Die Krise der Konservativen in Deutschland

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frems
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Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon frems » Do 23. Okt 2014, 14:57

Eine Geisteshaltung, die einst die Weltläufe formte, zieht sich zurück: der Konservatismus. Selbst dessen Gegner sollte das nicht freuen - machtpolitisch gesehen, sind die Folgen bedenklich.

Konservative gehen zum Debattieren in ein Wirtshaus neben dem Grab von Strauß; sie essen Milzwurst, und eines ihrer Themen währenddessen ist die Abschiebung von Asylbewerbern. Das sind erstens viel zu viele Klischees für einen einzigen Satz, und zweitens gab es diese Woche genau so ein CSU-Konservativen-Treffen, in Rott am Inn in Oberbayern.

Ist es gewissermaßen das, was übrig geblieben ist von einer Geisteshaltung, die einst die Weltläufte formte? Wer sich selbst für alles andere als konservativ hält, wer dem Konservatismus noch nie etwas abgewinnen konnte - der mag wenig Bedauern verspüren, dass dessen Anhänger mittlerweile so abgemeldet sind; dass CDU und CSU zwar noch Wert auf die Stimmen, aber nicht mehr ernsthaft Wert auf die Meinung von Konservativen legen. Eine solche Schadenfreude wäre recht dämlich. [...]

CDU und CSU stehen vor einem besonderen Problem: Wollen sie mehrheitsfähig bleiben, müssen sie Schritt halten mit diesem Lebensgefühl der Mitte, das tendenziell zugleich das Lebensgefühl der Stadt ist. Zum Wesen ihres Parteimilieus gehört jedoch die Skepsis vor allzu viel gesellschaftlichem Fortschritt. Daher kann eine CDU-Vorsitzende kaum anders, als zu moderieren statt zu dekretieren. Nur dass die verbliebenen Konservativen über der Entwicklung trotzdem verloren gegangen sind - entweder sie ziehen in den Winkel, nach Rott am Inn, oder sie gründen unter dem Titel AfD eine Alternative zu Merkel. [...]

Von Roland Koch, dem Konservativen im einstweiligen Ruhestand, stammt der einordnende Satz dazu: "Konservative Grundsätze sind so etwas wie die Leitplanken für die ungestümen Chancen der Freiheit." Sie werden ebenso gebraucht wie die Unbekümmertheit der Liberalen und der Gerechtigkeitsdrang der Sozialisten. Nur machen sich derzeit wenige Konservative Gedanken über Leitplanken. Asylbewerber, Schwule, Frauenquote, Ausländermaut; das sind stattdessen ihre Themen. So geraten sie in die Meckerecke der Republik.

http://www.sueddeutsche.de/politik/nied ... -1.2185303

Speziell an jene, die sich für konservativ halten bzw. einschätzen: Was macht der Begriff für Euch aus? Verbindet Ihr damit -- vergleichbar mit der Religionszugehörigkeit, die ja damit oft Hand in Hand geht -- eine reine Privatangelegenheit bzw. eine Orientierung an "alten" Werten für das eigene Leben? Oder resultiert daraus auch die Notwendigkeit ins Leben anderer (z.B. mittels Politik) einzugreifen und sie ggf. einzuschränken?

Oder steht es für etwas ganz anderes, z.B. daß städtische Strukturen und "Lebensstile" nicht weniger konservativ seien? Oder migrantische Milieus? Oder daß der Autor irrt und diese Krise bzw. zurückgehende Bedeutung so gar nicht vorhanden ist? Oder, oder, oder ...

Freu mich über Eure Definitionen bzw. Meinungen. (Gilt natürlich auch für jene, die mit dem Konservatismus persönlich wenig anfangen können.)
Labskaus!

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Wasteland
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Wasteland » Do 23. Okt 2014, 15:57

Ich habe den Eindruck das die Entwicklung in den USA ähnlich ist, nur so am Rande.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Praia61 » Do 23. Okt 2014, 16:16

Klar CDU/CSU haben nur einen Stimmenanteil von 21 % oder waren das die Sozis.
Dieses Krisengerede ist dumm.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Do 23. Okt 2014, 16:19

Praia61 » Do 23. Okt 2014, 16:16 hat geschrieben:Klar CDU/CSU haben nur einen Stimmenanteil von 21 % oder waren das die Sozis.
Dieses Krisengerede ist dumm.


es geht um die Krise der Konservativen und nicht um die CDU.
viele Menschen und auch Mitglieder der CDU sagen doch, dass die CDU keine konservative Partei mehr ist und darum so stark wurde ;)
die CDU habe die konservativen Werte wegen dem Machterhalt verraten und sei nun beliebig und sozialdemokratisch
das lese ich hier jeden Tag.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon MG-42 » Do 23. Okt 2014, 16:20

Wasteland » Do 23. Okt 2014, 08:57 hat geschrieben:Ich habe den Eindruck das die Entwicklung in den USA ähnlich ist, nur so am Rande.


