Wohnungspolitik

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Wähler
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Wähler » Fr 14. Sep 2018, 08:22

Wähler hat geschrieben:(13 Sep 2018, 18:45)
Unsere Wohnungsbaugenossenschaft baut kaum noch in München, weil die Grundstücke unerschwinglich geworden sind. Die SPD sollte sich stärker für die Beschränkung von Grundstückspreissteigerungen einsetzen, zumindestens bei der Umwandlung von dem restlichen Ackerland in München in Baugrund. Sonst baut keiner mehr neue Sozial- oder Dienst- oder Werkswohnungen.

frems hat geschrieben:(14 Sep 2018, 08:27)
Somit wird spekuliert, dass die günstige Miete plus die einmalige Förderung über den Zeitraum in etwa den Einnahmen entsprechend, die eine freie Wohnung ohne Förderweg erzielen würde. Wenn die Projektentwickler über hohe Grundstückspreise klagen, geht es ja nur darum, den Profit zu erhöhen. Dadurch entsteht keine zusätzliche Sozialwohnung und angesichts der geringen Leerstandsquote in Städten wie München kann man wohl schlecht davon reden, dass sich niemand Mieten bzw. Eigentumswohnungen/-häuser dort aufgrund höher Grundstückskosten leisten könne.

Die Wohnungsbaugenossenschaften, die ich in München kenne, fühlen sich ihren sozialen Zielen, verhältnismäßig günstigen Wohnraum anzubieten, verpflichtet. Dafür wird auch kein nennenswerter Bilanzgewinn erwirtschaftet. Wie Du Projektentwickler, die nur mit Grundstücken handeln, mit Wohnungsbaugenossenschaften gleichsetzen kannst, bleibt mir da schleierhaft.
In München Freiham hat keine einzige Wohnungsbaugenossenschaft ein von der Stadt angebotenes Grundstück gekauft, Schauen wir einmal, ob die Stadt selbst dort ihr Ziel für 30% Sozialwohnungen einhalten wird.
Es geht nicht darum, ob sich niemand überteuerten Wohnraum leisten kann, sondern darum, dass immer mehr Menschen in einfachen Dienstleistungsberufen weit pendeln müssen, um ihrer Dienstpflicht im Innenraum der Städte nachzukommen.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon frems » Fr 14. Sep 2018, 08:28

Wähler hat geschrieben:(14 Sep 2018, 09:22)

Die Wohnungsbaugenossenschaften, die ich in München kenne, fühlen sich ihren sozialen Zielen, verhältnismäßig günstigen Wohnraum anzubieten, verpflichtet. Dafür wird auch kein nennenswerter Bilanzgewinn erwirtschaftet.Wie Du Projektentwickler, die nur mit Grundstücken handeln, mit Wohnungsbaugenossenschaften gleichsetzen kannst, bleibt mir da schleierhaft.
In München Freiham hat keine Wohnungsbaugenossenschaft ein von der Stadt angebotenes Grundstück gekauft, Schauen wir einmal, ob die Stadt selbst dort ihr Ziel für 30% Sozialwohnungen einhalten wird.
Es geht nicht darum, ob sich niemand überteuerten Wohnraum leisten kann, sondern darum, dass immer mehr Menschen in einfachen Dienstleistungsberufen weit pendeln müssen, um ihrer Dienstpflicht im Innenraum der Städte nachzukommen.

Ich setze sie nicht gleich und Projektentwickler handeln nicht nur mit Grundstücken. Der Name widerspricht dem ja schon. Ich bin ja selbst nicht nur Vermieter, sondern auch Genossenschaftsmitglied. Und meine Genossenschaft hat auch diverse Sozialwohnungen, sowohl im Bestand als auch derzeit im Bau. Die staatliche Förderung nimmt man trotzdem, weil man zwar keine Gewinnabsichten hat, aber eben auch nicht altruistisch Geld verschenkt. Wer Sozialwohnungen will, muss daher nicht irgendwie moralisch argumentieren oder jemanden irgendeine Verantwortung einreden, sondern eben Geld in die Hand nehmen für die bekannten Förderwege.

