Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Woppadaq
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Mo 18. Sep 2017, 21:49

Dark Angel hat geschrieben:(18 Sep 2017, 22:33)
Menschen als Angehörige einer bestimmten Kultur zu sehen und zu begreifen, hat absolut nichts mit mangelnder Achtung vor diesem Menschen zu tun ...


Wenn es zu Vorurteilen und damit verbundener Vor-Stigmatisierung führt, schon.
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Selina
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Mo 18. Sep 2017, 22:06

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Sep 2017, 19:51)

Der letzte Teil ist faschistische Ideologie. Ohne wenn und aber. Ich bin mir der Schwere dieses Vorwrufs durchaus bewusst. Und ebenso bereit, diesen Vorwurf sachlich und unpersönlich zu begründen.

Es fängt damit an und ist auch bereits ganz wesentlich, dass Menschen ganz grundsätzlich Individuen sind, und einer "Kulturprägung" nicht einfach wehrlos ausgesetzt sind, Sie sind primär als einzelnne Individuen anzusehen und nicht primär als Vertreter und Angehörige irgendeiner "Kultur". Es ist genau dieser Fehlschluss der primären kulturellen Geprägtheit gegenüber der Achtung des Menschen als Einzel-Idividuum, der den Kern faschistischer Ideologien ausmacht. Ohne Wenn und Aber.


Richtig. Gut, dass das hier mal jemand ausspricht. Schon alleine das Wort "kulturfremd" erinnert mich an die Sprache des dritten Reiches.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Billie Holiday » Di 19. Sep 2017, 05:42

Selina hat geschrieben:(18 Sep 2017, 23:06)

Richtig. Gut, dass das hier mal jemand ausspricht. Schon alleine das Wort "kulturfremd" erinnert mich an die Sprache des dritten Reiches.


Es gibt keine fremden Kulturen? Alle gleich, ohne Unterschiede?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 19. Sep 2017, 06:50

Billie Holiday hat geschrieben:(19 Sep 2017, 06:42)

Es gibt keine fremden Kulturen? Alle gleich, ohne Unterschiede?


Natürlich gibt es fremde Kulturen. Und sie sind auch von Menschen gemacht. Nur, umgekehrt nicht: Menschen werden nicht von Kulturen "gemacht". Menschen sind Menschen als Individuen und nicht als "Kulturzugehörige". Schon mehrfach zitiert aber immer noch vollkommen richtig und sehr genau:
John Solomos und Les Back vertreten beispielsweise die Auffassung, dass Rasse heute „als Kultur kodiert“ werde und dass „das zentrale Merkmal dieser Prozesse darin besteht, dass die Eigenschaften von sozialen Gruppen fixiert, naturalisiert und in einen pseudobiologisch definierten Kulturalismus eingebettet werden.

Kurz: Kulturalismus ist das heutige funktionale Äquivalent zu Rassismus.
Nur zur Erklärung: John Solomos ist Head of Department für Soziologie an der University of Warwick (Rang 5 national in UK). Les Back desgleichen an der Goldsmith Uni London.

Es ist absolut verständlich, dass der inflationäre Gebrauch von Faschismus/faschistisch nerven kann. Aber genau das, die primäre Sicht auf Menschen als Kultur-Zugehörige und nicht als Individuen ist Faschismus. Schon etymologisch. Fachismus= (in etwa) Reduktion des Menschen auf eine Art Bündigkeit. Und zwar im (vermeintlich) "negativen" wie im (vermeintlich) "positiven" Sinne. Menschen seien nicht Menschen sondern zuerst und vor allem "Angehörige einer Kultur". Es ist klar und logisch, im nächsten Schritt von "überlegenen" und "unterlegenen" Kulturen zu sprechen. Oder dies aus Verlegenheit "antagonistisch" zu nennen.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 19. Sep 2017, 06:52

Billie Holiday hat geschrieben:(19 Sep 2017, 06:42)

Es gibt keine fremden Kulturen? Alle gleich, ohne Unterschiede?

