Warum driftet Deutschland nach rechts?

Moderator: Moderatoren Forum 2

Warum driftet Deutschland nach rechts?

Diskurs-Hypothese
19
51%
soziologische Hypothese
18
49%
 
Abstimmungen insgesamt: 37
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13507
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dark Angel » Mo 8. Jan 2018, 15:13

Dampflok94 hat geschrieben:(08 Jan 2018, 08:31)

Wenn Du das Wort Linke durch das Wort Menschen ersetzt, ist an dem Satz sogar was drin. Denn jeder Mensch, egal welche politische Haltung er hat, hat seine subjektive Auffassung von Gerechtigkeit.

Eben - eine subjektive Auffassung von Gerechtigkeit, was der eine als gerecht empfindet, empfindet ein anderer als ungerecht.
Darum geht es jedoch nicht, sondern um politische Auffassungen von Gerechtigkeit. Die wiederum finden ihren Niederschlag im Programm der jeweiligen Partei und bei Linken ist Gerechtigkeit gleichbedeutend mit Gleichheit, unabhängig von der erbrachten Leistung.

Dampflok94 hat geschrieben:(08 Jan 2018, 08:31)Das hat mit diktieren nichts zu tun. Das ist nicht undemokratisch, es ist das Wesen einer Demokratie. Jeder versucht in einer Demokratie seine Vorstellungen durchzusetzen. Das tun die Rechten, das tun die Liberalen, das tun... aber das hatten wir ja schon.

Doch das hat etwas mit diktieren zu tun, nämlich dann, wenn die Vorstellungen, die einer Minderheit sind und nur von einer Minderheit mit getragen werden. Wenn diese Vorstellungen gegen den Mehrheitswillen durchgesetzt werden sollen, dann ist das sehr wohl undemokratisch. Linke sind eine Minderheit.

Dampflok94 hat geschrieben:(08 Jan 2018, 08:31)Was für ein Griff ins Klo. Da das eben alles nicht nur Linke betrifft hieße das Menschen und Demokratie passen nicht zusammen. Was für ein Unfug.

Sorry - aber dieser Satz ist Käse! Demokratie lebt von und mit unterschiedlichen Meinungen, die Mehrheitsmeinung setzt sich allerdings durch und genau damit haben Linke ein Problem - also auch ein Problem mit (der) Demokratie.
Merkt man vor allem daran, dass Sachdiskussionen nicht möglich sind, weil diese mit dem Verweis auf rääächts abgewürgt werden, sich des ad argumentum hominem bedient und/oder schlicht tabuisiert werden.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 32523
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 8. Jan 2018, 15:16

Alexyessin hat geschrieben:(08 Jan 2018, 12:59)

Wie von der CSU?

Gilt mMn. für alle politischen Strömungen, wenn man keinen Verfall des gesellschaftlichen Umgangs miteinander erleben will, die "Eliten" haben da imho eine gewisse Vorbildfunktion.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 66914
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Streitsüchtiger Grantdackl
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Alexyessin » Mo 8. Jan 2018, 15:37

Tom Bombadil hat geschrieben:(08 Jan 2018, 15:16)

Gilt mMn. für alle politischen Strömungen, wenn man keinen Verfall des gesellschaftlichen Umgangs miteinander erleben will, die "Eliten" haben da imho eine gewisse Vorbildfunktion.


Das Problem an der Betrachtung ist, das die politische Diskussionskultur bis fast in die neunziger Jahre viel schärfer war als heute - und meistens, wenn auch nicht immer, von der CSU oder harten Jungs der CDU getragen wurde.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 32523
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 8. Jan 2018, 15:40

Alexyessin hat geschrieben:(08 Jan 2018, 15:37)

Das Problem an der Betrachtung ist, das die politische Diskussionskultur bis fast in die neunziger Jahre viel schärfer war als heute - und meistens, wenn auch nicht immer, von der CSU oder harten Jungs der CDU getragen wurde.

