Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Warum driftet Deutschland nach rechts?

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schokoschendrezki
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 12. Feb 2018, 03:13

:p "Ausgewogenheit der Dystopien" .... schöne Forderung
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schelm
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schelm » Mo 12. Feb 2018, 03:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Feb 2018, 03:13)

:p "Ausgewogenheit der Dystopien" .... schöne Forderung

Klar, warum nicht, wenn man vorgeblich nur ein mögliches Szenario entwirft ? Orientieren sollte man sich dabei an der Eintrittswahrscheinlichkeit. Man hält den Rechtsruck zur Diktatur also für wahrscheinlich, aber nicht den zur Islamisierung, trotz Massenzuwanderung, Parallelgesellschaften und zahlreichen Terroranschlägen in Europa. Wieso denn das eine, das andere aber nicht ? Wieso würde letzteres verpönt sein, einen Islamophobie - Shitstorm auslösen, bei ersteren hingegen klopfen sich die aufrechten Kämpfer gegen (Bio-) Rechte auf die Schulter; so wird's kommen, wenn wir in unserem Kampf nachlassen.

Die übliche Einäugigkeit eben. Glaubhafter wäre das Machwerk, würde es zumindest das Szenario in den richtigen kausalen Kontext stellen, denn wenn diese Vision eintritt, dann nur, weil die Tabu - Dystopie kontinuierlich Realität annähme.
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schokoschendrezki
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 12. Feb 2018, 08:48

schelm hat geschrieben:(12 Feb 2018, 03:34)

Klar, warum nicht, wenn man vorgeblich nur ein mögliches Szenario entwirft ? Orientieren sollte man sich dabei an der Eintrittswahrscheinlichkeit. Man hält den Rechtsruck zur Diktatur also für wahrscheinlich, aber nicht den zur Islamisierung, trotz Massenzuwanderung, Parallelgesellschaften und zahlreichen Terroranschlägen in Europa. Wieso denn das eine, das andere aber nicht ? Wieso würde letzteres verpönt sein, einen Islamophobie - Shitstorm auslösen, bei ersteren hingegen klopfen sich die aufrechten Kämpfer gegen (Bio-) Rechte auf die Schulter; so wird's kommen, wenn wir in unserem Kampf nachlassen.

Die übliche Einäugigkeit eben. Glaubhafter wäre das Machwerk, würde es zumindest das Szenario in den richtigen kausalen Kontext stellen, denn wenn diese Vision eintritt, dann nur, weil die Tabu - Dystopie kontinuierlich Realität annähme.

Die Forderung nach einer "Ausgewogenheit der Dystopien" erinnert so für sich genommen einfach sofort an die berühmten "alternativen Fakten". Wenn jemand mit einer Dystopie einen als ungute Entwicklung wahrgenommen Trend damit verdeutlichen will, dann kann er dies nur mit dieser einen Entwicklung tun. Filmemacher sind halt Künstler und Du kannst einen Maler nicht dazu verdonnern, jetzt auch mal ein Bild in vorwiegend blau zu malen, wenn er bislang Bilder in vorwiegend grün gemalt hat.

Bei den Sendeanstalten, die das ausstrahlen, siehts schon anders aus. Nur: Der wohl bekannteste Autor der Dystopie eines islamisierten Europas, Michel Houellebeq (Sein Roman "Unterwerfung" handelt genau davon, von der Islamisierung Europas) kam und kommt im ÖR-TV des öfteren zu Wort bzw. wird besprochen. Mehr noch: Der RBB als Teil des ÖR-TVs verfilmt diesen Roman und eine Fernsehfassung kommt voraussichtlich noch im Frühjahr 2018 ins TV. Grund für die Feststellung einer angeblichen Dystopien-Unausgewogenheit besteht als nicht im Mindesten.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Mo 12. Feb 2018, 09:18

Wurde diese Filmdiskussion jetzt hierher verschoben? Keine schlechte Idee, denn es geht im Mittwochs-Film am Thementag ja um den deutlichen Rechtsruck im Land und in Europa. Ich hoffe einfach nur stark, dass es die Filmemacher gut gemacht haben, dass der Film auch künstlerisch ansehenswert ist. Ansonsten könnte die gute Absicht schnell verpuffen. Gestern hatte ich auf den User Charles im entsprechenden Thread wie folgt geantwortet:

Charles hat geschrieben:
(11 Feb 2018, 20:05)

Am Mittwoch erwartet uns der nächste volkspädagogische Propagandafilm im Staatsfunk.

