Warum driftet Deutschland nach rechts?

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Warum driftet Deutschland nach rechts?

Diskurs-Hypothese
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soziologische Hypothese
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schokoschendrezki
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Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Jul 2017, 08:31

Ich will den in einem anderen Thread (der mittlerweile das eigentliche Thema gewechselt hat) geführten Disput hier noch einmal aufgreifen und mit einer Umfrage verbinden:

Warum driftet Deutschland (politisch) nach rechts? Die Frage müsste man eigentlich im gesamteuropäischen bzw. internationalen Kontext stellen. Ich will sie aber mal auf Deutschland beschränken. Nicht zuletzt mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl.

Und ich versuche mal, die Diskussionen darüber in zwei Hauptrichtungen zusammenzufassen.

Die "Diskurs-Hypothese": Sich als (irgendwie) "Links" verstehende Menschen, Gruppen, Institutionen haben es in den letzten 20,30 Jahren geschafft, eine Art "Diskurs-Hoheit" zu gewinnen. Sie hatten irgendwann in jüngerer Zeit eine Dominanz bei der Meinungsbildung. Fernseh-Talkshows, das politische Klima in Lehr- und Forschungseinrichtungen, allgemein der Disput unter politisch Interessierten wurde zunehmend von linken Themen und vor allem Ansichten bestimmt. Ganz zentral ist die Etablierung von Gender Mainstreaming nicht nur als Wertevorgabe sondern als anerkannte Forschungsdisziplin. Der Rechtsdrift in Deutschland - unter anderem der Aufstieg der AfD - ist eine Reaktion auf diese Dominanz zur Wahrung demokratischer Verhältnisse. Als typisches Medium für diese Hypothese könnte man die liberal-konservative Plattform "Tichys Einblick" nennen. https://www.tichyseinblick.de/

Die "soziologische Hypothese": Im Gegensatz zur "Diskurs-Hypothese" wird nicht nur die Position politisch Interessierter und am öffentlichen Diskurs beteiligter Menschen betrachtet sondern die Haltung grundsätzlich aller Menschen. Das politische Klima in Deutschland wird von der Haltung aller bestimmt: Journalisten, Rentner, Jugendliche, Studenten, Politiker, Arbeiter, Arbeitslose, Unternehmer, Schüler, Migranten ... eben: Alle. Man denke sich eine Umfrage unter allen Menschen in Deutschland hinsichtlich ihrer eigenen Einordnung als "eher rechts" oder "eher links", nehme einfach den sich ergebenden Durchschnittswert zwischen 0 und 1 und betrachte den Verlauf dieses Werts innerhalb der letzten 10, 15 Jahre. Exemplarisch für diese Hypothese ein aktueller Beitrag innerhalb der Reihe "hintergrund" des Deutschlandfunks zur Wahlwerbung und Popularität der AfD in Gegenden mit einem hohen Anteil an Russlanddeutschen wie etwa Pforzheim oder Berlin-Marzahn/Hellersdorf: http://www.deutschlandfunk.de/wahlkampf ... _id=390814
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 27. Jul 2017, 08:58

Deutschland bzw. "der Westen" ist lange Jahre nach links gedriftet, was zB. Kohl, Schmidt, Wischnewski und Börner damals über Türken gesagt haben, würde heutzutage als rassistisch bewertet werden, damals war der Mindestlohn als sozialistisch verpönt, Obamacare in den USA der 80er/90er Jahre noch völlig undenkbar. MMn. schlägt das Pendel jetzt wieder in die andere Richtung aus, eine "natürliche" Gegenbewegung. Der relative Erfolg der AfD lässt sich auch damit erklären, dass es in Deutschland keine wählbare Partei mehr gibt, die für konservative Politik steht (die CSU ist ja nur regional wählbar). Unser aller Glück ist, dass die AfD so unappetitliches Personal in ihren Reihen hat und für ebensolche Rechtsaußen-Positionen steht, so wählen die meisten Konservativen trotzdem die CDU als das geringere Übel, sonst wäre die AfD noch erfolgreicher und die CDU hätte mächtig was zu kauen. Trump wurde in den USA auch nur deshalb gewählt, weil die Alternative noch unattraktiver war, daraus sollten die Politiker lernen, endlich wieder Politik für ihr Volk zu machen, dann haben es Populisten direkt viel schwerer.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Provokateur » Do 27. Jul 2017, 09:03

Ich denke, beide Thesen haben ihre Berechtigung. Das eine hat mit dem anderen zu tun, es dürfte auch viel Reaktanz dabei sein - vulgo "Trotz". Manche Leute haben einfach so viel Spaß dabei, gegen den "Mainstream" zu sein, dass ihnen Inhalte egal sind. Und der Mainstream ist heutzutage einfach "links".

