Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

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Woppadaq
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Woppadaq » Mi 13. Sep 2017, 23:38

Marty McFly hat geschrieben:(14 Sep 2017, 00:31)

Stimmt, Nazis sind automatisch autoritär.


Und was, wenn sie doch liberal sind? Halt nur nicht gegen Nichtarier?

Wer gerade Kanzler ist hat nichts mit der Robustheit des Systems an sich zu tun.


Wenn jemand 32 Jahre Regierungschef ist, kann man schon von einem robusten System sprechen. Mich persönlich interessiert Robustheit nur nicht ansatzweise so viel wie Effektivität.
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Marty McFly
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Marty McFly » Mi 13. Sep 2017, 23:59

Woppadaq hat geschrieben:(14 Sep 2017, 00:38)

Und was, wenn sie doch liberal sind?


Dann handelt es sich um ein Oxymoron.

Woppadaq hat geschrieben:Halt nur nicht gegen Nichtarier?


Sollte das "Halt nur nicht gegenüber Nichtariern" heißen?

Woppadaq hat geschrieben:Wenn jemand 32 Jahre Regierungschef ist, kann man schon von einem robusten System sprechen. Mich persönlich interessiert Robustheit nur nicht ansatzweise so viel wie Effektivität.


Okay, du willst also eine Diktatur, alles klar. Effektiv und du hast deinen Dauer-Chef.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Woppadaq » Do 14. Sep 2017, 00:17

Marty McFly hat geschrieben:(14 Sep 2017, 00:59)

Dann handelt es sich um ein Oxymoron.


Nur für einen Angelsachsen. Für einen Deutschen ist Nazi und links sein ein Oxymoron.

Sollte das "Halt nur nicht gegenüber Nichtariern" heißen?


Du hast den Sinn gut erfasst. Und trotz Oxymoron ist es möglich.

Okay, du willst also eine Diktatur, alles klar. Effektiv und du hast deinen Dauer-Chef.


Deine Logik erschliesst sich mir nicht ganz. Auch eine Diktatur kann ein robustes System sein. In meinen Augen nur kein wirklich effektives System. Auch wenn es mal kurzfristige Ausnahmen gibt.

Das Ami-System mit seinem ständigen Regierungshass und freiheitlicher Selbstkasteiung mag ja robust sein, in meinen Augen aber für uns nicht erstrebenswert.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Europa2050 » Do 14. Sep 2017, 07:30

Woppadaq hat geschrieben:(14 Sep 2017, 00:38)

Und was, wenn sie doch liberal sind? Halt nur nicht gegen Nichtarier?


Es ist ja gerade ein Merkmal des Faschismus, dass nur das Kollektiv (Volkskörper)zählt und nicht der Einzelne.
Das gilt ja nicht nur für den verhassten "anderen", sondern auch für die eigenen.
Und ist damit an dieser Stelle auch von Theokratien und radikalen sozialistischen Systemen wenig zu unterscheiden (Dafür natürlich an anderen Stellen umso deutlicher).

Der Liberalismus in Reinkultur dagegen stellt die Rechte des einzelnen gegenüber dem Kollektiv stets in Vordergrund (wie auch der Konservativismus, der bejaht aber im Gegensatz zum Liberalismus zusätzlich die Bildung von Hierarchien).

Deswegen ist ein liberaler Faschist tatsächlich ein Widerspruch an sich.
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:

Mist, hab ich einige Leute doch tatsächlich überfordert. :s
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Sep 2017, 07:34

Provokateur hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:40)

Ich definiere "Rechts" und "Links" für mich im gesellschaftspolitischen Sinne so:

Rechts bedeutet bewahren. Bewährtes beibehalten, nichts neues wagen, die alten Pfade nicht verlassen und die Traditionen zu ehren.

Das ist "konservativ".
Links bedeutet verändern. Dinge über Bord werfen, auch ohne zu wissen, was dann geschieht. Auch mal einfach machen um des Machens willen.

Das ist "progressiv".
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Sep 2017, 07:36

jorikke hat geschrieben:(13 Sep 2017, 14:15)

Herrlich ,diese feinen Unterscheidungen.
Gerade weil ich sie gut verstehe, kann ich herzlich darüber lachen.
Sie sind schlicht nicht alltagstauglich.