Die Stadt kann auch an private Investoren Grundstücke mit Auflagen verkaufen, wenn sie will. Ebenso kann sie Grundstücke nach dem besten Gesamtkonzept vergeben statt nur auf den erzielbaren Preis zu achten. Wenn sie das nicht tut, liegt die Schuld nicht beim Investor, sondern bei der Stadt.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Kölner1302 » Mo 24. Sep 2018, 20:24

In 2 Tagen ist ein wichtiger Wohnungsgipfel, auf dem ein Konzept beschlossen werden soll, mit dem tatsächlich die Wohnungsnot gemildert oder am besten beseitigt werden soll.

Welche Konzepte könnten tatsächlich wirksam sein?

Könnte der Wohnungsbau für die unteren und mittleren Einkommensgruppen z.B. staatlich gefördert werden, indem der Staat selbst Immobilienfonds bildet und führt?
D.h. es soll z.B. ein Haus mit zwei und Dreizimmerwohnungen gebaut werden. Der Staat baut das Haus selbst und gründet zur Finanzierung eine Gesellschaft (GbR oder Gmbh), in der der Staat die Geschäftsführung übernimmt und sich private Anleger beteiligen können, die dann wie bei allen anderen Fonds auch an Gewinn und Verlust beteiligt sind. Die Anleger erhalten Fördermittel, z.B. indem sie die Beiträge von der Steuer absetzen können. Die Mieten der neu gebauten Wohnungen dürfen den Mietspiegel nicht übersteigen. Die Wohnungen bleiben in staatlicher Hand.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon roadrunner » Do 27. Sep 2018, 14:42

Kölner1302 hat geschrieben:(24 Sep 2018, 21:24)

In 2 Tagen ist ein wichtiger Wohnungsgipfel, auf dem ein Konzept beschlossen werden soll, mit dem tatsächlich die Wohnungsnot gemildert oder am besten beseitigt werden soll.

Welche Konzepte könnten tatsächlich wirksam sein?

Könnte der Wohnungsbau für die unteren und mittleren Einkommensgruppen z.B. staatlich gefördert werden, indem der Staat selbst Immobilienfonds bildet und führt?
D.h. es soll z.B. ein Haus mit zwei und Dreizimmerwohnungen gebaut werden. Der Staat baut das Haus selbst und gründet zur Finanzierung eine Gesellschaft (GbR oder Gmbh), in der der Staat die Geschäftsführung übernimmt und sich private Anleger beteiligen können, die dann wie bei allen anderen Fonds auch an Gewinn und Verlust beteiligt sind. Die Anleger erhalten Fördermittel, z.B. indem sie die Beiträge von der Steuer absetzen können. Die Mieten der neu gebauten Wohnungen dürfen den Mietspiegel nicht übersteigen. Die Wohnungen bleiben in staatlicher Hand.

Sie wollen die Staatsquote also wieder nach oben treiben und gehen von der recht zweifelhaften Ansicht aus, dass der Staat, bzw. die Personen, die den Staat letztendlich repräsentieren, mit unseren Steuergeldern umsichtig und verantwortungsvoll umgehen! Na ja :cool:
Staatsquote am BIP
Deutschland 1995 = 54,7%, 2017 = 44,5%
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Kölner1302 » Fr 28. Sep 2018, 20:37

Tja ich habe leider schon mal ein paar schlechte Beispiele für privat geführte Immobilienfonds gesehen... da haben die Anleger z.T. nicht einen Penny wiedergesehen ...
Und was wurde gebaut? Hochpreisiges, was kaum gewinnbringend vermietet werden kann...