Dazu kommt eine Welt, de medial als immer unsicherer wahrgenommen wird. Das weckt den Wunsch nach starken Führern und jemandem, der einem verspricht, wenn man ihn nur wählte, dann würde es einem schon nicht schlechter gehen; es sei denn natürlich, man gehörte zur verhassten Gruppe der X (hier kann man alles mögliche einsetzen).
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Jul 2017, 09:14

Provokateur hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:03)

Ich denke, beide Thesen haben ihre Berechtigung. Das eine hat mit dem anderen zu tun, es dürfte auch viel Reaktanz dabei sein - vulgo "Trotz". Manche Leute haben einfach so viel Spaß dabei, gegen den "Mainstream" zu sein, dass ihnen Inhalte egal sind. Und der Mainstream ist heutzutage einfach "links".

Zumindest im Falle der Russlanddeutschen in Pforzheim (die dort einen bedeutenden Anteil haben) werden von deren Vertreter in der AfD schon ziemlich handfeste soziale Begründungen dafür genannt, dass man sich als "sozial abgehängt und ausgegrenzt" fühlt und dass sich endlich mal jemand für einen einsetzt. Stichwort zum Beispiel Fremdrentengesetz in Bezug auf die Kindergeneration.Oder auch Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufs- und Studienabschlüssen. Von einfach so Rebellion gegen das Establishment war da nicht die Rede.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Jul 2017, 09:19

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Jul 2017, 09:58)

Deutschland bzw. "der Westen" ist lange Jahre nach links gedriftet, was zB. Kohl, Schmidt, Wischnewski und Börner damals über Türken gesagt haben, würde heutzutage als rassistisch bewertet werden

Die Frage ist aber: Von wem? Von welchem Anteil der Bevölkerung? Von der winzigen Minderheit der sich auch öffentlich politisch Äußernden oder von Herrn Müller und Frau Krause von nebenan. Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" lag in meiner lokalen Tankstelle monatelang (eigentlich illegal) zum Verkauf aus und niemand hat sich aufgeregt. Im Gegenteil! Ist es nicht irgendwie undemokratisch, das politische Klima in Deutschland nur danach zu berwerten, wie sich die politisch Interessierten dazu äußern?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Provokateur » Do 27. Jul 2017, 09:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:14)

Zumindest im Falle der Russlanddeutschen in Pforzheim (die dort einen bedeutenden Anteil haben) werden von deren Vertreter in der AfD schon ziemlich handfeste soziale Begründungen dafür genannt, dass man sich als "sozial abgehängt und ausgegrenzt" fühlt und dass sich endlich mal jemand für einen einsetzt. Stichwort zum Beispiel Fremdrentengesetz in Bezug auf die Kindergeneration.Oder auch Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufs- und Studienabschlüssen. Von einfach so Rebellion gegen das Establishment war da nicht die Rede.


Deswegen haben beide Erklärungen ihre Berechtigung.

Weißt du, in meiner Jugend hatten nahezu alle Eltern meiner Kumpels eine linke oder linksliberale Einstellung. Klassische Grünenwähler. Da war es eigentlich nur logisch, dass wir uns im Zuge unserer pubertären Rebellion nach rechts umsahen. Mit Punk konnte man Eltern ja nicht hinterm Ofen hervorlocken. Mit Rechtsrock ging das wunderbar.

Der ganze Spuk ging etwa ein Jahr, bis wir merkten, wie hohl diese ganze Kacke eigentlich ist und mit was für Leuten wir uns eingelassen hatten. Wir waren immerhin Gymnasiaten und haben später alle unser Abi gemacht.

Ich sehe diese Phase, die ich 98/99 durchgemacht hab, als Vorbote zu dem an, was wir heute sehen. Rebellion ist nicht mehr links, links ist normal, links stinkt nach Birkenstock, Wollpulli und fair gehandeltem Kräutertee aus dem Himalaya.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Flaschengeist » Do 27. Jul 2017, 09:22

Die BRD triftet doch nicht nach rechts sondern nach links.

Was unterscheidet denn die CDU von den GRÜNEN?

