Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Misterfritz » Di 25. Sep 2018, 18:59

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 14:17)Ich meine, daß frühkindliche Bildungseinrichtungen in Kindergärten und Ganztagsschulen der Königsweg zu einer gerechteren Gesellschaft sind. Da geht's lang!
Ich denke auch, dass sowas wie verpflichtende Vorschule viele Probleme gar nicht erst entstehen liesse. Man hat das ja auch schon erkannt und der verpflichtende Kindergartenjahr vor der Schule eingeführt. das greift aber zu kurz.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 19:13

Misterfritz hat geschrieben:(25 Sep 2018, 19:59)

Ich denke auch, dass sowas wie verpflichtende Vorschule viele Probleme gar nicht erst entstehen liesse. Man hat das ja auch schon erkannt und der verpflichtende Kindergartenjahr vor der Schule eingeführt. das greift aber zu kurz.


Ich kann nur nachplappern, was ich in Nachrichten aufgefangen habe: Angeblich bilden sich im Gehirn kleiner Kinder frühzeitig Verbindungen, die das spätere Denk- und Auffassungsvermögen unterstützen. Wenn in der Zeit ungeeignete Eltern ihre Kinder nicht bespielen und beschäftigen, dann entsteht ein Schaden, der später nicht mehr gut zu machen ist. Bei mir war hängen geblieben, daß diese schnelle Entwicklung so ungefähr im 3. Lebensjahr einsetzt.

Vielleicht ist es also kein Zufall, daß früher Kinder in Kindergärten ab ihrem 3. Lebensjahr aufgenommen wurden. Dann dürfen Kindergärten aber keine Kinderaufbewahrungsorte sein, sondern dort müssen geschulte Erzieher und Erzieherinnen tätig sein, die sich auf kindliche Entwicklungen fördernd einstellen.

Schon schlimm: Wir Eltern sind in der Hinsicht überhaupt nicht vorgebildet, aber meist können wir aus Kindern ganz brauchbare Leute machen. Dann müssen demnächst ja Supermänner und Superfrauen aus diesem Erziehungssystem mit wissenschaftlicher Grundlage hervor gehen!
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Misterfritz » Di 25. Sep 2018, 19:20

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 20:13)

Ich kann nur nachplappern, was ich in Nachrichten aufgefangen habe: Angeblich bilden sich im Gehirn kleiner Kinder frühzeitig Verbindungen, die das spätere Denk- und Auffassungsvermögen unterstützen. Wenn in der Zeit ungeeignete Eltern ihre Kinder nicht bespielen und beschäftigen, dann entsteht ein Schaden, der später nicht mehr gut zu machen ist. Bei mir war hängen geblieben, daß diese schnelle Entwicklung so ungefähr im 3. Lebensjahr einsetzt.

Vielleicht ist es also kein Zufall, daß früher Kinder in Kindergärten ab ihrem 3. Lebensjahr aufgenommen wurden. Dann dürfen Kindergärten aber keine Kinderaufbewahrungsorte sein, sondern dort müssen geschulte Erzieher und Erzieherinnen tätig sein, die sich auf kindliche Entwicklungen fördernd einstellen.

Schon schlimm: Wir Eltern sind in der Hinsicht überhaupt nicht vorgebildet, aber meist können wir aus Kindern ganz brauchbare Leute machen. Dann müssen demnächst ja Supermänner und Superfrauen aus diesem Erziehungssystem mit wissenschaftlicher Grundlage hervor gehen!
Das geht schon viel früher los, deshalb raten viele ja auch, kleine Kinder nicht ins leise Kinderzimmer abzuschieben (ausser für die Nachtruhe), sondern sie möglichst viel dabei zu haben. Denn auch die ganzen Neuronen für Hören und Sehen brauchen input, um sich optimal zu vernetzen.
Und, das weiss man auch: Vorlesen ist erheblich besser als TV oder Hörbücher. Denn beim Vorlesen kann nachgefragt werden, ergeben sich Gespräche.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 19:26

Misterfritz hat geschrieben:(25 Sep 2018, 20:20)

Das geht schon viel früher los, deshalb raten viele ja auch, kleine Kinder nicht ins leise Kinderzimmer abzuschieben (ausser für die Nachtruhe), sondern sie möglichst viel dabei zu haben. Denn auch die ganzen Neuronen für Hören und Sehen brauchen input, um sich optimal zu vernetzen.
Und, das weiss man auch: Vorlesen ist erheblich besser als TV oder Hörbücher. Denn beim Vorlesen kann nachgefragt werden, ergeben sich Gespräche.


