Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

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Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon frems » Sa 18. Mär 2017, 19:36

Und alle Jahre wieder kommt der Berliner Grünen-Politiker Volker Schröder mit seinem Vorschlag, den 18. März zum Tag der nationalen Besinnung zu machen. Unermüdlich und leidenschaftlich kämpft dieser Mann für seine Forderung – seit 1978! Erreicht haben er und seine Mitstreiter immerhin, dass es vor dem Brandenburger Tor einen „Platz des 18. März“ gibt. Der Name soll gleichermaßen an die Berliner Barrikadenkämpfe von 1848 erinnern wie an die erste freie Volkskammerwahl in der DDR von 1990. Keine Frage, Letztere hat Demokratiegeschichte geschrieben, das war mal ein glückliches Datum für die Deutschen.

Die von Volker Schröder ins Leben gerufene „Aktion 18. März“ will die Erinnerung an die Revolution von 1848 mit einem nationalen Gedenktag zur Staatsaufgabe machen. Bundespolitiker wie Wolfgang Thierse, Katrin Göring-Eckardt und Petra Pau unterstützen die Idee, auch der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen erwärmt sich dafür.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/geden ... 33862.html

Wie steht Ihr zum Thema? Sollte es einen offiziellen Gedenktag am 18. März geben? Oder gleich einen gesetzlichen Feiertage? Oder ist das Datum viel zu unbedeutend?
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 18. Mär 2017, 22:09

Eine ganz hervorragende Idee. Die 48-er Revolution gehört zum Gründungsmythos der Weimarer Republik und die jetzige setzt die Tradition fort. Ein formales Gedenken würde den kämpferischen Aspekt des Ringens um Freiheit betonen.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 18. Mär 2017, 22:25

Ich kann dazu nur den Autor des verwiesen Artikels zitieren: Bitte nicht! Bitte nicht!! Aber auch den 23. Mai nicht. Gar nix! Sport-Großereignisse sind als Jubelfeiern schon nervig genug. Nicht auch noch neue Gedenktage.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Ammianus » Sa 18. Mär 2017, 22:46

Ich glaube, dass das mit dem Platz ausreicht. Die 48-Revolution, abgesehen von ihrem Scheitern, ist nun nicht unbedingt noch groß im kollektivem Gedächtnis wie auch die erste und einzige freie Wahl in der DDR - jedenfalls im Westen und auch bei den Nachgeborenen. Der 3. Oktober als deutscher Nationalfeiertag reicht da eigentlich. Erinnerungskultur verbunden mit dem 9. November ist ebenfalls reichlich vorhanden - wobei der entscheidende Tag 89 eigentlich der 9. Oktober war.

Nachtrag:

Jetzt auch den verlinkten Artikel gelesen, absichtlich erst nach meinem Post, spricht mir aus der Seele ...
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 18. Mär 2017, 23:03

Ammianus hat geschrieben:(18 Mar 2017, 22:46)
Ich glaube, dass das mit dem Platz ausreicht. Die 48-Revolution, abgesehen von ihrem Scheitern, ist nun nicht unbedingt noch groß im kollektivem Gedächtnis wie auch die erste und einzige freie Wahl in der DDR - jedenfalls im Westen und auch bei den Nachgeborenen.

Sie ist vor allem auch bei genauerem Hinsehen nicht unproblematisch. Wie alle historischen Ereignisse. Es gab nicht nur Heine, Herwegh und Büchner sondern auch Arndt, Wartburgfgeste, Verbrennungen undeutscher Bücher, Franzosenfeindschaft, Burschenschaften, nationalistische Turnväter '... soll ich das etwa "feiern". Kritische, nüchterne historische Analyse statt "Gedenkfeiern". Wozu sollen die gut sein? Die "Gemeinschaft" zu stärken? "Gemeinschaften" waren historisch gesehen im Großen und Ganzen vor allem dazu gut, aus der Anonymität der Gemeinschaft heraus anderen Leuten den Schädel einzuschlagen. Um es mal drastisch zu formulieren. Das Menschenbild der Zukunft solte das eines souverän als Einzelindividuum handelnden und wertenden Subjekts sein.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Zunder » Sa 18. Mär 2017, 23:29

"Der Friedhof der Märzgefallenen in Friedrichshain soll zur nationalen Gedenkstätte werden."