Bei den USA liegst du daneben, die extremen Kandidaten und Stimmungen resultieren aus dem Primary System, das in der jetzigen Form "Puristen" sprich extremere Kandidaten bevorzugt.

Ich halte von dem Zeitungskommentar nicht viel, er will konservative Ideen auf das (aus seiner Sicht) negative reduzieren. Es gibt keine Einheitsmeinungen, noch muss man sich dem öko-city denken in Deutschland anpassen um kein Meckerer zu sein.

Für mich als Liberal-Konservativer und Atheist sind Religion und retro Familien Ideale, die andere Konservative halten eher ein Problem, das mich in jungen Jahren davon abgehalten hat z.B. die CDU zu wählen.

Der Artikel ist eher ein Beispiel von Lagerdenken, wo man bei Anderen nichts gutes erkennen kann, kombiniert mit der Idee das die eigenen Lösungen die einzige gerechte politische Wahrheit darstellen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Praia61 » Do 23. Okt 2014, 16:27

pikant » Do 23. Okt 2014, 16:19 hat geschrieben:
es geht um die Krise der Konservativen und nicht um die CDU.
viele Menschen und auch Mitglieder der CDU sagen doch, dass die CDU keine konservative Partei mehr ist und darum so stark wurde ;)
die CDU habe die konservativen Werte wegen dem Machterhalt verraten und sei nun beliebig und sozialdemokratisch
das lese ich hier jeden Tag.

Ja klar, legt es euch gerade so recht dass es passt.
Was zählt ist die gegenwärtige großpolitische Wetterlage und da zählt die CDU/CSU in diesem Spektrum immer noch als konservativ.
Wenn nicht, dann ist die AfD nicht rechts und schon gar nicht radikal, sondern die neue konservative Kraft ?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Do 23. Okt 2014, 16:34

Praia61 » Do 23. Okt 2014, 16:27 hat geschrieben:Ja klar, legt es euch gerade so recht dass es passt.
Was zählt ist die gegenwärtige großpolitische Wetterlage und da zählt die CDU/CSU in diesem Spektrum immer noch als konservativ.
Wenn nicht, dann ist die AfD nicht rechts und schon gar nicht radikal, sondern die neue konservative Kraft ?


ich bin Radkalreformer mit liberaler Grundeinstellung und natuerlich immer an der Seite der sozial Schwachen
ich halte nicht so viel vom Konservatismus und finde es gut, wenn die CDU sich davon in Teilen verabschiedet
wir muessen die reformerischen Kraefte staerken und nicht die Verharrungskraefte.
Marie-Luise

Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Marie-Luise » Do 23. Okt 2014, 16:38

pikant » Do 23. Okt 2014, 17:34

ich bin Radkalreformer mit liberaler Grundeinstellung und natuerlich immer an der Seite der sozial Schwachen
ich halte nicht so viel vom Konservatismus und finde es gut, wenn die CDU sich davon in Teilen verabschiedet
wir muessen die reformerischen Kraefte staerken und nicht die Verharrungskraefte.


Heißt das, du bist gepierced?

Immer an der Seite der sozial Schwachen. Warum betonst Du das so?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Dieter Winter » Do 23. Okt 2014, 16:39

frems » Do 23. Okt 2014, 14:57 hat geschrieben:http://www.sueddeutsche.de/politik/nied ... -1.2185303

Speziell an jene, die sich für konservativ halten bzw. einschätzen: Was macht der Begriff für Euch aus?


Zunächst mal: Änderungen sind nicht schon allein deshalb sinnvoll, nur weil sie etwas ändern. Im Rennsport gibt es da so einen geflügelten Spruch, der da lautet: "Never change a winning team". Ob es sich nun um die Aufgabe der DM handelt oder um die Energiewende - alles zieht einen Rattenschwanz nach sich, der offenbar von den Entscheidern in der Politik entweder gar nicht, oder nur unzureichend bedacht wird.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Do 23. Okt 2014, 16:44

Marie-Luise » Do 23. Okt 2014, 16:38 hat geschrieben:
Heißt das, du bist gepierced?

