Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

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Ryckmaster

Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Ryckmaster » Mi 22. Nov 2017, 08:03

Moin,

bei politischen Fragen bin ich wahrscheinlich nicht die hellste Birne, aber wenigstens habe ich eine Meinung. ;)
Was mich nun wundert, und ich wirklich nicht verstehe ist, warum jetzt alle auf die FDP rumhacken?

Ich meine seit Jahren hört man doch das es egal ist wen man wählt, denn nach den Wahlen vergisst jede Partei was Sie zuvor versprochen hat. Das war auch meine Meinung. Egal ob SPD, CDU, oder was anderes. Unterm Strich empfand ich es immer so, als ob nach der Wahl ein Kompromiss gefunden wird, der keinem Wahlprogramm entspricht.
Hierbei scheint es mir Sinnvoll zu erwähnen, dass meine Meinung mich nicht dazu gebracht hat die NPD oder AfD zu wählen.

Aber zurück zuf FDP.
Diese setzt sich also mit den anderen Parteien zusammen und überlegt Kompromisse, mit denen allen Parteien leben können. Das dies bei Jameika schwieriger ist als bei einer großen Koalition ist denke ich vollkommen normal.
Nach langem hin und her sagt die FDP. "So können wir nicht (mit)regieren" und beendet die Gespräche. Man hat also für sich festgestellt, das man so weit von den eigenen Werten und Parteiprogramm weg ist, dass es wenig Sinn macht.
Das fand ich super. Da ist also jemand, oder eine Partei, die nach der Wahl sich noch an Ihr Wahlprogramm erinnert. Man steht zu seinem Wort. Das eine gewisse Kompromissbereitschaft in solch einer Situation von nöten ist, ist vollkommen klar. Aber irgendwann ist das Fass einfach voll.

Und nun? Böse FDP, Böser Hr. Lindner. Alle Böse, entziehen sich Ihrer politischen Verantwortung!

Und genau das verstehe ich nicht. Mir ist bewusst das es politisch eine angespannte Situation ist. Eine Minderheitenregierung macht eigentlich wenig Sinn, aber eine Neuwahl würde wohl kaum was ändern.

Aber warum ist denn die FDP schuld? Warum nicht die SPD? Diese zog sich als zweitstärkste Partei sofort raus! Wieso redet hier keiner von ihrer politischen Verantwortung?

Gruß
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Provokateur » Mi 22. Nov 2017, 08:19

Ryckmaster hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:03)

Warum nicht die SPD? Diese zog sich als zweitstärkste Partei sofort raus! Wieso redet hier keiner von ihrer politischen Verantwortung?



Wäre die SPD in der Regierung, dann wäre die AfD Oppositionsführer. Sie hätte damit von allen Oppositionsparteien die meiste Redezeit. Außerdem:
Informell hat sich überdies noch ein zweiter Brauch entwickelt. Die führende Oppositionspartei stellt den Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Bundestages, der gemeinhin als der wichtigste Ausschuss gilt. Das ist ein schönes, aber letztlich einflussloses Amt, da der Vorsitzende des Ausschusses in dem Gremium nicht über eine eigene Mehrheit verfügt.
http://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/warum-afd-linke-fdp-und-gruene-um-platz-3-kaempfen-15211707.html

Die SPD in der Opposition verhindert dies.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Bleibtreu » Mi 22. Nov 2017, 08:20

Da haben heute Morgen 2 denselben Gedanken. Ich erlaube mir meinen Beitrag aus dem JamaikaStrang zu zitieren:

Bleibtreu hat geschrieben:(22 Nov 2017, 07:39)

Ich finde es putzig, dass sich hier gerade einige SPD-Sympathisanten schaeumend darueber beklagen, dass sich die FDP aus den JamaikaSondierungsGespraechen verabschiedet hat und damit feige der Verantwortung entzoege. Da wird schamlos keifend mit zweierlei Mass gemessen. Entweder gesteht man JEDER Partei, nicht nur der mit der man sympathisiert zu, fuer sich zu entscheiden oder man verlangt von JEDER Partei, sich dem Zwang zur MitRegierung zu unterwerfen. Alles andere ist doch blanke Heuchelei und SelbstBetrug - Zumal die SPD nach der CDU die zweitstaerkste Partei ist, also wesentlich mehr Waehler auf sich vereint, als die FDP. Ich hatte kein Problem damit der SPD ihre Verweigerung zuzugestehen, wieso sollte es der FDP verwehrt werden? :)

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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 22. Nov 2017, 08:41

Ryckmaster hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:03)
Und nun? Böse FDP, Böser Hr. Lindner. Alle Böse, entziehen sich Ihrer politischen Verantwortung!

