Die Krise der Konservativen in Deutschland

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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Progressiver » Di 26. Dez 2017, 23:58

Woppadaq hat geschrieben:(26 Dec 2017, 01:44)

Sich für einen laizistischen Staat (inwiefern haben wir den nicht?) stark zu machen macht erst dan Sinn, wenn die Religion politischer Faktor und damit zum Problem wird. Die Grünen hoffen insgeheim, dass es diesbezüglich nie so schlimm wird, dass sie deshalb eine Richtungsentscheidung treffen müssten. Denn dann würden linke Progressivisten gegen konservative Christen stehen, und das würde die Partei spalten. Bisher läuft sie aber ganz gut damit, mehrgleisig fahren zu können. Konfessionslose entscheiden meist nach Programm, Christen aber ist es wichtig, dass ihr Glaube nicht als Hemmnis empfunden wird.


Deutschland ist in der Tat kein laizistischer Staat. Für die Einrichtungen der beiden großen Konfessionen -also auch die Caritas, die Diakonie- gelten Arbeitsgesetze, die jegliche Form des Streiks verbieten. Nicht zu vergessen, dürfen sie sich auch ins Privatleben ihrer Untergebenen einmischen. Die Leute arbeiten dann auch oftmals für einen "Gotteslohn" anstatt für eine ordentliche Bezahlung. Delikates Detail: Die Kirchen zahlen nur 1,8% der Kosten für die Diakonie bzw. die Caritas. Der Rest übernimmt der Staat. Und auch die Bischöfe bzw. die Theologen, die an den Universitäten lehren, sind de facto Beamte. Auch sie werden von allgemeinen Steuermitteln finanziert. Es wird Zeit, diese ungerechten Pfründe abzuschaffen!



Manche Leute müssen unbedingt wegen jeder Kleinigkeit gleich eine Krise an die Wand malen. Richtig ist, dass es eine Art Verwirrung bezüglich der Richtung gibt, weil links und rechts nicht mehr so eindeutig sind und die Amis uns jetzt auch noch ihr Authorithär-Libertär-Gegensatzmodell andrehen wollen, das nur noch mehr Verwirrung stiftet.

Die Wahrheit ist, dass die Älteren leider Gottes immer noch die überwiegende Mehrheit in diesem Land stellen und damit auch das Wahlverhalten beeinflussen. Und dass sich eine allgemeine Konservativität breit gemacht hat, die die "Alternativlosigkeit" stützt, weil ihr das Progressive langsam zu unrealistisch wird. Bestes Beispiel sind die Piraten, die ja die letzte grosse progressivistische Bewegung waren - zu progressiv, um langfristig Wähler an sich binden zu können. Man hatte bisweilen das Gefühl, dass die Piraten selbst nicht so richtig erklären konnten, was ihr wesentlichstes Unterscheidungsmerkmal zu den anderen, etablierten Parteien darstellt. Die Diskussionen um das BGE haben gezeigt, dass der Wille zur Progressivität bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen eine Grenze erreicht hat.


Die Piraten waren ein Haufen anarchistischer Amateure, die sich geweigert hatten, sich zu professionalisieren bzw. sich feste Strukturen zu geben, mit denen sie auch nach außen schlagfertig sein konnten. Das BGE halte ich zudem nicht für der Weisheit letzter Schuss, da es im Endeffekt doch wieder nur den Reichen nutzt. Da müssen intelligentere Massnahmen her. Ich bin da ganz auf der Seite des echten Ökonomen Heiner Flassbeck, der nicht nur gegen die derzeitige wirtschaftliche Unvernunft -Stichwort "Austerität"- wettert, sondern auch das Thema BGE in Grund und Boden verdammt.

Bevor ich mich jetzt mal wieder echauffiere, dass Angela Merkel wohl gerade für alles herhalten muss, vom weltweiten Klimawandel bis hin zu meinem Hustenanfall, möcht ich erst mal fragen: was ist eigentlich daran so schlecht? welche Partei kann es sich gerade leisten zu sagen, dass ihr das Wirtschaftswachstum egal ist, es vielleicht sogar stört?


Störend ist: Die deutsche Wirtschaft wächst, aber viele Arbeitnehmer kriegen das gar nicht mit. Die Politik hat sich zum Dienstboten der Wirtschaft gemacht, weil diese unbedingt einen schlecht bezahlten Niedriglohnsektor haben wollte. Wenn neue Jobs geschaffen werden, dann sind das auch oft nur befristete Stellen mit schlechter Bezahlung. Der Rest der strukturellen Arbeitslosigkeit wird mit Taschenspielertricks aus den Statistiken hinausgerechnet. Dies alles haben natürlich auch andere Parteien zu verantworten. Aber für Angela Merkels Partei ist das Wirtschaftswachstum die neue "Heilige Kuh". Und wer davon nicht profitiert, weil er vielleicht im Niedriglohnsektor arbeitet, der kann selbst sehen, wo er oder sie bleibt.

