Der NSU-Prozess

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Tomaner
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Tomaner » Do 12. Jul 2018, 09:16

Konservativer hat geschrieben:(11 Jul 2018, 20:23)

Es gibt aber keine Beweise, sondern nur gesponnene Theorien, die sich auf Indizien stützen, die man so oder so werten kann.

Sowas gibt es natürlich in der Justiz. Wieviele wegen Vergewaltigung angezeigte Männer werden verurteilt, allein weil das Gericht die Aussage des mutmasslichen Opfers glaubwürdiger empfindet als die Aussage des Angeklagten, auch wenn es keine Beweise für die Tat selbst gibt?

Finde ich persönlich nicht in Ordnung, Menschen auf so einer Grundlage des "Glaubens" ohne Beweise zu langjährigen Haftstrafen zu verurteilen. Die Wahrscheinlichkeit jemanden zu Unrecht zu verurteilen ist bei solchen Indizienprozesse sehr gross.

Was ich bisher über die mündliche Urteilsbegründung gelesen habe, stützt sich das nicht auf handfeste Beweise, sondern auf Überzeugungen des Gerichts, dass es so gewesen sei.

Tschäpe wurde nicht wegen ihren Glauben verurteilt, sondern wegen Gründung einer Organisation oder Gruppe, deren Zweck es war, aus niedrigen ideologischen Gründen Menschen umzubringen. Sie hat Finanzen der Gruppe geregelt und war auch zur Tarnung der Gruppe da, um schwerer aufzufliegen. Ohne Tschäpe wäre die Gruppe weniger "erfolgreich" gewesen, so das Gericht.
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Alexyessin » Do 12. Jul 2018, 09:25

Keoma hat geschrieben:(12 Jul 2018, 07:54)

• 2009 verbrennt ein NSU-Zeuge in seinem Auto, kurz bevor er aussagen kann.
• 2013 verbrennt ein weiterer Zeuge in seinem Auto, an dem Tag, an dem er vor Gericht aussagen soll.
• Ein V-Mann wird in seiner Wohnung 2014 tot aufgefunden, offiziell an Diabetes gestorben.
• 2015 soll eine Zeugin aussagen, die kurz vorher mit einer kleinen Prellung am Knie ins Krankenhaus eingeliefert wird und dort dann laut Todesschein an einer Lungenembolie stirbt.
• Der Verlobte der an Lungenembolie verstorbenen Zeugin stirbt 2016 selbst.
• Im Feber 2017 verstirbt überraschend eine weitere Zeugin in Ludwigsburg.
• Vor 2 Wochen fällt der mit NSU Untersuchungen beauftragte kerngesunde Brandermittler und Kriminaltechniker Frank Dieter Stolt ins Koma und stirbt.

Alles normal, oder?


Kann Zufall sein.
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Merkel_Unser » Do 12. Jul 2018, 09:54

Alexyessin hat geschrieben:(12 Jul 2018, 10:25)

Kann Zufall sein.


Naheliegend ist doch eher, dass das NSU-Netz größer als die bekannten 3 Personen ist. Und da ist der Unwille der Behörden diese mysteriösen Todesfälle aufzuklären schon recht seltsam. Warum wurden zu den Fällen Akten geschreddert und bei dem Wohnmobil eine laienhafte Spurensicherung durchgeführt?
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Tomaner » Do 12. Jul 2018, 10:08

Merkel_Unser hat geschrieben:(12 Jul 2018, 10:54)

Naheliegend ist doch eher, dass das NSU-Netz größer als die bekannten 3 Personen ist. Und da ist der Unwille der Behörden diese mysteriösen Todesfälle aufzuklären schon recht seltsam. Warum wurden zu den Fällen Akten geschreddert und bei dem Wohnmobil eine laienhafte Spurensicherung durchgeführt?