"Fremde Kulturen" und "Kulturfremd" sind nicht das Gleiche. Es hat sicher seinen Grund, warum der Ausdruck "Kulturfremd" im offiziellen Sprachgebrauch nicht zu finden ist. Es gibt keine offizielle Definition.
Als kulturfremd würde ich Menschen bezeichnen, die weder Anstand und Moral besitzen. Z.B. Leute, die ankommende Fluechtlingsbusse oder Staatsoberhaeupter bepoebeln und ihnen ihren Hass entgegen schleudern. Oder auch Islamisten, die in Moscheen Hass gegen Ungläubige predigen.
Wie kann es sein, dass Europa seine Werte verteidigt, in dem es andere Menschen von seinen Werten ausschließt?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Keoma » Di 19. Sep 2017, 06:58

Aha.
Wenn ich jemanden einem Kulturkreis zuordne, ist das faschistisch.
Wie blöd ist denn das?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 19. Sep 2017, 07:01

Dark Angel hat geschrieben:(18 Sep 2017, 22:46)

Dann sind deiner Meinung nach Menschen, die sich für Pflegeberufe entscheiden keine normalen Menschen?
Welche Verantwortung tragen die Pflegekräfte denn, dass sie angeblich unterbezahlt sind?
Eine Krankenschwester darf keinen "simplen" Zugang legen, darf keine Blutentnahme vornehmen, das darf nur ein Arzt.
Wo hat denn die Krankenschwester oder die Altenpflegerin mehr Verantwortung als der Arzt? Erklär mal!


Zugegeben: Die Formulierung, für normale Menschen sei der Pflegeberuf (in bestimmten Heimen) nicht aushaltbar, ist übertrieben und entspringt einfach eigenen sehr bedrückenden Erfahrungen. Richtig wäre: Die Tätigkeit des Pflegepersonals in bestimmten Heimen ist insofern "nicht normal" als dass sie von der Schwere und Verantwortung weit über der alltäglichen Norm liegt.

Der Zufall wollte es, dass es just gestern abend in den "tagesthemen" einen Kommentar mit genau dieser Feststellung und genau dieser Forderung nach einer gerechten Entlohnung der Pflegekräfte gab.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 19. Sep 2017, 07:02

Dark Angel hat geschrieben:(18 Sep 2017, 22:37)

Wo haben Arbeitsstundennachweis und der Arbeitstag einer Pflegekraft denn ein Argument für angebliche Unterbezahlung.
Kriterien für die jeweilige Entlohnung sind u.a. Qualifikation und zu übernehmende Verantwortung.

Ich würde mal behaupten, jede Krankenschwester, die den Medikamentenwagen durch die Gegend schiebt und dafür sorgt, dass 40 Patienten ihre richtige Medizin in der richtigen Dosierung erhalten, die 15 schwergewichtige Patienten umbettet und dafür sorgt, dass sie sich nicht wund liegen, die seit 4 Wochenenden hintereinander Schicht schiebt, die in der 3. Doppelschicht in Folge arbeitet, deren Arbeitstag minutiös getaktet ist und die trotzdem noch Zeit für ein freundliches Wort findet, zeigt an einem Arbeitstag mehr Verantwortung, Qualifikation und Einsatz als du in deinem ganzen Berufsleben.
Eine Pflegekraft in Sachsen bekommt übrigens einen durchschnittlichen Lohn von 1700,00 Euro brutto im Monat. Das sind ca. 1100 Euro netto.
Traurig, diese mangelnde Wertschätzung Menschen gegenüber, die sich körperlich und psychisch kaputt schuften, um anderen zu helfen.
Wie kann es sein, dass Europa seine Werte verteidigt, in dem es andere Menschen von seinen Werten ausschließt?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 19. Sep 2017, 07:08

Keoma hat geschrieben:(19 Sep 2017, 07:58)

Aha.
Wenn ich jemanden einem Kulturkreis zuordne, ist das faschistisch.
Wie blöd ist denn das?