Ich weiß auch nicht, warum die Leute dann nicht beispielsweise "DIE LINKE" wählen. Aber der Protest wählt mittlerweile in Kamikaze-Manier die AfD. "Kamikaze-Manier" deshalb, weil diese Partei laut ihrem Parteiprogramm natürlich noch marktradikaler ist als selbst die FDP. Aber das sind dann wohl die Art von Wählern, die sich nicht die Mühe machen wollen, Parteiprogramme durchzulesen, sondern einfach ihrem Ressentiment folgen.

Und für sie mag es, subjektiv betrachtet, sogar stimmen, dass "früher alles besser" war. Da gab es vermutlich für sie noch besser bezahlte Jobs mit einem guten Kündigungsschutz etc. Aber die AfD wäre die letzte, die ihre Situation verbessern würde! Und auch die anderen Parteien haben natürlich massiv geschlafen, wenn man sich zum Beispiel die Situation im Ruhrgebiet anschaut. Da gab es einen Strukturwandel. Und die Politik hat verschlafen, den Leuten andere, bessere Jobalternativen anzubieten bzw. Weiterbildungsmaßnahmen. Stattdessen kamen dann so unfähige und gewissenlose Politiker wie Wolfgang Clement und haben die Arbeitslosen und Verlierer des Strukturwandels als "Parasiten" beschimpft. Diesen Misstand nicht behoben zu haben, trifft natürlich alle Parteien, die dort an der Regierung waren. Aber die "konservativen Werte" einer Angela Merkel helfen da auch nicht. Im Gegenteil: Die Agenda 2010 beispielsweise war ihr nicht radikal genug. Und jetzt wählen die Abgehängten lieber aus Fundamentalprotest die AfD. Aber ob diese beiden Parteien es schaffen können oder auch nur wollen, den ehemaligen Kohlebergarbeitern neue gute Jobs zu vermitteln? Ich bezweifele es.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Progressiver » Mi 27. Dez 2017, 00:28

Sextus Ironicus hat geschrieben:(26 Dec 2017, 10:04)

Ein paar Gedanken dazu:

1. Der laizistische Staat, den ich immer wollte, ist aus meiner Sicht gerade wegen der Politisierung von Religion nicht mehr vernünftig. Denn wenn man für Imame Regeln zur Zulassung und Studium einführen möchte und leider auch muss, wenn man den Hinterhofunttericht für muslimische Kinder und Jugendliche sowie die Lehrer in den Griff bekommen möchte, dann ist das der Abschied vom laizistischen Gedanken. Auch ein Preis, der nun zu zahlen ist. Nur noch 55% gehören den beiden großen Kirchen an, aber mit dem Islam nimmt das Religionsproblem wieder zu.


Die Anzahl der Leute, die einer christlichen Religion angehören, wird immer kleiner. In ein paar Jahren werden die Konfessionslosen in der deutschen Gesellschaft die Mehrheit darstellen. Ein guter Weg, um damit umzugehen, ist ein verpflichtendes Schulfach "Ethik für alle", wie es in Berlin schon der Fall zu sein scheint. Bei so etwas müssen dann tatsächlich alle teilnehmen ohne Rücksicht darauf, was irgendwelche Befindlichkeiten der Muslime dagegen aussagen. Wenn diese dann nicht wie gewollt darauf anspringen, dann sollte auch eine Teilschuld darin gesucht werden, dass der deutsche Staat sich ihnen gegenüber zu wenig um die Integration von Immigranten kümmert. Wenn dann die Bildungsverlierer aus diesen randständigen Teilen der Gesellschaft sich religiös radikalisieren und irgendwann austicken, dann nur deswegen, weil es niemand verhindert hat, dass sie sich in ein religiöses Paralleluniversum zurückgezogen haben, in dem sie sich als scheinbare Sieger fühlen können. Ein gutes Bildungssystem sollte aber solche Verlierer nicht einfach aussieben, sondern sie mitnehmen, damit sie zum Beispiel durch einen guten Job sich in der deutschen Gesellschaft integrieren können. Dafür braucht es aber mehr Geld für Bildung, Schulpsychologen und Sozialarbeiter, nicht weniger, wie es die Austeritätsfans es gerne hätten.

