[SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

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Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

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syna
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon syna » So 14. Jan 2018, 11:54

Wähler hat geschrieben:(14 Jan 2018, 07:29)
Der Ansatzpunkt ist die "Duale Vergütung" da, wo sie Privilegien von Fachärzten ermöglicht und bei gleicher Leistung höhere Kosten im gesellschaftlichen Gesamtsystem verursacht. Dass Krankheit oft eine Laune der Natur ist, die Arme und Reiche gleichermaßen trifft und daher Gleichbehandlung und gesellschaftliche Solidarität verlangt, wollen halt gewisse Leute nicht verstehen. Die Solidarität im Gesundheitswesen halte ich persönlich für noch wichtiger, als im Rentenwesen.


Ich stimme Dir da ganz zu.

Die Egalität bei der Gesundheit leite ich sogar aus den Grundsätzen der Demokratie ab:
Wie soll jemand, der gesundheitlich eine andere, niederere Behandlung erhält, gleichwertig
am demokratischen Diskurs teilnehmen? Alleine aufgrund der niedereen Wertschätzung
seines Lebens ist das eigentlich nicht möglich.

In anderen Ländern, z.B. UK, ist es so, dass der NHS (=National Health Service) und
damit die Gleichbehandlung in der Gesundheit unabdingbar zu den Institutionen
der Demokratie dazugehört.
--~~/§&%"$!\~~--
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syna
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon syna » So 14. Jan 2018, 12:08

Wähler hat geschrieben:(14 Jan 2018, 08:46)
... und eine Ungleichbehandlung empfinden:
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/p ... -1.3822294
SZ 13. Januar 2018 Privat und gesetzlich Versicherte berichten der SZ über ihre Erlebnisse


OOooops, das ist ja sehr aktuell!
Super interessant - den Artikel bitte mal lesen!

Ich zitiere mal einen Teil daraus:

Da sagt eine Sarah, 28 Jahre, Arzthelferin:

..., dass Kassenpatienten auch mit Termin teilweise mehr als zwei Stunden
warten mussten. Privatpatienten hingegen, egal ob mit Termin oder ohne
Termin, wurden vorgezogen. Um das vor den Kassenpatienten 'geheim' zu
halten, gab es einen extra 'Wartebereich' für Privatversicherte - die jedoch
nie warten mussten, da sie immer und jederzeit sofort drankamen, auch wenn
währenddessen Normalversicherte bereits sehr lange warteten.

Generell wurde den Privatpatienten mehr Wert verliehen, sie brachten ja
schließlich das nennenswerte Geld ein - er/sie wurde gründlicher und mit
weniger Zeitdruck untersucht - dies schlug sich selbstverständlich auf die
Wartezeit der Kassenpatienten nieder, denn ob Kasse oder Privat: jeder
bekam in der Termintheorie nur 7,5 Minuten.

Ab einem gewissen Zeitpunkt wurde bei jedem Kassenpatienten nur noch
das Notwendigste gemacht, da die Krankenkassen nur einen Pauschalbetrag
bezahlen, der nun mal die erbrachten Leistungen oft nicht aufwiegen konnte.

Wir ArzthelferInnen waren dafür da, den (verständlichen) Groll und den Frust
der Kassenpatienten abzufangen und gleichzeitig den Privatpatienten den
roten Teppich auszurollen - als Mensch, der auch nur das geringste bisschen
Gerechtigkeitssinn hat, eine selbst Groll und Frust auslösende Aufgabe, die
man neben den vielseitigen Tätigkeiten auf sich nehmen musste.

----------------------------------------------------------------------------------------------

Diese totgeschwiegene Zweiklassengesellschaft ist einer der Gründe, weswegen
ich den Job an den Nagel gehängt habe. Ich bin mir aber sicher, dass es auch für
die Ärzte eine Belastung ist - für diejenigen, die den Beruf als Berufung ansehen
oder angesehen haben und feststellen mussten, dass das System ihnen im Weg
steht und sie letztendlich zu der Frage zwingt:

"Wähle ich Geld oder Gerechtigkeit?" (Sarah S., 28 Jahre)


Bei dieser Schilderung, die sicher kein Einzelfall sondern eher die Regel
ist, kommt gut heraus, dass die Zweiklassengesellschaft auch für Ärzte und
das Personal ein großes Problem ist und zu Gewissenskonflikten führt.
--~~/§&%"$!\~~--
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Positiv Denkender » So 14. Jan 2018, 17:46

syna hat geschrieben:(13 Jan 2018, 19:29)

Genauso könntest Du behaupten: 1+1=3
Durch fortwährende Wiederholung wird's ja nicht besser. Du
disqualifizierst Dich damit als Gesprächspartner vollends.

Warum ? weil du meinst deine Märchen hätten etwas mit der Realität zu tun ? Woher nimmst du die Gewissheit das bei einer
Bürgerversicherung Patienten eher Termine bekommen ? Die Patientenzahl wird doch durch Gleichmacherei (Bürgerversicherung ) nicht geringer . Es gibt zu wenig niedergelassene Hausärzte . Die Zahl der Ärzte , die in den Ruhestand gehen ist höher, als die
Zahl der nachfolgenden Ärzte .Das ist ein Organisations- und Ausbildungsproblem, kein Problem ob jemand gesetzl. oder privat Versichert ist .
Noch einfacher wäre das Problem zu lösen wenn KK Leistungen gleich abrechnen egal ob PV oder gesetzl. Versichert . Dann müsste man allerdings die gesetzl. KV Beiträge denen der PV KK anpassen .
Jeder zahlt den gleichen Grundbetrag .Damit sind die Kosten aller notwendigen ärztlichen Leistungen abgedeckt . Wer mehr möchte muss sich halt zusätzlich privat absichern oder eben aus eigner Tasche zuzahlen .
Im Supermarkt gibt es auch keine unterschiedlichen Preise für Kunden mit unterschiedlichem Einkommen .
Nun ist mir klar dass mein Vorschlag auf wenig Gegenliebe stoßen würde (ich finde ihn gut ) deshalb sollte man zumindest das jetzige
KV System so belassen ,denn Gleichmacherei ändert nichts an der medizinischen Versorgung.
Wenn eine ärztliche Praxis 1000 Patienten betreut bleibt es bei 1000 Patienten, egal ob davon 100 PV sind oder nicht .
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Wähler » So 14. Jan 2018, 18:51

https://magazin.spiegel.de/SP/2017/51/1 ... centerpage
Spiegel 16. Dezember 2017 Das Musketier-Modell - Kapitel:Privatversicherte dagegen lassen sich beliebig schröpfen
Ein Viertel ihrer Praxiseinnahmen erzielen die Ärzte im Durchschnitt mit Privatversicherten, obwohl nur jeder zehnte Patient zu dieser Spezies gehört. Als Kranke werden die Kunden von Allianz, Debeka und HUK daher umworben – notfalls auch mit weicheren Sesseln. Das Gefühl der Zweiklassenmedizin gründet vor allem auf der Bezahlung der Ärzte.
Daher gäbe es gute Gründe, die Honorare anzugleichen. Dabei geht es auch darum, dafür zu sorgen, dass sich in jedem Landstrich genug Ärzte finden. Heute lassen sich Mediziner vorzugsweise in jenem Stadtteil nieder, in dem der Anteil an Privatpatienten hoch ist