Völlig einverstanden; wir haben unsere Kinder in den ersten Jahren immer am Mann oder an der Frau gehabt. Für interessierte und geduldige Eltern gibt es keinen guten Ersatz. Wir sind ganz stolz auf unsere Kinder. Wohlgeraten und tüchtig!
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon jorikke » Di 25. Sep 2018, 20:11

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 20:13)

Ich kann nur nachplappern, was ich in Nachrichten aufgefangen habe: Angeblich bilden sich im Gehirn kleiner Kinder frühzeitig Verbindungen, die das spätere Denk- und Auffassungsvermögen unterstützen. Wenn in der Zeit ungeeignete Eltern ihre Kinder nicht bespielen und beschäftigen, dann entsteht ein Schaden, der später nicht mehr gut zu machen ist. Bei mir war hängen geblieben, daß diese schnelle Entwicklung so ungefähr im 3. Lebensjahr einsetzt.

Vielleicht ist es also kein Zufall, daß früher Kinder in Kindergärten ab ihrem 3. Lebensjahr aufgenommen wurden. Dann dürfen Kindergärten aber keine Kinderaufbewahrungsorte sein, sondern dort müssen geschulte Erzieher und Erzieherinnen tätig sein, die sich auf kindliche Entwicklungen fördernd einstellen.

Schon schlimm: Wir Eltern sind in der Hinsicht überhaupt nicht vorgebildet, aber meist können wir aus Kindern ganz brauchbare Leute machen. Dann müssen demnächst ja Supermänner und Superfrauen aus diesem Erziehungssystem mit wissenschaftlicher Grundlage hervor gehen!


Meine Frau und ich waren auch nicht vorgebildet. Drei Kinder, alle Abi und Studium.
Deine Ironie teile ich. Gleichwohl sind die Probleme bekannt, die durch - ich sag mal, unterdurchschnittlich begabte Eltern - und die Weitergabe ihrer Nichtbegabungen an ihre Sprösslinge entstehen.
Allgemeiner Tenor ist ja wohl, da muss der Staat eingreifen. Indirekt, über besser ausgebildete "Ersatzeltern".
Freiwillig ist da aber nicht viel zu machen. Es gilt das Elternrecht.
Meine Frage nun:
Inwieweit soll/kann man dieses Recht zum Wohle der Kinder aufweichen ?
Zusätzlich noch:
Ist auch jedem, der so etwas fordert klar, man kann das Kind mit dem Bade ausschütten. Was z.B. passieren kann wenn man Kinder einer Organisation überantwortet, wird ja gerade heute überdeutlich, wenn selbst Kardinäle sich entschuldigen müssen.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Misterfritz » Di 25. Sep 2018, 20:18

jorikke hat geschrieben:(25 Sep 2018, 21:11)

Meine Frau und ich waren auch nicht vorgebildet. Drei Kinder, alle Abi und Studium.
Deine Ironie teile ich. Gleichwohl sind die Probleme bekannt, die durch - ich sag mal, unterdurchschnittlich begabte Eltern - und die Weitergabe ihrer Nichtbegabungen an ihre Sprösslinge entstehen.
Allgemeiner Tenor ist ja wohl, da muss der Staat eingreifen. Indirekt, über besser ausgebildete "Ersatzeltern".
Freiwillig ist da aber nicht viel zu machen. Es gilt das Elternrecht.
Meine Frage nun:
Inwieweit soll/kann man dieses Recht zum Wohle der Kinder aufweichen ?
Zusätzlich noch:
Ist auch jedem, der so etwas fordert klar, man kann das Kind mit dem Bade ausschütten. Was z.B. passieren kann wenn man Kinder einer Organisation überantwortet, wird ja gerade heute überdeutlich, wenn selbst Kardinäle sich entschuldigen müssen.
Man soll die Kinder ja nicht den Eltern wegnehmen, es würde reichen, wenn man die Kindergartenpflicht verlängert, also mit 3 Jahren beginnen lässt.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon jorikke » Di 25. Sep 2018, 20:24

Misterfritz hat geschrieben:(25 Sep 2018, 21:18)

Man soll die Kinder ja nicht den Eltern wegnehmen, es würde reichen, wenn man die Kindergartenpflicht verlängert, also mit 3 Jahren beginnen lässt.