Die Intention des Films ist selbst für einfache Gemüter leicht zu durchschauen.



Wieso Propagandafilm? In Sachsen schwadroniert die AfD schon längst davon, bei der nächsten Landtagswahl stärkste Kraft zu werden und somit den Ministerpräsidenten zu stellen. Nach dem BTW-Ergebnis in diesem Bundesland durchaus denkbar. Dann das nächste Bundesland... das übernächste und so weiter und so fort. Ein rechtsextremistisch geführtes Deutschland, eine Horrorvision, aber offenbar schon fest in diesen kranken Hicke-Köpfen verankert.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Polibu » Mo 12. Feb 2018, 10:13

Natürlich ist das Propaganda. Was soll das sonst sein?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Mo 12. Feb 2018, 12:14

Interessant auch dieses "Alphabet des rechten Denkens". Man muss beim Lesen allerdings beachten, dass die "Zeit" die Begriffe relativ unkommentiert so bringt, wie sie in der Neuen Rechten verwendet werden. Ich finde das sehr interessant und ziemlich relevant für die Diskussion über den Rechtsruck:

Ein Beispiel-Zitat zum Liberalismus (= nur ein Ausschnitt aus der Begriffserklärung):

Ist der Sündenfall der Moderne. Er verleugnet das mythische Wesen der Politik, nämlich den Willen zur Macht. Liberalismus ist Negation des Politischen. Er verachtet all das, was das Leben lebendig macht – Kampf und Härte, Blut und Opfer.

http://www.zeit.de/kultur/2017-03/recht ... pfbegriffe
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Europa2050 » Mo 12. Feb 2018, 12:26

Selina hat geschrieben:(12 Feb 2018, 12:14)

Interessant auch dieses "Alphabet des rechten Denkens".


Ein Beispiel-Zitat zum Liberalismus (= nur ein Ausschnitt aus der Begriffserklärung):

Ist der Sündenfall der Moderne. Er verleugnet das mythische Wesen der Politik, nämlich den Willen zur Macht. Liberalismus ist Negation des Politischen. Er verachtet all das, was das Leben lebendig macht – Kampf und Härte, Blut und Opfer.

http://www.zeit.de/kultur/2017-03/recht ... pfbegriffe


Ja, den Liberalismus will ich :D
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Mega Maddin » Mo 12. Feb 2018, 12:40

Selina hat geschrieben:(12 Feb 2018, 09:18)

Wurde diese Filmdiskussion jetzt hierher verschoben? Keine schlechte Idee, denn es geht im Mittwochs-Film am Thementag ja um den deutlichen Rechtsruck im Land und in Europa. Ich hoffe einfach nur stark, dass es die Filmemacher gut gemacht haben, dass der Film auch künstlerisch ansehenswert ist. Ansonsten könnte die gute Absicht schnell verpuffen. Gestern hatte ich auf den User Charles im entsprechenden Thread wie folgt geantwortet:

Charles hat geschrieben:
(11 Feb 2018, 20:05)

Am Mittwoch erwartet uns der nächste volkspädagogische Propagandafilm im Staatsfunk.

Die Intention des Films ist selbst für einfache Gemüter leicht zu durchschauen.



Wieso Propagandafilm? In Sachsen schwadroniert die AfD schon längst davon, bei der nächsten Landtagswahl stärkste Kraft zu werden und somit den Ministerpräsidenten zu stellen. Nach dem BTW-Ergebnis in diesem Bundesland durchaus denkbar. Dann das nächste Bundesland... das übernächste und so weiter und so fort. Ein rechtsextremistisch geführtes Deutschland, eine Horrorvision, aber offenbar schon fest in diesen kranken Hicke-Köpfen verankert.


