Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

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Maltrino
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Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Maltrino » Di 22. Aug 2017, 04:00

Und wenn nicht, dann hieße das ja, dass für das Jobcenter (und damit meine ich auch das ganze System was da dran hängt mit Maßnahmen etc) auch Leute arbeiten die sonst in der freien Wirtschaft etwas erwirtschaften würden. Und da jetzt die eigentliche Frage: Wenn nicht nur Leute für das Jobcenter arbeiten, die sonst arbeitslos wären, sondern auch Leute die sonst in der freien Wirtschaft problemlos einen Job finden würden, hat dann jemand je nachgerechnet oder sonstwie untersucht ob dieser gesamtwirtschaftliche Verlust wieder ausgeglichen wird? Wenn wir zum Beispiel sagen, dass in Deutschland 1000 Leute für das Jobcenter (oder Maßnahmenbetreiber) arbeiten, die in der freien Wirtschaft fehlen, werden dann soviel Leute "in Arbeit" gebracht, dass das, was sonst diese 1000 Leute in der freien Wirtschaft erwirtschaftet hätten, trotzdem erwirtschaftet wird?

Oder ganz einfach anders gefragt:

Führt dieses ganze Sozialsystem was wir heute haben dazu, dass insgesamt mehr Güter produziert werden als ohne? Oder führt es vielleicht sogar dazu, dass insgesamt weniger Güter produziert werden, da wir ja Ressourcen abstellen müssen um die Arbeitslosen "anzutreiben", also "in Arbeit" zu bringen? Und ich rede hier nicht von der Arbeitslosenstatistik, die ja auch sinkt wenn das Jobcenter Leute in den Park schickt die dort Bierflaschen aufsammeln und danach sie wieder in den Park schmeißen. Ich rede davon, dass wirklich etwas wertvolles geschaffen wird.

Rechtfertigt der Ressourcenverbrauch das Ergebnis? Wenn ein Mensch für das Jobcenter arbeitet der sonst hochwertige Schuhe herstellen und verkaufen würde, können wir dann sicher sein, dass dieser Mensch soviel Leute "in Arbeit" bringt, dass etwas geschaffen wird, das soviel wert ist wie diese Schuhe?
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Wähler » Di 22. Aug 2017, 06:31

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 05:00)
Führt dieses ganze Sozialsystem was wir heute haben dazu, dass insgesamt mehr Güter produziert werden als ohne? Oder führt es vielleicht sogar dazu, dass insgesamt weniger Güter produziert werden, da wir ja Ressourcen abstellen müssen um die Arbeitslosen "anzutreiben", also "in Arbeit" zu bringen? Und ich rede hier nicht von der Arbeitslosenstatistik, die ja auch sinkt wenn das Jobcenter Leute in den Park schickt die dort Bierflaschen aufsammeln und danach sie wieder in den Park schmeißen. Ich rede davon, dass wirklich etwas wertvolles geschaffen wird.

Du redest von der Effizienz und Effektivität eines Sozialsystems. Die Arbeitslosenstatistik zeigt aber ganz klar, dass langzeitarbeitslose Menschen, ohne dass sich jemand um sie kümmert, nicht aktiver werden. Es ist also eher ein soziales Problem der Interaktion zwischen Individuum und Gesellschaft. Da greift die wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung allein zu kurz. Persönlich ist mir auch der ethische Aspekt wichtig:
Wähler hat geschrieben:Re: Die Sozialkosten explodieren – und niemand handelt(09 Jul 2017, 13:30)
Über ein Viertel der Langzeitarbeitslosen sind über 55 Jahre alt. Vielleicht wäre einer begrenzten Zahl von denen mehr mit gemeinnütziger Tätigkeit auf einer Basis von 250 Euro netto zusätzlich pro Monat geholfen. Das kostet natürlich zusätzlich Geld, was durch Einsparungen innerhalb des Sozialetats - Ehegattensplitting und Mehrfachrenten infolge Todes des Ehegatten - zusammenkommen könnte. Der christliche Sozialstaat sollte sich mehr auf die wirklich Bedürftigen konzentrieren, besonders wenn diese nicht ganz gesund sind:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/l ... .2778151#2
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Maltrino » Di 22. Aug 2017, 14:49