Einverstanden.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 20:31

Misterfritz hat geschrieben:(25 Sep 2018, 21:18)

Man soll die Kinder ja nicht den Eltern wegnehmen, es würde reichen, wenn man die Kindergartenpflicht verlängert, also mit 3 Jahren beginnen lässt.


Nun ja, genau genommen heißt eben "Kindergarten" oder "Ganztagsschule" schon, daß man durch gesellschaftliche Einrichtungen die Kinder dem Einfluß und der Aufsicht der Eltern zeitweise entzieht. Was ja auch beabsichtigt ist.

In mir sträubt sich auch so manches gegen diese Vorstellung, aber ich glaube, wenn solche Maßnahmen ausnahmslos so gelten wie bisher der Schulbesuch am Vormittag, dann entfällt zumindest der Stachel "Sonderschule". Mit etwas schlechtem Gewissen sage ich deshalb Ja zu diesem Vorgehen. Tröstlich: Uns bleibt das gemeinsame Frühstück, das gemeinsame Abendbrot und die Wochenenden, der Familienurlaub.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Misterfritz » Di 25. Sep 2018, 20:39

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 21:31)

Nun ja, genau genommen heißt eben "Kindergarten" oder "Ganztagsschule" schon, daß man durch gesellschaftliche Einrichtungen die Kinder dem Einfluß und der Aufsicht der Eltern zeitweise entzieht. Was ja auch beabsichtigt ist.

In mir sträubt sich auch so manches gegen diese Vorstellung, aber ich glaube, wenn solche Maßnahmen ausnahmslos so gelten wie bisher der Schulbesuch am Vormittag, dann entfällt zumindest der Stachel "Sonderschule". Mit etwas schlechtem Gewissen sage ich deshalb Ja zu diesem Vorgehen. Tröstlich: Uns bleibt das gemeinsame Frühstück, das gemeinsame Abendbrot und die Wochenenden, der Familienurlaub.
Es ist nun mal so, dass Spracherwerb (und da meine ich nicht nur Kinder aus Migrantenfamilien) in dieser Zeit am erfolgreichsten ist. Auch in Familien, in denen der Fernseher die Erziehung ersetzt, kommt die Sprache zu kurz und diese Kinder haben später in der Schule Defizite.
Und wenn der Staat daran Interesse hat, dass Kinder lernen, dass ALLE Kinder lernen können, dann muss er wohl steuernd eingreifen. Die Schulpflicht hat sich ja auch durchgesetzt ;)
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 21:06

Misterfritz hat geschrieben:(25 Sep 2018, 21:39)

Es ist nun mal so, dass Spracherwerb (und da meine ich nicht nur Kinder aus Migrantenfamilien) in dieser Zeit am erfolgreichsten ist. Auch in Familien, in denen der Fernseher die Erziehung ersetzt, kommt die Sprache zu kurz und diese Kinder haben später in der Schule Defizite.
Und wenn der Staat daran Interesse hat, dass Kinder lernen, dass ALLE Kinder lernen können, dann muss er wohl steuernd eingreifen. Die Schulpflicht hat sich ja auch durchgesetzt ;)


Sehe ich alles ein, obwohl mir der verabreichte Brocken nicht schmecken will. Geht eben nicht anders, wenn wir gleiche Lebenschancen für unsere Kinder wollen.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Misterfritz » Di 25. Sep 2018, 21:22

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 22:06)

Sehe ich alles ein, obwohl mir der verabreichte Brocken nicht schmecken will. Geht eben nicht anders, wenn wir gleiche Lebenschancen für unsere Kinder wollen.
Im Grunde wäre es mir auch lieber, wenn alle Eltern sich liebevoll und fördernd um ihre Kinder kümmern würden. Das können und tun aber nicht alle und es werden immer mehr Eltern, die dabei Defizite aufweisen.
Und, sowenig ich dafür bin, den Menschen durch den Staat immer mehr zu "gängeln", so wenig kann ich wegsehen, wenn man Kindern Chancen verbaut.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 21:41