Es gibt für eine Partei keine "politische Veranwortung" von außen oder oben. Nur aus sich selbst heraus. Das wäre ja auch noch schöner. Die Verantwortung soll mit einer demokratischen Wahl ja überhaupt erst übertragen werden. Insofern bin ich, auch wenn ich inhaltlich in etlichen Punkten mit den politischen Zielen der FDP nicht übereinstimme, voll auf deren Seite. Und auch wenn der Lindner ein ziemlich eitler und auf Selbstaufwertung bedachter Zeitgenosse ist ... mit seiner Argumentation, dass auch eine nicht an der Regierung beteiligte Partei im Parlement an dem wertvollsten Recht des Parlaments, der Legislative teilhat, nämlich Gesetzesinitiativen einzubringen, hat er vollkommen Recht. Auf diese Tatsache wird viel zu wenig geachtet. Die FDP will in dieser Hinsicht vor allem in Richtung Bildungsförderalismus wirksam werden und ganz konkret dieses völlig idiotische "Kooperationsverbot" in der Bildungspolitik aus der Welt schaffen. Da haben sie meine volle Unterstützung. Es ist genau so wie es kürzlich im Berliner "Tagesspiegel" hieß: "Bildungsföderalismus gehört abgeschafft". Klipp und klar und ohne wenn und aber.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 22. Nov 2017, 08:43

Die FDP war immer schon die Buhpartei, die den anderen auf den Tisch kackt und dann auf Beifall wartet. Jedenfalls seit Möllemann/Westerwelle eine Konstante. Manche stehen auf sowas, finden es mutig oder originell. Manche hatten gehofft, die neue FDP sei anders. Den meisten stinkt es nur.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 22. Nov 2017, 08:45

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:43)
Manche hatten gehofft, die neue FDP sei anders.

Offen und geradeaus gestanden: Ja. Ich auch.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Uffzach » Mi 22. Nov 2017, 08:45

Die links-grüne Jounaille wollte Jamaika herbeischreiben und ist jetzt natürlich sauer auf die FDP.

Die FDP hat aber alles richtig gemacht. Sie hat Merkel in die schwarz-grüne Suppe gespuckt und sich nicht als fünftes mehrheitsbeschaffendes Rad an Schwarz-Grün missbrauchen lassen.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 22. Nov 2017, 08:47

Der Bildungsföderalismus erlaubt Wettbewerb und Vergleichbarkeit in Ansatz und Ergebnis statt ideologischen Behauptungen. Kein Wunder, dass die FDP dagegen ist.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Nov 2017, 08:59

Ryckmaster hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:03)

Moin,

bei politischen Fragen bin ich wahrscheinlich nicht die hellste Birne, aber wenigstens habe ich eine Meinung. ;)
Was mich nun wundert, und ich wirklich nicht verstehe ist, warum jetzt alle auf die FDP rumhacken?

Ich meine seit Jahren hört man doch das es egal ist wen man wählt, denn nach den Wahlen vergisst jede Partei was Sie zuvor versprochen hat. Das war auch meine Meinung. Egal ob SPD, CDU, oder was anderes. Unterm Strich empfand ich es immer so, als ob nach der Wahl ein Kompromiss gefunden wird, der keinem Wahlprogramm entspricht.
Hierbei scheint es mir Sinnvoll zu erwähnen, dass meine Meinung mich nicht dazu gebracht hat die NPD oder AfD zu wählen.

Aber zurück zuf FDP.
Diese setzt sich also mit den anderen Parteien zusammen und überlegt Kompromisse, mit denen allen Parteien leben können. Das dies bei Jameika schwieriger ist als bei einer großen Koalition ist denke ich vollkommen normal.
Nach langem hin und her sagt die FDP. "So können wir nicht (mit)regieren" und beendet die Gespräche. Man hat also für sich festgestellt, das man so weit von den eigenen Werten und Parteiprogramm weg ist, dass es wenig Sinn macht.
Das fand ich super. Da ist also jemand, oder eine Partei, die nach der Wahl sich noch an Ihr Wahlprogramm erinnert. Man steht zu seinem Wort. Das eine gewisse Kompromissbereitschaft in solch einer Situation von nöten ist, ist vollkommen klar. Aber irgendwann ist das Fass einfach voll.

Und nun? Böse FDP, Böser Hr. Lindner. Alle Böse, entziehen sich Ihrer politischen Verantwortung!