Genauso dürfte es ein. Rechte von verschiedenste Organisationen sind perfekt vernetzt. Wenn man da auch in einer Nazigruppe aktiv ist, dürfte es auch nicht so einfach sein, da bei seinen "Kameraden" auszusteigen. Wenn also plötzlich auf einen Schlag 3 weg sind, weil Untergrund, gehen doch der Rest nicht in Tagesordnung über. Umgekehrt benötigen Untergetauchte Unterstützung jeglicher Art. Auch dürfte es kaum möglich sein ohne jegliche Unterstützung ein Bekennerviedeo zu drehen und zusammenzustellen, wo man die Opfer noch verhöhnt. Haben diese Video sogar andere zusammengestellt, hätten diese Wissen von jeden einzelnen Mord haben müssen, einschliesslich Fotos vom Tatort, bevor Polizei da war.

Die verschiednen rechten Gruppen unterscheiden sich auch nicht so sehr in ihrer Ideologie und haben auch alle die gleichen Interessen, die Demokratie wie wir sie haben abzuschaffen, einschließlich der AfD! Auch haben sie alle die gleiche "Denkfabrik" um die Neuen Rechten. Unterscheiden tun sie sich lediglich um den Weg dorthin, um die Demokratie und unser System zu beseitigen. Man dürfte sich aber relativ einig sein, zwar getrennt maschieren, aber wenn der zeitpunkt da ist, gemeinsam zuzuschlagen.
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Keoma » Do 12. Jul 2018, 10:10

zollagent hat geschrieben:(12 Jul 2018, 09:16)

Normal sind die Spinnereien, die um solche angeblichen Umstände gesponnen werden. Es war zu erwarten, daß hier mehr oder weniger heimliche Sympathisanten jetzt ihren Frust über das Urteil äußern.


Der einzige, der spinnt, aber ordentlich, bist du.
Was hat das mit einem Frust über das Urteil zu tun?
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Keoma » Do 12. Jul 2018, 10:13

Tomaner hat geschrieben:(12 Jul 2018, 11:08)

Genauso dürfte es ein. Rechte von verschiedenste Organisationen sind perfekt vernetzt. Wenn man da auch in einer Nazigruppe aktiv ist, dürfte es auch nicht so einfach sein, da bei seinen "Kameraden" auszusteigen. Wenn also plötzlich auf einen Schlag 3 weg sind, weil Untergrund, gehen doch der Rest nicht in Tagesordnung über. Umgekehrt benötigen Untergetauchte Unterstützung jeglicher Art. Auch dürfte es kaum möglich sein ohne jegliche Unterstützung ein Bekennerviedeo zu drehen und zusammenzustellen, wo man die Opfer noch verhöhnt. Haben diese Video sogar andere zusammengestellt, hätten diese Wissen von jeden einzelnen Mord haben müssen, einschliesslich Fotos vom Tatort, bevor Polizei da war.

Die verschiednen rechten Gruppen unterscheiden sich auch nicht so sehr in ihrer Ideologie und haben auch alle die gleichen Interessen, die Demokratie wie wir sie haben abzuschaffen, einschließlich der AfD! Auch haben sie alle die gleiche "Denkfabrik" um die Neuen Rechten. Unterscheiden tun sie sich lediglich um den Weg dorthin, um die Demokratie und unser System zu beseitigen. Man dürfte sich aber relativ einig sein, zwar getrennt maschieren, aber wenn der zeitpunkt da ist, gemeinsam zuzuschlagen.


Auch möglich.
Aber mehr würde mich interessieren, ob tatsächlich ein "tiefer Staat" existiert.
In diese Richtung darf ja nicht ermittelt werden.
Erinnert ein wenig an Dutroux.
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Mahmoud » Do 12. Jul 2018, 10:25

aleph hat geschrieben:(11 Jul 2018, 17:04)

Wird Tschäppe bei der Berufung Erfolg haben? Die Argumente der Verteidigung hören sich gewichtig an.


Das würde mich wundern. Das Urteil ist politisch gewollt, um ein Zeichen zu setzen.

Ich weiß nicht so Recht, was Ich davon halten soll, Jemanden zu lebenslanger Haft zu verurteilen, der nie eine Waffe in der Hand hielt und nie Jemanden ermordet hat.

