Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

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BlueMonday
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon BlueMonday » Mo 24. Sep 2018, 14:28

H2O hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:51)

Ob das heute noch so ist... habe ich nicht verfolgt. Aber bei mir geht immer ein rotes Blinklicht an, wenn ich von Kinderarmut und ledigen Müttern lese. Mein Verdacht: Eine große Zahl bedürftiger Kinder wird von dieser verfestigten gesellschaftlichen Gruppe gestellt. Wie man diese Gruppen aufbrechen könnte... keine anwendbare Vorstellung!


Ja nun, wenn man einen bestimmten "Lebensstil" subventioniert, also zwangsweise durch das Steuersystem durch andere finanziert, wird man von dieser Lebensweise nicht weniger, sondern nach und nach immer mehr bekommen. Man schafft also durch den politischen Eingriffe erst die Probleme in einem signifikanten Ausmaß. Die vermeintliche Ursache wird dann freilich nach außerhalb dieser politischen Sphäre verlegt: Die egoistischen, ungeführten, ungesteurten Menschen, der Markt, der Kapitalismus usw. sind wie immer schuld. So hat man dann noch mehr Grund und Legitimation, noch tiefer politisch einzugreifen. Man sieht ja, wohin es führt, wenn man nicht eingreift. Das Lamento über die "prekären Verhältnisse" meint kaum etwas anderes als noch mehr Geld umzuleiten, noch mehr zu subventionieren, um sich dann später darüber wieder vorstellungslos wundern zu dürfen, wieso die Probleme sich noch ausgeweitet haben statt zu verschwinden.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Realist2014 » Mo 24. Sep 2018, 14:36

H2O hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:18)

in der Ecke der verantwortungslosen Väter sind aus meiner Sicht eiserne Zugriffe fällig. Funktioniert inzwischen aber auch besser als noch vor Jahren!



Somit wird ja schon an einer "Ursachenfront" gekämpft...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Realist2014 » Mo 24. Sep 2018, 14:37

BlueMonday hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:28)

Ja nun, wenn man einen bestimmten "Lebensstil" subventioniert, also zwangsweise durch das Steuersystem durch andere finanziert, wird man von dieser Lebensweise nicht weniger, sondern nach und nach immer mehr bekommen. Man schafft also durch den politischen Eingriffe erst die Probleme in einem signifikanten Ausmaß. Die vermeintliche Ursache wird dann freilich nach außerhalb dieser politischen Sphäre verlegt: Die egoistischen, ungeführten, ungesteurten Menschen, der Markt, der Kapitalismus usw. sind wie immer schuld. So hat man dann noch mehr Grund und Legitimation, noch tiefer politisch einzugreifen. Man sieht ja, wohin es führt, wenn man nicht eingreift. Das Lamento über die "prekären Verhältnisse" meint kaum etwas anderes als noch mehr Geld umzuleiten, noch mehr zu subventionieren, um sich dann später darüber wieder vorstellungslos wundern zu dürfen, wieso die Probleme sich noch ausgeweitet haben statt zu verschwinden.



Ein Blick in die USA hilft da.

Die haben das Problem mit den "Welfare Queens" durch drastische SENKUNG der Sozial-Leistungen in den Griff bekommen...
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon roadrunner » Mo 24. Sep 2018, 16:41

BlueMonday hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:28)

Ja nun, wenn man einen bestimmten "Lebensstil" subventioniert, also zwangsweise durch das Steuersystem durch andere finanziert, wird man von dieser Lebensweise nicht weniger, sondern nach und nach immer mehr bekommen. Man schafft also durch den politischen Eingriffe erst die Probleme in einem signifikanten Ausmaß. Die vermeintliche Ursache wird dann freilich nach außerhalb dieser politischen Sphäre verlegt: Die egoistischen, ungeführten, ungesteurten Menschen, der Markt, der Kapitalismus usw. sind wie immer schuld. So hat man dann noch mehr Grund und Legitimation, noch tiefer politisch einzugreifen. Man sieht ja, wohin es führt, wenn man nicht eingreift. Das Lamento über die "prekären Verhältnisse" meint kaum etwas anderes als noch mehr Geld umzuleiten, noch mehr zu subventionieren, um sich dann später darüber wieder vorstellungslos wundern zu dürfen, wieso die Probleme sich noch ausgeweitet haben statt zu verschwinden.

