Die Krise der Konservativen in Deutschland

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schokoschendrezki
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 10. Nov 2017, 15:47

Mit Alexander Gauland sitzt ein Politiker im neuen Bundestag, der ein Buch "Anleitung zum Konservativsein" geschrieben hat, keinen Computer oder sonst irgendein Digitalgerät besitzt oder benutzt und Artikel zuhause mit der Schreibmaschine schreibt.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Europa2050 » Fr 10. Nov 2017, 16:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Nov 2017, 15:47)

Mit Alexander Gauland sitzt ein Politiker im neuen Bundestag, der ein Buch "Anleitung zum Konservativsein" geschrieben hat, keinen Computer oder sonst irgendein Digitalgerät besitzt oder benutzt und Artikel zuhause mit der Schreibmaschine schreibt.


... und wie die anderen ca. 700 Abgeordneten die Aufgabe hat, Antworten auf die Fragen der Zukunft zu finden ...
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Olympus » Fr 10. Nov 2017, 19:29

Europa2050 hat geschrieben:(10 Nov 2017, 16:19)

... und wie die anderen ca. 700 Abgeordneten die Aufgabe hat, Antworten auf die Fragen der Zukunft zu finden ...

Welche wären? Etwa, "Wie bekommen wir alle niederen Lebensformen los, die keinen biodeutschen Ariernachweis seit WK2 haben?" :?:
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Europa2050 » Fr 10. Nov 2017, 19:43

Olympus hat geschrieben:(10 Nov 2017, 19:29)

Welche wären? Etwa, "Wie bekommen wir alle niederen Lebensformen los, die keinen biodeutschen Ariernachweis seit WK2 haben?" :?:


Eher weniger, das ist - unabhängig von ihrer Unmenschlichkeit - eine Fragestellung der Vergangenheit. Darauf hat die AfD vielleicht sogar Antworten.

Ich dachte eher an so Dinge wie:

Wie schaffen wir es den zu erwartenden Fortschritt zu nutzen um Hunger, Krankheiten, Energiebedarf und Krieg zu lösen?
Wie gehen wir mit künstlicher Intelligenz um, um sie zu nutzen ohne den Humanismus zu verlieren?
Wie organisieren wir eine Überflussgesellschaft?

Ob die Nationalisten der AfD und in diesem Fall Gauland speziell darauf Antworten haben :?:
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Olympus » Fr 10. Nov 2017, 20:01

Europa2050 hat geschrieben:(10 Nov 2017, 19:43)

Eher weniger, das ist - unabhängig von ihrer Unmenschlichkeit - eine Fragestellung der Vergangenheit. Darauf hat die AfD vielleicht sogar Antworten.

Ich dachte eher an so Dinge wie:

Wie schaffen wir es den zu erwartenden Fortschritt zu nutzen um Hunger, Krankheiten, Energiebedarf und Krieg zu lösen?
Wie gehen wir mit künstlicher Intelligenz um, um sie zu nutzen ohne den Humanismus zu verlieren?
Wie organisieren wir eine Überflussgesellschaft?

Ob die Nationalisten der AfD und in diesem Fall Gauland speziell darauf Antworten haben :?:

Lass mich überlegen..Nö. Davon hat ein Gauland und Gefolge sicher nie etwas gehört.
Naja, das mit der Überflussgesellschaft bekommen die hin.

"Nimm es dem Volk und verteil es unter den eigenen Armen!"

Rest ist eigentlich klar.

Krieg = gut
Humanismus = nur gut für mich selbst
Hunger = haben nur andere
Krankheiten = selbst schuld wenn du dir keine Versicherung kaufst
Energie = ich Licht an, du aus. Perfekt
Menschlichkeit = ich bin das Volk

So könnten die Gedanken von 700 Abgeordneten der NSAfD aussehen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Europa2050 » Fr 10. Nov 2017, 20:37

Olympus hat geschrieben:(10 Nov 2017, 20:01)

Lass mich überlegen..Nö. Davon hat ein Gauland und Gefolge sicher nie etwas gehört.
Naja, das mit der Überflussgesellschaft bekommen die hin.

"Nimm es dem Volk und verteil es unter den eigenen Armen!"

Rest ist eigentlich klar.

