Solidarisches Grundeinkommen

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Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

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frems
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Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon frems » Mo 19. Mär 2018, 12:48

Liebe Userschaft,

Berlins Bürgermeister hat sich zur Bundespolitik geäußert und forderte eine neue Art von Arbeitslosengeld. Ganz abschaffen will er Hartz IV zwar nicht (auch wenn die WELT dies in ihrer Überschrift titelt), aber es soll nur noch für Personen gelten, die gemeinnütziger Arbeit nicht nachgehen:
Müller hat eine klare Vorstellung, wie hoch das solidarische Grundeinkommen sein soll. „Wir orientieren uns am Mindestlohn. Da landet man als Single in Vollzeit bei etwa 1500 Euro brutto oder 1200 Euro netto. Wenn man Kinder hat, kommt noch das Kindergeld dazu“, sagt Müller.

Das solidarische Grundeinkommen setzt – anders als das bedingungslose Grundeinkommen – auf ein Arbeitsverhältnis. Es soll an Menschen gezahlt werden, die sich ehrenamtlich zum Beispiel um Senioren kümmern, Alleinerziehende unterstützen oder Parks pflegen.

https://www.berliner-zeitung.de/29885916
Berlins Regierender Bürgermeister will Hartz IV abschaffen

Das Arbeitslosengeld II hat sich nicht bewährt, findet Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er fordert die Einführung eines solidarischen Grundeinkommens – und kritisiert Gesundheitsminister Jens Spahn. [...]

Unter diesen kommunalen Arbeitsplätzen stellt sich Müller Berufe wie „Schulhausmeister, Schulsekretär, Begleiter in Bus und Bahn, Nachmittagsbetreuung für Kinder und Jugendliche“ vor. Das seien Stellen, die es in Berlin derzeit aus finanziellen Gründen nicht gebe oder die nicht besetzt werden könnten. Menschen, die solche Arbeiten nicht verrichten wollten oder könnten, sollen Müllers Vorstellung nach weiterhin Hartz IV beziehen dürfen.

https://www.welt.de/wirtschaft/plus1746 ... rtz-V.html

Was haltet Ihr von diesem sog. solidarischen Grundeinkommen?
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon zollagent » Mo 19. Mär 2018, 12:54

Offen gesagt: Nichts. Es schafft eine Konkurrenzsituation zu Pflegebetrieben. Da ist sicher nicht alles in Butter, aber wenn ich mir vorstelle, daß deren Umsätze dadurch noch gekürzt würden, wird mir schwummrig. Wenn die Pflege gesellschaftliche Aufgabe wird, soll man da auch gesellschaftlich wahrnehmen und nicht irgendwelche Lückenbüßer dafür einsetzen.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Mo 19. Mär 2018, 13:09

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 12:54)

Offen gesagt: Nichts. Es schafft eine Konkurrenzsituation zu Pflegebetrieben. Da ist sicher nicht alles in Butter, aber wenn ich mir vorstelle, daß deren Umsätze dadurch noch gekürzt würden, wird mir schwummrig. Wenn die Pflege gesellschaftliche Aufgabe wird, soll man da auch gesellschaftlich wahrnehmen und nicht irgendwelche Lückenbüßer dafür einsetzen.
Da steht nichts von Pflege. Kümmern kann Einkaufen gehen, Hilfe bei Arztbesuchen o.ä. sein, Pflege ist es sicherlich nicht.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon zollagent » Mo 19. Mär 2018, 13:11

Misterfritz hat geschrieben:(19 Mar 2018, 13:09)

Da steht nichts von Pflege. Kümmern kann Einkaufen gehen, Hilfe bei Arztbesuchen o.ä. sein, Pflege ist es sicherlich nicht.

Kann schon. Die Möglichkeit, Tätigkeiten, die bisher von der Pflegefirma gemacht wurden, ist aber da. Und das ist schon Grund genug, die Finger davon zu lassen. So was könnten z.B. der örtliche Pfadfinderverein im Zuge seiner täglichen guten Tat machen. Arbeitslose dafür zu verpflichten, das halte ich nicht für richtig.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon jorikke » Mo 19. Mär 2018, 13:19

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 13:11)

Kann schon. Die Möglichkeit, Tätigkeiten, die bisher von der Pflegefirma gemacht wurden, ist aber da. Und das ist schon Grund genug, die Finger davon zu lassen. So was könnten z.B. der örtliche Pfadfinderverein im Zuge seiner täglichen guten Tat machen. Arbeitslose dafür zu verpflichten, das halte ich nicht für richtig.


Da macht jemand mal einen Vorschlag, der geeignet sein könnte die Lage von Teilen der HartzIV Bezieher zu verbessern und schon folgt - ohne den Vorschlag auch nur im Ansatz zu diskutieren - kleinliche Ablehnung wegen konstruierter Bedenken.
Warum, um alles in der Welt, willst du die Hartz IV Empfänger in ihrer beschissenen Lage weiter dahin vegetieren lassen?
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Mo 19. Mär 2018, 13:19

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 13:11)

Kann schon. Die Möglichkeit, Tätigkeiten, die bisher von der Pflegefirma gemacht wurden, ist aber da. Und das ist schon Grund genug, die Finger davon zu lassen. So was könnten z.B. der örtliche Pfadfinderverein im Zuge seiner täglichen guten Tat machen. Arbeitslose dafür zu verpflichten, das halte ich nicht für richtig.
Die Pflegeleute haben doch kaum mehr Zeit, um mit den Senioren zu sprechen. Mehr als Guten Tag, Wie geht es und Tschüss ist doch bei den engen Zeitvorgaben gar nicht drin.
Und Pfadfinder dürften bei der Begleitung zum Arzt sicherlich überfordert sein. Asserdem dürfte es kaum so viele Pfadfinder geben ...
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Milady de Winter » Mo 19. Mär 2018, 13:34

Ich finde den Gedanken interessant. Ich frage mich nur, ob jemand, der so einer Tätigkeit dann Vollzeit nachgeht, am Ende mehr hat, als jemand der Hartz IV bezieht. Es gibt zwar sicher genug Leute, die froh wären, wieder gebraucht zu werden und auf jeden Fall gerne so eine Tätigkeit in Angriff nehmen würden - auch wenn sie nicht mehr als bislang dafür bekommen - aber irgendwo muss es sich in meinen Augen vs. Hartz IV und keiner Tätigkeit nachgehen (bei denen, die es könnten - nicht bei denen, die gesundheitlich o.ä. eingeschränkt sind) auch lohnen bzw. absetzen.

Ich bin mir sehr sicher, es gäbe genügend Tätigkeiten, die aktuell "nice to have" wären (obwohl sie wichtig und nötig sind), aber es eben keine Stellen dafür gibt. Oder jemals gab.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Wähler » Mo 19. Mär 2018, 17:54

Das war wohl der letzte größere bundesweite Versuch:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/h ... z-1.972722
SZ 9. Juli 2010 Rund 34.000 Langzeitarbeitslose sollen ab kommendem Januar gemeinnützige "Bürgerarbeit" leisten
Dabei könnten die Kommunen jedoch selbst entscheiden, welche Arbeiten "ihre" Bürgerarbeiter übernehmen können. Wichtig sei, dass die Arbeit gemeinnützig ist und keine regulären Jobs verdrängt. Für 30 Wochenstunden Arbeit bekommen die Bürgerarbeiter ein Monatsgehalt von 900 Euro. Sollten Arbeitslose Angebote für "Bürgerarbeit" ablehnen, würden dafür laut Arbeitsministerium im Grundsatz die gleichen Regeln gelten wie für andere Arbeitsangebote. Dies würde auch mögliche Sanktionen einschließen.

An dem Programm nahmen während 2 Jahren 27 000 Personen teil. Es wurde 2013 nicht von der Großen Koalition verlängert. Eine dauerhafte Subventionierung war offensichtlich nicht gewollt. Eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt war wegen der Marktferne nur von geringem Erfolg.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 19. Mär 2018, 18:45

jorikke hat geschrieben:(19 Mar 2018, 13:19)

Da macht jemand mal einen Vorschlag, der geeignet sein könnte die Lage von Teilen der HartzIV Bezieher zu verbessern und schon folgt - ohne den Vorschlag auch nur im Ansatz zu diskutieren - kleinliche Ablehnung wegen konstruierter Bedenken.

Das ist hier ja nun wirklich nichts Neues.

Warum, um alles in der Welt, willst du die Hartz IV Empfänger in ihrer beschissenen Lage weiter dahin vegetieren lassen?

Diese User sehen es anscheinend nicht als "dahin vegetieren" an, sondern als erstrebenswerten Zustand, der nicht gestört werden darf, erst recht nicht durch Arbeit.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon zollagent » Mo 19. Mär 2018, 18:49

jorikke hat geschrieben:(19 Mar 2018, 13:19)

Da macht jemand mal einen Vorschlag, der geeignet sein könnte die Lage von Teilen der HartzIV Bezieher zu verbessern und schon folgt - ohne den Vorschlag auch nur im Ansatz zu diskutieren - kleinliche Ablehnung wegen konstruierter Bedenken.
Warum, um alles in der Welt, willst du die Hartz IV Empfänger in ihrer beschissenen Lage weiter dahin vegetieren lassen?