Auf der anderen Seite wird ein Türke, der einen Menschen sehr schwer verletzt hat, nicht mal angeklagt, weil es "keinen Haftgrund" gibt...
Siehe: http://www.kn-online.de/Kiel/Brutale-At ... r-verletzt

Ich werde den Verdacht nicht los, daß es einen Unterschied macht, welche Gesinnung und welche Nationalität ein Täter hat, nicht nur welche Tat er begangen hat.
Political correctness: Nein, Danke. Ich bevorzuge die Wahrheit!
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Alexyessin » Do 12. Jul 2018, 11:00

Merkel_Unser hat geschrieben:(12 Jul 2018, 10:54)

Naheliegend ist doch eher, dass das NSU-Netz größer als die bekannten 3 Personen ist. Und da ist der Unwille der Behörden diese mysteriösen Todesfälle aufzuklären schon recht seltsam. Warum wurden zu den Fällen Akten geschreddert und bei dem Wohnmobil eine laienhafte Spurensicherung durchgeführt?


Das Problem bei solchen Betrachtungen ist ja grundsätzlich die Intention des Betrachters.
Erstens halte ich Beate Zschäpe für schuldig. Ich folge hier wirklich dem Gericht, das sie nicht die unbeteiligte Hausfrau der WG war sondern von diesen ganzen Morden und Finanzierungen gewusst hat.
Zweitens wurden schließlich auf weitere Personen aus dem direktem Umfeld NSU mit verurteilt - für meine Begriffe ein wenig zu wenig, aber auch das zeigt, das das Gericht nicht bei Uwe eins und zwei aufgehört hat.
Soweit zum Gerichtsverfahren als solches.
Laienhafte Spurensicherung ist natürlich in der Nachbetrachtung leicht daher gesagt. Irgendwo brennt ein Wohnmobil und es kommt die Feuerwehr, der Notarzt und irgendwann die normale Polizei. War von Anfang an davon auszugehen, das es sich hier um den Freitot einer rechten Terrorzelle handelt? Eher nicht. Und als das bekannt wurde, war nicht mehr viel Spurensicherung Erstbeschau möglich. Löschschaum, Löschwasser, Spuren der versuchten Rettung usw. usf.
Dann gibt es diese Todesfälle, denen du von vorne herein die Beschreibung mysteriös beihaftest. Du vermutest also, das diese Todesfälle in direktem Zusammenhang mit dem NSU stehen, oder? Ansonsten wäre ja der Zusatz mysteriös unsinnig. Aber wenn diese Zeugen / Informaten so brisant für irgendwelche verdeckten Kreise gewesen wären, warum wird dann gewartet, bis sie aussagen wollen oder gar schon zur Verhandlung vorgeladen wurden? Warum hat keiner von diesen Zeugen / Informanten, die gestorben sind, irgendwelche Schriftstücke hinterlassen ( bei einem Pfarrer, einem Rechtsanwalt oder ähnlichem )?
Dann noch zu dieser Aktenschredderei und die 120 Jahre Verwahrfrist bis zur Offenlegung. Das klingt natürlich nach Verschleierung, nach Vertuschung und angesichts der Geschichten rund um Stay-Behind/Gladio zwischen Geheimdienst und rechtsextremistischen Gruppen ist so ein Gedanke an erster Stelle nicht mal ungewöhnlich. Nur bezweifel ich den direkten Zusammenhang, das umspannende Netz NSU, der hinter dieser Vermutung steht. Ich gehe eher davon aus, das hier jemand ganz persönlich seinen Arsch retten will, weil dieser jemand / oder diese jemande schlichtweg schlechte Arbeit geleistet haben - mit möglichen Verstrickungen in die rechtsextreme Szene oder eigener Bereicherung. Das halte ich durchaus für realistischer als die Idee einer großen Verschwörung im Hintergrund mit Frau Zschäpe als Bauernopfer.
Denn wenn es so eine große Schattenorganisation gibt, warum bedient man sich überhaupt schon mal diesem Haufen? Das sind doch gescheiterte Existenzen, zwar in einer Ideologie streng verstrickt aber dennoch labile Personen - wie der Freitot dann auch gezeigt hat. Warum also schafft es diese angeblich existierende Schattenorganisation nicht vermeintliche Zeugen unauffällig verschwinden zu lassen, wo es doch - Existenz fiktiverweise vorausgesetzt - gelungen ist, diese Morde für ein Jahrzehnt zu vertuschen?
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Tom Bombadil » Do 12. Jul 2018, 11:13

