Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

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Sternchen
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Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Sternchen » Mo 11. Sep 2017, 22:35

Nach den vielen Diskussionen der letzten Wochen zu AfD, Flüchtlingen, Rechtsruck und co. möchte ich folgende Frage stellen:

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen? Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?

In meiner Weltsicht sind Links und Rechts politische Überzeugungen, welche ihre Positionen erstmal wertungsfrei vertreten. Extremistische oder sonstige Strömungen außen vor sind Linke und Rechte damit genauso zu behandeln und haben nichts anrüchiges ansich. Weiter ist LINKS nicht die bessere bzw. gute Seite der Macht und Rechts nicht die negative und dunkle Seite dieser.

Erstaunt mich immer mit welcher Vehemenz und mit welchem Sendungsbewusstsein selbsternannte Vertreter des linken Spektrums der Meinung nachhängen, LINKS wäre das alleinig seeligmachende und die automatisierte alleinige Herrschaft des Guten...
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Flaschengeist » Mo 11. Sep 2017, 22:57

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)

Nach den vielen Diskussionen der letzten Wochen zu AfD, Flüchtlingen, Rechtsruck und co. möchte ich folgende Frage stellen:

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen? Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?

In meiner Weltsicht sind Links und Rechts politische Überzeugungen, welche ihre Positionen erstmal wertungsfrei vertreten. Extremistische oder sonstige Strömungen außen vor sind Linke und Rechte damit genauso zu behandeln und haben nichts anrüchiges ansich. Weiter ist LINKS nicht die bessere bzw. gute Seite der Macht und Rechts nicht die negative und dunkle Seite dieser.

Erstaunt mich immer mit welcher Vehemenz und mit welchem Sendungsbewusstsein selbsternannte Vertreter des linken Spektrums der Meinung nachhängen, LINKS wäre das alleinig seeligmachende und die automatisierte alleinige Herrschaft des Guten...



Vielleicht definieren Sie erst einmal was Sie unter rechts und links verstehen kann.

Vermutlich gibt es da viele Definitionen.
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Sternchen
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Sternchen » Mo 11. Sep 2017, 23:13

Flaschengeist hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:57)

Vielleicht definieren Sie erst einmal was Sie unter rechts und links verstehen kann.

Vermutlich gibt es da viele Definitionen.

Da hat jeder sicherlich seine eigenen Vorstellungen.

Aber es gibt ja sogar Wikipedia Artikel dazu, insofern kann man diese als Grundlage nehmen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Politisch ... e_(Politik)
https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Linke
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syna
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon syna » Mo 11. Sep 2017, 23:34

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)
Frage:

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen? Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?


Ich kann eigentlich nichts mit "rechts" und "links" anfangen. Aber
ich kann ja mal Deine Links zu den Wikipedia-Artikeln zitieren:

RECHTS:


Als politische Rechte wird ein Teil des politischen Spektrums bezeichnet.
Sie geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus und befürwortet oder
akzeptiert daher eine gesellschaftliche Hierarchie.

Ungleichheit wird deshalb von der politischen Rechten als unausweichlich,
natürlich, normal und wünschenswert betrachtet. So ist die Ungleichheit
durch Erbfolge und Familientradition gerechtfertigt.


LINKS:

Die ... Strömungen der politischen Linken eint, dass sie von der Gleichheit
der Menschen ausgehen. Mit linker Politik werden sehr unterschiedliche
Umsetzungsversuche jener ideologischen Ansätze bezeichnet, welche die Aufhebung
von Ungleichheit und als Unterdrückung begriffenen Sozialstrukturen, zugunsten
der wirtschaftlich oder gesellschaftlich Benachteiligten, zum Ziel haben.


Also - da kannst Du jetzt sagen: Gefällt Dir Rechts besser?
Oder tendierst Du zu links? Oder muss man das detaillierter betrachten ...
--~~/§&%"$!\~~--
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Charles » Mo 11. Sep 2017, 23:43

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)
Erstaunt mich immer mit welcher Vehemenz und mit welchem Sendungsbewusstsein selbsternannte Vertreter des linken Spektrums der Meinung nachhängen, LINKS wäre das alleinig seeligmachende und die automatisierte alleinige Herrschaft des Guten...


Wenn man sich das 20. Jahrhundert ansieht und was Linke da angerichtet haben, wieviele Millionen Menschen durch Linke und zur Durchsetzung linker Regime und Ideologie umgebracht wurden.

Die Darstellung links = gut widerspricht doch vollkommen der historischen Realität.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon oga » Di 12. Sep 2017, 00:04

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen? Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?