In Österreich regieren die "Rechtsextremisten" seit Kurzem, stellen Innen- und Verteidigungsminister, denkst du nicht, dass diese Horrorvisionen arg an den Haaren herbeigezogen sind? Zum Film hab ich die Vorschau gesehen, ich werde ihn mir ansehen, kann mir aber vorstellen in welche Stoßrichtung der Film gehen wird. Heutige Rechtspopulisten mit den Nazis gleichzusetzen oder auch nur in eine Tradition zu bringen ist ahistorisch und eine groteske Verharmlosung der echten Nazis und deren Ziele.

Zum Thema, in der kurzen Frist mag Deutschland nach rechts gerückt sein, aber von sehr weit links, Deutschland ist heute in meinen Augen trotzdem sehr viel linker als noch sagen wir 1980. Die Erklärung für den jetztigen Rechtsruck ist natürlich Überfremdung und Masseneinwanderung aber auch das Erstarken des politischen Islams und des islamistischen Terrors seit 2001, das ist aber eher die Erklärung für den Rechtsruck in Ländern mit geringem Ausländeranteil wie den Visegradstaaten, da wirken eben die Entwicklungen in Belgien, Frankreich und Deutschland als Negativbeispiel.

think twice hat geschrieben:(19 Jan 2018, 19:54)

Wenn man sich auf Diskussionen einlässt, demonstriert man, dass man die Meinung des Anderen wert schätzt, auch wenn man nicht mit ihr uebereinstimmt und seinen Diskussionspartner ernst nimmt.
Es gibt aber Leute, die ich nicht wertschaetze, also diskutiere ich auch nicht mit ihnen.


Seltsame Einstellung wenn man in einem Politikforum schreibt, gerade Diskussionen mit Andersdenkenden sind doch das Interessante, mit Gleichgesinnten braucht man ja nicht zu diskutieren.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon JJazzGold » Mo 12. Feb 2018, 12:46

Europa2050 hat geschrieben:(12 Feb 2018, 12:26)

Ja, den Liberalismus will ich :D


Ich auch. :D
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Mega Maddin » Mo 12. Feb 2018, 13:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Feb 2018, 15:13)

Ob der Film künstlerisch etwas wert ist, wird sich zeigen ... Dass die reale politische Entwicklung in Europa Dystopien realistisch macht wurde mir so richtig wirklich klar, als ich voriges Jahr ganz Ungarn mit einem Anti-Soros-Plakat zugeklebt sah. Ich kenne ja das Land recht gut. Aber das hätte ich denn doch nie nie nie für möglich gehalten: Ein grinsender Jude, der Europa mit Flüchtlingen ins Chaos treibt. http://www.tagesspiegel.de/politik/kampagne-gegen-soros-in-ungarn-das-erinnert-an-europas-dunkelste-stunden/20058964.html. Da ist nichts, aber auch gar nichts zu relativieren. Es ist kein Stückchen anders als "Jud Süß" 1940. Und wenn das heute möglich und real ist ... dann ist jede Dystopie völlig richtig am Platz.


Soros wird aber nicht kritisiert weil er Jude ist, sondern weil er ein übler Spekulant ist - es wird auch keine Stimmung gegen Juden per se gemacht; sonst haben Linke keine Probleme Juden zu kritisieren wenn es um Israel geht, du hast hier den "Juden Soros" anstatt den Spekulanten und Verschwörer Soros ins Spiel gebracht. Etwas hast du verschwiegen:

Israel unterstützt Orban

Pikanterweise bekommt Orban Unterstützung von Israel – auf höchster Ebene. Zwar schloss sich zunächst Israels Botschafter in Ungarn, Yossi Amrani, der Sichtweise der jüdischen Gemeinden an und warnte, mit den Plakaten werde Hass wie Angst geschürt. Doch kurze Zeit später relativierte das von Premier Bibi Netanjahu geführte Außenministerium in Jerusalem die Äußerung ihres eigenen Diplomaten. Man verurteile generell jede Form von Antisemitismus. Das bedeute jedoch nicht, so hieß es sinngemäß in einer Stellungnahme, dass es zwingend falsch sei, Soros zu kritisieren. Dieser würde in Israel Organisationen unterstützen, die den jüdischen Staat verleumdeten und dessen Recht auf Selbstverteidigung infrage stellten.


https://www.godmode-trader.de/artikel/s ... nd,4740359

Unglaublich, dass so jemand als Philanthrop gehandelt wird.