Es ging mir nicht um die politische Diskussionskultur.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 66914
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Streitsüchtiger Grantdackl
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Alexyessin » Mo 8. Jan 2018, 15:51

Tom Bombadil hat geschrieben:(08 Jan 2018, 15:40)

Es ging mir nicht um die politische Diskussionskultur.

Hetze und Diffmierung - die politisiche Diskussionskultur bis in die Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 32523
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 8. Jan 2018, 16:02

Es ging mir um "Verfall des gesellschaftlichen Umgangs miteinander". Sobald Hetze und Diffamierung in den täglichen Diskurs Einzug halten, wird das Zusammenleben massiv gestört, ein prominentes Beispiel wären die fremdenfeindlichen Vorfälle in Rostock-Lichtenhagen als Höhepunkt der Ausschreitungen in den Jahren 1991/92, die geistigen Brandstifter von REP und DVU bereiteten den tatsächlichen Brandstiftern den Boden.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Uffzach
Beiträge: 1177
Registriert: Mo 28. Aug 2017, 21:21

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Uffzach » Do 11. Jan 2018, 15:51

Woppadaq hat geschrieben:(06 Jan 2018, 08:37)

Und was hat das mit mir zu tun?

Du musst beherrscht werden. :cool:
Für die Freiheit des sprachlichen Ausdrucks !
Macht ist Macht über die Sprache der anderen. Fürchtet euch nicht, denn Bezeichner sind a priori bedeutungsleere Zeichenfolgen. :cool:
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Do 11. Jan 2018, 18:35

Uffzach hat geschrieben:(11 Jan 2018, 15:51)

Du musst beherrscht werden. :cool:


Nö, muss ich nicht. Ich kann auch ganz gut ohne beherrscht zu werden.
Uffzach
Beiträge: 1177
Registriert: Mo 28. Aug 2017, 21:21

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Uffzach » Do 11. Jan 2018, 18:41

Woppadaq hat geschrieben:(11 Jan 2018, 18:35)

Nö, muss ich nicht. Ich kann auch ganz gut ohne beherrscht zu werden.

Das denken sie alle. :cool:
Für die Freiheit des sprachlichen Ausdrucks !
Macht ist Macht über die Sprache der anderen. Fürchtet euch nicht, denn Bezeichner sind a priori bedeutungsleere Zeichenfolgen. :cool:
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 532
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Skeptiker » Do 11. Jan 2018, 23:27

Warum driftet Deutschland nach rechts?

Meine These: Weil Deutschland weit links steht - irgendwann bleibt nurnoch eine Richtung über.

Es hat auch mit der Definition von Links zu tun. Während früher unter Links die Solidarität mit den einfachen Menschen gemeint war, so konzentriert sich Links heute auf Minderheitenpolitik mit wirtschaftsliberalem Anstrich. Fühlt sich wohlmöglich nicht jeder Arbeiter im Niedriglohnsektor total glücklich damit, wenn er hunderttausendfach Konkurrenz aus ärmsten Regionen in Afrika bekommt. Die senken seine Lohnentwicklung und steigern sein Wohnkostenrisiko - ganz wertfrei.

Es hat vielleicht auch mit der äußerst verbissenen und ideologisch geführten Debatte zu tun, was man sagen darf und was nicht. Nur Migranten dürfen etwas zur Migrationspolitik sagen, nur Frauen sich kritisch zum Feminismus äußern. Nur wer unverdächtig ist wird gehört, alle anderen landen in der Schublade. Offene sachliche Diskussion? Nur bis man deine Schublade gefunden hat. Das hat leider etwas mit problematischer Diskussionskultur zu tun, welche die Gesellschaft in meinen Augen tief spaltet.