Das sich dann Konservative eine neue politische Heimat suchen müssen, ist nur normal.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon garfield336 » Do 27. Jul 2017, 09:27

Der Generderismus und die Homoehe zeigen doch eher dass man sehr stark nach links gedriftet ist.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon garfield336 » Do 27. Jul 2017, 09:29

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Jul 2017, 09:58)
Trump wurde in den USA auch nur deshalb gewählt, weil die Alternative noch unattraktiver war, daraus sollten die Politiker lernen, endlich wieder Politik für ihr Volk zu machen, dann haben es Populisten direkt viel schwerer.


Es gab mehr als ein Dutzend Kandidaten in den States. Sie alle waren unattraktiver als Trump ?
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Jul 2017, 09:29

Flaschengeist hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:22)

Die BRD triftet doch nicht nach rechts sondern nach links.

Was unterscheidet denn die CDU von den GRÜNEN?

Das sich dann Konservative eine neue politische Heimat suchen müssen, ist nur normal.


Auch an dich: Besteht Deutschland denn nur aus Parteien und deren erklärten Anhängern? Die Vertreter des allgemein um sich greifenden Rechtspopulismus wählen doch die Merkel-CDU nicht, weil sie deren politische Inhalte bedingunslos teilen, sondern weil sie - unabhängig von ihren politischen Anschauungen - auf wirtschaftlich-soziale Sicherheit und Solidität setzen, die sie bei einer Mainstream-Partei eher vermuten.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Provokateur » Do 27. Jul 2017, 09:32

Flaschengeist hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:22)

Die BRD triftet doch nicht nach rechts sondern nach links.


Baumstämme können getriftet werden (es handelt sich um ein Substitutivverb für "flößen"), alles andere "driftet".

Flaschengeist hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:22) Was unterscheidet denn die CDU von den GRÜNEN?


Das treibt auch die Grünen um, die mit immer neuen Verbotsvorschlägen versuchen, Alleinstellungsmerkmale festzumachen. Die Grünen waren immer auch eine Art Protest (schwacher Protest mit dünnen Stimmchen wegen der veganen Ernährung), aber jetzt, da Umweltschutz und Diversität Mainstream sind, kämpfen sie um ihren politischen Wert.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Jul 2017, 09:34

Provokateur hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:22)
Weißt du, in meiner Jugend hatten nahezu alle Eltern meiner Kumpels eine linke oder linksliberale Einstellung. Klassische Grünenwähler. Da war es eigentlich nur logisch, dass wir uns im Zuge unserer pubertären Rebellion nach rechts umsahen. Mit Punk konnte man Eltern ja nicht hinterm Ofen hervorlocken. Mit Rechtsrock ging das wunderbar.

Meine Schwester ist Gymnasiallehrerin. Dort an der Schule heißt Anti-Mainstream unter Schülern grundsätzlich und seit Jahren: linksengagiert. Es hängt unter Umständen von der Region ab....
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Provokateur » Do 27. Jul 2017, 09:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:34)

Meine Schwester ist Gymnasiallehrerin. Dort an der Schule heißt Anti-Mainstream unter Schülern grundsätzlich und seit Jahren: linksengagiert. Es hängt unter Umständen von der Region ab....


Kann sein. Es gibt ja auch traditionell konservative Gegenden.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Flaschengeist » Do 27. Jul 2017, 09:38

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:29)

Auch an dich: Besteht Deutschland denn nur aus Parteien und deren erklärten Anhängern? Die Vertreter des allgemein um sich greifenden Rechtspopulismus wählen doch die Merkel-CDU nicht, weil sie deren politische Inhalte bedingunslos teilen, sondern weil sie - unabhängig von ihren politischen Anschauungen - auf wirtschaftlich-soziale Sicherheit und Solidität setzen, die sie bei einer Mainstream-Partei eher vermuten.



Was ist denn Rechtspopulistisch?


Angela Merkel hat doch selbst gesagt das Multikulti gescheitert ist.

„Nur in Deutschland wird mir vorgeworfen, ich wäre deutschfreundlich“ :)

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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Merkel_Unser » Do 27. Jul 2017, 09:43

Erstmal müsste der TE erläutern, wie er denn darauf kommt, dass Deutschland nach "rechts" driftet. Ich nehme mal an, er macht das am Erstarken der AfD fest. Hier sehe ich aber gerade in Deutschland eine sehr starke Kausalität in der Flüchtlingskrise, denn ohne Flüchtlinge hätten wir auch keine AfD. Man muss hier zusäzlich auch aufpassen, nicht pauschalen Ausländerhass (was ja eine rechte Position ist) und Kritik an der Flüchtlingspolitik (keine unbedingt rechte Position) in einen Topf zu werfen. Gerade in 2015/2016 galt ja jegliche Kritik am Regierungskurs als "rechts".