http://www.theeuropean.de/eckhard-kuhla ... -von-soros

https://www.katholisches.info/2016/08/e ... rge-soros/
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Mo 12. Feb 2018, 13:57

Mahmoud hat geschrieben:(12 Feb 2018, 13:12)

Meine Güte, sieh doch endlich ein, daß Du und deine linken Altersgenossen langsam aussterben mit Ihren Wertvorstellungen aus den 68ern des letzten Jahrtausends...
Ihr seid überholt und Ihr werdet immer weniger. Und, frei nach einem ehemaligen Berliner Bürgermeister: Und das ist gut so! :D
Ich kann dieses altmodische und überholte linke Geschwafel nur schwer ertragen. Warum diskutiert Ihr nicht im Rentnerclub, da seid ihr unter Euch. Die Zukunft gehört Euch nicht mehr.


Das ist ja mal ne klare Ansage. Bravo! Da weiß man doch sofort, mit wem man es zu tun hat :D Fehlt nur noch son hübsches Wörtchen wie "Überfremdung", wie ich es oben drüber gerade las. Was würdest du denn am liebsten machen mit uns alten überholten Linken? Hmm? Na, komm, sag! :cool:
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Teeernte » Mo 12. Feb 2018, 14:01

Mega Maddin hat geschrieben:(12 Feb 2018, 13:34)

Soros wird aber nicht kritisiert weil er Jude ist, sondern weil er ein übler Spekulant ist - es wird auch keine Stimmung gegen Juden per se gemacht; sonst haben Linke keine Probleme Juden zu kritisieren wenn es um Israel geht, du hast hier den "Juden Soros" anstatt den Spekulanten und Verschwörer Soros ins Spiel gebracht. Etwas hast du verschwiegen:



https://www.godmode-trader.de/artikel/s ... nd,4740359

Unglaublich, dass so jemand als Philanthrop gehandelt wird.

http://www.theeuropean.de/eckhard-kuhla ... -von-soros

https://www.katholisches.info/2016/08/e ... rge-soros/


Man kann National(sozial)ismus mit Antisemitismus koppeln......man MUSS aber nicht.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Mega Maddin » Mo 12. Feb 2018, 14:15

Teeernte hat geschrieben:(12 Feb 2018, 14:01)

Man kann National(sozial)ismus mit Antisemitismus koppeln......man MUSS aber nicht.


Was hat Kritik an Soros mit Antisemitismus zu tun? Auf den Philipinnen ist er auch nicht gerne gesehen, eben wegen seiner Spekulationen und den Folgen daraus:

http://www.epochtimes.de/politik/welt/d ... 15791.html
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Europa2050 » Mo 12. Feb 2018, 21:29

Teeernte hat geschrieben:(12 Feb 2018, 14:01)

Man kann National(sozial)ismus mit Antisemitismus koppeln......man MUSS aber nicht.


Ohne jetzt der große Besserwisser sein zu wollen, aber etwas Trennschärfe liegt mir schon am Herzen:

Nationalsozialismus als historische deutsche Variante des Faschismus ist untrennbar mit Judenhass verbunden.

Faschismus im Allgemeinen definiert sich durch Führerprinzip, Kollektivierung, Militarisierung der Gesellschaft, Sendungsbewusstsein, Ausgrenzung von Andersartigem, Übersteigerten Nationalismus. Ein Judenhass ist nicht automatisch, wie z.B. Mussolini oder Franco bewiesen haben. Da würde ich einen Teil der „härtesten“ AfD-Frontleute einsortieren.

Nationalismus definiert sich durch Abgrenzung und kollektiven Egoismus einer definierten Einheit sowie „ Nullsummendenken“.
Da würde ich die Masse des AfD-Publikums einordnen.

Alle drei für ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen unbrauchbar, aber doch unterschiedlich.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Mo 12. Feb 2018, 22:32

Europa2050 hat geschrieben:(12 Feb 2018, 21:29)

Nationalsozialismus als historische deutsche Variante des Faschismus ist untrennbar mit Judenhass verbunden.


