Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

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Emmerich
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Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Emmerich » Fr 21. Sep 2018, 10:35

Richtig, die Mietpreisbremse ist ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft, da in einer freien Marktwirtschaft die Preise (also auch Mietpreise) durch Angebot und Nachfrage entstehen, und durch eine "Mietpreisbremse" sich dieses Gleichgewicht nicht
voll entfalten kann - zumindest in der Theorie !
In der Praxis ist ganz gut zu erkennen, dass Mietpreise in "beliebten Einzugsgebieten" sehr wohl eine Eigendynamik entwickelt haben, die ihresgleichen sucht - trotz Mietpreisbremse.
Der Wohnungsmarkt tobt sich aus - es ist soviel Geld im Markt, dass scheinbar jeder Preis bezahlt wird.

Das Problem ist: Auf dem Wohnungsmarkt in Hamburg, München, Frankfurt etc. treffen wohlhabende, gutverdienende
Akademiker, Banker, leitende Angestellte auf weniger wohlhabende Frisöre, Handwerker und Verkäufer im Einzelhandel.


Alles ehrbare, wichtige Berufe, nur die Einkommensschere entscheidet wer die Nase beim Mietpoker vorne hat.
Es lebe die freie Marktwirtschaft !!!

Nun hält unsere Bundesregierung mit der Mietpreisbremse halbherzig gegen die Mietpreissteigerungen dagegen.
Wirkliche Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist nicht eingetreten.

Warum so halbherzig ?
Wenn Mietpreisbremse, dann richtig, ohne Schlupflöcher (Stichwort Modenisierung...).
Was wir brauchen ist keine halbherzige Mietpreisbremse, die der Bevölkerung suggeriert, dass sich die Regierung kümmert,
wir brauchen staatlich festgelegte Mietpreise, die sich a) an den Durchnittseinkommen der Bürger und b) an den Zinsen
orientiert!
Klingt sozialistisch, ist auch sozialistisch, der Kapitalismus ist jedoch fehl am Platz, wenn es um das Grundrecht Wohnen
geht!
Die staatliche Fixierung der Mietpreise, wäre ein erster (?) Schritt zurück in die soziale Marktwirtschaft, welche in diesem
(unseren) Land einmal bestand hatte.
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unity in diversity
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon unity in diversity » Fr 21. Sep 2018, 10:46

Es gibt keinen Rechtsanspruch, in nachgefragten Metropolen zu wohnen, aber auch keinen Rechtsanspruch, dort Vermieter zu sein.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon H2O » Fr 21. Sep 2018, 10:56

Na ja, zugunsten der freien Marktwirtschaft mit ihren bekannten Entartungen spricht aber, daß Leute ihr Geldvermögen anlegen, den Ausbauzustand auf einem guten Stand halten. Wenn sich am Ende in den großen Innenstädten und an begehrten Urlaubsorten nur noch sehr wohlhabende Zeitgenossen eine Wohnung leisten können, dann wird ihnen irgendwann die Reinigungskraft, Kellnerin, der Kellner, der Friseur, der Klempner und der Elektriker fehlen, die ihr Wohneigentum so angenehm nutzbar machen.

Natürlich kann Politik nicht abwarten, daß sich ein Ausgleich einstellt, weil die kleinen Leute in der Zwischenzeit auch wohnen müssen. Ich fände es aber geradezu hirnverbrannt, wenn mit öffentlichen Mitteln das erspekulierte Vermögen dadurch geschützt wird, daß dann Sozialwohnungen eingestreut werden, womöglich in Form von Häuserblöcken... wo es doch immer heißt, daß die soziale Durchmischung zur größten Zufriedenheit der Menschen führt.

