Helmut Kohl ist tot.

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Dieter Winter
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Jun 2017, 10:08

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:04)

Ein Großdeutsches Reich ist es ja nicht wirklich, oder?
Und welche Nachteile hat die WV für dich persönlich denn gebracht?


u. a. höhere SV Beiträge, Soli, weniger Leistung in der Rente und GKV. Merkel und Petry hätte ich auch nicht gebraucht. Den NSU schon gar nicht. :mad:


Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:04)
Egal. Vorteil ist Vorteil.


Gab's natürlich auch in weit größerem Stil. elf z. B. hat schön abgesahnt.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Alexyessin » Mo 19. Jun 2017, 10:26

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:08)

u. a. höhere SV Beiträge, Soli, weniger Leistung in der Rente und GKV. Merkel und Petry hätte ich auch nicht gebraucht. Den NSU schon gar nicht. :mad:


Okay, der Soli. Ansonsten dürftes du davon ausgehen, das es höhere Beiträge gegeben hätte. Mei, Merkel sehe ich nicht problematisch, warum auch. Ich bin zwar kein Schwarzer, aber wir hatten schon schlechtere Regierungschefs.
Mei, dafür hatten wir die WSG Hoffmann.

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:08)
Gab's natürlich auch in weit größerem Stil. elf z. B. hat schön abgesahnt.


Jupp, war wohl ein "Geschenk" an die Franzosen.....
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon busse » Mo 19. Jun 2017, 10:30

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:02)

Imho hat sie halt weit mehr Nach- als Vorteile gebracht. Was will ich mit einem "Großdeutschen Reich"?

Ja , Gebrauchtwagenschepperer, Bananenhändler u. ä. Kroppzeugs haben sich damals die Rosette vergoldet.


Das glaubst Du doch selbst nicht !
Die Baubranche hat geboomt, die Elektrobranche hat geboomt, die Umweltindustrie hat da seinen ersten großen Push bekommen, von der Automobilbranche, den vielen Gewerken der Infrastruktur ganz zu Schweigen. Die Konsumbranche lag Ende der '80iger darnieder und hat durch die Wiedervereinigung völlig geboomt. Die hier schon im Westen angedeutete Rezession wurde nicht nur gestoppt, sondern kehrte sich sogar um. Hunderttausende Arbeitsplätze wurden gesichert, in der BRD.
Das Wichtigste, das war dann ein wirtschaftlicher Selbstläufer weil nach und nach der Osten nachzog. Leider war das nicht verbunden mit Arbeit für Alle und leider booteten die Westmanager einige DDR Betriebe aus.
Und dann waren da noch die Beamten der "zweiten Reihe" die in der BRD es zu nie was geschafft hätten als die "zweite Reihe" weiter zu besetzen. Die Richter, die Polizei etc.pp. , die ganzen neuen Ämter wurden aus der BRD bestückt, klar weil keiner Verwaltungserfahrungen hatte im Sinne von Gesetzen und Verordnungen der BRD.
Die haben Karrieren hingelegt ohne Ende. Wer flexibel war, egal ob ehemaliger Eigentümer, Politiker , Beamter der hat es im Osten geschafft wozu er im Westen ein halbes Leben mit viel vielleicht gebraucht hätte. Soweit zu den Nachteilen....
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Jun 2017, 10:36

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:26)

Okay, der Soli. Ansonsten dürftes du davon ausgehen, das es höhere Beiträge gegeben hätte.


Richtet sich halt nach den Mitteln die auf der einen Seite einbezahlt und auf der anderen ausbezahlt werden. Ohne DDR gäbe es Prozentual eher mehr Zahler/weniger Empfänger. Von daher gehe ich schon davon aus, dass die GSV Beiträge niedriger wären.

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:26)
Mei, Merkel sehe ich nicht problematisch, warum auch. Ich bin zwar kein Schwarzer, aber wir hatten schon schlechtere Regierungschefs.


Vor 1945 sicher. Danach vielleicht Kiesinger und wohl auch Schröder.

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:26)
Mei, dafür hatten wir die WSG Hoffmann.