Und genau das verstehe ich nicht. Mir ist bewusst das es politisch eine angespannte Situation ist. Eine Minderheitenregierung macht eigentlich wenig Sinn, aber eine Neuwahl würde wohl kaum was ändern.

Aber warum ist denn die FDP schuld? Warum nicht die SPD? Diese zog sich als zweitstärkste Partei sofort raus! Wieso redet hier keiner von ihrer politischen Verantwortung?

Gruß
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Das liegt daran, dass wir es in Deutschland nicht mehr gewöhnt sind, dass eine Partei sagt, sorry, aber in eurer Konsensbrühe schwimme ich nicht mit. Ich habe meinen Wählern vor der Wahl eindeutig gesagt, was sie von mir erwarten kann und was nicht.

Solche Gradliniigkeit sind wir nicht mehr gewöhnt, nachdem wir jahrelang erlebt haben, wie Parteien angesichts der Gier mitzuregieren, ihre vorherige Aussagen den Wählern gegenüber über Bord warfen, sobald ein Regierungsposten lockte. Da wurden angebliche Pazifisten zu Kriegsteilnehmern und Atomkraftbefürworter zu Abschaltern, Integrationsfähige zu Mauerbauern und Gegner der Mehrwertsteuererhöhung zu Mehrwertsteuererhöhern.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Nov 2017, 09:10

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:43)

Die FDP war immer schon die Buhpartei, die den anderen auf den Tisch kackt und dann auf Beifall wartet. Jedenfalls seit Möllemann/Westerwelle eine Konstante. Manche stehen auf sowas, finden es mutig oder originell. Manche hatten gehofft, die neue FDP sei anders. Den meisten stinkt es nur.


Offensichtlich ist die neue FDP anders, ansonsten gäbe es diesen Thread nicht.
Was machen die Hemden? Hat das Hotel ordentlich gewaschen und gebügelt?
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Bleibtreu » Mi 22. Nov 2017, 09:17

JJazzGold hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:59)

Das liegt daran, dass wir es in Deutschland nicht mehr gewöhnt sind, dass eine Partei sagt, sorry, aber in eurer Konsensbrühe schwimme ich nicht mit. Ich habe meinen Wählern vor der Wahl eindeutig gesagt, was sie von mir erwarten kann und was nicht.

Solche Gradliniigkeit sind wir nicht mehr gewöhnt, nachdem wir jahrelang erlebt haben, wie Parteien angesichts der Gier mitzuregieren, ihre vorherige Aussagen den Wählern gegenüber über Bord warfen, sobald ein Regierungsposten lockte. Da wurden angebliche Pazifisten zu Kriegsteilnehmern und Atomkraftbefürworter zu Abschaltern, Integrationsfähige zu Mauerbauern und Gegner der Mehrwertsteuererhöhung zu Mehrwertsteuererhöhern.

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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 22. Nov 2017, 09:22

JJazzGold hat geschrieben:(22 Nov 2017, 09:10)

Offensichtlich ist die neue FDP anders, ansonsten gäbe es diesen Thread nicht.
Was machen die Hemden? Hat das Hotel ordentlich gewaschen und gebügelt?

Ich glaube nicht, dass Herr Kubicki sie abgab. Er hatte nicht vor, so lange zu bleiben und schwierige Details zu erörtern. Im Terminplan stand ein Gerichtsfall einer verzockten FDP-Bürgermeisterin.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Nov 2017, 09:26

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(22 Nov 2017, 09:22)

Ich glaube nicht, dass Herr Kubicki sie abgab. Er hatte nicht vor, so lange zu bleiben und schwierige Details zu erörtern. Im Terminplan stand ein Gerichtsfall einer verzockten FDP-Bürgermeisterin.


Termine wurden nach meiner Information von allen Beteiligten abgesagt. Wird wohl an angeblich nicht vorhandenen frischen Hemden gelegen haben.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon relativ » Mi 22. Nov 2017, 09:31

Ryckmaster hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:03)

Moin,

bei politischen Fragen bin ich wahrscheinlich nicht die hellste Birne, aber wenigstens habe ich eine Meinung. ;)
Was mich nun wundert, und ich wirklich nicht verstehe ist, warum jetzt alle auf die FDP rumhacken?

