Braucht ein Politiker Abi/Studium?

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Für Bundeskanzler und -minister:

Ja, Abi/Studium ist Pflicht (bin Akademiker)
2
4%
Ja, ist Pflicht (bin kein Akademiker)
0
Keine Stimmen
Jein, wünschenswert, aber kein Muss (bin Akademiker)
8
17%
Jein, wünschenswert, aber kein Muss (bin kein Akademiker)
5
11%
Nein, ist unwichtig (bin Akademiker)
20
43%
Nein, ist unwichtig (bin kein Akademiker)
10
22%
Sonstiges -> Kommentar (nur im Ausnahmefall ankreuzen, damit die Userakten gefüllt werden können)
1
2%
 
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frems
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Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon frems » So 12. Feb 2017, 22:44

Werte Userschaft, liebe Genossen, geehrte Mitbürger,

in vergangenen Tagen fiel mir im PF und auch einigen Zeitschriften auf, dass oft auf Martin Schulz' "fehlendes" Abitur hingewiesen wird, da er 1974 ein katholisches Gymnasium mit der Mittleren Reife verließ, "nur" eine kaufmännische Lehre absolvierte und anschließend ein Unternehmen gründete. Beispiele werden hier genannt:

Kanzler ohne Abitur? Aber klar!
Nun wird Martin Schulz also Kanzlerkandidat. Schon bevor das offiziell klar war, kam es zu einer Diskussion über seine Befähigung. Das zeugt von einem Elitedenken, das brandgefährlich ist.

http://www.stern.de/politik/deutschland ... 27876.html

Schaut man sich aber nicht beim Durchschnittsbürger (der kein Abi/Studium vorweisen kann) um, sondern im "Establishment", dann ist er damit die Ausnahme. Im Bundestag, der repräsentativ sein sollte, haben über 90% der Abgeordneten einen Hochschulabschluss (exkl. entzogenen Doktorgraden), in der Bundesregierung jeder und davon viele mit Promotion (https://www.welt.de/politik/deutschland ... glich.html). Auf Landesebene erreich(t)en einige Leute aber auch ohne Studium höhere Ämter, z.B. Horst Seehofer, Michael Müller, Kurt Beck und Bodo Ramelow. Das war früher anders; unter Brandt, der kein Studium abschloss (aufgrund der NS-Zeit), war noch rund das halbe Bundeskabinett von Nicht-Akademikern besetzt und waren damit (nur auf Bildungszertifikate bezogen) dem Normalbürger näher. Die Präsidenten Scheel und Gauck kamen auch "ohne" aus.

Damit unterscheiden sich die heutigen Spitzenpolitiker ziemlich vom Bundesdurchschnitt. Unter den Beschäftigten haben zwischen 6,8 (Schleswig-Holstein) und 15,2 Prozent (Berlin) einen akademischen Abschluss (https://de.statista.com/statistik/daten ... ifizierte/). Unter jüngeren Deutschen erlangen "nur" 27% der 25- bis 34-Jährigen einen akademischen Grad und somit ist dies auch heute eine Minderheit (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/un ... 13694.html). Gleichzeitig können selbstverständlich Nicht-Akademiker wünschen, dass bspw. das Bundesverkehrsministerium von einem studierten Soziologen und das Bundesverteidigungsministerium von einer promovierten Medizinerin geführt werden (sorry), während eine Marine Le Pen vor Wut tobt, weil ihr Konkurrent Macron in Berlin mit Studenten fließend auf Englisch diskutierte und man Sprachkenntnisse nicht als Plus-, sondern Minuspunkt sieht (http://www.politico.eu/article/marine-l ... g-english/). Ein Schulz, der sechs Sprachen fließend spricht, wäre da wohl ein absolutes No-Go. (Für FN-affine AfD-Fans ein kleines Dilemma: Petry studierte einige Jahre in England und spricht die Landessprache fließend)

Lange Rede, mehrere Fragen: sind Abi und Studium für Politiker aus Eurer Sicht Pflicht bzw. berücksichtigt Ihr bei der Wahl von Direktkandidaten respektive Parteien/Spitzenkandidaten, welchen Abschluss jemand in den 1970ern (nicht) erlangt hat? Oder zählen für Euch andere Punkte im Lebenslauf, z.B. wirtschaftliche Aktivitäten, religiöse Zugehörigkeit, politische (Miss-)Erfolge, Lieblingsfußballverein, soziale Herkunft, Familie/Ehe/Kinderzahl etc. mehr?

