Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

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Ein Terraner
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Ein Terraner » Mi 13. Sep 2017, 08:25

Flaschengeist hat geschrieben:(13 Sep 2017, 08:44)

Bei Linken hat der Stärkere generell unrecht.

Auf den Straßenverkehr übertragen, bedeutet das, daß ein LKW niemals Vorfahrt haben kann. Schließlich ist es der "Stärkere". :)

Vermutlich ist das auch der Grund warum "Linke" Deutschland hassen.


Nein, das liegt an der Rechts vor Links Regel.
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syna
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon syna » Mi 13. Sep 2017, 08:29

Flaschengeist hat geschrieben:(13 Sep 2017, 08:44)
Bei Linken hat der Stärkere generell unrecht. Auf den Straßenverkehr übertragen, bedeutet das, daß ein LKW niemals Vorfahrt haben kann. Schließlich ist es der "Stärkere". :)


Wenn Du schon die Analogie zum Straßenverkehr
heranziehen willst, dann geht diese Analogie etwa so:

--------------------------- Verkehrssystem der Rechten: ---------------------

Die Autos sind sui generis verschieden stark - und das soll auch so
bleiben. Hier ist das Recht des Stärkeren dominant: Wer das größere
Auto hat, einen SUV, hat deshalb Vorfahrt, alle anderen müssen warten.
LKWs haben erst recht Vorfahrt.

Die Straße ist dem freien Spiel der Kräfte überlassen. Wer also
im Kleinwagen über die Straßen hudelt, der kommt durch
Unfall und Crashs schnell mal ums Leben. Das ist aber nicht
weiter schlimm. Am Ende bleiben nur die Starken übrig.

--------------------------- Verkehrssystem der Linken: ---------------------

Jedes Auto hat das gleiche recht, auf der Straße zu fahren.
Es gilt eine Verkehrsordnung, die Vorfahrt ist nach dieser
Ordnung geregelt und muss von jedem - den großen LKWs
und SUVs - und den kleinen gleichermaßen - eingehalten werden.

Die großen nutzen die Straßen stärker ab und pusten mehr
giftige Abgase hinaus. Sie müssen daher auch mehr Steuern
zahlen als die kleinen Autos.


Flaschengeist hat geschrieben:(13 Sep 2017, 08:44)
Vermutlich ist das auch der Grund warum "Linke" Deutschland hassen.


Das ist absoluter Nonsense!
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schokoschendrezki
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 13. Sep 2017, 10:31

Quatschki hat geschrieben:(12 Sep 2017, 07:44)
Wie ist es zum Beispiel mit:
Kollektivismus versus Individualismus?
Was ist links? Was ist rechts?

Eine ziemlich wichtige Frage.

Die Einordnung von "Rechts" als Orientiertheit an Ungleichheit bedeutet nich automatisch Antikollektivismus. Einer der bekanntesten und sich selbst als rechts und konservativ sehenden politischen Denker, Carl Schmitt ging in seinem Antiliberalismus deutlich in Richtung Kollektivismus. "Politik" war für ihn, um es auf einen Punkt zu bringen, ein Mittel, um eine Freund-Feind-Unterscheidung herzustellen und aufrechtzuerhalten. Die einen dort. Die anderen hier. Das läuft de facto sehr wohl auf Kollektivismus hinaus. Und in einem Artikel (irgendwo) unlängst las ich etwas (wörtlich) über den "Schmittismus der Jungen Freiheit". Bezeichnend.

Umgekehrt bedeutet die Orientiertheit an sozialer Gleichheit bei linken Bewegungen nicht automatisch Kollektivismus. Sondern vor allem nur dann, wenn sie sich am Begriff des Klassenkampfs orientieren. Der wäre dann die Freund-Feind-Unterscheidung der Linken. Ob linke Bewegungen kollektivistisch sind würde ich also an die Frage knüpfen, ob und wieweit sie die Ideologie des Klassenkampfs überwunden haben.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon jorikke » Mi 13. Sep 2017, 13:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Sep 2017, 11:31)

Eine ziemlich wichtige Frage.

Die Einordnung von "Rechts" als Orientiertheit an Ungleichheit bedeutet nich automatisch Antikollektivismus. Einer der bekanntesten und sich selbst als rechts und konservativ sehenden politischen Denker, Carl Schmitt ging in seinem Antiliberalismus deutlich in Richtung Kollektivismus. "Politik" war für ihn, um es auf einen Punkt zu bringen, ein Mittel, um eine Freund-Feind-Unterscheidung herzustellen und aufrechtzuerhalten. Die einen dort. Die anderen hier. Das läuft de facto sehr wohl auf Kollektivismus hinaus. Und in einem Artikel (irgendwo) unlängst las ich etwas (wörtlich) über den "Schmittismus der Jungen Freiheit". Bezeichnend.