Es gibt auch klare Gründe aus der Parteienlandschaft - eine große Koalition führt nunmal zu einer Stärkung der Ränder. Wenn dann noch gesellschaftspolitische Themen wie die Flüchtlingskrise, gepaart mit einer desaströsen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema kommen, dann entstehen Effekte wie die AfD. Deren Existenz wird ja allgemein als Rechtsruck identifiziert, wobei die Konzentration rechter und konservativer Kräfte in einer Partei nicht unbedingt ein Rechtsruck sein muss - denn die waren vorher evtl. nur woanders.

Ich sehe es also vielschichtig begründet.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 10737
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 12. Jan 2018, 13:15

Skeptiker hat geschrieben:(11 Jan 2018, 23:27)

Warum driftet Deutschland nach rechts?

Meine These: Weil Deutschland weit links steht - irgendwann bleibt nurnoch eine Richtung über.

Es hat auch mit der Definition von Links zu tun. Während früher unter Links die Solidarität mit den einfachen Menschen gemeint war, so konzentriert sich Links heute auf Minderheitenpolitik mit wirtschaftsliberalem Anstrich. Fühlt sich wohlmöglich nicht jeder Arbeiter im Niedriglohnsektor total glücklich damit, wenn er hunderttausendfach Konkurrenz aus ärmsten Regionen in Afrika bekommt. Die senken seine Lohnentwicklung und steigern sein Wohnkostenrisiko - ganz wertfrei.

Es hat vielleicht auch mit der äußerst verbissenen und ideologisch geführten Debatte zu tun, was man sagen darf und was nicht. Nur Migranten dürfen etwas zur Migrationspolitik sagen, nur Frauen sich kritisch zum Feminismus äußern. Nur wer unverdächtig ist wird gehört, alle anderen landen in der Schublade. Offene sachliche Diskussion? Nur bis man deine Schublade gefunden hat. Das hat leider etwas mit problematischer Diskussionskultur zu tun, welche die Gesellschaft in meinen Augen tief spaltet.

Es gibt auch klare Gründe aus der Parteienlandschaft - eine große Koalition führt nunmal zu einer Stärkung der Ränder. Wenn dann noch gesellschaftspolitische Themen wie die Flüchtlingskrise, gepaart mit einer desaströsen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema kommen, dann entstehen Effekte wie die AfD. Deren Existenz wird ja allgemein als Rechtsruck identifiziert, wobei die Konzentration rechter und konservativer Kräfte in einer Partei nicht unbedingt ein Rechtsruck sein muss - denn die waren vorher evtl. nur woanders.

Ich sehe es also vielschichtig begründet.

Die Tatsache, dass die großen Parteien in Deutschland und ihre Anhänger und Wähler es mehr und mehr tendenziell vermeiden, sich selbst in ein Links-Rechts-Schema einzuordnen oder einordnen zu lassen, ist keineswegs äquivalent mit der Einnahme eine der klassischen Zuschreibung gegenüberliegenden Position. Man will in großen Teilen der CDU oder CSU sich über das klassische Rechts-Links-Schema hinwegsetzen. Das heißt noch lange nicht, dass man anstelle der rechten nun die linke Position einnimmt. Ökologie ist ein klassisches Betätigigungsfeld, auf welchem sich unter Wahrung oder sogar noch Stärkung der bisherigen klassisch-konservativen Ausrichtung neue Themenfelder erschließen lassen, die bislang eher von sich als "links" sehenden Kräften beackert wurden. Das ist keine "Linksdrift".
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 5964
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Fr 12. Jan 2018, 16:02

Skeptiker hat geschrieben:(11 Jan 2018, 23:27)

Warum driftet Deutschland nach rechts?

Meine These: Weil Deutschland weit links steht - irgendwann bleibt nurnoch eine Richtung über.

Es hat auch mit der Definition von Links zu tun. Während früher unter Links die Solidarität mit den einfachen Menschen gemeint war, so konzentriert sich Links heute auf Minderheitenpolitik mit wirtschaftsliberalem Anstrich. Fühlt sich wohlmöglich nicht jeder Arbeiter im Niedriglohnsektor total glücklich damit, wenn er hunderttausendfach Konkurrenz aus ärmsten Regionen in Afrika bekommt. Die senken seine Lohnentwicklung und steigern sein Wohnkostenrisiko - ganz wertfrei.