Und wie seht Ihr es mit dem häufigen Ruf nach einem besseren Ansehen der Berufsausbildung und einem Geklage einer Überakademisierung, die ja sehr oft von Akademikern angeführt wird (http://www.tagesspiegel.de/wissen/neue- ... 08342.html)? Gilt das auch für Politiker? :?:

(falls die Mods einen geeigneteren Ort sehen, bitte Strang verschieben, ob nach 20, 22, 5, 8, 9 oder sonstwas)
Labskaus!
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Europa2050 » Mo 13. Feb 2017, 08:50

frems hat geschrieben:(12 Feb 2017, 22:44)

Werte Userschaft, liebe Genossen, geehrte Mitbürger,

in vergangenen Tagen fiel mir im PF und auch einigen Zeitschriften auf, dass oft auf Martin Schulz' "fehlendes" Abitur hingewiesen wird, da er 1974 ein katholisches Gymnasium mit der Mittleren Reife verließ, "nur" eine kaufmännische Lehre absolvierte und anschließend ein Unternehmen gründete. Beispiele werden hier genannt:

Kanzler ohne Abitur? Aber klar!
Nun wird Martin Schulz also Kanzlerkandidat. Schon bevor das offiziell klar war, kam es zu einer Diskussion über seine Befähigung. Das zeugt von einem Elitedenken, das brandgefährlich ist.

http://www.stern.de/politik/deutschland ... 27876.html

Schaut man sich aber nicht beim Durchschnittsbürger (der kein Abi/Studium vorweisen kann) um, sondern im "Establishment", dann ist er damit die Ausnahme. Im Bundestag, der repräsentativ sein sollte, haben über 90% der Abgeordneten einen Hochschulabschluss (exkl. entzogenen Doktorgraden), in der Bundesregierung jeder und davon viele mit Promotion (https://www.welt.de/politik/deutschland ... glich.html). Auf Landesebene erreich(t)en einige Leute aber auch ohne Studium höhere Ämter, z.B. Horst Seehofer, Michael Müller, Kurt Beck und Bodo Ramelow. Das war früher anders; unter Brandt, der kein Studium abschloss (aufgrund der NS-Zeit), war noch rund das halbe Bundeskabinett von Nicht-Akademikern besetzt und waren damit (nur auf Bildungszertifikate bezogen) dem Normalbürger näher. Die Präsidenten Scheel und Gauck kamen auch "ohne" aus.

Damit unterscheiden sich die heutigen Spitzenpolitiker ziemlich vom Bundesdurchschnitt. Unter den Beschäftigten haben zwischen 6,8 (Schleswig-Holstein) und 15,2 Prozent (Berlin) einen akademischen Abschluss (https://de.statista.com/statistik/daten ... ifizierte/). Unter jüngeren Deutschen erlangen "nur" 27% der 25- bis 34-Jährigen einen akademischen Grad und somit ist dies auch heute eine Minderheit (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/un ... 13694.html). Gleichzeitig können selbstverständlich Nicht-Akademiker wünschen, dass bspw. das Bundesverkehrsministerium von einem studierten Soziologen und das Bundesverteidigungsministerium von einer promovierten Medizinerin geführt werden (sorry), während eine Marine Le Pen vor Wut tobt, weil ihr Konkurrent Macron in Berlin mit Studenten fließend auf Englisch diskutierte und man Sprachkenntnisse nicht als Plus-, sondern Minuspunkt sieht (http://www.politico.eu/article/marine-l ... g-english/). Ein Schulz, der sechs Sprachen fließend spricht, wäre da wohl ein absolutes No-Go. (Für FN-affine AfD-Fans ein kleines Dilemma: Petry studierte einige Jahre in England und spricht die Landessprache fließend)

Lange Rede, mehrere Fragen: sind Abi und Studium für Politiker aus Eurer Sicht Pflicht bzw. berücksichtigt Ihr bei der Wahl von Direktkandidaten respektive Parteien/Spitzenkandidaten, welchen Abschluss jemand in den 1970ern (nicht) erlangt hat? Oder zählen für Euch andere Punkte im Lebenslauf, z.B. wirtschaftliche Aktivitäten, religiöse Zugehörigkeit, politische (Miss-)Erfolge, Lieblingsfußballverein, soziale Herkunft, Familie/Ehe/Kinderzahl etc. mehr?

