Mär 2018, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Unité 1
Beiträge: 3609
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 20:18
Benutzertitel: fsociety

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Unité 1 » Do 8. Mär 2018, 12:16

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:09)

Und was genau, soll das mit Poppers Vorstellung von einer offenen Gesellschaft zu tun haben?

Offenkundig habe ich mich nicht auf Popper bezogen.
Wo steht, dass freie Marktwirtschaft das Alleinstellungsmerkmal für eine offene Gesellschaft ist?

Du rekurrierst positiv auf Milton Friedman und machst dir implizit die Position aus dem "Zitat" - wo hast du das eigentlich her? - zu eigen. Dass das Gewäsch von Freiheit der Chicago Boys sich nicht auf politische bezog, wollte ich an der Stelle noch mal erinnert haben. Im Gegenteil hatten sie nicht das geringste Problem, mit einem Diktator zusammenzuarbeiten. So könnte ich also folgern, dass es entweder eine offene Gesellschaft oder Marktwirtschaft geben könne, beides zusammen funktioniere nicht.
"Everyday we change the world. But to change the world in a way that means anything, that takes more time than most people have."
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 12:27

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:16)

Offenkundig habe ich mich nicht auf Popper bezogen.

Du rekurrierst positiv auf Milton Friedman und machst dir implizit die Position aus dem "Zitat" - wo hast du das eigentlich her? - zu eigen. Dass das Gewäsch von Freiheit der Chicago Boys sich nicht auf politische bezog, wollte ich an der Stelle noch mal erinnert haben. Im Gegenteil hatten sie nicht das geringste Problem, mit einem Diktator zusammenzuarbeiten. So könnte ich also folgern, dass es entweder eine offene Gesellschaft oder Marktwirtschaft geben könne, beides zusammen funktioniere nicht.


Wunder von Chile und traf sich mit Pinochet und sprach die Menschenrechtsverletzungen mit keinem Wort in dieser schlimmen Diktatur an
toller Friedmann!
dieser Friedmann hatte noch nicht mal die Courage beim Treffen 1975 mit Pinochet auch nur ein kritisches Wort zu dieser Person und der schlimmen Diktatur zu verlieren
toller Friedmann!
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 12:33

Dark Angel hat geschrieben:(06 Mar 2018, 11:32)

Eine ähnliche Entwicklung findet auf dem Arbeitsmarkt statt, wo sich die Konkurrenz um minderqualifizierte Arbeitsplätze verschärft und hinzu kommt, dass die Zahl der Leistungsträger, die den Sozialstaat finanzieren, weniger werden, diejenigen die auf die Sozialsysteme angewiesen sind, mehr werden - und das nicht nur durch die (mehr oder weniger) ungebremste Zuwanderung.



das ist so in einer EU, wo ueber 500 Millionen Menschen leben und man seinen Wohnort frei waehlen darf.
Konkurrenz belebt das Geschaeft und eine freie Wirtschaft braucht auch freie Buerger, die entscheiden, wo sie ihre Steuern zahlen wollen und wo sie den Sozialstaat in Anspruch nehmen.
liberales Gedankengut - zu begruessen!
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 5746
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Selina » Do 8. Mär 2018, 12:35

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:07)

Gerade die Grünen wollen eine geschlossene Gesellschaft, gerade die Grünen sind für (massive) staatliche Eingriffe, Reglementierungen, Vorschriften und Bevormundung. Stichworte "Energiewende", Dieselverbot etc pp.
Genau das sind Merkmale einer geschlossenen Gesellschaft. Eine 8%-Partei will bestimmen, will vorgeben, in welche Richtung sich Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln - das sind Merkmale eines totalitären Systems!
Grüne wollen keine ökonomische, soziale, politische und individuelle Freiheit (Liberalismus) - Merkmale einer offenen Gesellschaft.