Was nicht zuletzt daran liegt, dass die rechts-links-Unterscheidung nicht mehr allzu "alltagstauglich" ist. Die Frage danach kann man ja dennoch stellen.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Sep 2017, 09:23

Marty McFly hat geschrieben:(13 Sep 2017, 19:53)

Rechts ist wirtschaftlicher Individualismus und links ist wirtschaftlicher Kollektivismus.


Und diese Definition würde ich mal - vorsichtig gesprochen - als ökonomistisch bezeichnen.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Tomaner » Do 14. Sep 2017, 10:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Sep 2017, 08:36)

Was nicht zuletzt daran liegt, dass die rechts-links-Unterscheidung nicht mehr allzu "alltagstauglich" ist. Die Frage danach kann man ja dennoch stellen.

Genau damit hast du den springenden Punkt getroffen. Grundsätzlich haben wir immer einen natürlichen Interessenskonflikt, Arbeitnehmer Arbeitgeber. Du willst also dem Volk beibringen, im Prinzip ist es volkkommen egal wer regiert, also Parteien die mehr Arbeitnehmern nahe stehen oder den Arbeitgebern. Eines kann ich dir jedenfalls versichern, Unternehmer die auch hohe Parteispenden an "ihren" Parteien spenden, scheint es nicht egal und da wählt wohl kaum eine die Linken oder SPD. Die kennen ihre Intereesen exakt genau und wählen und unterstützen Parteien die mehr rechts stehen.
Für Arbeitnehmer, soll es aus deiner Sicht, aber vollkommen egal sein was er wählt, also auch rechts bis weit rechts. Schon jetzt dürfte kaum ein wirklicher Arbeiter im Bundestag sitzen, der jahrelang im Dreischichtsystem und vielleicht noch übers Wochenende gebuckelt hat. Da werden zum größten Teil, Lehrer, Rechtsanwälte, Beamte und Unternehmer in die Parlamente gewählt, die dann die Interessen von diesen Arbeitnehmer vertreten sollen? Kein Hasenzüchterverein würde einen Vorstand wählen, die in ihren Leben noch niemals einen Hasen gesehen haben. Arbeiter sollen sich aber von Leuten vertreten lassen, die niemals wirklich gearbeitet haben und sich nicht die geringsten Gedanken über ihre Renten machen müssen, sowie nach jahrzehntelange Schichtarbeit schwer angeschlagen sind?
Was du also hier so verbreiten willst, ist nichts anderes als Volksverdummung. Denn Vermögende wissen ganz genau wer ihre Interessen mehr vertritt und machen dementsprechend ihre Kreuzschen dort. Denen erzählst du mit Sicherheit nicht, sie können ihre Kreuzchen bei eher linken Parteien machen. Arbeitern willst du aber gleichzeitig erzählen, einen Unterschied zwischen Links und rechts gibt es nicht, daher können sie doch alle so wählen, wie die die Geld wie Heu haben.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Sep 2017, 10:38

Tomaner hat geschrieben:(14 Sep 2017, 11:15)

Genau damit hast du den springenden Punkt getroffen. Grundsätzlich haben wir immer einen natürlichen Interessenskonflikt, Arbeitnehmer Arbeitgeber. Du willst also dem Volk beibringen, im Prinzip ist es volkkommen egal wer regiert, also Parteien die mehr Arbeitnehmern nahe stehen oder den Arbeitgebern. Eines kann ich dir jedenfalls versichern, Unternehmer die auch hohe Parteispenden an "ihren" Parteien spenden, scheint es nicht egal und da wählt wohl kaum eine die Linken oder SPD. Die kennen ihre Intereesen exakt genau und wählen und unterstützen Parteien die mehr rechts stehen.
Für Arbeitnehmer, soll es aus deiner Sicht, aber vollkommen egal sein was er wählt, also auch rechts bis weit rechts. Schon jetzt dürfte kaum ein wirklicher Arbeiter im Bundestag sitzen, der jahrelang im Dreischichtsystem und vielleicht noch übers Wochenende gebuckelt hat. Da werden zum größten Teil, Lehrer, Rechtsanwälte, Beamte und Unternehmer in die Parlamente gewählt, die dann die Interessen von diesen Arbeitnehmer vertreten sollen? Kein Hasenzüchterverein würde einen Vorstand wählen, die in ihren Leben noch niemals einen Hasen gesehen haben. Arbeiter sollen sich aber von Leuten vertreten lassen, die niemals wirklich gearbeitet haben und sich nicht die geringsten Gedanken über ihre Renten machen müssen, sowie nach jahrzehntelange Schichtarbeit schwer angeschlagen sind?
Was du also hier so verbreiten willst, ist nichts anderes als Volksverdummung. Denn Vermögende wissen ganz genau wer ihre Interessen mehr vertritt und machen dementsprechend ihre Kreuzschen dort. Denen erzählst du mit Sicherheit nicht, sie können ihre Kreuzchen bei eher linken Parteien machen. Arbeitern willst du aber gleichzeitig erzählen, einen Unterschied zwischen Links und rechts gibt es nicht, daher können sie doch alle so wählen, wie die die Geld wie Heu haben.