Eben. Arschlöcher hatten wir auch selber genug...
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Jun 2017, 10:40

busse hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:30)

Das glaubst Du doch selbst nicht !
Die Baubranche hat geboomt, die Elektrobranche hat geboomt, die Umweltindustrie hat da seinen ersten großen Push bekommen, von der Automobilbranche, den vielen Gewerken der Infrastruktur ganz zu Schweigen. Die Konsumbranche lag Ende der '80iger darnieder und hat durch die Wiedervereinigung völlig geboomt. Die hier schon im Westen angedeutete Rezession wurde nicht nur gestoppt, sondern kehrte sich sogar um. Hunderttausende Arbeitsplätze wurden gesichert, in der BRD.
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Und dann waren da noch die Beamten der "zweiten Reihe" die in der BRD es zu nie was geschafft hätten als die "zweite Reihe" weiter zu besetzen. Die Richter, die Polizei etc.pp. , die ganzen neuen Ämter wurden aus der BRD bestückt, klar weil keiner Verwaltungserfahrungen hatte im Sinne von Gesetzen und Verordnungen der BRD.
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Und wer hat die Beamten, die Prachtbauten etc. bezahlt?

Arbeitslose Ossis, oder wie?

Zwischen 1990 und 1994 hat sich die Zahl der Arbeitslosen mehr als verdoppelt. Gaaanz großes Kino...
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Alexyessin » Mo 19. Jun 2017, 10:49

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:36)

Richtet sich halt nach den Mitteln die auf der einen Seite einbezahlt und auf der anderen ausbezahlt werden. Ohne DDR gäbe es Prozentual eher mehr Zahler/weniger Empfänger. Von daher gehe ich schon davon aus, dass die GSV Beiträge niedriger wären.


Die Bundesrepublik alt hat halt auch schon 20 Jahre über die Verhältnisse gelebt. Das sind Fakten, die der Aussitzer ja ansich mal geändert haben wollte.............

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:36)
Vor 1945 sicher. Danach vielleicht Kiesinger und wohl auch Schröder.


Was ist denn konkret schlecht an der Regierungszeit Merkel. Objektiv, nicht deine Einschätzung ( EU usw. würde da kommen )

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:36)
Eben. Arschlöcher hatten wir auch selber genug...



Ist meines Erachtens ein wenig mikrig als Begründung.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon gödelchen » Mo 19. Jun 2017, 10:50

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:26)

Okay, der Soli. Ansonsten dürftes du davon ausgehen, das es höhere Beiträge gegeben hätte.


Richtig. Die Lücke zwischen dem, was zukünftig an Ansprüchen entsteht und dem, was die Anspruchsberechtigten an Kapitalstock mit in die neuen Sozialkassen mitbrachten, mussten ja geschlossen werden , entweder durch Steuern oder durch höhere Beiträge.

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:26)Jupp, war wohl ein "Geschenk" an die Franzosen.....


Richtig : Stichwort Leuna - Affaire . Hat Elf-Aquitaine nicht viel genutzt...Kohl schon mit Geschmäckle
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Jun 2017, 10:52

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:49)


Was ist denn konkret schlecht an der Regierungszeit Merkel. Objektiv, nicht deine Einschätzung ( EU usw. würde da kommen )



AKW Laufzeitverlängerung + Brennelementesteuer und die anschließende Kehrtwende, fällt mir da ad hoc ein.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Alexyessin » Mo 19. Jun 2017, 10:56

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:52)

AKW Laufzeitverlängerung + Brennelementesteuer und die anschließende Kehrtwende, fällt mir da ad hoc ein.


Die Kehrtwende hatte ja schliesslich auch einen fühlbaren Grund. :)
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Jun 2017, 10:56

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:49)

Die Bundesrepublik alt hat halt auch schon 20 Jahre über die Verhältnisse gelebt. Das sind Fakten, die der Aussitzer ja ansich mal geändert haben wollte.............


Die Integration eines maroden Staates inkl. 17 Mio Bürgern hat da natürlich entgegen gewirkt... :)

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:49)

Ist meines Erachtens ein wenig mikrig als Begründung.