Und wie seht Ihr es mit dem häufigen Ruf nach einem besseren Ansehen der Berufsausbildung und einem Geklage einer Überakademisierung, die ja sehr oft von Akademikern angeführt wird (http://www.tagesspiegel.de/wissen/neue- ... 08342.html)? Gilt das auch für Politiker? :?:

(falls die Mods einen geeigneteren Ort sehen, bitte Strang verschieben, ob nach 20, 22, 5, 8, 9 oder sonstwas)


Das ist ein hoch interessantes Thema, dass Du da aufgeworfen hast, Danke schon mal dafür.

Erstmal sehe ich da zwei Dinge:

1. Der Bundestag und die Regierung vertreten das Volk, also sollte dieses in allen Gruppen auch angemessen repräsentiert sein. Nicht-Akademiker sind rein zahlenmäßig "näher" an der Masse dran und vertreten prinzipiell (ja, es menschelt nun mal überall) auch deren Interessen besser.

2. Die Regierungsverantwortung ist nun mal einer derwichtigsten Posten, die es in Deutschland gibt. Irgendwie hängt unser aller Wohl und Wehe dran. Da sollten wir unsere besten Leute hintun. Dazu ist nun mal eine akademische Ausbildung der höchstmögliche Bildungsstand.

Zudem kommt die verstärkte Auslese dazu. In der Kriegs- und Nachkriegsgeneration konnten nicht alle klugen Köpfe Abitur etc. machen (Brandt wurde schon genannt). Heute kann jeder (ist meine Meinung, auch wenn ich dafür Widerspruch ernten werde), der es in der Birne hat eine Schul- und akademische Bildung bis auf das höchste Niveau erwerben.

Also eine schwierige Frage, die Abwägen erfordert: Hohe Ausbildung für unsere Repräsentanten ist sehr wichtig, aber wenn ein Quereinsteiger wie Schulz solche Kompetenz zeigt, ist der natürlich der ideale Mann (Gilt für Frauen genau so :) )
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Keoma » Mo 13. Feb 2017, 08:52

Nachdem Parlamente das Volk vertreten, sollte auch die große Gruppe der Vollidioten angemessen vertreten sein.
Ups, das ist sie ja eh' schon..........
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Zinnamon » Mo 13. Feb 2017, 09:03

Keoma hat geschrieben:(13 Feb 2017, 08:52)

Nachdem Parlamente das Volk vertreten, sollte auch die große Gruppe der Vollidioten angemessen vertreten sein.
Ups, das ist sie ja eh' schon..........


Was hinreichend belegt, dass auch ein Abitur zum Vollidioten qualifiziert.

Das aktuelle Problem ist mE nicht, welche Bildungsabschlüsse zu welchen Anteilen vertreten sind, sondern wie hoch im Elfenbeinturm man sitzt, wie weit weg von der Alltagsrealität des schnöden Bürgers man sich befindet. Aufgrund dessen brodelt es schon länger mit allen Umwälzungen in der Parteienlandschaft, die wir bereits seit einigen Jahren sehen. Die Problematik scheint international zu sein.
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JJazzGold
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon JJazzGold » Mo 13. Feb 2017, 09:51

"Europa2050"

Das ist ein hoch interessantes Thema, dass Du da aufgeworfen hast, Danke schon mal dafür.

Erstmal sehe ich da zwei Dinge:

1. Der Bundestag und die Regierung vertreten das Volk, also sollte dieses in allen Gruppen auch angemessen repräsentiert sein. Nicht-Akademiker sind rein zahlenmäßig "näher" an der Masse dran und vertreten prinzipiell (ja, es menschelt nun mal überall) auch deren Interessen besser.


Bleibt die Frage, wie viele der Vertreter in der Lage sind, sich bezogen auf ihre Aufgabenstellung autodidaktisch weiterzubilden? Denn nur Vertretung ist nicht ausreichend. Es muss zwangsläufig Fachwissen erworben werden, um in den jeweiligen Ausschüssen und Gremien fachgerecht die Interessen vertreten zu können. Mit den wenigsten Abgeordneten kommt eine Fachfrau oder ein Fachmann ins Parlament.