Gut gedacht ist selten gut gemacht. Mit Aktionismus oder auch Aktionen, deren weitere Auswirkungen niemand bedenkt, hilft man auf Dauer niemandem.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Mo 19. Mär 2018, 19:15

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 18:49)

Gut gedacht ist selten gut gemacht. Mit Aktionismus oder auch Aktionen, deren weitere Auswirkungen niemand bedenkt, hilft man auf Dauer niemandem.
Mit gar nichts machen, hilft man aber auch niemandem.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Milady de Winter » Mo 19. Mär 2018, 19:18

Misterfritz hat geschrieben:(19 Mar 2018, 19:15)

Mit gar nichts machen, hilft man aber auch niemandem.

Und gut gedacht ist schon mal besser als vermeintlich schlecht oder einfach gar nicht gedacht.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon zollagent » Mo 19. Mär 2018, 19:25

Milady de Winter hat geschrieben:(19 Mar 2018, 19:18)

Und gut gedacht ist schon mal besser als vermeintlich schlecht oder einfach gar nicht gedacht.

Wer bitte sagt Euch, daß jemand, der solche Ideen nicht für gut hält, nicht denkt?
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Milady de Winter » Mo 19. Mär 2018, 19:36

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 19:25)

Wer bitte sagt Euch, daß jemand, der solche Ideen nicht für gut hält, nicht denkt?

Das sagt niemand. Es ist in meinen Augen nur vielversprechender, mit einem "guten" Gedanken zu starten als mit einer Idee, die völlig jenseits von Gut und Böse ist oder wenn man sich schlicht gar keine Gedanken über potenzielle Lösungsansätze macht. Kein Teil meiner Aussage war auf Dich persönlich gemünzt, also zieh' Dir den Schuh wieder aus!
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Mo 19. Mär 2018, 19:39

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 19:25)

Wer bitte sagt Euch, daß jemand, der solche Ideen nicht für gut hält, nicht denkt?
Nun sind aber keine anderen Ideen von Dir gekommen, nur immer Ablehnung.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Ger9374 » Mo 19. Mär 2018, 19:44

Das Solidarische Grundeinkommen klingt als akt der Solidarität zu gunsten der Solidargemeinschaft durchaus aktzeptabel.
Gesunde Menschen die arbeiten übernehmen die vielen zu gute kommen.
Sollte durchaus mit einer längeren gewährung von Sozialleistungen verbunden wären.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon sunny.crockett » Mo 19. Mär 2018, 20:00

jorikke hat geschrieben:(19 Mar 2018, 13:19)

Da macht jemand mal einen Vorschlag, der geeignet sein könnte die Lage von Teilen der HartzIV Bezieher zu verbessern und schon folgt - ohne den Vorschlag auch nur im Ansatz zu diskutieren - kleinliche Ablehnung wegen konstruierter Bedenken.
Warum, um alles in der Welt, willst du die Hartz IV Empfänger in ihrer beschissenen Lage weiter dahin vegetieren lassen?


Der Vorschlag von Müller hat ja nichts mit Grundeinkommen zu tun. Müller sagt ja:
"Müller hat eine klare Vorstellung, wie hoch das solidarische Grundeinkommen sein soll. „Wir orientieren uns am Mindestlohn. Da landet man als Single in Vollzeit bei etwa 1500 Euro brutto oder 1200 Euro netto. Wenn man Kinder hat, kommt noch das Kindergeld dazu“
Das solidarische Grundeinkommen setzt – anders als das bedingungslose Grundeinkommen – auf ein Arbeitsverhältnis. Es soll an Menschen gezahlt werden, die sich ehrenamtlich zum Beispiel um Senioren kümmern, Alleinerziehende unterstützen oder Parks pflegen."


Wenn Müller orientiert am Mindeslohn zahlen will, kann er doch gleich Arbeitsplätze mit Mindestlohn schaffen, besonders wenn sein Grundeinkommen ein Arbeitsverhältnis sein soll. Warum nennt er also eine Mindestlohnstelle dann Grundeinkommen? Weils besser klingt und man sich wichtig machen kann?
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon zollagent » Mo 19. Mär 2018, 20:27

sunny.crockett hat geschrieben:(19 Mar 2018, 20:00)

Der Vorschlag von Müller hat ja nichts mit Grundeinkommen zu tun. Müller sagt ja:
"Müller hat eine klare Vorstellung, wie hoch das solidarische Grundeinkommen sein soll. „Wir orientieren uns am Mindestlohn. Da landet man als Single in Vollzeit bei etwa 1500 Euro brutto oder 1200 Euro netto. Wenn man Kinder hat, kommt noch das Kindergeld dazu“
Das solidarische Grundeinkommen setzt – anders als das bedingungslose Grundeinkommen – auf ein Arbeitsverhältnis. Es soll an Menschen gezahlt werden, die sich ehrenamtlich zum Beispiel um Senioren kümmern, Alleinerziehende unterstützen oder Parks pflegen."