Umgekehrt bedeutet die Orientiertheit an sozialer Gleichheit bei linken Bewegungen nicht automatisch Kollektivismus. Sondern vor allem nur dann, wenn sie sich am Begriff des Klassenkampfs orientieren. Der wäre dann die Freund-Feind-Unterscheidung der Linken. Ob linke Bewegungen kollektivistisch sind würde ich also an die Frage knüpfen, ob und wieweit sie die Ideologie des Klassenkampfs überwunden haben.


Herrlich ,diese feinen Unterscheidungen.
Gerade weil ich sie gut verstehe, kann ich herzlich darüber lachen.
Sie sind schlicht nicht alltagstauglich.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon pikant » Mi 13. Sep 2017, 13:22

jorikke hat geschrieben:(13 Sep 2017, 14:15)

Herrlich ,diese feinen Unterscheidungen.
Gerade weil ich sie gut verstehe, kann ich herzlich darüber lachen.
Sie sind schlicht nicht alltagstauglich.


ich habe dieses Posting nicht in gaenze verstanden!
da bin ich ehrlich.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Europa2050 » Mi 13. Sep 2017, 15:27

syna hat geschrieben:(13 Sep 2017, 09:29)

Wenn Du schon die Analogie zum Straßenverkehr
heranziehen willst, dann geht diese Analogie etwa so:

--------------------------- Verkehrssystem der Rechten: ---------------------

Die Autos sind sui generis verschieden stark - und das soll auch so
bleiben. Hier ist das Recht des Stärkeren dominant: Wer das größere
Auto hat, einen SUV, hat deshalb Vorfahrt, alle anderen müssen warten.
LKWs haben erst recht Vorfahrt.

Die Straße ist dem freien Spiel der Kräfte überlassen. Wer also
im Kleinwagen über die Straßen hudelt, der kommt durch
Unfall und Crashs schnell mal ums Leben. Das ist aber nicht
weiter schlimm. Am Ende bleiben nur die Starken übrig.

--------------------------- Verkehrssystem der Linken: ---------------------

Jedes Auto hat das gleiche recht, auf der Straße zu fahren.
Es gilt eine Verkehrsordnung, die Vorfahrt ist nach dieser
Ordnung geregelt und muss von jedem - den großen LKWs
und SUVs - und den kleinen gleichermaßen - eingehalten werden.



Bis auf den Passus mit den Steuern (den ich deshalb auch raus hab) wäre das zweite von dir genannte System eher eine liberale Verkehrsordnung.

In einer Linken Verkehrsordnung gäbe es zwar auch Regeln, aber zusätzlich ein Obligatorisches Verkehrsleitsystem, das durch Ampelschaltungen dafür sorgen würde, dass alle Teilnehmer unabhängig von ihrem Auto gleich schnell and Ziel kommen.

Aber an sonsten ist dein Verkehrsbeispiel cool, das merke ich mir. :thumbup:
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:

Mist, hab ich einige Leute doch tatsächlich überfordert. :s
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jorikke
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon jorikke » Mi 13. Sep 2017, 15:33

pikant hat geschrieben:(13 Sep 2017, 14:22)

ich habe dieses Posting nicht in gaenze verstanden!
da bin ich ehrlich.


Das ist glaubhaft.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Marty McFly » Mi 13. Sep 2017, 18:53

Rechts ist wirtschaftlicher Individualismus und links ist wirtschaftlicher Kollektivismus.

Wie man diese Wörter in Deutschland verwendet hat mich schon vor vielen Jahren gestört, als in der Schule stets etwas "gegen rechts" getan wurde.
Traurig, wenn ein ganzes Bildungssystem in der Hinsicht intellektuell bankrott ist.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Helmuth_123 » Mi 13. Sep 2017, 19:42

Marty McFly hat geschrieben:(13 Sep 2017, 19:53)

Rechts ist wirtschaftlicher Individualismus und links ist wirtschaftlicher Kollektivismus.

Wie man diese Wörter in Deutschland verwendet hat mich schon vor vielen Jahren gestört, als in der Schule stets etwas "gegen rechts" getan wurde.
Traurig, wenn ein ganzes Bildungssystem in der Hinsicht intellektuell bankrott ist.