Wähler hat geschrieben:(22 Aug 2017, 07:31)

Du redest von der Effizienz und Effektivität eines Sozialsystems. Die Arbeitslosenstatistik zeigt aber ganz klar, dass langzeitarbeitslose Menschen, ohne dass sich jemand um sie kümmert, nicht aktiver werden. Es ist also eher ein soziales Problem der Interaktion zwischen Individuum und Gesellschaft. Da greift die wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung allein zu kurz. Persönlich ist mir auch der ethische Aspekt wichtig:


Das heutige System ist aber glaube ich nicht nur wegen "ethischen" Aspekten so gemacht wurden. Ok, Die Arbeitslosenstatistik zeigt, dass Langzeitarbeitslose besser aus der Arbeitslosenstatistik fallen wenn sich jemand "um sie kümmert", sprich, wenn Ressourcen eingesetzt werden um sie zu "aktivieren".

Aber die gesamtwirtschaftliche Betrachtung interessiert mich nun. Es wurden Ressourcen eingesetzt um sie zu aktivieren. Diese Ressourcen fehlen an anderer Stelle. Schaffen diese ehemaligen Langzeitarbeitslose jetzt so viel Werte, dass es diesen Ressourceneinsatz rechtfertigt?

Oder ist es viel eher so: Stellen wir uns mal vor der Staat besteht aus zehn Leuten. 2 gammeln herum, 8 erwirtschaften 80 Kilo Waren am Tag. Nun wird einer dieser 8 vom Jobcenter angeworben um seine reguläre Arbeit aufzugeben und die zwei Gammler zu "aktivieren". Nun sind nur noch 7 Menschen da, die insgesamt 70 Kilo Waren herstellen. Also weniger als vorher. Diese Rechnung geht doch nur auf wenn es der Jobcenter-Mensch, der seinen regulären Job aufgegeben hat, es schafft die zwei "Gammler" so zu motivieren, dass sie insgesamt mindestens 10 Kilo Waren produzieren. Passiert das? Oder ist es viel eher so, dass die zwei Gammler danach zwar aus der Arbeitslosenstatistik raus sind, weil sie einen "Job" oder eine Maßnahme haben wo sie dafür bezahlt werden, dass sie den arbeitenden Leuten auf die Schulter klopfen, aber wo keine zusätzlichen Werte entstehen? Ist es vielleicht sogar so, dass wir Ressourcen einsetzen um "weniger Arbeitslose" zu haben, auf Kosten unseres Wohlstandes? Und ist es das wert?
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Skull » Di 22. Aug 2017, 16:27

Zwei Beiträge in die Ablage verschoben.
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Wähler » Di 22. Aug 2017, 17:45

Wähler hat geschrieben:(22 Aug 2017, 07:31)
Du redest von der Effizienz und Effektivität eines Sozialsystems. Die Arbeitslosenstatistik zeigt aber ganz klar, dass langzeitarbeitslose Menschen, ohne dass sich jemand um sie kümmert, nicht aktiver werden. Es ist also eher ein soziales Problem der Interaktion zwischen Individuum und Gesellschaft. Da greift die wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung allein zu kurz. Persönlich ist mir auch der ethische Aspekt wichtig:

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 15:49)
Das heutige System ist aber glaube ich nicht nur wegen "ethischen" Aspekten so gemacht wurden. Ok, Die Arbeitslosenstatistik zeigt, dass Langzeitarbeitslose besser aus der Arbeitslosenstatistik fallen wenn sich jemand "um sie kümmert", sprich, wenn Ressourcen eingesetzt werden um sie zu "aktivieren".
Aber die gesamtwirtschaftliche Betrachtung interessiert mich nun. Es wurden Ressourcen eingesetzt um sie zu aktivieren. Diese Ressourcen fehlen an anderer Stelle. Schaffen diese ehemaligen Langzeitarbeitslose jetzt so viel Werte, dass es diesen Ressourceneinsatz rechtfertigt?
Ist es vielleicht sogar so, dass wir Ressourcen einsetzen um "weniger Arbeitslose" zu haben, auf Kosten unseres Wohlstandes? Und ist es das wert?