Die Vorstellungen der Grünen mit "totalitärem System" in Verbindung zu bringen, sorry, aber das ist nun wirklich O-Ton AfD. Von wegen "ich bin doch nicht rääääääääächts".
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 12:39

Selina hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:35)

Die Vorstellungen der Grünen mit "totalitärem System" in Verbindung zu bringen, sorry, aber das ist nun wirklich O-Ton AfD. Von wegen "ich bin doch nicht rääääääääächts".


vor allem in der Wirtschaftspolitik sind die Gruenen eher auf FDP als auf Linkskurs - die groessten Spenden bei den Gruenen kommen von den grossen Autokonzernen und die Wirtschaft hat mit der Partei keine Probleme ;)

in BAWUE regiert Kretschmann und Daimler geht es so gut wie noch nie und Kretschmann faehrt sogar Daimler und macht eine Wirtschaftspolitik, die aus dem Hause der Wirtschaftsbosse stammen koennte.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 10562
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 8. Mär 2018, 12:40

Woppadaq hat geschrieben:(07 Mar 2018, 21:44)

Du kannst sie nicht nachvollziehen, dabei bist du der einzige, der diese Assoziation macht. Glaubst du wirklich, irgendjemand verbindet deutschen Nationalstolz oder selbst das Gegenteil davon, den deutschen Selbsthass, mit VW's Abgasskandal, oder mit Bayers Übernahme von Monsanto? Diese Firmen sind längst internationale Firmen, mit internationalen Praktiken, genau wie Glencore, und sie werden für ihre fragwürdigen Praktiken genauso kritisiert. Deutsch ist an diesen Firmen im Grunde nur all das, was nicht international üblich ist.


Also erst mal ist es natürlich vollkommen richtig, dass all diese großen Unternehmen weltweit aufgestellt sind und weltweit produzieren und agieren. Die Firmenzentralen befinden sich in der Regel aber doch in den Ursprungsländern. Glencore-Chef Glasenberg selbst reagierte auf die Kritik an schmutzigen Geschäften in Drittweltländern von Seiten schweizerischer NGOs mit einem (wörtlich) "Appell an den Nationalstolz". (https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/rohstoffhandel-glasenberg-schweiz-sollte-stolz-sein). Also die Assoziation (in negativer) Hinsicht ist durchaus da. Und in positiver Hinsicht? Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht wenige nationalstolze Deutsche ihren Stolz nicht zuletzt auch aus solchen traditionellen Erzählungen wie dem der "deutschen Wertarbeit" beziehen, die dann auch mit konkreten Produkten und konkreten Firmen verbunden ist.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13384
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Do 8. Mär 2018, 12:42

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:16)

Offenkundig habe ich mich nicht auf Popper bezogen.

Aber ich habe mich auf Popper bezogen.

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:16)Du rekurrierst positiv auf Milton Friedman und machst dir implizit die Position aus dem "Zitat" - wo hast du das eigentlich her? - zu eigen.

Sorry, aber wo Friedman recht hat, hat er recht. Ein Sozialstaat kann nur so lange funktionieren, wie sich Leistungsträger und "Leistungsnehmer" inetwa die Waage halten. Gibt es Verwerfungen (Verschiebungen) zugunsten der "Leistungsnehmer" (egal aus welchem Grund) bricht er mittelfristig zusammen. Man kann nur die finanziellen Mittel ausgeben, die man vorher eingenommen hat - das gilt für das Individuum/die Familie in gleichem Maß wie für einen Staat. Sollte eigentlich nachvollziehbar sein.

Die Friedman-Aussage habe ich abgewandelt aus einem Leitartikel von "die Welt", es lautet wörtlich:

„Because it is one thing to have free immigration to jobs. It is another thing to have free immigration to welfare. And you cannot have both. If you have a welfare state, if you have a state in which every resident is promised a certain minimal level of income, or a minimum level of subsistence, regardless of whether he works or not, produces it or not. Then it really is an impossible thing.“

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:16)Dass das Gewäsch von Freiheit der Chicago Boys sich nicht auf politische bezog, wollte ich an der Stelle noch mal erinnert haben. Im Gegenteil hatten sie nicht das geringste Problem, mit einem Diktator zusammenzuarbeiten.