Misterfritz hat geschrieben:(25 Sep 2018, 22:22)

Im Grunde wäre es mir auch lieber, wenn alle Eltern sich liebevoll und fördernd um ihre Kinder kümmern würden. Das können und tun aber nicht alle und es werden immer mehr Eltern, die dabei Defizite aufweisen.
Und, sowenig ich dafür bin, den Menschen durch den Staat immer mehr zu "gängeln", so wenig kann ich wegsehen, wenn man Kindern Chancen verbaut.


Wir entscheiden uns für das geringere Übel. Einschränkung unserer Freiheit oder schlechtere gesellschaftliche Verhältnisse.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Maltrino » Mi 26. Sep 2018, 02:32

jorikke hat geschrieben:(25 Sep 2018, 16:19)

Wenn jeder, der über eine etwas mangelhafte Ausbildung verfügt und nichts auf die Reihe bekommt, sich für ein Genie halten darf, der lediglich eines kongenialen Dompteurs bedarf um über die Runden zu kommen, dann, ja dann feiert der psychoanalytische Surrealismus fröhliche Urstände.
… zur Erbauung jenseits der Arbeitswelt geeignet.


Davon, dass jeder sich als "Genie" halten darf, hab ich nichts gesagt, das liest du nur gerne zwischen den Zeilen.

Nochmal:

Wenn nun folgendes stimmt:

Realist2014 hat geschrieben:(25 Sep 2018, 12:59)

Unternehmen benötigen Mitarbeiter mit den für die im jeweiligen Unternehmen und die dortigen Aufgaben benötigten Kompetenzen.

Punkt

das ist alles

Wer diese Kompetenzen NICHT hat, der ist eben nicht zu gebrauchen

...


dann muss man auch zur Diskussion stellen ob vielleicht auch das stimmt was ich gesagt hatte: Nämlich, dass "sehr gute" Unternehmen auch damit zurecht kommen Leute zu integrieren die "weniger Kompetenzen" haben.

Zum Beispiel in folgendem Artikel http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 29460.html steht:

"Klar ist: Je mehr sich Leih- oder Werksarbeit, Befristungen und Solo-Selbstständigkeit ausbreiten, desto mehr Menschen leben in dieser gesellschaftlichen Zwischenzone."

Es steht da auch "Kriterium - Krankheit und Behinderung: Mindestens ein Mitglied des Haushalts ist schwerbehindert oder erwerbsgemindert."

Wir hatten schon in anderen Themensträngen geklärt warum Leiharbeit, Befristungen und eigentlich auch Solo-Selbstständigkeit entstehen und warum Behinderte schwer einen Job finden ist auch klar: Die meisten Unternehmen gehen ungern das Risiko ein so einen "nicht perfekten" Bewerber fest einzustellen. Weil sie Angst haben, dass das Geld dann futsch ist, dass sie ihm geben. Und jetzt meine These: Ein SEHR GUTES Unternehmen könnte es sich leisten auch so ein Risiko einzugehen. Der Anstieg des "Prekariats" hängt vielleicht auch zusammen mit einem Fehlen von "genialen Unternehmen", über dessen Gründe man wohl gesondert reden müsste Wenn ich aber zum Beispiel die Stellenanzeigen zum Thema "Mechatroniker" im Internet lese, dann inserieren dort vor allem Miniatur Unternehmen, die in irgendnem Dorf ne Auto Reparatur Klitsche haben, wo vielleicht die Ehefrau von Chef die Personalabteilung ist... So ein "Unternehmen" kann es sich natürlich nicht leisten ein Risiko einzugehen und ist vielleicht auch intellektuell überfordert wenn da einer komm der "behindert" ist oder sonstige Probleme hat. Und was passiert wenn ich spaßeshalber und testweise ein Stellengesucht einstelle wo ich nicht sehr seriös eine Stelle als "Top-Mechatroniker" suche? Richtig, ich bekomme kaum Anfragen von Unternehmen, obwohl viele suchen, aber ich bekomme ganz viele Zuschriften von "Personaldienstleistern"... Und wie gesagt, meine These wäre: Ein "Top Unternehmen" könnte es sich vielleicht sogar leisten zu sagen "Sie interessieren sich für Mechatronik? Ok, wir zeigen Ihnen wie das geht und wenn es nicht klappt können sie zumindest bei uns rumsitzen und auf die Maschinen aufpassen, das wird schon". Aber das fehlt halt. Meine Mutter sagt immer "Wieso so kompliziert? Früher habe ich mich einfach beim Krankenhaus beworben und man hat mich eingearbeitet und dann später mit der Arbeit angefangen." Viele ältere Leute kapieren gar nicht dass das heute nicht mehr so ist. Und wie gesagt, meine These ist: Vielleicht ist es auch so, dass die meisten heutigen Unternehmer und Unternehmen einfach zu dumm sind um Leute einzuarbeiten oder sich auf deren Probleme einzustellen. Und weil sie nicht "genial" sind, brauchen sie halt perfekte, problemlose Bewerber.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Realist2014 » Mi 26. Sep 2018, 07:36