Es hat vielleicht auch mit der äußerst verbissenen und ideologisch geführten Debatte zu tun, was man sagen darf und was nicht. Nur Migranten dürfen etwas zur Migrationspolitik sagen, nur Frauen sich kritisch zum Feminismus äußern. Nur wer unverdächtig ist wird gehört, alle anderen landen in der Schublade. Offene sachliche Diskussion? Nur bis man deine Schublade gefunden hat. Das hat leider etwas mit problematischer Diskussionskultur zu tun, welche die Gesellschaft in meinen Augen tief spaltet.

Es gibt auch klare Gründe aus der Parteienlandschaft - eine große Koalition führt nunmal zu einer Stärkung der Ränder. Wenn dann noch gesellschaftspolitische Themen wie die Flüchtlingskrise, gepaart mit einer desaströsen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema kommen, dann entstehen Effekte wie die AfD. Deren Existenz wird ja allgemein als Rechtsruck identifiziert, wobei die Konzentration rechter und konservativer Kräfte in einer Partei nicht unbedingt ein Rechtsruck sein muss - denn die waren vorher evtl. nur woanders.

Ich sehe es also vielschichtig begründet.


Das ist ein beliebtes Argument zurzeit, man dürfe alles Mögliche nicht sagen. Kann ich so nicht bestätigen. Es kann doch jeder immerzu alles sagen. Die Liste der offen ausgesprochenen Nettigkeiten der AfD ist inzwischen sehr lang. Da passiert meistens nicht viel, falls es sich nicht gerade um klar rechtsradikale Äußerungen handelt. Aber selbst die können doch immer öfter ungestört geäußert werden.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Fr 12. Jan 2018, 17:57

Selina hat geschrieben:(12 Jan 2018, 16:02)

Das ist ein beliebtes Argument zurzeit, man dürfe alles Mögliche nicht sagen. Kann ich so nicht bestätigen. Es kann doch jeder immerzu alles sagen. Die Liste der offen ausgesprochenen Nettigkeiten der AfD ist inzwischen sehr lang. Da passiert meistens nicht viel, falls es sich nicht gerade um klar rechtsradikale Äußerungen handelt. Aber selbst die können doch immer öfter ungestört geäußert werden.


Er meinte damit, dass sachliche und kompetente Diskussionen nur noch selten geführt werden, in Diskussionen sich oft eine Schere im Kopf befindet und die Lager sich eher abschotten, anstatt aufeinander zuzugehen. Es ist ja eine Sache, was du sagst, eine andere, wie es ankommt und aufgenommen wird. Und da inzwischen sogar ich bei letzterem gewisse Defizite auf beiden Seiten sehe, kann ich schon verstehen, dass mancher meint, man sagt jetzt besser nichts, bevor man in eine Ecke gedrängt wird, in die man eigentlich nicht hinmöchte.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 5964
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Fr 12. Jan 2018, 18:06

Woppadaq hat geschrieben:(12 Jan 2018, 17:57)

Er meinte damit, dass sachliche und kompetente Diskussionen nur noch selten geführt werden, in Diskussionen sich oft eine Schere im Kopf befindet und die Lager sich eher abschotten, anstatt aufeinander zuzugehen. Es ist ja eine Sache, was du sagst, eine andere, wie es ankommt und aufgenommen wird. Und da inzwischen sogar ich bei letzterem gewisse Defizite auf beiden Seiten sehe, kann ich schon verstehen, dass mancher meint, man sagt jetzt besser nichts, bevor man in eine Ecke gedrängt wird, in die man eigentlich nicht hinmöchte.