Warum sollten sie auch?
Auch in der Vergangenheit und in der Gegenwart haben Politiker und Wirtschaftsfunktionäre/Wirtschaftswissenschaftler kein Problem mit Diktatoren zusammenzuarbeiten.

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:16)]So könnte ich also folgern, dass es entweder eine offene Gesellschaft oder Marktwirtschaft geben könne, beides zusammen funktioniere nicht.

Nein, könntest du nicht! Das eine hat mit dem anderen nichts bzw nicht viel zu tun.
Eine Wirtschaftsform (Marktwirtschaft) funktioniert nunmal unabhängig vom politischen System.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
think twice
Beiträge: 17277
Registriert: Fr 4. Jul 2014, 14:14
Benutzertitel: sozialdemokratisch
Wohnort: Bunte Republik Deutschland

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon think twice » Do 8. Mär 2018, 12:45

Selina hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:35)

Die Vorstellungen der Grünen mit "totalitärem System" in Verbindung zu bringen, sorry, aber das ist nun wirklich O-Ton AfD. Von wegen "ich bin doch nicht rääääääääächts".

Ja, ist schon lustig, wie manche jedem Feindbild der Rechten anhängen (Grüne, Linke, Islam, Flüchtlinge, Migranten) und sich dann empören " ich bin doch nicht rääääääääächts."
Energiewende und Dieselabgase haben natürlich überhaupt nichts mit einer Umweltpartei zu tun, sondern sind ganz klar Ausdruck eines totalitären Systems. :D
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13384
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Do 8. Mär 2018, 12:49

think twice hat geschrieben:(08 Mar 2018, 11:55)

Die illegalen Einreisen werden garnicht erst als Straftat geahndet, wenn sich der Asylbewerber unverzüglich nach Grenzübertritt bei einer deutschen Behörde meldet und um Asyl bittet. Geregelt im Gesetz.
DA hat damals behauptet, die Menschen machen sich strafbar und müssten zurückgewiesen werden.

Na das wäre ja was ganz Neues - illegale Einreise ohne gültige Personaldokumente ist keine Straftat.
Na dann braucht sich niemand wundern, dass der Staat seinen Aufgaben/Verpflichtungen, die sich aus dem GG ergeben nicht gerecht wird.
Falsche Identität, Mehrfachidentität, falsche Alterangaben - alles kein Straftatsbestand. Ich denke, da liegste ganz gewaltig schief.
Schau dir doch die Gesetzeslage nochmal genau an!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 12:50

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:42)




Sorry, aber wo Friedman recht hat, hat er recht. Ein Sozialstaat kann nur so lange funktionieren, wie sich Leistungsträger und "Leistungsnehmer" inetwa die Waage halten. Gibt es Verwerfungen (Verschiebungen) zugunsten der "Leistungsnehmer" (egal aus welchem Grund) bricht er mittelfristig zusammen. Man kann nur die finanziellen Mittel ausgeben, die man vorher eingenommen hat - das gilt für das Individuum/die Familie in gleichem Maß wie für einen Staat. Sollte eigentlich nachvollziehbar sein.



das gilt fuer einen Staat fast nie, denn ausgeglichene Haushalte sind fast auf der ganzen Welt bei Staaten die Ausnahme - da will ich von nicht vorhandenen Schulden und Ueberschuessen gar nicht sprechen.
Staaten leben hervorragend mit Schulden und auch Deutschland hat meist mehr ausgegeben als eingenommen und es geht uns besser denn je!

einen Staat kann man nicht mit einer Familie vergleichen!
Benutzeravatar
relativ
Beiträge: 22082
Registriert: Di 17. Jul 2012, 09:49
Benutzertitel: Relativitätsversteher
Wohnort: Pott

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon relativ » Do 8. Mär 2018, 12:52

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:07)

Gerade die Grünen wollen eine geschlossene Gesellschaft, gerade die Grünen sind für (massive) staatliche Eingriffe, Reglementierungen, Vorschriften und Bevormundung. Stichworte "Energiewende", Dieselverbot etc pp.
Genau das sind Merkmale einer geschlossenen Gesellschaft. Eine 8%-Partei will bestimmen, will vorgeben, in welche Richtung sich Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln - das sind Merkmale eines totalitären Systems!
Grüne wollen keine ökonomische, soziale, politische und individuelle Freiheit (Liberalismus) - Merkmale einer offenen Gesellschaft.