Andrea Nahles beim Treffen mit allein erziehenden Müttern: "Wir haben bereits 500.000 neue Jobs geschaffen!" :thumbup:
Eine Mutter anrwortet: "Ich weiss, ich habe 3 davon!" :?
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon schokoschendrezki » Di 25. Sep 2018, 08:09

H2O hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:51)

Vor 9 Jahren verfaßte die inzwischen verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig ihr Buch "Am Ende der Geduld" über Verwahrlosung Jugendlicher.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kirsten_Heisig

Sie sprach dort auch von ledigen Müttern, die sehr früh (16 bis 18 Jahre alt) schon mit Nachwuchs gesegnet waren, die dann mit wechselnden Partnern etliche weitere
Kinder erzeugten. Die waren nicht erwerbsfähig, hatten keine verwendbare Ausbildung, und sie lebten aus öffentlichen Kassen. Das Schlimmste daran war aber, daß sie aus ähnlichen Verhältnissen stammten und ihren Kindern ein vergleichbares Schicksal mit in die Wiege gelegt wurde. Frau Heisig prägte den Ausdruck "Dynastien der Verwahrlosung".

Ob das heute noch so ist... habe ich nicht verfolgt. Aber bei mir geht immer ein rotes Blinklicht an, wenn ich von Kinderarmut und ledigen Müttern lese. Mein Verdacht: Eine große Zahl bedürftiger Kinder wird von dieser verfestigten gesellschaftlichen Gruppe gestellt. Wie man diese Gruppen aufbrechen könnte... keine anwendbare Vorstellung!


Wenn diese Ansichten auf eine generelle Verunglimpfung und Denunzierung dessen hinauslaufen sollen, was man heute so unter "Patchwork Family" subsummiert ... dann muss ich einem der Beiträger dieses Strangs zustimmen, dass das hart am Rande von ... naja ... steht. Nicht umsonst ist in verschiedenen Rezensionen zu "Am Ende der Geduld" von der Wiedereinführung "rassischer Kriterien" die Rede.

Ich selbst habe Kinder aus einer früheren Ehe und lebe mit einer Frau mit Kindern aus einer früheren Ehe zusammen, die sie ab 18 bekam .... und ich kann Ihnen versichern, dass alle diese Kinder nicht nicht nur "nicht erwerbsfähig" sind sondern hochgebildet und überwiegend mit Universitätsabschlüssen durchs Leben gehen.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Di 25. Sep 2018, 08:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 25. Sep 2018, 08:11

Realist2014 hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:37)

Ein Blick in die USA hilft da.

Die haben das Problem mit den "Welfare Queens" durch drastische SENKUNG der Sozial-Leistungen in den Griff bekommen...

Wie in den Griff bekommen?
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Wähler » Di 25. Sep 2018, 08:23

Realist2014 hat geschrieben:(24 Sep 2018, 15:37)
Ein Blick in die USA hilft da.
Die haben das Problem mit den "Welfare Queens" durch drastische SENKUNG der Sozial-Leistungen in den Griff bekommen...

Das geht aber zu Lasten eben der Kinder dieser sogenannten Welfare Queens. Für einen Sozialstaat wie die BRD ist das klar abzulehnen. Den Kindern ist in jedem Fall zu helfen und die deutschen Welfare Queens sollten mehr gefordert werden. Die leiblichen Väter allerdings auch.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Realist2014 » Di 25. Sep 2018, 08:34

Wähler hat geschrieben:(25 Sep 2018, 09:23)

Das geht aber zu Lasten eben der Kinder dieser sogenannten Welfare Queens. Für einen Sozialstaat wie die BRD ist das klar abzulehnen. h.