Das muss für einen neuen Nationalsozialismus aber nicht zwingend gelten. Der könnte sogar zum Judenfreund werden - wenn er sich auf Moslems als Ersatzjuden einschiesst.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Europa2050 » Mo 12. Feb 2018, 22:48

Woppadaq hat geschrieben:(12 Feb 2018, 22:32)

Das muss für einen neuen Nationalsozialismus aber nicht zwingend gelten. Der könnte sogar zum Judenfreund werden - wenn er sich auf Moslems als Ersatzjuden einschiesst.


Ist dann noch „Nationalsozialismus“ oder eine andere Spielart des Faschimus?

Ist vielleicht ein wenig haarspalterisch, aber mir ist das schon wichtig, da ja von Rechtsaußen häufiger die Erklärung kommt: „Können keine Nazis sein, weil sie Juden mögen“. Stimmt, aber andere Faschisten sind ebenfalls ekelhaft.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Mo 12. Feb 2018, 23:08

Europa2050 hat geschrieben:(12 Feb 2018, 22:48)

Ist dann noch „Nationalsozialismus“ oder eine andere Spielart des Faschimus?


Hitler sagte mal, wenn es den Juden nicht gäbe, hätte man ihn erfinden müssen. Wenn der Jude als fremdenfeindliches Schreckgespenst aber nicht mehr taugt, nimmt man halt den Moslem. Die Basis des Nationalsozialismus ist der Egoismus, nicht der Hass auf Juden, dieser wird nur benutzt, um den Egoismus zu rechtfertigen.

Die Basis des Faschismus ist hingegen der Nationalismus. Es gibt da zwar auch Fremdenfeindlichkeit, aber sie ist eher eine Nebenerscheinung eines ohnehin diktatorischen Gesellschaftssystems. Beim Nationalsozialismus ist Fremdenfeindlichkeit hingegen schon programmatisch vorgesehen - und unterläuft mit dem Arierwahn sogar den Kitt der Nation. Wenn man jetzt den Rassen- durch den Religionswahn ersetzt, wobei man sich auf die Moslems als gemeinsamen Gegner einschiesst und keine genaue Unterscheidung mehr macht zwischen Religion und Rasse - so wie man es bei Juden seinerzeit auch gemacht hat - dann wird man nicht wenige radikale moslemhassende Juden finden, die mit den neuen Nazis konform gehen - und sie damit quasi als solche entlasten. Was aber Augenwischerei ist, denn der Fremdenhass und der Egoismus ist derselbe wie damals, nur mit anderen Opferlämmern.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schelm » Di 13. Feb 2018, 00:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Feb 2018, 08:48)

Die Forderung nach einer "Ausgewogenheit der Dystopien" erinnert so für sich genommen einfach sofort an die berühmten "alternativen Fakten". Wenn jemand mit einer Dystopie einen als ungute Entwicklung wahrgenommen Trend damit verdeutlichen will, dann kann er dies nur mit dieser einen Entwicklung tun. Filmemacher sind halt Künstler und Du kannst einen Maler nicht dazu verdonnern, jetzt auch mal ein Bild in vorwiegend blau zu malen, wenn er bislang Bilder in vorwiegend grün gemalt hat.

Der Film, seine Platzierung ( Programm, Sendezeit ) soll eine Aussage treffen, ohne den Grund für die angenommene Entwicklung aufzuzeigen, davon geh ich aus. Also ist's Propaganda : Die rechte Gefahr, aus dem Nichts, bleibt wachsam ! Außerdem : Seht, wie Verfolgung aussieht und denkt an die Flüchtlinge, die zu uns kommen ! Nur geht's hier zumeist um Migration aus wirtschaftlichen Gründen, diverse sichere Länder lagen auf der Route.
Bei den Sendeanstalten, die das ausstrahlen, siehts schon anders aus. Nur: Der wohl bekannteste Autor der Dystopie eines islamisierten Europas, Michel Houellebeq (Sein Roman "Unterwerfung" handelt genau davon, von der Islamisierung Europas) kam und kommt im ÖR-TV des öfteren zu Wort bzw. wird besprochen. Mehr noch: Der RBB als Teil des ÖR-TVs verfilmt diesen Roman und eine Fernsehfassung kommt voraussichtlich noch im Frühjahr 2018 ins TV. Grund für die Feststellung einer angeblichen Dystopien-Unausgewogenheit besteht als nicht im Mindesten.