Maltrino hat geschrieben:(26 Sep 2018, 03:32)



dann muss man auch zur Diskussion stellen ob vielleicht auch das stimmt was ich gesagt hatte: Nämlich, dass "sehr gute" Unternehmen auch damit zurecht kommen Leute zu integrieren die "weniger Kompetenzen" haben.



das machen ja viele Ausbildungsbetriebe schon seit Jahren. Da werden sogar schulische Defizite nachgeholt



Wir hatten schon in anderen Themensträngen geklärt warum Leiharbeit, Befristungen und eigentlich auch Solo-Selbstständigkeit entstehen und warum Behinderte schwer einen Job finden ist auch klar: Die meisten Unternehmen gehen ungern das Risiko ein so einen "nicht perfekten" Bewerber fest einzustellen. Weil sie Angst haben, dass das Geld dann futsch ist, dass sie ihm geben.


Unternehmen sind keine "Sozialstationen". Nimm das einfach mal zur Kenntnis

Und jetzt meine These: Ein SEHR GUTES Unternehmen könnte es sich leisten auch so ein Risiko einzugehen.


Deine These basiert auf mangelndem Verständnis zum Thema Risikomanagement.

Der Anstieg des "Prekariats" hängt vielleicht auch zusammen mit einem Fehlen von "genialen Unternehmen",


Nö, die Schuld der Inkompetenz der Bewerber liegt in de Eigenverantwortung derselben

Und was passiert wenn ich spaßeshalber und testweise ein Stellengesucht einstelle wo ich nicht sehr seriös eine Stelle als "Top-Mechatroniker" suche? Richtig, ich bekomme kaum Anfragen von Unternehmen, obwohl viele suchen, aber ich bekomme ganz viele Zuschriften von "Personaldienstleistern"... Und wie gesagt, meine These wäre: Ein "Top Unternehmen" könnte es sich vielleicht sogar leisten zu sagen "Sie interessieren sich für Mechatronik? Ok, wir zeigen Ihnen wie das geht und wenn es nicht klappt können sie zumindest bei uns rumsitzen und auf die Maschinen aufpassen, das wird schon".


Das war im Sozialismus so. Offensichtlich hast DU die Marktwirtschaft noch nicht so ganz verstanden ....

Meine Mutter sagt immer "Wieso so kompliziert? Früher habe ich mich einfach beim Krankenhaus beworben und man hat mich eingearbeitet und dann später mit der Arbeit angefangen."


Du kannst dich auch HEUTE noch direkt bewerben. Nur ist eben die Zeit der "Angelernten" schon lange vorbei. Hast DU wohl noch nicht mitbekommen. Die Kompetenz-Anforderungen in ALLEN Bereichen/Berufen/Tätigkeiten sind massiv gestiegen und steigen weiter

Und wie gesagt, meine These ist: Vielleicht ist es auch so, dass die meisten heutigen Unternehmer und Unternehmen einfach zu dumm sind um Leute einzuarbeiten


Nö, zu dumm / inkompetent sind NUR diejenigen , die heute keinen Job finden trotz 1 Mio Stellenangeboten ...