Deshalb müßte es also eine Verpflichtung der Eigentümer geben, in ihrem Wohnbereich eingestreut "bezahlbaren Wohnraum" vor zu halten, wobei der Prozentsatz vermutlich über eine Statistik ermittelt werden kann. Das Staatsziel kann ja nicht der maximale Nutzen eines Investors sein, sondern sollte das Glück der Menschen insgesamt sein. So wie es eben heißt: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch sollte dem Gemeinwohl dienen. Da steht "Gemeinwohl", nicht etwa "Gentrifizierung".
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon unity in diversity » Fr 21. Sep 2018, 11:16

Enteignungen sind auf der Grundlage von spekulationsbereinigten Entschädigungen möglich.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Realist2014 » Fr 21. Sep 2018, 11:29

Emmerich hat geschrieben:(21 Sep 2018, 11:35)



wir brauchen staatlich festgelegte Mietpreise,


Der Staat kann nicht in bestehende Verträge eingreifen

die sich a) an den Durchnittseinkommen der Bürger


also die Mieten in München an den Durchschnittseinkommen in München?

und b) an den Zinsen


welchen?

Die staatliche Fixierung der Mietpreise, wäre ein erster (?) Schritt zurück in die soziale Marktwirtschaft, welche in diesem
(unseren) Land einmal bestand hatte.


es gab noch NIE eine staatliche Fixierung der Mietpreise in unserer sozialen Marktwirtschaft..

DIR würde ich mal die Verhältnisse zu BEGINN der sozialen Marktwirtschaft wünschen.. ( in den 50ern)

DANN würdest du mit FREUDE die HEUTIGE Situation wählen...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon H2O » Fr 21. Sep 2018, 11:46

Realist2014 hat geschrieben:(21 Sep 2018, 12:29)

Der Staat kann nicht in bestehende Verträge eingreifen



also die Mieten in München an den Durchschnittseinkommen in München?



welchen?



es gab noch NIE eine staatliche Fixierung der Mietpreise in unserer sozialen Marktwirtschaft..

DIR würde ich mal die Verhältnisse zu BEGINN der sozialen Marktwirtschaft wünschen.. ( in den 50ern)

DANN würdest du mit FREUDE die HEUTIGE Situation wählen...


Mir ist diese Schieflage sehr vertraut, bis ich aus West-Berlin die Flucht ergriffen hatte
in den Westen um 1971. Da gab es Wohnraum zu noch erschwinglichen Preisen. Als Familienvater war auch das damals nur bei strenger Sparsamkeit gerade so zu stemmen.

Aber wir dürfen nicht so kurzsichtig sein und als Staat mit den privaten Investoren in einen Wettbewerb treten. Vielmehr muß ein Gesetz geschaffen werden, das Investoren einen Sozialanteil innerhalb der Objekte (Miethäusern, Eigentumswohnungen, Ein- und Mehrfamilienhaussiedlungen) abnötigt, der sich im wesentlichen aus der Statistik der verfügbaren Einkünfte im Umkreis von (Spielzahl!) 20 km berechnen läßt. Dann sollte es auch klappen mit der viel gelobten Durchmischung der Gesellschaft. Nicht der maximale Nutzen des Investors in Wohneigentum kann das Staatsziel sein, sondern das maximale Glück der Gemeinschaft.

Unter solchen Randbedingungen sind auch Fördermittel des Staats für Investoren sinnvoll... aber auch nur dann.

Mich wundert, daß sogenannte linke Parteien wie CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke auf solche Gedanken nicht von allein kommen.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Maikel » Fr 21. Sep 2018, 11:55

Emmerich hat geschrieben:(21 Sep 2018, 11:35)
Wenn Mietpreisbremse, dann richtig, ohne Schlupflöcher (Stichwort Modenisierung...).

Auch eine "richtige" Mietpreisbremse in deinem Sinne ändert nicht an folgender Tatsache:

Auf dem Wohnungsmarkt in Hamburg, München, Frankfurt etc. treffen wohlhabende, gutverdienende
Akademiker, Banker, leitende Angestellte auf weniger wohlhabende Frisöre, Handwerker und Verkäufer im Einzelhandel.


Auch bei niedrig fixierter Miete werden die meisten Vermieter wohlhabende Mieter bevorzugen; denn bei denen ist die Wahrscheinlichkeit größer, daß sie dauerhaft sicher die Miete zahlen können.