10% aller Patienten verursachen dank zwei- oder dreifachem Abrechnungssatz 25% der Kosten im Gesundheitssystem, obwohl die meisten Risikopatienten gesetzlich versichert sind. Kein Wunder, dass Deutschland überdurchschnittlich viel Geld für ein Gesundheitssystem aufbringt, welches unterdurchschnittliche Leistungen hervorbringt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundhei ... Vergleiche
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Realist2014 » So 14. Jan 2018, 21:10

Wähler hat geschrieben:(14 Jan 2018, 18:51)

https://magazin.spiegel.de/SP/2017/51/1 ... centerpage
Spiegel 16. Dezember 2017 Das Musketier-Modell - Kapitel:Privatversicherte dagegen lassen sich beliebig schröpfen

10% aller Patienten verursachen dank zwei- oder dreifachem Abrechnungssatz 25% der Kosten im Gesundheitssystem,


was interessieren die Kosten der PKV Versicherten die GKV Versicherten?

wenn diese höheren Abrechnungssätze wegfallen- WO profitieren dann die GKV Versicherten?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Wähler » Mo 15. Jan 2018, 07:31

Wähler hat geschrieben:(14 Jan 2018, 18:51)
https://magazin.spiegel.de/SP/2017/51/1 ... centerpage
Spiegel 16. Dezember 2017 Das Musketier-Modell - Kapitel:Privatversicherte dagegen lassen sich beliebig schröpfen
10% aller Patienten verursachen dank zwei- oder dreifachem Abrechnungssatz 25% der Kosten im Gesundheitssystem, obwohl die meisten Risikopatienten gesetzlich versichert sind. Kein Wunder, dass Deutschland überdurchschnittlich viel Geld für ein Gesundheitssystem aufbringt, welches unterdurchschnittliche Leistungen hervorbringt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundhei ... Vergleiche

Realist2014 hat geschrieben:(14 Jan 2018, 21:10)
was interessieren die Kosten der PKV Versicherten die GKV Versicherten?
wenn diese höheren Abrechnungssätze wegfallen- WO profitieren dann die GKV Versicherten?

Wenn die Ärzte für Privatpatienten nur noch den ein- bis zweifachen Satz abrechnen könnten, würde auch die Problematik der Überversorgung von Privatpatienten verringert, weil die Ärzte mehr Scheine für die Wirtschaftlichkeit ihre Praxen bräuchten. Das könnte dann auch die Wartezeiten von GKV-Patienten verringern.
siehe auch:
http://www.tagesspiegel.de/politik/kran ... 88542.html
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Realist2014 » Mo 15. Jan 2018, 17:48

Wähler hat geschrieben:(15 Jan 2018, 07:31)

Wenn die Ärzte für Privatpatienten nur noch den ein- bis zweifachen Satz abrechnen könnten, würde auch die Problematik der Überversorgung von Privatpatienten verringert, weil die Ärzte mehr Scheine für die Wirtschaftlichkeit ihre Praxen bräuchten. Das könnte dann auch die Wartezeiten von GKV-Patienten verringern.
siehe auch:
http://www.tagesspiegel.de/politik/kran ... 88542.html


es würde vor allen Dingen auch die Beiträge der PKV Versicherten verringern...

wäre nicht schlecht...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Positiv Denkender » Di 16. Jan 2018, 18:04

Wähler hat geschrieben:(15 Jan 2018, 07:31)

Wenn die Ärzte für Privatpatienten nur noch den ein- bis zweifachen Satz abrechnen könnten, würde auch die Problematik der Überversorgung von Privatpatienten verringert, weil die Ärzte mehr Scheine für die Wirtschaftlichkeit ihre Praxen bräuchten. Das könnte dann auch die Wartezeiten von GKV-Patienten verringern.
siehe auch:
http://www.tagesspiegel.de/politik/kran ... 88542.html

Wie man Leistungen von Ärzten honoriert hängt doch nicht davon ab ob jemand privat oder gesetzl. versichert ist .
Man müsste lediglich die Beiträge für gesetzlich Versicherte denen der PV angleichen . Nur ich denke dann wäre das Geschrei der gesetzlichen noch größer. Fakt bleibt die ärztliche ´Versorgung ist gleich egal ob gesetzl. oder Privat Versichert .
Ob der PV einige Minuten weniger im Wartesaal sitzen muss hat nichts mit der medizinischen Versorgung zu tun .
Es sei denn jemand kann beweisen der Blutdruck eines PV Patienten wird mit einem anderen Gerät gemessen als
beim gesetzl. Versicherten .
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon syna » Do 18. Jan 2018, 12:21

Zitiert von Wähler:
https://magazin.spiegel.de/SP/2017/51/1 ... centerpage
Spiegel 16. Dezember 2017 Das Musketier-Modell - Kapitel:Privatversicherte dagegen lassen sich beliebig schröpfen
Ein Viertel ihrer Praxiseinnahmen erzielen die Ärzte im Durchschnitt mit Privatversicherten, obwohl nur jeder zehnte Patient zu dieser Spezies gehört.


Bei diesem Satz denken viele: "Jaaa - da stützen die Privatversicherten unser
Gesundheitssystem. Denn sonst könnten viele Arztpraxen ja gar nicht existieren."

Genau dieser Gedanke ...

... wird von vielen Vorteilsnehmern und Verfechtern der PKVen
(=Privaten Krankenversicherung) immer wieder vorgebracht. Wie in einer
Endlosschleife. Dabei ist es genau anders herum:

Wenn sich die PKV egalitär an den Solidaritätskosten beteiligen würde, dann
könnten die Beiträge der GKV-Versicherten sinken - und/oder entsprechend die
GKV-Honorare für Ärzte steigen.

Darüberhinaus: Wenn jeder Arzt oder jede Klinik entweder nur gesetzlich
Versicherte oder nur privat Versicherte behandeln dürfte, wäre das private
System in kürzester Zeit am Ende. In einem solchen System wäre jede
Quersubvention ausgeschlossen, und schnell würde klar, in wie vielen
Bereichen das private System parasitär vom gesetzlichen lebt.

Gemeint sind hier nicht die Versicherten, sondern die Unternehmen: Sie wären
nicht in der Lage, eine Krankenhausversorgung für ihre Patienten auch nur im
Ansatz sicherzustellen. Sie nutzen die Infrastruktur der gesetzlichen Kassen und
bezeichnen das sie bewirtenden System auch noch als marode.

Mit einigen Zahlen: Für 2007 sind die Gesamteinnahmen der GKVen 145 Mrd.
Euro, die der PKVen 23 Mrd. Euro, das entspricht knapp 14% der
Gesamteinnahmen. Die Infrastrukur vor Ort (Krankenhäuser, Rettungsdienste
usw.) werden solidarisch von allen (dem Steuerzahler) bezahlt. Aber trotzdem
nutzt die unsolidarische PKV alle diese Anlagen und Großgeräte einfach mit.

-----------------------------------------------------------------------------------------------

Die Aussage "die PKV-Versicherten" stützten das Gesundheitssystem ist
also entweder eine Aussage höchster Naivität oder extremst perfider
Verteidigung eines ungerechten unsolidarischen dualen Gesundheitssystems.

Weiter geht's:

Als Kranke werden die Kunden von Allianz, Debeka und HUK daher umworben – notfalls auch mit weicheren Sesseln. Das Gefühl der Zweiklassenmedizin gründet vor allem auf der Bezahlung der Ärzte.
Daher gäbe es gute Gründe, die Honorare anzugleichen. Dabei geht es auch darum, dafür zu sorgen, dass sich in jedem Landstrich genug Ärzte finden. Heute lassen sich Mediziner vorzugsweise in jenem Stadtteil nieder, in dem der Anteil an Privatpatienten hoch ist


Die Ungleichverteilung der Ärzte "Stadt-Land" sowie
"Reich-Arm" ist nur eine der negativen Auswirkungen der
Dualen Vergütung.