Krieg = gut
Humanismus = nur gut für mich selbst
Hunger = haben nur andere
Krankheiten = selbst schuld wenn du dir keine Versicherung kaufst
Energie = ich Licht an, du aus. Perfekt
Menschlichkeit = ich bin das Volk

So könnten die Gedanken von 700 Abgeordneten der NSAfD aussehen.


Genau, und damit erleiden wir (oder spätestens unsere Kinder) das Schicksal schon so mancher historischer abgeschlossener Gesellschaften - wir gehen unter.

Deswegen sind Konservativismus, Nationalismus und Theokratismus für mich nicht zukunftsfähig.
Die einzigen -Ismen, denen ich vielleicht Antworten zutraue sind der Liberalismus und der Sozialismus, wobei mir die Liberalen Antworten mehr Zusagen würden ...
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 11. Nov 2017, 19:41

Man darf der AfD nicht die Ehre zuordnen, für Konservative zu sprechen. Ich fühle mich von diesem Verein jedenfalls nicht vertreten.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Niklas » So 12. Nov 2017, 12:03

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(11 Nov 2017, 19:41)

Man darf der AfD nicht die Ehre zuordnen, für Konservative zu sprechen. Ich fühle mich von diesem Verein jedenfalls nicht vertreten.

Das politische Spektrum der BRD ist unvollständig. Ich fühle mich auch nicht repräsentiert.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Tinkerbell » So 12. Nov 2017, 14:03

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(11 Nov 2017, 19:41)

Man darf der AfD nicht die Ehre zuordnen, für Konservative zu sprechen. Ich fühle mich von diesem Verein jedenfalls nicht vertreten.


Na, das ist auch nicht so wichtig.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Tinkerbell » So 12. Nov 2017, 14:04

Niklas hat geschrieben:(12 Nov 2017, 12:03)

Das politische Spektrum der BRD ist unvollständig. Ich fühle mich auch nicht repräsentiert.


Unerheblich, eh unwichtig.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Tinkerbell » So 12. Nov 2017, 14:08

Die Krise des Konservatismus ( nicht die des konservativen,) ist eine Krise des politischen überhaupt. So ist immsinne einer dialektischen unabdingbarkeit im politischen, dass gegensätze in gut gegründeter form vorhanden sind. Ohne konservatismus würde auch das liberale an bedeutung verlieren.

Da gäb's noch vieles auszuführen zu ..........aber...
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » So 12. Nov 2017, 14:13

Tinkerbell hat geschrieben:(12 Nov 2017, 14:08)

Die Krise des Konservatismus .....


...sind solche nichtssagenden Sätze:

So ist immsinne einer dialektischen unabdingbarkeit im politischen, dass gegensätze in gut gegründeter form vorhanden sind. Ohne konservatismus würde auch das liberale an bedeutung verlieren.


Die Krise des Konservativismus ist, dass links, liberal und konservativ ja eh alles das gleiche ist.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Tinkerbell » So 12. Nov 2017, 15:04

Woppadaq hat geschrieben:(12 Nov 2017, 14:13)

...sind solche nichtssagenden Sätze:



Die Krise des Konservativismus ist, dass links, liberal und konservativ ja eh alles das gleiche ist.


:-) was kann der Sigismund dafür, dass du nur schön bist. Musst du ja nicht verstehen :-)
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » So 12. Nov 2017, 21:22

Tinkerbell hat geschrieben:(12 Nov 2017, 15:04)

:-) was kann der Sigismund dafür, dass du nur schön bist. Musst du ja nicht verstehen :-)


Eben. Das find ich das tolle hier: man kann sich absolut sicher sein, dass wirklich nicht diskutiert wird.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » Sa 9. Dez 2017, 14:07

frems hat geschrieben:(23 Oct 2014, 15:57)

http://www.sueddeutsche.de/politik/nied ... -1.2185303

Speziell an jene, die sich für konservativ halten bzw. einschätzen: Was macht der Begriff für Euch aus? Verbindet Ihr damit -- vergleichbar mit der Religionszugehörigkeit, die ja damit oft Hand in Hand geht -- eine reine Privatangelegenheit bzw. eine Orientierung an "alten" Werten für das eigene Leben? Oder resultiert daraus auch die Notwendigkeit ins Leben anderer (z.B. mittels Politik) einzugreifen und sie ggf. einzuschränken?

Oder steht es für etwas ganz anderes, z.B. daß städtische Strukturen und "Lebensstile" nicht weniger konservativ seien? Oder migrantische Milieus? Oder daß der Autor irrt und diese Krise bzw. zurückgehende Bedeutung so gar nicht vorhanden ist? Oder, oder, oder ...

