Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

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Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

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hallelujah
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 17:58

Mir stellt sich die nächste Frage. Sollen die Grossstädte nun auf Teufel komm raus attraktiven günstigen Wohnraum schaffen und die ländlicheren Regionen verelenden? Ist DANN das Gejammer wieder genauso gross? Vermutlich ja...
Gäbe es einen Gott, hätte er keine Religionen erschaffen.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 18:09

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 17:58)

Mir stellt sich die nächste Frage. Sollen die Grossstädte nun auf Teufel komm raus attraktiven günstigen Wohnraum schaffen und die ländlicheren Regionen verelenden? Ist DANN das Gejammer wieder genauso gross? Vermutlich ja...
Die Leute gehen in Städte, weil sie dort Arbeitsplätze finden, was eben auf dem Land seltener der Fall ist. Und genau dort, wo es keine Arbeitsplätze gibt, sterben Regionen aus.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Wähler » Sa 16. Dez 2017, 18:12

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 17:58)
Mir stellt sich die nächste Frage. Sollen die Grossstädte nun auf Teufel komm raus attraktiven günstigen Wohnraum schaffen und die ländlicheren Regionen verelenden? Ist DANN das Gejammer wieder genauso gross? Vermutlich ja...

Solange nach wie vor mehr Sozialwohnungen aus die Sozialbindung herausfallen, als neue gebaut werden, besteht kein Grund zu falschen Befürchtungen:
http://www.mieterbund.de/presse/pressem ... 6ee3e2e96c
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 18:22

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 18:09)

Die Leute gehen in Städte, weil sie dort Arbeitsplätze finden, was eben auf dem Land seltener der Fall ist. Und genau dort, wo es keine Arbeitsplätze gibt, sterben Regionen aus.


Jeder Mensch trifft die für sich nach persönlichen Abwägungen die Entscheidung, die ihm als am vorteilhaftesten erscheint. Was soweit ja auch ok ist.
Ich wollte auch nur auf die Problematik aufmerksam machen, dass jede Aktion auch eine Reaktion auslöst. Darüber sollte man sich klar sein. Also nicht einfach etwas fordern ohne über Konsequenzen nachzudenken.

Hier machen es sich zu viele zu einfach. Die fordern einfach mal ein Megaprogramm sozialen Wohnungsbau. Wer bezahlen soll, was danach passiert? Kein Wort darüber...
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 18:33

Wähler hat geschrieben:(16 Dec 2017, 18:12)

Solange nach wie vor mehr Sozialwohnungen aus die Sozialbindung herausfallen, als neue gebaut werden, besteht kein Grund zu falschen Befürchtungen:
http://www.mieterbund.de/presse/pressem ... 6ee3e2e96c



Zuerst müsste mal kontrolliert werden, ob die Voraussetzungen überhaupt noch gegeben sind, eine sozialgeförderte Wohnung zu besetzen. Hier besteht tätsächlich ein erhebliches politisches Defizit.
Dadurch könnten eine ganze Menge Wohnungen frei werden.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 18:36

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 18:22)

Jeder Mensch trifft die für sich nach persönlichen Abwägungen die Entscheidung, die ihm als am vorteilhaftesten erscheint. Was soweit ja auch ok ist.
Ich wollte auch nur auf die Problematik aufmerksam machen, dass jede Aktion auch eine Reaktion auslöst. Darüber sollte man sich klar sein. Also nicht einfach etwas fordern ohne über Konsequenzen nachzudenken.

Hier machen es sich zu viele zu einfach. Die fordern einfach mal ein Megaprogramm sozialen Wohnungsbau. Wer bezahlen soll, was danach passiert? Kein Wort darüber...

Gut, man könnte natürlich Wirtschaft und sonstige anhalten, eben neue Arbeitsplätze NICHT in oder um Städte rum zu schaffen - stelle ich mir aber schwierig vor ;)
Ausserdem müssen Städte halt die Infrastruktur bereithalten, was eben zur Folge hat, dass dort auch Krankenschwestern und Busfahrer, Verkäufer und Friseure leben kpnnen müssen.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 18:40

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 18:36)

Gut, man könnte natürlich Wirtschaft und sonstige anhalten, eben neue Arbeitsplätze NICHT in oder um Städte rum zu schaffen - stelle ich mir aber schwierig vor ;)
Ausserdem müssen Städte halt die Infrastruktur bereithalten, was eben zur Folge hat, dass dort auch Krankenschwestern und Busfahrer, Verkäufer und Friseure leben kpnnen müssen.