Eine solche Begrenzung der Mietpreise würde also hauptsächlich dazu führen, daß wohlhabende Mieter sich größere Wohnungen zum gleichen Preis leisten können.

Mal abgesehen von dem bekannten Problem, daß zu niedrig fixierte Mieten dazu führen, daß immer weniger neue Wohnungen entstehen, da es sich wirtschaftlich nicht lohnt, die zu vermieten; aber das Argument müßtest du schon kennen.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Realist2014 » Fr 21. Sep 2018, 12:02

H2O hat geschrieben:(21 Sep 2018, 12:46)



. Vielmehr muß ein Gesetz geschaffen werden, das Investoren einen Sozialanteil innerhalb der Objekte (Miethäusern, Eigentumswohnungen, Ein- und Mehrfamilienhaussiedlungen) abnötigt, der sich im wesentlichen aus der Statistik der verfügbaren Einkünfte im Umkreis von (Spielzahl!) 20 km berechnen läßt. n.


Erklär mir doch mal, wie das praktisch funktionieren soll?

Ein "Investor" baut in München ein Wohnhaus mit 8 Eigentumswohnungen.

Aktuell ist der Verkaufspreis bei 5000 Euro pro qm.

So- wie schaut da jetzt deine Vorstellungen eines "Sozialanteils" in diesem Haus aus?
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Gruwe » Fr 21. Sep 2018, 12:29

Realist2014 hat geschrieben:(21 Sep 2018, 13:02)

Erklär mir doch mal, wie das praktisch funktionieren soll?

Ein "Investor" baut in München ein Wohnhaus mit 8 Eigentumswohnungen.

Aktuell ist der Verkaufspreis bei 5000 Euro pro qm.

So- wie schaut da jetzt deine Vorstellungen eines "Sozialanteils" in diesem Haus aus?


Ich vermute, dass er dabei folgendes meint:

Wenn ein Investor das von dir beschriebene Wohnhaus mit 8 Wohnungen bauen möchte, dass er das dann nur unter der Voraussetzung darf, dass der Investor eben noch 1 oder 2 Wohnungen zusätzlich bauen muss, die entsprechend mit geringen Mieten am Wohnungsmarkt angeboten werden müssen.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Gruwe » Fr 21. Sep 2018, 12:34

Emmerich hat geschrieben:(21 Sep 2018, 11:35)
Was wir brauchen ist keine halbherzige Mietpreisbremse, die der Bevölkerung suggeriert, dass sich die Regierung kümmert,
wir brauchen staatlich festgelegte Mietpreise, die sich a) an den Durchnittseinkommen der Bürger und b) an den Zinsen
orientiert!


Wir brauchen keine Mietpreisbremse sondern etwas, das a) höheres Angebot schafft oder b) die Nachfrage in den angespannten Zentren kleiner werden lässt, bspw. durch in die Fläche gehen!
Ich bevorzuge da ganz klar Zweites!


Klingt sozialistisch, ist auch sozialistisch, der Kapitalismus ist jedoch fehl am Platz, wenn es um das Grundrecht Wohnen
geht!


Klar! Wenn Du uns alle arm machen willst, ist das ein probates Mittel!
Ich bevorzuge da eher das Geld privater Leute, die hier Substanz schaffen, als dass der Steuerzahler jede Menge Geld in die Hand nehmen muss und es nix bringt.


Die staatliche Fixierung der Mietpreise, wäre ein erster (?) Schritt zurück in die soziale Marktwirtschaft, welche in diesem
(unseren) Land einmal bestand hatte.


Die Politik sollte lieber endlich mal anfangen, die Ursachen zu bekämpfen, anstatt an Symptomen (hohe Mieten) rumzuwursteln!
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Emmerich » Fr 21. Sep 2018, 15:15

Realist2014 hat geschrieben:(21 Sep 2018, 12:29)

Der Staat kann nicht in bestehende Verträge eingreifen

Die Rechtsprechung (Judikative) kann das und tut dies auch indem sie z.B. Klauseln in Verträgen für
nichtig erklärt.

also die Mieten in München an den Durchschnittseinkommen in München?

z.B., gar keine schlechte Idee!

welchen?