Stimmt so nicht. Die Gegner der ersten Stunde der Markwirtschaft nach Adam Smith waren die häufig konservativen britischen Großgrundbesitzer. Die Gegner der Gewerbefreiheit waren ebenso Konservative. Auch sei an die Schutzpolitik erinnert. Die konservativen Agrarier in Deutschland agitierten mit aller Schärfe für Schutzzölle und gegen Freihandel. Zudem kann eine rechte Wirtschaftspolitik eher auf Handwerk und regionalen Kleinhandel ausgerichtet sein und christlichen Vorstellungen als Grundlage haben.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Helmuth_123 » Mi 13. Sep 2017, 19:47

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Sep 2017, 11:31)

Eine ziemlich wichtige Frage.

Die Einordnung von "Rechts" als Orientiertheit an Ungleichheit bedeutet nich automatisch Antikollektivismus. Einer der bekanntesten und sich selbst als rechts und konservativ sehenden politischen Denker, Carl Schmitt ging in seinem Antiliberalismus deutlich in Richtung Kollektivismus. "Politik" war für ihn, um es auf einen Punkt zu bringen, ein Mittel, um eine Freund-Feind-Unterscheidung herzustellen und aufrechtzuerhalten. Die einen dort. Die anderen hier. Das läuft de facto sehr wohl auf Kollektivismus hinaus. Und in einem Artikel (irgendwo) unlängst las ich etwas (wörtlich) über den "Schmittismus der Jungen Freiheit". Bezeichnend.

Umgekehrt bedeutet die Orientiertheit an sozialer Gleichheit bei linken Bewegungen nicht automatisch Kollektivismus. Sondern vor allem nur dann, wenn sie sich am Begriff des Klassenkampfs orientieren. Der wäre dann die Freund-Feind-Unterscheidung der Linken. Ob linke Bewegungen kollektivistisch sind würde ich also an die Frage knüpfen, ob und wieweit sie die Ideologie des Klassenkampfs überwunden haben.


Das ist tatsächlich ein interessantes Problem. Gruppen können nach innen relativ egalitär sein und nur relativ schwach ausgeprägte Hierarchien aufweisen. Nach außen wiederum können sich dann solche Gruppen radikal abgrenzen.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Marty McFly » Mi 13. Sep 2017, 20:12

Helmuth_123 hat geschrieben:(13 Sep 2017, 20:42)

Stimmt so nicht. Die Gegner der ersten Stunde der Markwirtschaft nach Adam Smith waren die häufig konservativen britischen Großgrundbesitzer. Die Gegner der Gewerbefreiheit waren ebenso Konservative. Auch sei an die Schutzpolitik erinnert. Die konservativen Agrarier in Deutschland agitierten mit aller Schärfe für Schutzzölle und gegen Freihandel. Zudem kann eine rechte Wirtschaftspolitik eher auf Handwerk und regionalen Kleinhandel ausgerichtet sein und christlichen Vorstellungen als Grundlage haben.


Doch, der politische Kompass ist wie er ist.

Deine historischen Eliten hatten aus eigenem Interesse keine Lust auf Wettbewerb, klar. Das ändert aber doch nichts.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Helmuth_123 » Mi 13. Sep 2017, 20:23

Marty McFly hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:12)

Doch, der politische Kompass ist wie er ist.

Deine historischen Eliten hatten aus eigenem Interesse keine Lust auf Wettbewerb, klar. Das ändert aber doch nichts.


Möglicherweise ist ja der politische Kompass zu einfach um das politische System und politische Vorstellungen abzubilden.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Selina » Mi 13. Sep 2017, 20:32

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)

Nach den vielen Diskussionen der letzten Wochen zu AfD, Flüchtlingen, Rechtsruck und co. möchte ich folgende Frage stellen:

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen? Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?

In meiner Weltsicht sind Links und Rechts politische Überzeugungen, welche ihre Positionen erstmal wertungsfrei vertreten. Extremistische oder sonstige Strömungen außen vor sind Linke und Rechte damit genauso zu behandeln und haben nichts anrüchiges ansich. Weiter ist LINKS nicht die bessere bzw. gute Seite der Macht und Rechts nicht die negative und dunkle Seite dieser.

Erstaunt mich immer mit welcher Vehemenz und mit welchem Sendungsbewusstsein selbsternannte Vertreter des linken Spektrums der Meinung nachhängen, LINKS wäre das alleinig seeligmachende und die automatisierte alleinige Herrschaft des Guten...