Ist Dein gutes Recht. Ich finde halt, dass man nicht noch zusätzliche Braunbatzen gebraucht hätte.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Jun 2017, 10:58

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:56)

Die Kehrtwende hatte ja schliesslich auch einen fühlbaren Grund. :)


Yepp. Ohne hätte sie evtl. das geliebte Amt auf's Spiel gesetzt.

Die Verlängerung war jedoch ohne Not beschlossen worden.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon Alexyessin » Mo 19. Jun 2017, 11:52

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:58)

Yepp. Ohne hätte sie evtl. das geliebte Amt auf's Spiel gesetzt.

Die Verlängerung war jedoch ohne Not beschlossen worden.


Wahlgeschenk an die FDP und weite Teile der CDU. Dafür hat sie unter der ersten Gro Ko ja keinen Partner gehabt.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon aleph » Mo 19. Jun 2017, 12:30

busse hat geschrieben:(19 Jun 2017, 11:30)

Das glaubst Du doch selbst nicht !
Die Baubranche hat geboomt, die Elektrobranche hat geboomt, die Umweltindustrie hat da seinen ersten großen Push bekommen, von der Automobilbranche, den vielen Gewerken der Infrastruktur ganz zu Schweigen. Die Konsumbranche lag Ende der '80iger darnieder und hat durch die Wiedervereinigung völlig geboomt. Die hier schon im Westen angedeutete Rezession wurde nicht nur gestoppt, sondern kehrte sich sogar um. Hunderttausende Arbeitsplätze wurden gesichert, in der BRD.
Das Wichtigste, das war dann ein wirtschaftlicher Selbstläufer weil nach und nach der Osten nachzog. Leider war das nicht verbunden mit Arbeit für Alle und leider booteten die Westmanager einige DDR Betriebe aus.
Und dann waren da noch die Beamten der "zweiten Reihe" die in der BRD es zu nie was geschafft hätten als die "zweite Reihe" weiter zu besetzen. Die Richter, die Polizei etc.pp. , die ganzen neuen Ämter wurden aus der BRD bestückt, klar weil keiner Verwaltungserfahrungen hatte im Sinne von Gesetzen und Verordnungen der BRD.
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Die Baubranche hat wegen den Spätaussiedler geboomt. Hätte es die WV nicht gegeben, hätte es zusätzlich Millionen DDR-Bürger gegeben, die jetzt frei in die BRD reisen und dort Arbeit suchen durften. Das hätte die Baubranche natürlich zusätzlich geboomt :D
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon busse » Mo 19. Jun 2017, 13:33

aleph hat geschrieben:(19 Jun 2017, 13:30)

Die Baubranche hat wegen den Spätaussiedler geboomt. Hätte es die WV nicht gegeben, hätte es zusätzlich Millionen DDR-Bürger gegeben, die jetzt frei in die BRD reisen und dort Arbeit suchen durften. Das hätte die Baubranche natürlich zusätzlich geboomt :D


Die Baubranche besteht nicht nur aus Neubau, sondern hauptsächlich aus Reparaturen, Instandsetzung und Modernisierung. Alle Innenstädte waren massiv marode bis zum Ruinenstatus. Schaue sie Dir heute mal an.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon That's me » Mo 19. Jun 2017, 13:55

Kohl hat das geschickt gemacht und durch gute PR das Volk vermeintlich hinter sich gebracht und derart hohen politischen und ökonomischen Druck ausgeübt und die DDR dadurch zum "Einlenken" gezwungen!
Das Volk wurde auch nicht wirklich befragt. Klar, die Wahl der Volkskammer, aber da war die geschickte politische Propaganda Kohl schon im Gange.
Ich meine auch gelesen zu haben, dass die CDU 1990 das schlechteste Wahlergebnis seit 1946(?) erzielte.

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-e ... nigung?p=1

Allerdings zögerten einige sozialdemokratische Spitzenpolitiker, allen voran der Parteivorsitzende Hans-Jochen Vogel, sich den Vorschlägen des Kanzlers vorbehaltlos anzuschließen, weil sie der Meinung waren, dass die DDR-Bürgerinnen und -Bürger nicht nur das Recht, sondern auch den Freiraum haben müssten, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden.