Na schön, warten wir mal ab.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Feb 2018, 10:20

Woppadaq hat geschrieben:(12 Feb 2018, 22:32)

Das muss für einen neuen Nationalsozialismus aber nicht zwingend gelten. Der könnte sogar zum Judenfreund werden - wenn er sich auf Moslems als Ersatzjuden einschiesst.


Im Falle eines Politikers wie Geert Wilders, der ganz ausdrücklich und nachdrücklich sehr enge Beziehungen zu Israel pflegt und wo diese auch biographisch authentisch sind, spricht man ja von "rechtspopulistisch". Zusammen mit einer indonesischen Mutter und einer ungarischen Ehefrau kann Wilders wohl kaum "Nationalist" oder "Nationalsozialist" sein. "Ethnopluralismus" als wichtigste Ideologie der Gruppen, die man heute "Neue Rechte" nennt, verzichtet auf die Abwertung fremder Nationen. Speziell ein Politiker wie Wilders verlegt sich dafür auf die Abwertung fremder Religionen (wobei man dazu bedenken sollte, dass Wilders als Atheist und ehemaliger Katholik ohnehin ein gestörtes Verhältnis zu Religionen haben dürfte). Ethnopluralismus bedeutet, dass Brüssel nur dann lebenswert ist, wenn man "vor einem dampfenden Topf Muscheln mit Fritten" sitzt (Originalzitat Wilders). Und dass das in Nairobi oder Jakarta mit entsprechendem Austausch der Spezialitäten eben genau so sei.

Der "Populismus" besteht darin, dass solche Parolen Ersatzargumente für die tatsächlichen, sehr komplexen und schwierigen Probleme der Gegenwart sind. Finanzialisierung, Globalisierung, Verflechtung, Klima, Energie, Bevölkerungsentwicklung .... all das lässt sich mit einem "Topf Fritten" oder dem Streit um den Namen "Mazedonien" wohl kaum lösen.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Mega Maddin » Di 13. Feb 2018, 10:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Feb 2018, 10:20)

Im Falle eines Politikers wie Geert Wilders, der ganz ausdrücklich und nachdrücklich sehr enge Beziehungen zu Israel pflegt und wo diese auch biographisch authentisch sind, spricht man ja von "rechtspopulistisch". Zusammen mit einer indonesischen Mutter und einer ungarischen Ehefrau kann Wilders wohl kaum "Nationalist" oder "Nationalsozialist" sein. "Ethnopluralismus" als wichtigste Ideologie der Gruppen, die man heute "Neue Rechte" nennt, verzichtet auf die Abwertung fremder Nationen. Speziell ein Politiker wie Wilders verlegt sich dafür auf die Abwertung fremder Religionen (wobei man dazu bedenken sollte, dass Wilders als Atheist und ehemaliger Katholik ohnehin ein gestörtes Verhältnis zu Religionen haben dürfte). Ethnopluralismus bedeutet, dass Brüssel nur dann lebenswert ist, wenn man "vor einem dampfenden Topf Muscheln mit Fritten" sitzt (Originalzitat Wilders). Und dass das in Nairobi oder Jakarta mit entsprechendem Austausch der Spezialitäten eben genau so sei.

Der "Populismus" besteht darin, dass solche Parolen Ersatzargumente für die tatsächlichen, sehr komplexen und schwierigen Probleme der Gegenwart sind. Finanzialisierung, Globalisierung, Verflechtung, Klima, Energie, Bevölkerungsentwicklung .... all das lässt sich mit einem "Topf Fritten" oder dem Streit um den Namen "Mazedonien" wohl kaum lösen.


In den meisten Fällen geht es doch um Anti-Islamismus, mit echtem Nationalismus oder gar Nationalsozialismus hat das nicht im Geringsten zu tun, wäre Orban z.B. ein klassischer Nationalist wollte er die Slowakei z.B. wieder in Ungarn eingliedern. Die moderne Rechte ist anti-islamistisch und isolationistisch, während der historische Faschismus imperialistisch war, heute sind tendenziell die Linken/Progressiven imperialistisch, teilweise ohne sich selbst darüber im Klaren zu sein.

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