Als "Märzgefallene" wurden von den Nazis die Opportunisten, die nach der Wahl 1933 in die NSDAP eintraten, verspottet.

Wenn Deutschland dringend einen Jubeltag braucht, könnten wir es ja mal ein bißchen weniger national mit einem Gedenktag zum europäischen Einigungsprozeß versuchen. Wahrscheinlich wäre das aber verfrüht. Man traut dem Laden nicht so recht.
Immerhin ist die Europa-Hymne deutsch. Beethoven und Schiller sind mir jedenfalls sympathischer als Haydn und Hoffmann von Fallersleben.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon busse » So 19. Mär 2017, 09:23

Zunder hat geschrieben:(18 Mar 2017, 23:29)

"Der Friedhof der Märzgefallenen in Friedrichshain soll zur nationalen Gedenkstätte werden."

Als "Märzgefallene" wurden von den Nazis die Opportunisten, die nach der Wahl 1933 in die NSDAP eintraten, verspottet.

Wenn Deutschland dringend einen Jubeltag braucht, könnten wir es ja mal ein bißchen weniger national mit einem Gedenktag zum europäischen Einigungsprozeß versuchen. Wahrscheinlich wäre das aber verfrüht. Man traut dem Laden nicht so recht.
Immerhin ist die Europa-Hymne deutsch. Beethoven und Schiller sind mir jedenfalls sympathischer als Haydn und Hoffmann von Fallersleben.



Was das mit den Nazis zu tun hat die massiv schwarz-rot-gold ablehnten, erschließt sich wohl nur Dir, abenteuerliche Parallele.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon busse » So 19. Mär 2017, 09:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Mar 2017, 23:03)

Sie ist vor allem auch bei genauerem Hinsehen nicht unproblematisch. Wie alle historischen Ereignisse. Es gab nicht nur Heine, Herwegh und Büchner sondern auch Arndt, Wartburgfgeste, Verbrennungen undeutscher Bücher, Franzosenfeindschaft, Burschenschaften, nationalistische Turnväter '... soll ich das etwa "feiern". Kritische, nüchterne historische Analyse statt "Gedenkfeiern". Wozu sollen die gut sein? Die "Gemeinschaft" zu stärken? "Gemeinschaften" waren historisch gesehen im Großen und Ganzen vor allem dazu gut, aus der Anonymität der Gemeinschaft heraus anderen Leuten den Schädel einzuschlagen. Um es mal drastisch zu formulieren. Das Menschenbild der Zukunft solte das eines souverän als Einzelindividuum handelnden und wertenden Subjekts sein.


Mal davon abgesehen das man nicht noch mehr Gedenktage braucht, die unsere Bevölkerung mit ihren teilweisen Halbwissen sowieso nicht mehr verstehen, gibt es immer wieder Leute die versuchen , teilweise Halbwissen zu verbreiten.
Arndt war einer der Wenigen der während der Besatzungszeit überhaupt den Mund gegen den kleinen Korsen aufmachte und zwar gewaltig und öffentlkich. Von anderen damaligen Geistesgrößen hörte man eher weniger . Wartburgfeste waren damals eine geniale Öffentlichkeit herstellende Signalfunktion um die Leute zu motivieren ein einheitliches Deutschland herzustellen. Immer wieder nahmen auch Polen daran teil,die auch zur nationalen Unabhängigkeit strebten, dies wird natürlich ignoriert. Verbrennung undeutscher Bücher ? Zuviel Bücherverbrennung im NS Staat geschaut ? Ha, ha , ha Franzosenfeindschaft, nachdem es erst ein paar Jahre her war, wo napoleonische Heere Deutschlands Staaten verwüsteten und vom Wiener Kongress dafür noch nicht mal ansatzweise bestraft wurden, hätte man es ja wie heute rot-grün-Ringelpietz mit anfassen machen können *lach*. Ja, Burschenschaften waren die treibende Keile gegen Feudalismus, Kleinstaaterei, Zollgrenzen, Fürstenwillkür und für die Freiheit für die heute ja der Individualismus steht. Es gab keine Anderen ! Aber der Obergau der Argumentation komt ja noch "nationalistische Turnväter "*lach* , so argumentiert nur einer der genau mit dem angesprochnenen Halbwissen von heute verächtlich nach damals schaut, ohne überhaupt irgendeine Empathie zu spüren warum und wieso sich Menschen damals genauso engagierten.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Mär 2017, 10:38