Modrow hat später den Kanzler beschuldigt, seine in Dresden gemachten Versprechungen nicht gehalten zu haben. Weder ein "Solidaritätsbeitrag" noch die Kompensationen für den visafreien Reiseverkehr seien jemals gezahlt worden, und auch die vereinbarten Gespräche über die Vertragsgemeinschaft hätten nie stattgefunden. Die Verbitterung Modrows war verständlich. Denn Kohl änderte nach Dresden die Richtung seiner Politik und verlor nahezu jegliches Interesse an Verhandlungen mit dem DDR-Ministerpräsidenten, der noch als Repräsentant des alten, verbrauchten und nicht durch freie Wahlen legitimierten SED-Regimes erschien.


http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-e ... nigung?p=2
Der Plan sah vier Schritte auf dem Weg zur deutschen Einheit vor:
  • Abschluss eines Vertrages über Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft als eine Vertragsgemeinschaft, die bereits wesentliche konföderative Elemente enthalten sollte, wie Wirtschafts-, Währungs- und Verkehrsunion sowie Rechtsangleichung.
  • Bildung einer Konföderation mit gemeinsamen Organen und Institutionen, wie zum Beispiel parlamentarischer Ausschuss, Länderkammer, gemeinsame Exekutivorgane für bestimmte Bereiche.
  • Übertragung von Souveränitätsrechten beider Staaten an die Machtorgane der Konföderation.
  • Bildung eines einheitlichen deutschen Staates in Form einer Deutschen Föderation oder eines Deutschen Bundes durch Wahlen in beiden Teilen der Konföderation, Zusammentreten eines einheitlichen Parlaments, das eine einheitliche Verfassung und eine einheitliche Regierung mit Sitz in Berlin beschließen sollte.

Der Konföderationsplan Modrows wurde in Bonn allerdings weniger positiv aufgenommen. Vor allem Modrows Idee, ein in einer Konföderation vereinigtes Deutschland solle politisch und militärisch neutral sein, stieß auf Widerstand. Sie wurde nicht nur von den Regierungsparteien, sondern auch von der SPD sofort verworfen.

Eine Alternative, die auch von Modrow bereits angedeutet worden war, lag auf der Hand: die Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Die Frage war nur, ob sie praktisch durchführbar wäre und wie hoch die Kosten sein würden.

Vor dem Hintergrund des gerade beginnenden Wahlkampfes für die Wahlen zur Volkskammer am 18. März kündigte der Kanzler daher am 6. Februar öffentlich Gespräche zur Einführung der DM in der DDR an.

...um sie nicht zuletzt auch zu einem bestimmten Wahlverhalten zu veranlassen. Vorangegangene Beratungen mit dem Präsidenten der Bundesbank, Karl Otto Pöhl, am 5. Februar hatten allerdings unter finanziellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten keineswegs ein klares Bild für eine solche Entscheidung gegeben. Pöhl hatte sich nämlich für einen schrittweisen Prozess ausgesprochen, der Jahre in Anspruch nehmen könne, und eine sofortige Währungsunion für "ungeeignet und unmöglich" erklärt. Als Kohl sich nun entgegen allen Warnungen von Experten öffentlich zugunsten der zügigen Einführung der DM in der DDR aussprach, war Pöhl "unangenehm überrascht", zumal der Kanzler und sein Finanzminister am Vortag nicht hatten erkennen lassen, dass ein so weitreichender Vorschlag unterbreitet werden würde.

Die Ergebnisse liefen auf die vollständige Übernahme der Wirtschafts- und Finanzpolitik der DDR durch die Bundesrepublik hinaus. Die Bonner Regierung bot an, die Verantwortung für die DDR-Wirtschaft, die Währungsstabilität, die Beschäftigung, die Renten, das Sozialwesen und die Infrastruktur zu übernehmen, forderte jedoch, dass die gesamte westdeutsche Wirtschaftsordnung ebenfalls in Ostdeutschland eingeführt werden müsse, weil die Instrumente der westdeutschen Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik nur in einer marktwirtschaftlichen Ordnung greifen könnten. Die Anpassung der DDR an das bundesdeutsche System sollte in einem Staatsvertrag verankert werden, der von den beiden deutschen Staaten abzuschließen sei. Danach würden selbst Haushaltsentscheidungen der DDR-Volkskammer von der westdeutschen Zustimmung abhängig sein.