nein

die Leistung für die Kinder ist nur zielgerichteter einzusetzen

Das heißt weniger Geld an die Mutter, wenn sie NICHT arbeitet
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 08:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(25 Sep 2018, 09:09)

Wenn diese Ansichten auf eine generelle Verunglimpfung und Denunzierung dessen hinauslaufen sollen, was man heute so unter "Patchwork Family" subsummiert ... dann muss ich einem der Beiträger dieses Strangs zustimmen, dass das hart am Rande von ... naja ... steht. Nicht umsonst ist in verschiedenen Rezensionen zu "Am Ende der Geduld" von der Wiedereinführung "rassischer Kriterien" die Rede.

Ich selbst habe Kinder aus einer früheren Ehe und lebe mit einer Frau mit Kindern aus einer früheren Ehe zusammen, die sie ab 18 bekam .... und ich kann Ihnen versichern, dass alle diese Kinder nicht nicht nur "nicht erwerbsfähig" sind sondern hochgebildet und überwiegend mit Universitätsabschlüssen durchs Leben gehen.


Sie verrennen sich durch persönliche Betroffenheit. Wenn man nicht ansprechen darf, wo sich statistische Häufungen abzeichnen, etwa weil sich dann jemand zu Unrecht dort ein ordnet, dann ist eine vom Verstand her geführte Diskussion weitgehend ausgeschlossen, sind Gegenmaßnahmen gegen eine erkennbare Fehlentwicklung nicht möglich.

Was ist daran Nazi, wenn man aufgrund gesicherter Zahlen feststellt, daß eine ganz bestimmte Gruppe unangenehm auffällig ist? Verwahrlost waren bei Heisig im Einzelfall auch Kinder aus Elternhäusern, wo beide Eltern es zu hohem gesellschaftlichen Ansehen gebracht hatten... aber eine Häufung würde ich in den Kreisen eher nicht vermuten.

Es ist doch gut und wunderbar, wenn sich in Ihrer Familie diese statistische Aussage nicht bestätigen läßt und sogar das Gegenteil davon eingetreten ist. Einen Häufungspunkt dieses sehr erfreulichen Zustands würde ich dort aber nicht unbedingt herbeireden wollen.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon schokoschendrezki » Di 25. Sep 2018, 09:36

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 09:45)

Sie verrennen sich durch persönliche Betroffenheit. Wenn man nicht ansprechen darf, wo sich statistische Häufungen abzeichnen, etwa weil sich dann jemand zu Unrecht dort ein ordnet, dann ist eine vom Verstand her geführte Diskussion weitgehend ausgeschlossen, sind Gegenmaßnahmen gegen eine erkennbare Fehlentwicklung nicht möglich.

Was ist daran Nazi, wenn man aufgrund gesicherter Zahlen feststellt, daß eine ganz bestimmte Gruppe unangenehm auffällig ist? Verwahrlost waren bei Heisig im Einzelfall auch Kinder aus Elternhäusern, wo beide Eltern es zu hohem gesellschaftlichen Ansehen gebracht hatten... aber eine Häufung würde ich in den Kreisen eher nicht vermuten.

Es ist doch gut und wunderbar, wenn sich in Ihrer Familie diese statistische Aussage nicht bestätigen läßt und sogar das Gegenteil davon eingetreten ist. Einen Häufungspunkt dieses sehr erfreulichen Zustands würde ich dort aber nicht unbedingt herbeireden wollen.


Die Statistiken spiegeln in der Analyse der Kausalketten häufig nur das nächste Glied und nicht die wirklichen Ursachen wieder. Anderes Beispiel: Überbevölkerung, zu hohe Kinderzahl ist statistisch scheinbar die Ursache für wachsende Armut und soziale Probleme in Ostafrika. In WIrklichkeit ist umgekehrt Armut die Ursache für zu hohe Geburtenraten und dann die Ursache für weitere und schlimmere soziale Probleme. Ein Teufelskreis. Durchbrochen kann der nur werden, wenn Armut für eine gewisse Generationenzeit zumindest versucht wird, zu lindern.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon roadrunner » Di 25. Sep 2018, 09:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(25 Sep 2018, 09:09)

Wenn diese Ansichten auf eine generelle Verunglimpfung und Denunzierung dessen hinauslaufen sollen, was man heute so unter "Patchwork Family" subsummiert ... dann muss ich einem der Beiträger dieses Strangs zustimmen, dass das hart am Rande von ... naja ... steht. Nicht umsonst ist in verschiedenen Rezensionen zu "Am Ende der Geduld" von der Wiedereinführung "rassischer Kriterien" die Rede.

