Die Krise der Konservativen in Deutschland

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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » So 17. Dez 2017, 13:58

rain353 hat geschrieben:(15 Dec 2017, 03:51)

Dann wollte die CDU immer bei dieser Mitte bleiben, aber eine richtige konservative Partei, wie z.B. die Tories, war sie nie (nicht mal in der Weimarer Republik und im Kaiserreich ) -> Zentrum


Ich bin schwer beeindruckt, was die richtigen, also echten wirklichen reinen unverfäschten konservativen Tories in Grossbritannien geschafft haben, im Vergleich zu unserer nie-wirklich-nicht-mal-irgendwann konservativen CDU. Tja, wir Deutschen haben es einfach nicht drauf.
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Sextus Ironicus
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » So 17. Dez 2017, 14:10

Woppadaq hat geschrieben:(17 Dec 2017, 13:58)

Ich bin schwer beeindruckt, was die richtigen, also echten wirklichen reinen unverfäschten konservativen Tories in Grossbritannien geschafft haben, im Vergleich zu unserer nie-wirklich-nicht-mal-irgendwann konservativen CDU. Tja, wir Deutschen haben es einfach nicht drauf.


Man sollte aber auch bedenken, dass die Tories weitaus weniger Milieus abzudecken hat. GB hat erstens in quantitativer Hinsicht keine nennenswerten ländlichen Räume, zweitens sind sie auf bestimmte, hauptsächlich südenglische Regionen begrenzt, was Politik für die eigene Klientel auch immer etwas einfacher macht. Die CDU dagegen muss einen viel größeren Spagat machen - entsprechend schwammig wird das eben.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Dampflok94 » Mo 18. Dez 2017, 09:20

Woppadaq hat geschrieben:(17 Dec 2017, 13:58)

Ich bin schwer beeindruckt, was die richtigen, also echten wirklichen reinen unverfäschten konservativen Tories in Grossbritannien geschafft haben,...

Und was haben die so alles geschafft? :?:
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Excellero » Mo 18. Dez 2017, 10:44

Ich halt mich eigentlich nicht für "Konservativ" ... das Hauptproblem der Kons sehe ich darin, daß die Mehrheit der Leute Konservativ mit altbacken und langweilig gleich setzt. Was ja auch logisch ist wenn 70% aller Journalisten Linksbirnen sind. :D
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Chronus1 » Mo 18. Dez 2017, 11:27

Excellero hat geschrieben:(18 Dec 2017, 10:44)

Im Ernst, eine Politik braucht fortschrittliche und traditionelle Positionen, wenn sie Wert darauf legt eine Kultur weiter zu führen. Die Begriffe Rechts und Links eignen sich aber nur sehr schlecht, um dass abzubilden. Aber man braucht diese beiden Pole. Man kann in diesem Sinne auch Links-Konservativ sein.

Ich halt mich eigentlich nicht für "Konservativ" ... das Hauptproblem der Kons sehe ich darin, daß die Mehrheit der Leute Konservativ mit altbacken und langweilig gleich setzt. Was ja auch logisch ist wenn 70% aller Journalisten Linksbirnen sind. :D


Kleine Spitze: Ihnen ist bewußt, dass sie diese beleidigende Verallgemeinerung jetzt umgedreht machen? Es ist nur ein Scherz? Ich hab's ja gerallt, wie man bei uns in Nordhessen sagt. Aber würde das ihr politischer Gegner nicht als Bestätigung seiner Weltsicht lesen?

Im Ernst, eine Politik braucht fortschrittliche und traditionelle Positionen, wenn sie Wert darauf legt eine Kultur weiter zu führen. Die Begriffe Rechts und Links eignen sich aber nur sehr schlecht, um dass abzubilden. Aber man braucht diese beiden Pole. Man kann in diesem Sinne auch Links-Konservativ sein. Übrigens würde ich mich selbst als Links-Liberal einstufen. Und isogar als relativ Konservativ, da ich Fortschritt nicht um des Frotschritts willens allein gut heiße.