Vermutlich bin ich zu liberal, jemanden zu Entscheidungen zwingen zu wollen. Und genau daraus ergibt sich eben das Problem, dass ich nicht mit "einfachen Lösungen" helfen kann ;)
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 18:48

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 18:36)

Gut, man könnte natürlich Wirtschaft und sonstige anhalten, eben neue Arbeitsplätze NICHT in oder um Städte rum zu schaffen - stelle ich mir aber schwierig vor ;)
Ausserdem müssen Städte halt die Infrastruktur bereithalten, was eben zur Folge hat, dass dort auch Krankenschwestern und Busfahrer, Verkäufer und Friseure leben kpnnen müssen.



Ich weiss auch nicht, wie sich das Arbeitsleben verändern wird. Vielleicht setzen sich Home-Offices mehr durch. Den Gedanken sollte man aber nicht mal nicht leichtfertig zur Seite wischen, wie Arbeitsplätze, wenn möglich, unabhängiger von Zentren gestaltet wetden können.
Meine Gedanken dazu kann ich aber nicht in ein paar kurzen Sätzen bündeln...
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 18:53

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 18:48)

Ich weiss auch nicht, wie sich das Arbeitsleben verändern wird. Vielleicht setzen sich Home-Offices mehr durch. Den Gedanken sollte man aber nicht mal nicht leichtfertig zur Seite wischen, wie Arbeitsplätze, wenn möglich, unabhängiger von Zentren gestaltet wetden können.
Meine Gedanken dazu kann ich aber nicht in ein paar kurzen Sätzen bündeln...

Das wäre mit Sicherheit gut, schon um die täglichen Staus geringer zu halten. Nur so ganz ohne Kontakt zum Büro/zu Kollegen geht das eben auch nicht - oder eben nicht gut. Und dazu kommt, dass man bei uns auf dem Land ja auch internetmässig auch noch die Arschkarte gezogen hat.
Und es gibt halt sehr viele Jobs, die nicht von zu Hause aus gemacht werden können (Krankenschwester, Busfahrer, Friseur und alle, die in der Produktion arbeiten, etc.).
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 19:02

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 18:53)

Das wäre mit Sicherheit gut, schon um die täglichen Staus geringer zu halten. Nur so ganz ohne Kontakt zum Büro/zu Kollegen geht das eben auch nicht - oder eben nicht gut. Und dazu kommt, dass man bei uns auf dem Land ja auch internetmässig auch noch die Arschkarte gezogen hat.
Und es gibt halt sehr viele Jobs, die nicht von zu Hause aus gemacht werden können (Krankenschwester, Busfahrer, Friseur und alle, die in der Produktion arbeiten, etc.).


Wie ich sagte, wenn es möglich ist. Bei allen Berufen geht das nicht. Und auch nicht jeder kann ohne Aufpasser vernünftig arbeiten.
Aber du erkennst, worauf ich aufmerksam machen möchte. Die Grossstädte sind im Vergleich zu ländlichen Regionen zu attraktiv geworden. Also weshalb nicht mal Gedanken daran "verschwenden", wie man ländl. Gegenden wettbewerbsfähiger machen könnte?
Hätte auch den positiven Effekt, dass die negativen Auswirkungen zu starker Konzentration auf die Grossstädte gemildert werden könnten.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 19:05

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 19:02)

Wie ich sagte, wenn es möglich ist. Bei allen Berufen geht das nicht. Und auch nicht jeder kann ohne Aufpasser vernünftig arbeiten.
Aber du erkennst, worauf ich aufmerksam machen möchte. Die Grossstädte sind im Vergleich zu ländlichen Regionen zu attraktiv geworden. Also weshalb nicht mal Gedanken daran "verschwenden", wie man ländl. Gegenden wettbewerbsfähiger machen könnte?
Hätte auch den positiven Effekt, dass die negativen Auswirkungen zu starker Konzentration auf die Grossstädte gemildert werden könnten.