Was nicht gebraucht wird: Versuche, Deutschland zu rechristianisieren, indem die christliche Theologie sowohl an den Schulen als auch an den Universitäten mit noch mehr Druck gelehrt wird. Auch der Versuch, islamische Lehrstühle und islamischen Religionsunterricht an den Schulen zu installieren, wird nach hinten los gehen. Wenn man die jungen Muslime erfolgreich integrieren kann, werden sie keinen Islam mehr brauchen. Islamischer Religionsunterricht wird dagegen nur die Zustände konservieren. Und die Fundamentalisten werden sowieso keinen "deutschen Islam" anerkennen. Bei letzteren helfen dann tatsächlich nur die Polizei und der Verfassungsschutz.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Charles » Mi 27. Dez 2017, 01:47

Dampflok94 hat geschrieben:(25 Dec 2017, 23:17)
Warum sollte konservativ und schwul nicht funktionieren?


Meinst du das ernst?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Dez 2017, 08:29

Charles hat geschrieben:(27 Dec 2017, 01:47)

Meinst du das ernst?


Selbstverständlich, konservativ ist ein Lebensstil, der unabhängig von der sexuellen Orientierung präferiert oder nicht präferiert wird.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Mi 27. Dez 2017, 09:08

Charles hat geschrieben:(24 Dec 2017, 14:44)

Wenn das hier die Hoffnung des Konservatismus in Deutschland sein soll, dann gute Nacht.

https://www.n-tv.de/politik/Jens-Spahn- ... 00877.html


was hat dann die sexuelle Ausrichtung mit konservativer Politik zu tun?
nichts.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » Mi 27. Dez 2017, 10:15

Progressiver hat geschrieben:(27 Dec 2017, 00:28)

Die Anzahl der Leute, die einer christlichen Religion angehören, wird immer kleiner. In ein paar Jahren werden die Konfessionslosen in der deutschen Gesellschaft die Mehrheit darstellen. Ein guter Weg, um damit umzugehen, ist ein verpflichtendes Schulfach "Ethik für alle", wie es in Berlin schon der Fall zu sein scheint. Bei so etwas müssen dann tatsächlich alle teilnehmen ohne Rücksicht darauf, was irgendwelche Befindlichkeiten der Muslime dagegen aussagen. Wenn diese dann nicht wie gewollt darauf anspringen, dann sollte auch eine Teilschuld darin gesucht werden, dass der deutsche Staat sich ihnen gegenüber zu wenig um die Integration von Immigranten kümmert. Wenn dann die Bildungsverlierer aus diesen randständigen Teilen der Gesellschaft sich religiös radikalisieren und irgendwann austicken, dann nur deswegen, weil es niemand verhindert hat, dass sie sich in ein religiöses Paralleluniversum zurückgezogen haben, in dem sie sich als scheinbare Sieger fühlen können. Ein gutes Bildungssystem sollte aber solche Verlierer nicht einfach aussieben, sondern sie mitnehmen, damit sie zum Beispiel durch einen guten Job sich in der deutschen Gesellschaft integrieren können. Dafür braucht es aber mehr Geld für Bildung, Schulpsychologen und Sozialarbeiter, nicht weniger, wie es die Austeritätsfans es gerne hätten.

Was nicht gebraucht wird: Versuche, Deutschland zu rechristianisieren, indem die christliche Theologie sowohl an den Schulen als auch an den Universitäten mit noch mehr Druck gelehrt wird. Auch der Versuch, islamische Lehrstühle und islamischen Religionsunterricht an den Schulen zu installieren, wird nach hinten los gehen. Wenn man die jungen Muslime erfolgreich integrieren kann, werden sie keinen Islam mehr brauchen. Islamischer Religionsunterricht wird dagegen nur die Zustände konservieren. Und die Fundamentalisten werden sowieso keinen "deutschen Islam" anerkennen. Bei letzteren helfen dann tatsächlich nur die Polizei und der Verfassungsschutz.


Eine Re-Christianisierung ist nicht in Sicht, aber derzeit ist es unvorstellbar, dass unabhängig von der Zahl der Mitglieder eine Trennung zwischen Staat und Kirche erfolgt. Allein die Zahl der Konkordate, die abzuwickeln wären, ist eine Aufgabe für 100 Jahre. Selbst moderate Vorschläge wie die Beschlüsse der FDP zur Trennung von Kirche und Staat aus den Siebzigerjahren würden heute als Kulturrevolution daherkommen. Die Kirchen sitzen bei rückläufiger Zahl von Gläubigen fester im Sattel denn je. Und ob der Staat den Kölner Dom übernehmen möchte, bezweifle ich auch.