Eijeijei. Hab' ich tatsächlich so viel "erzählt".

Zumindest das soziale Rollenmodell "Arbeiter" (= Lohnempfänger mit überwiegend physischer Tätigkeit) ist hierzulande in seiner Bedeutung zurückgegangen und wird noch weiter zurückgehen.

Was ich (und auch etliche andere) sagen wollen, wenn sie das Links-Rechts-Schema als nur noch bedingt praxistauglich bezeichnen: Dass es zu eindimensional ist. Dass es Fragen gibt, die sich auf diesem Links-Rechts-Schema gar nicht einordnen lassen. Umweltfragen zum Beispiel.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon syna » Do 14. Sep 2017, 10:53

Provokateur hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:40)
Ich definiere "Rechts" und "Links" für mich im gesellschaftspolitischen Sinne so:

Ich nehme Dich jetzt mal ganz ernst:

Provokateur hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:40)
Rechts bedeutet bewahren. Bewährtes beibehalten, nichts neues wagen, die alten Pfade nicht verlassen und die Traditionen zu ehren.


Uuups, dann ist die Partei "die Grünen" für Dich also ganz rechts?

Denn die übertreiben das mit dem "Bewahren" ja weit: Die wollen
unbedingt die deutschen Wälder und Landschaften, Luft und
Grundwasser in Deutschland "bewahren". Deshalb reduzieren sie
den Gifteintrag, sind gegen Fracking, wollen Abgase und Abfall
verringern usw. Sie wollen das Land, was uns unsere Vorfahren
überlassen haben, "bewahren".


Provokateur hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:40)
Links bedeutet verändern. Dinge über Bord werfen, auch ohne zu wissen, was dann geschieht. Auch mal einfach machen um des Machens willen.


Aha - CDU + FDP sind also ganz links?

Denn die sind ja gerade für möglichst viel Veränderungen. Durch
Liberalisierung der Märkte, Globalisierung wird den "Veränderungen"
Tür und Tor geöffnet. Der Strukturwandel - also die großen
Veränderungen für uns alle - dieser Strukturwandel wird durch
die globalisierten Märkte ja unglaublich vorangetrieben. Keine
Textilindustrie mehr, kaum noch Prdouktion in Deutschland.
Sogar Karstadt musste dran glauben. Und genau das treiben CDU
und FDP noch weiter voran. Nach dem Motto: Es muss sich noch
viel mehr verändern - in der Veränderung - in der Globalisierung -
liegt die Zukunft.


Provokateur hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:40)
Wer andere Menschen hasst, weil sie einer Gruppe zugehören, für die sie sich nicht entschieden haben, sondern in die sie hineingeboren wurden, verliert seine politische Legitimität.


Wie ist es aber, wenn jemand einer Gruppe angehört, in die er
NICHT hineingeboren wurde, sondern für die er sich bewusst
entschieden hat? Also Herr X hat sich für die Töpfergruppe
entschieden. Dann darf er gehasst werden? :rolleyes:
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Selina » Do 14. Sep 2017, 10:55

Solange dieses Verweisen auf ein "Rechts-Links-Schema", das nicht mehr sinnvoll bzw. nicht "praxistauglich" sei, nicht dahin führt, dass man braunes menschenfeindliches Denken nicht mehr beim Namen nennen darf, bin ich einverstanden, schoko.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Flaschengeist » Do 14. Sep 2017, 11:13

syna hat geschrieben:(13 Sep 2017, 09:29)

Wenn Du schon die Analogie zum Straßenverkehr
heranziehen willst, dann geht diese Analogie etwa so:

--------------------------- Verkehrssystem der Rechten: ---------------------

Die Autos sind sui generis verschieden stark - und das soll auch so
bleiben. Hier ist das Recht des Stärkeren dominant: Wer das größere
Auto hat, einen SUV, hat deshalb Vorfahrt, alle anderen müssen warten.
LKWs haben erst recht Vorfahrt.