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Mar 2017, 23:03)

Sie ist vor allem auch bei genauerem Hinsehen nicht unproblematisch. Wie alle historischen Ereignisse. Es gab nicht nur Heine, Herwegh und Büchner sondern auch Arndt, Wartburgfgeste, Verbrennungen undeutscher Bücher, Franzosenfeindschaft, Burschenschaften, nationalistische Turnväter '... soll ich das etwa "feiern". Kritische, nüchterne historische Analyse statt "Gedenkfeiern". Wozu sollen die gut sein? Die "Gemeinschaft" zu stärken? "Gemeinschaften" waren historisch gesehen im Großen und Ganzen vor allem dazu gut, aus der Anonymität der Gemeinschaft heraus anderen Leuten den Schädel einzuschlagen. Um es mal drastisch zu formulieren. Das Menschenbild der Zukunft solte das eines souverän als Einzelindividuum handelnden und wertenden Subjekts sein.

Im Rahmen der Revolution waren freilich auch schon übernationale Ideen präsent und der Begriff des "Völkerfrühlings" stand Pate für einen Begriff unserer Tage, dem "Arabischen Frühling".

Die Märzrevolution gab in zwischenstaatlichen Grundzügen zusätzlich zu vorherigen, in der Aufklärung begründeten Entwicklungen einige ideelle Impulse für die Entwicklung der Europäischen Union (EU) im späten 20. Jahrhundert. So vertrat der italienische Revolutionär Giuseppe Mazzini schon vor den revolutionären Wirren um 1848 ein Europa der Völker. Er stellte diese Utopie gegen das Europa der autoritären Fürstentümer und nahm damit eine politisch-soziale Grundidee der EU vorweg. Mazzinis entsprechende Ideen waren bereits 1834 von einigen idealistischen republikanisch eingestellten Deutschen, unter ihnen Carl Theodor Barth, im Geheimbund Junges Deutschland aufgegriffen worden. Zusammen mit Mazzinis Jungem Italien und dem von polnischen Emigranten gegründeten Jungen Polen bildeten sie im schweizerischen Bern ebenfalls 1834 den übernationalen Geheimbund Junges Europa. Von deren Idealen war oft auch die Aufbruchsstimmung zu Beginn der Märzrevolution geprägt, als vielerorts bei der revolutionären Basis von einem Internationalen Völkerfrühling die Rede war.
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_ ... _1848/1849

Die sog. Franzosenzeit unter der Herrschaft Napoleons bildete wohl auch den Nährboden für Ressentiments und "Deutschtümelei", gleichwohl setzten dem Intellektuelle eine republikanische Perspektive entgegen.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Zunder » So 19. Mär 2017, 13:18

busse hat geschrieben:(19 Mar 2017, 09:39)
Verbrennung undeutscher Bücher ? Zuviel Bücherverbrennung im NS Staat geschaut ? Ha, ha , ha

Kommentar zur Verbrennung von Saul Aschers "Germanomanie":
„Wehe über die Juden, so da festhalten an ihrem Judenthum und wollen über unser Volksthum und Deutschthum spotten und schmähen!“

Da kommt Freude auf, was? Ganz toll, Gratuliere.