Wähler hat geschrieben:(14 Jan 2018, 18:51)
10% aller Patienten verursachen dank zwei- oder dreifachem Abrechnungssatz 25% der Kosten im Gesundheitssystem, obwohl die meisten Risikopatienten gesetzlich versichert sind. Kein Wunder, dass Deutschland überdurchschnittlich viel Geld für ein Gesundheitssystem aufbringt, welches unterdurchschnittliche Leistungen hervorbringt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundhei ... Vergleiche


Das stimmt leider!

Das Deutsche Gesundheitssystem ist überdurchschnittlich teuer. Und
trotzdem sind die Leistungen eher schlecht.

Warum ist das so?

Aus meiner Sicht ist das Hauptproblem die sogenannte "Fehlallokation".
Ich erläutere das mal an einem Beispiel:

-----------------------------------------------------------------------------------------
F E H L A L L O K A T I O N
-----------------------------------------------------------------------------------------

Ein bekannter Spitzenchirurg einer deutschen Universitätsklinik operiert
vor allem Leistenbrüche. Und zwar obwohl er sich auf Bauchspeicheldrüsenkrebs
spezialisiert hat. Statt nun alle Fälle mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im Umfeld
zu operieren – was zeitlich gut ginge, da die Krankheit nur selten ist –
übernimmt er nur einen kleinen Teil davon und behandelt hauptsächlich
Leistenbrüche. Operiert er einen Bauchspeicheldrüsenkrebspatienten
der AOK, dann steigt sein persönliches Einkommen nicht um einen
einzigen Euro. Operiert er stattdessen in der gleichen Zeit 5 Privatpatienten
mit Leistenbruch, hat er zusätzlichen 3000 Euro verdient.

Dazu muss man wissen: Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine aggressive
Krankheit, 90% überleben das erste Jahr nicht. Bei einem Eingriff durch
einen erfahrenen Operateur ist die Sterbewahrscheinlichkeit direkt nach
dem Eingriff nur halb so groß (5,8%) wie bei Patienten, die von wenig
erfahrenen Ärzten operiert werden (12,9%).

-----------------------------------------------------------------------------------------
Ressourcen
-----------------------------------------------------------------------------------------

Die knappste Ressource in unserem Gesundheitssystem, die Zeit der
Superspezialisten, wird oft für Trivialeinsätze verschwendet, damit diese
Leute gut verdienen und die Privilegierten zu jedem Zeitpunkt die
bestmögliche Versorgung genießen. Diese Fehlallokation ist in fast
jedem Fachbereich. Es ist also kein marginales Problem, das mal auftritt.
Nein es ist die Regel - und führt zu erheblichen Verzerrungen und
Ineffizienzen des Gesundheitssystems.

Die Spezialisten verbringen einen überproportional großen Teil ihrer
Arbeitszeit mit den Erkrankungen privat Versicherter, statt sich um
die schweren Fälle aller Versicherten zu bemühen. Die Situation hat
sich noch verschlechtert, seit die privaten Krankenversicherungen
verlangen, dass der liquidierende Spezialist die Leistung auch selbst
erbracht haben muss, um abzurechnen, während in der Vergangenheit
oft die Arbeit von weniger qualifizierten Ärzten durchgeführt werden
konnte, und der Spezialist sie nur abgerechnet hat. Man stelle sich vor,
dass die besten Hochschullehrer nur die Kinder von Beamten oder
Einkommensstarken unterrichten würden (eine Situation, von der
wir aus anderen Gründen leider nicht weit entfernt sind).

Die Spezialisten sollten besser bezahlt werden auf der Grundlage der
Qualität ihrer Arbeit, nicht wegen des Anteils an Privatpatienten.
Dieses System hat in der Zwischenzeit sogar die Forschungsleistungen
der deutschen medizinischen Fakultäten deutlich reduziert,
Spitzenplätze werden in fast keinem Bereich der klinischen Forschung
mehr eingenommen (siehe dazu: Rothmund, M.: Die Stellung der
klinischen Forschung in Deutschland im internationalen Vergleich,
1997, Dtsch. Med. Wschr. 122, 1358-1362. Adams J, Benchmarking
international research. 1998, Nature 396, 615-
618. )

-----------------------------------------------------------------------------------------
Zusammenfassung
-----------------------------------------------------------------------------------------

Das heißt also: Die in allen Fachbereichen der Kliniken verbreitete
Fehlallokation bedingt Ressourcenknappheit für GKV-Versicherte -
und bedeutet damit mittelbar den Nicht-Zugang von GKV-lern zu
Spezialisten, wenn es um Leben und Tod geht.

Wir sehen: Die PKVen betreiben nicht nur ein höchst parasitäres
Geschäftsmodell - nämlich dadurch, dass sie sich in keiner Weise
an der Solidariät beteiligien. Die PKVen sorgen durch Fehlallokationen
sogar für Ineffizienzen, Ressourcenverschwendung(!) und verwehren
GKV-lern, die ja die Solidarität bezahlen (!), in besonders ernsten
Fällen die adäquate Behandlung durch Spezialisten.
--~~/§&%"$!\~~--
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Positiv Denkender » Do 18. Jan 2018, 17:13

syna hat geschrieben:(18 Jan 2018, 12:21)

Zitiert von Wähler:
https://magazin.spiegel.de/SP/2017/51/1 ... centerpage
Spiegel 16. Dezember 2017 Das Musketier-Modell - Kapitel:Privatversicherte dagegen lassen sich beliebig schröpfen


Bei diesem Satz denken viele: "Jaaa - da stützen die Privatversicherten unser
Gesundheitssystem. Denn sonst könnten viele Arztpraxen ja gar nicht existieren."

Genau dieser Gedanke ...

... wird von vielen Vorteilsnehmern und Verfechtern der PKVen
(=Privaten Krankenversicherung) immer wieder vorgebracht. Wie in einer
Endlosschleife. Dabei ist es genau anders herum:

Wenn sich die PKV egalitär an den Solidaritätskosten beteiligen würde, dann
könnten die Beiträge der GKV-Versicherten sinken - und/oder entsprechend die
GKV-Honorare für Ärzte steigen.

Darüberhinaus: Wenn jeder Arzt oder jede Klinik entweder nur gesetzlich
Versicherte oder nur privat Versicherte behandeln dürfte, wäre das private
System in kürzester Zeit am Ende. In einem solchen System wäre jede
Quersubvention ausgeschlossen, und schnell würde klar, in wie vielen
Bereichen das private System parasitär vom gesetzlichen lebt.

Gemeint sind hier nicht die Versicherten, sondern die Unternehmen: Sie wären
nicht in der Lage, eine Krankenhausversorgung für ihre Patienten auch nur im
Ansatz sicherzustellen. Sie nutzen die Infrastruktur der gesetzlichen Kassen und
bezeichnen das sie bewirtenden System auch noch als marode.

Mit einigen Zahlen: Für 2007 sind die Gesamteinnahmen der GKVen 145 Mrd.
Euro, die der PKVen 23 Mrd. Euro, das entspricht knapp 14% der
Gesamteinnahmen. Die Infrastrukur vor Ort (Krankenhäuser, Rettungsdienste
usw.) werden solidarisch von allen (dem Steuerzahler) bezahlt. Aber trotzdem
nutzt die unsolidarische PKV alle diese Anlagen und Großgeräte einfach mit.