Ich meine seit Jahren hört man doch das es egal ist wen man wählt, denn nach den Wahlen vergisst jede Partei was Sie zuvor versprochen hat. Das war auch meine Meinung. Egal ob SPD, CDU, oder was anderes. Unterm Strich empfand ich es immer so, als ob nach der Wahl ein Kompromiss gefunden wird, der keinem Wahlprogramm entspricht.
Hierbei scheint es mir Sinnvoll zu erwähnen, dass meine Meinung mich nicht dazu gebracht hat die NPD oder AfD zu wählen.
Nun evtl. wäre eine Lösung, daß der Wähler so wählt, daß eine Partei die absolute Mehrheit hat und so ihr Programm alleine durchziehen kann. Natürlich wäre auch eine Mehrheit in Bundesrat von Vorteil. Na merkst du was? Also eine Kompromiss wird wohl nie einen 100% umsetzung eines Parteiprogrammmes mit sich bringen, daß ist völlig normal.
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Nach langem hin und her sagt die FDP. "So können wir nicht (mit)regieren" und beendet die Gespräche. Man hat also für sich festgestellt, das man so weit von den eigenen Werten und Parteiprogramm weg ist, dass es wenig Sinn macht.
Das fand ich super. Da ist also jemand, oder eine Partei, die nach der Wahl sich noch an Ihr Wahlprogramm erinnert. Man steht zu seinem Wort. Das eine gewisse Kompromissbereitschaft in solch einer Situation von nöten ist, ist vollkommen klar. Aber irgendwann ist das Fass einfach voll.
Klar kann eine Partei sowas für sich entscheiden, daß ist auch ok , nur wenn ich mir die Begründungen anhöre, frage ich mich eben warum die überhaupt indie Sondierungsgespräche gegangen sind. Also blauäugig da rein zu gehen, mit der Intention: " Wir muessen jetzt den Aufbruch für Deutschland bewirken und wie der aussieht bestimmen wir." ist natürlich ziemlich abwägig.

Und nun? Böse FDP, Böser Hr. Lindner. Alle Böse, entziehen sich Ihrer politischen Verantwortung!
Ne ich denke die FDP würde gerne regieren, nur ist die Fähigkeit zum Konsens in Deutschland m.M. generell abnehmend, weil wohl jeder meint er wüsste besser, als der andere, was gut für die Bevölkerung ist und nur sein Weg wäre der einzig mögliche/richtige.
Dann wird hier m.M. zu häufig das Parteiprogramm und eigene politische Ziele über das Wohl des Staates gestellt. Ich beobachte dies unabhängig von einer bestimmten politischen Partei. Die FDP ist jetzt im kritischen Focus weil sie eben zuerst die "Nerven" verloren hat, in einer so noch nie dagewesen politischen Konstellation. Die anderen Parteien sind aber deswegen nicht raus aus diesem schwarzen Peter Spiel.
Btw. Die Krokodilstränen der FDP erzeugen bei mir kein Mitleid, denn die FDP war auch schon immer gut beim austeilen, nun muss sie halt auch mal einstecken können.

Und genau das verstehe ich nicht. Mir ist bewusst das es politisch eine angespannte Situation ist. Eine Minderheitenregierung macht eigentlich wenig Sinn, aber eine Neuwahl würde wohl kaum was ändern.

Ich finde eine Minderheitenregierung darf ruhig auch mal auf Bundespolitischer Bühne ausprobiert werden. Ob es klappt oder nicht , hängt ja von den Abegeordneten selber ab und wenns nicht klappt wird Deutschland deswegen auch nicht sofort untergehen.

Aber warum ist denn die FDP schuld? Warum nicht die SPD? Diese zog sich als zweitstärkste Partei sofort raus! Wieso redet hier keiner von ihrer politischen Verantwortung?

Klar kann man auch die SPD kritisieren, aber ihr jetzt den Vorwurf zu machen, weil Jamaika sich nicht einigen konnten, ist ein billiger Ablenkungsversuch.
Die SPD ist wie jede andere Partei auch in der selben Verantwortung, auch wenn deren Argumente keine GroKo zu machen, m.M. wesentlich Stichhaltiger sind, als die jetzt angegebenen der FDP, für den Ausstieg bei den Sondierungsgesprächen.
Zuletzt geändert von relativ am Mi 22. Nov 2017, 09:50, insgesamt 2-mal geändert.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon relativ » Mi 22. Nov 2017, 09:35

JJazzGold hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:59)

Das liegt daran, dass wir es in Deutschland nicht mehr gewöhnt sind, dass eine Partei sagt, sorry, aber in eurer Konsensbrühe schwimme ich nicht mit. Ich habe meinen Wählern vor der Wahl eindeutig gesagt, was sie von mir erwarten kann und was nicht.