Die Straße ist dem freien Spiel der Kräfte überlassen. Wer also
im Kleinwagen über die Straßen hudelt, der kommt durch
Unfall und Crashs schnell mal ums Leben. Das ist aber nicht
weiter schlimm. Am Ende bleiben nur die Starken übrig.

--------------------------- Verkehrssystem der Linken: ---------------------

Jedes Auto hat das gleiche recht, auf der Straße zu fahren.
Es gilt eine Verkehrsordnung, die Vorfahrt ist nach dieser
Ordnung geregelt und muss von jedem - den großen LKWs
und SUVs - und den kleinen gleichermaßen - eingehalten werden.

Die großen nutzen die Straßen stärker ab und pusten mehr
giftige Abgase hinaus. Sie müssen daher auch mehr Steuern
zahlen als die kleinen Autos.




Das ist absoluter Nonsense!



In einem "Linken" Staßenverkehr gibt es nur eine Automodell. Außer natürlich für die Regierung. :)

Wer einwendet das es verschiedene Automodelle braucht ist biologistisch und muß in ein Umerziehungslager.

Verkehrsregeln gibt es nicht. Wer z.B. Vorfahrt hat, daß muß immer aufs neue ausgehandelt werden. Die Regierung hat natürlich immer Vorfahrt.
„Nur in Deutschland wird mir vorgeworfen, ich wäre deutschfreundlich“ :)

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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Tomaner » Do 14. Sep 2017, 11:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Sep 2017, 11:38)

Eijeijei. Hab' ich tatsächlich so viel "erzählt".

Zumindest das soziale Rollenmodell "Arbeiter" (= Lohnempfänger mit überwiegend physischer Tätigkeit) ist hierzulande in seiner Bedeutung zurückgegangen und wird noch weiter zurückgehen.

Was ich (und auch etliche andere) sagen wollen, wenn sie das Links-Rechts-Schema als nur noch bedingt praxistauglich bezeichnen: Dass es zu eindimensional ist. Dass es Fragen gibt, die sich auf diesem Links-Rechts-Schema gar nicht einordnen lassen. Umweltfragen zum Beispiel.

Die physische Belastung hat aber nicht abgenommen. Manche Tätigkeiten sind zwar nicht mehr so schwer, werden aber zum Teil monotoner und damit genauso zur Last. Ebenfalls nimmt Dreischichtarbeit zu, sowie Wochenendarbeit. Ich arbeite seit fast 40 Jahren in so einem Betrieb. Früher gab es Akkord und man hat "vorgearbeitet" und dann Zeit für Erholung nutzen können. Heute werden Maschinen getaktet und hat außer vorgesehene Verteilzeit, keine Sekunde Erholungspausen. Nicht man selbst kann Taktung beeinflussen, sondern nur noch die Einstellung der Maschinen. Die Belastung insgesamt ist eine andere, aber enorm gestiegen!
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Woppadaq » Do 14. Sep 2017, 15:22

Europa2050 hat geschrieben:(14 Sep 2017, 08:30)

Es ist ja gerade ein Merkmal des Faschismus, dass nur das Kollektiv (Volkskörper)zählt und nicht der Einzelne.


Und genau das streit ich ab.

Ale Länder, die Faschismus hatten, haben im Gegensatz zum Sozialismus die Besitzverhältnisse belassen, wie sie sind, im Falle von Chile haben sie diese sogar wiederhergestellt. Von Kollektivismus kann beim Faschismus keine Rede sein, im Gegenteil, Faschismus ist eine autoritäre Bewegung gegen jeden Kollektivismus.

Aus genau diesem Grund bezeichnet man auch den Nationalsozialismus als Faschismus - und die Sozialisten, wie auch jede andere Sorte von Kollektivisten, auch jene in Diktaturen, bezeichnen sich selbst als Antifaschisten.