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Die Aussage "die PKV-Versicherten" stützten das Gesundheitssystem ist
also entweder eine Aussage höchster Naivität oder extremst perfider
Verteidigung eines ungerechten unsolidarischen dualen Gesundheitssystems.

Weiter geht's:



Die Ungleichverteilung der Ärzte "Stadt-Land" sowie
"Reich-Arm" ist nur eine der negativen Auswirkungen der
Dualen Vergütung.



Das stimmt leider!

Das Deutsche Gesundheitssystem ist überdurchschnittlich teuer. Und
trotzdem sind die Leistungen eher schlecht.

Warum ist das so?

Aus meiner Sicht ist das Hauptproblem die sogenannte "Fehlallokation".
Ich erläutere das mal an einem Beispiel:

-----------------------------------------------------------------------------------------
F E H L A L L O K A T I O N
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Ein bekannter Spitzenchirurg einer deutschen Universitätsklinik operiert
vor allem Leistenbrüche. Und zwar obwohl er sich auf Bauchspeicheldrüsenkrebs
spezialisiert hat. Statt nun alle Fälle mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im Umfeld
zu operieren – was zeitlich gut ginge, da die Krankheit nur selten ist –
übernimmt er nur einen kleinen Teil davon und behandelt hauptsächlich
Leistenbrüche. Operiert er einen Bauchspeicheldrüsenkrebspatienten
der AOK, dann steigt sein persönliches Einkommen nicht um einen
einzigen Euro. Operiert er stattdessen in der gleichen Zeit 5 Privatpatienten
mit Leistenbruch, hat er zusätzlichen 3000 Euro verdient.

Dazu muss man wissen: Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine aggressive
Krankheit, 90% überleben das erste Jahr nicht. Bei einem Eingriff durch
einen erfahrenen Operateur ist die Sterbewahrscheinlichkeit direkt nach
dem Eingriff nur halb so groß (5,8%) wie bei Patienten, die von wenig
erfahrenen Ärzten operiert werden (12,9%).

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Ressourcen
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Die knappste Ressource in unserem Gesundheitssystem, die Zeit der
Superspezialisten, wird oft für Trivialeinsätze verschwendet, damit diese
Leute gut verdienen und die Privilegierten zu jedem Zeitpunkt die
bestmögliche Versorgung genießen. Diese Fehlallokation ist in fast
jedem Fachbereich. Es ist also kein marginales Problem, das mal auftritt.
Nein es ist die Regel - und führt zu erheblichen Verzerrungen und
Ineffizienzen des Gesundheitssystems.

Die Spezialisten verbringen einen überproportional großen Teil ihrer
Arbeitszeit mit den Erkrankungen privat Versicherter, statt sich um
die schweren Fälle aller Versicherten zu bemühen. Die Situation hat
sich noch verschlechtert, seit die privaten Krankenversicherungen
verlangen, dass der liquidierende Spezialist die Leistung auch selbst
erbracht haben muss, um abzurechnen, während in der Vergangenheit
oft die Arbeit von weniger qualifizierten Ärzten durchgeführt werden
konnte, und der Spezialist sie nur abgerechnet hat. Man stelle sich vor,
dass die besten Hochschullehrer nur die Kinder von Beamten oder
Einkommensstarken unterrichten würden (eine Situation, von der
wir aus anderen Gründen leider nicht weit entfernt sind).

Die Spezialisten sollten besser bezahlt werden auf der Grundlage der
Qualität ihrer Arbeit, nicht wegen des Anteils an Privatpatienten.
Dieses System hat in der Zwischenzeit sogar die Forschungsleistungen
der deutschen medizinischen Fakultäten deutlich reduziert,
Spitzenplätze werden in fast keinem Bereich der klinischen Forschung
mehr eingenommen (siehe dazu: Rothmund, M.: Die Stellung der
klinischen Forschung in Deutschland im internationalen Vergleich,
1997, Dtsch. Med. Wschr. 122, 1358-1362. Adams J, Benchmarking
international research. 1998, Nature 396, 615-
618. )

-----------------------------------------------------------------------------------------
Zusammenfassung
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Das heißt also: Die in allen Fachbereichen der Kliniken verbreitete
Fehlallokation bedingt Ressourcenknappheit für GKV-Versicherte -
und bedeutet damit mittelbar den Nicht-Zugang von GKV-lern zu
Spezialisten, wenn es um Leben und Tod geht.

Wir sehen: Die PKVen betreiben nicht nur ein höchst parasitäres
Geschäftsmodell - nämlich dadurch, dass sie sich in keiner Weise
an der Solidariät beteiligien. Die PKVen sorgen durch Fehlallokationen
sogar für Ineffizienzen, Ressourcenverschwendung(!) und verwehren
GKV-lern, die ja die Solidarität bezahlen (!), in besonders ernsten
Fällen die adäquate Behandlung durch Spezialisten.

Der gesamte Betrag strotzt nur von Wiedersprüchen .Wenn denn die Aussage stimmt die PV würden das Gesundheitssystem
lediglich belasten nicht entlasten warum plädierst du denn für die Bürgerversicherung .
Ich sags dir du möchtest lediglich dass Beitragsaufkommen der Besserverdienenden ,Selbständigen
in die gesetzliche zu verlagern um die an den eigenen Beiträgen zu sparen . Für dich gelten Besserverdienende als Melkkühe
der Nation . Nur diese linke Sicht wurde glücklicher verworfen .Ich kenne die Beitragshöhe für PV . Seit über 30 Jahren
bin ich freiwillig in der gesetzlichen KV versichert . Die Bemessungsgrenzen wurden ständig angehoben damit auch die
Beitragshöhe .Ich habe bei der ärztlichen Behandlungen keine Nachteile gegenüber PV aber reichlich Nachteile
gegenüber GV ,die eben weit unter der Bemessungsgrenze liegen oder lagen . Warum erzähle ich dir gerne falls du nicht selbst drauf kommst . Solange die Beträge der GV nicht gleich sind muss niemand mit der Bürgerversicherung kommen .
Für den Liter Milch muss auch jeder im SM das Gleiche bezahlen. Fangen wir bei der Gerechtigkeit doch erstmal von der anderen Seite an.
Übrigens heute morgen bat ich um einen Termin beim HNO Arzt . Man bot mir einen an um 10 Uhr allerdings sollte ich etwas Zeit mitbringen .
45 Minuten waren zu verkraften . Den nächsten habe ich dann morgen um 10 Uhr . Ob ich als PV noch schneller drangekommen wäre ?
Übrigens die Praxis liegt in einem Stadtviertel wo die Zahl der PV sicher höher ist als anderswo .
Positiv Denkender
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Positiv Denkender » Fr 19. Jan 2018, 14:58

Wähler hat geschrieben:(14 Jan 2018, 18:51)

https://magazin.spiegel.de/SP/2017/51/1 ... centerpage
Spiegel 16. Dezember 2017 Das Musketier-Modell - Kapitel:Privatversicherte dagegen lassen sich beliebig schröpfen

10% aller Patienten verursachen dank zwei- oder dreifachem Abrechnungssatz 25% der Kosten im Gesundheitssystem, obwohl die meisten Risikopatienten gesetzlich versichert sind. Kein Wunder, dass Deutschland überdurchschnittlich viel Geld für ein Gesundheitssystem aufbringt, welches unterdurchschnittliche Leistungen hervorbringt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundhei ... Vergleiche