Was die Muslime angeht, ist die Sache noch schwieriger. Ich habe zu Weihnachten den schönen Cartoonband "Unheilige Bilder" geschenkt bekommen, in dem ein paar Dutzend der bekanntesten deutschen Meister des Fachs zu Kirche und Religion zeichnen und zuspitzen. Die Hälfte von ihnen würde sofort unter Polizeischutz stehen, wenn sie sich den Koran und den Propheten vergleichbar vorgenommen hätten. Und hier ist eine Integration nicht einmal in Ansätzen erkennbar, da integriert sich nämlich die aufnehmende Gesellschaft, indem sie mit windigen Argumenten und durch Selbstzensur sich dem islamischen Anspruch beugt. Denn eine Jesusbeleidigung gilt immer noch als progressiver Akt, wer den Propheten beleidigt, läuft eher unter Rassismusverdacht. Und die Kirchen versuchen sich das ja schon zunutze zu machen und auch CSU-Abgeordnete bringen schon wieder Blasphemieparagrafen ins Spiel. Die Hoffnung auf eine Umfunktionierung des Islam vom Raubtier zum Bettvorleger, wie das in geistiger Hinsicht beim erschlafften aber institutionell noch immer mächtigen Christentum geklappt hat, Teile ich nicht. Und aus Sicht der Muslime, die hier mit großen aber eben illusorischen Hoffnungen herkommen, ist das ja nachvollziehbar. Mit ihrer Religion haben Sie etwas, was sie unangreifbar macht, womit sie diejenigen, die ihnen angeblich den Respekt verweigern, am Nasenring durch die Manege der Freiheit führen können. Das wird nichts, und der theologische Schlüssel liegt sowieso in Kairo oder anderswo an den theologischen Fakultäten in diesen Gegenden. Deshalb wird man Lehrstühle und islamischen Unterricht zur Verfügung stellen, in der Hoffnung, besseren Zugriff zu bekommen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Charles » Mi 27. Dez 2017, 11:13

JJazzGold hat geschrieben:(27 Dec 2017, 08:29)
Selbstverständlich, konservativ ist ein Lebensstil, der unabhängig von der sexuellen Orientierung präferiert oder nicht präferiert wird.


Die Einführung der Homo-"Ehe" war immer ein Projekt der Grünen und Linken, das von den Konservativen immer abgelehnt und bekämpft wurde.

Bei der Abstimmung im Bundestag haben Rot-Rot-Grün geschlossen dafür gestimmt. In der Unionsfraktion haben mehr als 2/3 dagegen gestimmt. Nur die Anhänger von Merkels sozialdemokratischem "Modernisierungskurs" wie Altmeier, Tauber, von der Leyen, Böhmer und Spahn haben dafür gestimmt, obwohl die Homo-"Ehe" im Grundsatzprogramm von CDU und CSU abgelehnt wird.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Dez 2017, 11:32

Charles hat geschrieben:(27 Dec 2017, 11:13)

Die Einführung der Homo-"Ehe" war immer ein Projekt der Grünen und Linken, das von den Konservativen immer abgelehnt und bekämpft wurde.

Bei der Abstimmung im Bundestag haben Rot-Rot-Grün geschlossen dafür gestimmt. In der Unionsfraktion haben mehr als 2/3 dagegen gestimmt. Nur die Anhänger von Merkels sozialdemokratischem "Modernisierungskurs" wie Altmeier, Tauber, von der Leyen, Böhmer und Spahn haben dafür gestimmt, obwohl die Homo-"Ehe" im Grundsatzprogramm von CDU und CSU abgelehnt wird.


Das hat nichts damit zu tun, dass auch Homosexuelle einen konservativen Lebensstil führen und konservativ wählen, oder sich in einer konservativen Partei engagieren. Was Spahns Entscheidung seinen Partner zu heiraten mit seinem Engagement in der CDU zu tun haben soll erschließt sich mir nicht.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Dampflok94 » Mi 27. Dez 2017, 15:24

Charles hat geschrieben:(27 Dec 2017, 01:47)

Meinst du das ernst?

Selbstplaudernd. Das hat nix miteinander zu tun. Ob nun Home-, Hetero- oder Asexualität. Und noch so einiges andere mehr. Es spielt keine Rolle. Genauso wenig ist die Ablehnung der Homosexualität konservativ. Das ist höchstens spießig.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Charles » Mi 27. Dez 2017, 18:38

Dampflok94 hat geschrieben:(27 Dec 2017, 15:24)
Das hat nix miteinander zu tun.