Ich selbst habe Kinder aus einer früheren Ehe und lebe mit einer Frau mit Kindern aus einer früheren Ehe zusammen, die sie ab 18 bekam .... und ich kann Ihnen versichern, dass alle diese Kinder nicht nicht nur "nicht erwerbsfähig" sind sondern hochgebildet und überwiegend mit Universitätsabschlüssen durchs Leben gehen.

Zeit Online:
"Die Familie steht unter besonderem Schutz des Staates – in etwa so heißt es im Grundgesetz. Doch die 1,5 Millionen alleinerziehenden Familien, von denen es immer mehr in Deutschland gibt, sind oft in einer schwierigen Situation: Ein Drittel der Alleinerziehenden ist von Armut bedroht. Knapp zwei Drittel haben keine 1.000 Euro für unerwartete Ausgaben übrig. Das Geld ist also bei den meisten knapp. Daher ist es wenig überraschend, dass mehr als die Hälfte der alleinerziehenden Mütter ohne Job gerne arbeiten würde."

Dieses über einen Kamm scheren von allein erziehenden Müttern und die damit einhergehende Abstempelung als "Welfare Queens", möglichst noch verbunden mit "saufen, qualmen, huren" ist wohl das Letzte. Selbstverständlich gibt es diese bildungsfernen Frauen, sie bilden aber nicht die Mehrheit. Die Mehrheit sind hart arbeitende Frauen, die teilweise mehrere schlecht bezahlte Jobs ausüben, um mit ihrem Kind am Existenzminimum entlang ihr Leben zu fristen.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 10:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(25 Sep 2018, 10:36)

Die Statistiken spiegeln in der Analyse der Kausalketten häufig nur das nächste Glied und nicht die wirklichen Ursachen wieder. Anderes Beispiel: Überbevölkerung, zu hohe Kinderzahl ist statistisch scheinbar die Ursache für wachsende Armut und soziale Probleme in Ostafrika. In WIrklichkeit ist umgekehrt Armut die Ursache für zu hohe Geburtenraten und dann die Ursache für weitere und schlimmere soziale Probleme. Ein Teufelskreis. Durchbrochen kann der nur werden, wenn Armut für eine gewisse Generationenzeit zumindest versucht wird, zu lindern.


Kann man sicher versuchen; aus Gründen der Mitmenschlichkeit unterstütze ich diesen Gedanken. Aber politisch habe ich doch Bedenken. Saudi-Arabien hat ein atemberaubendes Bevölkerungswachstum bei Abwesenheit existenzieller Sorgen. Ich glaube eher, daß die Abwesenheit grundlegender Bildung am Anfang allen Elends steht... und da würde ich lieber ansetzen.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 10:07

roadrunner hat geschrieben:(25 Sep 2018, 10:51)

Zeit Online:
"Die Familie steht unter besonderem Schutz des Staates – in etwa so heißt es im Grundgesetz. Doch die 1,5 Millionen alleinerziehenden Familien, von denen es immer mehr in Deutschland gibt, sind oft in einer schwierigen Situation: Ein Drittel der Alleinerziehenden ist von Armut bedroht. Knapp zwei Drittel haben keine 1.000 Euro für unerwartete Ausgaben übrig. Das Geld ist also bei den meisten knapp. Daher ist es wenig überraschend, dass mehr als die Hälfte der alleinerziehenden Mütter ohne Job gerne arbeiten würde."