Was ist Konservativ im Wortsinn? [1] allgemein: althergebracht, herkömmlich, wie bisher üblich, auf alte Werte besinnend [2] Einstellung, Haltung: von etwas Bestehendem ausgehend, etwas Bestehendes bejahend, etwas bewahrend, an dem Hergebrachten festhaltend, an dem Althergebrachten festhaltend, zum Konservatismus neigend (Quelle: https://de.wiktionary.org/wiki/konservativ)

Aber heute benutzt man die Worte Links und Rechts öfter als Synonym für gut und schlecht - je nachdem was man selbst ist. Was meinen Sie dazu?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 18. Dez 2017, 12:41

Chronus1 hat geschrieben:(18 Dec 2017, 11:27)


Aber heute benutzt man die Worte Links und Rechts öfter als Synonym für gut und schlecht - je nachdem was man selbst ist.


Ja, alles andere ist politisch auch sinnlos. Wenn Herr Gröhe und Frau Göring-Eckardt gegen Sterbehilfe stimmen, aber der eine für Vorratsspeicherung, die andere dagegen, der eine für weniger Martkregulierung, die andere für mehr, wo wäre dann konservativ, links, rechts, liberal anzusetzen? Und schaut man sich linke und rechte Kapitalismuskritik an, fallen einem erstaunliche Übereinstimmungen auf. Insofern geben links und rechts nicht mehr viel her, der einzige wirkliche Punkt, in dem eine Trennung vollzogen werden kann ist die Frage Pro und Contra ethischer Universalismus. Da kann man noch trennen, wobei auch ein paar Konservative vielleicht ins universalistische Lager trotten. Es haut nicht mehr wirklich hin. Nicht einmal mehr Pro und Contra Nationalstaat ist ein verlässlicher Gradmesser, siehe Linke wie Wolfgang Streeck.

Ergo: Eigentlich sind das nur Selbstbezeichnungen für ein paar Leute, ein Kampfbegriff zur gegenseitigen Diffamierung, aber sonst weiß keiner mehr (außer mir :D ) was hinter den Begriffen wirklich steckt. Denn ginge es nach Fortschritt, müsste die FDP ja zu den Linkaußen zählen. :p
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Excellero » Mo 18. Dez 2017, 12:44

Chronus1 hat geschrieben:(18 Dec 2017, 11:27)

Kleine Spitze: Ihnen ist bewußt, dass sie diese beleidigende Verallgemeinerung jetzt umgedreht machen? Es ist nur ein Scherz? Ich hab's ja gerallt, wie man bei uns in Nordhessen sagt. Aber würde das ihr politischer Gegner nicht als Bestätigung seiner Weltsicht lesen?

Im Ernst, eine Politik braucht fortschrittliche und traditionelle Positionen, wenn sie Wert darauf legt eine Kultur weiter zu führen. Die Begriffe Rechts und Links eignen sich aber nur sehr schlecht, um dass abzubilden. Aber man braucht diese beiden Pole. Man kann in diesem Sinne auch Links-Konservativ sein. Übrigens würde ich mich selbst als Links-Liberal einstufen. Und isogar als relativ Konservativ, da ich Fortschritt nicht um des Frotschritts willens allein gut heiße.

Was ist Konservativ im Wortsinn? [1] allgemein: althergebracht, herkömmlich, wie bisher üblich, auf alte Werte besinnend [2] Einstellung, Haltung: von etwas Bestehendem ausgehend, etwas Bestehendes bejahend, etwas bewahrend, an dem Hergebrachten festhaltend, an dem Althergebrachten festhaltend, zum Konservatismus neigend (Quelle: https://de.wiktionary.org/wiki/konservativ)

Aber heute benutzt man die Worte Links und Rechts öfter als Synonym für gut und schlecht - je nachdem was man selbst ist. Was meinen Sie dazu?


Es war keinesfalls ein Scherz. Es ist traurige Tatsache daß der größte Teil jeglicher Journallie im linken Spektrum liegt. Spontan fallen mir lediglich 3 Beispiele ein für ein eher konservatives Blatt: Focus Cicero und teils Welt. Und was "mein politischer Gegner" denkt oder meint ist mir langsam ziemlich Schnuppe. Ich habe in den letzten 3 - 4 Jahren festgestellt, es völlig egal ist ob ich nun agrumentativ schreibe, oder mich kurz fasse. Das Ergebniss ist immer das gleiche. Aber das ist zu einem gewissen Grad auch verständlich, da es schlicht keine Argumente gibt die diesen Wahnsinn der hierzulande getrieben wird rechtfertigen würden. Also bleibt dem Gegenüber nur Zustimmung oder das retten in Hetze Propaganda und Diskreditierung.