Es geht darum, diese Zuordnung als primär und noch vor der Sicht auf den Menschen als Individuum anzusehen.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Ger9374 » Di 19. Sep 2017, 07:09

Dark Angel hat geschrieben:(18 Sep 2017, 22:33)

Ach ist er das?
Kultur in der sich Säkularisierung und Demokratie durchgesetzt haben, in der "weltliches Recht" Vorrang vor religiös begründetem Recht Vorrang hat vs. Kultur die Säkularisierung ablehnt und in der religiöses Recht (Scharia) Vorrang vor weltlichem Recht hat, stellt deiner Meinung nach keinen Antagonismus dar, ist "faschistische Ideologie"?
Werte des Humanismus, Gleichberechtigung der Frau, freie Entfaltung der Persönlichkeit vs. Unterordnung der Frau, Negierung humanistischer Werte stellen deiner Meinung nach keinen Antagonismus dar, sind "faschistische Ideologie"?
Diese Antagonismen zu benennen, ist "faschistische Ideologie"?
Es gibt also keine Unterschiede zwischen europäischer (christlich-humanistisch geprägter) Kultur und islamisch geprägter Kultur, die sich antagonistisch gegenüber stehen?
Merkst du überhaupt noch irgendwas?
Nein du kannst GAR NICHTS sachlich begründen!


Selbst wenn du deinen Schwachsinn mit dem Individuum, das sich gesellschaftlicher bzw kultureller Prägung entziehen könnte, noch tausendmal wiederholst, bleibt das Schwachsinn und wird nicht wahrer!
Kulturelle Prägung als solche zu erkennen und zu benennen ist eben kein Fehlschluss, sondern Realität.
Individuen SIND IMMER Angehörige einer Kultur und durch diese Kultur geprägt und zwar primär, weil Menschen soziale Wesen sind und als Einzelwesen NICHT überlebensfähig! Menschen benötigen FÜR ihr Überleben eine Gemeinschaft innerhalb derer sie überleben können, derer sie sich zugehörig fühlen und mit der sie sich identifizieren. Das ist eine schlichte Tatsache, welche evolutionär begründet ist.
Das hat absolut nichts mit Ideologie - mit faschistischer schon gar nicht.
Menschen als Angehörige einer bestimmten Kultur zu sehen und zu begreifen, hat absolut nichts mit mangelnder Achtung vor diesem Menschen zu tun - aber sowas von! Ganz im Gegenteil!




Selbstverständlich wird der Mensch durch seine Umgebung mitgeprägt. Er selbst gibt auch seinen Beitrag mehr oder weniger hinzu.Sprache, Musik,Essenskultur, Religion es findet ein ständiger Austausch innerhalb dieses Kulturkreises statt. Wie dieser von aussen gesehen wird spielt kaum eine Rolle, da diejenigen wahrscheinlich abweichen von einigen dieser Faktoren.Das geht doch mit der Sprache los!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Keoma » Di 19. Sep 2017, 07:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Sep 2017, 08:08)

Es geht darum, diese Zuordnung als primär und noch vor der Sicht auf den Menschen als Individuum anzusehen.


Und wie nehme ich ein Individuum war, das ich persönlich nicht kenne?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 19. Sep 2017, 07:22

Soldmann hat geschrieben:(18 Sep 2017, 22:08)

Das ist falsch. Kern der faschistischen Ideologie sind Nation und Rasse, wobei beide Begriffe biologistisch verstanden werden. Mann ist also qua Geburt Deutscher, so wie ein "Neger" per Geburt dunkelhäutig ist.

Wenn das einzelne Individuum der ihn prägenden Kultur nicht wehrlos ausgesetzt ist, wie erklärt es sich dann, dass über 99% der im muslimischen Kulturkreis aufwachsenden Menschen selber Muslime werden? Müssten sie nicht als autonome Individuen die alte Religion ablegen und sich die aussuchen, die am Besten zu ihnen passt, spätestens wenn sie die Möglichkeit dazu haben? Dass Religion Quatsch ist, müsste ihnen als intelligenten Individuen doch klar sein, oder nicht?


