Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Senexx
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Senexx » Di 16. Jan 2018, 07:30

think twice hat geschrieben:(16 Jan 2018, 07:12)

In den 80ern und 90ern hätte es auch niemand für möglich gehalten, dass 70 Jahre nach dem Supergau wieder Rechtsradikale, Rassisten und Antisemiten im Deutschen Bundestag sitzen werden und zur Jagd blasen.

Gut, dass Sie auf die 70er zu sprechen kommen.

1973 gab es einen Anwebestop für Ausländer. Damals hätte sich niemand vorstellen können, dass aus gerade mal 500000 Türken 3 Millionen werden. Oder dass 2015 auf einen Schlag 1,5 Millionen vorwiegend Muslime unter dem Vorwand, humanitäre Hilfe zu leisten, ins Land geholt würden. Dass zusätzlich zweistellige Euro- nicht DM-Beträge pro Jahr dem Steuerzahler enteignet und für Immigranten verwendet würden. Gleichzeitig verrottet unsere Infrastruktur, die Basis unseres Wohlstands, und versinken große Teile der Bevölkerung in Altersarmut.

Dass der Widerstand wächst ist nur zu verständlich. Den Multiklturalisten in allen Systemparteien ist es zu verdanken, dass wir nie mehr ein innerlich relativ befriedetes und wohlhabendes Land sein werden.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 16. Jan 2018, 07:58

Senexx hat geschrieben:(16 Jan 2018, 07:30)

Gut, dass Sie auf die 70er zu sprechen kommen.

1973 gab es einen Anwebestop für Ausländer. Damals hätte sich niemand vorstellen können, dass aus gerade mal 500000 Türken 3 Millionen werden. Oder dass 2015 auf einen Schlag 1,5 Millionen vorwiegend Muslime unter dem Vorwand, humanitäre Hilfe zu leisten, ins Land geholt würden. Dass zusätzlich zweistellige Euro- nicht DM-Beträge pro Jahr dem Steuerzahler enteignet und für Immigranten verwendet würden. Gleichzeitig verrottet unsere Infrastruktur, die Basis unseres Wohlstands, und versinken große Teile der Bevölkerung in Altersarmut.

Dass der Widerstand wächst ist nur zu verständlich. Den Multiklturalisten in allen Systemparteien ist es zu verdanken, dass wir nie mehr ein innerlich relativ befriedetes und wohlhabendes Land sein werden.

Die Rechtsextremisten, Rassisten und Antisemiten im Bundestag sind kein Widerstand, sondern das Peinlichste, was Deutschland nach Ende des WK2 zu bieten hat. Die Pest in einem der wohlhabendsten Länder der Welt.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Senexx » Di 16. Jan 2018, 08:19

Sie sind das Ergebnis der bürgerfeindlichen Politik der vergangen Jahrzehnte. Sie sind nicht einfach so, gewissermaßen als Laune der Natur, entstanden.

Oder welche Erklärung haben Sie
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 16. Jan 2018, 08:28

Senexx hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:19)

Sie sind das Ergebnis der bürgerfeindlichen Politik der vergangen Jahrzehnte. Sie sind nicht einfach so, gewissermaßen als Laune der Natur, entstanden.

Oder welche Erklärung haben Sie

Sie sind das Ergebnis des Sarrazin-Hypes, der Rassismus ungehindert salonfähig machen durfte und damit seiner Fraktion Mut gemacht hat, sich auszukotzen.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Jan 2018, 08:29

Bleibtreu hat geschrieben:(16 Jan 2018, 00:23)
Einige der StammJuser im Forum wissen, dass ich rote lange Haare und gruene Augen habe. Deswegen werde ich oefter gefragt, ob ich dann in Israel nicht ein echter Hingucker waere, worauf ich jedes Mal schallend lachen muss. Denn es gibt in Israel eine Menge Frauen mit echtroten Haaren. MIR fiel das nie auf. Ich waere von selbst auch niemals auf so eine Frage gekommen, weil es fuer mich nicht ungewoehnlich ist. Ich habe auch erst durch diese Fragen gemerkt, wie viele Rothaarige es in Israel gibt. Es ist halt immer eine Frage des Blickwinkels und der Aufmersamkeit, die man einer Sache schenkt.

Also echt. Auf eine so seltsame Fragestellung wäre ich auch nicht gekommen ...