2. Die Regierungsverantwortung ist nun mal einer derwichtigsten Posten, die es in Deutschland gibt. Irgendwie hängt unser aller Wohl und Wehe dran. Da sollten wir unsere besten Leute hintun. Dazu ist nun mal eine akademische Ausbildung der höchstmögliche Bildungsstand.

Zudem kommt die verstärkte Auslese dazu. In der Kriegs- und Nachkriegsgeneration konnten nicht alle klugen Köpfe Abitur etc. machen (Brandt wurde schon genannt). Heute kann jeder (ist meine Meinung, auch wenn ich dafür Widerspruch ernten werde), der es in der Birne hat eine Schul- und akademische Bildung bis auf das höchste Niveau erwerben.



Die oder der Beste orientiert sich an dem jeweiligen Standpunkt, den der Wähler vertritt. Von der respektvollen Sichtweise, "die/der ist Akademiker, der wird es schon am besten wissen und können", haben wir uns meines Erachtens weit entfernt und eine vorherige Bestenauslese findet in der Regel nicht statt. Gewählt werden kann Jede/r die der sich entsprechend präsentiert.
Was hilft ein Interessenvertreter mit akademischen Abschluss in Geschichte, wenn es um Wirtschaft und Verträge geht, oder darum fachlich korrekte Anfragen und Anträge zu fomulieren ?

Bedauerlicherweise gibt es nach meinem Kenntnisstand noch nicht einmal ein Intro Seminar Bundestag oder Länderparlament.


Also eine schwierige Frage, die Abwägen erfordert: Hohe Ausbildung für unsere Repräsentanten ist sehr wichtig, aber wenn ein Quereinsteiger wie Schulz solche Kompetenz zeigt, ist der natürlich der ideale Mann (Gilt für Frauen genau so :) )


Es ist in der Tat ein schwierige Frage.
Ein akademischer Abschluss bringt nicht zwangsläufig das schnelle Erkennen der sich stellenden Problematik mit sich, oder einen hohen EQ Wert, oder die Anwendbarkeit der Fachrichtung. Auf der anderen Seite erfordert der Weg vom Zahntechniker zum Afrikaexperten einen hohen eigenverantwortlichen Einsatz an Wissensvermehrung, den ein Akademiker, wesentlich länger im Lernprozess verweilend, ggfls. einfacher und schneller bewältigen würde.
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Zinnamon
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Zinnamon » Mo 13. Feb 2017, 10:05

JJazzGold hat geschrieben:(13 Feb 2017, 09:51)

(..)

Die oder der Beste orientiert sich an dem jeweiligen Standpunkt, den der Wähler vertritt. Von der respektvollen Sichtweise, "die/der ist Akademiker, der wird es schon am besten wissen und können", haben wir uns meines Erachtens weit entfernt und eine vorherige Bestenauslese findet in der Regel nicht statt. (..)



Ein bischen entfernt vielleicht. Weit jedoch meiner Einschätzung nach nicht. Der einzige Grund, weshalb die Herrschaften Akademiker (nicht, dass ich nicht selber eine wäre) im Bundestag nicht mehr reihenweise ihren Doktortitel faken (reicht es nicht für einen ehrenhaft erworbenen?) dürfte sein, dass einer nach dem anderen nach Akademiker und Hochadel Guttenberg damit aufgeflogen sind. Alleine diese Affairen sagen mehr als tausend Worte zum Thema. Abitur inclusive Studium waren offenkundig noch zu wenig, um sich entsprechend zu profilieren.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon harry52 » Mo 13. Feb 2017, 10:23

Politiker sind Verkäufer.
Sie verschwinden ja genau dann aus den Parlamenten, wenn sie ihre Politik nicht mehr erfolgreich verkaufen können. Ein PKW Verkäufer ist aber meist nicht geeignet und zuständig dafür, den PKW zu bauen und bis ins Detail erklären zu können.

Da sollte man auf Fachleute setzen. Beim Automobilkonzern sind das z.B. Ingenieure, Facharbeiter, Mathematiker, Physiker ... .

Minister haben beispielsweise ihre Ministerien
und da sitzen auch mehrere Mathematiker, BWL´er, VWL´er, Juristen .... Des weiteren gibt es die sogenannten Lobbys, die eine wichtge Aufgabe haben, nämlich die Politiker zu beraten. Lobbys sind z.B. Amnesty International, Gewerkschaften, Unternehmerverände, Verbraucherverbände, Medienvertreter, Beraterfirmen, Sportvereine, Kaninchenzüchtervereine, Forscher, Wissenschafter, die eigene Partei, der Koalitonspartner ....