Einem tatsächlich "intelligenten Individuum" sind mindestens zwei Dinge bekannt und verständlich: Erstens: Dass es selbst unter zeitgenössischen Naturwissenschaftlern und insbesondere unter als genial geltenden Physikern zahlreiche religiöse Personen gibt. Und dass vor allem zweitens Glauben oder Nichtglauben und bei Glauben die Religionssorte eine persönliche Geschichte ist und zu einer wertenden Kategorisierung (um es vorsichtig zu formulieren) nicht taugt.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dark Angel » Di 19. Sep 2017, 07:25

Woppadaq hat geschrieben:(18 Sep 2017, 22:49)

Wenn es zu Vorurteilen und damit verbundener Vor-Stigmatisierung führt, schon.

Und was, bitte, hat das Benennen von kulturellen Unterschieden (Antagonismen) mit Vorurteil gegen den einzelnen Menschen bzw mit Stigmatisierung zu tun?

Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe“ stimmen sogar 47 Prozent der Befragten zu. Jeder Zweite bejaht „stark“ oder „eher“ die Einstellung „Es gibt nur eine wahre Religion“. 36 Prozent sind darüber hinaus überzeugt, dass nur der Islam in der Lage ist, die Probleme unserer Zeit zu lösen.

Kultureller Unterschied? Vorurteil oder gar Vorstigmatisierung?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon pikant » Di 19. Sep 2017, 07:26

Keoma hat geschrieben:(19 Sep 2017, 07:58)

Aha.
Wenn ich jemanden einem Kulturkreis zuordne, ist das faschistisch.
Wie blöd ist denn das?


Wer hat denn dies geschrieben?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 19. Sep 2017, 07:31

Soldmann hat geschrieben:(18 Sep 2017, 21:43)

Aber sie könnten Nichtwähler gewesen sein, weil sie die CDU als zu links nicht wählen wollten. Unbestreitbar ist doch, dass die CDU als bisher "rechteste" Partei für die Massenmigration ist. Und das sie früher dagegen war. Hier kann also die AfD ein "einmaliges Angebot" machen, das keine andere Partei hat. Die Wählerwanderung von anderen Parteien spricht meines Erachtens nicht gegen die These. Angenommen ich bin ein "rassistischer Öko". Dann konnte ich früher Grüne oder CDU wählen und heute Grüne oder AfD.

Die AfD besetzt rechte Positionen, die von der CDU freigegeben worden sind; daraus folgt nicht, dass die AfD-Wähler alle von der CDU kommen müssen.


Kürzlich hörte ich einen Beitrag über sogenannte "abgehängte Regionen". Da wurden speziell die Städte Naumburg und Zeitz verglichen. Beide Sachsen-Anhalt, beide "Burgenland"-Kreis. Zeitz wird dort als "Geisterstadt" so gut wie ohne unter 30-jährige geschildert. Naumburg als lebendige Kulturstadt. Es gibt eine Art Teufelskreis der "Abhängung". Arbeitgeber siedeln sich nicht oder kaum dort an, wo es keine Kultur gibt. Für Kultur braucht es Arbeitgeber, um Steuergelder zu haben. Diese soziologischen Prozesse sind ein wenig komplizierter als der Nachweis der Links-Drift der CDU. Aber sie erklären wesentlich besser, warum etwa Zeitz als Wahlkreis des besonders rechten AfD-Politikers Poggenburg eine derartige Rechts-Drift aufweist. Die CDU ist dafür gar nicht nötig.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Keoma » Di 19. Sep 2017, 07:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Sep 2017, 08:22)

Einem tatsächlich "intelligenten Individuum" sind mindestens zwei Dinge bekannt und verständlich: Erstens: Dass es selbst unter zeitgenössischen Naturwissenschaftlern und insbesondere unter als genial geltenden Physikern zahlreiche religiöse Personen gibt. Und dass vor allem zweitens Glauben oder Nichtglauben und bei Glauben die Religionssorte eine persönliche Geschichte ist und zu einer wertenden Kategorisierung (um es vorsichtig zu formulieren) nicht taugt.