Ich habe mich an anderer Stelle dieses Forums bereits mehrfach gegen eine Pauschalverurteilung der polnischen oder ungarischen Gesellschaft gewandt. Auch wenn es da (wie auch in Österreich, Frankreich, Dänemark, Norwegen etc.) ganz klare Belege für eine deutliche Rechtsdrift eines Teils der Gesellschaft gibt. Eine typische bundesdeutsche politische Auseinandersetzung zu diesen Fragen läuft nach meiner Erfahrung so wie unlängst die mit einem befreundeten Pfarrer. "Na, Andreas, was hast Du nun zu sagen, zu den Entwicklungen in 'deinem' Ungarn". Ich darauf: "Hör mal Bruno. Ungarn ist ebensowenig 'mein' Ungarn wie Deutschland 'mein' Deutschland ist." Das Verhältnis zu den politischen Entwicklungen in einer konkreten Region wird von einem Großteil der Menschen automatisch ähnlich gesehen wie das Verhältnis eines Fußballfans zu 'seinem' Verein. Die Möglichkeit einer totalen kritischen Distanz wird gar nicht mehr einkalkuliert. Ebenjener Pfarrer fährt seit Jahren nicht mehr in den Urlaub ohne vorher dafür zu sorgen, in irgendeiner Form einen öffentlichen venezolanischen Hörfunksender zu empfangen und sich mit seiner täglichen Portion Chavismus zu versorgen. Im Ernst. Auch wenn das ähnlich absurd erscheint wie die Geschichte mit den roten Haaren.

Will sagen. Ich hoffe zumindest und versuche zumindest, nicht einer dieser gegenseitigen Selbstverständigungs- und Blasengemeinschaften anzugehören. Ein Musterbeispiel für eine solche durch gegenseitige Bestätigung und unbewusste Filterung entstandene virtuelle Gemeinschaft ist für mich die der sozialdemokratisch ausgerichteten Skandinavien-Freunde. Man kommt mit den tatsächlichen prozentualen Wahlerfolgen rechtspopulistischer Parteien (Fortschrittspartei, Schwedendemokraten, Wahre Finnen etc.) einfach nicht durch. Man kann es schwarz auf weiß belegen. Es nützt nix. Die Erzählung von den weltoffenen Skandinaviern ist so verfestigt wie die Islamablehnung unter den Islamablehnern.

Wichtig ist aus meiner Sicht auch, die Analyse einer Rechtsdrift der bundesdeutschen Gesellschaft nicht mit der Behauptung eines wachsenden Rechtsextremismus oder Rechtsradikalismus zu verwechseln. Der nämlich geht eher zurück. Dass es völlig unnötig sei, die NPD zu verbieten, war eine vollkommen richtige Entscheidung.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Alexyessin » Di 16. Jan 2018, 08:29

Senexx hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:19)

Sie sind das Ergebnis der bürgerfeindlichen Politik der vergangen Jahrzehnte.


Von welcher "bürgerfeindlichen Politik" sprichst du denn? Werde doch mal konkret bei deinen Anmahnungen.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Senexx » Di 16. Jan 2018, 08:35

think twice hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:28)

Sie sind das Ergebnis des Sarrazin-Hypes, der Rassismus ungehindert salonfähig machen durfte und damit seiner Fraktion Mut gemacht hat, sich auszukotzen.


Soziale Bewegungen sind kein reines Überbauphänomen, sondern haben eine materielle Basis. Sie sollten vielleicht doch mal Marx lesen, oder noch besser von Stein oder vielleicht Max Weber.

Ihre Erklärung geht an der Wirkllichkeit vorbei.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 16. Jan 2018, 08:37

Senexx hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:35)

Ihre Erklärung geht an der Wirkllichkeit vorbei.
Noch mehr deine Erklärung, Deutschland wäre kein Wohlstandsland mehr. :rolleyes:
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Senexx » Di 16. Jan 2018, 08:41

think twice hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:37)

Noch mehr deine Erklärung, Deutschland wäre kein Wohlstandsland mehr. :rolleyes:


Habe ich nicht behauptet.

Ich habe geschrieben, dass die Politik die Basis unseres Wohlstands zerstört. Wir sind noch nicht verarmt. Aber wir haben nicht, wie es möglich gewesen wäre, Fortschritte gemacht. Und Teile der Gesellschaft sind schon verarmt. Wobei ein Großteil der Kosten in die Zukunft verschoben wurde, so dass der Schein teilweise aufrecht erhalten werden kann. Meine, und so Sie welche haben, Ihre Kinder, werden die Zeche zahlen müssen.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Jan 2018, 08:48

Senexx hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:19)

Sie sind das Ergebnis der bürgerfeindlichen Politik der vergangen Jahrzehnte. Sie sind nicht einfach so, gewissermaßen als Laune der Natur, entstanden.

Oder welche Erklärung haben Sie


Es gibt eine sehr einfache und einleuchtende Begründung für das Phänomen Rechtspopulismus: Sowohl dem "Bürger" als auch dem treuen SED-Genossen ist mit dem Ende des Ost-West-Konflikts die Orientierung und das einfach verständliche Weltbild verlorengegangen. Davon zeugt allein schon dieses totale Missverständnis über die politische Ausrichtung von "Multikulturalismus". Dass der Mensch ganz wesentlich durch die ihn umgebende "Kultur", in der er aufwächst, geprägt wird, ist keine linke sondern eine ganz ausgesprochen rechte Vorstellung. Differenzen innerhalb dieser grundsätzlich rechten Ideologie Multikulturalismus bestehen lediglich in der Ansicht darüber, ob diese Kulturgeprägtheit parallel in ein und derselben Region, sozialen Lebewelt auslebbar ist. Linke politische Vorstellungen setzen gegen das Konzept der Kulturgeprägtheit das der individuellen Selbst-Emanzipation.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon becksham » Di 16. Jan 2018, 08:56

Bleibtreu hat geschrieben:(15 Jan 2018, 23:44)
... Deswegen teile ich deine Befuerchtung so wenig; wie die der anderen Seite, man duerfe ja nicht sagen, was man denkt. Gerade die 2 gegensaetzlichen Pole machen doch erst eine lebendige Demokratie und einen Diskurs aus. Nur dadurch koennen wir abstecken, was extrem ist und zu weit geht. Nur durch den Austausch darueber, finden wir unsere eigene Position, so wie wir das jetzt tun - dafuer beduerfen wir gegensaetzliche Ansichten. Erst wenn alle Seiten ausser einer verschaemt schweigen wuerde, wuerde ich mir Sorgen machen. Denn DAS waere fuer mich ein sehr deutliches Zeichen, dass die haessliche Fratze des Faschismus wieder regiert. :|

Das hat was. Darüber denke ich nach. :thumbup:
Auch wenn es bisweilen manchmal unerträglich ist zu lesen, was Menschen meinen, unbedingt sagen zu müssen.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Jan 2018, 09:27

becksham hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:56)

Das hat was. Darüber denke ich nach. :thumbup:
Auch wenn es bisweilen manchmal unerträglich ist zu lesen, was Menschen meinen, unbedingt sagen zu müssen.


Die "hässliche Fratze des Faschismus" sehe ich auch keineswegs als das wirkliche Problem in Europa.

Die politische Tiefenwirkung des Rechtspopulismus auf die Meinungsbildung und Werteorientierung in den Demokratien ist daher das eigentliche politische Problem Europas.

Im österreichischen Beispiel wird das am deutlichsten. Der neue Bundeskanzler, Sebastian Kurz, 31 Jahre alt, flott, artig, freundlich, repräsentiert idealtypisch den neuen Typ des Salonpopulisten. Er versteht es, auch aggressive nationale Parolen (Modell: Österreich zuerst) mit treuherziger Miene unter die Leute zu bringen. Sein Aufstieg zum Modell des postdemokratischen Alleinherrschers in der eigenen Traditionspartei und seine Popularität in der Wahlbevölkerung sind nicht zuletzt ein Ergebnis davon. Der jugendliche Berufspolitiker hat das hinreichend üben können, er hat schließlich nichts anderes gelernt. Er bedient sich genau jenes rhetorischen Arsenals, mit denen die FPÖ des Haider-Erben Heinz-Christian ("Ha-Ce") Strache lange Zeit allein die Szene dominiert hatte. Kurz präsentiert sich dabei zugleich aber als vernünftig, gemäßigt und verantwortungsvoll. Staatstragend, trotz seiner Jugend. Das ist nicht einfach und verdient professionellen Respekt.
(http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-12/rechtspopulismus-oesterreich-europa-demokratie-zukunft)
Das ist das Problem. Wir könnten als Beleg auch Siv Jensen hernehmen. Gepflegtes Äußeres, gebildet, mehrsprachig. Oder Geert Wilders. Oder nach wie vor Marine LePen. Die sich jüngst, wenn ich es richtig mitbekommen habe, so sehr von der hässlichen Fratze des Faschismus in Form ihres Vaters lossagt, dass sie sich nur noch mit Vornamen nennen lässt.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Bleibtreu » Di 16. Jan 2018, 12:41