Wer immer wieder pauschal gegen Lobbys hetzt, ist hingegen richtig dumm.

Bei einem Politiker ist Fachkompetenz nicht so wahnsinnig wichtig.
Die Welt ist sowieso so kompliziert, dass selbst Fachleute nur ein Bruchteil von ihrem Fach verstehen. Der Politiker sollte aber ein Teamplayer sein, ein guter Zuhörer und im Zweifel auf die Nerds hören, die gut mathematisch logisch Denken können und von der Sache was verstehen.

Leute wie Bill Gates oder Stephen Hawking sollten lieber nicht in die Politik,
aber man macht einen Fehler, wenn man sich negativ über "Die Reichen, die Professoren..." äußert, wie rechte und linke Populisten das tun. Lieber mal öfter auf die Nerds hören. Gilt gerade auch für die Abgehängten Wähler von Populisten: Zuhören und lernbereit sein.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon JJazzGold » Mo 13. Feb 2017, 10:27

Zinnamon hat geschrieben:(13 Feb 2017, 10:05)

Ein bischen entfernt vielleicht. Weit jedoch meiner Einschätzung nach nicht. Der einzige Grund, weshalb die Herrschaften Akademiker (nicht, dass ich nicht selber eine wäre) im Bundestag nicht mehr reihenweise ihren Doktortitel faken (reicht es nicht für einen ehrenhaft erworbenen?) dürfte sein, dass einer nach dem anderen nach Akademiker und Hochadel Guttenberg damit aufgeflogen sind. Alleine diese Affairen sagen mehr als tausend Worte zum Thema. Abitur inclusive Studium waren offenkundig noch zu wenig, um sich entsprechend zu profilieren.



Soweit wollte ich gar nicht gehen, ich ging von der Voraussetzung aus, das die akademischen Abschlüsse redlich erworben wurden und ob die akademische Laufbahn die Einarbeitung in Fachfremdes erleichtert, oder ob sie nicht im einen oder anderen Fall hinderlich wirken könnte. Uns ist der Begriff Fachidiot bekannt. Was meines Erachtens nicht abwertend zu sehen ist, betätigt sich der so Betitelte weiterhin in seiner Fachrichtung. Nur existiert dafür in parlamentarischer Arbeit keine Garantie, sondern es wird im Gegenteil hohe Flexibilität gefordert. Die kann ein Nichtakademiker ggfls ebenso wenig oder viel leisten. Weshalb die Frage, besser Akademiker, oder Nichtakademiker meiner Meinung nach nicht eindeutig mit ja oder nein beantwortet werden kann. Auf die in mehrjähriger parlamentarischer Arbeit erworbene Kompetenz, beruhend auf Lernwilligkeit, und erfolgreicher Wissensstanderweiterung kommt es meiner Meinung nach an.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Zinnamon » Mo 13. Feb 2017, 10:33

JJazzGold hat geschrieben:(13 Feb 2017, 10:27)


Soweit wollte ich gar nicht gehen, ich ging von der Voraussetzung aus, das die akademischen Abschlüsse redlich erworben wurden und ob die akademische Laufbahn die Einarbeitung in Fachfremdes erleichtert, oder ob sie nicht im einen oder anderen Fall hinderlich wirken könnte. Uns ist der Begriff Fachidiot bekannt. Was meines Erachtens nicht abwertend zu sehen ist, betätigt sich der so betitelte weiterhin in seiner Fachrichtung betätigt. Nur existiert dafür in parlamentarischer Arbeit keine Garantie, sondern es wird im Gegenteil hohe Flexibilität gefordert. Die kann ein Nichtakademiker ggfls ebenso wenig oder viel leisten. Weshalb die Frage, besser Akademiker, oder Nichtakademiker meiner Meinung nach nicht eindeutig mit ja oder Nein beantwortet werden kann. Auf die in mehrjähriger parlamentarischer Arbeit erworbene Kompetenz, beruhend auf Lernwilligkeit, und erfolgreicher Wissensstanderweiterung kommt es meiner Meinung nach an.