Dieses über einen Kamm scheren von allein erziehenden Müttern und die damit einhergehende Abstempelung als "Welfare Queens", möglichst noch verbunden mit "saufen, qualmen, huren" ist wohl das Letzte. Selbstverständlich gibt es diese bildungsfernen Frauen, sie bilden aber nicht die Mehrheit. Die Mehrheit sind hart arbeitende Frauen, die teilweise mehrere schlecht bezahlte Jobs ausüben, um mit ihrem Kind am Existenzminimum entlang ihr Leben zu fristen.


So ganz viel anders scheint mir der "Feldzug gegen Welfare Queens" nicht zu verlaufen: Man muß Hilfen auf die Kinder richten, nicht auf die Mütter. Ich meine, daß Ganztagsschulen und frühkindliche Bildung in Kindergärten genau dieses Ziel verfolgen. Wir wollen doch keine Dynastien von Leistungsempfängern züchten. Und damit wird ausnahmslos allen Kindern zu wenigstens so ungefähr gleichen Lebenschancen verholfen. Merkwürdig, daß Ihr ZEIT-Artikel davon gar nichts berichtet.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Realist2014 » Di 25. Sep 2018, 10:12

roadrunner hat geschrieben:(25 Sep 2018, 10:51)

Z

Dieses über einen Kamm scheren von allein erziehenden Müttern und die damit einhergehende Abstempelung als "Welfare Queens", möglichst noch verbunden mit "saufen, qualmen, huren" ist wohl das Letzte. Selbstverständlich gibt es diese bildungsfernen Frauen, sie bilden aber nicht die Mehrheit. Die Mehrheit sind hart arbeitende Frauen, die teilweise mehrere schlecht bezahlte Jobs ausüben, um mit ihrem Kind am Existenzminimum entlang ihr Leben zu fristen.


Du solltest schon genau lesen was ich geschrieben habe und nichts rein interpretieren, was ich nicht geschrieben habe

"Welfare Queens" ist eine TEILMENGE, welche auch von Buschkowsky klar umrissen wurde. Der bildungsferne Teil

Bei den "Trennungsmüttern" habe ich schon auf die Verantwortung der VÄTER hingewiesen.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Winzer » Di 25. Sep 2018, 10:33

Meine Frau ist Erzieherin und war auch in verschiedenen 'schwierigen' Einrichtungen. Sprecht mal mit Erziehern, Erzieherinnen oder Pädagogen aus bestimmten Brennpunktkindergärten oder Schulen, da geht Euch der Hut hoch was es da alles gibt. Da gibt es Teeniemütter, die morgens angesoffen die Kinder mit vollen Hosen bringen aber das Essensgeld fürs Mittagessen nicht bei bringen weil das Amt das zwar bezahlt, aber nicht direkt an die Einrichtung sondern aufs Konto der Mutter. Da gibt es Gastarbeiterfamilien in 2. 3. Generation, die die Erzieherin angehen weil die der Tochter versucht Deutsch beizubringen, von wegen Mädchen brauchen keine Bildung. Da werden Kinder schlicht in der Kita vergessen. Meldungen ans Jugendamt wegen Gewaltspuren an den Kindern, Brandverletzungen, regelmäßig Blutergüsse usw.. Es ist haarsträubend was in bestimmten bekannten Geographien ab geht und ja, das hat auch mit Bildung, Herkunft und Biographie der Eltern / Großeltern zu tun.

Frühkindliche Bildung ... netter Gedanke, aber mit Personalschlüssel von 1:15 1:20 bei wenig Unterstützung von Amtswegen und keinerlei Handhabe an die Eltern, wie soll das gehen? Die sind schon beschäftigt mit Traumatherapie bei den Kindern. Ohne Einbeziehung der Erziehungsberechtigten wird das nichts.
Zuletzt geändert von Winzer am Di 25. Sep 2018, 10:38, insgesamt 1-mal geändert.
... denn wäre nicht der Bauer, so hättest Du kein Brot ...