Rechtskonservatives Gedankengut ist ok, rechtsradikales Gedankengut dagegen ist wegen seiner Menschenfeindlichkeit abzulehnen. "Rechts" müsste also in jedem Falle näher definiert werden. Alles, was mit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Verachtung anderer Nationen und Religionen verbunden ist ( = rechtsradikal, auch in der AfD vorhanden), ist wirklich zu verurteilen, um bei deiner Terminologie zu bleiben.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Marty McFly » Mi 13. Sep 2017, 20:38

Helmuth_123 hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:23)

Möglicherweise ist ja der politische Kompass zu einfach um das politische System und politische Vorstellungen abzubilden.


Na, zwei Achsen müssen reichen, wo man in Deutschland doch schon an einer Achse scheitert. ;)

Interessant wäre nur, wenn du Beispiele hättest, wo Konservative für wirtschaftlichen Kollektivismus gewesen wären.
Deine Beispiele waren das ja gar nicht. Die waren gegen Wettbewerb, aber eben genau deshalb, weil sie ihren individuellen Reichtum bewahren wollten.
Da liegt also keinerlei Widerspruch.

//edit

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:32)

Rechtskonservatives Gedankengut ist ok, rechtsradikales Gedankengut dagegen ist wegen seiner Menschenfeindlichkeit abzulehnen. "Rechts" müsste also in jedem Falle näher definiert werden. Alles, was mit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Verachtung anderer Nationen und Religionen verbunden ist ( = rechtsradikal, auch in der AfD vorhanden), ist wirklich zu verurteilen, um bei deiner Terminologie zu bleiben.


Noch immer zu einfach, weil einachsig. Autoritäre sind das Problem, besonders Autoritäre der äußeren Ränder.

Liberale können von mir aus so weit links oder rechts sein wie sie wollen. ("Rechtsradikale" wären hier dann Libertäre bzw. "Anarcho-Kapitalisten".)
Zuletzt geändert von Marty McFly am Mi 13. Sep 2017, 20:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Provokateur » Mi 13. Sep 2017, 20:40

Ich definiere "Rechts" und "Links" für mich im gesellschaftspolitischen Sinne so:

Rechts bedeutet bewahren. Bewährtes beibehalten, nichts neues wagen, die alten Pfade nicht verlassen und die Traditionen zu ehren.

Links bedeutet verändern. Dinge über Bord werfen, auch ohne zu wissen, was dann geschieht. Auch mal einfach machen um des Machens willen.

Beide "Ideen" haben ihre Vor- und Nachteile. Nicht immer ist nur ein Weg der richtige, wer konsequent rechts oder links abbiegt der dreht sich im Kreis. Wichtig ist ein dynamischer Wechsel zwischen beiden Ideen.

Was nicht geht, ist deterministisch-gruppenbezogener Hass. Wer andere Menschen hasst, weil sie einer Gruppe zugehören, für die sie sich nicht entschieden haben, sondern in die sie hineingeboren wurden, verliert seine politische Legitimität. Denn dieser Hass ist eine Entscheidung, und man muss ihm auf jedem legalen und legitimen Weg nahelegen, seine Einstellung zu überdenken.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

Echte Patrioten wählen NICHT die AfD.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Marty McFly » Mi 13. Sep 2017, 20:52

Provokateur hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:40)

Ich definiere "Rechts" und "Links" für mich im gesellschaftspolitischen Sinne so:
Rechts bedeutet bewahren. Bewährtes beibehalten, nichts neues wagen, die alten Pfade nicht verlassen und die Traditionen zu ehren.
Links bedeutet verändern. Dinge über Bord werfen, auch ohne zu wissen, was dann geschieht. Auch mal einfach machen um des Machens willen.


Das würde ich eher als konservativ bzw. progressiv bezeichnen, aber in Deutschland ist deine Definition wohl normal.

Eigentlich seltsam, dass trotzdem der Deutsche die Linken so positiv verklärt, mag der Deutsche doch Sicherheit... "Dinge über Bord werfen und einfach machen" klingt für mich nach US-Unternehmergeist... :D

Provokateur hat geschrieben:Wer andere Menschen hasst, weil sie einer Gruppe zugehören, für die sie sich nicht entschieden haben, sondern in die sie hineingeboren wurden, verliert seine politische Legitimität. Denn dieser Hass ist eine Entscheidung, und man muss ihm auf jedem legalen und legitimen Weg nahelegen, seine Einstellung zu überdenken.