Und weil sie nicht "genial" sind, brauchen sie halt perfekte, problemlose Bewerber.


Nein, sie brauchen Bewerber mit den MINDESTKOMPETENZEN . Denn darauf aufbauend werden dann in der "Einarbeitung" die für die unternehmenspezifischen Prozesse / Verfahren notwendigen ZUSATZ-Kompetenzen erworben.

Um es drastisch zu formulieren:

Die Unternehmen könnne aus Sche..e kein Schokolade machen
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Maltrino » Mi 26. Sep 2018, 09:19

Realist2014 hat geschrieben:(26 Sep 2018, 08:36)

...
Deine These basiert auf mangelndem Verständnis zum Thema Risikomanagement.

...


Hier ein Artikel der meine These eigentlich bestätigt:

https://www.wiwo.de/erfolg/management/i ... 34030.html

Zitat:

"In Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind die Inklusions-Entwicklungen durchweg positiver als in Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigen. Viele kleinere Unternehmen glauben, dass Inklusion zu viel Geld kostet. "

Gut, dann sind das was ich "gute Unternehmen" nannte eben "große Unternehmen". Wenn sie schlecht wären wären sie ja wohl auch nicht groß ^^

Also, in der Studie zum "Prekariat" ist von eben solchen Menschen mit "Einschränkungen" und "Behinderungen" die Rede. Wenn "große Unternehmen" besser sind in der Integration bzw "Inklusion" dieser Menschen in den Arbeitsmarkt, dann ist ja schon ein Schlüssel gefunden zur teilweisen Lösung des Problems. Dieser Mittelstands- und "KMU"-Fetisch in Deutschland sorgt also dafür, dass es (These) zu viele Miniatur-Unternehmen gibt, die eben mit der Vielfalt der Arbeitnehmer nicht klar kommen.

Ich hab da nur einen kleinen subjektiven Eindruck, aber mir ist schon recht früh aufgefallen: Je kleiner das Architekturbüro, desto höher sind eigentlich die Anforderungen an den Bewerber, was die "Kompletheit" angeht. In nem Zwei-Mann Büro sind dann halt Leute die irgendwie ALLES machen. Für einen "Behinderten", der nicht auf der Baustelle rumtanzen kann, ist da kein Platz. Und meiner Meinung nach wird dieser Hang zum "Popel-Unternehmen" sogar staatlich gefördert. Du sagst ja selber, dass es immer mehr "Solo-Selbstständige" gibt, die logischerweise auh niemanden anstellen können, vor allem keinen "Behinderten". Die Gründe warum es immer mehr "Solo-Selbstständige gibt kennen wir auch, aber muss ja keiner aussprechen sonst landen wir wieder im Hartz4 Strang. Und in der "Gründerszene" das selbe Dilemma. Gefördert werden offenbar vor allem kleine Projekte, wo zum Beispiel zwei Mann einen Bio-Marmeladenladen machen und einen ganz tollen Businessplan schreiben. Warum belohnen die Förderprogramme nicht diejenigen wo viele Gründer sich zusammenschließen? Warum belohnen die Förderprogramme es zum Beispiel nicht wenn Leute die irgendwas mit Fahrrad machen sich zusammenschließen und ihre Ressourcen teilen und dann auch mehr Raum für "vielfältige" Mitarbeiter und Mitstreiter haben? Das Gegenteil wird getan. Es wird ausgesiebt und selektiert, was dazu führt, dass vielleicht von 5 Projekten die mit Fahrrad zu tun haben nur eins gefördert wird und überlebt. 1 ist aber kleiner als 5... Usw. usw.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Realist2014 » Mi 26. Sep 2018, 09:39

Maltrino hat geschrieben:(26 Sep 2018, 10:19)

H

Also, in der Studie zum "Prekariat" ist von eben solchen Menschen mit "Einschränkungen" und "Behinderungen" die Rede.


Nein, von dieser Gruppe ist AUCH die Rede. Nur hat diese NICHTS mit GESUNDEN mit geringen Kompetenzen zu tun ( = dir GRÖSSERE Gruppe)

Die Gründe warum es immer mehr "Solo-Selbstständige gibt kennen wir auch, aber muss ja keiner aussprechen sonst landen wir wieder im Hartz4 Strang.