Immer an der Seite der sozial Schwachen. Warum betonst Du das so?


weil das was anderes ist, als links zu sein :)
das kann man nicht oft genug betonen, dass man sich fuer sozial Schwache einsetzt.
es gibt sogar Konservative, die sich immer fuer die Belange von soziale Schwachen einsetzen und das ist super gut.
Zuletzt geändert von pikant am Do 23. Okt 2014, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.
Marie-Luise

Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Marie-Luise » Do 23. Okt 2014, 16:44

Dieter Winter » Do 23. Okt 2014, 17:39

Zunächst mal: Änderungen sind nicht schon allein deshalb sinnvoll, nur weil sie etwas ändern. Im Rennsport gibt es da so einen geflügelten Spruch, der da lautet: "Never change a winning team". Ob es sich nun um die Aufgabe der DM handelt oder um die Energiewende - alles zieht einen Rattenschwanz nach sich, der offenbar von den Entscheidern in der Politik entweder gar nicht, oder nur unzureichend bedacht wird.


"Never change a winning team" oder

"If it ain't broke, don't fix it."
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Dieter Winter » Do 23. Okt 2014, 16:45

Praia61 » Do 23. Okt 2014, 16:27 hat geschrieben:Wenn nicht, dann ist die AfD nicht rechts und schon gar nicht radikal, sondern die neue konservative Kraft ?


Natürlich.

Augstein malt in seiner aktuellen Kolumne das Schreckgespenst der Deutschnationalen an die Wand. :rolleyes: Wenn dieser Dummbatzen Lucke auf's Korn nehmen will, dann ist der Versuch ziemlich jämmerlich. Der Vorwurf ist zu abgenutzt, um noch irgend jemanden zu beeindrucken. Wenn er gegen Lucke etwas vorbringen will, dann böte schon eher der Calvinismus, zu dem sich der AfD Häuptling bekennt, eine Angriffsfläche.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Praia61 » Do 23. Okt 2014, 16:52

pikant » Do 23. Okt 2014, 16:34 hat geschrieben:
ich bin Radkalreformer mit liberaler Grundeinstellung und natuerlich immer an der Seite der sozial Schwachen
ich halte nicht so viel vom Konservatismus und finde es gut, wenn die CDU sich davon in Teilen verabschiedet
wir muessen die reformerischen Kraefte staerken und nicht die Verharrungskraefte.

Du bist jemand der nach oben kniet.
Von welchen Reformen redest du ?
Mehr Verschuldung ?
Das und nur das können die Sozis und Grünen am besten.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon frems » Do 23. Okt 2014, 17:04

Praia61 » Do 23. Okt 2014, 17:16 hat geschrieben:Klar CDU/CSU haben nur einen Stimmenanteil von 21 % oder waren das die Sozis.
Dieses Krisengerede ist dumm.

Ich glaub, Du hast den Artikel nicht verstanden.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon jorikke » Do 23. Okt 2014, 17:30

frems » Do 23. Okt 2014, 17:04 hat geschrieben:Ich glaub, Du hast den Artikel nicht verstanden.


Frems, du beschreibst Konservativ mit dem Begriff: " Festhalten an alten Werten."
Das ist oberflächlich und polemisch zugleich.
Ersetz einfach mal den Begriff "alte Werte" , der für altbacken und überholt gebraucht wird, durch "bewährte Werte"
und schon triffst du den Sinn einer konservativen Haltung viel besser.
Die Konservativen sind keine Dummköpfe.
Ihnen ist klar, um Politik gestalten zu können, braucht man Wähler, Stimmen.
Der Artikel verkennt das.
Einerseits Mainstream Öffentlichkeitsarbeit um werbewirksam Sitze zu erobern, auf der anderen Seite bewährte, erhaltende Politik.
...und auch das ist richtig:
Was vor 50 Jahren erhaltenswert war, ist es heute vielfach nicht mehr.
Gut, daß die Konservativen sich ständig anpassen können. Es ist eine Grundhaltung des Denkens. Kein Dogma.
Der Artikel ist Quatsch.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon frems » Do 23. Okt 2014, 17:35

jorikke » Do 23. Okt 2014, 18:30 hat geschrieben:
Frems, du beschreibst Konservativ mit dem Begriff: " Festhalten an alten Werten."
Das ist oberflächlich und polemisch zugleich.
Ersetz einfach mal den Begriff "alte Werte" , der für altbacken und überholt gebraucht wird, durch "bewährte Werte"
und schon triffst du den Sinn einer konservativen Haltung viel besser.
Die Konservativen sind keine Dummköpfe.
Ihnen ist klar, um Politik gestalten zu können, braucht man Wähler, Stimmen.
Der Artikel verkennt das.
Einerseits Mainstream Öffentlichkeitsarbeit um werbewirksam Sitze zu erobern, auf der anderen Seite bewährte, erhaltende Politik.
...und auch das ist richtig:
Was vor 50 Jahren erhaltenswert war, ist es heute vielfach nicht mehr.
Gut, daß die Konservativen sich ständig anpassen können. Es ist eine Grundhaltung des Denkens. Kein Dogma.
Der Artikel ist Quatsch.