Wenn Müller orientiert am Mindeslohn zahlen will, kann er doch gleich Arbeitsplätze mit Mindestlohn schaffen, besonders wenn sein Grundeinkommen ein Arbeitsverhältnis sein soll. Warum nennt er also eine Mindestlohnstelle dann Grundeinkommen? Weils besser klingt und man sich wichtig machen kann?

Der Erste und Grundlegendste Fehler dabei ist, einen "Arbeitsmarkt" zu schaffen, der schlichtweg für immer ein Zuschußbetrieb bleibt und bei dem jemand, der dort unterkommt, keine Veranlassung hat, bei Gelegenheit in den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Der Zweite ist, daß natürlich auch die öffentliche Hand, die diese Beschäftigungen zu vergeben hat, natürlich bestrebt sein wird, seine zu erledigenden Leistungen möglichst in diesen billigeren Arbeitsmarkt zu verlagern und damit der Wirtschaft, in der alles verdient wird, was in diesem Land zu finanzieren ist, Aufträge entziehen wird. Das Ganze wird eine Neuauflage der 1-Euro-Jobs sein auf einem höheren Bezahlungs-Niveau. Und wo die gelandet sind, weiß wohl Jeder. Und zu guter Letzt steht noch offen, ob auch alle, die es betrifft, mit solch einem Grundeinkommens-Job "versorgt" werden können. Das Ganze hat kein Marktabdeckungs-Potential und dürfte zu neuen Ungerechtigkeiten führen.
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Mo 19. Mär 2018, 21:02

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 20:27)

Der Erste und Grundlegendste Fehler dabei ist, einen "Arbeitsmarkt" zu schaffen, der schlichtweg für immer ein Zuschußbetrieb bleibt und bei dem jemand, der dort unterkommt, keine Veranlassung hat, bei Gelegenheit in den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Der Zweite ist, daß natürlich auch die öffentliche Hand, die diese Beschäftigungen zu vergeben hat, natürlich bestrebt sein wird, seine zu erledigenden Leistungen möglichst in diesen billigeren Arbeitsmarkt zu verlagern und damit der Wirtschaft, in der alles verdient wird, was in diesem Land zu finanzieren ist, Aufträge entziehen wird. Das Ganze wird eine Neuauflage der 1-Euro-Jobs sein auf einem höheren Bezahlungs-Niveau. Und wo die gelandet sind, weiß wohl Jeder. Und zu guter Letzt steht noch offen, ob auch alle, die es betrifft, mit solch einem Grundeinkommens-Job "versorgt" werden können. Das Ganze hat kein Marktabdeckungs-Potential und dürfte zu neuen Ungerechtigkeiten führen.

Du machst hier mehrer gedankliche Fehler:
1. Die Tätigkeiten, die dort vorgesehen sind, werden von keinem Wirtschaftszweig angeboten - ausser, sie wird von Privatpersonen als 450€-Job angeboten.
2. Würden z.B. diese "Leistungen" für Senioren über freie Wirtschaftsbetriebe angeboten, müssten die entweder von den Senioren privat getragen werden - oder von der Pflegeversicherung.
3. Ob Menschen, die in solchen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, nicht doch in die freie Wirtschaft wechseln würden, kannst Du nicht beurteilen. Nur eines ist klar, sie hätten dann bessere Chancen, als Jemand, der sich nach jahrelanger Nichtarbeit bewirbt. Und genau das sollte das Ziel sein. Und wenn das dann trotzdem nicht möglich sein sollte, dann machen sie eben ihre Solidararbeit weiter.
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Teeernte
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Re: Solidarisches Grundeinkommen

Beitragvon Teeernte » Mo 19. Mär 2018, 22:22

frems hat geschrieben:(19 Mar 2018, 12:48)

Was haltet Ihr von diesem sog. solidarischen Grundeinkommen?


Eine gute Idee - wenn die Leute von den Fachbetrieben unterstützt/angeleitet/ausgestattet/geschult werden durch die die Arbeit zum Teil jetzt auch ausgeführt werden.

(Ansonsten - ......die DDR hatte die "Kunstblume" Sebnitz - eine Zuschussfirma selbst in DDR Zeiten.... )

Festanstellung und 1500 Brutto - ist natürlich der Knaller......wer verkauft dann für Kik auf Teilzeit ? ...oder steht am Sonntag im Bäcker ?
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D

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