becksham hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:56)

Das hat was. Darüber denke ich nach. :thumbup:

Eine kluge und kaempferische Frau hat es vor fast 100 Jahren [1922] in anderen Worten formuliert, als ich:

Freiheit nur fuer die Anhaenger der Regierung, nur fuer Mitglieder einer Partei – moegen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der "Gerechtigkeit", sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen haengt und seine Wirkung versagt, wenn die "Freiheit" zum Privilegium wird.

Es war damals so wahr, wie es heute ist. Und wird es immer bleiben. Ohne Pluralismus stirbt die Demokratie und wird landen im Faschismus mit einer von Oben verordneten EinheitsMeinung, Denk- und RedeVerboten.

Auch wenn es bisweilen manchmal unerträglich ist zu lesen, was Menschen meinen, unbedingt sagen zu müssen.

Ja, und der Drang diesen Menschen den Mund zuhalten zu wollen ist zuweilen ueberwaeltigend. Das geht mir allerdings nicht nur bei RechtsKnallern so. SpiessBuerger, LinksKnaller und ReligionsFaschos haben fuer mich dasselbe Potenzial. :D Aber es hilft nichts, damit ist das was sie Ekliges denken nicht aus der Welt. Es gaert und schwaert weiter unter der OberFlaeche der HirnSchale. Nur in der offenen Auseinandersetzung kommen wir diesem Schmonz bei und koennen ihm den faulen Zahn ziehen. Nur in der direkten Auseinandersetzung mit anderen Meinungen finden wir unseren eigenen Standpunkt und koennen ihn immer wieder neu ueberpruefen.

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Jan 2018, 08:29)

[...] Wichtig ist aus meiner Sicht auch, die Analyse einer Rechtsdrift der bundesdeutschen Gesellschaft nicht mit der Behauptung eines wachsenden Rechtsextremismus oder Rechtsradikalismus zu verwechseln. Der nämlich geht eher zurück. Dass es völlig unnötig sei, die NPD zu verbieten, war eine vollkommen richtige Entscheidung.

Das tue ich auch nicht. Die groesste Gefahr kommt nicht in SpringerStiefeln und mit BaseballSchlaeger daher, sondern aus der Mitte der Gesellschaft, vom biederen "SpiessBuerger". Diese unertraeglichen SpiessBuerger gibt es auch nicht nur im konservativ/rechten Spektrum. Wenn ich so manchen Oeko oder Linken reden hoere, stehen mir ebenfalls die Haare zu Berge. All dieser Schmonz, der einem liberal-libertaeren Menschen das blanke Entsetzen in die Glieder fahren laesst. :dead: :D

Und wie schon Gestern geschrieben, sehe ich keine RechtsDrift. Diese Denke war schon immer in den Koepfen gewesen, sie wird durch die Pegidas und die AFD oder den FN deutlicher sichtbar. So wie auf AntiIsraelDemonstrationen mit "Juden ins Gas" Parolen deutlich wird, wie weit der JudenHass in Europa immer noch verbreitet ist und immer frecher seine haessliche Fratze zeigt. Da bin ich auch der Meinung, dass JudenHass nicht zugenommen hat, er war schon immer da, er zeigt sich halt deutlicher und dreister. Perverserweise auch noch unter dem DeckMantel als Guter auf Seiten der Unterdrueckten fuer deren Rechte zu stehen. :dead:
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 16. Jan 2018, 13:28