Der Liberalismus in Reinkultur dagegen stellt die Rechte des einzelnen gegenüber dem Kollektiv stets in Vordergrund.


Das Problem ist nur, dass es kaum Liberalismus in Reinkultur gibt. Was im wesentlichen daran liegt, dass Liberalismus per se richtungslos ist. Wo die Authoritären eine Meinung haben und sie notfalls mit Gewalt durchsetzen, da ist der Liberalismus meinungslos und überlässt den Leuten quasi sich selbst.

Es gibt Liberalismus deswegen immer mit Vorzeichen. Hierzulande wird Liberalismus vor allem als "liberal gegenüber der Industrie" betrachtet. Als Vorreiter der Meinungsfreiheit fallen sie hingegen weniger auf.

Deswegen ist ein liberaler Faschist tatsächlich ein Widerspruch an sich.


Was spricht dagegen, Pinochet als liberalen Faschisten zu betrachten?

Zudem sprach ich von einem liberalen Nazi. Also einen Rassisten und Antisemiten, der der Industrie gegenüber liberal eingestellt ist.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Europa2050 » Do 14. Sep 2017, 15:45

Woppadaq hat geschrieben:(14 Sep 2017, 16:22)

Und genau das streit ich ab.

Ale Länder, die Faschismus hatten, haben im Gegensatz zum Sozialismus die Besitzverhältnisse belassen, wie sie sind, im Falle von Chile haben sie diese sogar wiederhergestellt. Von Kollektivismus kann beim Faschismus keine Rede sein, im Gegenteil, Faschismus ist eine autoritäre Bewegung gegen jeden Kollektivismus.

Aus genau diesem Grund bezeichnet man auch den Nationalsozialismus als Faschismus - und die Sozialisten, wie auch jede andere Sorte von Kollektivisten, auch jene in Diktaturen, bezeichnen sich selbst als Antifaschisten.



Das Problem ist nur, dass es kaum Liberalismus in Reinkultur gibt. Was im wesentlichen daran liegt, dass Liberalismus per se richtungslos ist. Wo die Authoritären eine Meinung haben und sie notfalls mit Gewalt durchsetzen, da ist der Liberalismus meinungslos und überlässt den Leuten quasi sich selbst.

Es gibt Liberalismus deswegen immer mit Vorzeichen. Hierzulande wird Liberalismus vor allem als "liberal gegenüber der Industrie" betrachtet. Als Vorreiter der Meinungsfreiheit fallen sie hingegen weniger auf.



Was spricht dagegen, Pinochet als liberalen Faschisten zu betrachten?

Zudem sprach ich von einem liberalen Nazi. Also einen Rassisten und Antisemiten, der der Industrie gegenüber liberal eingestellt ist.


Mit Chile kenn ich mich jetzt nicht so wirklich aus, meine Aussagen bezogen sich eher auf die historischen Vorbilder Italien undnatürlich vor allem Deutschland.

Zwar wurde das formelle Eigentum in Deutschland (für Arier) damals nicht angegriffen, aber dessen Verfügung massiv eingeschränkt:
- politische Stellen gaben der Industrie Produktionsvorgaben,
- Preise wurden festgeschrieben
- Arbeitskräfte wurden zentral zugewiesen, Recht auf Arbeitsplatzwahl abgeschafft
- Transfer von Reichsmark ins Ausland wurde verboten
- Verkauf von Grund und Boden wurde verboten
Das ist nicht wirklich liberales Wirtschaften.

Zudem beschränkst Du liberale Politik wie so viele auf das Wirtschaftssystem.
Der Kern des Liberalismus ist aber die Verbriefung individueller Rechte gegenüber anderen und insbesondere dem Staat. Da hapert es in jeder faschistischen Diktatur, wo die Geheimpolizei jederzeit Menschen ohne jede Rechtsgrundlage zum Nutzen des "Großen" abholen kann. Und da treffen sich DR, Italien, Spanien und Chile dann doch wieder.