In Deutschland ist das Sozialstaatsgebot in der Verfassung verankert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstaatsprinzip
Deine Frage nach dem Wert ist voll und ganz mit ja zu beantworten. ;)
Das Gleichgewicht aus materieller und sozialer Anerkenung muss stimmen und es darf auch Geld kosten, weil es sich um individuelle Menschen handelt. Deswegen glaube ich auch nicht, dass das bedingungslose Grundeinkommen ein Fortschritt sein wird. Menschen wollen nicht außerhalb ihrer Angehörigen von anderen Menschen abhängig sein und sie wollen sich gebraucht fühlen.
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Maltrino » Di 22. Aug 2017, 19:32

Skull hat geschrieben:(22 Aug 2017, 17:27)

Zwei Beiträge in die Ablage verschoben.


Danke
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Maltrino » Di 22. Aug 2017, 19:37

Wähler hat geschrieben:(22 Aug 2017, 18:45)

In Deutschland ist das Sozialstaatsgebot in der Verfassung verankert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstaatsprinzip
Deine Frage nach dem Wert ist voll und ganz mit ja zu beantworten. ;)
Das Gleichgewicht aus materieller und sozialer Anerkenung muss stimmen und es darf auch Geld kosten, weil es sich um individuelle Menschen handelt. Deswegen glaube ich auch nicht, dass das bedingungslose Grundeinkommen ein Fortschritt sein wird. Menschen wollen nicht außerhalb ihrer Angehörigen von anderen Menschen abhängig sein und sie wollen sich gebraucht fühlen.


Das heißt, selbst wenn bewiesen werden kann, dass ein BGE, oder ein Helikoptergeld, oder meinetwegen auch negative Einkommenssteuer, dazu führt, dass mehr Produkte produziert werden, und die Leute satter werden und länger leben als früher, dann wird man es nicht machen? Arbeitsplätze sind (laut Verfassung?) wichtiger als Wohlstand? Das hätte man mir vor 30 Jahren mal sagen sollen, dann wäre ich schon damals ausgewandert... Sorry für den zynischen Unterton, aber das find ich schon heftig. Aber erklärt natürlich einiges.
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Realist2014 » Di 22. Aug 2017, 19:38

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 15:49)



Aber die gesamtwirtschaftliche Betrachtung interessiert mich nun. Es wurden Ressourcen eingesetzt um sie zu aktivieren. Diese Ressourcen fehlen an anderer Stelle. S?



Nein, da "fehlen" keine Ressourcen an anderer Stelle...

diese deine "These" hat mit der Realität nichts zu tun...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Realist2014 » Di 22. Aug 2017, 19:40

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 20:37)

Das heißt, selbst wenn bewiesen werden kann, dass ein BGE, oder ein Helikoptergeld, oder meinetwegen auch negative Einkommenssteuer, dazu führt, dass mehr Produkte produziert werden, und die Leute satter werden und länger leben als früher, dann wird man es nicht machen? s.


Unsinn kann man nicht "beweisen"....

Egal was da noch angeführt wird, jeder "Argumentation" , den Leistungsträgern mehr "abzuknöpfen" , ist sinnfrei

wird es nicht geben
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Maltrino » Di 22. Aug 2017, 19:49

Realist2014 hat geschrieben:(22 Aug 2017, 20:38)

Nein, da "fehlen" keine Ressourcen an anderer Stelle...

diese deine "These" hat mit der Realität nichts zu tun...