Freu mich über Eure Definitionen bzw. Meinungen. (Gilt natürlich auch für jene, die mit dem Konservatismus persönlich wenig anfangen können.)


Ich habe mir diesen alten Strang jetzt nicht durchgelesen, will aber eine Bemerkung dazu machen. Ich trenne "Konservatismus" in zwei Bereiche: In den politischen, dessen zentraler Punkt etwa in der starken Staatsorientierung (also starker Staat) bestand und der heute weitgehend verschwunden ist, und einem Konservatismus, der jenseits des Politischen auf ein skeptisches Menschenbild (Kants "krummes Holz") rekurriert und politisch ganz unterschiedliche Heimaten finden kann. Falls man damit politisch aktiv wird, orientiert man sich an Aufklärung, Wissenschaft, Pragmatismus, gemäßigtem Liberalismus und grenzt sich ab von heilsgeschichtlichen und postmodernen und universalethischen Systemen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » So 10. Dez 2017, 18:00

Konservativismus lässt sich in Kurzform so beschreiben: reaktive, also abwartende Strategie. Damit war Angela Merkel die meiste Zeit ziemlich konservativ. Und ein Gauland behauptet zwar, konservativ zu sein, aber nur, weil er weiss, das er mit seinen Sichtweisen nicht weit kommt, wenn er sie offen so nennt, wie sie sind: reaktionär, also rückwärtsgewandt.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » So 10. Dez 2017, 18:39

Woppadaq hat geschrieben:(10 Dec 2017, 18:00)

Konservativismus lässt sich in Kurzform so beschreiben: reaktive, also abwartende Strategie. Damit war Angela Merkel die meiste Zeit ziemlich konservativ. Und ein Gauland behauptet zwar, konservativ zu sein, aber nur, weil er weiss, das er mit seinen Sichtweisen nicht weit kommt, wenn er sie offen so nennt, wie sie sind: reaktionär, also rückwärtsgewandt.


Das mag man für politische Oberflächenbwarbeitung so sehen. Und der Reaktionär sollte schon überhaupt nicht mit dem Konservativen verwechselt werden (außerhalb des Politischen).

Und die Rückwärtsgewandtheit ist auch politisch inzwischen Unfug. Konservative sind oft viel fortschrittlicher gestimmt als grüne oder sozialdemokratische, lediglich in ein paar grundsätzlichen gesellschaftspolitischen Dingen gilt das nicht. Mit Odo Marquard würde ich sagen: Konservativ sein heißt einfach, eine Beweislastumkehr für die Einführung von Neuem einzuführen. Diejenigen, die etwas verändern wollen, sind begründungspflichtig. Das ist ein vernünftiges Konzept.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » So 10. Dez 2017, 19:04

Sextus Ironicus hat geschrieben:(10 Dec 2017, 18:39)
Und die Rückwärtsgewandtheit ist auch politisch inzwischen Unfug. Konservative sind oft viel fortschrittlicher gestimmt als grüne oder sozialdemokratische


Reaktive Strategie bedeutet aber nicht rückwärtsgewandt. Es bedeutet nur, dass sie nicht mit neuem agiert und sich damit in Gefahr begibt, komplett daneben zu liegen, sondern erst agiert, wenn es nötig oder angebracht ist. Konservative haben nicht per se was gegen Fortschritt generell, aber sie bestimmen ihn eben auch nicht.

Konservativ sein heißt einfach, eine Beweislastumkehr für die Einführung von Neuem einzuführen. Diejenigen, die etwas verändern wollen, sind begründungspflichtig. Das ist ein vernünftiges Konzept.


Das heisst aber eben auch, das gewisse Probleme erst dann gelöst werden, wenn man dazu gezwungen wird oder von anderen erfährt, dass es ohne Probleme gemacht werden kann. Im Grunde überlassen die Konservativen die Dreckarbeit den Aktiven, und das sind nun mal die Sozialdemokraten oder die Grünen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » So 10. Dez 2017, 19:29

Woppadaq hat geschrieben:(10 Dec 2017, 19:04)

Reaktive Strategie bedeutet aber nicht rückwärtsgewandt. Es bedeutet nur, dass sie nicht mit neuem agiert und sich damit in Gefahr begibt, komplett daneben zu liegen, sondern erst agiert, wenn es nötig oder angebracht ist. Konservative haben nicht per se was gegen Fortschritt generell, aber sie bestimmen ihn eben auch nicht.