Konservativ ist für mich die Erhaltung des bisherigen. Deswegen will und kann ich mich auch nicht konservativ schimpfen. Da ich zwar in einigen Bereichen vorhandenes erhalten will, jedoch bin ich im überwiegenden Teil eher an alternation interessiert.

Mit dem letzten Satz hast du natürlich Recht. Das liegt allerdings auch wiederum an dem völligen desinteresse an Debatte. Und natürlich an der immer weiter fortschreitenden vermischung sämtlicher Positionen zu ein und dem selben Brei. Ohne jegliche Opposition.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Mo 18. Dez 2017, 12:47

Excellero hat geschrieben:(18 Dec 2017, 12:44)

Es war keinesfalls ein Scherz. Es ist traurige Tatsache daß der größte Teil jeglicher Journallie im linken Spektrum liegt. Spontan fallen mir lediglich 3 Beispiele ein für ein eher konservatives Blatt: Focus Cicero und teils Welt. Und was "mein politischer Gegner" denkt oder meint ist mir langsam ziemlich Schnuppe. Ich habe in den letzten 3 - 4 Jahren festgestellt, es völlig egal ist ob ich nun agrumentativ schreibe, oder mich kurz fasse. Das Ergebniss ist immer das gleiche. Aber das ist zu einem gewissen Grad auch verständlich, da es schlicht keine Argumente gibt die diesen Wahnsinn der hierzulande getrieben wird rechtfertigen würden. Also bleibt dem Gegenüber nur Zustimmung oder das retten in Hetze Propaganda und Diskreditierung.



BILD ist konservativ und das ist die groesste Tageszeitung in Deutschland!
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Excellero » Mo 18. Dez 2017, 12:50

pikant hat geschrieben:(18 Dec 2017, 12:47)

BILD ist konservativ und das ist die groesste Tageszeitung in Deutschland!


Ist das Satire?
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Mo 18. Dez 2017, 12:54

Excellero hat geschrieben:(18 Dec 2017, 12:50)

Ist das Satire?


natuerlich nicht, denn BILD ist Srpinger wie Welt!
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Excellero » Mo 18. Dez 2017, 12:58

pikant hat geschrieben:(18 Dec 2017, 12:54)

natuerlich nicht, denn BILD ist Srpinger wie Welt!


Springer ist nicht konservativ sondern Merkelistisch. Also ist Bild nur konservativ wenn muddi mal was konservatives sagt. Allerdings ist das in den letzten Jahren selten geworden... :thumbup:
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 18. Dez 2017, 13:01

Excellero hat geschrieben:(18 Dec 2017, 12:44)

Konservativ ist für mich die Erhaltung des bisherigen. Deswegen will und kann ich mich auch nicht konservativ schimpfen. Da ich zwar in einigen Bereichen vorhandenes erhalten will, jedoch bin ich im überwiegenden Teil eher an alternation interessiert.



Doch, kann man trotzdem. Ich schrieb es schon einmal: Odo Marquard forderte in stürmischen Zeiten der linken "Bewegungen" immer eine Beweislastumkehr. Wer Bestehendes abschaffen möchte, steht in der Begründungspflicht. Das Argument "Dinge ändern sich" ist zu wenig. Und wenn man dazu noch etwas anthropologische Skepsis mitbringt, sich also von völlig aus der Luft gegriffenen Annahmen über Verhaltensmuster von Menschen nicht einfangen lässt, nicht glaubt, dass irgendeine universalistische Ehtik den Menschen notwendig bessern würde und wer schließlich an keinen in der Geschichte verankerten Heilsplan glaubt, wäre wohl ein eher konservativer Mensch (unabhängig, wie sich das politisch in einer Wahl ausdrückt - wer klug ist, lässt es ohnehin sein ;) ).
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon pikant » Mo 18. Dez 2017, 13:16

Excellero hat geschrieben:(18 Dec 2017, 12:58)

Springer ist nicht konservativ sondern Merkelistisch. Also ist Bild nur konservativ wenn muddi mal was konservatives sagt. Allerdings ist das in den letzten Jahren selten geworden... :thumbup:


dann kauf Dir die FAZ, denn da ist Konservativ auf hohem journalistischen Niveau anzutreffen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon BlueMonday » Mo 18. Dez 2017, 14:11

Auch eine konservative Sicht: Das "Rechte" oder Konservative als "… eine Ideologie der Personbejahung und der Liebe, die sich den Ideologien der Gruppenhysterie, der Rassen- und Klassenfeindschaft und des organisierten Hasses entgegenstellen könnte."
Erik von Kuehnelt-Leddihn

Das Rechte als Weltsicht der Vielfalt, des Unterschieds, des Persönlich-Individuellen, der Freiheit als Möglichkeit der Loslösung von der Gruppe, ... das ist es letztlich, was der originäre Konservative erhalten will, möglichst viele parallele Entwicklungsstränge, die sich nicht physisch, hasserfüllt bekämpfen und auslöschen oder assimilieren wollen, sondern allenfalls mit ihrer eigenen Attraktivtät in den sportlichen Wettbewerb treten. Der Wettbewerber nicht als zu vernichtender Feind, sondern als notwendiger und zu achtender, ja zu erhaltender Maßstab.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » Mo 18. Dez 2017, 17:33

BlueMonday hat geschrieben:(18 Dec 2017, 14:11)

Auch eine konservative Sicht: Das "Rechte" oder Konservative als "… eine Ideologie der Personbejahung und der Liebe, die sich den Ideologien der Gruppenhysterie, der Rassen- und Klassenfeindschaft und des organisierten Hasses entgegenstellen könnte."
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Das Rechte als Weltsicht der Vielfalt, des Unterschieds, des Persönlich-Individuellen, der Freiheit als Möglichkeit der Loslösung von der Gruppe, ... das ist es letztlich, was der originäre Konservative erhalten will, möglichst viele parallele Entwicklungsstränge, die sich nicht physisch, hasserfüllt bekämpfen und auslöschen oder assimilieren wollen, sondern allenfalls mit ihrer eigenen Attraktivtät in den sportlichen Wettbewerb treten. Der Wettbewerber nicht als zu vernichtender Feind, sondern als notwendiger und zu achtender, ja zu erhaltender Maßstab.


Es waren aber konservative Kräfte, die Hitler unterstützt haben.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 18. Dez 2017, 19:19

BlueMonday hat geschrieben:(18 Dec 2017, 14:11)

Auch eine konservative Sicht: Das "Rechte" oder Konservative als "… eine Ideologie der Personbejahung und der Liebe, die sich den Ideologien der Gruppenhysterie, der Rassen- und Klassenfeindschaft und des organisierten Hasses entgegenstellen könnte."
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Das Rechte als Weltsicht der Vielfalt, des Unterschieds, des Persönlich-Individuellen, der Freiheit als Möglichkeit der Loslösung von der Gruppe, ... das ist es letztlich, was der originäre Konservative erhalten will, möglichst viele parallele Entwicklungsstränge, die sich nicht physisch, hasserfüllt bekämpfen und auslöschen oder assimilieren wollen, sondern allenfalls mit ihrer eigenen Attraktivtät in den sportlichen Wettbewerb treten. Der Wettbewerber nicht als zu vernichtender Feind, sondern als notwendiger und zu achtender, ja zu erhaltender Maßstab.


Klingt so sympathisch wie utopisch. Aber danke für den Tipp, den Ritter schau ich mir mit größtem Vergnügen über Weihnachten an.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Uffzach » Mo 18. Dez 2017, 19:49

BlueMonday hat geschrieben:(18 Dec 2017, 14:11)

Auch eine konservative Sicht: Das "Rechte" oder Konservative als "… eine Ideologie der Personbejahung und der Liebe, die sich den Ideologien der Gruppenhysterie, der Rassen- und Klassenfeindschaft und des organisierten Hasses entgegenstellen könnte."
Erik von Kuehnelt-Leddihn

Das Rechte als Weltsicht der Vielfalt, des Unterschieds, des Persönlich-Individuellen, der Freiheit als Möglichkeit der Loslösung von der Gruppe, ... das ist es letztlich, was der originäre Konservative erhalten will, möglichst viele parallele Entwicklungsstränge, die sich nicht physisch, hasserfüllt bekämpfen und auslöschen oder assimilieren wollen, sondern allenfalls mit ihrer eigenen Attraktivtät in den sportlichen Wettbewerb treten. Der Wettbewerber nicht als zu vernichtender Feind, sondern als notwendiger und zu achtender, ja zu erhaltender Maßstab.


Die Benennung von Unterschieden wird aber von den Linken bereits als Abgrenzung empfunden, weil die Linken in einer Phantasiewelt ohne Unterschiede leben. So wird in einem von der Linken dominierten Diskurs auch der romantischste Konservative zum Faschisten.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Woppadaq » Mo 18. Dez 2017, 21:52

Uffzach hat geschrieben:(18 Dec 2017, 19:49)

Die Benennung von Unterschieden wird aber von den Linken bereits als Abgrenzung empfunden, weil die Linken in einer Phantasiewelt ohne Unterschiede leben.


O la la. Unterschiede ohne Abgrenzung sind ja auch keine. Aber das Konservative nicht gerade prinzipienfest sind, stimmt schon.

So wird in einem von der Linken dominierten Diskurs auch der romantischste Konservative zum Faschisten.


Ich hab nie behauptet, dass Konservative Faschisten sind. Aber Faschisten sind konservativ, und sie wurden auch immer von konservativen Kräften unterstützt, egal wo sie auftraten. Bei aller Romantik, die mich sehr an die Selbstverliebtheit der SED erinnert und die ich nicht unbedingt verdammen will - aber man sollte auch die Gefahr des Konservativismus sehen.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Uffzach » Mo 18. Dez 2017, 22:24

Woppadaq hat geschrieben:(18 Dec 2017, 21:52)

O la la. Unterschiede ohne Abgrenzung sind ja auch keine.

Hier vermengst du Benennung und Abgrenzung iSv Segregation.

Woppadaq hat geschrieben:Aber das Konservative nicht gerade prinzipienfest sind, stimmt schon.

Ich weiß nicht. Mir ist der Begriff 'konservativ' zu unbestimmt und ohne Definition zu nichts tauglich. Ich könnte ohne Definition zB nicht sagen, ob ich konservativ bin oder nicht.

Woppadaq hat geschrieben:Ich hab nie behauptet, dass Konservative Faschisten sind.

Ich versteh überhaupt nicht, warum du dich angesprochen fühlst.
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Re: Die Krise der Konservativen in Deutschland

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 18. Dez 2017, 22:45

Woppadaq hat geschrieben:(18 Dec 2017, 21:52)

O la la. Unterschiede ohne Abgrenzung sind ja auch keine. Aber das Konservative nicht gerade prinzipienfest sind, stimmt schon.


Läge, wenn es stimmt, vielleicht an der fehlenden Verkrampfung. Denn die größten Tugendbolde sind auch immer die größten Unterdrücker. Und vielleicht liegt's auch an dieser etwas größeren Lockerheit, dass Konservative nachweislixch besseren Sex haben. :D :p :cool:

Woppadaq hat geschrieben:(18 Dec 2017, 21:52)
Ich hab nie behauptet, dass Konservative Faschisten sind. Aber Faschisten sind konservativ, und sie wurden auch immer von konservativen Kräften unterstützt, egal wo sie auftraten. Bei aller Romantik, die mich sehr an die Selbstverliebtheit der SED erinnert und die ich nicht unbedingt verdammen will - aber man sollte auch die Gefahr des Konservativismus sehen.


Also mich erinnert ja vieles an vieles, aber auf die SED und die Romantik in einem Atemzug wäre ich jetzt nicht gekommen. Dass Faschismus (woher kommt der bei dir so plötzlich) wiederum einige Wurzeln in romantischen Gedankengut hat, ist bekannt. Aber welche Gefahr von irgendeinem Konservatismus momentan ausgehen sollte, erschließt sich mir nicht automatisch. Die konservative Revolution (wie man einige Köpfe im Nachhinein nannte) hatte ganz unterschiedliche Figuren, von denen sogar welche vor den deutschen Faschisten ins Exil flohen. Aber mit einem Gomez Davila, einem Cioran, einem Botho Strauß oder einem Minogue oder Sloterdijk lässt sich vermutlich weniger Gewalt rechtfertigen als mit einem Herrn Badiou und einigen vergleichbaren Linkssängern.

Der wesentliche Punkt an einem Konservativen ließe sich vielleicht an Thomäs Figur des puer robustus aus seinem gleichnamigen Buch festmachen: Ist der konservative puer robustus egozentrisch, exzentrisch (im Sinne einer Ort- und nicht Charakterbestimmung) oder nomozentrisch unterwegs? Im letzteren Falle also schon mit der Idee einer Ordnung im Kopf, die die bestehende ersetzen soll? Da sehe ich keine Figuren, und eine Politfigur wie Herr Gauland würde nur dann gefährlich, wenn man ihm (siehe Netzwerkdurchsetzungsgesetz) die Folterinstrumente weiterhin auf dem Silbertablett präsentiert.
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