Ja wie sieht die Realität denn deiner Meinung nach aus? So wie ich im Titel geschrieben hab, dass nur Leute für "das System" arbeiten, die sonst arbeitslos wären? Das heißt, das Jobcenter ist eine Einrichtung wo arbeitslose Menschen dafür bezahlt werden, dass sie arbeitslose Menschen antreiben? Wie kann es sonst sein, dass "Ressourcen" reingesteckt werden, ohne dass diese an anderer Stelle fehlen?
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Realist2014 » Di 22. Aug 2017, 19:53

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 20:49)

Ja wie sieht die Realität denn deiner Meinung nach aus? So wie ich im Titel geschrieben hab, dass nur Leute für "das System" arbeiten, die sonst arbeitslos wären? Das heißt, das Jobcenter ist eine Einrichtung wo arbeitslose Menschen dafür bezahlt werden, dass sie arbeitslose Menschen antreiben? Wie kann es sonst sein, dass "Ressourcen" reingesteckt werden, ohne dass diese an anderer Stelle fehlen?


Nein, diese deine These ist falsch...

weil in deinem "Szenario" der "Pool der Arbeitslosen" fehlt...

es aber eben nicht bedeutet, dass nur vorherige Arbeitslose beim Jobcenter arbeiten...
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon jack000 » Di 22. Aug 2017, 20:20

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 20:49)

Ja wie sieht die Realität denn deiner Meinung nach aus? So wie ich im Titel geschrieben hab, dass nur Leute für "das System" arbeiten, die sonst arbeitslos wären? Das heißt, das Jobcenter ist eine Einrichtung wo arbeitslose Menschen dafür bezahlt werden, dass sie arbeitslose Menschen antreiben? Wie kann es sonst sein, dass "Ressourcen" reingesteckt werden, ohne dass diese an anderer Stelle fehlen?

Werden die denn dafür bezahlt "arbeitslose Menschen anzutreiben"? Es geht doch eher um eine Gesamtbetreuung und da spielen vor allem Dinge eine Rolle, wie:
- Die Bearbeitung des Antrags an sich
- Die Berechnung der Höhe der Unterstützung
- Ausloten von Fortbildungsmöglichkeiten
- Beratung für Bewerbungsgespräche
- Prüfung von Bewerbungsunterlagen
- Fahrkostenunterstützung
- Ersetzung von Bewerbungskosten (z.B. Fahrten, Unterlagen)
- etc...

Ebenso gibt es bei den Arbeitsagenturen Festangestellte und Beamte aber es gibt auch temporär Beschäftigte bei hoher Arbeitslosigkeit und die sitzen dann ggf. auf der anderen Seite des Tisches, finden aber häufig einen Job anderswo dann.
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

"allzu häufig paart sich im Gemüte, Dämlichkeit mit Herzensgüte" (Wilhelm Busch)
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Maltrino » Mi 23. Aug 2017, 02:48

Realist2014 hat geschrieben:(22 Aug 2017, 20:53)

Nein, diese deine These ist falsch...

weil in deinem "Szenario" der "Pool der Arbeitslosen" fehlt...

es aber eben nicht bedeutet, dass nur vorherige Arbeitslose beim Jobcenter arbeiten...


Sondern? Dass Leute beim Jobcenter arbeiten, die sonst richtige Arbeit machen würden? Wir drehen uns im Kreis.
Und was ist der "Pool der Arbeitslosen"? Klingt ein wenig nach spätrömischer Dekadenz ;)
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Maltrino » Mi 23. Aug 2017, 02:59

jack000 hat geschrieben:(22 Aug 2017, 21:20)

Werden die denn dafür bezahlt "arbeitslose Menschen anzutreiben"? Es geht doch eher um eine Gesamtbetreuung und da spielen vor allem Dinge eine Rolle, wie:
- Die Bearbeitung des Antrags an sich
- Die Berechnung der Höhe der Unterstützung
- Ausloten von Fortbildungsmöglichkeiten
- Beratung für Bewerbungsgespräche
- Prüfung von Bewerbungsunterlagen
- Fahrkostenunterstützung
- Ersetzung von Bewerbungskosten (z.B. Fahrten, Unterlagen)
- etc...