In meinem Modell müsste eben nicht alles aus Steuergroschen bezahlt werden - es gäbe die Möglichkeit, die staatlichen Investitionen erheblich mit privatem Geld zu verstärken. Und ich stelle mir vor, dass davon alle etwas haben: Der Anleger, der tatsächlich seriöse Renditen sehen sollte; der Staatshaushalt könnte geschont werden und damit alle auf Staatsknete angewiesenenen Bürger; und die Mieter, die stabile Wohnverhältnisse mit angemessenen Mieterhöhungen erhalten sollen.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Bielefeld09 » Fr 28. Sep 2018, 21:29

Kölner1302 hat geschrieben:(28 Sep 2018, 21:37)

Tja ich habe leider schon mal ein paar schlechte Beispiele für privat geführte Immobilienfonds gesehen... da haben die Anleger z.T. nicht einen Penny wiedergesehen ...
Und was wurde gebaut? Hochpreisiges, was kaum gewinnbringend vermietet werden kann...

In meinem Modell müsste eben nicht alles aus Steuergroschen bezahlt werden - es gäbe die Möglichkeit, die staatlichen Investitionen erheblich mit privatem Geld zu verstärken. Und ich stelle mir vor, dass davon alle etwas haben: Der Anleger, der tatsächlich seriöse Renditen sehen sollte; der Staatshaushalt könnte geschont werden und damit alle auf Staatsknete angewiesenenen Bürger; und die Mieter, die stabile Wohnverhältnisse mit angemessenen Mieterhöhungen erhalten sollen.

Tja, warum setzt das keiner um?
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Realist2014 » Di 2. Okt 2018, 13:33

Kölner1302 hat geschrieben:(28 Sep 2018, 21:37)


: Der Anleger, der tatsächlich seriöse Renditen sehen sollte; der Staatshaushalt könnte geschont werden und damit alle auf Staatsknete angewiesenenen Bürger; und die Mieter, die stabile Wohnverhältnisse mit angemessenen Mieterhöhungen erhalten sollen.



WIE soll das gehen bei NEUBAUTEN?

Bei den bestehenden Grundstückspreisen und Baukosten aufgrund der Bauvorschriften?

Wenn der Erstellungs- Preis pro qm 4000 Euro beträgt- welche (Kalt-)Miete wäre denn dann "angemessen" deiner Meinung nach?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Kölner1302 » Di 2. Okt 2018, 22:09

Realist2014 hat geschrieben:(02 Oct 2018, 14:33)

WIE soll das gehen bei NEUBAUTEN?

Bei den bestehenden Grundstückspreisen und Baukosten aufgrund der Bauvorschriften?

Wenn der Erstellungs- Preis pro qm 4000 Euro beträgt- welche (Kalt-)Miete wäre denn dann "angemessen" deiner Meinung nach?


Falsche Frage.
Richtiger: Bei welchem Herstellungspreis wäre die Miete noch für Otto Normalo angemessen, käme ein Rentner nicht in Not und es wäre für den Investor eine Rendite von sagen wir mal 1 - 2 % möglich ?

Ich gehe davon aus, dass so ein Durchnitts - Single Haushalt in der Regel nicht mehr als 3.000 € brutto, d.h. nicht mehr als 2.000 € mtl. netto verdient.
Für eine Familie mit 2 Kindern sollte es zum Leben ausreichen, wenn noch ein halbes Einkommen hinzukommt, also 3.000 € netto.

Die Warmmiete soll nicht höher sein als 1/3 des zur Verfügung stehenden Einkommens. Bei dem Durchschnitts-Single sind das knapp 700 € mtl. für 60 qm und für die Normalo-Familie 1050 € mtl bei 90 qm. Dies wäre eine Warmmiete von 11,50 € mtl. Hiervon abzuziehen sind die durchschnittlichen Nebenkosten von 2,5 € /Qm. Also 9 € Kaltmiete / Qm halte ich für gerade noch so verträglich.

Excurs: Ein Durchschnittsrentner nun wieder hat im Durchschnitt vielleicht 1.500 € netto. Mit 1/3 davon kann er gerade noch 500 € Warmmiete stemmen. Also keine 40 qm. Aber er hat ja als Otto Normalo mit Durchschnittseinkommen von 2.000 € netto, 700 € Warmmiete mit einem kleinen Auto und einmal Urlaub im Jahr ja sicher ein größeres Vermögen aufbauen können - wenn er regelmäßig 300 € mtl zurücklegt sind das in 10 Jahren 36.000 €. Nach 30 Jahren ist die Hochhauswohnung am Stadtrand doch fast bezahlt!