Die eigentliche Frage lautet meines Erachtens nicht, ob Akademiker oder Nichtakademiker besser sind, sondern ob das Fehlen des Abiturs an sich einen Makel darstellt, wie es im Rahmen des derzeitigen allgemeinen Muffensausens suggeriert werden soll.
Die Rechnung, aus der so gestaltete Angriffe auf Schulz hervorgehen, wird nicht aufgehen, denn wie üblich und schon so lange hat man die Wählerschaft, deren Zusammensetzung, sowie die gemachten Erfahrungen der letzten Jahre dabei vergessen.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon JJazzGold » Mo 13. Feb 2017, 11:10

Zinnamon hat geschrieben:(13 Feb 2017, 10:33)

Die eigentliche Frage lautet meines Erachtens nicht, ob Akademiker oder Nichtakademiker besser sind, sondern ob das Fehlen des Abiturs an sich einen Makel darstellt, wie es im Rahmen des derzeitigen allgemeinen Muffensausens suggeriert werden soll.
Die Rechnung, aus der so gestaltete Angriffe auf Schulz hervorgehen, wird nicht aufgehen, denn wie üblich und schon so lange hat man die Wählerschaft, deren Zusammensetzung, sowie die gemachten Erfahrungen der letzten Jahre dabei vergessen.


Die Frage habe ich doch mit langjährig erworbener Kompetenz beantwortet. ;)

Mir ist es offen gestanden völlig egal in meiner persönlichen Einschätzung der Arbeit eines Politikers, ob dieser Abitur hat, oder nicht. Das ist viel zu früh angesetzt. Was hilft einem Studienabbrecher wie Annen sein vorheriger erworbenes Abitur in seiner parlamentarischen Tätigkeit? Interessant wird es erst an dem Punkt, wo Fachwissen, strukturiertes Arbeiten, Flexibilität, etc. gefragt sind und da könnten Akademiker durch den durchgehenden Lernprozess und ggfls. fachliche Bandbreite einen Vorteil haben, wie gesagt, könnten.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon ThorsHamar » Mo 13. Feb 2017, 11:22

harry52 hat geschrieben:(13 Feb 2017, 10:23)

Politiker sind Verkäufer. ....


:thumbup: Damit ist, jedenfalls in einer Gesellschaft mit Parteiensystem, definitiv Alles gesagt!
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon jack000 » Mo 13. Feb 2017, 12:27

Nein, ist unwichtig (bin Akademiker)

Es wäre sogar eher wünschenswert wenn auch Personen mit z.B. Realschulabschluss, abgeschlossener Lehre und Berufserfahrung in der Privatwirtschaft als Volksvertreter handeln.
Wenn wir irgendwas nicht noch mehr im Bundestag brauchen, dann sind es Lehrer, Beamte, Anwählte, Berufspolitiker und Studienabbrecher/Berufsversager sowie Geisteswissenschaftler.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Helmuth_123 » Mo 13. Feb 2017, 20:00

Ich bin der Meinung, dass ein Politiker kein Abitur oder einen abgeschlossenes Studium benötigt. Ich bin der Meinung, dass Politiker vor allem Lebens- und Berufserfahrungen in vielfältigen Lebenssituationen brauchen. Gerade im Parlament sollten daher Abgeordneten mit verschiedenen beruflichen Hintergründen sitzen. Auch wenn ich keine generelle Sympathien für Martin Schulz habe, ich denke, Lebens- und Berufserfahrung kann dieser Mann vorweisen.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Odin1506 » Di 14. Feb 2017, 08:13

Meine Meinung ist, das Politiker sich an ihren Amtseid halten sollten. Das bedeutet das die Politiker mehr auf die Bedürfnisse des Volkes eingehen sollten und nicht nur auf die Bedürfnisse an sich selber.
Und dafür braucht es keine Abi/Studium.
Ich bin keine Signatur, ich putze hier nur!!! :p
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon x-ray » Di 14. Feb 2017, 08:26