Jeder der Faschistischen Führer hat eben doch eine Sendung, die im Zweifelsfall über den individuellen Rechten seiner Untertanen liegen - auch wenn Pinochet und Franco schon "moderner" waren als Mussolini und Hitler.
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:

Mist, hab ich einige Leute doch tatsächlich überfordert. :s
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Woppadaq » Do 14. Sep 2017, 19:28

Europa2050 hat geschrieben:(14 Sep 2017, 16:45)

Mit Chile kenn ich mich jetzt nicht so wirklich aus, meine Aussagen bezogen sich eher auf die historischen Vorbilder Italien undnatürlich vor allem Deutschland.


Es ist mit den Militärdiktaturen sowohl in Chile als auch z.B. in Argentinien nicht viel anders als mit dem italienischen wie deutschen Faschismus: es waren immer Bewegungen und Diktaturen gegen Kollektivismus. Der Putsch in Chile richtete sich gegen den ersten demokratisch gewählten sozialistischen Staatspräsidenten in Lateinamerika, der u.a. die Kupferminen verstaatlichte und andere sozialistische Reformen in Angriff nahm. Der weitaus brutalere in Argentinien richtete sich gegen die Peronisten, die eine Art sozialistische Planwirtschaft betrieben.

Wenn Kollektivismus das wesentliche Merkmal von Faschismus sein soll, warum suchten dann die Kommunisten den Schulterschluss mit den Sozialdemokraten anstatt mit den Nationalsozialisten? Warum wurden dagegen die italienischen Faschisten wie auch die Nazis hingegen von den konservativen Kräften hofiert? Warum waren diese letzendlich sogar deren Steigbügelhalter? Warum bekämpfen die Amis den Sozialismus auf Kuba mit allen Mitteln, während sie den Putsch in Chile massiv unterstützten?


Zwar wurde das formelle Eigentum in Deutschland (für Arier) damals nicht angegriffen, aber dessen Verfügung massiv eingeschränkt:
- politische Stellen gaben der Industrie Produktionsvorgaben,
- Preise wurden festgeschrieben
- Arbeitskräfte wurden zentral zugewiesen, Recht auf Arbeitsplatzwahl abgeschafft
- Transfer von Reichsmark ins Ausland wurde verboten
- Verkauf von Grund und Boden wurde verboten


Bist du sicher, dass dieses Wirtschaften nicht eher dem Krieg geschuldet war?

Zudem beschränkst Du liberale Politik wie so viele auf das Wirtschaftssystem.


Nein, das tue ich nicht. Das tun die selbsternannten Liberalen selbst. Im wesentlichen, weil eine liberalisierte Wirtschaft ihr streitbarster Punkt ist.

Der Kern des Liberalismus ist aber die Verbriefung individueller Rechte gegenüber anderen und insbesondere dem Staat.


Welches, wenn man es mal verextremisiert, vor allem der privaten Wirtschaft zugute kommt, weniger dem hilfe- oder schutzbedürftigen Individuum.

Weshalb sich Faschismus und Liberalität nicht zwingenderweise beissen müssen.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Europa2050 » Do 14. Sep 2017, 19:46

Woppadaq hat geschrieben:(14 Sep 2017, 20:28)

Es ist mit den Militärdiktaturen sowohl in Chile als auch z.B. in Argentinien nicht viel anders als mit dem italienischen wie deutschen Faschismus: es waren immer Bewegungen und Diktaturen gegen Kollektivismus. Der Putsch in Chile richtete sich gegen den ersten demokratisch gewählten sozialistischen Staatspräsidenten in Lateinamerika, der u.a. die Kupferminen verstaatlichte und andere sozialistische Reformen in Angriff nahm. Der weitaus brutalere in Argentinien richtete sich gegen die Peronisten, die eine Art sozialistische Planwirtschaft betrieben.

Wenn Kollektivismus das wesentliche Merkmal von Faschismus sein soll, warum suchten dann die Kommunisten den Schulterschluss mit den Sozialdemokraten anstatt mit den Nationalsozialisten? Warum wurden dagegen die italienischen Faschisten wie auch die Nazis hingegen von den konservativen Kräften hofiert? Warum waren diese letzendlich sogar deren Steigbügelhalter? Warum bekämpfen die Amis den Sozialismus auf Kuba mit allen Mitteln, während sie den Putsch in Chile massiv unterstützten?




Bist du sicher, dass dieses Wirtschaften nicht eher dem Krieg geschuldet war?