Ebenso gibt es bei den Arbeitsagenturen Festangestellte und Beamte aber es gibt auch temporär Beschäftigte bei hoher Arbeitslosigkeit und die sitzen dann ggf. auf der anderen Seite des Tisches, finden aber häufig einen Job anderswo dann.


"Gesamtbetreuung", was ist das für ein lascher Ausdruck. Jeder beim Jobcenter ist dafür da um die Leute "in Arbeit" zu bringen, genauso wie ein Gefängniswärter dafür da ist die Leute zu bewachen, auch wenn du sagen kannst, dass Gefängniswärter heutzutage eine "vielfältige Gesamtbetreuung" leisten müssen.

Wenn zum Beispiel ein Angestellter beim Jobcenter die "Bearbeitung des Antrages" macht, wer wird davon satt? Wird dadurch mehr Getreide produziert wenn er das macht? Werden dadurch mehr Güter produziert? Entsteht durch diese Tätigkeit mehr "Wohlstand"? Oder geht es, wie hier schon jemand gesagt hat, um "soziales", um einen Wert der da heißt "Arbeitsplatz schaffen"?

Drastischeres Beispiel: Wir schaffen eine neue Jobcenter Superbehörde und stellen 10 Millionen Angestellte ein, die dann mit aller Kraft "Gesamtbetreuung des Pool der Arbeitslosen" leisten sollen, damit wir mit aller Kraft Vollbeschäftigung schaffen. Diese 10 Millionen Leute fehlen nun mit einem Schlag in den Betrieben wo sie vorher gearbeitet haben. Ich würde spontan sagen: Durch diese Maßnahme geht die Produktion in Deutschland zurück. Es werden weniger Güter und Dienstleistungen produziert. Wenn nun diese 10 Millionen Leute stattdessen aber "Gesamtbetreuung" machen, werden dann Werte produziert, die diesen Verlust ausgleichen?

Sorry, eigentlich wurde die deprimierende Antwort hier ja schon geliefert. Die Antwort heißt offenbar nein. Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist offenbar (laut Grundgesetz?) ein Wert an sich und die vernichtung von Wohlstand zur Umsetzung dieses Wertes wird in Kauf genommen. Ich wollte es nur nochmal verdeutlichen.
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon unity in diversity » Mi 23. Aug 2017, 03:40

Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, kurz und bündig Änderungsvorschläge einzubringen.
In etwa:
1.
2.
3.
usw.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
(Aus den USA)
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Olympus » Mi 23. Aug 2017, 04:55

Maltrino hat geschrieben:(23 Aug 2017, 03:59)

"Gesamtbetreuung", was ist das für ein lascher Ausdruck. Jeder beim Jobcenter ist dafür da um die Leute "in Arbeit" zu bringen, genauso wie ein Gefängniswärter dafür da ist die Leute zu bewachen, auch wenn du sagen kannst, dass Gefängniswärter heutzutage eine "vielfältige Gesamtbetreuung" leisten müssen.

Wenn zum Beispiel ein Angestellter beim Jobcenter die "Bearbeitung des Antrages" macht, wer wird davon satt? Wird dadurch mehr Getreide produziert wenn er das macht? Werden dadurch mehr Güter produziert? Entsteht durch diese Tätigkeit mehr "Wohlstand"? Oder geht es, wie hier schon jemand gesagt hat, um "soziales", um einen Wert der da heißt "Arbeitsplatz schaffen"?

Drastischeres Beispiel: Wir schaffen eine neue Jobcenter Superbehörde und stellen 10 Millionen Angestellte ein, die dann mit aller Kraft "Gesamtbetreuung des Pool der Arbeitslosen" leisten sollen, damit wir mit aller Kraft Vollbeschäftigung schaffen. Diese 10 Millionen Leute fehlen nun mit einem Schlag in den Betrieben wo sie vorher gearbeitet haben. Ich würde spontan sagen: Durch diese Maßnahme geht die Produktion in Deutschland zurück. Es werden weniger Güter und Dienstleistungen produziert. Wenn nun diese 10 Millionen Leute stattdessen aber "Gesamtbetreuung" machen, werden dann Werte produziert, die diesen Verlust ausgleichen?