Also hier ist mir das noch nicht aufgefallen. Hier sagen quasi alle alles. Sonst würde ein Forum ja auch nicht funktionieren. Und "draußen" im Leben fällt mir auf, dass AfD-Leute, Parteimitglieder, Wähler, Befürworter, immer und jederzeit sagen, was sie so denken, wie schlimm sie Migranten und Asylbewerber finden, wie sehr sie für schnelle und massenhafte Abschiebung sind, was sie von Gleichberechtigung und Homosexualität halten. Wenn sie dann Kritik kriegen, werden sie ganz "sensibel" und fühlen sich völlig zu Unrecht kritisiert. Ja, da sagen dann manche wirklich: Die Armen, man sollte sie schonen und nicht so hart anfassen :D Nee, aber mal im Ernst, wer ein liberaler, freier, demokratischer Mensch ist - quer durch die politische Landschaft - der sagt auch alles und der möchte auch immer, dass das Gegenüber alles sagen kann.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Fr 12. Jan 2018, 18:20

Selina hat geschrieben:(12 Jan 2018, 18:06)

Also hier ist mir das noch nicht aufgefallen. Hier sagen quasi alle alles. Sonst würde ein Forum ja auch nicht funktionieren. Und "draußen" im Leben fällt mir auf, dass AfD-Leute, Parteimitglieder, Wähler, Befürworter, immer und jederzeit sagen, was sie so denken, wie schlimm sie Migranten und Asylbewerber finden, wie sehr sie für schnelle und massenhafte Abschiebung sind, was sie von Gleichberechtigung und Homosexualität halten. Wenn sie dann Kritik kriegen, werden sie ganz "sensibel" und fühlen sich völlig zu Unrecht kritisiert. Ja, da sagen dann manche wirklich: Die Armen, man sollte sie schonen und nicht so hart anfassen :D Nee, aber mal im Ernst, wer ein liberaler, freier, demokratischer Mensch ist - quer durch die politische Landschaft - der sagt auch alles und der möchte auch immer, dass das Gegenüber alles sagen kann.


Du siehst irgendwie immer nur die AfD-Wähler und ihre lächerliche Eingeschnapptheit. Natürlich kann hier jeder sagen, was er will. Auch ich hab hier immer gesagt, was ich dachte und fühlte - und ganz plötzlich hatte ich eine Verwarnung wegen Relativierung des Holocausts inne - ohne dass ich oder andere mir erklären konnten oder wollten, was von meinem Gesagten jetzt dem Vorwurf entspricht.

Nochmal: jeder kann hier sagen, was er denkt. Aber wer ist überhaupt bereit, den anderen zu verstehen? Wir können uns die Diskussionen hier auch sparen, wenn wir sowieso in dem anderen immer nur das Arschloch sehen.
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 532
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Skeptiker » Fr 12. Jan 2018, 19:07

Selina hat geschrieben:(12 Jan 2018, 16:02)

Das ist ein beliebtes Argument zurzeit, man dürfe alles Mögliche nicht sagen. Kann ich so nicht bestätigen. Es kann doch jeder immerzu alles sagen. Die Liste der offen ausgesprochenen Nettigkeiten der AfD ist inzwischen sehr lang. Da passiert meistens nicht viel, falls es sich nicht gerade um klar rechtsradikale Äußerungen handelt. Aber selbst die können doch immer öfter ungestört geäußert werden.


Selina, ja, legal dürfen Sie in Deutschland sehr viel sagen (wurde gerade weniger, durch NetzDG - Beifang reduziert eben auch die Redefreiheit). Mir geht es aber nicht darum wofür man vor dem Kadi landet, sondern wie die Gesellschaft debattiert und auf kontroverse Meinungen reagiert.