Also wenn die demokratische Willensdurchsetzung für dich schon totalitäre Züge aufweist, dann solltest du dich ganz schnell untersuchen lassen. Denn da muss ne Mennge Hass im Spiel sein und der ist auf Dauer ungesund.
Zuletzt geändert von relativ am Do 8. Mär 2018, 15:17, insgesamt 1-mal geändert.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 12:55

think twice hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:45)


Energiewende und Dieselabgase haben natürlich überhaupt nichts mit einer Umweltpartei zu tun, sondern sind ganz klar Ausdruck eines totalitären Systems. :D


da muesste man Nachhilfeunterricht geben und mal ins Nachbarland schauen.
Dort gab es unter den Sozialisten keine Energiewende und nun da Macron regiert gibt es diese Energiewende, raus aus Atom, rein in die Erneuerbaren und ja in Frankreich gibt es auch Dieselverbote wenn die Luft schlecht ist - Paris als Beispiel.

Energiewende hin zu den sauberen Energietraegern ist absolut sinnvoll und hat nichts mit rechts oder links, sondern einfach was mit guter Poltik zu tun :)
Benutzeravatar
Unité 1
Beiträge: 3609
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 20:18
Benutzertitel: fsociety

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Unité 1 » Do 8. Mär 2018, 13:01

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:42)

Aber ich habe mich auf Popper bezogen.
Der bei Friedman nun wahrlich nichts verloren hat. Es ist ein Hohn, die Lehren der Chicago Boys mit einem popperschen Freiheitsverständnis zu umkränzen.


Sorry, aber wo Friedman recht hat, hat er recht. Ein Sozialstaat kann nur so lange funktionieren, wie sich Leistungsträger und "Leistungsnehmer" inetwa die Waage halten. Gibt es Verwerfungen (Verschiebungen) zugunsten der "Leistungsnehmer" (egal aus welchem Grund) bricht er mittelfristig zusammen. Man kann nur die finanziellen Mittel ausgeben, die man vorher eingenommen hat - das gilt für das Individuum/die Familie in gleichem Maß wie für einen Staat. Sollte eigentlich nachvollziehbar sein.
Wo ist hier die offene Gesellschaft, die du eingefügt hast? Eben. Eine sozialstaatliche Komponente steht in keinem Widerspruch zu einem liberalen Rechtsstaat, zu einer offenen Gesellschaft. Du tätigst hier eine gänzlich andere Aussage. Dass ein Sozialstaat finanzierbar sein muss, ist eine Binse.

Die Friedman-Aussage habe ich abgewandelt aus einem Leitartikel von "die Welt", es lautet wörtlich:

„Because it is one thing to have free immigration to jobs. It is another thing to have free immigration to welfare. And you cannot have both. If you have a welfare state, if you have a state in which every resident is promised a certain minimal level of income, or a minimum level of subsistence, regardless of whether he works or not, produces it or not. Then it really is an impossible thing.“

Es ist mir schleierhaft, wie du von dem Zitat auf gesellschaftliche Liberalität kommst. Dass ein Sozialstaat Grenzen aufweist, ist eine weitere Binse.

Warum sollten sie auch?
Auch in der Vergangenheit und in der Gegenwart haben Politiker und Wirtschaftsfunktionäre/Wirtschaftswissenschaftler kein Problem mit Diktatoren zusammenzuarbeiten.

Du hast es in einen Zusammenhang mit Popper gestellt. Warum?

Nein, könntest du nicht! Das eine hat mit dem anderen nichts bzw nicht viel zu tun.
Eine Wirtschaftsform (Marktwirtschaft) funktioniert nunmal unabhängig vom politischen System.