Den Leitzinsen, da diese das allgemeine Zinsniveau vorgeben/beeinflussen und somit
auch z.B. die Finanzierungskosten einer Immobilie.

es gab noch NIE eine staatliche Fixierung der Mietpreise in unserer sozialen Marktwirtschaft..

Das habe ich auch nicht behauptet !
Wir hatten aber eine soziale Marktwirtschaft, auch unter der Kanzlerschaft von Helmut Kohl,
diese wurde jedoch mit der Agenda 2010 von einer rot/grünen Regierung (!) abgeschafft.
( Die Geburtsstunde der Partei die LINKEN ...?)
Ich selbst habe seinerzeit übrigens die Kohl Regierug mit abgewählt.

DIR (Kennen wir uns !?) würde ich mal die Verhältnisse zu BEGINN der sozialen Marktwirtschaft wünschen.. ( in den 50ern)

DANN würdest du mit FREUDE die HEUTIGE Situation wählen...


Nur ganz allgemein: mit meiner Situation bin ich nicht unzufrieden, ich habe eine (für mich/uns) bezahlbare Immobilie
gemiet (Reihenhaus) und gehöre wohl eher zu den Besserverdienenden.
Ich bin aber NICHT mit der Situation in unserem Land zufrieden, in dem die Schere zwischen Arm und Reich immer
mehr auseinandergeht.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Occham » Fr 21. Sep 2018, 15:44

Wir haben keine freie Marktwirtschaft, wo der Markt über jeden und alles entscheiden darf. Punkt.
Die beste Lösung eines Problems ist meist die Einfachste.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon H2O » Fr 21. Sep 2018, 16:10

Gruwe hat geschrieben:(21 Sep 2018, 13:29)

Ich vermute, dass er dabei folgendes meint:

Wenn ein Investor das von dir beschriebene Wohnhaus mit 8 Wohnungen bauen möchte, dass er das dann nur unter der Voraussetzung darf, dass der Investor eben noch 1 oder 2 Wohnungen zusätzlich bauen muss, die entsprechend mit geringen Mieten am Wohnungsmarkt angeboten werden müssen.


Genau so ist es; um eine Gentrifizierung (also eine soziale Monokultur) in Wohnsiedlungen zu vermeiden, muß Wohnraum für die kleinen Leute innerhalb der Wohnsiedlung vorgehalten werden. Ich rätsele noch an einer Zahlenautomatik für ein Wohngebiet herum, die den sozialen Anteil einigermaßen schlüssig ermittelt. Genau so wenig darf es geschehen, daß Wohnraum für die Massen entsteht ohne Raum für Ärzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte, Schulen, weiterführende Schulen, Handwerker, Kleingewerbe, Ämter. Das werden ansonsten die Problemviertel von morgen für die Abrißbirne.

Wie weit der Staat sich zahlend in solche Projekte einbringt, das hängt vom örtlichen Erfolg der Baumaßnahmen ab.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon H2O » Fr 21. Sep 2018, 16:29

Gruwe hat geschrieben:(21 Sep 2018, 13:34)

Wir brauchen keine Mietpreisbremse sondern etwas, das a) höheres Angebot schafft oder b) die Nachfrage in den angespannten Zentren kleiner werden lässt, bspw. durch in die Fläche gehen!
Ich bevorzuge da ganz klar Zweites!

So weit klar; aber Vorsicht! In die Fläche gehen... was auch ich für sinnvoll halte... bedingt zugleich eine kluge Flächenbewirtschaftung durch Erwerbsmöglichkeiten und Versorgungseinrichtungen... oder wir schaffen uns weitere Mobilitätsprobleme.
Klar! Wenn Du uns alle arm machen willst, ist das ein probates Mittel!
Ich bevorzuge da eher das Geld privater Leute, die hier Substanz schaffen, als dass der Steuerzahler jede Menge Geld in die Hand nehmen muss und es nix bringt.