Beweist doch eindeutig wie wichtig die PV sind um unser Gesundheitssystem zu stützen.
Ohne müssten die GV höhere Beträge zahlen .Dies ginge dann wieder zu Lasten der Besserverdienenden .
Wähler
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Wähler » Fr 19. Jan 2018, 17:17

Wähler hat geschrieben:(14 Jan 2018, 18:51)
https://magazin.spiegel.de/SP/2017/51/1 ... centerpage
Spiegel 16. Dezember 2017 Das Musketier-Modell - Kapitel:Privatversicherte dagegen lassen sich beliebig schröpfen
10% aller Patienten verursachen dank zwei- oder dreifachem Abrechnungssatz 25% der Kosten im Gesundheitssystem, obwohl die meisten Risikopatienten gesetzlich versichert sind. Kein Wunder, dass Deutschland überdurchschnittlich viel Geld für ein Gesundheitssystem aufbringt, welches unterdurchschnittliche Leistungen hervorbringt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundhei ... Vergleiche

Positiv Denkender hat geschrieben:(19 Jan 2018, 14:58)
Beweist doch eindeutig wie wichtig die PV sind um unser Gesundheitssystem zu stützen.
Ohne müssten die GV höhere Beträge zahlen .Dies ginge dann wieder zu Lasten der Besserverdienenden .

Wenn nur noch der einfache Satz abgerechnet werden kann, müssen die GV keine höheren Beiträge zahlen.
Ein weiterer Beweis, dass Du Texte sehr selektiv liest. ;)
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Positiv Denkender » Fr 19. Jan 2018, 17:36

Wähler hat geschrieben:(19 Jan 2018, 17:17)

Wenn nur noch der einfache Satz abgerechnet werden kann, müssen die GV keine höheren Beiträge zahlen.
Ein weiterer Beweis, dass Du Texte sehr selektiv liest. ;)

dafür bekommst du aber keine Ärzte .Ohne genügend Ärzte keine ausreichende medizinische Versorgung .
Selbst wenn es so möglich wäre würde die Versorgung durch Gleichmacherei nicht besser .
Allenfalls für heutige PV schlechter . Nur was stört dich daran wenn jemand der mehr bezahlt auch mehr dafür bekommt ?
Fakt ist die medizinische Versorgung wird durch veränderte Abrechnungsformen nicht besser.
Umgekehrt würde ein Schuh draus wenn alle den höheren Beitragssatz der PV bezahlen könnte die Versorgung verbessert werden .
Mir ist ja Bekannt das Linke immer nur zum Nulltarif auf Kosten anderer leben möchten .. Hat aber nirgendwo geklappt.
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Wähler » Fr 19. Jan 2018, 17:49

Positiv Denkender hat geschrieben:(19 Jan 2018, 17:36)
dafür bekommst du aber keine Ärzte .Ohne genügend Ärzte keine ausreichende medizinische Versorgung .
Selbst wenn es so möglich wäre würde die Versorgung durch Gleichmacherei nicht besser .
Allenfalls für heutige PV schlechter . Nur was stört dich daran wenn jemand der mehr bezahlt auch mehr dafür bekommt ?
Fakt ist die medizinische Versorgung wird durch veränderte Abrechnungsformen nicht besser.
Umgekehrt würde ein Schuh draus wenn alle den höheren Beitragssatz der PV bezahlen könnte die Versorgung verbessert werden .
Mir ist ja Bekannt das Linke immer nur zum Nulltarif auf Kosten anderer leben möchten .. Hat aber nirgendwo geklappt.

Einfacher Satz ist nicht Nulltarif und Überversorgung von Privatpatienten ist unwirtschaftlich für ein solidarisches System. Da kommen wir also in der Diskusssion nicht weiter. Daher bleibe ich bei meinem Vorschlag:
Wähler hat geschrieben:(15 Jan 2018, 07:31)
Wenn die Ärzte für Privatpatienten nur noch den ein- bis zweifachen Satz abrechnen könnten, würde auch die Problematik der Überversorgung von Privatpatienten verringert, weil die Ärzte mehr Scheine für die Wirtschaftlichkeit ihre Praxen bräuchten. Das könnte dann auch die Wartezeiten von GKV-Patienten verringern.
siehe auch:
http://www.tagesspiegel.de/politik/kran ... 88542.html

Realist2014 hat geschrieben:(15 Jan 2018, 17:48)
es würde vor allen Dingen auch die Beiträge der PKV Versicherten verringern...
wäre nicht schlecht...
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Positiv Denkender » Sa 20. Jan 2018, 00:15

Wähler hat geschrieben:(19 Jan 2018, 17:49)

Einfacher Satz ist nicht Nulltarif und Überversorgung von Privatpatienten ist unwirtschaftlich für ein solidarisches System. Da kommen wir also in der Diskusssion nicht weiter. Daher bleibe ich bei meinem Vorschlag:

Dein Vorschlag übernimmt aber niemand weil er unbrauchbar ist . Welche PV sind den überversorgt ? Du hast keine Ahnung von PV .
Viele zahlen ihre Arztrechnung selber um am Ende des Jahres gute Boni herauszuholen . Ob jemand 15 Minuten oder 30 im Wartezimmer
sitzt ist doch vollkommen uninteressant, zumal niemand von den Patienten weiss wer im Wartesaal PV oder GV ist .
Es gibt Tage da kommt nicht ein PV in die Praxis .Deshalb verringert sich die Wartezeit der GV nicht .Polemik und Neiddebatte mehr nicht .
Kein Patient der GV wird medizinisch schlechter versorgt als ein PV Patient .Die Bürgerversicherung ändert nichts aber auch gar nichts
an der medizinischen Versorgung .Ob ein ehemaliger PV vor mir im Wartzimmer sitzt oder ein langjähriger GV ist doch vollkommen Wurscht . Bei einer schlechte Terminplanung weniger Ärzte ändert auch die Bürgerversicherung nichts . Im Gegenteil dann wären
Ärzte gezwungen noch mehr Patienten durchzuschleusen . .Im Übrigen
planen die Praxen die Termine bestens ,sodass Wartezeiten der Vergangenheit angehören . Dank der PV muss keine Praxis mehr
Patienten behandeln als sie schaffen kann . Selbst wenn 1 -2 PV Patienten zwischengeschoben würden hat das auf die Wartezeit kaum Einfluss. Akut erkrankte GV Patienten werden ja auch zwischengeschoben .Das war nie anders .Ich kann mich noch an meine Kindheit erinnern als nur wenige Ärzte Termine ausgaben .Da haben wir uns als Kinder 2Std .für unsere Eltern ins Wartezimmer setzen müssen .
Die Zeiten sind zum Glück vorbei . Die Wartezimmer dienen höchstens für kurze Wartezeiten .Bei einem Termin lege ich höchstens noch meine Jacke ab dann geht's gleich durch in den Behandlungsraum . Wenn nicht würde ich den Arzt wechseln .
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon syna » Sa 20. Jan 2018, 01:40

Teeernte hat geschrieben:(09 Jan 2018, 15:51)
Über alles - halte ich es für wichtig - dass es ein System Gesundheitsversorgung gibt - was nicht ALLES Monopolistisch umfasst.