Man könnte sagen, dass das "geerdet sein" für´s Volk insgesamt besser sein wird, was realistische, das Leben direkt betreffende Entscheidungen angeht, als jemand, der ein Studium nachweisen kann und dadurch im Dunstkreis einer ganz anderen Gesellschaft aufgewachsen ist, welcher der Mehrzahl des zu vertretenden Wahlvolkes nicht entspricht. Andererseits kann ein breites Allgemeinwissen, auch verbunden mit einem Studium, durchaus zusätzliche, positive Effekte bzgl. richtiger politischer Entscheidungen zuträglich sein.
Geld ist kein Privat-Eigentum, sondern ein öffentliches Gut und eine staatliche Bescheinigung eines selber durch eigene Leistung verdienten (!) Rechtes auf Bezug einer gleichwertigen Gegenleistung.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon pikant » Di 14. Feb 2017, 09:54

jack000 hat geschrieben:(13 Feb 2017, 12:27)

Es wäre sogar eher wünschenswert wenn auch Personen mit z.B. Realschulabschluss, abgeschlossener Lehre und Berufserfahrung in der Privatwirtschaft als Volksvertreter handeln.
Wenn wir irgendwas nicht noch mehr im Bundestag brauchen, dann sind es Lehrer, Beamte, Anwählte, Berufspolitiker und Studienabbrecher/Berufsversager sowie Geisteswissenschaftler.


vollkommen unerheblich fuer mich, welchen Beruf die Politiker haben, sie muessen nur gut sein!
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 14. Feb 2017, 10:23

Für Bundeskanzler(in) und Parlamentsabgeordnete(r) würde ich auf jeden Fall "nein" bzw. eigentlich "nicht relevant" sagen. Da Kommunikationsfähigkeit und einfach ganz allgemein Intelligenz, Eloquenz usw. unabhängig von speziellem Fachwissen viel wichtiger. Bei einem Minister sehe ich das ein klein wenig anders. Nicht umsonst ist ja auch die Bezeichnung Fachminister üblich. Und ich wundere mich manchmal schon, wie da machmal über Nacht die Fachministerstellen ausgewechselt oder nach Wahlen ausgepokert werden. Man kann doch auch nicht einfach mal so einen Zahnheilkundler auf eine Herzchirurgenstelle setzen.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon Teeernte » Di 14. Feb 2017, 10:33

Da diese Regierung nicht von 12 bis Mittag denken kann - ist es sicher besser - low level ....IQ Zimmertemperatur zu haben - um Mitmachen zu können...und nicht "herauszuragen". :D :D
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon becksham » Di 14. Feb 2017, 11:07

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Feb 2017, 10:23)

Für Bundeskanzler(in) und Parlamentsabgeordnete(r) würde ich auf jeden Fall "nein" bzw. eigentlich "nicht relevant" sagen. Da Kommunikationsfähigkeit und einfach ganz allgemein Intelligenz, Eloquenz usw. unabhängig von speziellem Fachwissen viel wichtiger. Bei einem Minister sehe ich das ein klein wenig anders. Nicht umsonst ist ja auch die Bezeichnung Fachminister üblich. Und ich wundere mich manchmal schon, wie da machmal über Nacht die Fachministerstellen ausgewechselt oder nach Wahlen ausgepokert werden. Man kann doch auch nicht einfach mal so einen Zahnheilkundler auf eine Herzchirurgenstelle setzen.

Naja, aber die eigentliche "Facharbeit" machen für Minister ja auch andere. Die müssen das doch nur noch verkaufen können.
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Re: Braucht ein Politiker Abi/Studium?

Beitragvon pikant » Di 14. Feb 2017, 11:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Feb 2017, 10:23)

Für Bundeskanzler(in) und Parlamentsabgeordnete(r) würde ich auf jeden Fall "nein" bzw. eigentlich "nicht relevant" sagen. Da Kommunikationsfähigkeit und einfach ganz allgemein Intelligenz, Eloquenz usw. unabhängig von speziellem Fachwissen viel wichtiger. Bei einem Minister sehe ich das ein klein wenig anders. Nicht umsonst ist ja auch die Bezeichnung Fachminister üblich. Und ich wundere mich manchmal schon, wie da machmal über Nacht die Fachministerstellen ausgewechselt oder nach Wahlen ausgepokert werden. Man kann doch auch nicht einfach mal so einen Zahnheilkundler auf eine Herzchirurgenstelle setzen.


ich sehe da keine Probleme - im Ministerium sitzen die Fachleute und arbeiten alles aus
der Minister verkuendet und bringt es an den Mann und Frau mit guter Rhetorik und Ueberzeugungskraft
gute Politiker sind schnell im einarbeiten und multifunktionel zu gebrauchen.

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