Warum verfolgen Grüne und Linke dann seit Jahrzehnten das Ziel eine "Homo-Ehe" einzuführen, wogegen Konservative seit Jahrzehnten kämpfen?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Progressiver » Mi 27. Dez 2017, 20:38

Sextus Ironicus hat geschrieben:(27 Dec 2017, 10:15)

Eine Re-Christianisierung ist nicht in Sicht, aber derzeit ist es unvorstellbar, dass unabhängig von der Zahl der Mitglieder eine Trennung zwischen Staat und Kirche erfolgt. Allein die Zahl der Konkordate, die abzuwickeln wären, ist eine Aufgabe für 100 Jahre.


Da fehlt bei den Parteien nur der Wille. Wie viele Panzerarmeen kann der Vatikan bzw. der EKD an unseren Grenzen aufstellen, wenn der Bundestag einfach so beschließt, dass die Kirchen für ihre Kosten selbst aufkommen müssen? Ich halte das für eine leere Drohgebärde der Kirchenoberen, auf die nur verblendete und vom Christentum gebrochene Politiker hereinfallen können, die fürchten, dadurch nach dem Tode in eine Hölle zu kommen. Es wird Zeit für eine neue Aufklärung! Und wenn sich die katholische Kirche beispielsweise anmaßt, ehemalige Kirchengüter zurückzufordern, welche sie sich von sogenannten "Ketzern" oder "Hexen" zusammengeräubert hat, würde ich da ganz schnell die Riegel vorschieben.

Selbst moderate Vorschläge wie die Beschlüsse der FDP zur Trennung von Kirche und Staat aus den Siebzigerjahren würden heute als Kulturrevolution daherkommen. Die Kirchen sitzen bei rückläufiger Zahl von Gläubigen fester im Sattel denn je. Und ob der Staat den Kölner Dom übernehmen möchte, bezweifle ich auch.


Um beim Threadthema zu bleiben: Du vertrittst hier die These, dass es seit den 1970ern in Kirchenfragen einen "konservativen Rollback" gegeben hätte? Wieso steht die CDU dann schlecht wie nie zuvor da? Die Kirchen sitzen nur deswegen so gut im Sattel, da die politische Eliten sich vor dem "Fegefeuer" fürchten. Die "FDP" ist da einfach umgefallen. Aber sie will ja selbst nicht mehr liberal sein.

Den Kölner Dom kann die Kirche gerne selbst behalten. Aber sie muss dann eben für die Renovierung und Instandhaltung aufkommen.

Was die Muslime angeht, ist die Sache noch schwieriger. Ich habe zu Weihnachten den schönen Cartoonband "Unheilige Bilder" geschenkt bekommen, in dem ein paar Dutzend der bekanntesten deutschen Meister des Fachs zu Kirche und Religion zeichnen und zuspitzen. Die Hälfte von ihnen würde sofort unter Polizeischutz stehen, wenn sie sich den Koran und den Propheten vergleichbar vorgenommen hätten. Und hier ist eine Integration nicht einmal in Ansätzen erkennbar, da integriert sich nämlich die aufnehmende Gesellschaft, indem sie mit windigen Argumenten und durch Selbstzensur sich dem islamischen Anspruch beugt. Denn eine Jesusbeleidigung gilt immer noch als progressiver Akt, wer den Propheten beleidigt, läuft eher unter Rassismusverdacht.


Man soll ja nicht auf plumpe Weise auf Stürmer-Niveau irgendwelche sogenannten Heiligen beleidigen. Aber die Kunstform der Satire soll jeden und jede aufs Korn nehmen dürfen. Da darf in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft auch einen Jesus oder Mohammed nicht vor Religionskritik sicher sein.

Und die Kirchen versuchen sich das ja schon zunutze zu machen und auch CSU-Abgeordnete bringen schon wieder Blasphemieparagrafen ins Spiel.


Den Blashphemieparagraphen gibt es immer noch. Er gehört aber abgeschafft! Wenn die religiösen Figuren wie ein sogenannter Gott, Jesus, Mohammed oder wie sie alle heißen sich beleidigt fühlen, dann sollen sie gefälligst selbst auf die Erde herabsteigen und entweder beispielsweise sich mit Blitz und Donner wehren oder aber bei der nächsten Polizeistelle den Rechtsweg einleiten! Wenn dies nicht passiert, dann bedeutet dies wohl: Entweder diese "Heiligen" sind zu schwach oder zu ignorant gegenüber den Beleidigungen. Oder, was wahrscheinlicher ist: Sie sind tot! Die Blashphemieparagraphen haben also keine Rechtfertigung. Außerdem sind wir hier nicht bei den Taliban!