Auch wenn da nun einige mit den Augen rollen mögen, aber da ist die Flüchtlingsdebatte leider das Paradebeispiel. Ja, es ist gut verständlich, wenn man das Retten von Flüchtlingen im Meer und deren Aufnahme in Deutschland als Akt des Humanismus versteht. Es ist aber auch verständlich, dass andere meinen es wäre ein größerer Akt des Humanismus den Leuten vor Ort zu helfen und durch strenge Grenzsicherung dabei gleichzeitig die Anzahl der Ertrinkenden zu reduzieren.
In der medialen Darstellung hat es insbesondere 2015 bis Anfang 2016 aber nur den guten Helfer und den Ausländerfeind gegeben. Das war das erste mal, dass ich mich durch eine mediale Kampagne in der Situation gesehen habe, dass ich noch nicht einmal mehr vorsichtig und sachlich meine Meinung erklären durfte, weil pauschal das Risiko bestand dafür zum verkappten Nazi erklärt zu werden.

Ist es denn ein Anzeichen gelebter Demokratie, wenn ein AfDler lt. Gerichtsurteil seinem Vermieter mitteilen muss, dass er Mitglied in der AfD ist, wodurch er in der Vergangenheit, und eben auch während der Dauer seines Mietverhältnisses, mehrfach Opfer linksextremistischer Gewalt durch Sachbeschädigungen wurde?
Es gab schon Schüsse auf Plakatkleber und Anschläge auf deren Autos und Häuser gibt es täglich. Da hilft es nicht das zu bagatellisieren, nur weil einem die politische Richtung selber nicht passt (und ja, eine Entgegnung mit brennenden Flüchtlingsheimen ist mir nun sicher, ebenso sicher wie die Tatsache, dass niemand die öffentlich fordert aber jeder sofort den Schuldigen dafür benennt).

Ja, ich habe verstanden, dass das ein beliebtes Argument ist. Wenn es so häufig genannt wird, dann sollte man sich vielleicht mach fragen warum. Dass man als Linker keine Einschränkung der Redefreiheit spürt ist ja klar. Ich sehe mich aber in der Mitte, spüre es schon, und warum darf nicht auch ein konservativer eine Meinung haben ohne dafür bedroht zu werden?
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 532
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Skeptiker » Fr 12. Jan 2018, 23:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Jan 2018, 13:15)

Die Tatsache, dass die großen Parteien in Deutschland und ihre Anhänger und Wähler es mehr und mehr tendenziell vermeiden, sich selbst in ein Links-Rechts-Schema einzuordnen oder einordnen zu lassen, ist keineswegs äquivalent mit der Einnahme eine der klassischen Zuschreibung gegenüberliegenden Position. Man will in großen Teilen der CDU oder CSU sich über das klassische Rechts-Links-Schema hinwegsetzen. Das heißt noch lange nicht, dass man anstelle der rechten nun die linke Position einnimmt. Ökologie ist ein klassisches Betätigigungsfeld, auf welchem sich unter Wahrung oder sogar noch Stärkung der bisherigen klassisch-konservativen Ausrichtung neue Themenfelder erschließen lassen, die bislang eher von sich als "links" sehenden Kräften beackert wurden. Das ist keine "Linksdrift".


Ich gebe Ihnen Recht wenn Sie schreiben, dass es eigentlich kein klassisches Rechts/Links-Schema in vielen Themenfeldern gibt.

Aus der Sicht eines Linken lebt er in einem wirtschaftsliberalen Land in dem Reiche Arme und Minderheiten unterdrücken und an jeder Ecke ein Nazi steht.
Aus der Sicht eines Rechten geht der Staat in Anarchie über, weil überall Regellosigkeit herrscht und linke Ideologen überall Deutungshoheit bekommen.

Beide haben in manchen Teilen Recht, aber die Lager legen vollkommen unterschiedliche Schwerpunkte, sodass man sauber aneinander vorbei redet.

Das tragische ist, dass beide aber auch den gleichen Fehler machen, nämlich sachliche Argumentation durch Ideologie und Schubladendenken ersetzen. Freie entspannte Diskussion findet in Deutschland fast nur noch unter Gleichgesinnten statt.