Setzen wir mal das Renditeziel des Investors auf 2 %.
Wie hoch darf der Herstellungspreispreis maximal sein, um unter den gegebenen Bedingungen zu 2% Rendite zu kommen?
Bei der 60 Qm - Wohnung werden 540 € Kaltmiete gezahlt. Davon müssen Kosten gezahlt werden - keine Ahnung wie viel. Sollten nach Abzug der Kosten 500 € mtl. d.h. 6.000 € jährlich übrig bleiben, dann müsste dies der Rendite von 2 % der Investition entsprechen. Dann darf die 60 Qm Wohnung nicht mehr 50 X 6000 €, d.h. nicht mehr als 300.000 € kosten, also 5.000 €/Qm .

Müsste doch machbar sein - oder hab ich mich verrechnet?
Allerdings wird der Durchschnittsrentner dann mehr als 1/3 seines Einkommens, eher 1/2 seines Einkommens für die Miete ausgeben müssen. Ihm bleiben dann noch 700 € mtl. zum leben. Ohne Auto geht s.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Mendoza » Mi 3. Okt 2018, 00:15

Also bei einer Investitionssumme von 300 Tsd. EUR soll man bei jetzt 2% Inflation sich mit 2% Rendite (=0 Realgewinn) zufrieden sein? Das macht doch kein vernünftiger Mensch.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Realist2014 » Mi 3. Okt 2018, 06:14

Kölner1302 hat geschrieben:(02 Oct 2018, 23:09)

Falsche Frage.
Richtiger: Bei welchem Herstellungspreis wäre die Miete noch für Otto Normalo angemessen, käme ein Rentner nicht in Not und es wäre für den Investor eine Rendite von sagen wir mal 1 - 2 % möglich ?

I t s.



realitätsferner Ansatz

bei 2% Inflation wird das schon ein Minusgeschäft- die mit derartigen Investitionen verbundenen Risiken kommen noch dazu.

macht niemand

also nochmal von Vorne
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon immernoch_ratlos » Mi 3. Okt 2018, 11:16

Was die Wohnsituation in D angeht, stehen alle vor "vollendeten Tatsachen". Etwas was sich im Nachhinein nur sehr schwer oder teilweise nicht mehr ändern lässt. Wer in den 70ern oder auch noch später seine Situation mal ohne rosarote Brille betrachtet hat und dem "Nachrechnen" nicht völlig fremd war, konnte an Hand der damaligen Mieten und der "voraussichtlichen Lebensdauer" errechnen welche Summen da für eine Mietwohnung abfließen würden.

Schon damals war es nicht leicht - in vielen Bezirken unmöglich - mit einem "normalen Einkommen" (Handwerker - Industriearbeiter - öffentlicher Bediensteter usw.) mit Aussicht auf Erfolg dort Eigentum (Haus - Eigentumswohnung) zu erwerben. Dennoch, wer da die notwendigen "Abstriche" zu machen bereit war und mit den "Außenbezirken" zufrieden war, hatte eine reale Chance statt Miete einen jahrzehntelange Tilgung plus Zinsen, zu wählen. Bei Handwerkern (und solchen die sich entsprechende Kenntnisse aneigneten) war "Eigenleistung" Teil der Finanzierung.

Da mussten sehr viele andere finanzielle "Verpflichtungen" eben unterbleiben. Oft bespöttelt von denen, welche heute ihr "Schicksal" bejammern und als Mieter sich nun benachteiligt sehen. Warum ist D so "unterrepräsentiert" wenn es um selbst bewohntes Eigentum geht ? Ist da der Staat Hauptschuldiger oder eben die individuelle Entscheidung sein Einkommen "anderweitig" auszugeben ? Diese Entscheidung wirkt sich nun selbstverständlich auf die Kinder aus. Kein - wenn auch bescheidenes Erbe - in Aussicht, stattdessen die Idee "der Staat" möge das richten als Erbe übernommen.