Völlig klar; wir wollen das private Unternehmertum klug nutzen; nämlich daß der Investor noch Freude an seinem Engagement hat, daß dabei aber die weniger dynamischen Mitbürger nicht krachend hinten herunter fallen. Dabei sollte der Staat fordernd und fördernd mitwirken, aber bitte nachhaltig. Darin liegt schon ein Eingriff in das Privateigentum des privaten Unternehmertums. Aber wir wollen sicher eine Gesellschaft vermeiden, in der die großen Fische ganz systematisch und nach Recht und Gesetz die kleinen fressen.
Die Politik sollte lieber endlich mal anfangen, die Ursachen zu bekämpfen, anstatt an Symptomen (hohe Mieten) rumzuwursteln!

Aus meiner Sicht sollte der Staat enteignen, wenn Grundstücke und Wohnungen zu Spekulationszwecken ungenutzt da stehen. Unmöglich die seit Jahren zu beobachtende Luxussanierung von Miethäusern, um sie als Eigentumswohnungen zu Wahnsinnspreise vermarkten zu können. Die gute Wohnlage sind wir alle als Gemeinschaft. Die darf nicht platt vertrieben werden, um den großen Schnitt zu machen! Ich halte das für Mißbrauch der Kapitalmacht. Wozu haben wir unseren Staat?
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon jorikke » Fr 21. Sep 2018, 17:04

H2O hat geschrieben:(21 Sep 2018, 11:56)

Na ja, zugunsten der freien Marktwirtschaft mit ihren bekannten Entartungen spricht aber, daß Leute ihr Geldvermögen anlegen, den Ausbauzustand auf einem guten Stand halten. Wenn sich am Ende in den großen Innenstädten und an begehrten Urlaubsorten nur noch sehr wohlhabende Zeitgenossen eine Wohnung leisten können, dann wird ihnen irgendwann die Reinigungskraft, Kellnerin, der Kellner, der Friseur, der Klempner und der Elektriker fehlen, die ihr Wohneigentum so angenehm nutzbar machen.

Natürlich kann Politik nicht abwarten, daß sich ein Ausgleich einstellt, weil die kleinen Leute in der Zwischenzeit auch wohnen müssen. Ich fände es aber geradezu hirnverbrannt, wenn mit öffentlichen Mitteln das erspekulierte Vermögen dadurch geschützt wird, daß dann Sozialwohnungen eingestreut werden, womöglich in Form von Häuserblöcken... wo es doch immer heißt, daß die soziale Durchmischung zur größten Zufriedenheit der Menschen führt.

Deshalb müßte es also eine Verpflichtung der Eigentümer geben, in ihrem Wohnbereich eingestreut "bezahlbaren Wohnraum" vor zu halten, wobei der Prozentsatz vermutlich über eine Statistik ermittelt werden kann. Das Staatsziel kann ja nicht der maximale Nutzen eines Investors sein, sondern sollte das Glück der Menschen insgesamt sein. So wie es eben heißt: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch sollte dem Gemeinwohl dienen. Da steht "Gemeinwohl", nicht etwa "Gentrifizierung".


Dein mittlerer Absatz hat es mir angetan.
Der erste Satz ist vollkommen richtig. Die Folgerungen daraus aber recht - wie kann ich´s nur höflich ausdrücken - ich sag mal "merkwürdig."
Warum unterstellst du, private Bauherren bauen mit erspekuliertem Vermögen?
Warum sollen private Bauherren für die soziale Durchmischung und Zufriedenheit der späteren Mieter zuständig sein ?
Übrigens, der Grundgesetzpassus, dass Eigentum verpflichtet und er dem Gemeinwohl dienen soll, wird immer total missverstanden.
Er bedeutet lediglich, wenn die allgemeinen Interessen vorgehen, muss man private Interessen gegen einen adäquaten finanziellen Ausgleich hintanstellen.
Sonst gar nichts. Sozialromantik ist da außen vor.
..und ja, private Bauherren investieren dort, wo sie sich eine Rendite erhoffen. Wird dies durch ges. Regelungen aussichtslos, entfallen private Bauinvestitionen, der Staat und die Wohnung Suchenden haben erst recht - verzeih die überdeutliche Formulierung - die Arschkarte.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Teeernte » Fr 21. Sep 2018, 17:34