Ich finde den Thementiel viel passender für Länder wie Frankreich, Polen, Türkei oder USA usw. Dort kann man in der Tat einen politischen Rechtskurs beobachten, ohne dass dafür ein bestimmter Grund erkennbar wäre.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Dampflok94 » Do 27. Jul 2017, 10:00

garfield336 hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:27)

Der Generderismus und die Homoehe zeigen doch eher dass man sehr stark nach links gedriftet ist.

Sehe ich anders. Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die seit über 60 Jahren andauert. So haben sie die Rechte der Frau Schritt für Schritt entwickelt, bis heute (fast?) eine Gleichberechtigung zu konstatieren ist. Und wo damals die Homosexualität teilweise strafbar war, sind wir eben heute fast bei einer Gleichstellung zu heterosexuellen Paaren gelandet. Auch wieder Schritt für Schritt in den letzten Jahrzehnten.

Das waren also kontinuierliche Entwicklungen, die mit links oder rechts eher wenig zu tun haben. Oder würde jemand behaupten, wer für Frauenrechte eintritt muß links sein und ein Konservativer muß gegen mehr Rechte für Frauen sein. Das bezweifle ich doch sehr.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Ein Terraner » Do 27. Jul 2017, 10:05

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Jul 2017, 09:31)

Warum driftet Deutschland (politisch) nach rechts?


Angst, fehlende Bildung, unbegründeter Neid, Gruppenzwang, fehlender Kosmopolitismus, abwartendes Nichtstun und mangelnde Kommunikation seitens der Regierung, ..... das sind so die neuen Werte im Mainstream die den Drift bestimmen. Alles andere ist nur blabla ...
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon frems » Do 27. Jul 2017, 10:07

Merkel_Unser hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:43)
Ich finde den Thementiel viel passender für Länder wie Frankreich, Polen, Türkei oder USA usw. Dort kann man in der Tat einen politischen Rechtskurs beobachten, ohne dass dafür ein bestimmter Grund erkennbar wäre.

In den USA klagen Rechte über einen Linksruck (Medien, Hochschulen, "Elite"/Establishment), so wie Linke über einen Rechtsruck (Wirtschaft, Trump).
Labskaus!

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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Jul 2017, 10:08

Merkel_Unser hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:43)

Erstmal müsste der TE erläutern, wie er denn darauf kommt, dass Deutschland nach "rechts" driftet. Ich nehme mal an, er macht das am Erstarken der AfD fest. Hier sehe ich aber gerade in Deutschland eine sehr starke Kausalität in der Flüchtlingskrise, denn ohne Flüchtlinge hätten wir auch keine AfD. Man muss hier zusäzlich auch aufpassen, nicht pauschalen Ausländerhass (was ja eine rechte Position ist) und Kritik an der Flüchtlingspolitik (keine unbedingt rechte Position) in einen Topf zu werfen. Gerade in 2015/2016 galt ja jegliche Kritik am Regierungskurs als "rechts".

"Deutschland schafft sich ab" und die nachfolgende Sarrazin-Debatte begann nicht 2015 sondern 2010. Ganz ohne Flüchtlingskrise. Und 2015 war geprägt von der öffentlichen Demütigung der Kanzlerin Merkel auf dem CSU-Parteitag wie sie in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig ist.
Ich finde den Thementiel viel passender für Länder wie Frankreich, Polen, Türkei oder USA usw. Dort kann man in der Tat einen politischen Rechtskurs beobachten, ohne dass dafür ein bestimmter Grund erkennbar wäre.

Das wäre ein extra Thema. Aber Gründe lassen sich durchaus finden.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Do 27. Jul 2017, 10:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 27. Jul 2017, 10:08

Provokateur hat geschrieben:(27 Jul 2017, 10:32)

Baumstämme können getriftet werden (es handelt sich um ein Substitutivverb für "flößen"), alles andere "driftet".



Das treibt auch die Grünen um, die mit immer neuen Verbotsvorschlägen versuchen, Alleinstellungsmerkmale festzumachen. Die Grünen waren immer auch eine Art Protest (schwacher Protest mit dünnen Stimmchen wegen der veganen Ernährung), aber jetzt, da Umweltschutz und Diversität Mainstream sind, kämpfen sie um ihren politischen Wert.

Die Grünen waren ursprünglich, vor dem Exodus vieler Gründer, der Unterwanderung durch K-Gruppen und der Gründung der ÖDP, keine dediziert linke Gruppierung - und dahin haben sie sich Stück für Stück wieder zurückentwickelt.
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