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Riesenspielzeug

Nein, ich mag keine Besucher die erst die Tür eintreten und nicht merken wenn die Party vorbei ist.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon roadrunner » Di 25. Sep 2018, 10:37

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 11:07)

So ganz viel anders scheint mir der "Feldzug gegen Welfare Queens" nicht zu verlaufen: Man muß Hilfen auf die Kinder richten, nicht auf die Mütter. Ich meine, daß Ganztagsschulen und frühkindliche Bildung in Kindergärten genau dieses Ziel verfolgen. Wir wollen doch keine Dynastien von Leistungsempfängern züchten. Und damit wird ausnahmslos allen Kindern zu wenigstens so ungefähr gleichen Lebenschancen verholfen. Merkwürdig, daß Ihr ZEIT-Artikel davon gar nichts berichtet.

Bevor ich einen Feldzug beginne, muss ich die Stärke des "Gegners" kennen:
Der Anteil Alleinerziehender verteilt sich deutschlandweit nicht gleich. Alleinerziehende leben deutlich häufiger in Stadtstaaten als in Flächenstaaten. In Hamburg (28%), Bremen (31%) oder Berlin (34%) liegen die Anteile Alleinerziehender an allen Familien bei rund 30% oder darüber, in Baden-Württemberg (16%), Bayern (18%) oder Nordrhein-Westfalen 18%) dagegen rund zehn Prozentpunkte niedriger. Innerhalb Baden-Württembergs gibt es ein Stadt-Land-Gefälle. Familien leben generell häufiger im ländlichen oder kleinstädtischen Bereich als in der Großstadt. Das trifft auch auf Alleinerziehende zu, allerdings mit dem Unterschied, dass sie etwas seltener als andere Familien in Ortschaften mit weniger als 10 000 Einwohnern leben, dafür etwas häufiger im großstädtischen Bereich. Mehr als 22% der Ein-Eltern-Familien leben in einer Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern, rund 9% in Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern, 40% in Kleinstädten zwischen 10 000 und 50 000 Einwohnern und etwas mehr als 28% auf dem Land.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 10:47

roadrunner hat geschrieben:(25 Sep 2018, 11:37)

Bevor ich einen Feldzug beginne, muss ich die Stärke des "Gegners" kennen:
Der Anteil Alleinerziehender verteilt sich deutschlandweit nicht gleich. Alleinerziehende leben deutlich häufiger in Stadtstaaten als in Flächenstaaten. In Hamburg (28%), Bremen (31%) oder Berlin (34%) liegen die Anteile Alleinerziehender an allen Familien bei rund 30% oder darüber, in Baden-Württemberg (16%), Bayern (18%) oder Nordrhein-Westfalen 18%) dagegen rund zehn Prozentpunkte niedriger. Innerhalb Baden-Württembergs gibt es ein Stadt-Land-Gefälle. Familien leben generell häufiger im ländlichen oder kleinstädtischen Bereich als in der Großstadt. Das trifft auch auf Alleinerziehende zu, allerdings mit dem Unterschied, dass sie etwas seltener als andere Familien in Ortschaften mit weniger als 10 000 Einwohnern leben, dafür etwas häufiger im großstädtischen Bereich. Mehr als 22% der Ein-Eltern-Familien leben in einer Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern, rund 9% in Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern, 40% in Kleinstädten zwischen 10 000 und 50 000 Einwohnern und etwas mehr als 28% auf dem Land.


Selbstverständlich werden solche Einrichtungen zeitlich vorrangig dort geschaffen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Von Bremen weiß ich, daß die Betreuung von Kleinkindern durch geschultes Personal schon weitgehend durchgesetzt wurde. Bei den Schulen scheint es "ideologische" Hemmungen zu geben... im Grunde seitdem Schulen Ländersache sind. Da gibt es so'ne und solche. Mein Sohn hat eine Schule besucht, die kürzlich auf Bundesebene ausgezeichnet wurde. Ich hatte schon vor Jahrzehnten den Eindruck, daß diese Schule bestimmt nicht für den miesen Ruf (Pisa-Studien) Bremens verantwortlich zu machen ist. Aber offenbar gibt es auch andere, leider. Das große Ziel "Ganztagsschule" ist aber auch in Bremen klar.