Eben. Deswegen ist dein "Zitat" - Sozialstaat oder offene Gesellschaft - auch Schwachsinn.
"Everyday we change the world. But to change the world in a way that means anything, that takes more time than most people have."
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13384
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Do 8. Mär 2018, 14:00

pikant hat geschrieben:(08 Mar 2018, 12:14)

das ist Ihre Ansicht, die ich auch nicht um Ansatz teile und darf Sie auch darauf hinweisen,dass die Gruenen bei der letzten BTW 8.9% erhalten haben und da wuerde ich schon von einer 9% Partei sprechen - da ist man naeher an der Wahrheit dran.

Ob nun 8% oder 9% macht den Kohl nun wirklich nicht fett. Tatsache ist, dass die Grünen nur von einer Minderheit gewählt wird, aber den Anspruch erhebt, für die Mehrheit zu sprechen.

"Denn da, wo früher einzelne Lücken auftraten, hinterlassen die kriselnden Volksparteien heute eine gähnende Leere. Wenn wir diese Leere füllen wollen, müssen wir eine Politik für die Breite der Gesellschaft bieten." [...]

"Wir müssen die allgemeinen Bedingungen so reformieren, dass die unterschiedliche Lebensweisen zueinander finden können." [...]
"Kann es einen Anspruch auf Auszahlungen von Sozialleistungen geben, eine negative Einkommenssteuer? Wenn Roboter und Maschinen die Arbeit machen, sollten die Firmen, die sie einsetzen, sich dann nicht auch darüber an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligen? Wenn Arbeit unter Druck gerät, aber ein Wert ist, müssen wir nicht den Abgabedruck auf menschliche Arbeit mindern? Und wie schaffen wir es endlich, dass umweltschädliche Industrien statt subventioniert zu werden, endlich für die Umweltschäden zahlen müssen?"
"Das alles geht nur europäisch, weil der Nationalstaat zu klein ist, um das Große allein zu regeln: Nur so werden wir handlungsfähig bleiben."
Quelle


Da maßt sich eine Partei, die nur eine Minderheit von Wählern auf sich vereinigen kann, an für die übergroße Mehrheit zu sprechen. Da maßt sich eine Partei, die nur von einer kleinen Minderheit gewählt wird, an zu bestimmen, wie ihre Ziele zu erreichen sind. Eine demokratische Legitimation für ihre Ziele hat die Partei nicht, die Interessen des Souveräns interessieren nicht. Das IST totalitär!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 14:07

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 14:00)


Da maßt sich eine Partei, die nur eine Minderheit von Wählern auf sich vereinigen kann, an für die übergroße Mehrheit zu sprechen. Da maßt sich eine Partei, die nur von einer kleinen Minderheit gewählt wird, an zu bestimmen, wie ihre Ziele zu erreichen sind. Eine demokratische Legitimation für ihre Ziele hat die Partei nicht, die Interessen des Souveräns interessieren nicht. Das IST totalitär!


jede Partei hat eine demokratische Legitimation, wenn Sie in den Bundestag gewaehlt worden ist.
der Souveraen bestimmt ueber keine Regierung, sondern nur ueber die prozentuale Zusammensetzung des Bundestages.
Steht nirgends geschrieben, dass eine kleine Partei wie FDP oder Gruene nicht an einer Bundesregierung beteiligt werden koennen um dort ihre Interessen durchzusetzen.
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13384
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Do 8. Mär 2018, 14:20

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 13:01)
Wo ist hier die offene Gesellschaft, die du eingefügt hast? Eben. Eine sozialstaatliche Komponente steht in keinem Widerspruch zu einem liberalen Rechtsstaat, zu einer offenen Gesellschaft. Du tätigst hier eine gänzlich andere Aussage. Dass ein Sozialstaat finanzierbar sein muss, ist eine Binse.