Gibt es irgendwo eine komprimierte Auflistung der Beweise und Indizien?
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon zollagent » Do 12. Jul 2018, 11:21

Mahmoud hat geschrieben:(12 Jul 2018, 11:25)

Das würde mich wundern. Das Urteil ist politisch gewollt, um ein Zeichen zu setzen.

Ich weiß nicht so Recht, was Ich davon halten soll, Jemanden zu lebenslanger Haft zu verurteilen, der nie eine Waffe in der Hand hielt und nie Jemanden ermordet hat.

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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Selina » Do 12. Jul 2018, 11:25

Alexyessin hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:00)

Das Problem bei solchen Betrachtungen ist ja grundsätzlich die Intention des Betrachters.
Erstens halte ich Beate Zschäpe für schuldig. Ich folge hier wirklich dem Gericht, das sie nicht die unbeteiligte Hausfrau der WG war sondern von diesen ganzen Morden und Finanzierungen gewusst hat.
Zweitens wurden schließlich auf weitere Personen aus dem direktem Umfeld NSU mit verurteilt - für meine Begriffe ein wenig zu wenig, aber auch das zeigt, das das Gericht nicht bei Uwe eins und zwei aufgehört hat.
Soweit zum Gerichtsverfahren als solches.
Laienhafte Spurensicherung ist natürlich in der Nachbetrachtung leicht daher gesagt. Irgendwo brennt ein Wohnmobil und es kommt die Feuerwehr, der Notarzt und irgendwann die normale Polizei. War von Anfang an davon auszugehen, das es sich hier um den Freitot einer rechten Terrorzelle handelt? Eher nicht. Und als das bekannt wurde, war nicht mehr viel Spurensicherung Erstbeschau möglich. Löschschaum, Löschwasser, Spuren der versuchten Rettung usw. usf.
Dann gibt es diese Todesfälle, denen du von vorne herein die Beschreibung mysteriös beihaftest. Du vermutest also, das diese Todesfälle in direktem Zusammenhang mit dem NSU stehen, oder? Ansonsten wäre ja der Zusatz mysteriös unsinnig. Aber wenn diese Zeugen / Informaten so brisant für irgendwelche verdeckten Kreise gewesen wären, warum wird dann gewartet, bis sie aussagen wollen oder gar schon zur Verhandlung vorgeladen wurden? Warum hat keiner von diesen Zeugen / Informanten, die gestorben sind, irgendwelche Schriftstücke hinterlassen ( bei einem Pfarrer, einem Rechtsanwalt oder ähnlichem )?
Dann noch zu dieser Aktenschredderei und die 120 Jahre Verwahrfrist bis zur Offenlegung. Das klingt natürlich nach Verschleierung, nach Vertuschung und angesichts der Geschichten rund um Stay-Behind/Gladio zwischen Geheimdienst und rechtsextremistischen Gruppen ist so ein Gedanke an erster Stelle nicht mal ungewöhnlich. Nur bezweifel ich den direkten Zusammenhang, das umspannende Netz NSU, der hinter dieser Vermutung steht. Ich gehe eher davon aus, das hier jemand ganz persönlich seinen Arsch retten will, weil dieser jemand / oder diese jemande schlichtweg schlechte Arbeit geleistet haben - mit möglichen Verstrickungen in die rechtsextreme Szene oder eigener Bereicherung. Das halte ich durchaus für realistischer als die Idee einer großen Verschwörung im Hintergrund mit Frau Zschäpe als Bauernopfer.
Denn wenn es so eine große Schattenorganisation gibt, warum bedient man sich überhaupt schon mal diesem Haufen? Das sind doch gescheiterte Existenzen, zwar in einer Ideologie streng verstrickt aber dennoch labile Personen - wie der Freitot dann auch gezeigt hat. Warum also schafft es diese angeblich existierende Schattenorganisation nicht vermeintliche Zeugen unauffällig verschwinden zu lassen, wo es doch - Existenz fiktiverweise vorausgesetzt - gelungen ist, diese Morde für ein Jahrzehnt zu vertuschen?