Sorry, eigentlich wurde die deprimierende Antwort hier ja schon geliefert. Die Antwort heißt offenbar nein. Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist offenbar (laut Grundgesetz?) ein Wert an sich und die vernichtung von Wohlstand zur Umsetzung dieses Wertes wird in Kauf genommen. Ich wollte es nur nochmal verdeutlichen.

10 Millionen Jobcenter Angestellte und man hätte keine Arbeitslosen mehr.

:?

Aber dann bräuchte man das Jobcenter nicht mehr, was bedeutet die Zahl der Arbeitslosen auf einen Schlag auf 10 Millionen zu erhöhen. :dead:
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Wähler » Mi 23. Aug 2017, 06:34

Wähler hat geschrieben:(22 Aug 2017, 18:45)
In Deutschland ist das Sozialstaatsgebot in der Verfassung verankert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstaatsprinzip
Deine Frage nach dem Wert ist voll und ganz mit ja zu beantworten. ;)
Das Gleichgewicht aus materieller und sozialer Anerkenung muss stimmen und es darf auch Geld kosten, weil es sich um individuelle Menschen handelt. Deswegen glaube ich auch nicht, dass das bedingungslose Grundeinkommen ein Fortschritt sein wird. Menschen wollen nicht außerhalb ihrer Angehörigen von anderen Menschen abhängig sein und sie wollen sich gebraucht fühlen.

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 20:37)
Das heißt, selbst wenn bewiesen werden kann, dass ein BGE, oder ein Helikoptergeld, oder meinetwegen auch negative Einkommenssteuer, dazu führt, dass mehr Produkte produziert werden, und die Leute satter werden und länger leben als früher, dann wird man es nicht machen? Arbeitsplätze sind (laut Verfassung?) wichtiger als Wohlstand? Das hätte man mir vor 30 Jahren mal sagen sollen, dann wäre ich schon damals ausgewandert... Sorry für den zynischen Unterton, aber das find ich schon heftig. Aber erklärt natürlich einiges.

Dann beweise Deine Behauptung mit dem BGE oder Helikoptergeld bitte auch. Ändert meiner Meinung aber nichts daran, dass man sich um hilfebedürftíge Menschen auch administrativ kümmern muss, ob nun durch die Arbeitslosenagentur, oder den "Service für Menschen mit Behinderung", die dann jeden eben mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit versorgen. Ein Recht auf Arbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit ermöglicht eben zusätzlich soziale Teilhabe und bringt dem Menschen seit den spätantiken Ordensgründern Sinnerfüllung und Anerkennung. Das ist wahrscheinlich für indivudalistische FDP-Wähler schwer nachzuvollziehen. ;)
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon jorikke » Mi 23. Aug 2017, 11:10

Der Grundgedanke von Maltrino ist doch Unterstützungskräfte dort einzusparen, wo die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt werden kann.
Den Gedanken mal weitergedacht, bedeutet es auch, stellt man die ärztliche Betreuung aller Rentner und Alten ein, betreut dafür die Jüngeren besser, kommt effektiv ein monetäres Plus heraus.
An diesem Beispiel kann aber selbst der Blödeste erkennen, wie unsinnig in vielen Fällen eine reine Kosten/Nutzen Rechnung ist.
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon BlueMonday » Mi 23. Aug 2017, 11:14

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2017, 05:00)


Rechtfertigt der Ressourcenverbrauch das Ergebnis? Wenn ein Mensch für das Jobcenter arbeitet der sonst hochwertige Schuhe herstellen und verkaufen würde, können wir dann sicher sein, dass dieser Mensch soviel Leute "in Arbeit" bringt, dass etwas geschaffen wird, das soviel wert ist wie diese Schuhe?