Selbstverständlich gibt es eine starke Rechtsdrift im Lande wie überall in Europa und den USA. In Deutschland begann sie mit Sarrazin sichtbar zu werden, obwohl es latent immer schon etwa 15 Prozent rechtsradikal denkende Menschen gegeben hat seit Kriegsende. Aber dieses offene und immer lauter werdende Bekenntnis zu Nationalismus, zum Verteidigen des "Eigenen" gegen das "Fremde", zur so genannten "konservativen Revolution", das bricht sich erst seit einigen Jahren Bahn. Das Schlimme ist meines Erachtens dieses langsam wirkende Gift der Neuen Rechten bis hinein in die gesellschaftliche Mitte, wo zum Teil schon gar nicht mehr wahrgenommen wird, dass man dieses Gift schon intus hat. Und es ist gar nicht mehr ganz aus der Welt, dass diese Neue Rechte, zum Beispiel verkörpert auch durch die AfD, daran arbeitet, noch mehr Macht zu erlangen, als "nur" in Fraktionsstärke im Bundestag zu sitzen. In Österreich kann man gut sehen, wie das läuft. Ohne rot zu werden sitzt da der Herr Kurz harmonisch mit dem Herrn Strache zusammen und man schwadroniert über die Internierung von Flüchtlingen und ihre Abspeisung mit Naturalien. Make Austria great again.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon JJazzGold » Di 16. Jan 2018, 13:34

Selina hat geschrieben:(16 Jan 2018, 13:28)

Selbstverständlich gibt es eine starke Rechtsdrift im Lande wie überall in Europa und den USA. In Deutschland begann sie mit Sarrazin sichtbar zu werden, obwohl es latent immer schon etwa 15 Prozent rechtsradikal denkende Menschen gegeben hat seit Kriegsende. Aber dieses offene und immer lauter werdende Bekenntnis zu Nationalismus, zum Verteidigen des "Eigenen" gegen das "Fremde", zur so genannten "konservativen Revolution", das bricht sich erst seit einigen Jahren Bahn. Das Schlimme ist meines Erachtens dieses langsam wirkende Gift der Neuen Rechten bis hinein in die gesellschaftliche Mitte, wo zum Teil schon gar nicht mehr wahrgenommen wird, dass man dieses Gift schon intus hat. Und es ist gar nicht mehr ganz aus der Welt, dass diese Neue Rechte, zum Beispiel verkörpert auch durch die AfD, daran arbeitet, noch mehr Macht zu erlangen, als "nur" in Fraktionsstärke im Bundestag zu sitzen. In Österreich kann man gut sehen, wie das läuft. Ohne rot zu werden sitzt da der Herr Kurz harmonisch mit dem Herrn Strache zusammen und man schwadroniert über die Internierung von Flüchtlingen und ihre Abspeisung mit Naturalien. Make Austria great again.


Nach Ihrer These wird der Rechtsdrift implantiert, sei es durch Sarrazin, oder politische Organisationen.

Ich sehe das analog zu Bleibtreu, es muss nichts implantiert werden, was latent immer vorhanden war, es muss nur aktiviert werden und diese Aktivierung ist zurzeit sichtbar.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 16. Jan 2018, 13:50

JJazzGold hat geschrieben:(16 Jan 2018, 13:34)

Nach Ihrer These wird der Rechtsdrift implantiert, sei es durch Sarrazin, oder politische Organisationen.

Ich sehe das analog zu Bleibtreu, es muss nichts implantiert werden, was latent immer vorhanden war, es muss nur aktiviert werden und diese Aktivierung ist zurzeit sichtbar.


Nein, ich schrieb ja auch (siehe mein Beitrag oben drüber), dass bei etwa 15 Prozent der Bevölkerung rechtsradikales Denken schon immer latent vorhanden war, es aber mit Sarrazin erst deutlich sichtbar wurde. Ich schrieb nicht, dass es Sarrazin und andere Apologeten der Neuen Rechten "implantiert" hätten. Nein, aber sie haben es aufgegriffen, wiederbelebt, angestachelt, enorm verstärkt. Und das in vollster Absicht, solches Denken wieder salonfähig zu machen. Auch, dass die Mitte so stark ergriffen ist von den rechtsnationalen Verkündungen, das zeichnete sich erst in den letzten Jahren ab.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Bleibtreu » Di 16. Jan 2018, 13:56

JJazzGold hat geschrieben:(16 Jan 2018, 13:34)

Nach Ihrer These wird der Rechtsdrift implantiert, sei es durch Sarrazin, oder politische Organisationen.
Ich sehe das analog zu Bleibtreu, es muss nichts implantiert werden, was latent immer vorhanden war, es muss nur aktiviert werden und diese Aktivierung ist zurzeit sichtbar.