Ganz offensichtlich will auch der "sog. Lebensabend" langfristig geplant sein. "Auf dem Land wohnen" meint ja nicht nach Sibirien umziehen. Wer das rechtzeitig angeht, kann durchaus auch dort die notwendigen sozialen Verbindungen knüpfen. Nur eben so "vor sich hin leben" und hoffen "irgendwie wird schon alles gut", scheint nicht ganz das gelbe vom Ei.

Überhaupt "auf dem Land" - die Entfernung und die Chance dort in vertretbarer Miete zu leben - wandelt sich selbstverständlich im Umkreis von Großstädten ständig. Auch hier ist verlorene Zeit teuer.

Man konnte es durchaus schaffen, wenn man es wenigsten wollte. Nun ich habe für die notwendige Kohle auch mehrere Jahre im Ausland gearbeitet - was nicht immer nur die reine Freude war. Andere haben freizügig und kostenintensiv fremde Länder im "Urlaub" bereist. Jeder hat seine Entscheidungen doch selbst getroffen - die Zukunft zu gestalten - war bei sehr vielen eben nicht dabei. Auch nicht sich - was in D durchaus möglich war, sich Genossenschaften anzuschließen, um so die Last entsprechend zu verteilen. Mein "Vertrauen" in den Staat, das der brav meine Wünsche erfüllt, tendierte schon immer gegen Null.

Inzwischen meinen dreiviertel der Deutschen, man müsste unbedingt in den Städten leben - ein Großteil der Staatsausgaben versickert dort - wer, wenn nicht diese bis zu 75 % der Einwohner, ist also selbst an seinem Schicksal beteiligt ? Die Idee nun in Innenstädten "preisgünstigen" Mietwohnraum zu beanspruchen ist solange befremdlich, wie sie nicht an z.B. die Arbeitgeber in eben diesen Städten gestellt werden. Wer "Werkzeug" benötigt muss es im allgemeinen selbst finanzieren. Hier kann ja die Kommune (wenn sie nicht total am Ende ist) selbst für "Linderung" sorgen.

Wer Immobilien erwirbt um sie zu vermieten, wird dabei von wirtschaftlichen Interessen geleitet. Schlicht ein Markt wie jeder andere.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Kölner1302 » Mi 3. Okt 2018, 12:14

Realist2014 hat geschrieben:(03 Oct 2018, 07:14)

realitätsferner Ansatz

bei 2% Inflation wird das schon ein Minusgeschäft- die mit derartigen Investitionen verbundenen Risiken kommen noch dazu.

macht niemand

also nochmal von Vorne


So, und nun gründen sich gemeinnützige Gesellschaften wie z.B. von mir oben beschrieben um das Ziel zu erreichen.
Sie zahlen weniger Steuern, die Anleger erhalten Steuerzuschüsse, den gemeinnützigen Gesellschaften werden Bauflächen besonders günstig angeboten...
Und dann rechnet man noch mal neu...
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Realist2014 » Mi 3. Okt 2018, 15:08

Kölner1302 hat geschrieben:(03 Oct 2018, 13:14)

So, und nun gründen sich gemeinnützige Gesellschaften wie z.B. von mir oben beschrieben um das Ziel zu erreichen.
Sie zahlen weniger Steuern, die Anleger erhalten Steuerzuschüsse, den gemeinnützigen Gesellschaften werden Bauflächen besonders günstig angeboten...
Und dann rechnet man noch mal neu...


also wieder Steuersubventionen...

nur das mit den "günstigen" Bauflächen kannst du vergessen
da spielen die Kommunen nicht mit- die wollen das Maximale für IHREN Haushalt.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Ein Terraner » Mi 3. Okt 2018, 15:37

Mendoza hat geschrieben:(03 Oct 2018, 01:15)

Also bei einer Investitionssumme von 300 Tsd. EUR soll man bei jetzt 2% Inflation sich mit 2% Rendite (=0 Realgewinn) zufrieden sein? Das macht doch kein vernünftiger Mensch.

Du meinst der Antrieb sich ein Haus zu bauen ist monitärer Gewinn und nicht die Aussicht auf einen Platz zum wohnen?
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Teeernte » Mi 3. Okt 2018, 16:02

immernoch_ratlos hat geschrieben:(03 Oct 2018, 12:16)

Was die Wohnsituation in D angeht, stehen alle vor "vollendeten Tatsachen". .... wirktrkt wie jeder andere.