Das paßt doch zu Ihren Zahlen.
roadrunner

Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon roadrunner » Di 25. Sep 2018, 11:03

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 11:47)

Selbstverständlich werden solche Einrichtungen zeitlich vorrangig dort geschaffen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Von Bremen weiß ich, daß die Betreuung von Kleinkindern durch geschultes Personal schon weitgehend durchgesetzt wurde. Bei den Schulen scheint es "ideologische" Hemmungen zu geben... im Grunde seitdem Schulen Ländersache sind. Da gibt es so'ne und solche. Mein Sohn hat eine Schule besucht, die kürzlich auf Bundesebene ausgezeichnet wurde. Ich hatte schon vor Jahrzehnten den Eindruck, daß diese Schule bestimmt nicht für den miesen Ruf (Pisa-Studien) Bremens verantwortlich zu machen ist. Aber offenbar gibt es auch andere, leider. Das große Ziel "Ganztagsschule" ist aber auch in Bremen klar.

Das paßt doch zu Ihren Zahlen.

Ich stimme jedem qualifizierten Vorschlag zu, der den Anteil der auf Staatskosten lebenden "bildungsfernen" Familien drastisch verkleinert. Hierzu wären aber speziell geschulte Task Forces in den Schwerpunktbereichen erforderlich. Ich höre jetzt schon den Aufschrei entsprechender politischer Gruppierungen, da es sich wohl überwiegend um deren "Klientel" handelt.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon Maltrino » Di 25. Sep 2018, 11:10

Realist2014 hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:05)

Ja- und?

Was möchtet du da diskutieren?

Da geht es um Soloselbständige und die Kaste derer mit den geringen Kompetenzen usw...

Aber da ist jetzt bestimmt wieder der Artikel 14 unserer Verfassung schuld...


Sanity hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:15)

dazu folgende Feststellung aus der Studie:

"Mehr als die Hälfte - insgesamt 6,7 Prozent der Erwerbstätigen - waren Frauen, die zu Beginn des Zehnjahreszeitraums 25 bis 54 Jahre alt waren, die meisten von ihnen waren Mütter."

möchtest du etwa behaupten, dass diese Mütter Solo-Selbständige sind oder oder nur geringe "Kompetenzen" haben?


Also wenn ich mir vor Augen führe was der "Realist" schon so schrieb glaube ich, dass er einfach die "Präkeren" generell bestrafen will und ihnen Geld wegnehmen will weil sie so "faul" sind und sie gleichzeitig fördern und belohnen will weil sie ja so "bedürftig" sind.

Ansonsten überraschen mich diese Zahlen nicht. Aber es zeigt wieder mal wie sinnlos es ist wenn man die Menschen nur in "Arbeitslos" und "Vollzeit bescchäftigt" einteilt. Die Realität hält halt immer Grauzonen parat.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Forschungsergebnisse zum dauerhaften Prekariat

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 11:18

roadrunner hat geschrieben:(25 Sep 2018, 12:03)

Ich stimme jedem qualifizierten Vorschlag zu, der den Anteil der auf Staatskosten lebenden "bildungsfernen" Familien drastisch verkleinert. Hierzu wären aber speziell geschulte Task Forces in den Schwerpunktbereichen erforderlich. Ich höre jetzt schon den Aufschrei entsprechender politischer Gruppierungen, da es sich wohl überwiegend um deren "Klientel" handelt.


Das sind schon die "Mühen der Ebene", von denen Politiker in lauen Stunden schon einmal reden. Ich halte es für sinnvoll und erfolgversprechend, bei den Kindern an zu setzen. Die können aus eigener Kraft ihrem Schicksal nichts entgegen setzen, und wenn sie es endlich könnten, dann ist alles zu spät. In die Familien würde ich in dem Sinne gar nicht hinein regieren. Das sind voll verantwortliche Menschen, die ihr Verhalten auch beurteilen können. So sagen das unsere Gesetze, und die können sie auch einklagen.

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