H2O hat geschrieben:(21 Sep 2018, 17:10)

Genau so ist es; um eine Gentrifizierung (also eine soziale Monokultur) in Wohnsiedlungen zu vermeiden, muß Wohnraum für die kleinen Leute innerhalb der Wohnsiedlung vorgehalten werden. Ich rätsele noch an einer Zahlenautomatik für ein Wohngebiet herum, die den sozialen Anteil einigermaßen schlüssig ermittelt. Genau so wenig darf es geschehen, daß Wohnraum für die Massen entsteht ohne Raum für Ärzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte, Schulen, weiterführende Schulen, Handwerker, Kleingewerbe, Ämter. Das werden ansonsten die Problemviertel von morgen für die Abrißbirne.

Wie weit der Staat sich zahlend in solche Projekte einbringt, das hängt vom örtlichen Erfolg der Baumaßnahmen ab.



Deutschlands angespannter Wohnungsmarkt bekommt zusätzlichen Druck von vermögenden Kunden aus aller Welt. Bei Immobiliendeals jenseits der zehn Millionen Euro stammte 2017 mehr als jeder zweite Euro von ausländischen Kapitalgebern, zeigt eine Studie des Verbands deutscher Pfandbriefbanken. Insgesamt flossen über 59 Milliarden in Gebäude hierzulande – fast drei mal so viel wie 2010.

Für internationale Immobilien-Investoren ist die Bundesrepublik ein Eldorado: Sie steht für Rechtssicherheit, politische Stabilität und eine starke Wirtschaft – ein scheinbar sicherer Hafen in turbulenten Zeiten um Brexit, Trump und Co. „Für ausländische Käufer gibt es nichts Besseres als den deutschen Mieter, der zuverlässig zahlt“, sagt Lukas Siebenkotten, Chef des Mieterbunds. Die niedrigen Zinsen, die Großanleger in Immobilien drängen, tun ihr Übriges.


Unter den Käufern sticht neben US-Amerikanern eine Gruppe besonders hervor: Reiche Chinesen. Die steigende Zahl der Vermögenden in der Volksrepublik und die wachsende Mittelschicht suchen nach Anlagezielen. Doch vor Ort sind die Preise in den Himmel gestiegen. In Peking und Shanghai kosten Wohnungen im Zentrum mehr als 10.000 Euro je Quadratmeter, in der Spitze werden 15.000 bis 18.000 Euro fällig. Dagegen bieten hiesige Großstädte wahre Schnäppchen.
https://www.handelsblatt.com/finanzen/i ... 20872.html

Der Deutsche Staat zahlt den internationalen Anlegern die Dividende....
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon H2O » Fr 21. Sep 2018, 17:38

jorikke hat geschrieben:(21 Sep 2018, 18:04)

Dein mittlerer Absatz hat es mir angetan.
Der erste Satz ist vollkommen richtig. Die Folgerungen daraus aber recht - wie kann ich´s nur höflich ausdrücken - ich sag mal "merkwürdig."
Warum unterstellst du, private Bauherren bauen mit erspekuliertem Vermögen?
Warum sollen private Bauherren für die soziale Durchmischung und Zufriedenheit der späteren Mieter zuständig sein ?
Übrigens, der Grundgesetzpassus, dass Eigentum verpflichtet und er dem Gemeinwohl dienen soll, wird immer total missverstanden.
Er bedeutet lediglich, wenn die allgemeinen Interessen vorgehen, muss man private Interessen gegen einen adäquaten finanziellen Ausgleich hintanstellen.
Sonst gar nichts. Sozialromantik ist da außen vor.
..und ja, private Bauherren investieren dort, wo sie sich eine Rendite erhoffen. Wird dies durch ges. Regelungen aussichtslos, entfallen private Bauinvestitionen, der Staat und die Wohnung Suchenden haben erst recht - verzeih die überdeutliche Formulierung - die Arschkarte.