Der Titel dieses Forums "Warum driftet Deutschland nach rechts" ist dann auch eine klare Offenbarung der Haltung des Urhebers. Möglicherweise driftet Deutschland garnicht nach rechts, aber dadurch, dass die große Koalition die Menschen aus der Mitte vertreibt, entscheidet sich ein rel. kleiner Teil eben für die rechte Seite. Das, was in Europa schon Standard ist, wird in Deutschland zum Skandal hochstilisiert. Dabei klären sich da nur die Fronten. Die Merkel-CDU kann nun wirklich kein Ort mehr sein für einen wertkonservativen Menschen.
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Sa 13. Jan 2018, 00:52

Skeptiker hat geschrieben:(12 Jan 2018, 23:40)

Die Merkel-CDU kann nun wirklich kein Ort mehr sein für einen wertkonservativen Menschen.


Das ist etwas, was KEIN (!!!!) Konservativer auch nur ansatzweise einem weniger Konservativen wie mir klarmachen kann (oder will, keine Ahnung)....
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 532
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Skeptiker » Sa 13. Jan 2018, 09:13

Woppadaq hat geschrieben:(13 Jan 2018, 00:52)

Das ist etwas, was KEIN (!!!!) Konservativer auch nur ansatzweise einem weniger Konservativen wie mir klarmachen kann (oder will, keine Ahnung)....


Keiner? Wieso nicht? Weil Sie die Merkel CDU für wertkonservativ halten?

Ich nehme nun mal klassisch wertkonservative Positionen:
Rolle der Geschlechter: Wertkonservative sehen da ein mehr oder weniger religiös fundiertes arbeitsteiliges Rollenbild.Während die CSU dieses vertritt, ist es in der CDU ganz klar unter Druck.
Rechtsstaatliche Ordnung: Schauen Sie mal was in konservativen Foren los ist. Nein, Merkel gilt da ganz sicher nicht als Hüterin des Rechtsstaates.

Ohne nun alle Politikfelder durchzugehen sehen wertkonservative Menschen die sich mit Politik auseinandersetzen nur noch sehr bedingt ihre Heimat in der CDU - die meisten eher noch aus alter Verbundenheit. Wem gerade diese Positionen wichtig sind, der ist, außerhalb Bayerns, schon mental auf dem Weg in die AfD.

Das dramatische dabei ist, dass viele Menschen ein sehr heterogenes Bild von gesellschaftlichen Themen haben. Ich z.B. finde eine Bürgerversicherung den richtigen Weg, plädiere für Gesamtschulsysteme in dem jedes Kind maximal gefordert und gefördert wird und ich bin unbedingt für einen Mindestlohn, weil unter einer bestimmten Schwelle der Wert des Menschen selber angegriffen wird.
Auf der anderen Seite bin ich der Ansicht, dass ein Sozialsystem nur ich definierten nationalen Grenzen erhalten werden kann (was übrigens eine ökonomische Binsenweisheit ist). Ich halte ein arbeitsteiliges Rollenbild für effizienter als eines in der allen die gleichen Pflichen auferlegt werden - denke aber, dass die Gesellschaft einen Rahmen finden muss, dass jeder entsprechend seiner persönlichen Einstellung dazu seinen eignen Weg finden muss. Und ja, ich bin für eine nach den Interessen Deutschlands gesteuerte Migration, was auch bedeutet Grenzen zu verteidigen. In dem Zug sollte man den Menschen vor Ort stärker helfen.
Vor allem aber halte ich nichts von ideologischen Verschleierungen. Probleme gehören angesprochen, analysiert und gelöst - vollkommen ohne Ideologie. Da sehe ich uns seeeeeeeeehr weit davon entfernt.