Immer der Schmäh mit den ach so religiösen Genies.
Doch abgesehen davon, dass diejenigen Wissenschaftler, die sich als gläubig bezeichnen, meist eine eigene Religion basteln und mit den herkömmlichen oft nichts am Hut haben, ist die Gläubigkeit auch nicht so toll:
http://www.spektrum.de/magazin/naturwis ... ika/825873
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dark Angel » Di 19. Sep 2017, 07:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Sep 2017, 07:50)

Natürlich gibt es fremde Kulturen. Und sie sind auch von Menschen gemacht. Nur, umgekehrt nicht: Menschen werden nicht von Kulturen "gemacht". Menschen sind Menschen als Individuen und nicht als "Kulturzugehörige". Schon mehrfach zitiert aber immer noch vollkommen richtig und sehr genau:

Doch Menschen werden sehr wohl "von Kultur gemacht" - durch Kultur geprägt. Dies erfolgt durch entsprechende Sozialisation in der entsprechenden Kultur, durch soziale/gesellschaftliche Interaktion. Die entscheidende Prägung, die ein Leben lang anhält, erfolgt übrigens in den ersten 6 Lebensjahren.

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Sep 2017, 07:50)
Kurz: Kulturalismus ist das heutige funktionale Äquivalent zu Rassismus.
Nur zur Erklärung: John Solomos ist Head of Department für Soziologie an der University of Warwick (Rang 5 national in UK). Les Back desgleichen an der Goldsmith Uni London.

Kriegst du das irgendwann mal auf die Reihe Kultur nicht permanent mit Kulturalismus zu verschwurbeln?

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Sep 2017, 07:50)Es ist absolut verständlich, dass der inflationäre Gebrauch von Faschismus/faschistisch nerven kann. Aber genau das, die primäre Sicht auf Menschen als Kultur-Zugehörige und nicht als Individuen ist Faschismus. Schon etymologisch. Fachismus= (in etwa) Reduktion des Menschen auf eine Art Bündigkeit. Und zwar im (vermeintlich) "negativen" wie im (vermeintlich) "positiven" Sinne. Menschen seien nicht Menschen sondern zuerst und vor allem "Angehörige einer Kultur". Es ist klar und logisch, im nächsten Schritt von "überlegenen" und "unterlegenen" Kulturen zu sprechen. Oder dies aus Verlegenheit "antagonistisch" zu nennen.

Sag mal geht's dir noch ganz knusper?
Der angebliche inflationäre Gebrauch von Faschismus/faschistisch" existiert ausschließlich in deinem Kopf, in deinen kruden, nicht machvollziehbaren Gedankengängen! :mad2:
Jeder Mensch, ist als Individuum durch die Kultur geprägt, der er sich zugehörig fühlt. Menschen sind nur in einer Gemeinschaft überhaupt überlebensfähig - als Individuum, ohne jegliches Zugehörigkeitsgefühl sind sie das nicht.
Unterschiede zwischen (einzelnen) Kulturen erkennen und benennen erfolgt in erster Linie wertneutral.
Ich habe keinerlei Wertung in positiv oder negativ vorgenommen, sondern lediglich die Unterschiede benannt - nämlich z.B. Gleichberechtigung der Frau in der europäischen Kultur vs. Unterordnung der Frau in der islamisch geprägten Kultur.
Dass dieser Unterschied besteht, kannst du nicht leugnen!
Siehe:
Islamisch-fundamentalistische Einstellungen sind unter Einwanderern aus der Türkei weit verbreitet. Der Aussage „Muslime sollten die Rückkehr zu einer Gesellschaftsordnung wie zu Zeiten des Propheten Mohammeds anstreben“, stimmen laut der Emnid-Umfrage 32 Prozent der Befragten „stark“ oder „eher“ zu. Auch wenn vorausgesetzt werden, dass vielen Befragten nähere Kenntnisse der soziokulturellen Bedingungen des siebten Jahrhunderts fehlen: Ein Drittel der türkischen Migranten hegt demnach eine Sehnsucht nach einer archaisch islamisch geprägten Gesellschaft.
Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe“ stimmen sogar 47 Prozent der Befragten zu. Jeder Zweite bejaht „stark“ oder „eher“ die Einstellung „Es gibt nur eine wahre Religion“. 36 Prozent sind darüber hinaus überzeugt, dass nur der Islam in der Lage ist, die Probleme unserer Zeit zu lösen.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Keoma » Di 19. Sep 2017, 07:53