Genau so ist es. AFD, FrontNational & Co sind SprachRohre dessen, was anteilig in der Bevoelkerung laengst vorhanden ist. Diese Buerger sind nicht von heute auf morgen - puff - dazu mutiert. Es wird sich heute eher getraut zu zeigen, was Buerger so alles Bizarres denkt. DAS hat sich geaendert.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 16. Jan 2018, 14:03

Selina hat geschrieben:(16 Jan 2018, 13:50)

Nein, ich schrieb ja auch (siehe mein Beitrag oben drüber), dass bei etwa 15 Prozent der Bevölkerung rechtsradikales Denken schon immer latent vorhanden war, es aber mit Sarrazin erst deutlich sichtbar wurde. Ich schrieb nicht, dass es Sarrazin und andere Apologeten der Neuen Rechten "implantiert" hätten. Nein, aber sie haben es aufgegriffen, wiederbelebt, angestachelt, enorm verstärkt. Und das in vollster Absicht, solches Denken wieder salonfähig zu machen. Auch, dass die Mitte so stark ergriffen ist von den rechtsnationalen Verkündungen, das zeichnete sich erst in den letzten Jahren ab.

Und sie wurden und werden bestärkt anstatt bekämpft. Sarrazin tourte durch alle Talkshows, die Geschichte von Schoko und Sarrazins Buch an der Tanke ist exemplarisch. Seit mittlerweile mehreren Jahren groehlen die Pegidioten jeden Montag unbehelligt ihren Scheiss und Politiker fordern auch noch, man müsse sie ernst nehmen. Als zwischenzeitlichen Höhepunkt werden Rassisten und Rechtsradikalen Redefreiheit im Deutschen Bundestag gewährt. Allerdings glaube ich nicht, dass es mehr werden. Die 15% waren schon immer da, nur früher haben sie wenigstens die Klappe gehalten.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 16. Jan 2018, 14:10

think twice hat geschrieben:(16 Jan 2018, 14:03)

Und sie wurden und werden bestärkt anstatt bekämpft. Sarrazin tourte durch alle Talkshows, die Geschichte von Schoko und Sarrazins Buch an der Tanke ist exemplarisch. Seit mittlerweile mehreren Jahren groehlen die Pegidioten jeden Montag unbehelligt ihren Scheiss und Politiker fordern auch noch, man müsse sie ernst nehmen. Als zwischenzeitlichen Höhepunkt werden Rassisten und Rechtsradikalen Redefreiheit im Deutschen Bundestag gewährt. Allerdings glaube ich nicht, dass es mehr werden. Die 15% waren schon immer da, nur früher haben sie wenigstens die Klappe gehalten.


Ja, dieser Sarrazin und seine Publikationen sind schon eine deutliche Zäsur in der Rechtsdrift. Wie das mit den 15 Prozent zukünftig weitergehen könnte, steht in den Sternen. Denn auf einzelnen Themenfeldern gibt es ja weitaus mehr Zustimmung für die Neue Rechte. Das meinte ich mit dem langsam wirkenden Gift, das auch die gesellschaftliche Mitte immer braver schluckt.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 16. Jan 2018, 14:17

Selina hat geschrieben:(16 Jan 2018, 14:10)

Ja, dieser Sarrazin und seine Publikationen sind schon eine deutliche Zäsur in der Rechtsdrift. Wie das mit den 15 Prozent zukünftig weitergehen könnte, steht in den Sternen. Denn auf einzelnen Themenfeldern gibt es ja weitaus mehr Zustimmung für die Neue Rechte. Das meinte ich mit dem langsam wirkenden Gift, das auch die gesellschaftliche Mitte immer braver schluckt.

Ich sehe das nicht so schwarz wie du. Zu sarrazins Zeiten war ich auch schwer schockiert und habe es auch nicht vergessen, was da in der Bevölkerung abging. Aber letztendlich sind sie verwöhnte Wohlstandsbuerger und der nächste Urlaub und das nächste auto sind wichtiger als Obergrenze und Residenzpflicht. Deutschland hat Sarrazins überlebt und wird auch die AfD überstehen. :thumbup:

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