Offensichtlich werde ich von keiner Partei vertreten. Es fällt mir jedoch stark auf, dass wenn ich die Meinungen äußere, die eher ins konservative Weltbild hineinpassen, dass dann ein Shitstorm der linken Szene über mich hereinbricht, gerade so als wenn jemand deren Religion beleidigt hätte.
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Woppadaq » Sa 13. Jan 2018, 11:45

Skeptiker hat geschrieben:(13 Jan 2018, 09:13)

Keiner? Wieso nicht? Weil Sie die Merkel CDU für wertkonservativ halten?


Weil die Begründungen, was an der CDU jetzt nicht mehr wertkonservativ sein soll, absolut dürftig sind. Offensichtlich kann das wohl nur ein Konservativer verstehen.

Ich nehme nun mal klassisch wertkonservative Positionen:
Rolle der Geschlechter: Wertkonservative sehen da ein mehr oder weniger religiös fundiertes arbeitsteiliges Rollenbild.Während die CSU dieses vertritt, ist es in der CDU ganz klar unter Druck.
Rechtsstaatliche Ordnung: Schauen Sie mal was in konservativen Foren los ist. Nein, Merkel gilt da ganz sicher nicht als Hüterin des Rechtsstaates.


Die Rolle der Geschlechter ist überall unter Druck, auch in Bayern. Die CSU kann sich dem auch nur noch begrenzt verweigern. Und was Merkel jetzt in Punkto rechtsstatliche Ordnung so grossartig unkonservativ macht - das kann mir eben kein Konservativer erklären. Da kann bisher nur nebulös ums Thema herumgeredet werden.

Wem gerade diese Positionen wichtig sind, der ist, außerhalb Bayerns, schon mental auf dem Weg in die AfD.


Wenn er die weiteren Extrempositionen der AfD deswegen mitträgt, ist er für mich auch kein Konservativer mehr.

Das dramatische dabei ist, dass viele Menschen ein sehr heterogenes Bild von gesellschaftlichen Themen haben. Ich z.B. finde eine Bürgerversicherung den richtigen Weg, plädiere für Gesamtschulsysteme in dem jedes Kind maximal gefordert und gefördert wird und ich bin unbedingt für einen Mindestlohn, weil unter einer bestimmten Schwelle der Wert des Menschen selber angegriffen wird.
Auf der anderen Seite bin ich der Ansicht, dass ein Sozialsystem nur ich definierten nationalen Grenzen erhalten werden kann (was übrigens eine ökonomische Binsenweisheit ist). Ich halte ein arbeitsteiliges Rollenbild für effizienter als eines in der allen die gleichen Pflichen auferlegt werden - denke aber, dass die Gesellschaft einen Rahmen finden muss, dass jeder entsprechend seiner persönlichen Einstellung dazu seinen eignen Weg finden muss. Und ja, ich bin für eine nach den Interessen Deutschlands gesteuerte Migration, was auch bedeutet Grenzen zu verteidigen. In dem Zug sollte man den Menschen vor Ort stärker helfen.


Bitte etwas genauer ausführen, inwiefern die CDU dafür nicht mehr steht.

Vor allem aber halte ich nichts von ideologischen Verschleierungen. Probleme gehören angesprochen, analysiert und gelöst - vollkommen ohne Ideologie. Da sehe ich uns seeeeeeeeehr weit davon entfernt.


Die CDU war in diesem Bereich noch nie herausragend. Ich hab manchmal das Gefühl, dass gerade dies ihr Erfolgsrezept ist.

Offensichtlich werde ich von keiner Partei vertreten. Es fällt mir jedoch stark auf, dass wenn ich die Meinungen äußere, die eher ins konservative Weltbild hineinpassen, dass dann ein Shitstorm der linken Szene über mich hereinbricht, gerade so als wenn jemand deren Religion beleidigt hätte.


Es gibt kein Weltbild, das nicht früher oder später unter irgendeinem Shitstorm steht. Wie man gegen jeglichen Shitstorm sein und trotzdem die AfD wählen kann - das wird mir wohl nie ein Konservativer beibringen können.

Zurück zu „2. Innenpolitik - Verfassung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast