Flüchtlings Soli durch die Industrie?

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1475
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Flüchtlings Soli durch die Industrie?

Beitragvon watisdatdenn? » So 30. Apr 2017, 03:53

Hallo zusammen,

Wir erinnern uns an die Aussage von Zetsche über Flüchtlinge:
"Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land", sagte der Daimler-Chef und bekräftigte ein kurz zuvor gegebenes Interview.

http://m.spiegel.de/wirtschaft/unterneh ... 74495.html

Nun scheint der laut und deutlich angekündigte Bedarf bei Mercedes nicht allzu hoch zu sein:
Flüchtlinge haben bei Daimler auch schon eine Festeinstellung gefunden. Bereits im Jahr 2015 waren es neun Festeinstellungen. 2016 werden es rund 50 sein.

https://www.wir-zusammen.de/patenschaften/daimler

Also wenn es hochkommt sind es bisher etwa 60 Flüchtlinge, welche Mercedes händeringend und öffentlichkeitswirksam gesucht hat. Angesichts einer Million Flüchtlinge und mehr als einer Viertel Million Mitarbeiter bei Mercedes, keine beeindruckende Summe..


Es war aber nicht Mercedes allein, welches nach Flüchtlingen gerufen hat. Auch der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat sich klar für Flüchtlinge als Arbeitskräfte ausgedrückt:
Die steigenden Flüchtlingszahlen wertete er als Chance für den deutschen Arbeitsmarkt. "Wir brauchen in den nächsten 20 Jahren viel mehr Arbeitskräfte, als dieses Land hervorbringen wird", sagte Kramer und sprach von 500 000 freien Stellen in Deutschland. Eine Möglichkeit diese zu besetzen sei, geflüchtete Menschen möglichst schnell in die Arbeitswelt zu integrieren.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/a ... -1.2634072


Nun ist es aber so, dass es dieses mehr an Arbeitskräften nicht zum Nulltarif gibt.
Die Mehrkosten von Bund Ländern und Kommunen für die Flüchtlinge gehen in die zig Milliarden jährlich.
Aber auch die Krankenkassen haben Mehrkosten in Milliardenhöhe.

Es gibt ja dem Spruch: "Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen".

Sollte man also die Arbeitgeber und insbesondere Unternehmen wie Mercedes (mit Milliarden gewinnen und vorgegebenen hohen Bedarf an Flüchtlingen) stärker in die Finanzierung der Mehrkosten durch Flüchtlinge einbinden?
Wie könnte so etwas aussehen?
Sollte man z.b. den Arbeitgeberanteil der Krankenkassenkosten wieder paritätisch zum Arbeitnehmeranteil machen um die Mehrkosten der Flüchtlinge darüber abzufangen?
Sollte es einen "Flüchtlingssoli" durch die profitierenden Unternehmen (wie Mercedes) geben um die Kosten nicht vor allem auf die arbeitnehmenden Steuerzahler abzuwälzen, der durch Flüchtlinge nicht profitiert?

Was meint ihr?
Occham
Beiträge: 1507
Registriert: Do 21. Mai 2015, 15:38
Benutzertitel: Ritt über die Rasierklinge

Re: Flüchtlings Soli durch die Industrie?

Beitragvon Occham » So 30. Apr 2017, 09:13

Haben die denn die Music gerufen, oder war es einfach schick die Leute aufzuheitern?
Große Dinge haben kleine Ursachen.
Aberwitz
Beiträge: 46
Registriert: Di 12. Sep 2017, 19:59

Re: Flüchtlings Soli durch die Industrie?

Beitragvon Aberwitz » Do 14. Sep 2017, 15:01

Die Ausländer hätten in eine parallele Sozialversicherungsschiene
gemeldet werden müssen;
schon damals in den 1960er Jahren.

Dann gäbe es auch Vergleichsmöglichkeiten,
ob Ausländer z.B. weniger krank wären,
häufiger arbeitslos wären,
Frühverrentung in Anspruch nähmen,
etc.

Die allermeisten einfachen Beschäftigten im Kapitalismus
haben eine gebrochene Berufslaufbahn.
Ausländer ebenso.
Die Unternehmen gleichen kurzfristigen Kräftemangel aus,
und entlassen irgendwann wieder.

Gewinne privatisieren, und Verluste sozialisieren.

Wie z.B. beim Atommüll.
1.Mose 11,9 :
Daher heißt ihr Name Berlin Babel, daß der HERR daselbst verwirrt hatte aller Länder Sprache und sie zerstreut von dort in alle Länder.
Aberwitz
Beiträge: 46
Registriert: Di 12. Sep 2017, 19:59

Re: Flüchtlings Soli durch die Industrie?

Beitragvon Aberwitz » Do 14. Sep 2017, 15:08

Die Firmen sollten auch im Ausland Produktionsstätten haben.

Dieser Iranische Automobilhersteller soll der 13. Größte
weltweit sein, auch in Syrien produzieren
und mit MB zusammenarbeiten :
Iran Khodro (IKCO) ist der größte Automobilhersteller im Iran. خودرو (Chodro) bedeutet Auto auf Deutsch.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Iran_Khodro
1.Mose 11,9 :
Daher heißt ihr Name Berlin Babel, daß der HERR daselbst verwirrt hatte aller Länder Sprache und sie zerstreut von dort in alle Länder.
Merkel_Unser
Beiträge: 800
Registriert: Mi 10. Jun 2015, 20:33

Re: Flüchtlings Soli durch die Industrie?

Beitragvon Merkel_Unser » Do 14. Sep 2017, 15:26

So aberwitzig diese Aussagen von u.a. Herrn Zetsche auch sind, muss man schon den Kontext betrachten. Im allgemeinen Flüchtlingshype 2015/2016 war es eben en vogue irgendwas positives über den Zustrom an Neubürger zu verbreiten. Zumal ein größerer Pool an potentiellen Arbeitern/Arbeitnehmern für einen AG ja erstmal nur Vorteile bietet. Die Arbeitgeber aufgrund von mündlichen Aussagen jetzt aber zur Kasse zu bitten, geht selbst mir zu weit. Nein, das ist m.M.n. einfach eine Sache der Politik.

Mittlerweile holt die Realität eben auch einen Zetsche ein, wobei man die alibimäßig angestellten 60 Flüchtlinge ja zumindest noch positiv werten kann.

Zurück zu „10. Sozialpolitik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste