Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Woppadaq
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Sa 6. Jan 2018, 08:37

Uffzach hat geschrieben:(05 Jan 2018, 23:37)

Unsinn. Wenn alle gleichermaßen beherrscht werden, dann richtet sich das gegen den irrationalen Egoismus, der bloß Chaos und Unfrieden stiftet. :cool:


Und was hat das mit mir zu tun? Ich muss die Leute nicht immer beherrschen, ausser wenn sie moralisch fragwürdig handeln.
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Ammianus
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Ammianus » Sa 6. Jan 2018, 11:13

Nur zur Anmerkung:

Der Stadtteil Prenzlauer Berg im Osten Berlins war vor der Wende eine Art Szeneviertel. Hier fanden sich immer mehr Leute zusammen, die in der vor sich hin gammelnden Altbausubstanz eine Nische im SED-Staat suchten um dort ihr Leben zu leben. Jetzt ist so gut wie alles saniert und es gab seit fast drei Jahrzehnten einen massiven Zuzug meist jüngerer Angehöriger der mehr oder weniger gehobenen Mittelschicht. Dazu zieht es natürlich auch immer wieder jede Menge Touristen in den angeblichen "Szenebezirk" der schon lange keiner mehr ist.

Wenn es auch einiges zu kritisieren und nachzubessern gibt - Heimkinder z.B., so erfolgte die Entschädigung von Opfern der Diktatur doch ziemlich gut. Für Leute die Haftstrafen aus politischen Gründen verbüßten gab es eine Haftentschädigung. Seit 2007 gibt es für ehemalige Häftlinge mit einer Strafe von mehr als 6 Monaten die zur Zeit 300 Euro betragende Opferrente. War die Verfolgungszeit länger als 3 Jahre, bekommt man vom Sozialamt noch einmal eine Ausgleichsleistung von 214 Euro. Gerade Letzteres wissen allerdings viele Betroffene nicht und verlieren so mit der Zeit enorme Beträge die auch nicht rückwirkend geltend gemacht werden können. Sowohl Opferrente wie auch Ausgleichszahlung sind allerdings an eine gewisse Bedürftigkeit gebunden. Die Grenze liegt im Moment wohl bei ca. einem Einkommen von 1200 Euro Netto.

Positiv war auch, dass Leute mit einer Verfolgungszeit von mehr als 3 Jahren und entsprechender Bedürftigkeit nach einem eventuellen Studium erhaltenes Bafög nicht zur zahlen mussten.
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Dark Angel
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dark Angel » Sa 6. Jan 2018, 18:12

Selina hat geschrieben:(05 Jan 2018, 23:15)

:D :thumbup:

Hier wird vor allem stets und ständig links mit linksextrem verwechselt. Von wegen die Partei Die Linke und auch die Grünen seien demokratiefeindlich und was stand da noch? Ach ja, die Partei Die Linke liebäugele angeblich mit einer Diktatur, sei noch kommunistisch und SED-belastet und so weiter. So habe ich es hier gerade gelesen. Das ist wirklich der größte Lacher. Die Linke, die es heute gibt, entstand aus einem Zusammenschluss aus der westlichen WASG und der östlichen PDS. Und es gibt sehr viele Belege dafür, dass es gerade die PDS war, die sich als Nachfolgerin der SED am deutlichsten und intensivsten mit der Vergangenheit auseinandergesetzt hat. Was man bei der Ost-CDU und bei den Ost-Liberalen, die es ja zu DDR-Zeiten auch gab, nicht sehen konnte. Diese Ostparteien wurden alle ohne jegliche Vergangenheits-Aufarbeitung von den jeweiligen Westparteien übernommen bzw geschluckt. Die haben aber diesen Sozialismus in der DDR genauso mitgemacht wie die SED. Daher der Begriff "Blockparteien", scherzhaft "Blockflöten" genannt. Und im Übrigen: Mit Kommunismus hatte das, was es in der DDR gab, nichts zu tun. Überhaupt nichts. Das war höchstens eine Art verkappter Sozialismus im Frühstadium. Und noch was: Unter den 2,3 Millionen SED-Mitgliedern waren so gut wie keine waschechten Kommunisten. Das waren zu 90 Prozent Sozialisten, wenn überhaupt. Sie hatten und haben (der Rest, der noch übrig ist) mehr mit der heutigen SPD gemein, als mancher wahrhaben will.