Nein, das tue ich nicht. Das tun die selbsternannten Liberalen selbst. Im wesentlichen, weil eine liberalisierte Wirtschaft ihr streitbarster Punkt ist.



Welches, wenn man es mal verextremisiert, vor allem der privaten Wirtschaft zugute kommt, weniger dem hilfe- oder schutzbedürftigen Individuum.

Weshalb sich Faschismus und Liberalität nicht zwingenderweise beissen müssen.


Sozialismus/Kommunismus und Faschismus sind an der Stelle wie Feuer und Wasser, wo der Sozialismus (wie auch der Liberalismus) die Gleichwertigkeit des Menschen postuliert, während der Faschismus von der Überlegenheit bestimmter Rassen (Menschen) fabuliert. Da dem Konservativismus als viertem Modell ebenfalls Hierarchien nicht fremd sind gab/gibt es da Annäherungen. Bei Kollektivismus wiederum sind die Parallelen eher bei Sozialismus/Faschismus gegenüber Konservativismus/Liberalismus.

Das beschriebene NS-Wirtschaftssystem wurde wie von mir beschrieben bereits ab 1933 eingeführt. Mit Kriegsbeginn kam dann noch die Markenwirtschschaft hinzu, was ja eine komplette Entwertung des Geldes bedeutete. NS-Wirtschaft ist übrigens ein sehr interessantes Thema, hab ich mich mal damit beschäftigt.

Das mit der reinen Wirzschaftsorientierung war tatsächlich der fast tödliche Fehler vor 2013, ich halte mich da mehr an Genscher, Baum oder Leutheusser-S.. Lindner scheint sich auch wieder mehr darauf zu konzentrieren.

Ja, Freiheit nutzt dem mehr, der sie zu nutzen vermag. Deshalb braucht sie ein Korrektiv. Optimal war da seinerzeit die Sozialliberale Koalition. Vielleicht bekommen wir ja eine Ampel (obwohl mir da momentan die internationale Expertise der Frau Merkel fehlen würde).

Btw.: Eine interessante Disskusdion und so ohne persönliche Angriffe :)
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 15. Sep 2017, 07:59

Europa2050 hat geschrieben:(14 Sep 2017, 20:46)
Das mit der reinen Wirzschaftsorientierung war tatsächlich der fast tödliche Fehler vor 2013, ich halte mich da mehr an Genscher, Baum oder Leutheusser-S.. Lindner scheint sich auch wieder mehr darauf zu konzentrieren.

Ist das wirklich so? In mehreren Kommentaren zum aktuellen FDP-Wahlprogramm las ich, dass da nun erstmals nicht an erster Stelle dieses jahrzehntelange monotone, ätzende, ordnungspolitische "Steuern runter!" von Genscher, Lambsdorf und Co steht. Sondern an erster Stelle: Bildung. Digitalisierung. Potenziale freisetzen. Und irgendwo im letzten Drittel das Thema "Steuern".

Ich bin mir sehr wohl darüber bewusst, dass die Wahlkampagne auch der FDP von Profis gemacht wird und einfach eine bestimmte Klientel ansprechen soll ... aber das machen ja alle anderen großen Parteien auch. Trotz großer Skepsis gegenüber der FDP ... ich bin drauf und dran nach ununterbrochener Grünen-Wahl ohne Ausnahme, die Fraktion zu wechseln. Sie sind die einzigen, die nicht zuallererst ein Feindbild bedienen sondern positiv denken. Und die als einzige auch nicht indirekt irgendwelche Heimatgefühle und irgendeinen "Identitäts"-Scheiß bedienen. Sondern aufs Individuum setzen. Ich glaub', da bin ich eher richtig.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon syna » Fr 15. Sep 2017, 15:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Sep 2017, 08:59)
Ich bin mir sehr wohl darüber bewusst, dass die Wahlkampagne auch der FDP von Profis gemacht wird und einfach eine bestimmte Klientel ansprechen soll ... aber das machen ja alle anderen großen Parteien auch.

Trotz großer Skepsis gegenüber der FDP ... ich bin drauf und dran nach ununterbrochener Grünen-Wahl ohne Ausnahme, die Fraktion zu wechseln. Sie sind die einzigen, die nicht zuallererst ein Feindbild bedienen sondern positiv denken. Und die als einzige auch nicht indirekt irgendwelche Heimatgefühle und irgendeinen "Identitäts"-Scheiß bedienen. Sondern aufs Individuum setzen. Ich glaub', da bin ich eher richtig.