Als eine DDR-Delegation unter Ministerpräsident Modrow am 13. Februar als Gegenbesuch zu Kohls Dresdenvisite in Bonn eintraf, stellte sie rasch fest, dass der Spielraum für weitere Verhandlungen äußerst begrenzt war. DDR-Wirtschaftsministerin Christa Luft, die sich stets gegen eine rasche Errichtung der Währungsunion ausgesprochen hatte und stattdessen von der Bundesregierung ein Hilfsprogramm in Höhe von zehn bis 15 Milliarden DM forderte, um die DDR-Wirtschaft zu sanieren, beklagte daher später in ihren Memoiren, "dass das edle Thema 'deutsche Einheit' dem gefräßigen Tier 'Wahlkampf' vorgeworfen" worden sei. Tatsächlich ließ sich beides kaum trennen. Aber die dramatische Lage der DDR-Wirtschaft machte es, wie auch Modrow in Bonn feststellte, unausweichlich, große Lösungen an die Stelle von Flickschusterei zu setzen. Der ostdeutsche Regierungschef stimmte deshalb der Wirtschafts- und Währungsunion im Prinzip zu und erklärte sich auch einverstanden, Expertenkommissionen zu bilden, die über die Einzelheiten beraten sollten.

Strittig war vor allem der Kurs, zu dem die Mark der DDR in DM umgetauscht werden sollte. Die Bundesbank, die um die Stabilität ihrer Währung fürchtete, wenn Hunderte von Milliarden Mark ostdeutscher Herkunft plötzlich als DM auf den Markt gelangten, plädierte - entsprechend dem geschätzten Wert der Mark der DDR - für eine Relation von 2:1 oder 3:1, während die Menschen in der DDR natürlich einen Umtauschkurs von 1:1 wünschten. Die Experten konnten sich in dieser Frage zunächst nicht einigen und entschieden daher, die Beratungen darüber erst nach der Volkskammerwahl am 18. März fortzusetzen. Doch erneut war es Bundeskanzler Kohl, der eine partielle Entscheidung durch eine öffentliche Ankündigung herbeiführte: Fünf Tage vor der Wahl, am 13. März, versprach er auf einer Wahlkundgebung in Cottbus, dass kleinere Sparguthaben zum Kurs von 1:1 umgetauscht würden. Bundeskabinett und Bundesbank konnten die Entscheidung am folgenden Tag nur nochzur Kenntnis nehmen.


Es hätten Experten und Geld gesendet werden müssen, die der DDR dabei helfen die Betreibe fit zu bekommen und die "soziale" Marktwirtschaft zu verstehen und entsprechend die Betriebe umzustrukturieren. Denn die Leute vor Ort wissen am besten wie sie ticken und was das völlig anders sozialisierte Volk dort will und braucht.
Stattdessen wurde die DDR ausgeschlachtet und an Finanzhaie verschleudert und verramscht.
Ich bin mir sicher, dass da Klüngel dahinter steckte.

Und nein, ich komme nicht aus der ehemaligen DDR ich bin Westdeutsche!
Was da lief, war eine Sauerei und die Bürger wurden in ihrer Euphorie über ihren welthistorisch einzigartigen Erfolg einer friedlichen Revolution belogen, bestohlen und betrogen.
Bis heute sind die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt, weil die Einigung im Adhoc Verfahren von statten gehen musste, damit der Kohl sich Einheitskanzler nennen konnte, um in die Geschichte einzugehen.
So sehe ich das.