Die Gesellschaftsform Sozialismus/Kommunismus ist per definitionem eine Diktatur (vergl. MEW Bd.4 und "Kommunistisches Manifest"). Eine Partei, die die Errichtung einer solchen Gesellschaftsform anstrebt, IST antidemokratisch/demokratiefeindlich, eben weil sie die Errichtung einer Diktatur anstrebt.
Die "Linke die es heute gibt" ist immer noch der gleichen Ideologie verhaftet bzw vertritt immer noch die gleiche Ideologie, die die KPD und in deren Nachfolge die SED/PDS und DKP vertraten - nämlich die Ideologie des Marxismus. Daran ändert auch nichts, dass diese Ideologie durch "Wegnahme" des Leninismus leicht modifiziert wurde.
Die PDS hat gar nichts aufgearbeitet, wurde sich mit gar nichts auseinander gesetzt - nix als Lippenbekenntnisse und "schöne Worte". Ein bisschen von der SED-Führungselite distanzieren, ein paar neue Gesichter im Vordergrund und das war's.
Die DDR war kein demokratischer Staat, sondern eine Diktatur und daraus wurde nichtmal ein Hehl gemacht.
Im Gegenteil "man" sprach oft und gern von der "Diktatur des Proletariats".

Und woher willst DU denn wissen wer oder was die Mehrheit der SED-Mitglieder waren? Hast du etwa jeden einzelnen befragt oder waren dir Dossiers dieser SED-Mitglieder zugänglich, dass du eine derartige Behauptung aufstellen kannst?

Und NEIN - die Opfer der SED-Diktatur wurden nicht von der Nachfolgepartei PDS (und von die LINKE schon gar nicht) entschädigt, sondern vom deutschen Staat.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Sa 6. Jan 2018, 19:02

Ich hab schon lange nicht so viel Unfug über die DDR und die SED gelesen. Aber da ich das hier schon dutzende Male erläutert und erklärt habe, mag ich das nicht noch einmal tun. Steht alles drin in meinem Post, was ich dazu zu sagen habe. Und ich kenne selbst Verfolgte des SED-Regimes aus allernächster Nähe. Und was die Struktur, die Motivationen und das Innenleben der SED anbelangt, dazu gab und gibt es Publikationen. Und selbstverständlich Zeitzeugen. Ich mag hier aber nicht mehr darüber reden, weil es keinen Sinn hat, gegen so eine Mauer aus Schwarz-Weiß-Klischees anzurennen. Und nein, ich sags nochmal: Ich war kein Freund dieses Staates, kein "Kader", kein Privilegierter, nix, im Gegenteil, ich war selbst von Unrecht betroffen. Trotzdem: Es war sehr viel differenzierter, als das hier oft dargestellt wird. Das Problem ist nur: Solange noch solche Vorurteile und Scheuklappen bestehen und immer weiter kultiviert werden, wird man auch (außerhalb der Partei Die Linke) nie zu einer wirklich differenzierten und möglichst objektiven Aufarbeitung der Geschichte der DDR und der SED kommen. Aber das ist sicher gar nicht erwünscht, das zu tun. Es gibt kein Interesse daran.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 6. Jan 2018, 22:36

Selina hat geschrieben:(05 Jan 2018, 23:15)
:D :thumbup:
(...)
Und noch was: Unter den 2,3 Millionen SED-Mitgliedern waren so gut wie keine waschechten Kommunisten. Das waren zu 90 Prozent Sozialisten, wenn überhaupt. Sie hatten und haben (der Rest, der noch übrig ist) mehr mit der heutigen SPD gemein, als mancher wahrhaben will.
Die MLPD hält der Partei "Linke" vor, Putins Imperialismus zu unterstützen. Das sind dann vermutlich die richtigen Kommunisten.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dark Angel » Sa 6. Jan 2018, 23:19

Selina hat geschrieben:(06 Jan 2018, 19:02)

Ich hab schon lange nicht so viel Unfug über die DDR und die SED gelesen. Aber da ich das hier schon dutzende Male erläutert und erklärt habe, mag ich das nicht noch einmal tun. Steht alles drin in meinem Post, was ich dazu zu sagen habe. Und ich kenne selbst Verfolgte des SED-Regimes aus allernächster Nähe. Und was die Struktur, die Motivationen und das Innenleben der SED anbelangt, dazu gab und gibt es Publikationen. Und selbstverständlich Zeitzeugen. Ich mag hier aber nicht mehr darüber reden, weil es keinen Sinn hat, gegen so eine Mauer aus Schwarz-Weiß-Klischees anzurennen. Und nein, ich sags nochmal: Ich war kein Freund dieses Staates, kein "Kader", kein Privilegierter, nix, im Gegenteil, ich war selbst von Unrecht betroffen. Trotzdem: Es war sehr viel differenzierter, als das hier oft dargestellt wird. Das Problem ist nur: Solange noch solche Vorurteile und Scheuklappen bestehen und immer weiter kultiviert werden, wird man auch (außerhalb der Partei Die Linke) nie zu einer wirklich differenzierten und möglichst objektiven Aufarbeitung der Geschichte der DDR und der SED kommen. Aber das ist sicher gar nicht erwünscht, das zu tun. Es gibt kein Interesse daran.

Selina - ich BIN ein Zeitzeuge, ich habe in diesem Staat gelebt! Wer hier Unfug von sich gibt, bist du. Du bist diejenige, die vorschnell verallgemeinert, indem du dein eigenes kleines Umfeld als repräsentativ betrachtest.
Wie ich bereits schrieb - und ich wiederhole es gerne noch einmal - die Gesellschaftsform Sozialismus/Kommunismus IST per definitionem eine Diktatur - vergl. MEW Bd.4 und "Kommunistisches Manifest".
Die DDR war KEIN demokratischer Staat, sondern eine Diktatur. Daran ändern auch deine Dementis nichts.
Und ob es dir nun gefällt oder nicht Parteien wie die LINKE vertreten immer noch die Ideolgie des Marxismus, weil diese Ideologie die Basis für ihr Gesellschaftsverständnis ist.
Die Umverteilungsphantasien gründen auf nichts anderem als als Marxismus.
Das sind keine Schwarz-Weiß-Klischees, sondern Tatsachen.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » So 7. Jan 2018, 00:40

Dark Angel hat geschrieben:(06 Jan 2018, 23:19)

Selina - ich BIN ein Zeitzeuge, ich habe in diesem Staat gelebt! Wer hier Unfug von sich gibt, bist du. Du bist diejenige, die vorschnell verallgemeinert, indem du dein eigenes kleines Umfeld als repräsentativ betrachtest.
Wie ich bereits schrieb - und ich wiederhole es gerne noch einmal - die Gesellschaftsform Sozialismus/Kommunismus IST per definitionem eine Diktatur - vergl. MEW Bd.4 und "Kommunistisches Manifest".
Die DDR war KEIN demokratischer Staat, sondern eine Diktatur. Daran ändern auch deine Dementis nichts.
Und ob es dir nun gefällt oder nicht Parteien wie die LINKE vertreten immer noch die Ideolgie des Marxismus, weil diese Ideologie die Basis für ihr Gesellschaftsverständnis ist.
Die Umverteilungsphantasien gründen auf nichts anderem als als Marxismus.
Das sind keine Schwarz-Weiß-Klischees, sondern Tatsachen.


Irrtum. Die Partei Die Linke befasst sich wie alle linken und sozialistischen Parteien der Welt natürlich zuweilen auch mit den marxschen Theorien, inwiefern sie heute noch oder wieder anwendbar sind, wo man sie aktualisieren könnte etcpp, aber irgendeine von dir fantasierte "Ideologie des Marxismus" als "Basis" für ein "Gesellschaftsverständnis" gibt es bei der Partei Die Linke nicht. Was stimmt, ist, dass sich viele Linke, darunter auch Linke in anderen Parteien (SPD und Grüne) und auch parteilose Linke wieder mehr mit den Schriften von Marx befassen. Aber sone Art Leitideologie oder "Basis" für was auch immer ist der Marxismus schon lange nicht mehr. Schau dir deren Homepage an. Da wirste sehen, dass zwar durchaus schon auch mal über Marx-Theorien diskutiert wird, was logisch ist in einer linken Partei, aber eben nicht ausschließlich und schon gar nicht in Form einer Basis-Ideologie oder dergleichen mehr. Wenn das so wäre, wäre die Partei längst weg vom Fenster. Die haben auch gerade ganz andere Sorgen als den "Marxismus".

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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » So 7. Jan 2018, 07:54

DarkLightbringer hat geschrieben:(06 Jan 2018, 22:36)

Die MLPD hält der Partei "Linke" vor, Putins Imperialismus zu unterstützen. Das sind dann vermutlich die richtigen Kommunisten.


Die Maoistisch-Leninistische Partei Deutschlands erzählt viel Mist, wenn der Tag lang ist. Sie hat es nicht mal in Berlin auch nur ansatzweise in den Landtag geschafft.

Dass die Linke gegenüber Putin weniger Distanz hat als die etablierten Parteien, das gehört zu ihrem Selbstverständnis. Sie hatte damals auch weniger Distanz zu Milosevic. Das ist aber eher eine Anwalts-Distanz, von Unterstützung würd ich da noch nicht reden.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dampflok94 » So 7. Jan 2018, 10:36

DarkLightbringer hat geschrieben:(06 Jan 2018, 22:36)

Die MLPD hält der Partei "Linke" vor, Putins Imperialismus zu unterstützen. Das sind dann vermutlich die richtigen Kommunisten.

Kommunisten/Sozialisten hatten schon immer ein großes Talent: Sich in viele kleine und kleinste Gruppen und Grüppchen aufzuteilen. Die sich nun in einem einig waren. Sie selber vertreten jeweils als einzige die wahre hehre Lehre. Und alle anderen sind Abweichler. ;)
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dampflok94 » So 7. Jan 2018, 10:37

Woppadaq hat geschrieben:(07 Jan 2018, 07:54)

Die Maoistisch-Leninistische Partei Deutschlands erzählt viel Mist, ...

Das M steht für Marx nicht für Mao. ;)
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon DarkLightbringer » So 7. Jan 2018, 10:53

Woppadaq hat geschrieben:(07 Jan 2018, 07:54)

Die Maoistisch-Leninistische Partei Deutschlands erzählt viel Mist, wenn der Tag lang ist. Sie hat es nicht mal in Berlin auch nur ansatzweise in den Landtag geschafft.

Dass die Linke gegenüber Putin weniger Distanz hat als die etablierten Parteien, das gehört zu ihrem Selbstverständnis. Sie hatte damals auch weniger Distanz zu Milosevic. Das ist aber eher eine Anwalts-Distanz, von Unterstützung würd ich da noch nicht reden.

Die Partei "Linke" behauptet zuweilen, eine Art bessere SPD zu sein, was ja nicht ganz stimmt. Sie hat das Godesberger Programm von 1959 noch nicht mal ansatzweise erreicht.