Als möglichst vorausschauender Staatsbürger halte ich Ihre Sichtweise für altbacken. Wir leben nicht mehr in der Zeit des zwangsweise rücksichtslosen Aufbaus, können uns also das Nachdenken inzwischen erlauben.

Selbstverständlich erleben wir eine sehr auffällige Spekulation mit Baugrund und Leerständen, die der Luxussanierung harren. Dazu muß man kein Baufachmann sein, um das zu erkennen. Gentrifizierung ist das große Thema in fast allen Ballungsräumen. Das ist die Wirkung des ungesteuerten Einsatzes von vorhandenem privatem Kapital, das maximalen Ertrag bringen soll. An sich nichts Schlechtes, wenn damit nicht tief in den sozialen Zusammenhalt eingegriffen würde. Der Staat, die Gesellschaft, sie haben ihre ordnende Hand weg gezogen, und das muß aufhören.

Nicht mehr und nicht weniger! Ist ja auch grundsätzlich gar nicht neu; nur passen mir die Lösungsansätze nicht so richtig... ich halte sie für schädlich und dumm. Besser scheint mir der Verbund von privatem Kapital und staatlicher Lenkung und Förderung zu sein, wenn dabei die Interessen des Investors ausreichend bedient werden, aber
die Fehlentwicklung der Städte wieder repariert wird.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Misterfritz » Fr 21. Sep 2018, 19:05

Teeernte hat geschrieben:(21 Sep 2018, 18:34)

https://www.handelsblatt.com/finanzen/i ... 20872.html

Der Deutsche Staat zahlt den internationalen Anlegern die Dividende....
Solche Auswüchse liessen sich verhindern, indem man festlegt, dass Eigentumswohnungen für 5 (oder mehr) Jahre vom Besitzer selbst zu bewohnen sind.
Das ist ein Weg, den Amsterdam jetzt geht (habe ich heute im Radio gehört und keine Quelle dafür gesucht - zu müde). Aber die Idee fände ich gut, vor allem in Gebieten, mit zu wenig Wohnungen.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon Realist2014 » Fr 21. Sep 2018, 19:15

H2O hat geschrieben:(21 Sep 2018, 17:10)

Genau so ist es; um eine Gentrifizierung (also eine soziale Monokultur) in Wohnsiedlungen zu vermeiden, muß Wohnraum für die kleinen Leute innerhalb der Wohnsiedlung vorgehalten werden. I ab.


nochmal meine Frage:

wenn ein (normales!) Haus in München mit 8 Eigentumswohnungen gebaut wird, wo der Verkäufer 5000 Euro für den qm verlangen muss, um überhaupt Gewinn zu erzielen ( als Bauherr)- WIE soll da EINE Wohnung nur 3000 Euro kosten KÖNNEN?

Das ist NICHT umsetzbar innerhalb EINES Hauses.
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Re: Mietpreisbremse - Eingriff in die freie Marktwirtschaft !

Beitragvon think twice » Fr 21. Sep 2018, 19:23

Realist2014 hat geschrieben:(21 Sep 2018, 20:15)

nochmal meine Frage:

wenn ein (normales!) Haus in München mit 8 Eigentumswohnungen gebaut wird, wo der Verkäufer 5000 Euro für den qm verlangen muss, um überhaupt Gewinn zu erzielen ( als Bauherr)- WIE soll da EINE Wohnung nur 3000 Euro kosten KÖNNEN?

Das ist NICHT umsetzbar innerhalb EINES Hauses.

Es geht um Mietpreisbremse und nicht um Eigentum. :rolleyes:

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