Das Deutschland-Stipendium

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Das Deutschland-Stipendium

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 26. Jul 2017, 21:41

Immer wieder fordern Menschen eine Steuerung der Zuwanderung nach Deutschland. Je nach dem, mit wem man spricht, wird dabei das Asylrecht von der Zuwanderung getrennt und für beides unterschiedliches Maß verlangt. In der Regel kapriziert sich dies aber auf eine wohlfeilere Variante von "Ausländer raus" und nicht wenige braune Randparteien haben sich schon prinzipiell zum Asyl bekannt, um es dann im Konkreten für keinen realen Fall gelten lassen zu wollen. Zum Glück sind die Wähler nicht blöd.

Bei der Zuwanderung ist es umgekehrt. Die gesuchten Top-Kräfte für die unbesetzbaren Spitzenstellen in Technik, Administration und Forschung sind in dem Umfang gar nicht bereit, nach Deutschland zu kommen. Das kommt schon vor, aber nicht in dem von der Wirtschaft gewünschten Maße. Den Kampf um die Top-Köpfe gewinnt Deutschland nur, wenn es hier vorhandene Menschen fördert und überzeugt, da zu bleiben oder nach einer Auslandserfahrung zurück zu kommen.

Für gehobene, aber nicht Spitzenfunktionen und für mittlere Tätigkeiten gibt es im Schengen-Raum erhebliches Potential. Landärzte für Ostdeutschland, Mechaniker, Metzger, Industriebäcker, gewöhnliche IT-Fachkräfte. Allerdings steht auch hier Deutschland in Konkurrenz mit Heimatländern und in vielen EU-Ländern sind die in Frage kommenden Jahrgänge bereits ausgekämmt, aber der Hunger des deutschen Arbeitsmarktes noch nicht gesättigt.

Hingegen gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die gern Deutsche werden wollen. Sie stammen aus mehr oder minder elenden Ländern außerhalb der EU, sie haben irgendwas gelernt, das in Deutschland so ohne weiteres nicht so viel taugt und sie sind noch keine Goethe-Kenner. Diese Menschen haben in der Regel nur begrenzte Chancen, nach Deutschland zu kommen über die normale Zuwanderung. Sie über mehr oder minder ernst zu nehmende Asylgründe aufzunehmen und dann irgendwie an Deutschland anzupassen, ist teuer und nicht gern gesehen. Oft ist es preiswerter, die Menschen in ihren Heimatländern leben zu lassen, bis sie Deutschland-kompatibel sind. Deutschland braucht Zuwanderung in die Sozialsysteme, allerdings ist das leichter vermittelbar, wenn es sich nicht ausschließlich um Empfänger handelt. Das deutsche Handwerk und der industrielle Mittelstand haben immer größere Probleme, Ausbildungsstellen sinnvoll zu besetzen und ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen.

Daher der Vorschlag für das Deutschland-Stipendium:

Menschen bis 35 Jahren mit ortsüblichem mittlerem oder höherem Schulabschluß bewerben sich auf einen Vorvertrag mit einem deutschen Unternehmen. Sie legen ein polizeiliches Führungszeugnis oder ähnliches Dokument vor.

Sie verpflichten sich
* bei einem zertifizierten Träger vor Ort deutsches Sprachniveau B1 in überschaubarer Zeit zu erlernen und in einer Prüfung nachzuweisen.
* einen Kurs in Deutschlandkunde mit Prüfung abzulegen, in dem sie die deutsche Kultur und Grundzüge des Rechtssystems erlernen.
* einen englischsprachigen oder deutschsprachigen Fernkurs der IHK passend zu ihrer angestrebten Ausbildung zu belegen, der von regelmäßigen Prüfungen begleitet wird.
* Bei überdurchschnittlichem Lernfortschritt, der alle vier Monate nachzuweisen ist, erhält der Teilnehmer ab dem 4. Monat ein Taschengeld in Höhe von 1/3 des ortsüblichen Mindestlohnes.
* Das Unternehmen kann die Maßnahme jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden.
* Bei Erfolg bekommt der Teilnehmer einen Ausbildungsplatz im Unternehmen und bekommt eine Unterkunft in einem Wohnheim oder einer Einrichtung des Unternehmens.
* Das Unternehmen verpflichtet sich, bei mindestens durchschnittlichem Ausbildungsergebnis den Arbeitnehmer unbefristet tariflich zu beschäftigen.
* Der Teilnehmer bindet sich für mindestens fünf Jahre an das Unternehmen
* Nach drei Jahren Vollzeitarbeit kann die deutsche Staatsbürgerschaft mit einem Sprach- und Wissenstest erworben werden.

Diese Maßnahmen werden dem Teilnehmer als zinsloser Kredit von einer Bundesanstalt in Rechnung gestellt, flexibel rückzahlbar ab 12 Monate nach Beginn der Vollzeitarbeit. Bei Vorliegen bestimmter Erfolgskriterien tilgen der Staat und das Unternehmen paritätisch bis zu 2/3 der Darlehenssumme.

* Das Deutschland-Stipendium ist jährlich kontingentiert und von Nachfrage durch Unternehmen abhängig.
* Der Familiennachwuchs ist auf eigene Kinder und Ehepartner beschränkt, der Ehepartner muss dazu ebenfalls einen Sprach- und Landeskundetest bestehen. Andere Verwandte können nicht auf Einladung länger als besuchsweise nachgeholt werden, auch nicht nach Erlangung der Staatsbürgerschaft.
* Es dürfen keine problematischen Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden vorliegen.

Ein fairer Deal? Was meint ihr?
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Re: Das Deutschland-Stipendium

Beitragvon Dampflok94 » Do 27. Jul 2017, 10:12

Mal eine Frage zu dem Konzept.

Es heißt hier "bis 35 Jahre". Da gibt es also eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, daß die betreffende Person bereits verheiratet ist und sogar Kinder existieren. Was ist mit denen? Wann dürfen die nach Deutschland? Mit Beginn der Ausbildung? Nach der Ausbildung? Gar nicht?
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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Re: Das Deutschland-Stipendium

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 27. Jul 2017, 13:01

Es muss heißen Familiennachzug, nicht Nachwuchs
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