Ich glaube, das ist eine Mischung aus allem: Versagen der Dienste, Vertuschung plus rechtes Netzwerk, das weitaus größer ist als immer angegeben. Insgesamt sind sehr viele Fragen offen geblieben. Und falls einzelne Geheimdienst-Leute (auch amerikanische Dienste sollen ja neben deutschen mit drinstecken), doch direkt gemeinsame Sache machen sollten mit dem faschistoidem Pack, das natürlich nie nur aus drei bis sechs Leuten bestand, dann ist das schon eine schlimme Geschichte. Die wird dann auch nie restlos aufgeklärt werden, weil zu viele wichtige Leute ein Interesse daran haben, dass sie unaufgeklärt bleibt. Wenn es nicht so wäre, könnte man die Fehler ja eigentlich offen auf den Tisch packen und zugeben. Aber nein, das sind natürlich nicht nur Fehler. Das riecht schon nach Absicht. Von Transparenz und Offenheit kann jedenfalls keine Rede sein. In diesem Falle - bei zehn Menschen, die durch Rechtsextreme ermordet worden sind - ist Transparenz aber dringend geboten.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon zollagent » Do 12. Jul 2018, 11:58

Interessant, wie hier ein AfD-Politiker unseren Rechtsstaat beurteilt. Komme mir Keiner mehr und erzähle was von AfD wäre Teil der Demokratie. :mad2:
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Alexyessin » Do 12. Jul 2018, 12:01

Selina hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:25)

Ich glaube, das ist eine Mischung aus allem: Versagen der Dienste, Vertuschung plus rechtes Netzwerk, das weitaus größer ist als immer angegeben. Insgesamt sind sehr viele Fragen offen geblieben. Und falls einzelne Geheimdienst-Leute (auch amerikanische Dienste sollen ja neben deutschen mit drinstecken), doch direkt gemeinsame Sache machen sollten mit dem faschistoidem Pack, das natürlich nie nur aus drei bis sechs Leuten bestand, dann ist das schon eine schlimme Geschichte. Die wird dann auch nie restlos aufgeklärt werden, weil zu viele wichtige Leute ein Interesse daran haben, dass sie unaufgeklärt bleibt. Wenn es nicht so wäre, könnte man die Fehler ja eigentlich offen auf den Tisch packen und zugeben. Aber nein, das sind natürlich nicht nur Fehler. Das riecht schon nach Absicht. Von Transparenz und Offenheit kann jedenfalls keine Rede sein. In diesem Falle - bei zehn Menschen, die durch Rechtsextreme ermordet worden sind - ist Transparenz aber dringend geboten.


Welche amerikanschen Dienste sollen denn da mit drin stecken? Die CIA hat genug zu tun, die braucht jetzt keinen braunen Klumpen aus Deutschland am Bein. Die NSA ist die Abhörgeschichte und der Rest will was in Deutschland? Und zwischen gemeinsame Sachen im Sinne des Dienste und sich selbst zu sehr darin verstricken - da meine ich V-Schutz Hessen / Thüringen - sind auch noch mal gewaltige Unterschiede. Das alles geheim zu halten ist ein Ding der theoretischen Unmöglichkeit.
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Keoma » Do 12. Jul 2018, 12:26

zollagent hat geschrieben:(12 Jul 2018, 12:20)

Rechtslastige wollen halt nicht, daß ihre Gesinnungsgenossen für ihre Taten gerade stehen müssen. Aber diese Art der Rechtsprechung fand am 8.Mai 45 in Deutschland ihr Ende.


Und was hat das mit meinem Beitrag zu tun?
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon odiug » Do 12. Jul 2018, 12:31

Keoma hat geschrieben:(12 Jul 2018, 07:54)

• 2009 verbrennt ein NSU-Zeuge in seinem Auto, kurz bevor er aussagen kann.
• 2013 verbrennt ein weiterer Zeuge in seinem Auto, an dem Tag, an dem er vor Gericht aussagen soll.
• Ein V-Mann wird in seiner Wohnung 2014 tot aufgefunden, offiziell an Diabetes gestorben.
• 2015 soll eine Zeugin aussagen, die kurz vorher mit einer kleinen Prellung am Knie ins Krankenhaus eingeliefert wird und dort dann laut Todesschein an einer Lungenembolie stirbt.
• Der Verlobte der an Lungenembolie verstorbenen Zeugin stirbt 2016 selbst.
• Im Feber 2017 verstirbt überraschend eine weitere Zeugin in Ludwigsburg.
• Vor 2 Wochen fällt der mit NSU Untersuchungen beauftragte kerngesunde Brandermittler und Kriminaltechniker Frank Dieter Stolt ins Koma und stirbt.

Alles normal, oder?

Es mag ja sein, dass Zschäpe ein Sündenbock für die Schweinerein des Verfassungsschutz ist.
Aber sie ist ein verdammt guter Sündenbock ... einer, der es verdient!
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon aleph » Do 12. Jul 2018, 12:40

Auch vor der NSU waren die drei schon straffällig. Die Biographien lassen schon den Schluss zu, dass Zschäpe alles gewusst und aktiv mitgeplant hat. Wie das dann mit der Beweislast aussieht, weiß ich nicht.
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Selina » Do 12. Jul 2018, 12:53

Alexyessin hat geschrieben:(12 Jul 2018, 13:01)

Welche amerikanschen Dienste sollen denn da mit drin stecken? Die CIA hat genug zu tun, die braucht jetzt keinen braunen Klumpen aus Deutschland am Bein. Die NSA ist die Abhörgeschichte und der Rest will was in Deutschland? Und zwischen gemeinsame Sachen im Sinne des Dienste und sich selbst zu sehr darin verstricken - da meine ich V-Schutz Hessen / Thüringen - sind auch noch mal gewaltige Unterschiede. Das alles geheim zu halten ist ein Ding der theoretischen Unmöglichkeit.


Hier hat sich mal einer die Mühe gemacht, lauter Ungereimtheiten näher zu hinterfragen:

https://www.freiepresse.de/nachrichten/ ... el10257678

Auch der Kommentar ist interessant:

Zitat daraus:

Nicht bei allen Angeklagten hatten die Ankläger ihre Hausaufgaben gemacht. Auch nicht bei allen offenen Strängen des Netzwerks. Der Prozess konnte Ermittlungsarbeit nicht ersetzen, wo vorher geschludert wurde. Auch hat der Prozess nicht beleuchtet, wie weit die Verstrickung der Sicherheitsbehörden reichte - über die bewiesene V-Mann-Verstrickung hinaus. Das können höchstens die verbliebenen jener bisher 13 Untersuchungsausschüsse versuchen. Problem ist: Die Sicherheitsbehörden mauern. Heftigstes Beispiel: Der Verfassungsschutzverbund bezichtigte das Thüringer Innenministerium des Landesverrats, weil man in Thüringen Aufklärung ernst nahm und dem Untersuchungsausschuss alle Akten auf den Tisch legen wollte. So lange solche Praktiken fortdauern, ist der NSU-Komplex nicht aufgeklärt und Opferanwälte fordern zu recht: Kein Schlussstrich!

https://www.freiepresse.de/meinungen/ko ... el10257625
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Alexyessin » Do 12. Jul 2018, 13:44

Selina hat geschrieben:(12 Jul 2018, 13:53)

Hier hat sich mal einer die Mühe gemacht, lauter Ungereimtheiten näher zu hinterfragen:

https://www.freiepresse.de/nachrichten/ ... el10257678

Auch der Kommentar ist interessant:

Zitat daraus:

Nicht bei allen Angeklagten hatten die Ankläger ihre Hausaufgaben gemacht. Auch nicht bei allen offenen Strängen des Netzwerks. Der Prozess konnte Ermittlungsarbeit nicht ersetzen, wo vorher geschludert wurde. Auch hat der Prozess nicht beleuchtet, wie weit die Verstrickung der Sicherheitsbehörden reichte - über die bewiesene V-Mann-Verstrickung hinaus. Das können höchstens die verbliebenen jener bisher 13 Untersuchungsausschüsse versuchen. Problem ist: Die Sicherheitsbehörden mauern. Heftigstes Beispiel: Der Verfassungsschutzverbund bezichtigte das Thüringer Innenministerium des Landesverrats, weil man in Thüringen Aufklärung ernst nahm und dem Untersuchungsausschuss alle Akten auf den Tisch legen wollte. So lange solche Praktiken fortdauern, ist der NSU-Komplex nicht aufgeklärt und Opferanwälte fordern zu recht: Kein Schlussstrich!

https://www.freiepresse.de/meinungen/ko ... el10257625


Der Link ist technisch nicht gut. Meine Firewall meldet da was. Obacht!!!

Die Frage ist doch, ob es eine organisierte Angelegenheit war oder nicht. Und es sprechen halt viele Sachen gegen eine weitreichende Verstrickung.
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Konservativer » Do 12. Jul 2018, 14:30

Tomaner hat geschrieben:(12 Jul 2018, 10:16)
Tschäpe wurde nicht wegen ihren Glauben verurteilt, sondern wegen Gründung einer Organisation oder Gruppe, deren Zweck es war, aus niedrigen ideologischen Gründen Menschen umzubringen. Sie hat Finanzen der Gruppe geregelt und war auch zur Tarnung der Gruppe da, um schwerer aufzufliegen. Ohne Tschäpe wäre die Gruppe weniger "erfolgreich" gewesen, so das Gericht.


Dass sie mit den Uwes im Untergrund lebte, die Finanzen regelte und von den Raubüberfällen wusste, bestreitet die Verteidigung von Zschäpe auch gar nicht. Die Verteidigung hat ja auch 10 Jahre Haft für ihre Mandantin gefordert.

Zschäpe bestreitet aber, dass sie an den Morden beteiligt war, darüber von den Uwes im Vorfeld eingeweiht wurde und in die Planung der Mordaktionen eingebunden war.
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Re: Der NSU-Prozess

Beitragvon Selina » Do 12. Jul 2018, 14:57

Keoma hat geschrieben:(12 Jul 2018, 07:54)

• 2009 verbrennt ein NSU-Zeuge in seinem Auto, kurz bevor er aussagen kann.
• 2013 verbrennt ein weiterer Zeuge in seinem Auto, an dem Tag, an dem er vor Gericht aussagen soll.
• Ein V-Mann wird in seiner Wohnung 2014 tot aufgefunden, offiziell an Diabetes gestorben.
• 2015 soll eine Zeugin aussagen, die kurz vorher mit einer kleinen Prellung am Knie ins Krankenhaus eingeliefert wird und dort dann laut Todesschein an einer Lungenembolie stirbt.
• Der Verlobte der an Lungenembolie verstorbenen Zeugin stirbt 2016 selbst.
• Im Feber 2017 verstirbt überraschend eine weitere Zeugin in Ludwigsburg.
• Vor 2 Wochen fällt der mit NSU Untersuchungen beauftragte kerngesunde Brandermittler und Kriminaltechniker Frank Dieter Stolt ins Koma und stirbt.

Alles normal, oder?


Nö, da is nix normal. Wären auch zu viele Zufälle auf einmal. Es wundert mich zwar ein wenig, dass diese Zweifel gerade von dir kommen. Aber berechtigt sind die Fragen auf alle Fälle. Frag mich nur, wer uns die beantwortet. "Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind" ;)
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