Ist es nicht. Es wird nur in Deutschland wegen der historischen Vorbelastung so empfunden. In der Schweiz und in Österreich scheint man keine Probleme damit zu haben.
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Tomaner » Di 12. Sep 2017, 04:20

Charles hat geschrieben:(12 Sep 2017, 00:43)

Wenn man sich das 20. Jahrhundert ansieht und was Linke da angerichtet haben, wieviele Millionen Menschen durch Linke und zur Durchsetzung linker Regime und Ideologie umgebracht wurden.

Die Darstellung links = gut widerspricht doch vollkommen der historischen Realität.

Nun man kann auch die Formel machen, Kirche hat Hexen verbrannt, daher Kirche böse. Wenn ich hier die Ausgangsfrage sehe, geht es doch nicht darum, wie welcher Diktator links für sich ausgelegt hat, sondern um die politische Richtung als solche. Genauso, ist eine Kirche nicht deshalb schlecht, weil manche den christlichen Glauben für sich genutzt haben. Nimmt man sogar die Definintion von Links, widerspricht ein Diktator die Ideologie, whrend mehr dir Rechte Hirachien haben will. Habe ich es also richtig verstanden, geht es um die reine Ideologie hinter links und rechts und nicht darum welche Personen dies Ideologie für sich vergewaltigt haben.
Bei dir habe ich aber den Verdacht, es geht dir lediglich darum, rechte Verbrechen, bzw. Nazisverbrechen, mit zur Hilfenahme von Stalin usw. zu relativieren. Diese werden dadurch aber um keinen Deut besser und es entschuldigt verbrecherischen Nationalismus aus dem letzten Jahrhundert nicht.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon unity in diversity » Di 12. Sep 2017, 05:19

Linke haben Klassenfeinde und Rechte haben Rassenfeinde.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
(Aus den USA)
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Keoma
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Keoma » Di 12. Sep 2017, 06:32

unity in diversity hat geschrieben:(12 Sep 2017, 06:19)

Linke haben Klassenfeinde und Rechte haben Rassenfeinde.


Schönes Bonmot aber völlig unbrauchbar.
Jeder hat ein Recht auf meine Meinung.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Quatschki » Di 12. Sep 2017, 06:44

Wie ist es zum Beispiel mit:
Kollektivismus versus Individualismus?
Was ist links? Was ist rechts?

Unterdrückt die Gleichheitsforderung Individualismus?
Braucht es einen starken (Rechts-)Staat, um Individualität zu ermöglichen, oder ist Anarchie dafür besser?

Ist Marxismus mit seinem Klassendenken und der Berücksichtigung der "sozialen Herkunft" für den Wert eines Menschen eher rechts?
Und National-Sozialismus mit der Leitidee der "Volksgemeinschaft" eher links?
Ist Liberalismus, ist freie Marktwirtschaft rechts? Oder links?

Was ist mit der Religion?
Sind klerikale Rechtsordnungen rechts?
Ist Religionsfreiheit links oder ist Freiheit von Religion links?
Zuletzt geändert von Quatschki am Di 12. Sep 2017, 06:57, insgesamt 4-mal geändert.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Keoma » Di 12. Sep 2017, 06:47

Im Kalten Krieg war alles einfacher.
Jeder hat ein Recht auf meine Meinung.
Uffzach
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Uffzach » Di 12. Sep 2017, 07:24

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)

Nach den vielen Diskussionen der letzten Wochen zu AfD, Flüchtlingen, Rechtsruck und co. möchte ich folgende Frage stellen:

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen? Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?

In meiner Weltsicht sind Links und Rechts politische Überzeugungen, welche ihre Positionen erstmal wertungsfrei vertreten. Extremistische oder sonstige Strömungen außen vor sind Linke und Rechte damit genauso zu behandeln und haben nichts anrüchiges ansich. Weiter ist LINKS nicht die bessere bzw. gute Seite der Macht und Rechts nicht die negative und dunkle Seite dieser.

Erstaunt mich immer mit welcher Vehemenz und mit welchem Sendungsbewusstsein selbsternannte Vertreter des linken Spektrums der Meinung nachhängen, LINKS wäre das alleinig seeligmachende und die automatisierte alleinige Herrschaft des Guten...


Die Unterscheidung 'rechts vs links' bzgl. politischer Ansichten ist zuallererst eine heuristische Unterscheidung und damit unscharf und ungenau.

Besser wäre die Unterscheidung 'rational vs. irrational', weil es wohl im linken als auch im rechten Spektrum rationale als auch irrationale Ansichten gibt. Dabei ist allerdings zu beachten, dass im Kollektiv stets irrationale Ansichten dominant sind und dass ausschließlich ein Individuum zu rationalen Ansichten fähig sein kann. In der politischen Debatte als einem kollektiven Phänomen ist demnach immer Irrationalität vorherrschend.