Wie überhaupt muslimische Kulturen nach Schoko faschistisch sein müssen: In der islamischen Lebensrealität zählt das familiäre Kollektiv alles, das Individuum fast nichts.
Jeder hat ein Recht auf meine Meinung.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dark Angel » Di 19. Sep 2017, 07:59

think twice hat geschrieben:(19 Sep 2017, 08:02)

Ich würde mal behaupten, jede Krankenschwester, die den Medikamentenwagen durch die Gegend schiebt und dafür sorgt, dass 40 Patienten ihre richtige Medizin in der richtigen Dosierung erhalten, die 15 schwergewichtige Patienten umbettet und dafür sorgt, dass sie sich nicht wund liegen, die seit 4 Wochenenden hintereinander Schicht schiebt, die in der 3. Doppelschicht in Folge arbeitet, deren Arbeitstag minutiös getaktet ist und die trotzdem noch Zeit für ein freundliches Wort findet, zeigt an einem Arbeitstag mehr Verantwortung, Qualifikation und Einsatz als du in deinem ganzen Berufsleben.
Eine Pflegekraft in Sachsen bekommt übrigens einen durchschnittlichen Lohn von 1700,00 Euro brutto im Monat. Das sind ca. 1100 Euro netto.
Traurig, diese mangelnde Wertschätzung Menschen gegenüber, die sich körperlich und psychisch kaputt schuften, um anderen zu helfen.

Ich habe nicht behauptet, dass der Pflegeberuf ein leichter Beruf wäre, sondern gefragt, auf welcher Grundlage von unterbezahlt gesprochen werden kann. Es ging um die Kriterien, nach denen eine Entlohnung als "gerecht" betrachtet werden (sollen).
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 19. Sep 2017, 08:24

Dark Angel hat geschrieben:(19 Sep 2017, 08:50)
Islamisch-fundamentalistische Einstellungen sind unter Einwanderern aus der Türkei weit verbreitet. Der Aussage „Muslime sollten die Rückkehr zu einer Gesellschaftsordnung wie zu Zeiten des Propheten Mohammeds anstreben“, stimmen laut der Emnid-Umfrage 32 Prozent der Befragten „stark“ oder „eher“ zu. Auch wenn vorausgesetzt werden, dass vielen Befragten nähere Kenntnisse der soziokulturellen Bedingungen des siebten Jahrhunderts fehlen: Ein Drittel der türkischen Migranten hegt demnach eine Sehnsucht nach einer archaisch islamisch geprägten Gesellschaft.
Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe“ stimmen sogar 47 Prozent der Befragten zu. Jeder Zweite bejaht „stark“ oder „eher“ die Einstellung „Es gibt nur eine wahre Religion“. 36 Prozent sind darüber hinaus überzeugt, dass nur der Islam in der Lage ist, die Probleme unserer Zeit zu lösen.

Diese inhaltlichen Aspekte spielen für die Überzeugung, dass jeder Mensch primär und zunächst als Individuum anzusehen ist, keine Rolle! Und wenn ich das Attribut "primär" benutze, so sollte eigentlich klar werden, dass es daneben erstens selbstverständlich auch alle möglichen kulturellen, gemeinschaftlichen, religiösen Prägungen gibt. Und dass es andererseits zweitens einen grundsätzlichen "Antagonismus" nicht gibt. Und ich habe zwei weltweit anerkannte Soziologen zitiert, die diese (angeblich "krude") Auffassung stützen.

Wo kämen wir denn hin, wenn unser Verhältnis allgemein zu irgendwelchen Gruppen von Menschen von deren kulturellen Leistungen, Fähigkeiten und Einstellungen abhinge. Was glaubst Du, welche kulturellen Einstellungen die Durchschnitts-Einwohner in Papua-Neuguinea haben?
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