Die Hoffnung auf eine Umfunktionierung des Islam vom Raubtier zum Bettvorleger, wie das in geistiger Hinsicht beim erschlafften aber institutionell noch immer mächtigen Christentum geklappt hat, Teile ich nicht. Und aus Sicht der Muslime, die hier mit großen aber eben illusorischen Hoffnungen herkommen, ist das ja nachvollziehbar. Mit ihrer Religion haben Sie etwas, was sie unangreifbar macht, womit sie diejenigen, die ihnen angeblich den Respekt verweigern, am Nasenring durch die Manege der Freiheit führen können. Das wird nichts, und der theologische Schlüssel liegt sowieso in Kairo oder anderswo an den theologischen Fakultäten in diesen Gegenden. Deshalb wird man Lehrstühle und islamischen Unterricht zur Verfügung stellen, in der Hoffnung, besseren Zugriff zu bekommen.


Auch das halte ich letztendlich für eine Kapitulation gegenüber den Muslimen! Wenn man die jungen Noch-Muslime erreichen will, dann helfen oft schon gute Integrationsmöglichkeiten in die Gesellschaft. Man darf nicht gleichgültig dabei zusehen, dass viele von denen durch das deutsche Bildungssystem rutschen und zu Sozialfällen werden. Da braucht es einen aktivierenden Staat, der sich um die potentiellen Bildungsverlierer kümmert. Und dies egal, ob die Abgehängten jetzt deutsche oder ausländische Vorfahren haben. In Deutschland gibt es bekanntermaßen zunehmend einen Fachkräftemangel. Da ist es langfristig gesehen schlicht zu teuer, wenn wir es zulassen, dass ein großer Teil der Immigranten in Hartz IV abrutscht, während anderswo Fachkräfte gesucht werden.

Je höher der Ausbildungsgrad eines Menschen ist, umso wahrscheinlicher ist es auch, dass er oder sie die religiösen Märchen nicht braucht. Wenn man also die sozialen Probleme besser löst und die Nochmuslime an der Arbeits- und Konsumgesellschaft teilnehmen lässt, dann werden sie noch lange nicht zu Atheisten , die das gute Leben im philosophischen Sinne suchen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Nochmuslime, die aufsteigen können, ihrer Religion bald nur noch so wenig Bedeutung beimessen werden wie der Rest der Gesellschaft. D.h., die Dinge gleichen sich an. Wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung mit einem funktionierenden Rechtsstaat und einem einigermaßen funktionierenden Sozialstaat, welche sich auf die Menschenrechte berufen. Da unsere Gesellschaft zudem arbeitsteilig organisiert ist, hat Religion zunehmend ihre Funktion verloren. Mit islamischem Religionsunterricht dagegen wird der Einfluss der Religionen zementiert.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Alpha Centauri » Do 28. Dez 2017, 00:59

Progressiver hat geschrieben:(27 Dec 2017, 20:38)

Da fehlt bei den Parteien nur der Wille. Wie viele Panzerarmeen kann der Vatikan bzw. der EKD an unseren Grenzen aufstellen, wenn der Bundestag einfach so beschließt, dass die Kirchen für ihre Kosten selbst aufkommen müssen? Ich halte das für eine leere Drohgebärde der Kirchenoberen, auf die nur verblendete und vom Christentum gebrochene Politiker hereinfallen können, die fürchten, dadurch nach dem Tode in eine Hölle zu kommen. Es wird Zeit für eine neue Aufklärung! Und wenn sich die katholische Kirche beispielsweise anmaßt, ehemalige Kirchengüter zurückzufordern, welche sie sich von sogenannten "Ketzern" oder "Hexen" zusammengeräubert hat, würde ich da ganz schnell die Riegel vorschieben.



Um beim Threadthema zu bleiben: Du vertrittst hier die These, dass es seit den 1970ern in Kirchenfragen einen "konservativen Rollback" gegeben hätte? Wieso steht die CDU dann schlecht wie nie zuvor da? Die Kirchen sitzen nur deswegen so gut im Sattel, da die politische Eliten sich vor dem "Fegefeuer" fürchten. Die "FDP" ist da einfach umgefallen. Aber sie will ja selbst nicht mehr liberal sein.

Den Kölner Dom kann die Kirche gerne selbst behalten. Aber sie muss dann eben für die Renovierung und Instandhaltung aufkommen.