Was sind nun die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zwischen 'rational' und 'irrational'? Rationalität verlässt sich ausschließlich auf wertungsfrei Beobachtbares, geht wissenschaftlich vor und ist frei von Moral oder Ethik außer dem Imperativ der Rationalität selbst, während Irrationalität getrieben ist von Emotionalität und moralisierenden Ansichten.

Politisch ist Rationalität dem rechten Lager zuzuordnen. Warum? Weil in einer rationalen politischen Ansicht der Staat als 'quasi-Individuum', welches außerhalb des Kollektivs steht, Rationalität verkörpert bzw verkörpern muss und also a priori die für das geordnete Zusammenleben der Individuen regulatorische Instanz ist, während linke politische Ansichten grundsätzlich den Staat entweder als Provisorium auf jeden Fall aber als zu beschränkende Institution betrachten und die für das Zusammenleben der Individuen regulatorische Instanz im kollektiven Verbund selbst und einer vermeintlichen kollektiven Vernunftbegabtheit sehen. Letzteres widerspricht jedoch ganz offensichtlich der Beobachtung, dass einem Zusammenbruch von Staaten regelmäßig Chaos ggf. begleitet von irrationalen Gewaltausbrüchen folgt, welches zur Dominanz des sog. 'Rechts des Stärkeren' und zur Aufhebung rationalen Rechtes und Gesetzes führt.
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Uffhausen
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Uffhausen » Di 12. Sep 2017, 14:27

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)

Nach den vielen Diskussionen der letzten Wochen zu AfD, Flüchtlingen, Rechtsruck und co. möchte ich folgende Frage stellen:

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen? Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?

Meine Meinung: Aktuell, bzw. seit Spätsommer 2015, verkommen rechts wie linkes Gedankengut zur absoluten Lächerlichkeit. Persönlich finde ich sie beide wichtig und ernst zunehmen, aber anhand meiner Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren, weiß ich nicht mehr so recht, was ich davon jeweils halten soll.

Wenn du z. B. nicht zu 100% die Meinung eines AfD-Symphatisanen teilst, bist du automatisch ein "Links-grüner Traumtänzer" - andersherum schwingen überzeugte Linke gleich die Nazi-Keule, wenn du ihr Gedankengut nicht 1:1 übernimmst. Eigene, freie Meinung, die sich bspw. an beiden Lagern bedient, ist nicht erwünscht und wird gnadenlos unterdrückt. Nachplappern, Schubladendenken und Hirnausschalten, das ist es was noch zählt - wie gesagt, meine Meinung aufgrund entsprechender Erfahrungen mit beiden Seiten.

Konkretes Beispiel Nr. 1: Als in unsere Stadt die ersten Flüchtklinge Einzug hielten, forderten Flüchtlingsbefürworter, dass u. a. die Geschäfte bitteschön ihr jeweiliges Sortiment auf arabisch, bzw. wenn schon auf englisch außen ankündigen, um den Flüchtlingen Orientierung zu ermöglichen - für die örtliche AfD ein Skandal höchsten Ausmaßes. Tatsächlich umwarb unsere AfD aber die russlandstämmigen Einwohner unserer Stadt bei der letztjährigen Landtagswahl mit Flyern, Plakaten und Wahlprogrammen in kyrillischer Schrift - und tut es jetzt im Zuge der Bundestagswahl wieder! Faktisch machen beide Lagen ein- und dasselbe, verachten sich aber deswegen zutiefst. Logisch ist das nicht, sondern nur lächerlich!

Konkretes Beispiel Nr. 2: Als in unserer Stadt Anfang 2016 konkrete Planungen für eine weitere Flüchtlingsunterkunft öffentlich wurden, machte die AfD dagegen mobil mit einer Unterschriftenaktion. Mehrere Tausend Bürger sprachen sich gegen eine weitere Flüchtlingsunterkunft aus (sie kam dann aber trotzdem). Ein, zwei Wochen später drohte einem Kindergarten die baldige Schließung aufgrund ausgebliebener Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen. Auch hier wurde eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Einrichtung gestartet. Es kamen jedoch vergleichsweise nur einige Hundert Unterschriften zusammen (saniert wurde dann aber trotzdem) - so: Betreffend des Erhalts des Kindergartens haben sich LINKE wie RECHTE aber nicht eingebracht, obgleich eben dies doch in deren beiderseitigen, politischen Interesse liegt! Was ist davon noch zu halten? Ich kann sowas einfach nicht mehr ernst nehmen...
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Bielefeld09 » Di 12. Sep 2017, 14:41

Solange sich die Rechten und die Linken im Rahmen unserer Verfassung bewegen,
sind die einen oder anderen, weder besser noch schlechter.
Möge der Wähler entscheiden.
Extrem ist allerdings schwierig und in einem Rechtsstaat nicht zu tolerieren.
Das gilt für beide Richtungen.
Ist doch einfach, dazu eine Haltung zu haben.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Woppadaq » Di 12. Sep 2017, 16:11

Sternchen hat geschrieben:(11 Sep 2017, 23:35)

Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?