Das spricht ein Grundproblem an: wie misst man Wohlfahrt einer ganzen Gesellschaft? Im Grunde ist das nicht zu haben, weil interpersonelle Vergleiche von Wert bzw Nutzen unmöglich sind. Werte sind letztlich Stellenwerte, sind Ränge, haben keine messbare Ausdehnung, sondern nur eine (individuell gewählte) Position in Bezug zu anderen Werträngen. "A ist mir mehr wert als B ... ich ziehe A deshalb B vor". Das ist die ökonomische Basis. Deshalb will man B gegen A austauschen.
Man kann also nicht den Gesamtnutzen einer politischen Intervention objektivieren, indem man Nutzen(utility) und Schaden(disutility) irgendwie gegeneinander aufrechnet. Maximal könnte man sich am sog. "Pareto-Optimum" probieren, also ein Zustand, bei dem man nichts mehr verbessern kann, indem man jemanden schlechter stellen müsste. Anders gesagt: eine Intervention wäre nur gerechtfertigt ohne Schlechterstellung auch nur eines Betroffenen.
Letztlich liefe das auf Freiwilligkeit hinaus, also genau das, was der politische Eingriff nicht ist.

Das Stichwort "ethisch" ist ja schon gefallen. Die Frage ist dann, wie es ethisch überhaupt zu begründen ist, gewaltsam, gegen die einzelnen Willen Mittel umzuverteilen, umzulenken, umzusteuern. Ohne diese politischen Eingriffe erfolgt der freiwillige Austausch, der die indivuellen Präferenzen ja demonstriert.
Und diese Freiwilligkeit, diese individuellen Präferenzen grundsätzlich zu respektieren, solange sie sich ergänzen, ineinander und gegenseitig fügen, sich nicht zu sehr ins Gehege kommen, wäre doch die Basis jeder ethisch zu nennenden Betrachtung.

Diese Präfenzen überstimmt der politische Eingriff - eine buchstäbliche Anmaßung: eure Präferenzen sind minderwertig, falsch etc. meine Präferenzen über die Mittelverwendung sind vernünftiger, besser - in der "Gesamtbetrachtung". Was wieder zum Eingangsproblem führt, dass man gar keinen Gesamtnutzen objektivieren kann.
Es wird letztlich bei der bloßen Behauptung bleiben, die sich auf Befindlichkeiten gründet ... und der Macht sich durchzusetzen.

Das ist letztlich die Entwicklungslinie: das selbstlose Geschenk > der marktförmige Austausch > die politische Neuverteilung mit Strafandrohung bei Verweigerung > die nackte offene Gewalt(Krieg)

Nun kann man für sich selbst entscheiden, in welcher Richtung man Fortschritt und Zivilisierung erkennt...
But who would build the roads?
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Re: Arbeiten für das Jobcenter nur Leute die sonst arbeitslos wären?

Beitragvon Gruwe » Fr 25. Aug 2017, 23:57

Maltrino hat geschrieben:(23 Aug 2017, 03:48)

Sondern? Dass Leute beim Jobcenter arbeiten, die sonst richtige Arbeit machen würden? Wir drehen uns im Kreis.
Und was ist der "Pool der Arbeitslosen"? Klingt ein wenig nach spätrömischer Dekadenz ;)


Das ist schon wieder "Unsinn"! Was soll das sein "richtige" Arbeit? Und wenn es richtige Arbeit gibt, was ist dann "unrichtige" Arbeit?

Und wieso sollten die Mitarbeiter des Job-Center keine richtige Arbeit machen?

Was ist mit den Arbeitern bei VW am Band, bei den Leuten die die Straße fegen oder den Menschen beim Radio? Würden die da nicht arbeiten, wären die dann arbeitslos oder würden die dann "richtige/unrichtige" Arbeit machen?

Ja, du siehst, die Menge an Arbeitskräften ist begrenzt, weswegen es sinnvoll erscheint, die vorhandenen in die bestmögliche Verwendung zu bringen!

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