Eine VEB "Einheitsversicherung" brauch zB nur den technischen Fortschritt nicht anerkennen - und Behandlungen einfach nicht en Katalog aufnehmen ...


Nun, was an Leistungen zugelassen ist und was nicht, wird ja seit
2004 durch den gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegt.
Dieser besteht aus Vertretern von:

-- aus dem GKV-Spitzenverband
-- DKG (Deutsche Krankenhausgesellschaft)
-- KBV (Kassenärztlichen Bundesvereinigung)
-- KZBV (Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung)
-- Unparteiische aus der med. Forschung

und macht seine Arbeit aus meiner Sicht ziemlich gut: Behandlungen,
die nicht wirken, werden auch nicht bezahlt. Verfahren und
Behandlungen, die evidenzbasiert funktionieren, werden in den
Katalog aufgenommen - auch wenn sie noch ziemlich neu sind.

Der G-BA macht eine sehr verantwortungsvolle Arbeit - und
bestimmt, welche Leistungen die GKVen bezahlen müssen. Das
wird sich mit der Bürgerversicherung nicht ändern - da wird
nichts anders gemacht.

Auch mit Bürgerversicherung kann sich jeder für "nicht medizinische
Leistungen" - "nicht medizinisch" gemäß GB-A und Evidenz - zusätzlich
privat versichern. D.h. z.B. ein jeder kann homöopathische Behandlungen,
Bachblüten oder Auspendeln oder jegliche Hotelleistungen privat
versichern, denn solcherlei wäre "außerhalb unseres Gesundheitssystems".

--------------------------------------------------------------------------------------

"Medizinisch evident wirksame Leistungen" werden durch den G-BA
benannt und "zugelassen", nicht wirksame dagegen nicht. Dieses
Zulassungsverfahren darf auf keinen Fall marktwirtschaftlich - etwa
durch Profitinteressen bestimmter einzelner Firmen, Firmengruppen
oder Lobbygruppen - dominiert werden. Es sollte ausschließlich nach
medizinischem Sachverstand, also nach medizinisch verlässlichen Studien,
entschieden werden. Das ist heute überwiegend so, und das sollte auch
so bleiben - ganz unabhängig davon, ob die Bürgerversicherung kommt
oder nicht.
--~~/§&%"$!\~~--
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon syna » Sa 20. Jan 2018, 02:03

Teeernte hat geschrieben:(09 Jan 2018, 15:51)
... die GKV ist aber auch kein Verfechter der MArktwirtschaft.

Wie ein Eisverkäufer - der sich den Stand vom Eishändler kaufen muss.
... und nun soll der Eishändler auch noch ALLE Kunden kontrollieren ...

Alle sind für Marktwirtschaft - bei Käse Wurst und Eiern....
Bei Ärzten und Apotheken nun nicht mehr .....und bei Kasse schon garnicht ?
Müsste man (möglicherweise) bei einer Einheitskasse (MONOPOL) die Ärztebindung (Kassenzulassung) aufheben?



Nein, das kann man nicht.

Es gibt ja in unserem Gemeinwesen viele Bindungen und Regulierungen, denen
ja jeder unterworfen ist. Beim Gesundheitswesen ist das Ganze besonders
diffiziel und sensibel. Und beim Aspekt Patient -- Arzt unter Marktgesichts-
punkten muss man besonders genau hinsehen:

Im ersten Moment könnte man ja sagen: Ja, Gesundheitswesen, da
werden Leistungen erbracht, eigentlich genauso, wie auf jedem anderen
Gütermarkt: Lebensmittelmarkt, Wurst- und Käse, Autosmarkt,
Kamera-Markt usw. etc. ...

Aber aber - da ist leider ein Haken! Es sind 2 wesentliche Kriterien, die den
Gesundheits-Güter-Markt von (fast) jedem anderen Markt unterscheiden:

1. Informelle Asymmetrie der Marktteilnehmer
2. Existenzialität der Einzelentscheidungen

===========================================

Ich skizziere Dir kurz, was ich damit meine. Die Vorteile der kleinteilig
dezentralen Marktwirtschaft hast Du ja - das entnehme ich Deinen
vielen anderen Postings - schon ganz gut verstanden.

--------------------------------------------------------------------------------------
1. Informelle Asymmetrie der Marktteilnehmer
--------------------------------------------------------------------------------------

Die Informationen - und damit die Marktmacht - ist zwischen Leistungserbringer
(=Arzt, Krankenhaus) und Kunde (=Patient) extrem unterschiedlich.

Während sich auf anderen Gütermärkten jeder schlau macht, diverse Tests über
Kameras liest, ist es im Gesundheitswesen nicht so. Weil jeder denkt, dass er
eigentlich ja nicht betroffen ist. Wenn er nämlich einmal betroffen ist - etwa durch
einen Unfall, einen Schlaganfall oder einen schnell wachsenden Tumor - dann hat er
keine Ahnung und ist seinem Arzt oder Krankenhaus völlig wehrlos ausgeliefert. Er
kann die vorgeschlagenen Behandlungen nicht bewerten. Und wenn der Arzt ganz
nach Marktlage vorgeht, wird er die dem Krankenhaus oder seiner Praxis finanziell
profitabelsten Vorgehensweisen vorschlagen und als "alternativlos" darstellen.
Selbst wenn am Ende der Exitus des Patienten steht. Denn: Hauptsache die Bilanz
stimmt - und der kaufmännische Leiter des Krankenhauses lächelt.

Die "informelle Asymmetrie" ist im Gesundheitswesen stark ausgeprägt: Auf der
einen Seite der völlig verstörte und lädierte Patient, der gerade seine Tumor-
Diagnose bekommen hat, und auf der andere Seite der "allwissende" Arzt, von dem
jetzt alles abhängt.

Diese "informelle Asymmetrie" wird um so mehr den "Profit-Interessen"
untergeordnet, je stärker der finanzielle Druck ist, d.h. je mehr "Markt" und
"Konkurrenz" im System ist.

--------------------------------------------------------------------------------------
2. Existenzialität der Einzelentscheidungen
--------------------------------------------------------------------------------------

Bei vielen täglichen Entscheidungen auf dem Gütermarkt - z.B. für diesen Kaviar -
oder diese Kamera - kommt es gerne zu Fehlentscheidungen. Man
kauft dann diese Kamera-Marke nicht mehr, oder man meidet den Kaviar der Marke
"extreme good".

Im Gesundheitswesen ist die Auswahl eines Krankenhauses oder eines Operateurs
oft nicht so, dass man eine 2.Wahl hat: Ist die OP schief gelaufen, wird man ein
Leben lang nur humpeln können - ein zweites Mal gibt's da nicht. Wenn der Tumor
gestreut hat, dann gibt's auch kein zweites Mal. Wenn eine Krankheit lange nicht
erkannt wurde, ist's meist zu spät. Dann gibt es keine zweite Chance. Bei
brenzligen, wichtigen Dingen begegnen sich die Marktteilnehmer also kein zweites
Mal! Der Markt kann nicht balanciert werden, es ist ein "blindes" Geschehen.

Wenn es keine zweite Chance gibt, ist man auf den "Goodwill" und den Idealismus
des Arztes oder Operateurs existenziell angewiesen. Durch "Markt" wird dieser
Idealismus aber zugunsten des Profits zurückgedrängt. Ob der Patient überlebt ist
nur noch für die Statistik wichtig, aber wichtiger noch ist die Quartals-Bilanz.