Jenes rechte Gedankengut, welches einzelne Volksgruppen oder nicht politisch basierte Minderheiten zu Sündenböcken für irgendwelche Probleme machen will, ohne Rücksicht auf individuelle Lebensentwürfe, ist in der Tat zu verurteilen, da sich die Aufgabe der Menschlichkeit per se hier schon im Programm befindet.

Es mag mal eine Zeit gegeben haben, wo Rechts für Konservativität stand. Das ist aber seit Hitler nicht nur in Deutschland nicht mehr so. Da, wo sich die bekennenden Rechten herumtreiben (z.B. auch in der Alt-Right-Bewegung in den USA), da ist jenes Gedankengut, welches bei uns als rechts gilt, auch grösstenteils aktiv.

Muss man davon ausgehen, dass LINKS ein immer positiv besetzter Begriff ist und RECHTS automatisch negativ betrachtet wird?


Nein, man muss eher davon ausgehen, dass für Rechte so ziemlich alles links ist, was nicht ihrer Meinung ist (deswegen sind sie ja Rechte). In Amerika ist das noch schlimmer, da gibts zwischen Hitler, Stalin und Kohl keinen Unterschied. Alles Sozialismus. Liberalismus und Kommunismus sind dort gleichwertige Schimpfwörter.

In meiner Weltsicht sind Links und Rechts politische Überzeugungen, welche ihre Positionen erstmal wertungsfrei vertreten.


Eine politische Sicht enthält aber immer auch eine Wertung. Es ist schon ein Unterschied, ob ich mir als Konservativer Sorgen um den hohen Ausländeranteil und den damit verbundenen Problemen mache, was per se noch menschlich ist, oder ob ich jede nur denkbare Politik gegen Ausländer befürworte, unabhängig von Grad der dabei noch waltenden Menschlichkeit. Deswegen erübrigt sich für viele auch jegliche Diskussionen mit bekennenden Rechten, da diese ohne Not jene menschliche Prinzipien ablehnen, zu denen alle anderen, nicht nur Linke, unumwunden stehen, für die sie sogar ins Gefängnis gehen, vielleicht sogar sterben, wenns sein muss.

Mag sein, dass nicht jeder, dem man Rechtssein vorwirft, auch wirklich rechts ist. Manche Gedanken muss man auch zulassen, selbst wenn sie wehtun, solange nur das menschliche Prinzip gewahrt wird. Deswegen ist der Anteil jener, die zwar rechtes Gedankengut äussern, aber gleichzeitig nicht, niemals nie und nimmer rechts sein wollen, auch so gross. Rechts ist verpönt. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Senexx » Di 12. Sep 2017, 16:16

unity in diversity hat geschrieben:(12 Sep 2017, 06:19)

Linke haben Klassenfeinde und Rechte haben Rassenfeinde.

Sicher ist, dass Linke Feinde der Meinungsfreiheit sind.
Trollprovokationen prallen an mir ab. Nicht immer, aber immer öfter.

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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Ein Terraner » Di 12. Sep 2017, 16:22

Senexx hat geschrieben:(12 Sep 2017, 17:16)

Sicher ist, dass Linke Feinde der Meinungsfreiheit sind.


Sicher ist, dass Rechte von Meinungsfreiheit reden und doch nur Hetze und Rassismus meinen.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Woppadaq » Di 12. Sep 2017, 16:28

Senexx hat geschrieben:(12 Sep 2017, 17:16)

Sicher ist, dass Linke Feinde der Meinungsfreiheit sind.


Sagt jemand, der stolz seine Ignoliste postet.
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon jorikke » Di 12. Sep 2017, 17:16

Uffhausen hat geschrieben:(12 Sep 2017, 15:27)

Meine Meinung: Aktuell, bzw. seit Spätsommer 2015, verkommen rechts wie linkes Gedankengut zur absoluten Lächerlichkeit. Persönlich finde ich sie beide wichtig und ernst zunehmen, aber anhand meiner Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren, weiß ich nicht mehr so recht, was ich davon jeweils halten soll.