EDIT: ebenfalls aus obiger Quelle:
Bereits am 6. Juli 1990 hatten die Verhandlungen über den Einigungsvertrag begonnen - nur wenige Tage nach Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs-, und Sozialunion, mit der die DDR bereits große Teile der Wirtschafts- und Rechtsordnung der Bundesrepublik übernommen und die D-Mark eingeführt hatte. Allerdings war damit noch nicht abschließend geklärt, wie eine künftige staatliche Ordnung aussehen sollte. Laut Grundgesetz der Bundesrepublik gab es zwei Möglichkeiten, die Einheit beider Länder herzustellen: Nach Artikel 23 GG konnten "andere Teile Deutschlands" dem Geltungsbereich des Grundgesetzes beitreten. Dies ermöglichte einen raschen Beitritt der DDR. Die zweite Variante eröffnete Artikel 146 GG, wonach eine neue, gesamtdeutsche Verfassung das Grundgesetz hätte ablösen können.

Die überwiegende Mehrheit der Ost- und Westdeutschen sprach sich in Umfragen für das Grundgesetz als gesamtdeutsche Verfassung aus.

Wobei ich nicht weiß, was für Umfragen das waren, wie viele überhaupt befragt wurden und wer diese Umfrage beauftragte, erstellte und auswertete. Hier hätte eine Volksabstimmung und seriöse, vorherige aufklärung gemacht werden müssen.
Keine dubiosen Umfragen. Da ging es ja nicht um Wahlprognosen, sondern die Zukunft eines - eigentlich zweier - ganzen Volkes!
Warum töten wir Menschen die Menschen töten, um den Menschen zu zeigen, dass Töten falsch ist?
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon harry52 » Mo 19. Jun 2017, 14:43

That's me hat geschrieben:Stattdessen wurde die DDR ausgeschlachtet und an Finanzhaie verschleudert und verramscht.

Im Gegenteil,
man hat doch sogar noch in den Trabbi einen Viertaktmotor eingebaut und trotzdem wollte den keiner kaufen. Welche Firmen und ihre Produkte waren denn so toll und wurden verramscht? An wen? Mach mal eine Liste und belege deine Behauptung mal.

Die Industrie war doch völlig überaltet und teilweise hochgradig lebensgefährlich für die Arbeiter, moderne IT war gar nicht vorhanden, die Straßen wwaren in einem erbärmlichen Zustand, die Schienen, die Häfen ... Ich war in den 90er oft im Osten. Ich weiß noch sehr genau, wie es da aussah.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon That's me » Mo 19. Jun 2017, 15:14

harry52 hat geschrieben:(19 Jun 2017, 15:43)
man hat doch sogar noch in den Trabbi einen Viertaktmotor eingebaut und trotzdem wollte den keiner kaufen.

Es geht doch darum, dass bei der Umstrukturierung hätte geholfen werden sollen, statt einen ganzen maroden Staat komplett aufzukaufen, bzw. verkaufen.

Z. B. der erste FCKW freie Kühlschtrank wurde 1992 in Sachsen gebaut.

Welche Firmen und ihre Produkte waren denn so toll und wurden verramscht?

Stichwort Treuhand dürfte genügen. In diesem Zusammenhang kann man genug Beispiele finden, die ich nun wahrlich nicht alle heraussuche. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/p ... 39388.html
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680613.html
http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/ ... ckt-599608
Hauptsache, die Unternehmen sind weg, nach diesem Motto privatisiert die im März 1990 noch unter der Modrow-Regierung gegründete Staatsholding lieber schnell als nachhaltig.
– Quelle: http://www.mz-web.de/599608 ©2017
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16961425.html
Dem SPIEGEL liegt das Werk nun vor, doch Sensationen verrät es nicht. Doch was Schucht vom 2. April 1991, dem Tag der ersten Eintragung, bis zum 30. Dezember 1994 auf 1400 Seiten festhielt, gibt erstmals einen authentischen Einblick in jene Zeit, in der überforderte Politiker, forsche Konzernchefs und dubiose Geschäftemacher sich über Deutschlands Osten hermachten.

http://www.deutschlandfunkkultur.de/die ... _id=191759
Für die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl war die Treuhand offenbar nichts anderes als ein Konkursverwalter, mit dessen schmutziger Arbeit sie sich nicht beflecken wollte. Der ohnehin geringe Verkehrswert der ostdeutschen Betriebe, denen, solange nicht privatisiert ein faktisches Modernisierungsverbot auferlegt war, verfiel sichtbar. Und nun kam auch noch Korruption hinzu:


Also such selbst. Man muss nicht für alle historisch aufgedeckten Skandale Quellen liefern.