Zusammengefasst aus Sicht des Markt-Ökonomen:

Durch die "Existenzialität der Einzelentscheidungen" kann sich kein Marktgeschehen
etablieren. Jedenfalls nicht bei gewichtigen Vorfällen - also ernsthaften,
lebensbedrohlichen Krankheiten.

Markt-Transaktionen hängen davon ab, dass sie wiederholt werden, und dass also
die Marktteilnehmer einen "unlauteren" oder "betrügenden" oder einfach nur
"schlechten" Marktteilnehmer abstrafen können. Das ist aber im
Gesundheitsbereich aufgrund der "Existenzialität der Einzelentscheidungen" i.d.R.
nicht gegeben. Deshalb funktioniert der von Dir ständig angepriesene Markt hier
überhaupt nicht.

============================================

(1) und (2) setzen wichtige Voraussetzungen für ein Marktgeschehen außer kraft.
Deshalb wird ein rein marktwirtschaftliches Gesundheitswesen nicht im Sinne einer
besseren Gesundheit für den Einzelnen funktionieren.

Zum Verständnis: (1) und (2) gibt es auch auf anderen Gütermärkten. Aber hier hat
der Käufer im Falle von (1) immer die Möglichkeit, sich zu informieren,
weiterzubilden, um beim nächsten Mal nicht über den Tisch gezogen zu werden. Im
Falle von (2), z.B. bei einem existenziellen Aktieninvestment, kann der Investor aber
frei entscheiden - wird zu nichts gedrängt.

Bei einer plötzlichen Krankheit (Unfall, Schlaganfall oder schnell wachsender Tumor)
hat der "Kunde" aber gar keine Zeit, sich fortzubilden (1) - und er kann gar nicht
entscheiden, was passieren soll oder nicht, obwohl es existenziell für ihn ist (2). Da
ist dann kein Markt mehr: Da ist nur noch "ausgeliefert sein". Da wird das
Krankenhaus erstmal gucken, wie derjenige versichert ist (teilw. in den USA üblich!)
und dann entscheiden, was passieren soll.

============================================

(1) und (2) sind die Gründe dafür, dass das Gesundheitswesen für den Bürger
solidarisch gerecht organisiert werden muss. Eine Alternative dazu sehe ich nicht.
Nicht in einem zivilisierten Staat.
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Positiv Denkender » Sa 20. Jan 2018, 13:50

syna hat geschrieben:(20 Jan 2018, 01:40)

Nun, was an Leistungen zugelassen ist und was nicht, wird ja seit
2004 durch den gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegt.
Dieser besteht aus Vertretern von:

-- aus dem GKV-Spitzenverband
-- DKG (Deutsche Krankenhausgesellschaft)
-- KBV (Kassenärztlichen Bundesvereinigung)
-- KZBV (Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung)
-- Unparteiische aus der med. Forschung

und macht seine Arbeit aus meiner Sicht ziemlich gut: Behandlungen,
die nicht wirken, werden auch nicht bezahlt. Verfahren und
Behandlungen, die evidenzbasiert funktionieren, werden in den
Katalog aufgenommen - auch wenn sie noch ziemlich neu sind.

Der G-BA macht eine sehr verantwortungsvolle Arbeit - und
bestimmt, welche Leistungen die GKVen bezahlen müssen. Das
wird sich mit der Bürgerversicherung nicht ändern - da wird
nichts anders gemacht.

Auch mit Bürgerversicherung kann sich jeder für "nicht medizinische
Leistungen" - "nicht medizinisch" gemäß GB-A und Evidenz - zusätzlich
privat versichern. D.h. z.B. ein jeder kann homöopathische Behandlungen,
Bachblüten oder Auspendeln oder jegliche Hotelleistungen privat
versichern, denn solcherlei wäre "außerhalb unseres Gesundheitssystems".

--------------------------------------------------------------------------------------

"Medizinisch evident wirksame Leistungen" werden durch den G-BA
benannt und "zugelassen", nicht wirksame dagegen nicht. Dieses
Zulassungsverfahren darf auf keinen Fall marktwirtschaftlich - etwa
durch Profitinteressen bestimmter einzelner Firmen, Firmengruppen
oder Lobbygruppen - dominiert werden. Es sollte ausschließlich nach
medizinischem Sachverstand, also nach medizinisch verlässlichen Studien,
entschieden werden. Das ist heute überwiegend so, und das sollte auch
so bleiben - ganz unabhängig davon, ob die Bürgerversicherung kommt
oder nicht.

Bei allen Aufführungen die du hier verbreitest würde eine Bürgerversicherung nichts verändern .
Unser medizinische Versorgung zählt auch ohne Bürgerversicherung zu den besten der Welt .
Nochmals nicht die GV stützen die PV sondern umgekehrt .
Deine Behauptung vor wichtigen OP ´s würde man erst prüfen ob der Patient privat oder gesetzlich Versichert ist
kann man als ungeheuerlich bezeichnen .
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon syna » Sa 20. Jan 2018, 17:52

syna hat geschrieben:"Medizinisch evident wirksame Leistungen" werden durch den G-BA
benannt und "zugelassen", nicht wirksame dagegen nicht. Dieses
Zulassungsverfahren darf auf keinen Fall marktwirtschaftlich - etwa
durch Profitinteressen bestimmter einzelner Firmen, Firmengruppen
oder Lobbygruppen - dominiert werden. Es sollte ausschließlich nach
medizinischem Sachverstand, also nach medizinisch verlässlichen Studien,
entschieden werden. Das ist heute überwiegend so, und das sollte auch
so bleiben - ganz unabhängig davon, ob die Bürgerversicherung kommt
oder nicht.


Positiv Denkender hat geschrieben:(20 Jan 2018, 13:50)
Bei allen Aufführungen, die du hier verbreitest, würde eine Bürgerversicherung nichts verändern.


In diesem Fall stimmt das sogar: Der G-BA würde so ähnlich
wie heute bestehen bleiben. Er hat sich - siehe meine Ausführungen oben -
weitgehend bewährt.

Positiv Denkender hat geschrieben:(20 Jan 2018, 13:50)
Unser medizinische Versorgung zählt auch ohne Bürgerversicherung zu den besten der Welt .


Das stimmt so objektiv nicht.

Die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheitheit sind in Deutschland überdurchschnittlich hoch,
während die mittlere Lebenserwartung vergleichsweise mäßig ist. Nachzulesen bei:
"OECD Health Data 2009 - Frequenlty requested Data" - retrieved 2011-08-06.

Alle neueren OECD-Reports zeichnen ein ähnliches Bild. In der WHO-Rangliste
ist Germany eher in der Mitte - hinter UK - und zwar trotz sehr viel höherer
Ausgaben.

Positiv Denkender hat geschrieben:[url=http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=4109606#p4109606] (20 Jan 2018, 13:50)
Nochmals: nicht die GV stützen die PV, sondern umgekehrt.


Mmhh - viel mehr Einsicht als Deine wenigen persönlichen Arztbesuche
scheinst Du in das Gesundheitssystem nicht zu haben. Um zu bewerten, wer
wen stützt, muss man sich die Finanzströme und die unterliegenden Strukturen
ansehen. Das scheinst Du noch nie gemacht zu haben.