Wenn du z. B. nicht zu 100% die Meinung eines AfD-Symphatisanen teilst, bist du automatisch ein "Links-grüner Traumtänzer" - andersherum schwingen überzeugte Linke gleich die Nazi-Keule, wenn du ihr Gedankengut nicht 1:1 übernimmst. Eigene, freie Meinung, die sich bspw. an beiden Lagern bedient, ist nicht erwünscht und wird gnadenlos unterdrückt. Nachplappern, Schubladendenken und Hirnausschalten, das ist es was noch zählt - wie gesagt, meine Meinung aufgrund entsprechender Erfahrungen mit beiden Seiten.

Konkretes Beispiel Nr. 1: Als in unsere Stadt die ersten Flüchtklinge Einzug hielten, forderten Flüchtlingsbefürworter, dass u. a. die Geschäfte bitteschön ihr jeweiliges Sortiment auf arabisch, bzw. wenn schon auf englisch außen ankündigen, um den Flüchtlingen Orientierung zu ermöglichen - für die örtliche AfD ein Skandal höchsten Ausmaßes. Tatsächlich umwarb unsere AfD aber die russlandstämmigen Einwohner unserer Stadt bei der letztjährigen Landtagswahl mit Flyern, Plakaten und Wahlprogrammen in kyrillischer Schrift - und tut es jetzt im Zuge der Bundestagswahl wieder! Faktisch machen beide Lagen ein- und dasselbe, verachten sich aber deswegen zutiefst. Logisch ist das nicht, sondern nur lächerlich!

Konkretes Beispiel Nr. 2: Als in unserer Stadt Anfang 2016 konkrete Planungen für eine weitere Flüchtlingsunterkunft öffentlich wurden, machte die AfD dagegen mobil mit einer Unterschriftenaktion. Mehrere Tausend Bürger sprachen sich gegen eine weitere Flüchtlingsunterkunft aus (sie kam dann aber trotzdem). Ein, zwei Wochen später drohte einem Kindergarten die baldige Schließung aufgrund ausgebliebener Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen. Auch hier wurde eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Einrichtung gestartet. Es kamen jedoch vergleichsweise nur einige Hundert Unterschriften zusammen (saniert wurde dann aber trotzdem) - so: Betreffend des Erhalts des Kindergartens haben sich LINKE wie RECHTE aber nicht eingebracht, obgleich eben dies doch in deren beiderseitigen, politischen Interesse liegt! Was ist davon noch zu halten? Ich kann sowas einfach nicht mehr ernst nehmen...


Wenn du das alles nicht mehr ernst nehmen kannst, gratuliere, es ist ein Schritt zum unabhängigen Denken.
Such dir von den jeweiligen Richtungen die Essentials raus und lass das politische Marktgeschrei vorbei rauschen.
Zuletzt geändert von jorikke am Di 12. Sep 2017, 17:17, insgesamt 1-mal geändert.
Charles
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Re: Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

Beitragvon Charles » Di 12. Sep 2017, 17:17

Woppadaq hat geschrieben:(12 Sep 2017, 17:11)
Eine politische Sicht enthält aber immer auch eine Wertung. Es ist schon ein Unterschied, ob ich mir als Konservativer Sorgen um den hohen Ausländeranteil und den damit verbundenen Problemen mache, was per se noch menschlich ist, oder ob ich jede nur denkbare Politik gegen Ausländer befürworte, unabhängig von Grad der dabei noch waltenden Menschlichkeit.


Was ist mit denen, die zum Beispiel für ein Zuwanderungsgesetz sind, wo in begrenzter Anzahl nur Menschen nach Deutschland einwandern dürfen, die für uns auch nützlich sind. Also nur Leute mit sehr guter Bildung und Ausbildung, die auf unserem Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden, die für ihren Lebensunterhalt auf jeden Fall selbst sorgen können und auf keinen Fall Sozialleistungen brauchen werden, die am besten sogar ein gewisses Vermögen haben um bei uns zu investieren, die keine Vorstrafen und keine Schulden haben, die eine hohe Integrationsfähigkeit und Integrationswilligkeit nachweisen, vielleicht schon Sprachkurse in der Heimat gemacht haben oder sich mit der deutschen Kultur beschäftigt haben.

So machen das ja alle erfolgreiche Einwanderungsländer der Welt wie Kanada oder die USA. Die wollen Einwanderung, aber halt nur die besten, die man gut gebrauchen kann und die für diese Länder in keiner Weise eine Belastung darstellen.

Ich habe aber den Eindruck, in Deutschland gilt das schon als "rechts" wenn nicht sogar rechtsradikal oder rechtsextrem.

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