Verbrannt wurde auch der Code Civil, der die Grundlage für die Entwicklung zum freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat bildet.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 20. Mär 2017, 14:03

busse hat geschrieben:(19 Mar 2017, 09:39)

Mal davon abgesehen das man nicht noch mehr Gedenktage braucht, die unsere Bevölkerung mit ihren teilweisen Halbwissen sowieso nicht mehr verstehen, gibt es immer wieder Leute die versuchen , teilweise Halbwissen zu verbreiten.
Arndt war einer der Wenigen der während der Besatzungszeit überhaupt den Mund gegen den kleinen Korsen aufmachte und zwar gewaltig und öffentlkich. Von anderen damaligen Geistesgrößen hörte man eher weniger . Wartburgfeste waren damals eine geniale Öffentlichkeit herstellende Signalfunktion um die Leute zu motivieren ein einheitliches Deutschland herzustellen. Immer wieder nahmen auch Polen daran teil,die auch zur nationalen Unabhängigkeit strebten, dies wird natürlich ignoriert. Verbrennung undeutscher Bücher ? Zuviel Bücherverbrennung im NS Staat geschaut ?

Natürlich gab es Bücherverbrennungen. Nicht nur beim Wartburgfest 1817. Auch wenn häufig nicht tatsächlich Bücher sondern symbolische Gegenstände verbrannt wurden. Das ändert nix am Kern der Sache: Nationalismus, sehr häufig verbunden mit Antijudaismus. Wie zu allem muss man natürlich auch zu Napoleon ein kritisches Verhältnis finden. Und genauso aber auch mal ein bissel bei Goethe nachlesen, wie positiv der ihn bzw. seinen Einfluss in Europa sah, wie beeindruckt er nach einem Treffen mit Napoleon in Erfurt war, statt bei Arndts dumpfen franzosenfeindlichen Schriften. Die Akademiker der Uni Greifswald wollen den Arndt-Namen loswerden. Die konservative Stadt-CDU unter Malermeister Hochschild will ihn behalten. Lesen statt Wutausbruch ist sowieso zu empfehlen.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Provokateur » Mo 20. Mär 2017, 14:12

Ich möchte zum Todestag von Otto dem Faulen einen Gedenktag, an dem alle Arbeit ruht.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 20. Mär 2017, 14:25

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Mar 2017, 10:38)

Im Rahmen der Revolution waren freilich auch schon übernationale Ideen präsent und der Begriff des "Völkerfrühlings" stand Pate für einen Begriff unserer Tage, dem "Arabischen Frühling".

Auf europäische 1848-Helden wie General Bem, Lajos Kossuth oder Garibaldi berufen sich heute ebenso Nationalisten wie Europäer. Kossuth-Radio ist das größte ungarische Staatsradio und quasi die Orbán-Schnauze für stramm nationalistische und von nationalem Pathos nur so triefende Führeransprachen. Feiertage, nationales Pathos, Hymnen, Fahnen und Flaggen sind von jedem halbwegs mitdenkenden liberalen Individuum mit aller Konsequenz abzulehnen. Ohne ein kritisches Verhältnis zur eigenen Historie und ohne einen Verzicht auf Nationalpathos wird auch das ukrainische Volk kein angemessenes Verhältnis zu Leuten wie Bandera finden.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Katenberg » Mo 20. Mär 2017, 19:11

Prinzipiell keine schlechte Idee, die 48er damit zu Ehren, halte es aber für sinnvoller, unsere Gedenk- und Erinnerungskultur anderweitig "mit mehr Seele" zu erweitern.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Edmund » Mo 20. Mär 2017, 23:04

busse hat geschrieben:(19 Mar 2017, 09:23)
Was das mit den Nazis zu tun hat die massiv schwarz-rot-gold ablehnten, erschließt sich wohl nur Dir, abenteuerliche Parallele.
busse


Die deutsche Nationalbewegung im 19. Jahrhundert war aber ebenso wenig wie die Weimarer Republik eine antideutsche, linksgrüne Gutmenschenveranstaltung nach dem Geschmack heutiger Linker. Patriotismus, Nationalstolz und "Deutschland über alles" waren die tragenden Ideale. Alles was unsere Genossen hassen und verabscheuen.