Solche Gradliniigkeit sind wir nicht mehr gewöhnt, nachdem wir jahrelang erlebt haben, wie Parteien angesichts der Gier mitzuregieren, ihre vorherige Aussagen den Wählern gegenüber über Bord warfen, sobald ein Regierungsposten lockte. Da wurden angebliche Pazifisten zu Kriegsteilnehmern und Atomkraftbefürworter zu Abschaltern, Integrationsfähige zu Mauerbauern und Gegner der Mehrwertsteuererhöhung zu Mehrwertsteuererhöhern.

Mit der Einstellung wird es wohl immer schwererm, wenn nicht mom. sogar unmöglich stabile Mehrheiten zu beschaffen. Also sollte der Bürger sich vermehrt auf Minderheitenregierungen einstellen und der Bundestag natürlich auch.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Nov 2017, 09:41

Bleibtreu hat geschrieben:(22 Nov 2017, 09:17)

Auch da stimmen wir inhaltlich wieder ueberein! :thumbup:


Bleibtreu, ich habe mich in den vergangenen Jahrzehnten so manches Mal gefragt, ob ich im falschen Film sitze. Keine Frage, auch die frühere FDP hat, wie es ein User mal ausdrückte, in der Besoffenheit des ungeahnten Erfolgs Konsenszugeständnisse gemacht, bei denen ich mir verwundert die Augen gerieben habe, aber doch nie in solchem Ausmaß.

Jetzt hat sie sich an ihre Aussage vor der Wahl gehalten und damit exzessive Verärgerung bei den Mitschwimnern ausgelöst. Was zeigt, wie gemütlich man es sich in der, “was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ Ecke man sich bereits eingerichtet hatte.
Zuletzt geändert von JJazzGold am Mi 22. Nov 2017, 10:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 22. Nov 2017, 09:43

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(22 Nov 2017, 08:47)

Der Bildungsföderalismus erlaubt Wettbewerb und Vergleichbarkeit in Ansatz und Ergebnis statt ideologischen Behauptungen. Kein Wunder, dass die FDP dagegen ist.

Der "Bildungsföderalismus" bedeutet einfach nur, dass wir uns 16 parallele Bildungssysteme nebeneinander leisten. Ich wüsste nicht, worin da der Wettbewerb bestehen soll. Meinst Du, Schüler scheren sich um irgendwelche Rankinglisten? Und bei Polizei und Krankenkassen siehts ähnlich aus.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Bleibtreu » Mi 22. Nov 2017, 10:16

JJazzGold hat geschrieben:(22 Nov 2017, 09:41)

Bleibtreiu, ich habe mich in den vergangenen Jahrzehnten so manches Mal gefragt, ob ich im falschen Film sitze. Keine Frage, auch die frühere FDP hat, wie es ein User mal ausdrückte, in der Besoffenheit des ungeahnten Erfolgs Konsenszugeständnisse gemacht, bei denen ich mir verwundert die Augen gerieben habe, aber doch nie in solchem Ausmaß.

Jetzt hat sie sich an ihre Aussage vor der Wahl gehalten und damit exzessive Verärgerung bei den Mitschwimnern ausgelöst. Was zeigt, wie gemütlich man es sich in der, “was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ Ecke man sich bereits eingerichtet hatte.

Du beschreibst damit exakt die letzten Beitraege, die gerade im JamaikaStrang geschrieben wurde. Da wird sich Teils bis zur Unkenntlichkeit verbogen. :D
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 22. Nov 2017, 10:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Nov 2017, 09:43)

Der "Bildungsföderalismus" bedeutet einfach nur, dass wir uns 16 parallele Bildungssysteme nebeneinander leisten. Ich wüsste nicht, worin da der Wettbewerb bestehen soll. Meinst Du, Schüler scheren sich um irgendwelche Rankinglisten? Und bei Polizei und Krankenkassen siehts ähnlich aus.

Natürlich scheren sich Lehrer darum, welche Arbeitsbedingungen und Gehälter woanders zu haben sind. Natürlich scheren sich Bildungspolitiker und Eltern um die beste Bildung, sonst wäre Pisa was für Statistiker.
Genormt sind die Abschlüsse. Wechsel nach 4 oder 6 Jahren? Abitur 12 oder 13? Überwiegend integrierte oder segregierte Schulen?

Ebenso verhält es sich mit den vielen privaten und ÖR Krankenkassen, wobei es hier einige Konsolidierung gab. Zentralismus ist out. In USA sind Teile der Polizei sogar kommunal.
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Re: Warum ist die FDP jetzt die Buh-Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Nov 2017, 10:53

Vertippt
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