Ich hasse nicht einmal die Irren, die freiwillig bei Gruppen mitmachen, die ich hirnrissig bis gefährlich halte. ;)
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Helmuth_123 » Mi 13. Sep 2017, 21:07

Marty McFly hat geschrieben:(13 Sep 2017, 21:38)

Na, zwei Achsen müssen reichen, wo man in Deutschland doch schon an einer Achse scheitert. ;)

Interessant wäre nur, wenn du Beispiele hättest, wo Konservative für wirtschaftlichen Kollektivismus gewesen wären.
Deine Beispiele waren das ja gar nicht. Die waren gegen Wettbewerb, aber eben genau deshalb, weil sie ihren individuellen Reichtum bewahren wollten.
Da liegt also keinerlei Widerspruch.

//edit



Noch immer zu einfach, weil einachsig. Autoritäre sind das Problem, besonders Autoritäre der äußeren Ränder.

Liberale können von mir aus so weit links oder rechts sein wie sie wollen. ("Rechtsradikale" wären hier dann Libertäre bzw. "Anarcho-Kapitalisten".)


Der politische Kompass mag vielleicht für das angelsächsische System ein näherungsweise gutes Modell sein. Für das kontinentaleuropäische eignet es sich meines Erachtens nicht.

Das Beispiel brachte ich schon. Die Gewerbefreiheit, die im Zuge der Reformpolitik (Stein/Hardenberg) in Preußen umgesetzt wurde, führte dazu das die strikte Marktregulierung durch die Zünfte wegfiel. Korporativ organisierte Zünfte, die darüber entschieden, wer in einer Stadt ein Handwerk ausüben durfte, die die Produktqualität kontrollierte und regulierte und auch private Vorschriften für die Mitglieder machte.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Marty McFly » Mi 13. Sep 2017, 21:12

Helmuth_123 hat geschrieben:(13 Sep 2017, 22:07)

Der politische Kompass mag vielleicht für das angelsächsische System ein näherungsweise gutes Modell sein. Für das kontinentaleuropäische eignet es sich meines Erachtens nicht.


Warum das, wenn ich fragen darf? Sind die Begriffe "autoritär" und "liberal" bei uns nicht bekannt?

Die angelsächsischen Systeme haben sich übrigens als deutlich langlebiger erwiesen, als unsere Experimente. ;)
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Woppadaq » Mi 13. Sep 2017, 23:09

Marty McFly hat geschrieben:(13 Sep 2017, 22:12)

Warum das, wenn ich fragen darf? Sind die Begriffe "autoritär" und "liberal" bei uns nicht bekannt?


Sie sind bekannt, aber für unseren Wertekompass nur sehr begrenzt relevant. Die deutschen Parteien behandeln diese Begriffe opportunistisch, und nicht programmatisch, wie das bei den Briten oder Amerikanern der Fall ist.

Es macht wenig Sinn, die Nazis als "autoritär" oder "liberal" einzustufen, schon gar nicht in Amerika, wo "liberal" gleichbedeutend ist mit "links"

Die angelsächsischen Systeme haben sich übrigens als deutlich langlebiger erwiesen, als unsere Experimente. ;)


Was besagt das schon? Suharto war auch länger an der Macht als Kohl oder Frau Merkel. Sollen wir deshalb das indonesische Modell einführen?
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Marty McFly » Mi 13. Sep 2017, 23:31

Woppadaq hat geschrieben:(14 Sep 2017, 00:09)

Es macht wenig Sinn, die Nazis als "autoritär" oder "liberal" einzustufen, schon gar nicht in Amerika, wo "liberal" gleichbedeutend ist mit "links"


Stimmt, Nazis sind automatisch autoritär. Irgendwie geht bei dir nun alles durcheinander.

Stell dir vor, im Englischen ist die Y-Achse auch nicht mit "liberal" benannt.

Woppadaq hat geschrieben:Was besagt das schon? Suharto war auch länger an der Macht als Kohl oder Frau Merkel. Sollen wir deshalb das indonesische Modell einführen?


Wer gerade Kanzler ist hat nichts mit der Robustheit des Systems an sich zu tun. Und eine bestimmte Person besonders lange an der Macht zu haben ist nicht erstrebenswert, ganz im Gegenteil.
In den USA beschränkt man das, so lange wie Kohl oder Merkel lässt man da niemanden ran. Zurecht.

Es besagt einiges, wenn die einen Systeme über Jahrhunderte funktionieren, es in Deutschland in der zeit aber immer wieder geknallt hat und auch jetzt die EU zu scheitern droht.

Bei uns redet man gerne geschwollen daher, kapiert aber trotzdem nichts.
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