Mehr als zwei Millionen Haushalte, so schätzen die Experten, unterhalten in Deutschland dauerhaft mehr als einen Wohnsitz.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Realist2014 » Mi 3. Okt 2018, 16:45

Ein Terraner hat geschrieben:(03 Oct 2018, 16:37)

Du meinst der Antrieb sich ein Haus zu bauen ist monitärer Gewinn und nicht die Aussicht auf einen Platz zum wohnen?



es ging um Immobilien zum vermieten..
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon roadrunner » Mi 3. Okt 2018, 16:55

Realist2014 hat geschrieben:(03 Oct 2018, 07:14)

realitätsferner Ansatz

bei 2% Inflation wird das schon ein Minusgeschäft- die mit derartigen Investitionen verbundenen Risiken kommen noch dazu.

macht niemand

also nochmal von Vorne


Zuerst muss der Begriff Rendite genauer definiert werden. Handelt es sich um die Bruttorendite, sind also alle Kosten in die Gewinnberechnung eingeflossen oder sprechen wir von Nettorendite, also dem reinen Gewinn aus dem eingesetzten Kapital?

Beispiel:
Erstellungskosten pro qm bezugsfertige Wohnfläche 1,5 geschossig 3.000 EUR, zu bauen 4 Wohnungen a´100 qm = 400 qm * 3000 = 1,2 Millionen Investition,
benötigte Grundstücksfläche 500 qm, 80 EUR pro qm = 40.000 EUR Grundstückskosten.
Gesamt. Invest = 1,24 Millionen EUR.
Finanzierungskosten mittelfristig 5% = 62.000 EUR pro Jahr
AfA = 2% linear = 24.000 EUR pro Jahr (Grundstücke unterliegen nicht der AfA, da kein Werteverzehr)
Aufwendungen für Inspektion, Wartung und Instandhaltung 12.000 EUR pro Jahr.
Gesamtkosten pro Jahr = 98.000 EUR pro Jahr.

Mieteinnahmen nach Mietspiegel 5,74 EUR pro qm * 100 qm = 574 EUR * 4 = 2.296 EUR ---> Nettorendite = 2296*12/12.400= 2,22%
Bruttorendite = 2.296*12 = 27.552 EUR, Gesamtkosten pro Jahr = 98.000 EUR, die Bruttorendite ist also negativ.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Mendoza » Mi 3. Okt 2018, 21:32

Realist2014 hat geschrieben:(03 Oct 2018, 17:45)

es ging um Immobilien zum vermieten..


Eben. Für sich selber zu bauen ist 'ne ganz andere Geschichte. Da geht es neben der Kohle, die man natürlich auch braucht, um Gewinn an Lebensqualität.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Kölner1302 » Do 4. Okt 2018, 12:27

Realist2014 hat geschrieben:(03 Oct 2018, 16:08)

also wieder Steuersubventionen...

nur das mit den "günstigen" Bauflächen kannst du vergessen
da spielen die Kommunen nicht mit- die wollen das Maximale für IHREN Haushalt.


SteuerSUBVENTIONEN ja, aber der Staat braucht nicht die gesamte Immobilie aus Steuergeldern zu bezahlen , sondern nur einen ganz kleinen Teil davon, um das ganze ins Laufen zu bekommen...
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Realist2014 » Do 4. Okt 2018, 15:31

Kölner1302 hat geschrieben:(04 Oct 2018, 13:27)

SteuerSUBVENTIONEN ja, aber der Staat braucht nicht die gesamte Immobilie aus Steuergeldern zu bezahlen , sondern nur einen ganz kleinen Teil davon, um das ganze ins Laufen zu bekommen...



das ganze gibt/gab es schon früher mit Mietbindung

Nur da war der Finanzierer auch der Eigentümer.

Bei deiner Konstruktion ist die Frage einfach die tatsächliche Rendite

5% Zielrendite sollten es schon sein
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