Es gibt dabei einfach ein Problem:
Um ländliche Gegenden attraktiver zu machen, müsste man dort auch Infrastruktur aufbauen (Gesundheitsversorgung, Schulen, Kindergärten, Geschäfte z.B.). Und das ist auf dem Land dann eben teurer als in der Stadt, weil es für erheblich weniger Menschen vorgehalten werden muss.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 19:31

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 19:05)

Es gibt dabei einfach ein Problem:
Um ländliche Gegenden attraktiver zu machen, müsste man dort auch Infrastruktur aufbauen (Gesundheitsversorgung, Schulen, Kindergärten, Geschäfte z.B.). Und das ist auf dem Land dann eben teurer als in der Stadt, weil es für erheblich weniger Menschen vorgehalten werden muss.


Natürlich. Aber momentan ist eher das Problem, dass Infrastruktur abgebaut wird. Natürlich muss man Kosten/Nutzen abwägen. Wenn es aber so viele in die Städte zieht, wird das Problem nicht kleiner, sondern wird grösser. Negativ für Stadt und Land.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 19:35

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 19:31)

Natürlich. Aber momentan ist eher das Problem, dass Infrastruktur abgebaut wird. Natürlich muss man Kosten/Nutzen abwägen. Wenn es aber so viele in die Städte zieht, wird das Problem nicht kleiner, sondern wird grösser. Negativ für Stadt und Land.
Es wird abgebaut, weil sie teuer ist.
Nimm mal einen kleinen Ort auf dem Land, ein Kindergarten geht da noch, eine Grundschule wird schon schwerer/teurer zu unterhalten sein (also pro Kind gerechnet). Und eine weiterführende Schule geht schon gar nicht. Also müssen die Schüler ins nächste Oberzenzentrum. Das gleiche gilt für Ärzte, Geschäfte, etc.
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 19:42

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 19:35)

Es wird abgebaut, weil sie teuer ist.
Nimm mal einen kleinen Ort auf dem Land, ein Kindergarten geht da noch, eine Grundschule wird schon schwerer/teurer zu unterhalten sein (also pro Kind gerechnet). Und eine weiterführende Schule geht schon gar nicht. Also müssen die Schüler ins nächste Oberzenzentrum. Das gleiche gilt für Ärzte, Geschäfte, etc.


Klar. Die Probleme sind mir alle bekannt.
Du erkennst aber, welches Problem ich sehe.
Als Lösung sehe ich nicht, dass nun jeder in die Stadt ziehen soll. Das schafft wieder neue Probleme
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 19:45

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 19:42)

Klar. Die Probleme sind mir alle bekannt.
Du erkennst aber, welches Problem ich sehe.
Als Lösung sehe ich nicht, dass nun jeder in die Stadt ziehen soll. Das schafft wieder neue Probleme
Sicherlich nicht.
Aber man muss auch nicht ums Verrecken jedes Dorf retten.
Ich sehe eher, dass man Oberzentren stärken sollte, mehr und bessere Arbeitsplätze, gute Bildung, gute Gesundheitsversorgung und so - der Rest kommt dann von alleine ;)
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 19:58

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 19:45)

Sicherlich nicht.
Aber man muss auch nicht ums Verrecken jedes Dorf retten.
Ich sehe eher, dass man Oberzentren stärken sollte, mehr und bessere Arbeitsplätze, gute Bildung, gute Gesundheitsversorgung und so - der Rest kommt dann von alleine ;)


Ich meinte auch nicht jedes 200 Seelen Dorf.
An der Stelle gehen mir aber gerade Gedanken durch den Kopf, wie schwierig es ist, richtige Entscheidungen zu treffen. Vor Wohlstandswunder hat sich kaum jemand ernsthaft beklagt, vom Dorf aus mit dem Bus zu fahren. Dann wurde das Auto erschwinglich für jedermann. Busverbindungen wurden reduziert. Heute wird darüber geklagt (obwohl sicherlich die wenigsten derer den Bus selbst nutzen würden).
Der Dorfbäcker macht zu, weil niemand hingeht (das Einzugsgebiet gross genug wäre). Wenn er dann zu ist, wird gejammert.
Du erkennst, was ich ausdrücken möchte: die Menschheit ist bescheuert...
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 20:12

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 19:58)

Ich meinte auch nicht jedes 200 Seelen Dorf.
An der Stelle gehen mir aber gerade Gedanken durch den Kopf, wie schwierig es ist, richtige Entscheidungen zu treffen. Vor Wohlstandswunder hat sich kaum jemand ernsthaft beklagt, vom Dorf aus mit dem Bus zu fahren. Dann wurde das Auto erschwinglich für jedermann. Busverbindungen wurden reduziert. Heute wird darüber geklagt (obwohl sicherlich die wenigsten derer den Bus selbst nutzen würden).
Der Dorfbäcker macht zu, weil niemand hingeht (das Einzugsgebiet gross genug wäre). Wenn er dann zu ist, wird gejammert.
Du erkennst, was ich ausdrücken möchte: die Menschheit ist bescheuert...