------ Die FDP? ------

Ich kann Deine Enttäuschung über die Grünen gut verstehen.
EEG, Katrin Göring-Eckardt und der Vegie-Day, die können nachhaltig
nerven.

Aber ich glaube, man sollte bei den Parteien nicht nur auf das
Parteiprogramm sehen. Denn im Parteiprogramm stehen ja nur
die kurzfristigen, auf die aktuelle Problemlage zielenden Vorhaben.
Und solche kurzfristigen Ziele und Intentionen werden dann
gerne mal dem anpepasst, von dem man glaubt, dass die Wähler es hören
wollen. Z.B. versprechen alle Parteien mehr Polizisten und genauere
Überprüfung der Asylbeweber, mehr für die Schulen auszugeben usw.

Und die Lindner-FDP stellt sich mit ihrer Parteiprogrammatik besonders
zukunftsgewandt auf ("Digitalisierung").

Aber in der praktischen Politik ist oftmals das Wahlprogramm gar
nicht so ausschlaggebend. Wichtiger ist eher der "Geist" einer Partei -
also die innere Grundhaltung der Parteioberen. Denn die entscheidet ja auch
bei den Koalitionsverhandlungen, was wirklich umgesetzt wird und was
nciht. Und diese innere Grundhaltung gilt es m.M. nach heauszufinden,
bevor man die Partei wählt.

Die FDP war vor Lindner die Partei der Röslers und Brüderles. Auch
wenn Rösler und Brüderle nun nicht mehr an vorderster Stelle stehen, so
werden doch viele, die diese parteiintern gewählt haben, noch prominent an
Board sein. Das bedeutet z.B., dass die FDP unter "Liberalität" vornehmlich
die Liberalität des Unternehmers oder Gutverdieners versteht. Folgerichtig
werden diese FDP-ler sich für weniger Sozialstaat und mehr Privatisierung
einsetzen. Für eine Reduzierung öffentlicher Leistungen (Bücherhallen,
Schwimmbäder, Beratungsstellen, staatl. Schulen) und stattdessen für mehr
private Anbieter von Leistungen (private Schulen + Hochschulen), mehr
Kommerzialisierung des Lebens und für weiter gefasste
Freihandelsabkommen (wie TTIP).

Bei den Steuern ist es das Gleiche: Natürlich - alle Parteien versprechen
Steuersenkungen. Aber die Frage ist dabei: WO?

Linke, Grüne und SPD wollen vor allem den Eingangssteuersatz senken,
das steuerfreie Existenzminimum erhöhen und den Spitzensteuersatz dafür
anheben.

Die FDP will vor allem den Spitzensteuersatz senken und noch viele, viele
Steuererstattungen einführen. Davon profitieren vor allem Großverdiener,
denn die können solche Steuersonderregelungen überhaupt erst wirklch
nutzen.

Die FDP tendiert auch dazu, die Sozialversicherungen ganz ohne
Steuerzuschuss "auskommen zu lassen". Denn ihre Klientel hat mit denen ja
fast nichts zu tun. Das bedeutet dann, dass Rentenversicherungsbeiträge
und Krankenversicherungsbeiträge erheblich steigen werden. Das alte
Schlagwort "Mehr Netto vom Brutto", das bezieht die FPD auf Gutverdiener -
und da machen Sozialversicherungsbeiträge kaum was aus - da ist der
Spitzensteuersatz entscheidender!

Also - ok, wenn Du mehr als 150.000 €/a hast ... aber sonst: Überleg'
Dir nochmal, ob Du wirklich die FDP wählen willst.

:?:
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Katenberg » Fr 15. Sep 2017, 20:40

Beide Richtungen sind nicht klar definiert und bilden nur ein Bruchteil des eigentlichen Spektrums ab.
Dass der Begriff "rechts" als negativ dargestellt oder gefühlt wird, liegt weiterhin an der linken Hegemonie, wenn auch diese auch bereits der Realität geschuldet bröckelt.
Dieser Beitrag ist ein Geschenk an die Menschheit, Beweis meiner Güte und atemberaubender Weisheit.
Honorieren Sie das - emotional, spirituell, oder am besten finanziell.

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