Die MLPD sagt, Putins Imperialismus würde auch Faschisten unterstützen. Eine wohlmeinende Anwaltsnähe oder -Distanz ist das nicht gerade. ;)
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon DarkLightbringer » So 7. Jan 2018, 11:02

Dampflok94 hat geschrieben:(07 Jan 2018, 10:36)

Kommunisten/Sozialisten hatten schon immer ein großes Talent: Sich in viele kleine und kleinste Gruppen und Grüppchen aufzuteilen. Die sich nun in einem einig waren. Sie selber vertreten jeweils als einzige die wahre hehre Lehre. Und alle anderen sind Abweichler. ;)

Nun, die parlamentarische Linke setzt ja noch auf Einheit, obwohl sich da schon eine Kluft zwischen dem nationalistischen Lafontaine/Wagenknecht-Flügel und den Internationalisten aufgetan hat. Die Rechtsabweichler gelten als Medienstars.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dampflok94 » So 7. Jan 2018, 11:20

DarkLightbringer hat geschrieben:(07 Jan 2018, 11:02)

Nun, die parlamentarische Linke setzt ja noch auf Einheit, obwohl sich da schon eine Kluft zwischen dem nationalistischen Lafontaine/Wagenknecht-Flügel und den Internationalisten aufgetan hat. Die Rechtsabweichler gelten als Medienstars.

Es immerhin noch eine große Partei mit knapp 60.000 Mitgliedern. Natürlich gibt es da unterschiedliche Flügel. Die Zeiten von Kaderparteien mit Einheitsmeinung sind vorbei. Deswegen gibt es ja die ganzen kleinen K-Gruppen. Schon zwei Menschen zu finden, die in allem und jedem politisch übereinstimmen ist sehr schwierig.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon DarkLightbringer » So 7. Jan 2018, 11:37

Dampflok94 hat geschrieben:(07 Jan 2018, 11:20)

Es immerhin noch eine große Partei mit knapp 60.000 Mitgliedern. Natürlich gibt es da unterschiedliche Flügel. Die Zeiten von Kaderparteien mit Einheitsmeinung sind vorbei. Deswegen gibt es ja die ganzen kleinen K-Gruppen. Schon zwei Menschen zu finden, die in allem und jedem politisch übereinstimmen ist sehr schwierig.

Die FDP hat über 60.000 Mitglieder und inhaltliche Differenzen sind mehr als überschaubar. Gut, sie hatte ja diese außerparlamentarischen Schattenjahre, das mag die robustere Aufstellung begünstigt haben. Eine One-Man-Show war besser als eine No-Man-Show, wie Lindner das so poetisch umschreibt.

Die Linke umfasst so ziemlich alles, das mag sein. Ist ja auch interessant, wie sich Fraktion und Partei vor laufender Kamera in die Parade fahren. Das bonapartistische Duo Wagenknecht und Lafontaine stehen für die Rechtsdrift - wobei Lafi sein St. Helena wohl schon gefunden hat.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dampflok94 » So 7. Jan 2018, 11:59

DarkLightbringer hat geschrieben:(07 Jan 2018, 11:37)

Die FDP hat über 60.000 Mitglieder und inhaltliche Differenzen sind mehr als überschaubar. Gut, sie hatte ja diese außerparlamentarischen Schattenjahre, das mag die robustere Aufstellung begünstigt haben. Eine One-Man-Show war besser als eine No-Man-Show, wie Lindner das so poetisch umschreibt.

Die FDP hat momentan eine Lichtgestalt. Das eine außergewöhnliche Situation. Alle haben sich ihm unterworfen für das Projekt Wiederauferstehung. Und es hat funktioniert. Aber es gibt ihn immer noch, den nationalliberalen Flügel. Und auch diese oder jene sozialliberalen Mitglieder gibt es noch. Auch in der FDP wird über Sachfragen diskutiert.
Die Linke umfasst so ziemlich alles, das mag sein. Ist ja auch interessant, wie sich Fraktion und Partei vor laufender Kamera in die Parade fahren. Das bonapartistische Duo Wagenknecht und Lafontaine stehen für die Rechtsdrift - wobei Lafi sein St. Helena wohl schon gefunden hat.