Gut, darauf können wir uns sicherlich einigen :D

Aber, man muss auch sagen, dass sich die Ansprüche geändert haben. Um beim Dorfbäcker zu bleiben:
Der hatte evtl. 4 Brote, 6 Brötchen und 3 Kuchen zur Auswahl. Und wenn etwas ausverkauft war, war es halt weg.
Jetzt fährt der Dorfbewohner in die nächstgrössere Stadt, evtl. weil er da Kleidung kaufen will oder dort arbeitet, und sieht eine grössere Bäckerei dort. Die hat eine grössere Auswahl, ist evtl. noch preiswerter und es gibt den ganzen Tag über frische Brötchen. Das kann der Dorfbäcker gar nicht leisten, selbst, wenn er wollte.

Und das mit den Busverbindungen auf's Dorf, die waren auch früher nicht unbedingt besser, sie wurden nur häufiger genutzt.
Wenn man jetzt noch weiter zurück geht, dann haben grosse Arbeitgeber speziell Siedlungen und Wohnungen für ihre Arbeiter gebaut, die alle so dicht am Arbeitsplatz lagen, dass man locker zu Fuss oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen konnte. Ob das nun unbedingt schön war, direkt neben z.B einer Zeche zu wohnen? ;)
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 20:35

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 20:12)

Gut, darauf können wir uns sicherlich einigen :D

Ich nehme mich selbst auch nicht aus. :D

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 20:12)

Aber, man muss auch sagen, dass sich die Ansprüche geändert haben. Um beim Dorfbäcker zu bleiben:
Der hatte evtl. 4 Brote, 6 Brötchen und 3 Kuchen zur Auswahl. Und wenn etwas ausverkauft war, war es halt weg.
Jetzt fährt der Dorfbewohner in die nächstgrössere Stadt, evtl. weil er da Kleidung kaufen will oder dort arbeitet, und sieht eine grössere Bäckerei dort. Die hat eine grössere Auswahl, ist evtl. noch preiswerter und es gibt den ganzen Tag über frische Brötchen. Das kann der Dorfbäcker gar nicht leisten, selbst, wenn er wollte.

Und das mit den Busverbindungen auf's Dorf, die waren auch früher nicht unbedingt besser, sie wurden nur häufiger genutzt.
Wenn man jetzt noch weiter zurück geht, dann haben grosse Arbeitgeber speziell Siedlungen und Wohnungen für ihre Arbeiter gebaut, die alle so dicht am Arbeitsplatz lagen, dass man locker zu Fuss oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen konnte. Ob das nun unbedingt schön war, direkt neben z.B einer Zeche zu wohnen? ;)


Meine Rede, die Ansprüche haben sich geändert. Soweit auch nicht schlimm. Aber man sollte sich über Konsequenzen des eigenen Handels bewusst werden und die Schuld nicht immer nur woanders suchen. Das mag ich nicht.

Wichtig an dieser Stelle war mir auch nur die Gedankenanregung, was passiert danach, wenn Grossstädte es wirklich schaffen sollten, den geforderten günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Wären Probleme gelöst? Wohl kaum, es entstehen neue..
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon Misterfritz » Sa 16. Dez 2017, 20:41

hallelujah hat geschrieben:(16 Dec 2017, 20:35)
Wichtig an dieser Stelle war mir auch nur die Gedankenanregung, was passiert danach, wenn Grossstädte es wirklich schaffen sollten, den geforderten günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Wären Probleme gelöst? Wohl kaum, es entstehen neue..
Probleme sind dazu da, gemeistert zu werden, nennt sich Entwicklung ;)
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Re: Armut/Armutsgefährdung in Deutschland erreicht Rekordwert seit der Wiedervereinigung

Beitragvon hallelujah » Sa 16. Dez 2017, 20:44

Misterfritz hat geschrieben:(16 Dec 2017, 20:41)

Probleme sind dazu da, gemeistert zu werden, nennt sich Entwicklung ;)


Ist aber einfacher, wenn man darauf vorbereitet ist. Nennt sich Weitsicht. :)
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