Man soll ja nicht auf plumpe Weise auf Stürmer-Niveau irgendwelche sogenannten Heiligen beleidigen. Aber die Kunstform der Satire soll jeden und jede aufs Korn nehmen dürfen. Da darf in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft auch einen Jesus oder Mohammed nicht vor Religionskritik sicher sein.



Den Blashphemieparagraphen gibt es immer noch. Er gehört aber abgeschafft! Wenn die religiösen Figuren wie ein sogenannter Gott, Jesus, Mohammed oder wie sie alle heißen sich beleidigt fühlen, dann sollen sie gefälligst selbst auf die Erde herabsteigen und entweder beispielsweise sich mit Blitz und Donner wehren oder aber bei der nächsten Polizeistelle den Rechtsweg einleiten! Wenn dies nicht passiert, dann bedeutet dies wohl: Entweder diese "Heiligen" sind zu schwach oder zu ignorant gegenüber den Beleidigungen. Oder, was wahrscheinlicher ist: Sie sind tot! Die Blashphemieparagraphen haben also keine Rechtfertigung. Außerdem sind wir hier nicht bei den Taliban!



Auch das halte ich letztendlich für eine Kapitulation gegenüber den Muslimen! Wenn man die jungen Noch-Muslime erreichen will, dann helfen oft schon gute Integrationsmöglichkeiten in die Gesellschaft. Man darf nicht gleichgültig dabei zusehen, dass viele von denen durch das deutsche Bildungssystem rutschen und zu Sozialfällen werden. Da braucht es einen aktivierenden Staat, der sich um die potentiellen Bildungsverlierer kümmert. Und dies egal, ob die Abgehängten jetzt deutsche oder ausländische Vorfahren haben. In Deutschland gibt es bekanntermaßen zunehmend einen Fachkräftemangel. Da ist es langfristig gesehen schlicht zu teuer, wenn wir es zulassen, dass ein großer Teil der Immigranten in Hartz IV abrutscht, während anderswo Fachkräfte gesucht werden.

Je höher der Ausbildungsgrad eines Menschen ist, umso wahrscheinlicher ist es auch, dass er oder sie die religiösen Märchen nicht braucht. Wenn man also die sozialen Probleme besser löst und die Nochmuslime an der Arbeits- und Konsumgesellschaft teilnehmen lässt, dann werden sie noch lange nicht zu Atheisten , die das gute Leben im philosophischen Sinne suchen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Nochmuslime, die aufsteigen können, ihrer Religion bald nur noch so wenig Bedeutung beimessen werden wie der Rest der Gesellschaft. D.h., die Dinge gleichen sich an. Wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung mit einem funktionierenden Rechtsstaat und einem einigermaßen funktionierenden Sozialstaat, welche sich auf die Menschenrechte berufen. Da unsere Gesellschaft zudem arbeitsteilig organisiert ist, hat Religion zunehmend ihre Funktion verloren. Mit islamischem Religionsunterricht dagegen wird der Einfluss der Religionen zementiert.


Richtig, dieser Paragraph gehört schon längst abgeschafft, genauso wie die aufgezwungene Kirchensteuer. Warum sollte ein Anti Christ diese veraltete und verkrustet und gänzlich überflüssige Institution noch mit finanzieren?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » Do 28. Dez 2017, 09:52

Alpha Centauri hat geschrieben:(28 Dec 2017, 00:59)

Richtig, dieser Paragraph gehört schon längst abgeschafft, genauso wie die aufgezwungene Kirchensteuer. Warum sollte ein Anti Christ diese veraltete und verkrustet und gänzlich überflüssige Institution noch mit finanzieren?


Ist die Kirchensteuer nicht freiwillig?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Do 28. Dez 2017, 09:58

Woppadaq hat geschrieben:(28 Dec 2017, 09:52)

Ist die Kirchensteuer nicht freiwillig?


ja und Nein!

jeder Christ , der in Deutschland lebt, muss diese bezahlen, mann kann sich aber aus der Kirche abmelden und dann entfaellt die Steuer.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Helmuth_123 » Do 28. Dez 2017, 11:53

pikant hat geschrieben:(28 Dec 2017, 09:58)

ja und Nein!

jeder Christ , der in Deutschland lebt, muss diese bezahlen, mann kann sich aber aus der Kirche abmelden und dann entfaellt die Steuer.