Das heisst aber eben auch, das gewisse Probleme erst dann gelöst werden, wenn man dazu gezwungen wird oder von anderen erfährt, dass es ohne Probleme gemacht werden kann. Im Grunde überlassen die Konservativen die Dreckarbeit den Aktiven, und das sind nun mal die Sozialdemokraten oder die Grünen.


Sehe ich anders - denn es waren ja viel häufiger Grüne oder Sozialdemokraten, die sich dem "Fortschritt" bremsend in den Weg gestellt haben. Politisch gesehen würde ich einfach Konservatismus rein darauf beschränken, dass hier ein etwas autoritäreres Staatsverständnis als bei den anderen vorliegt, der Rest des traditionellen Konservatismus ist einfach aufgegangen im Sozialstaat moderner Prägung. Genauso wie es auch kein breites "Links" mehr gibt. Selbst in der Linkspartei sind manche Milieus alles außer links.

Sinnvoll ist für mich persönlich der Begriff nur dort, wo er ein persönliches Menschenbild betrifft, also übers Politische hinausgeht. Da würde ich noch zwei unterschiedliche Strömungen sehen: Eine eher an christlichem (und damit naturrechtlichem) Menschenbild geprägte Richtung, die sich in der Politik dann in Fragen wie Gender, PID, Abtreibung, Homoehe durch ganz bestimmte Moralansätze äußert, und eine zweite Richtung, die ich als anthropologischen Skeptizismus bezeichnen würde, die Probleme mit Geschichtsphilosophie und heilsgeschichtlichen Ansätzen hat und die man politisch wiederum bei Grünen, FDP, SPD und auch CDU genauso finden könnte wie bei völlig politikfreien Menschen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » So 10. Dez 2017, 21:48

Sextus Ironicus hat geschrieben:(10 Dec 2017, 19:29)

Sehe ich anders - denn es waren ja viel häufiger Grüne oder Sozialdemokraten, die sich dem "Fortschritt" bremsend in den Weg gestellt haben.


Wann haben sie das denn getan? Beim Atomausstieg? Beim Fördern alternativer Energiearten? Bei den Busspuren, den Radwegen ?

Zudem scheinst du den Begriff "reaktive Strategie" immer noch nicht zu verstehen. Übersetzt heisst er soviel wie "keine Experimente" - und das war schon immer das konservative Credo. Das, was Konservative und Grünenhasser den aktiven Parteien oft vorwerfen, ist ja gerade das Risiko, dass sie mit ihrer aktiven Straegien oft eingehen.

Politisch gesehen würde ich einfach Konservatismus rein darauf beschränken, dass hier ein etwas autoritäreres Staatsverständnis als bei den anderen vorliegt


Mit "den anderen" kannst du nur die neoliberalen Parteien meinen. Denn die sind die einzigen, die aus der Art des staatlichen Agierens ein Politikum machen. Für die linken und konservativen Parteien ist die Frage nach staatlichen Eingriffen eine sekundäre, eher technische Frage. Nur für die "Liberalen" bricht eine Welt zusammen, wenn der Staat auch mal lenkend eingreift.

Sinnvoll ist für mich persönlich der Begriff nur dort, wo er ein persönliches Menschenbild betrifft, also übers Politische hinausgeht. Da würde ich noch zwei unterschiedliche Strömungen sehen: Eine eher an christlichem (und damit naturrechtlichem) Menschenbild geprägte Richtung, die sich in der Politik dann in Fragen wie Gender, PID, Abtreibung, Homoehe durch ganz bestimmte Moralansätze äußert, und eine zweite Richtung, die ich als anthropologischen Skeptizismus bezeichnen würde, die Probleme mit Geschichtsphilosophie und heilsgeschichtlichen Ansätzen hat und die man politisch wiederum bei Grünen, FDP, SPD und auch CDU genauso finden könnte wie bei völlig politikfreien Menschen.


Damit könnte sich jeder als Konservativer bezeichnen. Es stimmt zwar grundsätzlich, dass die Konservativen ihr Vorgehen mit christlichen Werten rechtfertigen, doch zu diesen bekennen sich sowohl reaktionäre als stellenweise auch sozialdemokratische Kräfte.

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