Ich schrieb ja nicht grundlos "alte" in Anführungszeichen, wobei etwas Provokation auch dazugehört. Mir fiel's schon schwer darauf zu verzichten die Grünen als neue Konservative vorzustellen und daran zu erinnern, daß auch 1964 manch einer nicht ganz wahrhaben wollte, daß 1914 vorbei ist, so wie manch einer heute gerne 50 Jahre zurückgehen würde. "Bewährt" würde ich aus historischen Gründen aber auch eher in Anführungszeichen setzen. Von Dummköpfen sprach ich ja nicht. Manche sind ganz schon raffiniert. Mich würde bloß primär interessieren, ob die Gesellschaft tatsächlich "weniger konservativ" wurde, ob sie ihre bewährten Werte heutzutage nur noch in den eigenen vier Wänden auslebt oder eben, wie Du es formulierst, der Artikel Quatsch sei. Gerade über die CDU/CSU wird ja stets genörgelt, sie wolle die SPD links überholen und würden Konservativen keine Heimat mehr bieten. Solche Aussagen müssen doch ein größeres Fundament haben, als daß die Partei -- nehmen wir das Beispiel Homosexualität aus dem Artikel - einsieht, daß man Gesellschaftspolitik nicht über die Verfassung stellen kann.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Helmuth_123 » Do 23. Okt 2014, 17:55

Es gibt ja nicht DEN Konservatismus, genauso wenig wie es DEN Liberalismus oder DEN Sozilaismus gibt. Dahinter stecken unterschiedliche politische Vorstellungen, die vielleicht auf einem gemeinsamen Wertefundament beruhen mögn ind der theoretischen praktischen Umsetzung aber sehr verschieden ausfallen können. Um ein Beispiel zu nennen. Es gibt den "National"-Konservativen, der die volle Souveränität beim Nationalstaat haben möchte und die EU eher als Staatenbündnis unter dem Schlagwort "Europa der Vaterländer" gestallten möchte und ndann gibt es da noch die Paneuropaunion, die die entwicklung der EU hin zu einem föderalen/konföderalen europäischen Bundesstaat wünscht. Bei der Frage nach der Krise des Konservatismus sollte man auch zwischen zwei Dimensionen trennen. Der politisch-geselschaftlichen und der privaten. Die Frage ist also mit einem pauschalen ja ode rnein nicht wirklich zu beantworten. Ist das gemeinsame konservative Wertefundament im politischen Bereich in der Krise? Vielleicht. Im privaten ist es das glaube ich nicht. Sind bestimmte Ausprägungen/Umsetzungen konservativer Ideen in der Krise? Ja, einige davon sind sogar marginalisisert und quasi politisch-gesellschaftlich unbedeutend.
„Nu da machd doch eiern Drägg alleene!“-Friedrich August III. zugeschrieben
„Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt.“-Arthur Moeller van den Bruck
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon jorikke » Do 23. Okt 2014, 17:59

frems » Do 23. Okt 2014, 17:35 hat geschrieben:Ich schrieb ja nicht grundlos "alte" in Anführungszeichen, wobei etwas Provokation auch dazugehört. Mir fiel's schon schwer darauf zu verzichten die Grünen als neue Konservative vorzustellen und daran zu erinnern, daß auch 1964 manch einer nicht ganz wahrhaben wollte, daß 1914 vorbei ist, so wie manch einer heute gerne 50 Jahre zurückgehen würde. "Bewährt" würde ich aus historischen Gründen aber auch eher in Anführungszeichen setzen. Von Dummköpfen sprach ich ja nicht. Manche sind ganz schon raffiniert. Mich würde bloß primär interessieren, ob die Gesellschaft tatsächlich "weniger konservativ" wurde, ob sie ihre bewährten Werte heutzutage nur noch in den eigenen vier Wänden auslebt oder eben, wie Du es formulierst, der Artikel Quatsch sei. Gerade über die CDU/CSU wird ja stets genörgelt, sie wolle die SPD links überholen und würden Konservativen keine Heimat mehr bieten. Solche Aussagen müssen doch ein größeres Fundament haben, als daß die Partei -- nehmen wir das Beispiel Homosexualität aus dem Artikel - einsieht, daß man Gesellschaftspolitik nicht über die Verfassung stellen kann.