Das ist falsch. Nicht jeder Christ muss Kirchensteuer bezahlen. Es gibt Kirchen, die auf die Kirchensteuer verzichten z.B. die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Dampflok94 » Do 28. Dez 2017, 12:42

Charles hat geschrieben:(27 Dec 2017, 18:38)
Warum verfolgen Grüne und Linke dann seit Jahrzehnten das Ziel eine "Homo-Ehe" einzuführen, wogegen Konservative seit Jahrzehnten kämpfen?

ich bestreite nicht, daß es in den unterschiedlichen politischen Richtungen unterschiedliche Haltungen gibt. Aber die sind nicht konstituierend. Man konnte auch schon vor 20 Jahren Mitglied der CDU sein und gegen die Atomkraft oder die Wehrpflicht. War nur nicht mehrheitsfähig.

Dazu ist ja wohl ein großer Unterschied zwischen Homo-Ehe und der allgemeinen Akzeptanz von Homosexualität. Letzteres ist bei allen demokratischen Parteien schon lange kein Problem mehr. Die SPD hatte Wowereit, die CDU von Beust und die FDP Herrn Westerwelle.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon frems » Di 9. Jan 2018, 09:50

Der Harvard-Professor Görlach widmete sich in der ZEIT in einem kontrovers diskutierten Artikel ebenfalls dem Thema:

Den Bürgerlichen fehlt das Projekt
In zwölf Jahren an der Macht haben es Kanzlerin Merkel und die Union versäumt, einen neuen Konservativismus zu definieren. Das wahre Bürgerliche lebt nun woanders.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... ettansicht

Die These, das wahre Bürgertum sei mittlerweile nur noch bei FDP und Grünen zu finden, ist natürlich sehr gewagt. Andererseits hat der Autor wohl nicht unrecht, wenn er meint, Ausländerbashing von CSU und AfD seien das Hobby der bürgerlichen Wählen.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon nawatnu » Di 9. Jan 2018, 16:46

Für mich ist die CDU keine konservative Partei mehr (im Gegensatz zur CSU). Merkel hat die CDU in den letzten Jahren immer wieder nach der öffentlichen Meinung gedreht.

Die Leute wollen keine Wehrpflicht? Schaffen wir sie eben ab! Da war ein GAU in Fukushima? Kein Problem, dann machen wir schnell den Atomausstieg! An Bahnhöfen beklatscht man Flüchtlinge und will helfen? Super, dann soll Orban eben seine Flüchtlinge zu uns schicken! Umfrageergebnissen zufolge wollen die meisten Bundesbürger die Homo-Ehe? Kein Thema, dann machen wir das!

Dieser Kurs sorgt stets für für gute Umfragewerte von Merkel, nur langfristig ist das für die Parteienlandschaft verheerend. Das sieht man an den Erfolgen der AfD oder an der Tatsache, dass mir ihr koalierende Parteien meistens schlechter abschneiden als die Union.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Alpha Centauri » Di 9. Jan 2018, 18:45

frems hat geschrieben:(09 Jan 2018, 09:50)

Der Harvard-Professor Görlach widmete sich in der ZEIT in einem kontrovers diskutierten Artikel ebenfalls dem Thema:

Den Bürgerlichen fehlt das Projekt
In zwölf Jahren an der Macht haben es Kanzlerin Merkel und die Union versäumt, einen neuen Konservativismus zu definieren. Das wahre Bürgerliche lebt nun woanders.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... ettansicht

Die These, das wahre Bürgertum sei mittlerweile nur noch bei FDP und Grünen zu finden, ist natürlich sehr gewagt. Andererseits hat der Autor wohl nicht unrecht, wenn er meint, Ausländerbashing von CSU und AfD seien das Hobby der bürgerlichen Wählen.



"Bürgerliche Parteien" ist auch nichts weiter als ein ideologisierter Kampfbegriff eines bestimmten politischen Spektrums.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Dampflok94 » Mi 10. Jan 2018, 08:07

Alpha Centauri hat geschrieben:(09 Jan 2018, 18:45)

"Bürgerliche Parteien" ist auch nichts weiter als ein ideologisierter Kampfbegriff eines bestimmten politischen Spektrums.

Ich würde sagen, das Bürgertum der CDU verflüchtigt sich genauso, wie sich die Arbeiterschaft der SPD verflüchtigt hat. Diese Einteilung macht immer weniger Sinn. So sie jemals Sinn gemacht hat. Hatte die SPD vor 50 Jahren bürgerliche Wähler? Aber selbstredend! Wählten Arbeiter CDU? Na sicher datt! Aber natürlich waren die Mehrheiten innerhalb der Gruppierungen entsprechend. Das hat sich ziemlich aufgelöst.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!

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