Letzteres magst Du so sehen. Ich sehe das anders.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon DarkLightbringer » So 7. Jan 2018, 12:21

Dampflok94 hat geschrieben:(07 Jan 2018, 11:59)

Die FDP hat momentan eine Lichtgestalt. Das eine außergewöhnliche Situation. Alle haben sich ihm unterworfen für das Projekt Wiederauferstehung. Und es hat funktioniert. Aber es gibt ihn immer noch, den nationalliberalen Flügel. Und auch diese oder jene sozialliberalen Mitglieder gibt es noch. Auch in der FDP wird über Sachfragen diskutiert.
Lindner ist der unangefochtene Mannschaftskapitän, gleichwohl erscheint mir eine Personalie wie etwa Katja Suding doch recht vielversprechend.

Das alte Erbe ist gewiss da, gleichzeitig gibt es klare Neuerungen. Die "Partei mit dem eingebauten Nervenkitzel" (Lindner) fährt einen eigenständigen Kurs im ungeduldigen Teil der Mitte. Als Hauptgegner werden die Grünen ausgemacht, für die Ränder seien indes die großen Volksparteien zuständig. Man möchte auch nicht mehr Mehrheitsbeschaffer sein wie früher, sondern Erneuerungsprojekte erkennbar gestalten.

Letzteres magst Du so sehen. Ich sehe das anders.
Du meinst, Lafontaine befindet sich erst auf Elba und es folgt die "Herrschaft der Hundert Tage" ? Nun, weiß ich nicht, kann sein. Die Wagenknecht gilt jedenfalls hauptsächlich als Medien-Ikone. Da kann Kipping nicht mithalten, die zwar sympathisch und nett rüber kommt, aber halt auch als harmlos.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » So 7. Jan 2018, 13:09

Wie die Rechtsdrift im Land weiter voranschreitet, sieht man auch an der Anpassung von Konservativen an das Denken und das Vokabular der Neuen Rechten. Dazu ein interessantes Gespräch mit dem Historiker Volker Weiß:

Zitat:

"Konservative Revolution" - Dobrindts neue, rechte Wortwahl

heute.de: Mal abgesehen von der "konservativen Revolution" - welche Begriffe leiht sich Dobrindt noch von der Neuen Rechten?

Weiß: Das sind vor allem Denkfiguren, die wenig mit der Realität zu tun haben. Da ist zum Beispiel die Behauptung, Deutschland sei ein linkes Land. Das stimmt nicht und ist nie der Fall gewesen. Und dafür muss Dobrindt sich lediglich anschauen, wer nach 1968 regiert hat. Dann die angebliche Schere zwischen linken Eliten und Bürgern: Formuliert von einem, dessen Partei selbst von Eliten getragen wird, ist das hochgradig albern. Und auch das Bild der linken Meinungsherrschaft seit 1968 - letztendlich zeigt Dobrindt damit, dass er keine politischen Begriffe mehr hat. Er verwechselt nämlich links und liberal. Die Folge von '68 war vor allem eine Modernisierungs- und Liberalisierungsbewegung, die schlicht und ergreifend notwendig war angesichts einer wirtschaftlichen Globalisierung, die sich damals andeutete. Die linke Revolution, zu der sie immer wieder erklärt wird, war die 68er-Bewegung aber keineswegs. Das ist Unsinn.