Die CDU will die SPD links überholen? In der Tat eine der vielen blödsinnigen Presseaussagen. Gleichzeitig versucht die SPD in die Klientel der CDU einzubrechen.
Das ist seit vielen Jahren gängige Praxis. Das Ergebnis läßt sich an den Wählerwanderungen ablesen.
Ja nachdem welche Amplitude gerade ausschlägt, wird es von den Meinungsmachern aufgegriffen.
Die brauchen halt ihre Themen. Mitunter wird dann die "öffentliche Meinung" davon geprägt.
Dann kommt eine Partei wie die AfD auf, getragen von Konservativen, die meinen ihre Grundhaltung würde von der CDU nicht mehr ausreichend vertreten.
Temporäre Erscheinungen.
...ach ja, das mit dem Quatsch entsprang dem Wissen " etwas Provokation muß sein."
Denkanstöße sind natürlich nie wirklich Quatsch.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Progressiver » Do 23. Okt 2014, 18:06

Ideologisch betrachtet ist meines Erachtens tatsächlich so etwas wie eine Krise des Konservatismus zu beobachten. Was geblieben ist, das ist der unbedingte Wille zur Machterhalt. Aber inhaltlich erscheint mir die CDU seltsam blutleer.

Merkel mag zwar eine kühle Technokratin der Macht sein. Und ihre Heilslehre sind wohl die Finanzmärkte, die Austerität und das Wirtschaftswachstum. Irgendwie hat sie es auch geschafft, eine parteipolitische Hegemonie zu errichten, in der jeder Widerstand scheinbar zu ersticken droht. Aber verglichen mit Adenauer oder Franz Josef Strauss bringt sie nicht gerade die Wähler zum Toben -egal ob vor Wut oder vor Begeisterung. Die beiden anderen hatten wenigstens ein Wertekorsett. Dies mag zwar miefig und altbacken gewirkt haben. Aber zur Zeit Adenauers wurde die Wirtschaft auch durch die katholische Soziallehre domestiziert. An den christlichen Werten der Alten konnte man sich reiben -im Guten wie im Schlechten. Merkel dagegen regiert da fast atheistisch. Wobei man ausdrücklich sagen darf: Atheismus mit menschlichem Antlitz ist wenigstens Humanismus. Atheismus ohne menschliche bzw. soziale Werte ist dagegen Nihilismus. Und dafür steht Merkel meiner Meinung nach! Wo bei den alten Konservativen der Bezug zu Gott und Vaterland war -im Guten wie im Schlechten natürlich-, fällt der große Bezugsrahmen bei den heutigen Konservativen weg. Das einzige, was Merkel geblieben ist, das ist der Verweis auf die Finanzmärkte und die sogenannte "Alternativlosigkeit". Aber an positivem Getsaltungswillen erkenne ich da nichts mehr.

Wie gesagt: Ideologisch betrachtet ist der alte Konservatismus so gut wie tot. Aber dass unsere Gesellschaft dafür umso strukturkonservativer bzw. die konservativen Eliten modern im Sinne von zerstörerisch sind -in Bezug auf die Demokratie und den Sozialstaat-, das steht auf einem anderen Blatt.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Boraiel » Do 23. Okt 2014, 18:08

frems hat geschrieben:Eine Geisteshaltung, die einst die Weltläufe formte, zieht sich zurück: der Konservatismus.

Der Konservatismus hat nie Weltläufe geformt, Konservative versuchen die Vergangenheit fortzuschreiben. Der Wandel, die Formung der Zeit ging nicht von ihnen aus. Der Verdienst, den man Konservativen anrechnen kann, ist, dass sie dafür sorgen, dass der Wandel besser verdaulich für die Menschen ist, weil sie ihn verlangsamen.
Ich sehe auch keine Krise des Konservatismus, aber man muss natürlich sehen, dass, was vor 10 Jahren als konservativ galt, heute nicht mehr als solches gelten muss, denn der in 10 Jahren erreichte Wandel will ja wieder bewahrt werden.
Libertas veritasque.
Lesen und verstehen: http://www.feynmanlectures.caltech.edu/I_01.html

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