Ich habe nirgends geschrieben, dass die offene Gesellschaft das Nonplusultra darstellt und über jede Kritik erhaben ist und ich habe auch nicht geschrieben, dass ich diese Gesellschaftsform favorisiere.
Ich habe lediglich geschrieben, dass beides - offene Gesellschaft UND Sozialstaat - nicht funktionieren.
Entweder es gibt eine offene Gesellschaft, dann fällt der Sozialstaat "hinten runter" oder es gibt einen Sozialstaat, dann kann keine offene Gesellschaft realisiert werden.
Ein liberaler Rechtsstaat mit sozialstaatlicher Komponente ist ein Kompromiss, der allerdings auch nur innerhalb bestimmter Grenzen funktionsfähig ist.

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 13:01)Es ist mir schleierhaft, wie du von dem Zitat auf gesellschaftliche Liberalität kommst. Dass ein Sozialstaat Grenzen aufweist, ist eine weitere Binse.

Friedman war Liberaler!
Die Kritik an Friedmans Zusammenarbeit mit der chilenischen Militärjunta ändert nichts am "Wert" seiner wissenschaftlichen Arbeiten und auch nichts an der Richtigkeit seiner Aussage.

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 13:01)Du hast es in einen Zusammenhang mit Popper gestellt. Warum?

Poppers Idee der offenen Gesellschaft steht in der Tradition des Liberalismus.
Es besteht also durchaus ein Zusammenhang zwischen Poppers Idee und Friedmans Aussage.

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2018, 13:01)Eben. Deswegen ist dein "Zitat" - Sozialstaat oder offene Gesellschaft - auch Schwachsinn.

Nein - ist es nicht - auch wenn du das gern hättest.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Do 8. Mär 2018, 14:23

Dark Angel hat geschrieben:(08 Mar 2018, 14:20)


Ich habe lediglich geschrieben, dass beides - offene Gesellschaft UND Sozialstaat - nicht funktionieren.
Entweder es gibt eine offene Gesellschaft, dann fällt der Sozialstaat "hinten runter" oder es gibt einen Sozialstaat, dann kann keine offene Gesellschaft realisiert werden.
Ein liberaler Rechtsstaat mit sozialstaatlicher Komponente ist ein Kompromiss, der allerdings auch nur innerhalb bestimmter Grenzen funktionsfähig ist.



ich habe Ihnen doch das Gegenteil beschrieben
Luxembourg - Staat, Flaechenstaat, -offene Gesellschaft und fast die Haelfte der Buerger Auslaender und das beste soziale Sicherungssystem in der EU.
offene Gesellschaft pur :thumbup:
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13384
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Do 8. Mär 2018, 14:25

pikant hat geschrieben:(08 Mar 2018, 14:07)

jede Partei hat eine demokratische Legitimation, wenn Sie in den Bundestag gewaehlt worden ist.
der Souveraen bestimmt ueber keine Regierung, sondern nur ueber die prozentuale Zusammensetzung des Bundestages.
Steht nirgends geschrieben, dass eine kleine Partei wie FDP oder Gruene nicht an einer Bundesregierung beteiligt werden koennen um dort ihre Interessen durchzusetzen.

Ich habe nicht den Grünen als Partei die demokratische Legitimation abgesprochen, sondern ihrem Anspruch für die Mehrheit zu sprechen!
Indirekt bestimmt der Souverän sehr wohl über die Regierungszusammensetzung - nämlich über Mehrheitsverhältnisse.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Keoma
Beiträge: 10941
Registriert: Mi 25. Jun 2008, 12:27
Benutzertitel: Drum Legend
Wohnort: Österreich

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Keoma » Do 8. Mär 2018, 14:26

pikant hat geschrieben:(08 Mar 2018, 14:23)

ich habe Ihnen doch das Gegenteil beschrieben
Luxembourg - Staat, Flaechenstaat, -offene Gesellschaft und fast die Haelfte der Buerger Auslaender und das beste soziale Sicherungssystem in der EU.
offene Gesellschaft pur :thumbup:


Lustig, wie du immer den Fliegenschiss auf der Landkarte als Vergleich und Vorbild anführst.
Jeder hat ein Recht auf meine Meinung.

Zurück zu „2. Innenpolitik - Verfassung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Keoma, zollagent und 2 Gäste