Schwarz-Rot-Gold hassen die Linken genauso, wie auch alles andere, was deutsche Nation, deutsche Identität, deutschen Stolz symbolisiert.

Zum Thema:

Die große Masse der Deutschen dürfte heute mit dem Datum wenig anfangen können. In den Schulen werden die Kinder von kleinauf mit Holocaust und Hitler dauerberieselt, während positive Bezugspunkte zur deutschen Geschichte wenig bis gar nicht vorkommen. Viele Deutsche werden nicht mal wissen, was die "Märzrevolution" überhaupt war. Von daher würde ich erstmal die Lehrpläne grundlegend überarbeiten und ein breiteres und stolzeres Geschichtsbewußtseins im Volk fördern. Dann könnte so ein Gedenktag irgendwann auch eingeführt werden, wenn das Volk mit dem Datum etwas anfangen kann.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon think twice » Mo 20. Mär 2017, 23:14

Edmund hat geschrieben:(20 Mar 2017, 23:04)

Schwarz-Rot-Gold hassen die Linken genauso, wie auch alles andere, was deutsche Nation, deutsche Identität, deutschen Stolz symbolisiert.

Weißt du, was für mich die deutsche Nation, die deutsche Identität und deutschen Stolz symbolisiert?
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.
Euer Nonsens ist kein Konsens.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 21. Mär 2017, 01:05

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Mar 2017, 14:25)

Auf europäische 1848-Helden wie General Bem, Lajos Kossuth oder Garibaldi berufen sich heute ebenso Nationalisten wie Europäer. Kossuth-Radio ist das größte ungarische Staatsradio und quasi die Orbán-Schnauze für stramm nationalistische und von nationalem Pathos nur so triefende Führeransprachen. Feiertage, nationales Pathos, Hymnen, Fahnen und Flaggen sind von jedem halbwegs mitdenkenden liberalen Individuum mit aller Konsequenz abzulehnen. Ohne ein kritisches Verhältnis zur eigenen Historie und ohne einen Verzicht auf Nationalpathos wird auch das ukrainische Volk kein angemessenes Verhältnis zu Leuten wie Bandera finden.

Die Nationalisten finden auch Beethoven gut oder die Sonne. Dennoch ist ein italienischer Flugzeugträger nach Garibaldi benannt und ein Symbol der Republik. Geschichtspolitik dreht sich immer darum, Symbole und Ereignisse im Sinne eines zu bestimmenden Narrativs zu deuten oder auszuwählen. Wenn man nun sagte, die Populisten wollen Beethoven für ihre Geschichtspolitik haben, dann könnte man dem mit dem Argument nachgeben, das "liberale Individuum" Schokoschendrezkischer Prägung braucht ja auch diese Symbolik nicht. Das wäre aber völlig falsch, meiner Ansicht nach.
Der ehemalige Kulturchef vom SPIEGEL, Matussek, begrüßte es ausdrücklich, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt die Nationalflagge als Symbolik wieder dorthin zurück kehrte, wo sie seiner Meinung nach auch hingehöre, nämlich in die Mitte der Gesellschaft. Der Anlass damals war eine Fußballweltmeisterschaft.
Und so kann man es eben auch sehen - Deutungshoheiten muss man nicht den Rändern überlassen, man sollte es nicht mal.

Daher - klares Ja zur republikanischen Perspektive.