Die Industrie war doch völlig überaltet und teilweise hochgradig lebensgefährlich für die Arbeiter, moderne IT war gar nicht vorhanden, die Straßen wwaren in einem erbärmlichen Zustand, die Schienen, die Häfen ... Ich war in den 90er oft im Osten. Ich weiß noch sehr genau, wie es da aussah.

Richtig, darum hätte aber dennoch Aufbauhilfe unter eigener Regie der "DDR" gegeben werden können. Sinnvol sanieren, statt im Rasenmäherprinzip zu privatisieren, auch noch ohne entsprechenden vertraglichen Verpflichtungen der Käufer/Investoren, diese "blühenden Landschaften" auch zum Blühen zu bringen und Arbeitsplätze zu schaffen/erhalten.

Geld hat es ohnehin gekostet, und die Treuhand hat dies nicht verhindert, sondern mehr Verluste gemacht, als nötig gewesen wären.
Warum töten wir Menschen die Menschen töten, um den Menschen zu zeigen, dass Töten falsch ist?
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon garfield336 » Mo 19. Jun 2017, 15:23

Kohl versprach blühende Landschaften, was er den Leuten aber verschwieg war, das das sehr sehr lange dauern würde.

Zumal auch die Abwanderung der dortigen Bevölkerung für einen grossen Teil des Niedergangs beigetragen hat.
Ich denke wenn die Einheit nicht so vollzogen worden wäre wie man es tat wàre die Abwanderung noch grösser ausgefallen.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon busse » Di 20. Jun 2017, 07:13

That's me hat geschrieben:(19 Jun 2017, 16:14)

Es geht doch darum, dass bei der Umstrukturierung hätte geholfen werden sollen, statt einen ganzen maroden Staat komplett aufzukaufen, bzw. verkaufen.

Z. B. der erste FCKW freie Kühlschtrank wurde 1992 in Sachsen gebaut.




Schlechtes Beispiel ! Denn Foron existierte unter den holländischen ADO Konzern noch bis 2006. Die Produkte waren gut, nur die Firmenstrategie schlecht, wie kann man auf deutsche Produkte im mittleren Standard ein italienisches Design aufsetzen ? Sie also vom mittleren Standard ins höherpreisige Segment zu versetzen ? Dieses Segment ist durch Miele weltweit abgedeckt. Sprich eine unternehmerische Fehlentscheidung hat Foron in die Insolvenz getrieben und nicht Treuhand oder Helmut Kohl.
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Re: Helmut Kohl ist tot.

Beitragvon harry52 » Di 20. Jun 2017, 07:16

That's me hat geschrieben:Z. B. der erste FCKW freie Kühlschtrank wurde 1992 in Sachsen gebaut.

Wow. Und was noch alles?
Wenn die DDR so viele tolle Produkte hatte, dann erwarte ich mehr als einen Kühlschrank, der übrigens auch kein Kassenschlager war. 1992 war die DDR auch schon Geschichte. Ansonsten lerne ich jetzt nur eins: Wie die alten Nazis sind alte Kommunisten scheinbar unbelehrbar.

Dass die sozialistischen Diktaturen in Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien, DDR... wirtschaftlich und menschlich eine Katastrophe waren, wollt ihr offensichtlich bis an eurer Lebensende nicht einsehen und Schuld haben sowieso nur die Ungläubigen, also böse Kapitalisten wie ich und Helmut Kohl, der die großen Errungenschaften des Sozialismus verramscht hat.

Wenn so eine Unbelehrbarkeit nicht so traurig wäre,
könnte man ja herzlich über sowas lachen. Und noch eins lernt man. Die ganzen Statements von Bartsch, Kipping, Gysi ... dass sie eingesehen haben, dass diese Diktaturen und ihr Wirtschaftssystem Mist waren, sind nicht glaubhaft. In Wahrheit haben diese roten Schleimer und Nieten gar nichts eingesehen.

Alles nur Show.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".

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