Dennoch arbeitet Dobrindt im ganzen Text mit dieser Legende, die in der gesamten Rechten, aber auch im bürgerlichen Konservatismus fest verankert ist. Dazu gehört auch Dobrindts bedenklicher Anti-Intellektualismus. Die Behauptung, dass der einfache Arbeiter nie von der kulturellen Liberalisierung profitiert hätte, ist zum Beispiel unvollständig. Die bürgerliche Kultur hat im Zuge von '68 sogar proletarische Elemente wie die Beat-Kultur übernommen. Dobrindt vergisst dabei, dass der einfache Arbeiter auch an politischen Maßnahmen leidet, die seine eigene Partei zu verantworten hat. Auch der Vorwurf, dass die 68er nur aus den Hörsälen gekommen wären - diese ganze Argumentation ist primitiv und populistisch. Sie stimmt im Übrigen auch nicht: Es gab 1968 beispielsweise auch eine Lehrlingsbewegung.


https://www.zdf.de/nachrichten/heute/ko ... l-100.html
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » So 7. Jan 2018, 13:37

Dampflok94 hat geschrieben:(07 Jan 2018, 10:37)

Das M steht für Marx nicht für Mao. ;)


Das ist bei der MLPD relativ egal.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dampflok94 » So 7. Jan 2018, 13:39

DarkLightbringer hat geschrieben:(07 Jan 2018, 12:21)
Du meinst, Lafontaine befindet sich erst auf Elba und es folgt die "Herrschaft der Hundert Tage" ? Nun, weiß ich nicht, kann sein. Die Wagenknecht gilt jedenfalls hauptsächlich als Medien-Ikone. Da kann Kipping nicht mithalten, die zwar sympathisch und nett rüber kommt, aber halt auch als harmlos.

Ich meine eher, daß Lafo in der Linkspartei nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Was man von der Sarah wirklich nicht behaupten kann.

Ihr Aussagen zur Flüchtlingskrise sehe ich kritisch. Ihr erster Ansatz ist völlig korrekt. Sie sieht, das ihre Partei Teile ihrer Wählerschaft an die AfD verloren hat. Und dann stellt sich natürlich die Frage, ob die eigene Partei Themen, welche eben dieser Wählerschaft wichtig sind, nicht oder falsch behandelt hat. Ob ihre Antwort auf diese Problemstellung die richtige ist, wage ich zu bezweifeln. Aber das Flüchtlingsthema ist ja nur eines von vielen. Von daher glaube ich nicht, daß sie daran scheitert. Da das thema momentan nicht die Relevanz hat, ist es erstmal zurückgestellt.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon DarkLightbringer » So 7. Jan 2018, 13:48

Dampflok94 hat geschrieben:(07 Jan 2018, 13:39)

Ich meine eher, daß Lafo in der Linkspartei nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Was man von der Sarah wirklich nicht behaupten kann.

Ihr Aussagen zur Flüchtlingskrise sehe ich kritisch. Ihr erster Ansatz ist völlig korrekt. Sie sieht, das ihre Partei Teile ihrer Wählerschaft an die AfD verloren hat. Und dann stellt sich natürlich die Frage, ob die eigene Partei Themen, welche eben dieser Wählerschaft wichtig sind, nicht oder falsch behandelt hat. Ob ihre Antwort auf diese Problemstellung die richtige ist, wage ich zu bezweifeln. Aber das Flüchtlingsthema ist ja nur eines von vielen. Von daher glaube ich nicht, daß sie daran scheitert. Da das thema momentan nicht die Relevanz hat, ist es erstmal zurückgestellt.

Wagenknecht und Kipping stehen da ziemlich konträr, wenn man so will, stehen Fraktion und Partei im Patt. Zurückstellen kann man aber im Grunde alles, da man ohnehin seit mehr als einem viertel Jahrhundert als nicht regierungsfähig gilt - im Bund. Und das hat eigentlich nur mit der fehlenden Westbindung zu tun. So gesehen lässt sich die Wagenknecht-Kipping-Situation in Ruhe abwarten, ob nun 4 Jahre lang oder 8 oder 16.
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