PS
Die Ukraine ist ein Sonderfall, da Revolution und Krieg ein besonderes Tempo verlangen, was die Geschichtsdeutung betrifft. Die Entsowjetisierung spielt da eine Rolle, die Idee der Einheit und die Vorstellung, auch für die Freiheit Europas zu kämpfen. Der Holodomor als alleiniger Gründungsmythos reichte da nicht mehr aus, jedenfalls ist sehr viel in Bewegung gekommen. Was dem hedonistisch-urban geprägten "Individuum" im Westen wohl am ehesten unverständlich erscheinen mag, ist der emanzipatorische Aspekt, der mit der Flaggensymbolik verknüpft wird. Das Entkommen aus dem ehemaligen "Völkergefängnis" wird sicher auch als identitätsstiftend verstanden, aber auch als Liberation im kämpferischen Sinne.
Es ist doch bezeichnend, dass eine ursprünglich eher unpolitische Tradition, das folkloristische Besticken von Hemdchen, mittlerweile als Symbol von Unabhängigkeit und Einigkeit gedeutet wird.
Aber, wie gesagt, ein Sonderfall.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 21. Mär 2017, 12:48

DarkLightbringer hat geschrieben:(21 Mar 2017, 01:05)

Die Nationalisten finden auch Beethoven gut oder die Sonne. Dennoch ist ein italienischer Flugzeugträger nach Garibaldi benannt und ein Symbol der Republik. Geschichtspolitik dreht sich immer darum, Symbole und Ereignisse im Sinne eines zu bestimmenden Narrativs zu deuten oder auszuwählen. Wenn man nun sagte, die Populisten wollen Beethoven für ihre Geschichtspolitik haben, dann könnte man dem mit dem Argument nachgeben, das "liberale Individuum" Schokoschendrezkischer Prägung braucht ja auch diese Symbolik nicht. Das wäre aber völlig falsch, meiner Ansicht nach.
Der ehemalige Kulturchef vom SPIEGEL, Matussek, begrüßte es ausdrücklich, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt die Nationalflagge als Symbolik wieder dorthin zurück kehrte, wo sie seiner Meinung nach auch hingehöre, nämlich in die Mitte der Gesellschaft. Der Anlass damals war eine Fußballweltmeisterschaft.
Und so kann man es eben auch sehen - Deutungshoheiten muss man nicht den Rändern überlassen, man sollte es nicht mal.

Daher - klares Ja zur republikanischen Perspektive.


Deutungen sind auch ausdrücklich erwünscht und positiv. Feiern dagegen solte besser Privatangelegenheit für private Themen sein.

Wer gerne Nation, Ethnie und Religion abfeiert, sollte gegenwärtig mal über einen Ortswechsel Richtung Türkei nachdenken. Ununterbrochen dringt der Redeschwall von Nation, Stolz, Ehre, Blut, Türkentum, Fahne, Scham und Schande aus dieser Richtung.
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Katenberg » Di 21. Mär 2017, 17:06

think twice hat geschrieben:(20 Mar 2017, 23:14)

Weißt du, was für mich die deutsche Nation, die deutsche Identität und deutschen Stolz symbolisiert?
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.


Die Söldnertruppe?
Gut, mir ist schon klar, worauf du hinaus willst, was ich ja auch recht ähnlich sehe. Bei der Nationalmannschaft kommt dann aber eben die Causa Özil...
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Re: Brauchen wir neue Gedenktage für Deutschland?

Beitragvon Perdedor » Di 21. Mär 2017, 17:14

schokoschendrezki hat geschrieben:Wer gerne Nation, Ethnie und Religion abfeiert, sollte gegenwärtig mal über einen Ortswechsel Richtung Türkei nachdenken. Ununterbrochen dringt der Redeschwall von Nation, Stolz, Ehre, Blut, Türkentum, Fahne, Scham und Schande aus dieser Richtung.


So ist es.
Man sollte allgemein mal von der Vorstellung wegkommen, dass landesweite freie Tage nur dann erlaubt sein dürfen, wenn irgendwann eimnal irgendetwas am selben Tag passiert ist.
Ich wäre für die Einführung eines "Tag der Freizeit" und eines "Tag der Entspannung". Bevorzugt im Sommer an einem Montag.
Arbeit. Leben. Zukunft.

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