Falls Du dazu bereit bist, etwas dazu zu lernen, dann lies den folgenden
Abschnitt - g a n z l a n g s am - durch:

------------------------------------------------------------------------------------------------------

Diese Aussage der PKV-Vertreter ist eine perfide Vernebelungstaktik.
Um zu verstehen, wer was zahlt, müssen wir uns die Geldflüsse im
Gesundheitssystem genauer ansehen:

Der GKV-Versicherte zahlt alle Solidarlasten Anderer - also die von
Arbeitslosen, Einkommensschwachen, Rentnern und Familienmitgliedern mit.
Diese machen über 1/3 der Kosten der GKV aus.

Das heißt, dass ein Arbeitnehmer, der etwa 550 Euro Beitrag pro Monat in die
GKV zahlt, davon ca. 250 Euro alleine für die Solidarität Anderer bezahlt! Nur
300 Euro zahl er für sich ein.

Ein PKV-Versicherter dagegen zahlt ALLES, sein gesamten Beitrag zur PKV also,
NUR für sich ein. Deshalb hat die PKV dann natürlich genug Geld, dem Arzt aus
ihren Einnahmen ein höheres Honorar zu zahlen und noch Dividende auszuzahlen.
Dabei drückt sich die PKV aber um die Solidarität herum.

Man kann es so zusammenfassen: Die Private Krankenversicherung ist daher ein
System, welches Jahr für Jahr mit 9,7 Milliarden Euro von den Versicherten der
gesetzlichen Krankenversicherung subventioniert wird. Das ist nämlich der Betrag,
den die privat Versicherten in das Solidarsystem zahlen müssten, würden sie sich
wie die gesetzlichen Kassen beteiligen. Sie ist eine Art Steuerschlupfloch für Reiche
in der Krankenversicherung und müsste genauso konsequent dichtgemacht werden
wie andere Steuerschlupflöcher.

Positiv Denkender hat geschrieben:[url=http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=4109606#p4109606] (20 Jan 2018, 13:50)
Deine Behauptung vor wichtigen OP ´s würde man erst prüfen, ob der Patient privat oder gesetzlich Versichert ist,
kann man als ungeheuerlich bezeichnen.


Was direkt vor wichtigen OPs passiert, kann man pauschal nicht
sagen - dazu habe ich auch nie irgendetwas behauptet. Was ich sage ist:

Ein GKV-Versicherter hat i.d.R. keinen Zugang zu den hochspezialisierten
Universitätsprofessoren an den Unikliniken. Im Falle viele ernster Erkrankungen
(Bauchspeicheldrüsenkrebs, bestimmte Tumorarten usw.) ist dieser Zugang
aber von lebensentscheidender Bedeutung.

Und da sage ich: Zu diesen Spezialisten hat der GKV-Versicherte i.d.R.
keinen Zugang!

Wer das nicht glaubt, der solle doch den Selbstversuch
starten, zum Telefonhörer greifen - und einfach mal in einer Uniklinik
bei einem Spezialzentrum - fast egal was - anrufen. Er wird als erstes
gefragt, wie er denn versichert sei. Wenn er dann GKV-versichert ist,
ist das Gespräch in 90% der Fälle hier beendet.
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Re: [SPD + Gesundheit] Bürgerversicherung?

Beitragvon Teeernte » Sa 20. Jan 2018, 21:04

syna hat geschrieben:(20 Jan 2018, 17:52)

Alle neueren OECD-Reports zeichnen ein ähnliches Bild. In der WHO-Rangliste
ist Germany eher in der Mitte - hinter UK - und zwar trotz sehr viel höherer
Ausgaben.



Mmhh - viel mehr Einsicht als Deine wenigen persönlichen Arztbesuche
scheinst Du in das Gesundheitssystem nicht zu haben. Um zu bewerten, wer
wen stützt, muss man sich die Finanzströme und die unterliegenden Strukturen
ansehen. Das scheinst Du noch nie gemacht zu haben.

Falls Du dazu bereit bist, etwas dazu zu lernen, dann lies den folgenden
Abschnitt - g a n z l a n g s am - durch:

------------------------------------------------------------------------------------------------------

Diese Aussage der PKV-Vertreter ist eine perfide Vernebelungstaktik.
Um zu verstehen, wer was zahlt, müssen wir uns die Geldflüsse im
Gesundheitssystem genauer ansehen:

Der GKV-Versicherte zahlt alle Solidarlasten Anderer - also die von
Arbeitslosen, Einkommensschwachen, Rentnern und Familienmitgliedern mit.
Diese machen über 1/3 der Kosten der GKV aus.

Das heißt, dass ein Arbeitnehmer, der etwa 550 Euro Beitrag pro Monat in die
GKV zahlt, davon ca. 250 Euro alleine für die Solidarität Anderer bezahlt! Nur
300 Euro zahl er für sich ein.

Ein PKV-Versicherter dagegen zahlt ALLES, sein gesamten Beitrag zur PKV also,
NUR für sich ein. Deshalb hat die PKV dann natürlich genug Geld, dem Arzt aus
ihren Einnahmen ein höheres Honorar zu zahlen und noch Dividende auszuzahlen.
Dabei drückt sich die PKV aber um die Solidarität herum.

Man kann es so zusammenfassen: Die Private Krankenversicherung ist daher ein
System, welches Jahr für Jahr mit 9,7 Milliarden Euro von den Versicherten der
gesetzlichen Krankenversicherung subventioniert wird. Das ist nämlich der Betrag,
den die privat Versicherten in das Solidarsystem zahlen müssten, würden sie sich
wie die gesetzlichen Kassen beteiligen. Sie ist eine Art Steuerschlupfloch für Reiche
in der Krankenversicherung und müsste genauso konsequent dichtgemacht werden
wie andere Steuerschlupflöcher.



Was direkt vor wichtigen OPs passiert, kann man pauschal nicht
sagen - dazu habe ich auch nie irgendetwas behauptet. Was ich sage ist:

Ein GKV-Versicherter hat i.d.R. keinen Zugang zu den hochspezialisierten
Universitätsprofessoren an den Unikliniken. Im Falle viele ernster Erkrankungen
(Bauchspeicheldrüsenkrebs, bestimmte Tumorarten usw.) ist dieser Zugang
aber von lebensentscheidender Bedeutung.

Und da sage ich: Zu diesen Spezialisten hat der GKV-Versicherte i.d.R.
keinen Zugang!

Wer das nicht glaubt, der solle doch den Selbstversuch
starten, zum Telefonhörer greifen - und einfach mal in einer Uniklinik
bei einem Spezialzentrum - fast egal was - anrufen. Er wird als erstes
gefragt, wie er denn versichert sei. Wenn er dann GKV-versichert ist,
ist das Gespräch in 90% der Fälle hier beendet.


Jaaaaa.....dass der Arbeitnehmer das SCHLACHTVIEH der Nation ist - ist ja nicht neu.

....dass das deutsche Gesundheitswesen immer noch preiswert ist - kommt durch das ABSAUGEN der Mediziner aus den "BILLIGEN" Ländern.

Wie Rumänen zu einer Versorgung kommen - ist uns ja WURST. Solidarisch - ? Sch...EIS..s drauf.

Das will MANN nun mit ner EINHEITS - Versicherung zementieren. Kann man ja verstehen - wenn in ZUKUNFT nur noch 1/3 der Angestellten den "REST" stemmen soll.

Geht es uns BESSER //sind WIR gesünder als andere ? NICHT .....? Na dann ist ja das Geld guuuuuuut angelegt.

Deckel auf 30 Eu....

Nur gut - dass es Hunden und Katzen in D besser geht..... :D :D :D >> Schnelle GUUUUUTE Leistung gegen Bargeld. Ohne grosse Wartezeit.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D

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