Nö. Das Eine hat mit dem Anderen NICHTS zu tun
Und in der "Gründerszene" das selbe Dilemma. Gefördert werden offenbar vor allem kleine Projekte, wo zum Beispiel zwei Mann einen Bio-Marmeladenladen machen und einen ganz tollen Businessplan schreiben. Warum belohnen die Förderprogramme nicht diejenigen wo viele Gründer sich zusammenschließen?


Diese deine Sichtweise entspricht NICHT der Realität

Warum belohnen die Förderprogramme es zum Beispiel nicht wenn Leute die irgendwas mit Fahrrad machen sich zusammenschließen und ihre Ressourcen teilen und dann auch mehr Raum für "vielfältige" Mitarbeiter und Mitstreiter haben? Das Gegenteil wird getan. Es wird ausgesiebt und selektiert, was dazu führt, dass vielleicht von 5 Projekten die mit Fahrrad zu tun haben nur eins gefördert wird und überlebt. 1 ist aber kleiner als 5... Usw. usw.


Logischerweise wird nur DAS gefördert, was auch Aussicht auf ökonomischen Erfolg hat.
Ein sinnvoller Businessplan steht da ganz am Anfang. Logischerweise auch EIGENES Kapital, was da investiert wird.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Maltrino » Mi 26. Sep 2018, 10:27

Realist2014 hat geschrieben:(26 Sep 2018, 10:39)

Nein, ... NICHTS ...

Nö. ... NICHTS ... NICHT ...


Ja gut, dann können wir den Leuten, die wegen Behinderung und Einschränkung in prekären Verhältnissen leben ja sagen, dass sie sich auch in der Zwei-Mann Werkstatt bewerben können, weil die ja so viel Möglichkeiten haben ihren ganzen Betrieb daraufhin anzupassen. Danke Realist, wieder ein Problem gelöst, oder auch NICHT. :|
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Realist2014 » Mi 26. Sep 2018, 13:00

Maltrino hat geschrieben:(26 Sep 2018, 11:27)

Ja gut, dann können wir den Leuten, die wegen Behinderung und Einschränkung in prekären Verhältnissen leben ja sagen, dass sie sich auch in der Zwei-Mann Werkstatt bewerben können, weil die ja so viel Möglichkeiten haben ihren ganzen Betrieb daraufhin anzupassen. Danke Realist, wieder ein Problem gelöst, oder auch NICHT. :|


zu dieser Gruppe hatte ich gar nichts geschrieben...

Meine Aussagen bezogen sich auf die OHNE "Behinderung oder Einschränkungen" ...

Also die mit geringen oder falschen Kompetenzen...
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Wähler » Fr 16. Nov 2018, 06:13

Viele Nutzer des Einkommens- und Vermögensrechners von SPIEGEL ONLINE sind deshalb überrascht, wo sie im Vergleich tatsächlich stehen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/servic ... 31931.html
Spiegel 15. November Wer gehört zur Mittelschicht?
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 38635.html

Einkommensgrenzen in Prozent des Medianeinkommens und monatliches Haushaltsnettoeinkommen
Single Paar ohne Kinder Paar mit einem Kind unter 14 Jahre Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren
Relativ Reiche Mehr als 250% Mehr als 4400 Mehr als 6590 Mehr als 7910 Mehr als 9230
Einkommensstarke/ obere Mitte 150 bis 250% 2640 bis 4400 3960 bis 6590 4750 bis 7910 5540 bis 9230
Mitte im engeren Sinne 80 bis 150% 1410 bis 2640 2110 bis 3960 2530 bis 4750 2950 bis 5540
Einkommensschwache/ untere Mitte 60 bis 80% 1050 bis 1410 1580 bis 2110 1900 bis 2530 2220 bis 1950
Relativ Arme Weniger als 60% 0 bis 1050 0 bis 1580 0 bis 1900 0 bis 2220

Werte gerundet auf 10 Euro. Für Alleinstehende betrug das Medianeinkommen: 1758 Euro.
Quelle: IW Köln
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon imp » Fr 16. Nov 2018, 06:41

Man muss auch mal Kinder Kinderbsein lassen und nicht immer neue Pflichten erfinden.
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